[0001] Die Erfindung betrifft eine hydraulische Presse zum Herstellen von Preßkörpern aus
pulverförmigen Massen, insbesondere aus Metallpulver, mit einem durch Ventile gesteuerten,
doppelt wirkenden Zylinder/Kolben-System zur Bewegung mindestens eines Pressenbären
gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] Pressen der genannten Art sind heute vielfach im Einsatz z. B. zur Herstellung von
Preßkörpern aus Metallpulver, die anschließend noch gesintert werden. Sie können aber
auch verwendet werden zur Kalibrierung von Formteilen. Gemeinsam ist diesen Pressen,
daß sie ein formgebendes Werkzeug mit einer Matrize, mindestens einen Unterstempel
und mindestens einem Oberstempel aufweisen. Die während des Preßzyklus erforderlichen
Stempelbewegungen können z. B. auf rein mechanischem (Kurbelantrieb) und/oder hydraulischem
Wege erzeugt werden. Insbesondere sind positions- und kraftgeregelte Pressen gebräuchlich,
bei denen der Oberstempel und die Matrize über hydraulisch angetriebene Pressenbären
bewegt werden.
[0003] Zur Senkung der Stückkosten in der Produktion ist man stets bestrebt, die Zykluszeiten
zur Herstellung eines Teils möglichst kurz zu halten. Für Pressen bedeutet dies die
Forderung nach relativ hohen Eilganggeschwindigkeiten beim Verfahren des oder der
Pressenbären der Stempel. Im Hinblick auf die Druckmittelversorgung bei einem diesbezüglichen
hydraulischen Antrieb ergibt sich daraus, daß das Hydraulikpumpemsystem in der Lage
sein muß, sowohl große Mengen des Druckmittels zum schnellen, lastfreien Verfahren
zur Verfügung zu stellen, als auch kleinere Mengen zum langsamen Verfahren unter hoher
Last (Preßkraft) zu liefern. Um diesen zeitlich sich verändernden Anforderungen gerecht
zu werden, hat man zur Druckmittelversorgung bisher in der Regel fördermengenverstellbare
Hydraulikpumpen eingesetzt. Die Umsteuerung einer derartigen variablen Pumpe erfordert
jedoch einen Mindestzeitbedarf, der bei kurzen Zykluszeiten bestimmend wird. Das heißt,
daß bei schneller laufenden Pressen eine weitere Verkürzung der Zykluszeite vielfach
an der nicht mehr verkürzbaren Reaktionszeit der variablen Hydraulikpumpe scheitert.
[0004] Dieses Hindernis Kann man zwar dadurch umgehen, daß man das Hydraulikpumpensystem
überdimensioniert, also von vornherein vorsieht, daß die Pumpe auch bei höheren Lasten
(Drücken) noch relativ große Fördermengen (hohe Geschwindigkeit) liefern kann. Beispielsweise
kann man eine verstellbare Axialkolbenpumpe hoher Leistung in Verbindung mit einem
Geschwindigkeitsregler für den Preßkolben einsetzen. Im praktischen Betrieb wird dann
vom zur Verfügung stehenden Regelbereich der Pumpe nur ein relativ kleiner Teil ausgenutzt,
weil die Anpassung an den tatsächlichen Druckmittelbedarf (Druck und Fördermenge)
aufgrund zu kurzer Zykluszeiten nicht schnell genug erfolgen kann.
[0005] Überschüssiges unter hohem Druck stehendes Druckmittel muß dann über ein Überdruckventil
in den Hydrauliktank abgeleitet werden. Infolge der Überdimensionierung entsteht daher
nicht nur ein höherer Anlagenaufwand, sondern es muß beim Pressenbetrieb auch der
Nachteil eines an sich unnötig hohen Energieaufwandes in Kauf genommen werden. Insbesondere
letzteres gilt auch für den Fall, daß anstelle einer regelbaren Hydraulikpumpe eine
Konstantpumpe eingesetzt wird, die sowohl auf die maximale Förderleistung als auch
auf den maximal erforderlichen Druck ausgelegt ist. In diesem Fall bringt die notwendige
Ableitung überschüssiger Fördermengen in den Hydrauliktank einen noch höheren Energieverbrauch
mit sich.
[0006] Eine andere bekannte Lösung zur Vereinbarung der an sich gegenläufigen Forderungen
nach hohen Eilganggeschwindigkeiten aber dennoch für die gleiche Bewegungsrichtung
auch hohen Preßkräften bei gleicher Hydraulikpumpe sieht den Einsatz von Differentialkolbensystemen
für den Antrieb von Pressenbären vor. Ein Differentialkolbensystem ist ein hydraulischer
Kolbenantrieb, dessen Kolben jeweils wirksame Kolbenflächen für die Hin- und Herbewegung
aufweist, wobei die beiden Kolbenflächen unterschiedlich groß sind. In der sogenannten
Differentialschaltung sind beide wirksamen Kolbenflächen durch eine entsprechende
Ventilsteuerung mit Druckmittel beaufschlagt und die zugehörigen Zylinderräume hydraulisch
miteinander verbunden. Das bedeutet, daß sich der Kolben mit hoher Fahrgeschwindigkeit
(Eilgang vorwärts) aber geringer Preßkraft in Wirkrichtung der größeren Kolbenfläche
bewegt, weil die hydraulische Kraft in dieser Richtung größer als in Gegenrichtung
ist und gleichzeitig nur ein relativ kleines Zylindervolumen direkt von der Hydraulikpumpe
gefüllt werden muß, nämlich das der Flächendifferenz der beiden Kolbenflächen, also
dem Kolbenstangenquerschnitt entsprechende Zylindervolumen.
[0007] Zur Erzielung hoher Preßkräfte wird allein der der größeren Kolbenfläche zugeordnete
Zylinderraum an die Druckmittelversorgung angeschlossen. Um in Gegenrichtung bei geringer
Preßkraft eine hohe Fahrgeschwindigkeit (Eilgang rückwärts) zu erreichen, wird allein
die kleinere Kolbenfläche mit Druck beaufschlagt. Häufig liegt ein Kolbenflächenverhältnis
von 1 : 2 vor. Das bedeutet, daß der Eilgang in und gegen Preßrichtung doppelt so
schnell wie der Arbeitsgang ist, aber nur mit der Hälfte der Preßkraft erfolgt.
[0008] Es sind auch Lösungen bekannt, bei denen das Flächenverhältnis etwa 1 : 10 beträgt.
In solchen Fällen besteht bei gleichem Druckmittelstrom ein krasses Mißverhältnis
zwischen den möglichen Fahrgeschwindigkeiten in Preßrichtung (Arbeitsgang und Eilgang
vorwärts) und in Gegenrichtung (Eilgang rückwärts), nämlich ein Verhältnis von 1 :
1,1 : 10. Um in dieser Hinsicht eine Verbesserung zu erreichen, ist es auch bekannt,
die Zylinderseite an der großen Kolbenfläche des Differentialkolbensystems zur Erzielung
hoher Fahrgeschwindigkeiten zeitweilig an ein sogenanntes Vorfüllsystem anzuschließen.
Das bedeutet, daß z.B. aus einem unter einem gewissen Überdruck stehenden Vorratsbehälter
in kurzer Zeit relativ große Mengen Hydraulikflüssigkeit in den Zylinderraum hineingedrückt
werden können. Bei Erreichen der eigentlichen Arbeitsposition wird dann wieder umgeschaltet
auf die alleinige Druckmittelversorgung durch die Hydraulikpumpe. Allein schon wegen
der benötigten Druckbehälter für den Druckmittelvorrat ist eine solche Lösung sehr
aufwendig.
[0009] Ferner ist es bekannt, neben einem Zylinder/Kolben-System (Arbeitszylinder), das
z.B. mit einem nur in Preßrichtung wirkenden Tauchkolben ausgeführt sein kann und
zumindest den weitaus überwiegenden Teil der gewünschten maximalen Preßkraft erzeugt,
weitere kleinere hydraulische Zylinder/Kolben-Einheiten vorzusehen, die lediglich
die Eilganggeschwindigkeit für den Vor- und Rücklauf des Pressenbären sicherstellen
sollen. Diese kleinen Zylinder/Kolben-Einheiten sind in der Regel als Differentialkolbensysteme
mit einem Flächenverhältnis von 1 : 2 ausgestattet. Da ihr mengenmäßiger Druckmittelbedarf
im Vergleich zum Arbeitszylinder relativ gering ist, können hohe Eilgeschwindigkeiten
erreicht werden, die bei Anwendung der Differentialschaltung in beiden Fahrtrichtungen
sogar gleich hoch sind. Die Pumpenkapazität wird während einer Eilgangsfahrt in Preßrichtung
nur zur Betätigung der kleinen Zylinder/Kolben-Einheiten und nicht auch dazu benutzt,
um das Volumen des eigentlichen Arbeitszylinders aufzufüllen. Für letzteres wird der
Arbeitszylinder während einer Eilgangsfahrt in Preßrichtung an einen Vorratsbehälter
angeschlossen, aus dem er entsprechende Mengen an Hydraulikflüssigkeit ansaugen kann.
Man spricht daher auch von "Nachsaugesystemen". Während einer Eilgangsfahrt "rückwärts"
wird das Volumen des Arbeitszylinders wieder in den Vorratsbehälter zurückgedrückt.
Auch bei dieser Lösung ist der beträchtliche Anlagenaufwand als nachteilig anzusehen.
[0010] Schließlich ist es bekannt, zur Realisierung großer Fahrgeschwindigkeiten in Preß-
und in Gegenrichtung bei gleichzeitiger Wahrung der Möglichkeit zur Erzeugung hoher
Preßkräfte im Arbeitsgang sogenannte Differential-Tauchkolben-Systeme einzusetzen.
Ein solches Differential-Tauchkolben-System ist in Figur 1 dargestellt. Der Differential-Tauchkolben
1 ist im Pressengestell 10 angeordnet und weist eine nach außen geführte Kolbenstange
2 auf, an die ein nicht dargestellter Pressenbär angekoppelt werden kann.
[0011] Für die Aufwärtsfahrt des Kolbens 1 kann über eine Hydraulikzuleitung 9 ein Druckmedium
in einen unteren Zylinderraum 6 eingeführt werden. Die Hydraulikflüssigkeit wirkt
auf die ringförmige, in Aufwärtsrichtung wirksame Kolbenfläche A₃ und verschiebt den
Kolben 1 gegen die Preßrichtung. Für die Abwärtsfahrt des Kolben 1 kann die der Kolbenfläche
A₃ gegenüberliegende Kolbenfläche mit Druck beaufschlagt werden. Diese gegenüberliegende
Kolbenfläche ist in die Teilflächen A₁ und A₂ aufgeteilt. Die Teilfläche A₁ ist ringförmig
ausgebildet und liegt am ringförmigen Zylinderraum 4, der über die Hydraulikleitung
8 mit Druckmittel versorgt werden Kann. Die Teilfläche A₂ liegt im Inneren des Kolbens
1 am Boden eines Zylinderraums 5. Der in diesen Zylinderraum 5 hineinragende Kolben
ist als Tauchkolben 3 ausgeführt und starr mit dem Pressengestell 10 verbunden. Die
in Abwärtsrichtung wirksame Teilfläche A₂ entspricht der Größe der Stirnfläche des
Tauchkolbens 3. Das Zylinder/Kolben-System 5, 3 stellt eine kinematische Umkehr eines
normalen Hydraulikzylindersystems dar, da der Tauchkolben 3 festgehalten wird, während
sich das den Zylinderraum 5 einschließende Maschinenteil (Kolben 1) bewegt.
[0012] Zur Druckmittelversorgung des Zylinderraums 5 ist eine Hydraulikleitung 7 durch den
feststehenden Tauchkolben 3 hindurchgeführt. Das dargestellte Differential-Tauchkolben-System
läßt sich hydraulisch so schalten, daß die im Eilgang aus einem Zylinderraum verdrängte
Hydraulikflüssigkeit zur Auffüllung eines anderen sich vergrößernden Zylinderraums
herangezogen wird. Dies ist ohne weiteres aufgrund der Dimensionierung der wirksamen
Kolbenflächen A₁, A₂, A₃ möglich. In jedem Fall gilt, daß die Kolbenfläche A₃ größer
ist als jede der beiden einzelnen Teilflächen A₁ und A₂. Darüber hinaus ist A₃ jedoch
kleiner als die Summe der beiden Teilflächen A₁ und A₂. Ein praktisches Flächenverhältnis
ist beispielsweise A₁ : A₂ : A₃ = 2 : 4 : 5 (d.h. die Querschnittsfläche der Kolbenstange
2 beträgt 1).
[0013] Zur Realisierung des Eilgangs für die Abwärtsfahrt Können alle drei Zylinderräume
4, 5, 6 mit ihren Hydraulikleitungen 7, 8, 9 an eine gemeinsame Druckmittelzuleitung
einer Hydraulikpumpe angeschlossen werden. Da die Kolbenflächen A₁ und A₂, die in
Preßrichtung wirken, zusammen größer sind als die in Gegenrichtung wirksame Kolbenfläche
A₃, bewegt sich der Kolben 3 wegen der überall nahezu gleichen Drucks nach unten,
wobei die aus dem unteren Zylinderraum 6 verdrängte Hydraulikflüssigkeit durch die
bestehenden Leitungsverbindungen in die oberen Zylinderräume 4 und 5 gelangt. Das
bedeutet, daß die Hydraulikpumpe lediglich das der Flächengröße 1 entsprechende Zylindervolumen
füllen muß, so daß eine hohe Geschwindigkeit erreichbar ist. Bei langsamer Abwärtsfahrt
wird die aus dem unteren Zylinderraum 6 verdrängte Hydraulikflüssigkeit in den Hydrauliktank
gefördert und die Füllung der oberen Zylinderräume 4 und 5 allein durch die Hydraulikpumpe
vorgenommen. In diesem Fall steht auch die volle Preßkraft in Preßrichtung zur Verfügung
(entsprechend der wirksamen Kolbenfläche A₁ + A₂).
[0014] Eine andere Schaltung für den Eilgang abwärts wäre die, daß die Zylinderräume 5 und
6 durch entsprechende Ventilschaltungen miteinander und zusätzlich zur Ableitung des
Überschusses an Hydraulikflüssigkeit mit dem Hydrauliktank verbunden werden, während
die Hydraulikpumpe lediglich an den Zylinderraum 4 angeschlossen ist. In diesem Fall
würde sich bei gleicher Förderleistung der Hydraulikpumpe lediglich die Hälfte der
im ersten Fall erzielten Eilganggeschwindigkeit ergeben, da die Hydraulikpumpe dann
das einer Flächengröße 2 entsprechende Zylindervolumen füllen müßte.
[0015] Für eine gleich schnelle Aufwärtsfahrt (gegen die Preßrichtung) wie im ersten Fall
und bei gleicher Förderleistung lassen sich durch eine geeignete Ventilschaltung die
Zylinderräume 5 und 6 untereinander und mit der Hydraulikpumpe verbinden, während
der Zylinderraum 4 an den Hydrauliktank angeschlossen ist. Dadurch muß von der Hydraulikpumpe
lediglich das der Flächengröße 1 entsprechende Zylindervolumen im Zylinderraum 6 gefüllt
werden; der überwiegende Teil wird durch die Verdrängung der Hydraulikflüssigkeit
aus dem Zylinderraum 5 in den Zylinderraum 6 gefördert. Sofern in Aufwärtsrichtung
größere "Preßkräfte" erwünscht sind, können die oberen Zylinderräume 4 und 5 an den
Hydrauliktank und der untere Zylinderraum 6 an die Hydraulikpumpe angeschlossen werden.
In einem solchen Fall steht dann aber nur die einer wirksamen Kolbenfläche der Größe
5 entsprechende Preßkraft (anstelle von 6 in Abwärtsrichtung) zur Verfügung. Gleichzeitig
ergibt sich selbstverständlich eine entsprechende Reduktion der möglichen Geschwindigkeit.
[0016] Ein solches Differential-Tauchkolben-System hat neben der aufwendigen Bauweise noch
weitere Nachteile. Zum einen ergeben sich relativ enge Grenzen für die Wahl der Größe
der wirksamen Kolbenflächen (A₁, A₂, A₃) und somit auch der Querschnittsfläche der
Kolbenstange 2. Eine solche Grenze liegt praktisch bei einen Verhältnis der Kolbenfläche
A₃ zum Kolbenstangenquerschnitt 2 von 6 : 1, das bedeutet, daß auch eine entsprechende
Einschränkung für das Verhältnis von maximaler Eilganggeschwindigkeit und Arbeitsganggeschwindigkeit
gegeben ist. Zum anderen muß die gesamte Preßkraft über die Kolbenstange 2 auf den
Pressenbär übertragen werden, so daß die Kolbenstange mechanisch stark beansprucht
wird und die Krafteinleitung in den Pressenbär sich schwierig gestaltet.
[0017] Hinzu kommt, daß ein solches Hydraulikkolbensystem sich wenig eignet zur Übernahme
von Führungsfunktionen für den Pressenbär, d.h. zur Aufnahme von seitlich wirkenden
Kräften. Der Abstand der Berührungszonen der Kolbenstange 2 und des Kolbens 1 mit
dem Pressengestell 10 wird nämlich bei nach unten ausfahrendem Pressenbär immer kleiner,
so daß in Preßrichtung, also mit steigender Preßkraft eine zunehmend schwächere Seitenführung
gegeben ist. Außerdem bietet diese Konstruktion keine Sicherung gegen Verdrehung des
Pressenbären um die in Preßrichtung liegende Längsachse. Schließlich läßt eine solche
Konstruktion es nicht zu, in die Kolbenstange 2 noch einen hydraulischen Hilfskolben,
wie er bei Metallpulverpressen häufig benötigt wird, zu integrieren.
[0018] Aufgabe der Erfindung ist es, eine Presse gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruches
1 im Hinblick auf die Erzielung kurzer Zykluszeiten so weiterzuentwickeln, daß im
Vergleich zur Arbeitsganggeschwindigkeit sehr hohe und in beiden Richtungen etwa gleich
große Eilganggeschwindigkeiten möglich sind, wobei die Krafteinleitung vom Hydraulikzylinder/Kolben-System
in den Pressenbär im Hinblick auf eine geringere Beanspruchung der Kolbenstange bzw.
Kolbenstangen verbessert werden soll. Der Bauaufwand und der Energieeinsatz beim Betrieb
der Presse sollen möglichst gering bleiben.
[0019] Gelöst wird diese Aufgabe bei einer gattungsgemäßen Presse mit den kennzeichnenden
Merkmalen des Patentanspruches 1. Die erfindungsgemäße Presse ist durch die Merkmale
der Unteransprüche 2 bis 9 in vorteilhafter Weise ausgestaltbar.
[0020] Die Erfindung sieht für eine hydraulische Presse zum Herstellen von Preßkörpern aus
pulverförmigen Massen, insbesondere Metallpulver, vorzugsweise folgende Merkmale vor:
- Die Presse hat mindestens einen Pressenbären, der durch einen durch Ventile gesteuerten
doppelt wirkenden Hydraulikantrieb bewegbar ist.
- Der Hydraulikantrieb wird gebildet aus einem Differentialkolbensystem (bestehend aus
einem oder mehreren Differentialkolbeneinheiten) und einem Tauchkolbensystem (bestehend
aus einem oder mehreren Tauchkolben).
- Die Krafteinleitung vom Tauchkolbensystem und vom Differentialkolbensystem in den
Pressenbären erfolgt jeweils durch körperlich voneinander getrennte Bauelemente (z.B.
Kolbenstangen).
- Die Summe der Kolbenflächen mit in Preßrichtung gerichteter Wirkrichtung ist größer
als die Kolbenfläche mit Wirkrichtung gegen die Preßrichtung.
- Die Wirkrichtung der kleineren Kolbenfläche des Differentialkolbensystems liegt in
Preßrichtung. Dabei ist die gegen Preßrichtung wirksame Kolbenfläche jeweils größer
ist als die in Preßrichtung wirksame Kolbenfläche des Differentialkolbensystems und
die Kolbenfläche des Tauchkolbensystems.
- Während der Eilgangsfahrten in bzw. gegen Preßrichtung sind die Zylinderräume des
Differentialkolbensystems durch eine entsprechende Ventilschaltung stets hydraulisch
miteinander verbunden.
[0021] Die erfindungsgemäße Bauweise liefert eine hydraulische Presse, die, ohne einen "Nachsaugebetrieb"
zu erfordern, Eilganggeschwindigkeiten über 0,5 m/sec ermöglicht. Dabei ist der große
Vorteil gegeben, daß im Arbeitsgang, also beim langsamen Verfahren des Pressenbären
bei hoher Preßkraft stets eine präzise Positionsregelbarkeit gewährleistet ist. Im
Unterschied zu Stanz- oder Prägepressen ist dies für eine Pulverpresse von großer
Bedeutung. Die gewünschte Endposition der Preßstempel muß nicht nur präzise sondern
auch mit ausreichend langsamer Geschwindigkeit angesteuert werden, damit das zu verpressende
Pulver genügend Zeit hat, im Formraum zu fließen, so daß Preßteile mit gleichmäßiger
Dichte entstehen.
[0022] Nachfolgend wird die Erfindung anhand der Figuren 1 bis 3 näher erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- ein Differential-Tauchkolben-System in einem Längsschnitt,
- Figur 2
- eine schematische Darstellung des erfindungsgemäßen hydraulischen Pressenantriebs
und
- Figur 3
- einen erfindungsgemäßen Pressenantrieb mit integriertem Hilfskolben.
[0023] Der in Fig. 1 dargestellte Ausschnitt aus einem bekannten hydraulischen Pressenantrieb
wurde vorstehend bereits ausführlich erläutert. Der in Fig. 2 schematisch dargestellte
Pressenantrieb gemäß der Erfindung weist neben zahlreichen Gemeinsamkeiten wesentliche
Unterschiede hierzu auf. Der Pressenbär 11 ist fest gekoppelt mit den Kolbenstangen
zweier Zylinder/Kolben-Einheiten K₁ und K₂. Die untere Einheit K₁ ist mit einem doppelt
wirkenden Kolben 13 ausgestattet.
[0024] Da die Kolbenstange des Kolbens 13 durch den Zylinderraum 4 geführt ist, ist die
diesem zugeordnete wirksame Kolbenfläche A₁ (Abwärtsrichtung) kleiner als die dem
Zylinderraum 6 zugeordnete Kolbenfläche A₃ des Kolbens 13 (Aufwärtsrichtung). Auf
der gegenüberliegenden Seite des Pressenbären 11 liegt die Zylinder/Kolben-Einheit
K₂, die einen Tauchkolben 12 mit der wirksamen Kolbenfläche A₂ (Abwärtsrichtung) aufweist.
Wesentlich ist es, daß die (hier abwärts gerichteten) wirksamen Kolbenflächen A₁ und
A₂ auf zwei Zylinder/Kolben-Einheiten K₁, K₂ verteilt sind, die nicht ineinander geschachtelt
sind wie bei Fig. 1. Die Flächen A₁ und A₂ sind einzeln kleiner als A₃, zusammen jedoch
größer als A₃. Aus diesem Grunde wird normalerweise die Abwärtsrichtung als die Preßrichtung
anzusehen sein. Es kann jedoch in einzelnen Fällen auch zweckmäßig sein, die Richtung
mit der kleineren wirksamen Kolbenfläche, also der geringeren erreichbaren maximalen
Preßkraft als Preßrichtung zu wählen.
[0025] Beispielsweise könnten zum Bau einer Presse mit kleinerer Leistung dieselben Antriebsaggregate
eingesetzt werden wie zum Bau einer größeren Presse. Selbstverständlich Können die
Hydraulik/Zylinder-Einheiten K₁ und K₂, wie dies in Figur 3 der Fall ist, auf derselben
Seite des Pressenbären 11 angeordnet werden. Man könnte auch statt der doppelt wirkenden
Zylinder/Kolben-Einheit K₁ zwei getrennte Zylinder/Kolben-Einheiten wählen, die jeweils
nur in einer, aber zueinander entgegengesetzten Fahrrichtung des Pressenbären wirken.
Generell gilt, daß das erfindungsgemäße Antriebssystem für Ober- und Unterbären von
Hydraulikpressen anwendbar ist. Die Druckmittelversorgung der Zylinderräume 4, 5,
6 über die Hydraulikleitungen 7, 8, 9 wird durch die Ventile V₁, V₂, V₃ gesteuert.
Dabei ist die Funktion wie folgt:
Die Hydraulikpumpe P fördert Hydraulikflüssigkeit aus einem Hydrauliktank T unter
Überdruck durch eine Hydraulikleitung 19. Diese Hydraulikleitung 19 führt zu einem
4/3-Wegeventil V₁, das in Stellung b sämtliche Leitungsanschlüsse sperrt. In diesem
Fall gelangt die geförderte Hydraulikflüssigkeit aus der Leitung 19 über eine Leitung
20, die durch ein Überdruckventil S (Umlaufventil) gesichert ist, zurück in den Hydrauliktank.
Wird nun das Hydraulikventil V₁ in Stellung a gerückt, so gelangt die Hydraulikflüssigkeit
über die Hydraulikleitungen 14 und 8 in den Zylinderraum 4 der Hydraulik/Kolben-Einheit
K₁. Da das 3/2-Wegeventil V₃ in Schaltstellung b steht, ist eine Leitungsverbindung
zwischen den Zylinderräumen 4 und 6 über die Hydraulikleitungen 8, 21, 9 gegeben.
Der Zylinderraum 5 der oberen Hydraulik/Kolben-Einheit K₂ wird wegen der Ventilstellung
b am 3/2-Wegeventil V₂ nicht mit dem Druck der Hydraulikpumpe P beaufschlagt, sondern
ist bei Stellung a des Ventils V₁ über die Leitungen 7, 16 und 18 mit dem Hydrauliktank
T verbunden, so daß die aus dem Zylinderraum 5 verdrängte Hydraulikflüssigkeit in
den Hydrauliktank T über das Rückschlagventil R abfließen kann.
[0026] Da die Kolbenfläche A₃ größer ist als die Kolbenfläche A₁ wird bei dieser Stellung
der Ventile V₁, V₂, V₃ eine schnelle Aufwärtsbewegung des Pressenbären 11 eintreten.
Neben dem durch die Hydraulikpumpe P geförderten Strom der Hydraulikflüssigkeit wird
nämlich gleichzeitig über die Leitungen 8, 21, 9 der sehr viel größere Mengenstrom
der aus dem Zylinderraum 4 verdrängten Hydraulikflüssigkeit in den Zylinderraum 6
gefördert. Dieser Fall entspricht der in der Tabelle unter der Nummer 4 angegebenen
Schaltsituation.
[0027] Eine hohe Abwärtsgeschwindigkeit stellt sich ein, wenn das Ventil V₁ in Stellung
a und Ventil V₃ in Stellung b bleibt, aber Ventil V₂ in Stellung a gerückt wird.
[0028] In diesem Fall sind nicht nur die Zylinderräume 4 und 5 sondern über die Hydraulikleitung
17 auch der Zylinderraum 6 mit dem Pumpendruck beaufschlagt. Gleichzeitig sind alle
Zylinderräume 4, 5, 6 aber auch untereinander verbunden. Wegen der in Abwärtsrichtung
größeren wirksamen Kolbenfläche A₁ + A₂ kann sich der Pressenbär 11 nur nach unten
bewegen. Die aus dem Zylinderraum 6 verdrängte Hydraulikflüssigkeit wird in die Zylinderräume
4 und 5 gefördert, während die Hydraulikpumpe P wie im Arbeitsgang pro Zeiteinheit
nur vergleichsweise geringe Mengen Hydraulikflüssigkeit zuführt, so daß erheblich
größere Geschwindigkeiten des Pressenbären realisiert werden als im Arbeitsgang. Dieser
Fall entspricht der in der Tabelle unter Nummer 2 angegebenen Schaltsituation.
[0029] Eine langsame Abwärtsgeschwindigkeit bei hoher Preßkraft stellt sich ein, wenn die
Ventile V₁ und V₂ in Stellung a bleiben und Ventil V₃ in Stellung a gebracht wird.
Das bedeutet, daß die Kolbenflächen A₁ und A₂ weiterhin mit dem Pumpendruck beaufschlagt
werden, während die Hydraulikflüssigkeit aus dem Zylinderraum 6 über die Hydraulikleitungen
9, 15, 18 in den Hydrauliktank T abfließen kann. Dieser Fall entspricht der Schaltsituation
Nummer 1 gemäß Tabelle. Auf die weiteren Schaltmöglichkeiten, die in der Tabelle aufgeführt
sind, braucht hier nicht im einzelnen eingegangen zu werden. Man erkennt jedoch, daß
es für den Eilgang und den Schleichgang je nach Bewegungsrichtung mehrere Schaltmöglichkeiten
gibt, die jeweils mit unterschiedlichen erreichbaren maximalen Preßgeschwindigkeiten
bzw. maximal erreichbarer Preßkraft verbunden sind und daher je nach den gegebenen
Umständen mehr oder weniger zweckmäßig sein können. Dies gilt auch für die verschiedenen
Stillstandspositionen, deren Wahl im Hinblick auf nachfolgende Schaltstellungen für
eine Bewegung des Pressenbären in einer mehr oder weniger günstigen Form erfolgen
kann.
[0030] Zu bemerken ist ferner noch, daß das Positionieren des Pressenbären 11 durch geeignetes
Umschalten zwischen Schleichgang aufwärts und abwärts, also insbesondere zwischen
den Schaltsituationen mit Nummern 1 und 9 erfolgt, indem das Ventil V₁ entsprechend
umgeschaltet wird.
| Nr. |
Ventilschaltstellung |
Bewegung Pressenbär |
Preßkraft |
| |
V₁ |
V₂ |
V₃ |
|
|
| 1 |
a |
a |
a |
Schleichgang abwärts |
hoch |
| 2 |
a |
a |
b |
Eilgang abwärts |
niedrig |
| 3 |
a |
b |
a |
Schleichgang abwärts |
hoch (niedriger als bei 1) |
| 4 |
a |
b |
b |
Eilgang aufwärts |
niedrig |
| 5 |
b |
a |
a |
Stillstand |
- |
| 6 |
b |
a |
b |
Stillstand |
- |
| 7 |
b |
b |
a |
Stillstand |
- |
| 8 |
b |
b |
b |
Stillstand |
- |
| 9 |
c |
a |
a |
Schleichgang aufwärts |
hoch |
| 10 |
c |
a |
b |
Stillstand |
- |
| 11 |
c |
b |
a |
Schleichgang aufwärts |
niedrig |
| 12 |
c |
b |
b |
Eilgang abwärts (langsamer als bei 2) |
niedrig (höher als bei 2) |
[0031] Eine für die praktische Anwendung besser geeignete Ausführungsform der Erfindung
ist in Figur 3 dargestellt. Die grundsätzliche Funktion des Pressenantriebs, insbesondere
die ventiltechnische Schaltung, für die es selbstverständlich auch andere Lösungen
gibt, stimmt mit dem Prinzipbild gemäß Figur 2 überein, so daß hierauf nicht erneut
eingegangen werden muß. Es werden daher im wesentlichen nur die Unterschiede erläutert.
[0032] Die hydraulischen Antriebe des dargestellten Oberbären 11 der Hydraulikpresse sind
alle an der Oberseite des Pressenbären 11 angeschlossen. Die doppelt wirkende Zylinder/Kolben-Einheit
13 ist mit zwei Kolbenstangen ausgerüstet. Die untere Kolbenstange ist mit dem Pressenbären
11 verbunden, während die obere ohne eine Kraftübertragungsfunktion aus dem Pressengestell
10 herausgeführt ist. Die obere Kolbenstange ist lediglich dazu erforderlich, die
Kolbenfläche A₁ kleiner zu halten als die Kolbenfläche A₃ am Kolben 13, um K₁ als
Differentialkolbensystem betreiben zu können. Es wäre grundsätzlich auch möglich,
auf die untere Kolbenstange gänzlich zu verzichten. Dazu müßte aber von der oberen
Kolbenstange aus eine antriebstechnische Verbindung (z.B. über ein äußeres Joch) zum
Pressenbären 11 geschaffen werden.
[0033] Anstelle des in Figur 2 gezeigten einzelnen Tauchkolbensystems K₂ sind in Figur 3
zwei parallel zum Zylinder/Kolben-System K₁ angeordnete Tauchkolbensysteme K
2a und K
2b vorgesehen, d.h. die wirksame Kolbenfläche A₂ ist nunmehr aufgeteilt auf die wirksamen
Kolbenflächen A
2a und A
2b der Tauchkolben 12a und 12b. Dementsprechend verzweigt sich die Hydraulikleitung
7 in die Hydraulikleitungen 7a und 7b für die Druckmittelversorgung der zugeordneten
Zylinderräume 5a und 5b der Tauchkolbeneinheiten K
2a und K
2b. Selbstverständlich könnte die Kolbenfläche A₂ auch auf mehr Kolbeneinheiten aufgeteilt
werden (z.B. auf vier Kolben). Anzustreben ist jedoch in jedem Fall eine bezüglich
des Pressenbären symmetrische Anordnung.
[0034] In Figur 3 ist außerdem dargestellt, daß in die Kolbenstange des Kolbens 13 ein doppelt
wirkendes hydraulisches Hilfskolbensystem 22 eingebaut werden kann, dessen Druckmittelversorgung
über die Hydraulikleitungen 23, 24 durch die obere Kolbenstange des Kolbens 13 hindurch
erfolgt. Eine solche Möglichkeit besteht bei dem bekannten System gemäß Figur 1 nicht.
[0035] Je nachdem wie die größenmäßige Aufteilung der wirksamen Kolbenflächen A₁, A₂ bzw.
A
2a + A
2b und A₃ erfolgt, d.h. in welchem Verhältnisse diese Flächen zueinander stehen, lassen
sich bestimmte Verhältnis zwischen den in den unterschiedlichen Ventilschaltstellungen
erzielbaren Geschwindigkeiten und Preßkräften erreichen. Eine günstige Aufteilung
stellt beispielsweise das Verhältnis A₁ : (A
2a + A
2b) zu A₃ = 8 : (1 + 1) : 9 dar. Dabei lassen sich in beiden Fahrtrichtungen Eilganggeschwindigkeiten
erreichen, die 10mal so groß sind wie die Fahrgeschwindigkeit im Arbeitsgang mit maximaler
Preßkraft. Dies ist möglich, ohne aufwendige Vorfüll- oder Nachsaugesysteme vorsehen
zu müssen, weil die beim Verfahren in einem Eilgang aus einem Zylinderraum verdrängten
Mengenströme der Hydraulikflüssigkeit weitgehend unmittelbar, also unter Umgehung
der Hydraulikpumpe in den bzw. die zu füllenden Zylinderräume gelenkt werden. Wegen
des zu berücksichtigenden hydraulischen Widerstandes der Hydraulikleitungen ist das
Verhältnis der Geschwindigkeiten im Eilgang und Arbeitsgang (Schleichgang) nicht beliebig
steigerbar. Werte von 20 : 1 können jedoch erreicht werden. Für die Aufteilung der
in gleicher Richtung wirksamen Kolbenflächen A₁ : (A
2a + A
2b) (bzw. A₂) empfiehlt sich eine Festlegung im Bereich 3 : 1 bis 10 : 1, wobei die
in Gegenrichtung wirksame Preßfläche A₃ 5-15 % größer gewählt werden sollte als die
größere der Teilflächen A₁ und A
2a + A
2b (bzw. A₂). Beispielsweise würde ein Flächenverhältnis A₁ : A₂ : A₃ = 18 : 2 : 19
die 20-fache Geschwindigkeit in den Eilgängen im Vergleich zur Schleichganggeschwindigkeit
beim Preßarbeitsgang erlauben. Als zweckmäßige Richtschnur bei der Dimensionierung
der Kolbenflächen ist das Verhältnis der Kolbenfläche A₂ bzw. A
2a + A
2b des Tauchkolbensystems K₂ bzw. K
2a, K
2b zur Differenz der Kolbenflächen A₃ - A₁ des Differentialkolbensystems K₁ anzusehen;
dieses Verhältnis sollte im Bereich 1,8 : 1 bis 2,5 : 1, vorzugsweise bei 2 : 1 liegen.
[0036] Ein großer Vorteil der Ausführungsform gemäß Figur 3 besteht darin, daß nicht nur
die Integration eines Hilfskolbensystems 22 möglich ist, sondern daß das Zylinder/Kolben-System
K₁ sehr gute Führungseigenschaften für die Aufnahme seitlicher Kräfte aufweist, weil
die zur Stützung wirksamen Berührungszonen zwischen dem Pressengestell 10 und der
oberen bzw. der unteren Kolbenstange des Kolbens 13 einen sehr großen und beim Verfahren
des Kolbens 13 sich nicht verändernden Abstand voneinander haben. Damit ist dieses
System der bekannten Lösung aus Figur 1 deutlich überlegen. Dies gilt auch für die
Einleitung der Preßkräfte in den Pressenbären, die durch die Kraftverteilung auf mehrere
hydraulische Kolbeneinheiten und den vergleichsweise sehr großen Durchmesser der Kolbenstange
des Kolbens 13 völlig unproblematisch ist. Das erfindungsgemäße Antriebssystem ermöglicht
während der verschiedenen Betriebsphasen in einem Preßzyklus bei einer gleichmäßigen
Ausnutzung der Kapazität und der Leistung der eingesetzten Hydraulikpumpe nicht nur
die Erzeugung hoher Preßkräfte bei langsamer Fahrt sondern auch extrem hohe Eilganggeschwindigkeiten,
ohne daß der Aufwand des Hydrauliksystems dabei hoch ist. Hinzu kommt bei einer Ausführung
gemäß Fig. 3, daß durch die Anordnung der Zylinder/Kolben-Systeme K
2a und K
2b von vornherein eine absolute Verdrehsicherung für den Pressenbären gegeben ist.
[0037] Die Leistungsfähigkeit einer erfindungsgemäßen Presse wird an folgendem Beispiel
deutlich: Auf einer Presse gemäß Fig. 3 mit 150 t Preßkraft wurde ein Preßteil aus
Eisenpulver mit einer Zykluszeit für das Füllen des Preßwerkzeugs mit Eisenpulver,
das Pressen und das Ausformen des Preßteils von insgesamt 3 sec hergestellt. Der Verfahrweg
des Oberkolbens in die Preßendstellung setzte sich zusammen aus ca. 275 mm im Eilgang
und 25 mm im Arbeitsgang. Der Rückhub von 300 mm wurde wiederum im Eilgang vorgenommen.
[0038] Von der Zykluszeit entfielen jeweils etwa 0,5 sec. auf die Fahrt im Arbeitsgang und
die beiden Eilgangfahrten, d.h. etwa die halbe Zykluszeit war durch die Bewegung des
Oberkolbens bestimmt. Bei einer herkömmlichen Presse mit Nachsaugesystem hätte man
wegen der großen Mengen anzusaugenden Druckmittels mit einer Dauer der Eilgangsfahrten
von mindestens 1 sec rechnen müssen. Das hätte zur Folge gehabt, daß die Zykluszeit
anstatt 3 sec nunmehr 4 sec betragen hätte, also um 33 % höher gewesen wäre.
1. Hydraulische Presse zum Herstellen von Preßkörpern aus pulverförmigen Massen, insbesondere
Metallpulver, mit einem durch Ventile (V₁, V₂, V₃) gesteuerten, doppelt wirkenden
hydraulischen Zylinder/Kolben-System <K₁, K₂, K2a, K2b) zur Bewegung mindestens eines Pressenbären (11), wobei die in Preßrichtung während
des Arbeitsgangs wirksame Kolbenfläche des Zylinder/Kolben-Systems (K₁, K₂, K2a, K2b) auf zwei zeitweilig mit gleichem und zeitweilig mit voneinander verschiedenen Drücken
beaufschlagbare unterschiedlich große Kolbenteilflächen (A₁ und A₂ bzw. A2a + A2b) aufgeteilt ist, wobei ferner die in Preßrichtung wirkenden Kolbenteilflächen (A₁
bzw. A₂ bzw. A2a + A2b) jeweils kleiner, in ihrer Summe jedoch größer sind als die in Gegenrichtung wirksame
Kolbenfläche (A₃) und wobei der Zylinderraum (6), der der in Gegenrichtung wirksamen
Kolbenfläche (A₃) zugeordnet ist, zeitweilig leitungsmäßig mit dem Zylinderraum (4),
der der größeren der beiden in Preßrichtung wirksamen Kolbenteilflächen (A₁ bzw. A₂
bzw. A2a + A2b) zugeordnet ist, verbindbar ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß die den in Preßrichtung wirksamen Kolbenteilflächen (A₁ und A₂ bzw. A2a + A2b) zugeordneten Zylinderräume (4 und 5 bzw. 5a + 5b) beide außerhalb der Kolben (12,
12a, 12b, 13) des Zylinder/Kolben-Systems (K₁, K₂ bzw. K2a + K2b) angeordnet sind und sämtliche Kolben (12, 12a, 12b, 13) in Bewegungsrichtung des
Pressenbären (11) starr mit dem Pressenbären (11) gekoppelt sind.
2. Presse nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die größere der beiden in Preßrichtung wirksamen Kolbenteilflächen (A₁ oder A₂
bzw. A2a + A2b) und die in Gegenrichtung wirksame Kolbenfläche (A₃) an einem oder mehreren doppelt
wirkenden Hydraulikkolben (Differentialkolben 13) angeordnet sind.
3. Presse nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß der bzw. die Differentialkolben (13) jeweils beidseitig mit Kolbenstangen ausgestattet
sind, deren eine unmittelbar mit dem Pressenbären (11) verbunden ist.
4. Presse nach einen der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Kleinere der beiden in Preßrichtung wirksamen Kolbenteilflächen (A₂ bzw. A2a + A2b) an einem (12) oder mehreren Tauchkolben (12a, 12b) angeordnet ist.
5. Presse nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß zwei Tauchkolben (12a, 12b) vorgesehen sind.
6. Presse nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Flächenverhältnis der Kolbenteilflächen (A₁ : A₂ bzw. A₁ : (A2a + A2b)) in Bereich 3 : 1 bis 10 : 1 liegt.
7. Presse nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die in Gegenrichtung wirksame Kolbenfläche (A₃) 5 - 15 % größer ist als die größere
der Kolbenteilflächen (A₁, A₂, A2a + A2b).
8. Presse nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Flächenverhältnis der Kolbenfläche A₂ bzw. A2a + A2b des Tauchkolbensystems (K₂ bzw. K2a + K2b) zur Differenz der Kolbenflächen (A₃ - A₁) des Differentialkolbensystems (K₁) im
Bereich 1,8 : 1 bis 2,5 : 1, vorzugsweise bei 2 : 1 liegt.
9. Presse nach einem der Ansprüche 3 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß in die Kolbenstangen des Differentialkolbens (13) ein doppelt wirkender Hilfskolben
(22) mit Hydraulikzuleitungen (23, 24) eingebaut ist, dessen Kolbenstange durch den
Pressenbären (11) hindurchgeführt ist.