[0001] Die Erfindung betrifft eine Wickelmaschine zum Aufwickeln von Materialbahnen, insbesondere
Papier- oder Kartonbahnen, auf Wickelhülsen gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs
1.
[0002] Bei Wickelmaschinen zur Herstellung von Wickelrollen aus Papier- oder Kartonbahnen
ist man bestrebt, die durch einen Rollenwechsel bedingten Maschinenstillstandszeiten
möglichst gering zu halten. Bei einem Rollenwechsel müssen die durch Längsschneiden
erzeugten Einzelbahnen zuverlässig quer durchgetrennt und die neugeschaffenen Bahnanfänge
an den neu eingelegten Wickelhülsen festgeklebt werden.
[0003] Aus der DE-OS 36 11 895 ist eine gattungsgemäße Wickelmaschine bekannt, die eine
teilweise umschlungene Stützwalze aufweist, wobei im Umschlingungsbereich eine Trenneinrichtung
mit einem Trennschaber angeordnet ist, der auf einem Träger zur Stützwalze schwenkbar
und mittels eines Antriebs parallel zur Stützwalzenachse verfahrbar ist. Zum Aufsprühen
jeweils einer Leimspur auf dem ablaufenden Bahnende und dem auflaufenden Bahnanfang
ist oberhalb und unterhalb des Trennschabers jeweils eine Reihe von Leimsprühdüsen
angeordnet.
[0004] Die Anordnung einer Reihe von Leimdüsen mit ihren Versorgungsleitungen ist sehr aufwendig.
Zudem hat sich gezeigt, daß der aufgesprühte Leim eine gewisse Zeit zum Abbinden benötigt
und der beim Aufsprühen entstehende Leimnebel benachbarte Maschinenteile störend verschmutzt.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, für einen schnellen Rollenwechsel bei einer
gattungsgemäßen Wickelmaschine konstruktiv vereinfacht ein verschmutzungsfreies Auftragen
eines Klebemittelstreifens bei gleichzeitiger Durchtrennung der Bahn zu ermöglichen.
[0006] Diese Aufgabe wird mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 gelöst.
[0007] Die Unteransprüche enthalten bevorzugte, da besonders vorteilhafte Ausgestaltungen
der Erfindung:
Die vom Trennelement unabhängige zusätzliche Bewegbarkeit der Andrückrolle nach Anspruch
2 ermöglicht eine sichere Durchtrennung der Bahn bei schmaleren Bahnbreiten, ohne
daß ein Klebestreifen auf den nicht von der Bahn abgedeckten Randbereich der Stütz-
oder Tragwalze aufgebracht wird. Das Trennelement läßt sich so unabhängig von der
Bahnbreite bereits am nicht umschlungenen Randbereich auf die Stütz- oder Tragwalze
aufsetzen, die Andrückrolle wird in Abhängigkeit von der Bahnbreite erst später beim
Erreichen des umschlungenen Bereichs gegen die Stütz- oder Tragwalze gedrückt und
wieder abgehoben, wenn das seitliche Ende der Bahn erreicht ist.
[0008] Die Patentansprüche 3 und 4 enthalten bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung, bei
denen an dem Schlitten der komplette Klebebandspender mit Vorratsrolle und Trägerbandaufrollung
befestigt ist.
[0009] Alternativ kann nach Anspruch 5 die Vorratsrolle an einer Seite, die Trägerbandaufrollung
an der anderen Seite der Maschine ortsfest befestigt werden. Die Ablösung des Klebemittelstreifens
von dem Trägerband erfolgt von dem quer über die Maschinenbreite gespannten Klebeband
durch die querverfahrbare Andrückrolle.
[0010] Das vorteilhafte Trennelement nach Anspruch 6 ist konstruktiv einfach und gewährleistet
eine sichere Durchtrennung der Bahn, ohne daß große Trennkräfte aufgebracht werden
müssen.
[0011] Nach Anspruch 7 ist das Trennelement an dem Schlitten so angeordnet, daß die Trennlinie
mittig durch den aufgetragenen Klebemittelstreifen verläuft. Durch die mittige Durchtrennung
des Klebemittelstreifens enthält sowohl das Bahnende einen Klebemittelstreifen zum
Ankleben an der vollen Rolle, als auch der neugeschaffene Bahnanfang einen Klebemittelstreifen
zum Ankleben an der Wickelhülse.
[0012] Die Zeichnung dient zur Erläuterung der Erfindung anhand eines vereinfacht dargestellten
Ausführungsbeispiels.
- Fig. 1
- zeigt in Seitenansicht eine Wickelmaschine nach der Erfindung.
- Fig. 2
- zeigt eine vergrößerte Ansicht in Bahnlaufrichtung des Schlittens mit dem Klebebandspender
und dem Trennelement.
[0013] Die von einer nicht dargestellten Vorratsrolle abgezogene Materialbahn 1, im vorliegenden
Beispiel eine Papierbahn, wird von Leitrollen 2 bis 5 von oben an eine angetriebene
Stützwalze 6 geführt. Zu beiden Seiten der Stützwalze 6 sind Wickelstationen 7, 8
angeordnet, die jeweils aus zwei parallel zur Stützwalzenachse verfahrbaren Wickelböcken
9, 10 bestehen. Jeder Wickelbock 9, 10 trägt an seiner Oberseite einen radial zur
Stützwalze 6 verfahrbaren Schlitten 11, 12, an dem ein Führungskopf 13, 14 mit seinem
Drehantrieb 15, 16 befestigt ist. Die Führungsköpfe 13, 14 sind zum Halten und Antreiben
der Wickelrollen 17, 18 in deren Wickelhülsen einfahrbar.
[0014] Oberhalb der Stützwalze 6 sind eine Breitstreckeinrichtung 19 und eine Längsschneideeinrichtung
20 angeordnet, die die Bahn 1 in Einzelbahnen aufteilt, die dann von der Leitwalze
5 in etwa tangential an die Stützwalze 6 gelenkt werden. An der Stützwalze 6 anliegend
werden die Bahnen 1 dann wechselweise den Wickelstationen 7, 8 zugeführt, wobei die
zur linken Wickelstation 7 geführten Bahnen 1 die Stützwalze 6 in einem Winkelbereich
von ca. 90°, die zu den rechten Wickelstationen 8 geführten Bahnen 1 die Stützwalze
6 in einem Winkelbereich von ca. 270° umschlingen. Die Stützwalze 6 ist als Saugwalze
ausgebildet, um die nach dem Durchtrennen der Bahnen 1 geschaffenen Bahnanfänge zu
halten und zu den Wickelstationen 7, 8 zu fördern. Eine an der Scheitellinie der Stützwalze
6 andrückbar gelagerte freilaufende Rolle 21 dient zur Unterbrechung der Bahnzugspannung,
um die Zugspannungen an den einzelnen Wickelstationen 7, 8 individuell einstellen
zu können.
[0015] Im Bereich zwischen der Rolle 21 und der Berührungslinie der Wickelrollen 17, also
dem Bereich der Stützwalze 6, der von allen Einzelbahnen 1 umschlungen ist, ist eine
Einrichtung 22 zum Durchtrennen der Bahnen 1 und zum Aufbringen eines doppelseitig
klebenden Klebemittelstreifens angeordnet. Die Einrichtung 22 besteht aus einem gegen
die Stützwalze 6 schwenkbaren und über deren gesamte Breite verfahrbaren Schlitten
23, an dem ein Klebebandspender für ein Klebeband mit einer auf einem Trägerband haftenden
Klebemittelschicht und ein Trennelement befestigt ist. Der Schlitten 23 ist an einem
sich quer über die Maschinenbreite erstreckenden U-förmigen Träger 24 verfahrbar gelagert
und kann mittels einer im Träger 24 angeordneten kolbenstangenlosen Kolben-Zylinder-Einheit
von einer Seite der Maschine quer über die Arbeitsbreite zur anderen Maschinenseite
hin- und zurückbewegt werden.
[0016] Die Einrichtung 22 zum Durchtrennen der Bahnen 1 und zum Auftragen eines Klebemittelstreifens
ist in Fig. 2, die die Einrichtung während des Arbeitens zeigt, detaillierter dargestellt:
An der sich radial zur Stützwalze 6 und quer zur Bahnlaufrichtung erstreckenden Seitenplatte
25 des Schlittens 24 ist ein Klebebandspender befestigt, der eine Vorratsrolle 26
für ein Klebeband 27 mit einer auf einem Trägerband 28 haftenden Klebemittelschicht
und eine Spule als Aufrollung 29 für das leere Trägerband 28 aufweist. Das Klebeband
27 ist um eine freilaufende Andrückrolle 30 geführt, die gemeinsam mit der Vorratsrolle
26 an der Platte 25 zur Stützwalze 6 hin bewegbar befestigt, und so gegen die Stützwalze
6 andrückbar ist. Dazu sind die Vorratsrolle 26 und die Andrückrolle 30 an einem Hebel
31 befestigt, der um die Drehachse 32 der Aufrollung 29 mittels einer Kolben-Zylinder-Einheit
33 schwenkbar ist. Die von dem Klebeband 27 umschlungene Andrückrolle 30 kann so zum
Aufbringen eines Klebemittelstreifens 34 auf die Bahnen 1 sowohl gegen die Stützwalze
6 gedrückt werden, als auch in Ruheposition etwas von den Bahnen 1 bzw. der Stützwalze
6 abgehoben werden. In Auftragsrichtung des Klebemittelstreifens 34 (Pfeil 35) hinter
der Andrückrolle 30 ist an der Platte 25 ein auf die Stützwalze 6 aufsetzbares Bahntrennelement
befestigt. Als Trennelement dient ein aus Hartmetall oder gehärtetem Werkzeugstahl
gefertigtes Rad 36 mit einer umfänglichen scharfen Schneidkante, das freidrehbar in
einer gabelförmigen Verlängerung eines Zapfens 37 gelagert ist. Das andere Ende des
Zapfens 37 ist in einer Schraubenfeder 38 festgekeilt. Die Feder 38 ist an einem kurzen
Hebel 39 befestigt, der an der Platte 25 mittels einer Schraube 40 angelenkt ist.
Der Anstellwinkel des Hebels 39 an die Stützwalze 6 zur Einstellung des Anpreßdrucks
des Rades 36 läßt sich mit einem exzentrischen Anschlag 41 einstellen. Das die Bahn
1 durchschneidende Rad 36 ist so an der Platte 25 befestigt, daß die Trennlinie ungefähr
mittig durch den aufgetragenen Klebemittelstreifen 34 verläuft.
[0017] Für einen Rollenwechsel wird die Wickelmaschine angehalten, d. h. die Stützwalze
6 steht still. In der Stützwalze 6 wird ein Unterdruck erzeugt, so daß die Bahnen
1 an der Stützwalze 6 gehalten werden. Anschließend wird der Schlitten 24 auf die
Stützwalze 6 an einer Seite der Maschine aufgesetzt, so daß das Trennrad 36 mit dem
für das Durchtrennen der Bahnen 1 erforderlichen Anpreßdruck anliegt. Der Schlitten
23 wird quer über die Stützwalze 6 bewegt, wobei die Andrückrolle 30 noch solange
angehoben bleibt, bis der äußere Rand der Bahnen 1 erreicht ist. Dann wird die Andrückrolle
30 gegen die Bahnen 1 gedrückt, um einen Klebemittelstreifen 34 unter Druck aufzubringen.
Der Klebemittelstreifen 34 löst sich dabei von dem Trägerband 28, das in der Aufrollung
29 aufgewickelt wird. Die Vorratsrolle 26 wird durch den entstehenden Zug des Klebebandes
27 abgewickelt, die Aufrollung 29 wird mittels einer Übersetzung und einem Friktionsausgleich
von der sich drehenden Vorratsrolle 26 angetrieben. Unmittelbar nach dem Auftragen
des Klebemittelstreifens 34 werden die Bahnen 1 von dem Rad 36 entlang der Mitte des
Klebemittelstreifens 34 durchgetrennt. So befindet sich sowohl am Bahnende als auch
an den neugeschaffenen Bahnanfang ein Klebemittelstreifen 34. Beim Erreichen des anderen
Randes der Bahnen 1 wird die Andrückrolle 30 etwas angehoben, dabei reißt der Klebemittelstreifen
34 durch. Der Schlitten 23 wird weiterbewegt, bis das Rad 36 die Bahnen 1 vollständig
durchgetrennt hat. Anschließend wird der Schlitten 23 von der Stützwalze 6 abgehoben
und in seine Ausgangsposition an der anderen Maschinenseite zurückbewegt.
[0018] Die Bahnenden werden anschließend durch Drehung der vollen Wickelrollen 17, 18 mit
diesen verklebt. Nach Einlegen neuer Wickelhülsen werden die mittels Unterdruck an
der Stützwalze 6 gehaltenen Bahnanfänge bis an die Berührungslinien der Wickelhülsen
mit der Stützwalze 6 bewegt und an diesen festgeklebt.
[0019] Alternativ zu der in Fig. 2 gezeigten Ausführungsform ist es auch möglich, die vorratsrolle
26 und die Trägerbandaufrollung 29 jeweils an einer Maschinenseite ortsfest zu befestigen.
Dann spannt sich das Klebeband 27 über die gesamte Arbeitsbreite der Maschine, und
der Schlitten 23 trägt nur die Andrückrolle 30 und das Trennelement. Zum Aufbringen
des Klebemittelstreifens 34 wird das Klebeband mittels der Andrückrolle 30 zunächst
an einer Seite gegen die auf der Stützwalze 6 liegende Bahn 1 gedrückt. Anschließend
wird der Schlitten 24 quer über die Arbeitsbreite zur anderen Maschinenseite bewegt,
dabei löst sich der Klebemittelstreifen 34 von dem Trägerband 28 und haftet an der
Bahn 1 an. Gleichzeitig trennt die Trenneinrichtung die Bahn 1 in der Mitte des Klebemittelstreifens
34 durch.
1. Wickelmaschine zum Aufwickeln von Materialbahnen (1), insbesondere Papier- oder Kartonbahnen,
auf Wickelhülsen
- mit einer zumindest teilweise von der Bahn (1) umschlungenen Stütz- oder Tragwalze
(6),
- mit einer Bahntrenneinrichtung und einer Einrichtung zum Auftragen eines doppelseitig
klebenden Klebemittelstreifens (34), die im Umschlingungsbereich der Stütz- oder Tragwalze
(6) angeordnet sind, wobei die Trenneinrichtung ein auf die umschlungene Stütz- oder
Tragwalze (6) aufsetzbares, querverfahrbares Trennelement (Rad 36) enthält,
dadurch gekennzeichnet, daß neben der Stütz- oder Tragwalze (6) ein Klebebandspender für ein Klebeband (27)
mit einer auf einem Trägerband (28) haftenden Klebemittelschicht angeordnet ist, der
eine Vorratsrolle (26) und eine Aufrollung (29) für das leere Trägerband (28) enthält,
wobei das Klebeband (27) zwischen der Vorratsrolle (26) und der Trägerbandaufrollung
(29) quer zur Bahn (1) um eine freilaufende Andrückrolle (30) geführt ist, die an
einem querverfahrbaren Schlitten (23) mit dem Klebeband (27) gegen die umschlungene
Stütz- oder Tragwalze (6) andrückbar gelagert ist, und daß das Trennelement (Rad 36)
an dem Schlitten (23) in Klebestreifenauftragsrichtung (35) hinter der Andrückrolle
(30) befestigt ist.
2. Wickelmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Andrückrolle (30) am Schlitten (23) unabhängig vom Trennelement (Rad 36)
gegen die Stütz- oder Tragwalze (6) bewegbar gelagert ist.
3. Wickelmaschine nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Vorratsrolle (26) und die Trägerbandaufrollung (29) ebenfalls an den Schlitten
(23) befestigt sind.
4. Wickelmaschine nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Vorratsrolle (26) gemeinsam mit der Andrückrolle (30) am Schlitten (23)
gegen die Stütz- oder Tragwalze (6) bewegbar gelagert ist.
5. Wickelmaschine nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Vorratsrolle (26) und die Trägerbandaufrollung (29) jeweils an einer Seite
der Maschine ortsfest befestigt sind.
6. Wickelmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 5, gekennzeichnet durch ein frei drehbar gelagertes, umfänglich eine scharfe Kante aufweisendes und federnd
gegen die Stütz- oder Tragwalze (6) andrückbares Rad (36) als Trennelement.
7. Wickelmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß das Trennelement (Rad 36) an dem Schlitten (23) so angeordnet ist, daß die Trennlinie
in etwa mittig durch den aufgetragenen Klebemittelstreifen (34) verläuft.