[0001] Die Erfindung betrifft eine Anordnung zur elektrolytischen Beschichtung der Oberfläche
wenigstens einer Nut eines Metall-Körpers, der an ein negatives Potential angeschlossen
ist, wobei ein Teil einer Anode in die Nut mit Spiel hineinragt sowie die Verwendung
einer solchen Anordnung.
[0002] Aus der CH-PS 602 946 ist ein Galvanisierungsverfahren für die Herstellung galvanischer
Überzüge auf Oberflächen von Profilmaterialwerkstücken bekannt, wobei zur Beschichtung
eines mit einer Nut versehenen Werkstückes im Nutbereich der elektrochemisch aktive
Teil einer Anode als ein in die Nut ragender Vorsprung ausgebildet ist und die Anode
aus einem im galvanischen Bad schwer bzw. unlöslichen Werkstoff besteht, wobei das
Werkstück als Kathode geschaltet ist. Zusätzlich zu dieser als Formanode bezeichneten
Elektrode ist eine Opferanode aus einem Metall vorgesehen, dessen Löslichkeit höher
liegt als die Löslichkeit der Formanode, so daß seitens der Opferanode ständig Metallionen
nachgeliefert werden, die zur Aufrechterhaltung der Metallionen-Konzentration des
galvanischen Bades erforderlich sind. Die nach dem Profil des zu beschichtenden Werkstücks
geformte Formanode besteht aus rostfreiem Chromnickelstahl, der im galvanischen Bad
schwer löslich ist. Ein solches Verfahren ist beispielsweise zur Verzinkung von Werkstücken
in einem sauren Zinkbad geeignet. Eine allgemeine Verwendungsmöglichkeit, beispielsweise
zum dauerhaften Einsatz in galvanischen Bädern zur Badverchromung, ist für ein solches
Verfahren aufgrund des starken Abtrags des Anodenmaterials nur unter wirtschaftlich
ungünstigen Verhältnissen möglich.
[0003] Weiterhin ist aus der EP-OS 0 089 475 eine Anode aus beschichtetem Ventilmetall,
beispielsweise Titan, zur elektrolytischen Gewinnung von Metallen oder Metalloxiden
bekannt, deren Kontaktstruktur beispielsweise einen Titan-Streckmetallstreifen aufweist.
Eine solche Anode ist zwar zur Gewinnung von Metallen einsetzbar, sie kann jedoch
nicht zur galvanischen Beschichtung von Werkstücken mit feinen Strukturen, wie beispielsweise
Nuten, eingesetzt werden.
[0004] Die Erfindung stellt sich die Aufgabe, eine Anode zu schaffen, welche zur galvanischen
Beschichtung feinstrukturierter Bereiche in Werkstücken geeignet ist. Darüber hinaus
soll die Anode gegenüber dem galvanischen Bad möglichst resistent sein, so das ein
lang andauernder wirtschaftlicher Betrieb möglich ist. Weiterhin soll eine Verwendung
der Erfindung für die Behandlung von Kolben in Arbeitsmaschinen angegeben werden.
[0005] Die Aufgabe wird dadurch gelöst, daß der in die Nut hineinragende Anoden-Teil aus
mit aktiver Oberflächenbeschichtung versehenem Streckmetall aus Ventilmetall besteht,
der elektrisch leitend mit einem Träger aus Ventilmetall verbunden ist.
[0006] Hinsichtlich der Verwendung einer solchen Anordnung wird diese für die Verchromung
von Nuten, insbesondere Ringnuten, in Kolben von thermodynamischen Arbeitsmaschinen
eingesetzt.
[0007] In einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist die Oberflächenform des Trägers
der ihr zugekehrten Oberfläche des Metallkörpers angepaßt. Als vorteilhaft erweist
sich die hierdurch erzielbare gleichmäßige Stromdichte in den zu beschichtenden Bereichen
der Nut, insbesondere Ringnut.
[0008] Weiterhin bildet der Träger einen aus mehreren Segmenten zusammengesetzten Hohlraum.
Als vorteilhaft erweist sich hierbei die leichte Einführbarkeit der in die Nut hineinragenden
Teile der Anode während des Zusammensetz-Vorganges.
[0009] Weiterhin bestehen die in die Nut des Metallkörpers ragenden Teile der Anode aus
am Träger befestigten abgekanteten Streckmetallstreifen. Hier erweist sich die verhältnismäßig
einfache Befestigung und Kontaktierung der abgekanteten Streckmetallstreifen am Träger
sowie die leichte plastische Verformbarkeit der Streckmetallstreifen als vorteilhaft,
so daß sie auf einfache Weise in einer Rundbiegemaschine der Formgebung des Metallkörpers
bzw. mittels paarweise angeordneter, beweglicher Führungsrollen der in dem Metallkörper
befindlichen Nut angepaßt werden können.
[0010] Die Verwendung zur Verchromung von Ringnuten in Kolben von thermodynamischen Arbeitsmaschinen
erweist sich als besonders vorteilhaft, da neben hoher Stromdichte in dem zu beschichtenden
Ringnutenbereich auch eine einfache Handhabung durch Sektorenaufteilung möglich ist
und eine Kontamination von galvanischem Bad sowie eine Verunreinigung der Chromschicht
im Ringnutbereich verhindert wird.
[0011] Im folgenden ist der Gegenstand anhand der Zeichnung näher erläutert.
- Figur 1
- zeigt im Längsschnitt eines als Kolben einer thermodynamischen Arbeitsmaschine ausgebildeten
Metallkörpers zusammen mit einem Längsschnitt der Anode;
- Figur 2
- zeigt ein Segment der Anode, deren aktivierte Teile aus Streckmetallstreifen bestehen.
- Figur 3
- zeigt in einer Draufsicht eine aus Segmenten zusammengesetzte Anode, in die als Metallkörper
ein zylindrischer Kolben eingesetzt ist.
[0012] Gemäß Figur 1 besteht der Metallkörper 1 aus einem zylindrisch ausgebildeten Kolben
für eine thermodynamische Arbeitsmaschine, beispielsweise eine Verbrennungsmaschine
nach dem Diesel- oder Otto-Motor-Prinzip, wobei der in einem Zylinder geführte Kolben
gegenüber der Zylinderwand durch Kolbenringe abzudichten ist. Diese Kolbenringe werden
in Ringnuten 2 eingesetzt, welche zwecks verbesserter Haltbarkeit Bereiche 3 aufweisen,
die galvanisch verchromt sind. Die Zylinderachse des Metallkörpers 1 ist mit der Bezugsziffer
4 bezeichnet. Der Metallkörper 1 ist über eine symbolisch dargestellte Anschlußklemme
5 mit dem negativen Potential einer Spannungsquelle 6 verbunden. Die in Form eines
Hohlraumes den Metallkörper 1 umfassende Anode 7 besteht aus einem der Oberflächenform
des Metallkörpers 1 angepaßten Träger 8, der hier in Form eines Hohlzylinders ausgebildet
ist, welcher aus mehreren Zylindersegmenten besteht. Auf der der Oberfläche des Metallkörpers
1 zugewandten Seite des Trägers 8 sind stegförmig ausgebildete mit aktiver Oberflächenbeschichtung
versehene Teile 9 vorgesehen, welche mit Spiel in die Ring-Nuten 2 des Metallkörpers
1 hineinragen. Die stegförmigen aktivierten Teile 9 der Anode 7 bestehen dabei aus
rechtwinklig abgekanteten Streckmetallstreifen, deren Abkantungen 10 mit dem aus Titanblech
bestehenden Träger 8 durch Schweißstellen 11 elektrisch und mechanisch fest verbunden
sind. Es ist auch möglich, die Streckmetallstreifen auf dem Träger mittels Niet- oder
Schraubverbindungen zu befestigen. Die segmentförmigen Träger 8 sind dabei durch Rundung
der Oberflächengestalt des zylindrischen Metallkörpers 1 angepaßt, wobei die zuvor
aufgebrachten Teile 9 aus Streckmetall im Bereich ihrer Abkantungen 10 dem Träger
entsprechend ebenfalls verformt sind, während die vom Träger 8 abstehenden stegförmigen
Teile 9 unter Beibehaltung ihrer bisherigen Ebene in ihrer Streckmetall-Netzstruktur
durch Stauchung geringfügig verformt sind.
[0013] Die Anordnung befindet sich in einem Elektrolyt-Gefäß 12, wobei das galvanische Bad
13 die zu beschichtenden Bereiche des Metallkörpers 1 umschließt. Der Elektrolyt-Pegel
ist mit 14 bezeichnet. Der Träger 8 der Anode ist über eine symbolisch dargestellte
Klemme 15 und einen Kontakt-Steg 20 mit der positiven Klemme der Spannungsquelle 6
verbunden.
[0014] Figur 2 zeigt ein Segment der Anode 7, wobei auf dem aus Titanblech bestehenden Träger
8 die mit aktiver Oberflächenbeschichtung versehenen Teile 9 aus hier symbolisch dargestelltem
Titan-Streckmetall im Bereich ihrer Abkantungen 10 mittels Schweißstellen 11 mit dem
Träger 8 elektrisch und mechanisch fest verbunden sind. Aufgrund der Segmentbauweise
ist es möglich, die Anode in beispielsweise zwei Sektoren aufzuteilen, wobei die Einzel-Segmente
jeweils ein Teil-Segment von 180° der zylindrisch ausgebildeten Anode 7 bilden, wie
dies in Figur 3 schematisch dargestellt ist. Es ist jedoch auch möglich, die Anode
in vier Sektoren aufzuteilen, so daß jedes Einzelsegment als ein Teilsegment von 90°
des zylindrischen Hohlraums ausgebildet ist.
[0015] Der Stromanschluß des Trägers 8 an die positive Klemme der Spannungsquelle erfolgt
über eine Anschlußfahne 17.
[0016] Figur 3 zeigt in einer Draufsicht die den Metallkörper 1 konzentrisch umfassende
Anode 7, wobei zur Vereinfachung der Darstellung nur ein Sektor des aus Streckmetall
bestehenden Teils 9 der Anode 7 gezeigt ist. Die Anode 7 besteht aus zwei halbzylindrischen
Einzel-Segmenten, die durch Schraubverbindungen 18 im Bereich der Anschlußfahnen 17
zu einem zusammenhängenden zylindrischen Hohlraum zusammengefaßt sind. Die Anode 7
wird von einem ringförmigen Stromverteiler 19 umfaßt, der den über die Anschlußfahnen
17 zugeführten Anodenstrom über Kontakt-Stege 20 an die Träger 8 weiterleitet.
[0017] In der Praxis werden beispielsweise zylindrisch ausgebildete Kolben als Metallkörper
1 mit 5 Ringnuten verchromt. Kolben mit einem Durchmesser von 900 mm weisen eine Ringnut
auf, deren Spalt eine Tiefe und Breite von jeweils ca. 20 mm beträgt. Die Dicke des
in die Ringnut 2 hineinragenden Teils 9 der Anode 7 liegt dabei in einem Bereich von
1,0 bis 4,5 mm. In der Praxis wird eine Strombelastung von 500 A pro Ringnut angegeben,
so daß bei einem zu beschichtenden zylindrischen Metallkörper mit 5 Ringnuten eine
Gesamtleistung von 2500 A auftritt. Als galvanisches Bad wird dabei eine Lösung verwendet,
die ca. 250 g/l Chromsäure und ca. 2,5 g/l Sulfat enthält.
1. Anordnung zur galvanischen Beschichtung der Oberfläche wenigstens einer Nut eines
Metall-Körpers, der an ein negatives Potential angeschlossen ist, wobei ein Teil einer
Anode in die Nut mit Spiel hineinragt, dadurch gekennzeichnet, daß der in die Nut
(2) hineinragende Anoden-Teil (9) aus mit aktiver Oberflächenbeschichtung versehenem
Streckmetall aus Ventilmetall besteht, der elektrisch leitend mit einem Träger (8)
aus Ventilmetall verbunden ist.
2. Anordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Oberflächen-Form des Trägers
(8) der ihr zugekehrten Oberfläche des Metallkörpers (1) angepaßt ist.
3. Anordnung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Träger (8) aus mehreren
Segmenten einen Hohlraum bildend zusammengesetzt ist.
4. Anordnung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß die in die Nut (2) des Metallkörpers (1) ragenden Teile (9) der Anode (7) aus
am Träger (8) befestigten, abgekanteten Streckmetallstreifen bestehen.
5. Anordnung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
daß der Träger (8) Schlitze aufweist, in die Stege aus Streckmetall eingesteckt sind,
wobei die Stege über eigene Kontaktierungsmittel mit der Anoden-Stromversorgung verbunden
sind.
6. Verwendung einer Anordnung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5 für die
Verchromung von Nuten, insbesondere Ring-Nuten (2) in Kolben von thermodynamischen
Arbeitsmaschinen.