[0001] Die Erfindung betrifft einen Werkzeugrevolver, der die Merkmale des Oberbegriffs
des Anspruches 1 aufweist.
[0002] Bei den bekannten Werkzeugrevolvern dieser Art sind die Zahnkränze des Revolverkopfes
und des Revolvergehäuses sowie die Verzahnung des Verriegelungsgliedes als 60° Hirthverzahnungen
ausgebildet und der Kolben wird von einem Hydrauliköl beaufschlagt. Die Erzeugung
der Kraft, mit der das Verriegelungsglied gegen die beiden Zahnkränze gedrückt wird,
auf hydraulischem Wege, bietet zwar den Vorteil, daß die wirksame Kolbenfläche relativ
kleingehalten werden kann, was sich positiv auf den Raumbedarf des Werkzeugrevolvers
auswirkt. Nachteilig ist andererseits, daß ein Hydrauliksystem vorhanden sein muß,
an welches der Werkzeugrevolver angeschlossen werden kann, daß Hochdruckleitungen
zwischen diesem System und dem Werkzeugrevolver benötigt werden und daß der Kolben
zusammen mit dem ihn aufnehmenden Zylinder eine Wärmequelle im Inneren des Werkzeugrevolvers
bildet, welche zu unerwünschten, sich auf die Bearbeitungsgenauigkeit auswirkende
Wärmedehnungen führt.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Werkzeugrevolver zu schaffen, der
es mit möglichst einfachen Mitteln ermöglicht, diese Nachteile zu vermeiden. Diese
Aufgabe löst ein Werkzeugrevolver mit den Merkmalen des Anspruches 1.
[0004] Ein Pneumatiksystem ist üblicherweise an jeder Werkzeugmaschine vorhanden. Daher
bereitet eine pneumatische Betätigung des Kolbens keinerlei Schwierigkeiten, zumal
die Verbindungsleitungen nur für einen relativ geringen Druck ausgebildet sein müssen
und darüber hinaus die Abluft nicht in das Pneumatiksystem zurückgeführt werden muß.
Obwohl bei dem Übergang von einer hydraulischen auf eine pneumatische Beaufschlagung
des Kolbens die Betätigungskraft des Kolbens stark verringert wird, braucht der erfindungsgemäße
Werkzeugrevolver hinsichtlich der wirksamen Kolbenfläche keine wesentliche Veränderung
zu erfahren, weil durch die Verringerung des Flankenwinkels der Zähne die notwendige
Verriegelungskraft so weit reduziert werden kann, daß sie von dem Kolben ohne Veränderung
seiner wirksamen Kolbenfläche aufgebracht wird.
[0005] Um trotz des geringeren Flankenwinkels und der kleineren, erträglichen Ungenauigkeit
bei der Ausrichtung der Verzahnungen aufeinander für einen nachfolgenden Eingriff
diesen in jedem Falle ausführen zu können, ist vorzugsweise die Höhe der Zähne gemäß
Anspruch 2 gewählt. Ferner ist es im Hinblick auf den geringen Flankenwinkel zweckmäßig,
für die Zähne ein trapezförmiges Querschnittsprofil vorzusehen.
[0006] Da in der Regel auf den Revolverkopf äußere Kräfte nicht nur im Sinne eines Drehmomentes
einwirken, sondern auch in einer Richtung parallel zur Drehachse des Revolverkopfes,
was zu einem Kippmoment führt, ist bei einer bevorzugten Ausführungsform der Revolverkopf
in axialer Richtung über vorgespannte Axiallager am Revolvergehäuse abgestützt. Der
Kolben braucht dadurch nicht die zur Kompensation dieses Kippmomentes erforderliche
Axialkraft aufzubringen.
[0007] Ein Vorteil des pneumatisch beaufschlagten Kolbens besteht auch darin, daß er bei
einer Überlast, wie sie beispielsweise im Falle der Kollision eines Werkzeuges mit
einem Werkstück auftreten kann, unter Kompression der ihn beaufschlagenden Luft so
weit von wenigstens einem der beiden Zahnkränze wegbewegt werden kann, daß dieser
Zahnkranz und die Verzahnung des Verriegelungsgliedes außer Eingriff kommen. Hierdurch
kann in einfacher Weise verhindert werden, daß in einem solchen Überlastfall der Werkzeugrevolver
oder Teile desselben beschädigt oder gar zerstört werden. Für die nach einem solchen
Lösen der Verriegelung notwendige Rückführung des Revolverkopfes in die ursprüngliche
Winkelstellung ist es von besonderem Vorteil, daß für den Rückführvorgang der Kolben
druckentlastet werden kann. Die Verzahnungen treten dann nicht mit hoher Beschleunigung
in Eingriff miteinander, wie dies der Fall wäre, wenn die Verdrehung des Revolverkopfes
erfolgen würde, wenn der Kolben mit dem vollen Luftdruck beaufschlagt wäre.
[0008] Im folgenden ist die Erfindung anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels
im einzelnen erläutert.
[0009] Es zeigen
- Fig. 1
- einen unvollständig und schematisch dargestellten Längsschnitt des Ausführungsbeispiels,
- Fig. 2
- einen Ausschnitt aus einem Querschnitt durch die Verzahnung des Revolverkopfes und
des Verriegelungsgliedes,
- Fig. 3
- einen vergrößert dargestellten Ausschnitt im Bereich III-III der Fig. 2.
[0010] Bei einem Werkzeugrevolver mit einem drehbar in einem Revolvergehäuse 1 gelagerten,
scheibenförmigen Revolverkopf 2, der in bekannter Weise mit Aufnahmen 3 für Werkzeugträger
versehen ist, ist an der gegen das Innere des Revolvergehäuses 1 weisenden Seite des
Revolverkopfes 2 ein Zahnkranz 4 vorgesehen, der konzentrisch zur Drehachse des Revolverkopfes
2 liegt und eine gegen das Innere des Revolvergehäuses 1 weisende Radialverzahnung
bildet.
[0011] Der Drehantrieb des Revolverkopfes 2 für eine Drehung des letzteren in eine andere
der wählbaren Winkelstellungen erfolgt im Ausführungsbeispiel nicht unmittelbar über
eine zentral angeordnete Welle 5, sondern einen einen Abschnitt der Welle 5 konzentrisch
umgebenden, hohlzylindrischen Körper 6, an dessen einer Stirnfläche der Revolverkopf
2 anliegt. Schrauben 7 verbinden den Revolverkopf 2 mit dem hohlzylindrischen Körper
6. Die den Zahnkranz 4 tragende, ringförmige Materialpartie des Revolverkopfes 2 ist
an ihrer Außenmantelfläche über ein Lager 8 an einem Ring 9 abgestützt, der mit dem
Revolvergehäuse 1 verbunden ist und einen sich radial nach außen erstreckenden Flansch
9' bildet. Über ein zweites Radiallager 10 ist der hohlzylindrische Körper 6 drehbar
im Revolvergehäuse 1 gelagert.
[0012] Der Drehantrieb des hohlzylindrischen Körpers 6 erfolgt im Ausführungsbeispiel über
ein Planetenrad 11, das neben seiner dem Revolverkopf 2 abgekehrten Stirnfläche an
ihm drehbar gelagert ist. Dieses Planetenrad 11 kämmt sowohl mit einem am Revolvergehäuse
1 vorgesehenen Zahnkranz 12 als auch einem Ritzel 13, das eine gemeinsame Nabe mit
einem axial neben ihm angeordneten Zahnrad 14 hat. Diese gemeinsame Nabe ist einerseits
mittels eines Lagers 15 auf der Welle 5 und andererseits mittels eines Lagers 16 in
einer Bohrung einer Stirnwand 17 des Revolvergehäuses 1 gelagert. In dieser Stirnwand
17 ist außerdem der hintere Endabschnitt der Welle 5 mittels eines Lagers 18 gelagert.
Das Zahnrad 14 steht mit einem Ritzel 19 in Eingriff, das drehfest zusammen mit einem
Zahnrad 20 auf einer parallel zur Welle 5 angeordneten Hilfswelle 21 angeordnet ist,
die drehbar im Revolvergehäuse 1 und der Stirnwand 17 mittels Lager 32 gelagert ist.
Mit dem Zahnrad 20 kämmt ein Ritzel 22, das auf der Welle eines Antriebsmotors 23
sitzt, welcher am Revolvergehäuse 1 und an dessen Stirnwand 17 festgelegt ist.
[0013] Der am Revolvergehäuse 1 festgelegte Ring 9 bildet einen zweiten Zahnkranz 9'' in
Form einer Radialverzahnung, deren Zähne eine radiale Verlängerung der Zähne 28 des
Zahnkranzes 4 bilden, wenn diese auf die Zähne des zweiten Zahnkranzes 9'' ausgerichtet
sind.
[0014] Für die Zentrierung des Revolverkopfes 2 und seine Verriegelung in den wählbaren
Winkelstellungen ist ein ringförmiger Kolben 24 vorgesehen, dessen Innenmantelfläche
mit der Innenmantelfläche des Zahnkranzes 4 und dessen Außenmantelfläche mit der Außenmantelfläche
des zweiten Zahnkranzes 9'' fluchtet, da beide Zahnkränze in den ringförmigen Arbeitsraum
25 von dessen einer Stirnseite her ragen, in dem der Kolben 24 axial verschiebbar
angeordnet ist. Wie Fig. 1 zeigt, wird der ringförmige Arbeitsraum 25 innen und an
dem dem Revolverkopf 2 abgekehrten Ende von einer nutförmigen Ausdrehung des hohlzylindrischen
Körpers 6 und außen von der Innenmantelfläche des Revolvergehäuses 1 begrenzt.
[0015] Der Kolben 24, der sowohl in seiner Außenmantelfläche als auch seiner Innenmantelfläche
mit je einer Ringnut zur Aufnahme je einer Ringdichtung 26 versehen ist, weist an
der dem Zahnkranz 4 und dem zweiten Zahnkranz 9'' zugewandten Stirnseite eine Radialverzahnung
24' auf, die korrespondierend zu den Verzahnungen der beiden Zahnkränze 4 und 9''
ausgebildet ist, damit der Revolverkopf 2 exakt in jeder wählbaren Winkelposition
positioniert und spielfrei mit dem Revolvergehäuse 1 verriegalt werden kann.
[0016] Da die wirksame Fläche des Kolbens 24 die bei einer hydraulischen Betätigung übliche
Größe hat, um insoweit die Konstruktion und die Abmessungen des Werkzeugrevolvers
nicht verändern zu müssen, für die Beaufschlagung des Kolbens 24 jedoch Druckluft
mit einem Druck von nur etwa 5 bar vorgesehen ist, haben die Zähne 28 sowohl der beiden
Zahnkränze 4 und 9'' als auch der Radialverzahnung 24' einen wesentlich kleineren
Flankenwinkel als die üblicherweise verwendete 60°-Hirthverzahnung. Damit wegen der
unvermeidbaren Ungenauigkeiten bei der Vorpositionierung des Revolverkopfes, das heißt
dessen Ausrichtung auf die gewünschte Winkelstellung, beispielsweise mittels eines
Positionierantriebs, die maximale Breite der Zahnlücken 27 die notwendige Größe im
Vergleich zu der entsprechenden Breite der Zähne 28 an ihrem Kopf haben, ist, wie
insbesondere Fig. 3 zeigt, die Höhe der Zähne 28 so gewählt, daß die maximale Breite
der Zahnlücken 27 um den Wert 2 x größer ist als die Kopfbreite der Zähne 28, wobei
die Größe x von der maximalen Toleranz bei der Vorpositionierung abhängt. Aufgrund
dieser Zahnhöhe und des Flankenwinkels ergibt sich für die Zähne 28 die in Fig. 2
dargestellte trapezförmige Querschnittsform.
[0017] Bei dem gewählten Flankenwinkel der Zähne 28 von 10° ist die vom Kolben 24 erzeugte
Axialkraft stets größer als die Axialkomponente der als Reaktionskraft der Werkzeuge
von außen her auf den Revolverkopf 1 in tangentialer Richtung einwirkenden Kräfte.
[0018] Da der Revolverkopf 2 auch mit Werkzeugen bestückt sein kann, deren Raktionskraft
parallel zur Drehachse des Revolverkopfes 2 wirkt, ist zwischen dem Flansch 9' des
Ringes 9 und dem Revolverkopf 2 ein erstes Axiallager 29 und zwischen einer Innenschulter
des Revolvergehäuses 1 und einer Außenschulter 6' des hohlzylindrischen Körpers 6
ein zweites Axiallager 30 angeordnet. Diese beiden Axiallager 29 und 30 sind vorgespannt,
und zwar im Ausführungsbeispiel dadurch, daß der Revolverkopf 2 und der hohlzylindrische
Körper 6 mittels der Schrauben 7 auf Block gezogen werden. Die Höhe der Vorspannung
läßt sich beispielsweise mittels einer Ringscheibe 31 einstellen, die zwischen der
äußeren Schulter 6' und dem zweiten Axiallager 30 angeordnet ist. Die beiden Axiallager
29 und 30 nehmen vollständig die durch äußere Kräfte, welche exzentrisch in axialer
Richtung am Revolverkopf 2 angreifen, entstehende Kippbeanspruchung auf und verhindern
dadurch, daß diese Beanspruchung durch die Axialkraft des Kolbens 24 kompensiert werden
muß.
[0019] Da der Flankenwinkel der Zähne 28 noch außerhalb des Selbsthemmungsbereiches liegt,
kann dann, wenn das am Revolverkopf 2 wirksame Drehmoment einen Grenzwert überschreitet,
beispielsweise in Folge einer Kollision eines Werkzeuges mit dem Werkstück, der Kolben
24 unter Kompression der ihn beaufschlagenden Druckluft so weit verschoben werden,
daß der Zahnkranz 4 freigegeben wird und der Revolverkopf 2 sich dadurch drehen kann.
Es ist dabei zweckmäßig, eine Verdrehsicherung gemäß DBP 38 17 893 vorzusehen, welche
eine Mitnahme des Kolbens 24 mit dem Revolverkopf 2 sicherstellt. Eine solche Verdrehsicherung
kann beispielsweise wenigstens ein Mitnehmerelement aufweisen, das sich in der Verschieberichtung
des Kolbens 24 erstreckt sowie in diesen und den Revolverkopf eingreift. Eine andere
Möglichkeit besteht darin, die Zahnhöhe der Zähne des Zahnkranzes 4 größer zu wählen
als derjenigen des zweiten Zahnkranzes 9'', damit die Radialverzahnung 24' des Kolbens
24 nur außer Eingriff mit den Zähnen des zweiten Zahnkranzes 9'' kommt. Bei Verwendung
einer derartigen Verdrehsicherung kann der Revolverkopf 2 nach einem Kollisionsfall
mittels des Antriebsmotors 23 wieder in seine Ausgangslage zurückgedreht werden. Während
dieses Rückdrehens ist der Kolben 24 vorzugsweise vollständig druckentlastet.
[0020] Eine solche Druckentlastung wird auch vorgenommen, ehe der Revolverkopf 2 in eine
andere Winkelstellung gedreht wird, um ein anderes der von ihm getragenen Werkzeuge
in die Arbeitsposition bringen zu können. Nach der Vorpositionierung des Revolverkopfes
2 in der neuen Winkelstellung wird der Kolben 24 wieder mit Druckluft beaufschlagt,
damit seine Radialverzahnung 24' in spielfreien Eingriff mit den Zähnen der Zahnkränze
4 und 9'' kommt. Der Kolben 24 bleibt dann mit der Druckluft beaufschlagt.
[0021] Die vorstehende Beschreibung und die Zeichnung beschränken sich nur auf die Angabe
von Merkmalen, die für die beispielsweise Verkörperung der Erfindung wesentlich sind.
Soweit daher Merkmale in der Beschreibung und in der Zeichnung offenbart und in den
Ansprüchen nicht genannt sind, dienen sie erforderlichenfalls auch zur Bestimmung
des Gegenstandes der Erfindung.
1. Werkzeugrevolver, der zwei konzentrisch zur Drehachse seines Revolverkopfes radial
nebeneinander angeordnete und relativ zum Revolverkopf bzw. zum Revolvergehäuse unbewegliche
Zahnkränze aufweist, deren Zähne gegen ein im axialer Richtung neben dem beiden Zahnkränzen
gleichachsig zu diesen angeordnetes Verriegelungsglied weisen, das mittels eines axial
verschiebbaren Kolbens im einer Verriegelungsstellung haltbar ist, im der seine Zähne
spielfrei mit denjenigen der beiden Zahnkränze im Eingriff stehen, dadurch gekennzeichnet,
daß
a) der Kolben (24) Teil eines Pneumatikaggregates ist,
b) der Winkel, den die Flanken der Zähne (28) der Zahnkränze (4, 9'') und des Verriegelungsgliedes
(24) einschließen, von dem bei einer Beaufschlagung des Kolbens (24) mit einem Hydraulikmittel
üblichen Wert von 60° auf einen Wert reduziert ist, bei dem die an den Zähnen (28)
auftretende axiale Komponente der in Umfangsrichtung des Revolverkopfes (2) wirksamen
Werkzeug-Reaktionskräfte kleiner ist als die Summe aus der vom Kolben (24) erzeugbaren
Axialkraft und der auf der Reibung zwischen den Zähnen (28) ruhenden Axialkraft.
2. Werkzeugrevolver nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Höhe der Zähne (28)
entsprechend der im Hinblick auf den Streubereich bei der Positionierung des Revolverkopfes
(2) erforderlichen maximalen Breite der Zahnlücken (27) gewählt ist.
3. Werkzeugrevolver nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Zähne (28)
ein trapezförmiges Querschnittsprofil haben.
4. Werkzeugrevolver nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der
Revolverkopf (2) in axialer Richtung über vorgespannte Axiallager (29, 30) am Revolvergehäuse
(1) abgestützt ist.
5. Werkzeugrevolver nach einem der Ansprüche 1 bis 4, gekennzeichnet durch eine Verdrehsicherung,
welche das Verriegelungsglied (24) in seiner Entriegelungsstellung gegen eine Verdrehung
relativ zum Revolverkopf (2) sichert.