[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 1 und eine
Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens.
[0002] In neuester Zeit wurden etliche Sabotageakte an Gleiskörpern der Deutschen Bundesbahn
durch Auftrennen der Gleisstränge mittels motorbetriebener Trennscheibe oder durch
Sprengung durchgeführt, die eine unmittelbare Gefahr für Mensch und Material für den
Bahnverkehr darstellen. Zur Vermeidung von Sach- und Personenschäden ist eine Überwachung
der Gleiskörper mittels gleichstromdurchflossenen Gleissträngen in bestimmten Gleisabschnitten
bekannt. Von Nachteil hierbei ist, daß die wichtigsten Schienentrassen mit Elektroloks
befahren werden. Dies bedeutet eine Beeinflussung durch überlagerte bzw. vagabundierende
elektrische Ströme, die eine Detektierung bei Unterbrechung des Gleisstranges nicht
sicher zulassen. Zudem sind Umwelteinflüsse wie Regen auch störbeeinflussend.
[0003] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten
Art vorzuschlagen, durch das ungewünschte Veränderungen oder Manipulationen an langgestreckten
körperschallleitenden Körpern, vorzugsweise an Gleissträngen für Schienenfahrzeuge
umfassend und frühzeitig (d.h. unmittelbar nach oder während der unerwünschten Handlungen)
erkannt, lokalisiert und Maßnahmen zur Gefahrenbeseitigung, z.B. in Form eines rechtzeitigen
Anhaltens eines Zuges, eingeleitet werden können.
[0004] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß in einen langgestreckten Körper
mindestens ein akustisches Signal mit Hilfe von mindestens einem akustischen Sender
eingekoppelt wird, daß das akustische Signal nach Durchquerung des langgestreckten
Körpers von mindestens einem akustischem Empfänger empfangen, und daß eine durch eine
unerwünschte Veränderung oder Manipulation oder durch eine teilweise oder vollständige
Unterbrechung des langgestreckten Körpers hervorgerufene charakteristische Änderung
des akustischen Signals in mindestens einer den Empfängern nachgeordneten Auswerteeinrichtung
ermittelt und zur Abgabe eines Meldesignals verwendet wird.
[0005] Gemäß einer Ausgestaltung des Verfahrens erfolgt eine charakteristische Änderung
des akustischen Signales in seiner Amplitude, Energie, Frequenz und/oder seinem Frequenzmuster.
[0006] Von besonderem Vorteil ist eine sichere Detektierung bei beginnender Auftrennung
(durch Flex) oder Durchtrennung (durch Sprengung) des Körpers infolge eines Abbruchs/Veränderung
des durch den Körper geführten akustischen Übertragungssignals. Dies ist unabhängig
gegenüber äußeren akustischen oder elektromagnetischen Beeinflussungen. Die Signalgeber
und -empfänger können vorzugsweise in großen Abständen an jedem Gleisstrang nachträglich
bei Aufrechterhaltung des Bahnbetriebes installiert und inbetriebgenommen werden.
[0007] Weitere Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen Verfahrens sind in den Unteransprüchen
3 bis 5 beschrieben.
[0008] Eine Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist im Unteranspruch
6 und eine Weiterbildung dieser Vorrichtung im Unteranspruch 7 beansprucht.
[0009] Eine weitere Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dadurch gekennzeichnet,
daß von mindestens einem akustischen Empfänger die von einem herannahenden Schienenfahrzeug
verursachten Körperschallgeräusche aufgenommen werden, und daß die von den akustischen
Empfängern abgegebenen Ausgangssignale verstärkt und einer Alarmeinrichtung zur Abgabe
von akustischen und/oder optischen Warnsignalen für in einem Gefährdungsbereich eingesetzte
Arbeitskräfte und/oder Sicherheitskräfte zugeführt werden.
[0010] Weiterbildungen dieses Verfahrens sind in den Unteransprüchen 9 und 10 beschrieben.
[0011] In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel nach der Erfindung dargestellt, und
zwar zeigt:
- Fig. 1
- ein Blockschaltbild einer Vorrichtung zur Erfassung von mittels motorbetriebener Trennscheiben
oder Sprengungen herbeigeführter vollständiger oder teilweiser Unterbrechungen eines
zwei Schienen aufweisenden Gleisstranges für Schienenfahrzeuge und
- Fig. 2
- ein Blockschaltbild einer Vorrichtung zur Erkennung eines herannahenden Schienenfahrzeuges,
einer sogenannten sensorgesteuerten Rottenwarnanlage.
[0012] In Fig. 1 ist an jeder Schiene 1,2 des Gleisstranges, die mittels Schwellen 3 aus
Eichenholz oder Beton miteinander verbunden sind, eine Vielzahl von Sendern 4 bis
7 in vorgegebenen Abständen von z.B. 1100 m befestigt. Über die Sender werden in ihrer
Frequenz, ihrem Frequenzmuster, ihrer Amplitude oder Energie unterscheidbare Akustiksignale
in die Schienen 1,2 eingekoppelt. Diese Akustiksignale werden nach ihrer Übertragung
durch die Schienen 1 und 2 von zwischen den Sendern 4 bis 7 an den Schienen 1,2 befestigten
Empfängern 8 bzw. 9 sensiert. Hierbei sind die erzielbaren Übertragungslängen sowohl
vom Zustand der Gleise als auch von dem Material der Schwellen abhängig, beispielsweise
ergeben Messungen Übertragungslängen von etwa 600 m für Gleisstränge auf Eichenholzschwellen
und von etwa 1.200 m für Gleisstränge auf Betonschwellen. Die von den Körperschallsendern
erzeugten Akustiksignale, vorzugsweise Impulsfolgen oder zeitlich vorgegebene Einzelimpulse
sind sowohl auf die akustische Leitfähigkeit im Gleisstrang als auch auf die Schwellenstruktur
auszurichten. Die unterscheidbaren Signale dienen der akustischen Entkoppelung sowohl
zwischen den Schienen als auch innerhalb der Schienen, so daß sich voneinander unabhängige
auswertbare Schallausbreitungszonen ergeben und somit eine sichere Detektion von unerwünschten
Veränderungen oder Manipulationen am Gleisstrang ermöglicht wird.
[0013] Jedem Empfänger 8 bzw. 9 sind ein selektiver Vertärker 10,11 mit Zähler, eine Signalverarbeitungseinrichtung
12,13, eine Alarmschwellenlogik 14,15 und ein Alarmgeber 16,17 nachgeschaltet. Beide
Signalverarbeitungseinrichtungen 12 und 13 weisen neben dem an die zugeordnete Alarmschwellenlogik
14 bzw. 15 angeschlossenen Ausgang jeweils einen weiteren Ausgang auf, die mit jeweils
einem Eingang eines Komparators 18 in elektrisch leitender Verbindung stehen. Der
Ausgang des Komparators 18 ist jeweils an einen zweiten Eingang der Alarmschwellenlogiken
14 bzw. 15 angeschlossen.
[0014] Die Bauelemente 10 bis 18 stellen eine Auswertungseinrichtung zur Ermittlung von
charakteristischen Änderungen der akustischen Signale und zwar zur Abgabe von Meldesignalen
dar. Wird beispielsweise Schiene 1 zwischen der Schwelle 3 und dem Empfänger 8 an
der Stelle 19 getrennt, so verändert sich die Charakteristik der von den Empfängern
8 und 9 sensierten Akustiksignale. Der Empfänger 8 befindet sich nicht mehr direkt
im Schallbereich vom Sender 4, sondern er erhält von diesem Sender über die Schwellenstruktur
ein in seiner Amplitude, Energie, Frequenz und/oder seinem Frequenzmuster verfälschtes
Signal. Empfänger 9 empfängt neben den Signalen der Sender 6 und 7 geänderte Signalanteile
von Sender 4, da sich die Übertragungswege nach der Trennung von Schiene 1 geändert
haben. Nach der Trennung von Schiene 1 erhalten beide Empfänger 8 und 9 Signale, die
sich von den vor der Trennung erhaltenen Signalen unterscheiden und somit zur Erkennung
und Lokalisierung der Trennstelle sowie zur Alarmgebung mit Hilfe der dargestellten
Auswerteeinrichtung verwendet werden.
[0015] Die in Fig. 2 dargestellte Vorrichtung verwendet die akustischen Empfänger 9 der
Vorrichtung gemäß Fig. 1 dazu, die von einem herannahenden Schienenfahrzeug verursachten
Körperschallgeräusche aufzunehmen. Die Ausgänge der akustischen Empfänger 9, die die
empfangenen Körperschallgeräusche in Audiosignale umwandeln, sind zur Übertragung
dieser Audiosignale über Fernmeldeleitungen 20 mit den Eingängen eines Verstärkers
21 elektrisch leitend verbunden. Zur Auswertung der Audiosignale und zur Erzeugung
von akustischen und/oder optischen Warnsignalen für in einem Gefährdungsbereich B
eingesetzte Arbeitskräfte und/oder Sicherheitskräfte sind dem Verstärker 21 eine Einrichtung
zur Signalverarbeitung 22, eine Alarmschwellenlogik 23 und ein Alarmgeber 24 nachgeordnet.
Der Verstärker 21 kann beispielsweise einen zweiten Ausgang aufweisen, der über einen
Niederfrequenzverstärker 25 an den Eingang eines Druckkammerlautsprechers 26 angeschlossen
ist. Der Lautsprecher 26 gibt beispielsweise frühzeitig Fahrgeräusche eines herannahenden
Zuges in deutlich vernehmbarer Lautstärke ab.
[0016] Anstelle der beiden akustischen Empfänger 9, die vorzugsweise in einem vorgegebenen
Abstand von 1.100 bis 1.200 m an den Schienen 1 oder 2 eines Gleisstranges montiert
sind, ist grundsätzlich die Verwendung von nur einem Empfänger 9 (elektroakustischen
Wandler) in unmittelbarer Nähe der Baustelle möglich. Jedoch ermöglicht die Verwendung
von zwei derartigen Empfängern 9 je Schiene, daß Schienenfahrzeuge aus beiden Fahrtrichtungen
auch bei aufgetrennten Schienen sicher erfaßt und somit die im Gefährungsbereich B
(Baubereich) anwesenden Sicherheitsposten und/oder Arbeitskräfte rechtzeitig gewarnt
werden können. In stationären Anlagen ist auch eine reihenweise Anordnung und Verwendung
von weiteren Empfängern 9 in Abständen von ca. 1.000 m möglich, da die auswertbaren
akustischen Reichweiten der von einem Schienenfahrzeug in einem Schienenstrang erzeugten
Geräusche mehrere Kilometer betragen können.
[0017] Mit der in Fig. 2 dargestellten Vorrichtung ist eine sichere, rechtzeitige und wirtschaftliche
Warnung von in Gefährdungsbereichen, insbesondere von in Gleisbaubereichen eingesetzten
Sicherheitsposten und Arbeitskräften vor herannahenden Schienenfahrzeugen oder anderen
Gefahrenquellen gegeben. Dies gilt vor allem für Baustellen im Bereich von Hochgeschwindigkeitsstrecken,
Kurven und Tunneln. Von Vorteil ist auch, daß die sogenannte sensorgesteuerte Rottenwarnanlage
sowohl stationär als auch als mobile Anlage einsetzbar ist. Gegenüber dieser sensorgesteuerten
Rottenwarnanlage weisen die bisher verwendeten manuellen Rottenwarnanlagen, bei denen
erforderlichenfalls akustische Signale z. B. mittels einer Trompete von einem Streckenposten
erzeugt werde, den Nachteil auf, daß aufgrund von Unaufmerksamkeit und Ermüdung der
Streckenposten Unfälle nicht vollständig ausgeschlossen werden können.
1. Verfahren zur Erfassung von unerwünschten Veränderungen oder Manipulationen an langgestreckten
körperschalleitenden Körpern, insbesondere von Rissen oder mittels motorbetriebener
Trennscheiben oder Sprengungen herbeigeführter vollständiger oder teilweiser Unterbrechungen
an Gleissträngen für Schienenfahrzeuge, dadurch gekennzeichnet, daß in einem langgestreckten
Körper (1,2) mindestens ein akustisches Signal mit Hilfe von mindestens einem akustischen
Sender (4 bis 7) eingekoppelt wird, daß das akustische Signal nach Durchquerung des
langgestreckten Körpers (1,2) von mindestens einem akustischen Empfänger (8,9) empfangen
wird, und daß eine durch eine unerwünschte Veränderung oder Manipulation oder durch
eine teilweise oder vollständige Unterbrechung des langgestreckten Körpers (1,2) hervorgerufene
charakteristische Änderung des akustischen Signals in mindestens einer den Empfängern
(8,9) nachgeordneten Auswerteeinrichtung ermittelt und zur Abgabe eines Meldesignals
verwendet wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch eine charakteristische Änderung des
akustischen Signals in seiner Amplitude, Energie, Frequenz und/oder seinem Frequenzmuster.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß bei der Anwendung auf
einen Gleisstrang (1,2) für Schienenfahrzeuge das akustische Signal auf die akustische
Leitfähigkeit im Gleisstrang (1,2) und auf die Schwellenstruktur (3) abgestimmt ist.
4. Verfahren nach Anspruch 1,2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß bei der Verwendung
von mehreren Sendern (4 bis 7) von diesen unterscheidbare akustische Signale erzeugt
werden.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß in ihrer Frequenz, ihrem Frequenzmuster,
ihrer Amplitude oder ihrer Energie sich unterscheidende akustische Signale verwendet
werden.
6. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch
gekennzeichnet, daß an jede Schiene (1,2) eines Gleisstranges mehrere akustische Sender
(4 bis 7) zur Einkoppelung von unterscheidbaren Akustiksignalen in vorgegebenen Abständen
befestigt sind, daß zwischen benachbarten Sendern (4,5 bzw. 6,7) einer Schiene (1,2)
jeweils ein akustischer Empfänger (8,9) an der Schiene (1,2) zur Sensierung der Akustiksignale
angeordnet ist, und daß den Empfängern (8,9) eine Auswerteeinrichtung zur Ermittlung
von charakteristischen Änderungen der akustischen Signale und zur Abgabe eines Meldesignals
nachgeordnet ist.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß einem an einer Schiene (1)
befestigten Empfänger (8) und einem benachbarten Empfänger (9) der anderen Schiene
(2) jeweils ein selektiver Verstärker, Fühler (10 bzw. 11) und eine Signalverarbeitungseinrichtung
(12 bzw. 13) nachgeordet sind, daß die Signalverarbeitungseinrichtungen (12 bzw. 13)
zwei Ausgänge aufweisen, von denen jeweils einer einem Komparator (18) zugeführt ist
und der andere jeweils an eine von zwei Alarmschwellenlogiken (14 bzw. 15) angeschlossen
ist, daß der Ausgang des Komparators (18) mit einem zweiten Eingang der beiden Alarmschwellenlogiken
(14,15) elektrisch leitend verbunden ist, und daß den Alarmschwellenlogiken (14,15)
jeweils ein Alarmgeber (16,17) nachgeschaltet wird.
8. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichent, daß von mindestens einem akustischen
Empfänger (9) die von einem herannahenden Schienenfahrzeug verursachten Körperschallgeräusche
aufgenommen werden, und daß die von den akustischen Empfängern (9) abgegebenen Ausgangssignale
verstärkt und einer Alarmeinrichtung (24, 26) zur Abgabe von akustischen und/oder
optischen Warnsignalen für in einem Gefährdungsbereich (B) eingesetzte Arbeitskräfte
und/oder Sicherheitskräfte zugeführt werden.
9. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet,
daß der bzw. die Ausgänge der akustischen Empfänger (9) über Fernmeldeleitungen (20)
mit den Eingängen eines Verstärkers (21) elektrisch leitend verbunden sind, und daß
dem Verstärker (21) eine Einrichtung zur Signalverarbeitung (22), eine Alarmschwellenlogik
(23) und ein akustischer und/oder optischer Alarmgeber (24) nachgeschaltet sind.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß der Verstärker (21) einen
zweiten Ausgang aufweist, der über einen Niederfrequenzverstärker (25) an den Eingang
eines Druckkammerlautsprechers (26) angeschlossen ist.