[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren und eine Einrichtung zur Erzeugung von
Stahlsträngen im Brammenformat. Beim Stranggießen von Stahl in flüssigkeitsgekühlten,
aus einzelnen Platten gebildeten Kokillen zur Erzeugung von Strängen im Brammenformat
wird in der Kokille aufgrund der geringen Wärmeleitfähigkeit des Stahles zunächst
nur eine dünne, aus erstarrter Schmelze bestehende Strangschale gebildet. Es ist bekannt
und wird vom Stranggießer angestrebt, daß die Strangschale in der Kokille möglichst
mit über den Umfang gleichmäßiger Dicke entsteht, da diese dünne Strangschale außerhalb
der Kokille dem ferrostatischen Druck der im Innern befindlichen Schmelze Stand halten
muß. Der Fachmann weiß ferner, daß die Ausbildung der Dicke und der Gleichmäßigkeit
der erstarrten Strangsschale am Austritt der Kokille von einer Reihe von Faktoren
abhängig ist, wie beispielsweise Gießgeschwindigkeit, Stahltemperatur, Geometrie,
Werkstoff und Konizität der Kokille und nicht zuletzt von der Art und Zusammensetzung
des Schmiermittels, das auf den Gießspiegel aufgebracht wird und die Reibung zwischen
Strangschale und Kokille verringern soll.
[0002] Die Tatsache, daß immer wieder Strangdurchbrüche, also Schmelzenaustritte durch die
Strangschale hindurch zu verzeichnen sind, die zum Abbruch des Gießvorganges führen,
zeigt, daß dieses Problem noch nicht sicher beherrscht wird, obwohl eine ganze Reihe
von Vorschlägen zur Lösung dieses Problems existieren.
[0003] So sind aus den Schriften DE 31 10 012 C1, EP 0 114 293 B1, DE 33 09 885 A1, DE 39
08 328 A1 Vorschläge bekannt, mit denen über eine Einstellung der Konizität der Schmalseiten
versucht wird, die Kühlbedingungen in der Kokille und damit die Strangsschalenbildung
zu bestimmen bzw. zu beeinflussen.
[0004] Andererseits ist es aus den Schriften DE-OS 15 08 966, DAS 23 19 323, DE-PS 23 20
277, DE-PS 24 40 273 und DE 34 23 475 C2 bekannt, die Strangschalendicke über Messungen
der Kokillenwandtemperatur oder der aus der Kokille abgeführten Wärmemenge zu steuern.
[0005] Allen bekannten Methoden ist gemeinsam, daß die Kokille bzw. die gesamte Anlage nach
Meßwerten im Vergleich zu vorgegebenen Soll-Werten gesteuert wird, wobei jedoch offen
ist, inwieweit die vorgegebenen Soll-Werte den tatsächlichen Gegebenheiten oder Erfordernissen
Rechnung tragen.
[0006] Die Erfindung löst die bestehenden Probleme bei einer flüssigkeitsgekühlten Plattenkokille
zur Erzeugung von Strängen aus Stahl im Brammenformat mit zwischen Breitseitenplatten
verstellbaren Schmalseitenplatten gemäß Gattungsbegriff des Anspruches 1 mit den Merkmalen
des kennzeichnenden Teils des Anspruches 1. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung
sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0007] Anhand der beiliegenden Zeichnung soll die Erfindung im folgenden näher erläutert
werden.
[0008] Fig. 1 zeigt in prinzipieller Darstellung eine Kokille für die Erzeugung von Strängen
im Brammenformat. Die Kokille ist gebildet von den Breitseitenplatten 3, 4 und zwischen
diesen verstellbar angeordneten Schmalseitenplatten 1, 2. Alle vier Seiten sind in
an sich bekannter Weise wassergekühlt, also mit je einem Wasserzulauf und Wasserablauf
versehen, die Schmalseiten mit an sich bekannten Mitteln zur Einstellung verschiedener
Strangbreiten sowie der Konizität. Da es sich hierbei um dem Fachmann bekannte Sachverhalte
handelt, sind sie in der Zeichnung nicht dargestellt.
[0009] Für jede der vier Platten der Kokille wird die Wassereinlauftemperatur 5 erfaßt,
wobei im Regelfall diese für alle vier Platten gleich sein wird, so daß ein Meßwert
genügt. Nach Durchlauf des Wassers durch die Kokille wird für jede der Schmal- und
Breitseitenplatten 1, 2, 3, 4 die Temperatur des Wassers möglichst nahe an der Anschlußstelle
des Wasserablaufs an der Kokillenplatte erfaßt, ebenso die jeder Seite der Platte
zugeführte Wassermenge (Bezugsziffern 6 bis 13).
[0010] Hierbei steht die Bezugsziffer
6 - Tnfl |
für Wasserauslauftemperatur |
- linke Schmalseitenplatte |
7 - Mnfl |
für Wassermenge |
- linke Schmalseitenplatte |
8 - Twff |
für Wasserauslauftemperatur |
- vordere Breitseitenplatte |
9 - Mwff |
für Wassermenge |
- vordere Breitseitenplatte |
10 - Twfb |
für Wasserauslauftemperatur |
- hintere Breitseitenplatte |
11 - Mwfb |
für Wassermenge |
- hintere Breitseitenplatte |
12 - Tnfr |
für Wasserauslauftemperatur |
- rechte Schmalseitenplatte |
13 - Mnfr |
für Wassermenge |
- rechte Schmalseitenplatte |
[0011] Diese Meßwerte werden einem Rechner 14 zugeführt, dem bestimmte, eine optimale Kokillenkonfiguration
darstellende Sollwerte 17 (Operator Input) vorgegeben sind. Aufgrund des durchgeführten
Vergleichs der Meßwerte mit den Sollwerten gibt der Rechner bei auftretenden Differenzwerten
entsprechende Stellsignale auf den Antrieb der Schmalseitenplatten-Stelleinrichtungen
15, 16.
[0012] In Fig. 2 ist das Verarbeitungsprogramm des Rechners 14 schematisch dargestellt.
Aus den erfaßten Meßwerten 5 bis 13 werden die abgeführten Wärmemengen 21, 22, 23,
24 jeder Kokillenwand ermittelt. Die Bezugsziffern hierin bedeuten
21 - Wnfl - Wärmemenge der linken Schmalseitenplatte 1
22 - Wnfr - Wärmemenge der rechten Schmalseitenplatte 2
23 - Wwfb - Wärmemenge der hinteren Breitseitenplatte 3
24 - Wwff - Wärmemenge der vorderen Breitseitenplatte 4
Da außerdem das Kokillenformat 25 (Moldsize) eingegeben wird, kann für jede Kokillenplatte
1 bis 4 die spezifische Wärmebelastung (spezifischer Temperaturwert) ermittelt werden.
[0013] In einem weiteren Gang werden nun die spezifischen Temperaturwerte je einer Breitseitenplatte
zu denen der angrenzenden Schmalseitenplatte ins Verhältnis gesetzt, so daß sich die
Werte
K1 - aus dem Verhältnis Schmalseitenplatte 3 zur Breitseitenplatte 1
K2 - aus dem Verhältnis Schmalseitenplatte 3 zur Breitseitenplatte 2
K3 - aus dem Verhältnis Schmalseitenplatte 4 zur Breitseitenplatte 1
K4 - aus dem Verhältnis Schmalseitenplatte 4 zur Breitseitenplatte 2
ergeben.
[0014] Im weiteren können durch einen Vergleich der abgeführten Wärmemengen der Schmalseitenplatten
1, 2 untereinander K5 bzw. der Breitseitenplatten 3, 4 untereinander K6 Rückschlüsse
auf die Schalendicke des Stranges in der Kokille gezogen und diese ebenfalls zur Korrektur
der Konizitätseinstellung der Schmalseitenplatten benutzt werden. Auch hier wird man
die Schmalseite, die den niedrigeren Temperaturwert liefert, im Sinne einer Verstärkung
der Konizität verstellen.
[0015] Werden die Werte K1 bis K6 in Zeitabständen ausgewertet oder auch kontinuierlich
aufgezeichnet, so ergibt sich für einen Idealzustand, der eine gleiche Schalendicke
des Stranges in der Kokille definiert, stets ein bestimmtes Verhältnis der K-Werte
untereinander bzw. ein bestimmter Kurvenverlauf. Weicht ein oder mehrere Werte über
ein bestimmtes Maß von den übrigen zeitgleichen Werten ab, so ist dies ein Anzeichen
für eine Störung des Wärmeüberganges und damit für eine Veränderung der Strangschalenbildung
in einem zuortbaren Bereich der Kokille, der gleichzeitig eine Vorwarnung für einen
zu erwartenden Strangdurchbruch angibt. Diese Gefahr kann also frühzeitig durch Korrektur
der Konizität der Kokille, Änderung der Gießgeschwindigkeit, der Oszillationsparameter
oder der Gießpulverzusammensetzung begegnet werden.
1. Verfahren zur Regelung der Konizität von zwischen Breitseiten verstellbaren Schmalseiten
einer flüssigkeitsgekühlten Plattenkokille zur Erzeugung von Strängen aus Stahl im
Brammenformat,
dadurch gekennzeichnet,
daß zunächst von jeder der flüssigkeitsgekühlten Platten einer Kokille die Temperatur
der Kühlflüssigkeit am Kühlmittelauslauf der Platten gemessen wird,
aus der gemessenen Temperatur ein kühlflächenbezogener spezifischer Temperaturwert
gebildet wird,
die spezifischen Temperaturwerte gegenüberliegender Platten verglichen werden,
ferner ein Vergleich der Temperaturwerte jeder Platte mit den spezifischen Temperaturwerten
der angrenzenden Platten vorgenommen wird,
daß bei Auftreten einer Differenz zwischen den Temperaturwerten ein Stellwert in der
Größe des Differenzwertes auf den Antrieb derjenigen Schmalseite im Sinne einer Verstärkung
der Konizität aufgegeben wird, die den niedrigeren Temperaturwert liefert.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Temperatur des Kühlmittels fortlaufend gemessen wird.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß als Temperaturwert einer Kokillenseite die jeweils auf eine Flächeneinheit bezogene,
abgeführte Wärmemenge erfaßt wird.
4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die spezifischen Temperaturwerte fortlaufend erfaßt werden, so daß sie über den
Zeitverlauf als Kurven dargestellt sind,
der zeitliche Verlauf der Kurven auf ihre Stetigkeit in einem Rechner geprüft wird
und
Abweichungen eines Kurvenverlaufes von den parallel aufgezeichneten Kurven als Stellwert
in der Größe der Abweichung auf den jeweiligen, zugeordneten Antrieb der Schmalseitenplatten
aufgegeben wird, bis der Parallelverlauf aller Kurven wieder hergestellt ist.