[0001] Die Erfindung betrifft eine Anordnung zum Stützen und Ausrichten von Antennen oder
Teleskopen, insbesondere für Weltraumanwendungen, nach dem Oberbegriff des Patentanspruches
1.
[0002] Eine gattungsgemäße Anordnung ist bereits bekannt aus "Das Hexapod-Teleskop - ein
Prototyp für das Deutsche Großteleskop" von Theodor Schmidt-Kaler in Spektrum der
Wissenschaft, Mai 1991, Seite 18 bis 22. Das Nachführungssystem dieses Teleskops soll
das mechanische Grundprinzip nutzen, daß ein starrer Körper genau sechs Freiheitsgrade
der Bewegung hat und die Tragestruktur des Hauptspiegels wird daher durch sechs Beine
mit dem Fundament des Teleskops verbunden. Man kann durch Verlängern bzw. Verkürzen
der Beine und damit durch Veränderung der Neigungswinkel gerade sechs Freiheitsgrade
realisieren.
[0003] Eine weitere Anordnung zum Stützen und Ausrichten von Antennen mit einem Gestell
in Form eines Hexapods, entsprechend dem Oberbegriff des Patentanspruches 1 ist aus
der EP 02 66 026 A1 bekannt.
[0004] Ausgehend von diesem Stand der Technik ist es Aufgabe der Erfindung, eine Anordnung
zum Stützen und Ausrichten von Teleskopen anzugeben, die für den Einsatz auf Satelliten
besonders geeignet ist.
[0005] Die Aufgabe wird mit den Merkmalen des Patentanspruches 1 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen
sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0006] Für den Einsatz von Stütz- und Ausrichtmechanismen für Teleskope auf Satelliten ist
es von besonderer Bedeutung, daß die Systeme von geringem Gewicht und Volumen sind.
Außerdem werden hohe Anforderungen an die Genauigkeit des Ausrichtmechanismus gestellt.
Da der freie Platz auf einem Satelliten gering ist, kann es vorkommen, daß der Sichtbereich
des Teleskops durch andere Aufbauten auf den Satelliten beschränkt wird. Dies kann
sich äußerst nachteilig auswirken.
[0007] Durch den Einsatz einer Tragestruktur in Form eines Hexapods kann das Gewicht für
die Anordnung zum Stützen und Ausrichten des Teleskops wesentlich herabgesetzt werden.
Der Ausrichtmechanismus basiert auf der Längenänderung der sechs Beine des Hexapods.
Wenn die Länge der Beine über einen großen Bereich veränderbar ist, so kann die Stütz-
und Ausrichtanordnung, das Hexapod, auch als Ausfahreinheit zum Ausfahren des Teleskops
eingesetzt werden. Dazu ändert man die Länge der sechs Beine gleichzeitig. Ein Gestell
in Form eines Hexapods nicht nur zum Stützen und Ausrichten eines Teleskops einzusetzen,
sondern das Gestell auch als Ausfahreinheit einsetzen, bringt den Vorteil, daß bei
Applikationen auf ungünstigen Satellitengeometrien das Teleskop weit ausgefahren werden
kann und dann in seinem Sichtwinkel nicht mehr durch andere Aufbauten auf dem Satelliten
eingeschränkt ist.
[0008] Neben dem geringen Gewicht des Ausrichtmechanismus spielt auch der Leistungsverbrauch
einen solchen Mechanismus, insbesondere bei Weltraumanwendungen, eine sehr große Rolle.
Durch den erfindungsgemäßen Einsatz von piezoelektrischen Linearmotoren zur Betätigung
von Ausrichtmechanismus und Ausfahreinheit kann eine Reduzierung des Leistungsverbrauchs
erreicht werden. Der Einsatz von Inchworm-Motoren (bekannt aus US 39 02 085) hat den
Vorteil, daß diese ohne Betriebsspannung blockiert, also im Ruhezustand sind.
[0009] Für die speziellen Anforderungen eines Ausrichtmechanismus auf einem Satelliten,
der auf einer Trägerrakete befestigt die Startbedingungen erfüllen muß, ist erfindungsgemäß
eine Startposition vorgesehen, in welcher der Ausrichtmechanismus definiert blockiert
ist (englisch: launch lock).
Erfindungsgemäß wird dies durch das interne Verspannen der Einzelbeine erreicht.
[0010] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird anhand der Zeichnungen erläutert. Es zeigen:
Figur 1 schematische Darstellung einer Hexapodstruktur und
Figur 2 Schnitt durch ein Bein des Hexapods.
[0011] Eine erfindungsgemäße Anordnung, wie sie beispielsweise auf einer Satellitenplattform
2 montiert sein könnte, ist in Figur 1 dargestellt. Ein Teleskop 1 ist über einen
Rotations- und Umlenkmechanismus 5 auf einer starren Trägerplatte 10 befestigt. Der
Grundriß der Trägerplatte 10 entspricht einem gleichseitigen Sechseck. Unterhalb der
Trägerplatte ist eine optische Bank 3 befestigt. An den sechs Ecken der Trägerplatte
ist jeweils ein Ende eines Beines 6 befestigt. Die sechs Beine sind in der Länge regulierbar.
Sie sind jeweils über ein Kugelgelenk mit der Trägerplatte 10 befestigt. Am anderen
Ende sind die Beine 6 jeweils paarweise zusammengefaßt und über Kugelgelenke mit der
Satellitenplattform 2, die die Grundfläche bildet, verbunden. Die sechs in der Länge
regulierbaren Beine bilden das Hexapodgestell. Der Aufbau der einzelnen Beine ist
aus Figur 2 ersichtlich. Auf der Satellitenplattform 2 sind neben den Beinen des Hexapodgestells
auch noch weitere Baueinheiten 4 vorgesehen. Auf der Satellitenplattform entsprechen
die Befestigungspunkte der Beine 6 den Ecken eines gleichseitigen Dreiecks. Indem
man die Länge aller Beine 6 des Hexapodgestells ändert, kann das Teleskop 1 ausgefahren
werden. Die Ausrichtung des Teleskops kann ebenfalls durch Veränderung der Länge der
sechs Beine des Hexapodgestells erreicht werden. Wie die Länge der Beine verändert
werden kann, ist in Figur 2 dargestellt. Ein Bein 6 besteht aus einem inneren Rohr
8 und einem äußeren Rohr 9. Das innere Rohr kann bezüglich des äußeren Rohrs durch
piezoelektrische Linearmotoren 11 bewegt werden. Diese sind am äußeren Rohr befestigt
und bewegen sich auf der glatten genau bearbeiteten Außenfläche des inneren Rohrs
8. An den Enden der Beine 6 befindet sich jeweils ein Kugelgelenk 7. Über diese Kugelgelenke
sind die Beine auf der einen Seite mit der Satellitenplattform 2 und auf der anderen
Seite mit der Trägerplatte 10, die das Teleskop 1 trägt, verbunden. Das innere Rohr
8 der Beine, auf dessen Außenfläche sich die piezoelektrischen Linearmotoren, auch
Inchworm-Motoren genannt, bewegen, ist vorteilhafter Weise ein PEEK-Rohr und weist
eine sehr gute Gleitfläche auf.
Am unteren Ende befindet sich eine Anschlagscheibe 14 für das äußere Rohr 9. Während
des Startvorgangs der Trägerrakete wird das äußere Rohr 9 gegen die Anschlagscheibe
14 mittels der piezoelektrischen Linearmotore verspannt. Dadurch wird eine wesentlich
erhöhte Festigkeit der Gesamtstruktur während des Startvorganges erreicht. Dabei kann
die Oberfläche der Anschlagscheibe 14 beispielsweise mit Stahlwolle beschichtet sein,
um hohe Dämpfung, Friktion und Elastizität zu sichern.
1. Anordnung zum Stützen und Ausrichten von Antennen oder Teleskopen, insbesondere für
Weltraumanwendungen, mit einem Gestell in Form eines Hexapods, das sich aus sechs
in der Länge regulierbaren Beinen (6) zusammensetzt, deren Enden mit Kugelgelenken
(7,7') ausgestattet sind, die auf einer Seite jeweils paarweise an den Ecken eines
Dreiecks auf einer Grundfläche (2) befestigt sind und die auf der dem Teleskop oder
der Antenne zugewandten Seite ebenfalls paarweise an den Ecken eines Dreiecks oder
einzeln an den Ecken eines Sechsecks an einer starren Trägerplatte (10) befestigt
sind, wobei das Gestell als Ausfahreinheit zum Ausfahren des Teleskops (1) oder der
Antenne aus einer ersten, der Grundfläche (2) nahen in eine zweite, der Grundfläche
(2) ferne Stellung ausgebildet ist, dadurch gekennzeichnet, daß zur Längenregulierung
der Beine (6) des Gestells piezoelektrische Linearmotoren (11) angeordnet sind, die
ein inneres Rohr (8) gegenüber einem äußeren Rohr (9) bewegen.
2. Anordnung zum Stützen und Ausrichten von Antennen oder Teleskopen nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß das innere Rohr (8) eine sehr genau bearbeitete Außenfläche
aufweist und somit eine gute Gleitfläche für die piezoelektrische Linearmotoren (11)
ist, die an dem äußeren Rohr (9) befestigt sind.
3. Anordnung zum Stützen und Ausrichten von Antennen nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß eine Verspannung des äußeren Rohres (9) gegen eine am unteren Ende des inneren
Rohres (8) befindliche Anschlagscheibe (14) vorgesehen ist, die im eingefahrenen Zustand
der Anordnung wirksam ist.