[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren bzw. eine Einrichtung gemäß dem Oberbegriff
des Anspruches 1 bzw. des Anspruches 2.
[0002] Im militärischen Alltag ist es bekannt, auf dem Grund direkt oberhalb eines beispielsweise
magnetisch georteten, vollständig eingesandeten großvolumigen Kampfmittels wie etwa
eines Bomben-Blindgängers oder einer Mine ein Gestell auf das Erdreich zu setzen,
das eine Hohlladung in gewissem Abstand zum Grund haltert. Eine hinreichend groß ausgelegte
Hohlladung dringt nach der Zündung dann mit dem Hohlladungsstrahl einige Dezimeter
tief in das Erdreich ein und führt zur Detonation des Kampfmittels, wenn in dessen
Einsandungs-Tiefe noch hinreichend energiereiche Strahlbestandteile die Sprengmittel-Hülle
durchschlagen, um die Sprengstoff-Füllung zur Detonation zu bringen. Ob dieser angestrebte
Effekt der Kampfmittel-Vernichtung jedoch tatsächlich erreicht wird, hängt stark von
der Lagertiefe des Kampfmittels und der Konsinstenz des darüber befindlichen Materials
ab. Auf jeden Fall ist eine recht große Vernichtungs-Ladung erforderlich, die aufgrund
der Splitterwirkung bei ihrer Zündung eine ganz erhebliche Umweltgefährdung erbringt;
und am Grunde eines Gewässers ist dieses Vorgehen schon deshalb nicht realisierbar,
weil einerseits die genaue Positionierung der Vernichtungsladung auf dem Grund zu
aufwendig wäre und andererseits die Energie des Hohlladungsstrahles beim Durchqueren
des Wassers und Eindringen in den Gewässer-Grund so stark reduziert würde, daß nicht
mit hinreichender Wahrscheinlichkeit eine Detonation des Kampfmittel-Sprengstoffes
ausgelöst wird.
[0003] Auch der etwa auf Flughäfen geübte Beschuß eines Kampfmittels mit einer kleinkalibrigen
Kanone von einem gepanzerten Fahrzeug aus ist einerseits apparativ sehr aufwendig
und andererseits gegen vollständig eingesandete Kampfmittel, zumal unter dem Grunde
eines Gewässers, nicht einsetzbar. Denn einerseits ist aus einer solchen Kanone kein
gezielter Beschuß gegen das nicht sichtbare Kampfmittel möglich, und außerdem würde
das aus einer solchen Kanone abgefeuerte Geschoß sich nicht richtungsstabil weiterbewegen,
wenn es aus Luft in ein dichteres Medium wie Wasser oder gar Sand übertritt, so daß
das Kampfmittel auch dann nicht getroffen würde, wenn es aufgrund bekannter Lage genau
einvisiert werden könnte. Schließlich mag der Beschuß mit einer kleinkalibrigen Rohrmunition
zwar zur Zerstörung des Kampfmittel-Mantels und damit dazu führen, daß das Kampfmittel
nicht mehr einsatzbereit ist; geometrisch würde es dabei aber erhalten bleiben und
bei der nächsten Ortung zumindest eine erhebliche Irritation auslösen, da durch die
Lage-Ortung allein nicht feststellbar ist, ob das Kampfmittel noch intakt ist.
[0004] Zur Vernichtung von Seegrund-Minen ist es bekannt, mittels ferngesteuerter Unterwasser-Drohnen
großvolumige Vernichtungsladungen möglichst dicht neben der aufgespürten Grundmine
abzulegen und, nach Absetzen der Drohne in sichere Entfernung, ferngesteuert zu zünden.
Der apparative und handhabungstechnische Aufwand dafür ist aber außerordentlich groß
und die tatsächliche Vernichtungswirkung relativ ungewiß wegen nicht gezielt einsetzbarer
Energie der lediglich neben dem Kampfmittel abgelegten Vernichtungsladung.
[0005] In Erkenntnis dieser Gegebenheiten liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein
Verfahren und eine Einrichtung gattungsgemäßer Art anzugeben, die ohne großen apparativen
Aufwand zur sicheren Vernichtung auch - selbst unter Wasser - vollständig eingesandeter
großvolumiger Kampfmittel einsetzbar sind.
[0006] Diese Aufgabe ist erfindungsgemäß im wesentlichen dadurch gelöst, daß bei den jeweiligen
Gattungsmerkmalen auch die Kennzeichnungsmerkmale der Ansprüche 1 bzw. 2 realisiert
werden.
[0007] Nach dieser Lösung wird die vergleichsweise sehr kleine Wirkmasse eines schlanken
Hohlladungs-Projektils, das aus einer billigen Frontlader-Kartusche abgeschossen werden
kann, in direkter Wirkrichtung unmittelbar an der Kampfmittel-Mantelfläche ausgelöst,
nachdem es das umgebende Medium - einschließlich einer Sandschicht - mit stabiler
Ballistik aufgrund vollkavitierender Projektil-Geometrie durchdrungen hat. Die verbleibende
große Auftreffenergie auf das Kampfmittel führt zum sicheren Ansprechen eines billigen
da einfachen Aufschlagzünders. Die ohnehin kleinen und infolge der kleinen Wirkmasse
auch nicht hochenergetischen Splitter, die beim Zünden des Vernichtungs-Projektils
entstehen, stellen eine allenfalls geringe Umweltgefährdung dar, die durch die umgebende
Sandmasse auch noch wirksam gedämpft ist. Deshalb kann der Träger der richtbaren Projektil-Abschußkartusche
in der einmal erreichten Schußposition verbleiben, um erforderlichenfalls noch ein
zweites Projektil für zuverlässige Vernichtung des Kampfmittels nachzufeuern, das
nachgeladen oder in einem parallelen Abschußrohr bereitgehalten wird.
[0008] Zwar ist es aus der DE-PS 36 26 434 bekannt, großvolumige Seegrundminen durch Miniatur-Hohlladungsgefechtsköpfe
außer Funktion zu setzen, die über die am Grund geortete Mine ausgestreut werden und
deren Verdämmung durchbrechen sowie Krater in den Sprengstoff einbrennen, ohne diesen
gleich zur Detonation zu bringen. Aufgrund der niedrigen Auftreffgeschwindigkeit sind
diese Gefechtsköpfe aber mit einer recht aufwendigen Zündeinrichtung auszustatten,
und gegen vollständig eingesandete Minen sind derartige bloß ins Wasser ausgestreute
Miniatur-Gefechtsköpfe wirkungslos.
[0009] Aus der DE-AS 23 60 226 schließlich ist es bekannt, daß als Zünder für eine ummantelte
Sprengladung eine verschwenkbar auf deren Mantelfläche montierte Hohlladung einsetzbar
ist. Eine solche konstruktive Anbringung einer Hohlladung ist jedoch nicht möglich,
wenn vollständig eingesandete Gefechtsmittel zerstört werden sollen.
[0010] Zusätzliche Alternativen und Weiterbildungen sowie weitere Merkmale und Vorteile
der Erfindung ergeben sich aus den weiteren Ansprüchen und, auch unter Berücksichtigung
der Darlegungen in der Zusammenfassung, aus nachstehender Beschreibung eines in der
Zeichnung unter Beschränkung auf das Wesentliche stark abstrahiert skizzierten Einsatz-
und Funktionsbeispiels für die erfindungsgemäße Lösung. Die einzige Figur der Zeichnung
zeigt in Aufriß-Darstellung einen Kartuschen-Träger, von dem aus eine eingesandete
Mine mit einem Projektil voll-kavitierender Geometrie und mit Aufschlagzünder für
seine Hohlladung beschossen wird.
[0011] Bei dem zu vernichtenden Kampfmittel 11 handelt es sich um einen relativ großvolumigen,
im wesentlichen zylindrischen Körper mit einem Metallmantel 12 von recht geringer
Wandstärke im Verhältnis zum Kampfmittel-Durchmesser 13, der im wesentlichen mit Sprengstoff
14 gefüllt ist. Das Kampfmitel 11, etwa eine Seegrundmine, liegt vollständig in Sand
15 vergraben, eingesandet in einer Tiefe unter dem Grund 16, die mindestens in der
Größenordnung des Zylinder-Durchmessers 13 liegen und sogar einige Meter betragen
kann. Beim Medium 17 über dem Grund 16 kann es sich um Wasser, aber auch um Luft handeln;
so daß es sich beim Grund 16 um einen Gewässergrund oder um den Boden an Luft handeln
kann. Die örtliche Position des eingesandeten Kampfmittels 11 längs des Grundes 16
ist mittels einer beispielsweise magnetischen Ortungseinrichtung (in der Zeichnung
nicht berücksichtigt) lokalisierbar, die in oder über dem Medium 17 oberhalb des Grundes
16 arbeitet.
[0012] Wenn das zu vernichtende Kampfmittel 11 lokalisiert ist, wird ein Träger 18 für eine
einfache, beispielsweise als Frontlader ausgebildete, Kartusche 19 etwas seitlich
neben die Position des Kampfmittels 11 manövriert und die mit einem Projektil 20 geladene
Kartusche 19 mittels einer Schwenk-Richteinrichtung 21 räumlich so ausgerichtet, daß
nach den trigonometrischen Gesetzmäßigkeiten die lineare Projektil-Schußbahn 22 das
zuvor geortete Kampfmittel 11 möglichst mittig trifft. Die Spitzen- und Hüllengeometrie
des Vernichtungs-Projektils 20, 20' ist in als solcher bekannter Weise derart ausgelegt,
daß sich jedenfalls bei rascher Bewegung durch Wasser eine medienfreie Kavitationshülle
direkt hinter der Projektil-Spitze 23 einstellt; vgl. US-PS 34 34 425, Fig. 5, jedoch
mit viel kleinerem Durchmesser der umlaufenden Stirnkante im Verhältnis zum größten
Projektil-Durchmesser, so daß sich eine diesem eng benachbarten Phasengrenze von der
Kavitationshülle zum Wasser einstellt. Dadurch findet keine Berührung des umgebenden
Mediums (Wasser) mit der zylindrischen Mantelfläche des Projektils hinter seiner Spitze
23 statt, so daß das Projektil 20, 20' sich, gegebenenfalls heckseitig die Kavitationshülle
seitlich touchierend um eine Auslenkung rückgängig zu machen, richtungsstabil durch
das Umgebungs-Medium 17 längs der Schußbahn 22 bewegt. Diese strömungsdynamischen
Verhältnisse bleiben auch dann bestehen, wenn ein Übergang der Schußbahn 22 und damit
des Projekils 20, 20' in ein gegenüber Luft noch dichteres Medium als Wasser wie insbesondere
in Sand 15 erfolgt: Auch hierin bewirkt die auf Kavitationserzeugung ausgelegte Geometrie
der Projektil-Spitze 23 die Verdrängung des Umgebungsmaterials, so daß eine spitzkegelige
bis zylindrische medienfreie Zone sich längs des Projektils 20, 20' um seine Wandung
erstreckt und dadurch auch im Sand 15 eine praktisch richtungsstabile Fortbewegung
des Projektils 20, 20' gewährleistet bleibt.
[0013] Deshalb trifft das einmal mittels der schwenk-richtbaren Kartusche 19 bezüglich der
vorher detektierten Lage des zu vernichtenden Kampfmittels 11 in korrekter Richtung
abgeschossene Projektil 20, 20' mit hoher Auftreffgeschwindigkeit auch noch ein recht
tief eingesandetes Kampfmittel 11. Die hohe Auftreffgeschwindigkeit garantiert ein
sicheres Ansprechen eines Aufschlagzünders 24, der als Heckzünder ausgestaltet sein
kann, vorzugsweise aber in der Projektil-Spitze 23 angeordnet ist. Der Zünder 24 initiiert
die Gefechtsladung 25 hinter einer (spitzkegeligen) Hohlladungs-Einlage 26, die in
bekannter Weise zu einem extrem hochenergetischen Hohlladungs-Strahl 27 umgeformt
wird. Diese durchdringt mühelos den Kampfmittel-Mantel 12 unabhängig davon, ob er
schon durch die kinetischen Energie des aufprallenden Projektils 20' beschädigt wurde,
und dringt tief in den Kampfmittel-Sprengstoff 14 hinein, der dadurch relativ großvolumig
angezündet und so zur Detonation gebracht wird.
[0014] Dadurch wird das Kampfmittel 11 sicher vernichtet; wobei die darübergelegene Schicht
des Sandes 15 die Umgebungswirkung einer bei der Detonation unvermeidlichen Splitterbildung
wirksam dämpft. Dadurch ist der in die Nähe des Detonationsherdes in Abschußposition
verbrachte Kartuschen-Träger 18 gut gegen Beschädigungen geschützt, so daß er aus
einem parallelen Rohr oder nach Nachladen der Kartusche mit einem neuen Kampfmittel-Vernichtungsprojektil
20 erneut eingesetzt werden kann. Da jedoch der Träger 18 nicht mit eigenen teueren
Ortungseinrichtungen ausgestattet sein muß, denn er wird ja in eine Wirkposition nach
Maßgabe des anderweitig zuvor lokalisierten Kampfmittels gesteuert, kann es sich auch
um ein Verlustgerät handeln; d.h., der wirtschaftliche Verlust ist nicht zu groß,
wenn aufgrund der Detonation des Kampfmittels 11 Druckwellen oder Splitterwirkungen
ausgelöst werden, die die weitere Funktionsbereitschaft des Kartuschen-Trägers 18
ernsthaft beeinträchtigen können.
[0015] Wenn es sich beim Medium 17 oberhalb des Grundes 16 um Wasser handelt, ist der Kartuschen-Träger
18 als fernsteuerbares Fahrzeug in Form eines Verdrängerschiffes, vorzugsweise eines
Tauchbootes ausgelegt. Wie in der Prinzipskizze der Zeichnung durch Teleskopbeine
28 symbolisch vereinfacht berücksichtigt, kann vorgesehen sein, die Abschußposition
nach Verbringung in die Nähe des Fundortes des zu vernichtenden Kampfmittels 11 mechanisch
zu fixieren und dann erst die Feinausrichtung der Projektil-Schußbahn 22 mittels der
verschwenkbaren Kartusche 19 durchzuführen, um hierfür genügend Operationszeit bei
mechanisch arretierter Träger-Position verfügbar zu haben. Wenn es sich beim Medium
17 oberhalb des Sandes 15 um Luft handelt, kann der Kartuschen-Träger 18 als unmittelbar
auf dem Grund 16 selbstfahrendes oder geschlepptes Landfahrzeug ausgebildet sein.
1. Verfahren zum Vernichten von vollständig eingesandeten Kampfmitteln (11), durch Auslösen
einer Sprengstoff-Detonation mittels eines Hohlladungs-Strahles (27),
dadurch gekennzeichnet,
daß das zuvor geortete Kampfmittel (11) von einem, mit einer richtbaren Kartusche
(19) ausgestatteten, Träger (18) aus mit einem Hohlladungsprojektil (20,20') mit Aufschlagzünder
(24) beschossen wird, das eine auch in Sand (15) vollkavitierende Geometrie aufweist.
2. Einrichtung zum Ausüben des Verfahrens nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein manövrierbarer Träger (18) für eine richtbare Kartusche (19) für ein vollkavitierendes
Hohlladungs-Projektil (20,20') mit einem Aufschlagzünder (24) vorgesehen ist.
3. Einrichtung nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Träger (18) ein Wasser-Verdrängerfahrzeug ist.
4. Einrichtung nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Träger (18) in der Abschußposition am Grund (16) fixierbar ist.
5. Einrichtung nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Träger (18) ein Oberflächen-Land- oder -See-Fahrzeug ist.