[0001] Die Erfindung betrifft (-)-Enantiomere der Verbindung der Formel I

die spezifische Antagonisten des N-Methyl-D-aspartat (NMDA)-Rezeptors sind und sich
daher für die Behandlung von Krankheitsformen als Konsequenz von Erkrankungen wie
Hirninfarkt, Hypoglykämie, zerebralen Tremor, temporärer Hirnischämie (TIA), zerebralem
Infarkt mit nur teilweise reversiblen Symptomen (PRIND), ischämischen Zuständen nach
Herzstillstand oder chirurgischen Eingriffen, anoxischen Zuständen, Intoxikationen
oder Rückenmarksverletzungen, perinataler Asphyxie, altersbedingter neurodegenerativer
Erkrankungen, Alzheimer Demenz (SDAT), Schizophrenie, Epilepsie, Huntington-Chorea,
Amylotrophische Lateralsklerose, Parkinsonsche Erkrankung sowie anderer neurodegenerativer
Erkrankungen eignen.
[0002] Aus der Europäischen Offenlegungsschrift 322 582 ist bekannt, daß Verbindungen der
Formel I antikonvulsive Wirkungen haben.Das die Ar-Gruppe tragende C-Atom in der Seitenkette
ist asymmetrisch. Die in dieser Offenlegungsschritt untersuchten Verbindungen liegen
jedoch ausschließlich in Form ihrer Razemate vor. Über entsprechende Enantiomere wurde
aber noch nicht berichtet. Es wurde nun eine Methode gefunden, die optisch aktiven
Verbindungen dieser Razemate herzustellen. Überraschenderweise wurde gefunden, daß
das (-)-Enantiomer der Verbindung der Formel I eine stärkere Schutzwirkung als das
entsprechende Razemat, sowie eine wesentlich geringere Beeinträchtigung des zentralen
Nervensystems (ZNS) aufweist; daher höher dosiert werden kann und dadurch zu einem
besseren neuroprotektivem Schutz führt als das Razemat oder das (+)-Enantiomer.
[0003] Die Erfindung betrifft somit (-)-Enantiomere der Verbindung der Formel I,

wobei Ar für Verbindungen aus der Gruppe

worin Y für
1) Halogen, wie Fluor, Chlor, Brom oder Jod,
2) Hydroxy,
3) (C₁-C₅)-Alkyl, geradkettig oder verzweigt,
4) (C₁-C₅)-Alkoxy, geradkettig oder verzweigt,
5) Trifluormethyl,
n für eine ganze Zahl von 0 bis 3,
p für eine ganze Zahl von 0 oder 1,
q für eine ganze Zahl von 0 bis 4,
R² für
1) Wasserstoff,
2) (C₁-C₅)-Alkyl, geradkettig oder verzweigt,
3) (C₁-C₅)-Alkanoyl, geradkettig oder verzweigt,
R¹ für
1) Wasserstoff,
2) (C₁-C₅)-Alkyl,
R³ für
1) Wasserstoff,
2) (C₁-C₅)-Alkyl,
3) Phenyl,
4) Phenyl, ein- oder mehrfach substituiert durch
4.1 (C₁-C₄)-Alkyl
4.2 Halogen, wie Fluor, Chlor oder Brom,
4.3 Methoxy,
4.4 Hydroxy,
4.5 Trifluormethyl,
R⁴ für
1) Wasserstoff,
2) (C₁-C₅)-Alkyl,
3) -C(O)-R⁵,
R⁵ für
1) Wasserstoff,
2) (C₁-C₅)-Alkyl,
3) Allyl,
steht und/oder deren pharmazeutisch verträgliche Salze.
[0004] Bevorzugt sind (-)-Enantiomer der Verbindungen der Formel I wobei Ar für

R¹ für Wasserstoff,
R³ für Wasserstoff,
R⁴ für Methyl steht.
[0005] Im folgenden wird die vorgenannte Verbindung als Verbindung II bezeichnet.
[0006] Geeignete pharmazeutisch verträgliche Salze sind beispielsweise Sulfate, Nitrate,
Phosphate, Borate, Hydrochloride und Hydrobromide sowie Salze organischer Sauren wie
Azetat, Tartrat, Maleat, Zitrat, Succinat, Benzoat, Ascorbat, Methansulfonat oder
alpha-Ketoglutarat. Bevorzugt sind dabei Salze wie Hydrochlorid, Tartrat und Methansulfonat.
[0007] Unter dem Begriff Alkanoyl werden Reste der entsprechenden Alkansäuren verstanden,
bei denen die Bindung über die entfernte Hydroxy-Gruppe der Carboxylsäure erfolgt.
Mit Heteroaryl werden Reste aus der Gruppe der obengenannten Ar-Verbindungen bezeichnet.
[0008] Die razemischen Verbindungen der Formel I können wie in der Europäischen Offenlegungsschrift
322 582 beschrieben, hergestellt werden. Verbindungen der Formel I worin R¹ Wasserstoff,
R⁴ Wasserstoff und R³ eine Alkyl- oder Phenylgruppe ist, können beispielsweise hergestellt
werden, indem man N-(2-methylphenyl)-2,2-dimethylpropanamid über das entsprechende
Dilithiumaddukt, mit einem Heteroarylcarboxyaldehydimin zu einem heteroarylsubstituierten
Intermediat umsetzt und dann nach Hydrolyse das entsprechende Diamin erhält. N-(2-methylphenyl)-2,2-dimethylpropanamid
kann durch die Reaktion von o-Toluidin mit Trimethylacetylchlorid erhalten werden
(US 4,374,067). Die Reaktion von primären aliphatischen oder aromatischen Aminen mit
Heteroarylcarboxyaldehyden um die entsprechenden Imine zu erhalten, ist bekannt (G.
Hilgetag, Preparative Organic Chemistry, John Wiley & Sons, Inc. New York 1972, Seiten
504-509).
[0009] Die Enantiomere können aus den razemischen Verbindungen beispielsweise durch Chromatographie
an optisch aktivem Säulenmaterial isoliert werden. Hierbei kommen die bekannten Cyclodextrine,
polymere Chiralitätsträger wie Chira Spher
R(Firma E. Merck, Darmstadt) und Cellulosederivate in Frage. Prinzipiell kommt auch
die Trennung von diastereomeren Salzen in Frage. Dafür eignen sich die optisch aktiv
vorliegenden Carbonsäuren wie beispielsweise (+)-Campher-10-sulfonsäure, substituierte
(D)- oder (L)-Weinsäurederivate, Mandelsäurederivate, Milchsäurederivate, sowie weitere
bekannte optisch aktive Carbonsäuren.
[0010] Zur Herstellung einer chiralen Form eignet sich prinzipiell auch das Verfahren, wobei
man eine Verbindung der Formel III,

worin Ar, R oder R² die oben genannte Bedeutung haben, mit einer Verbindung der Formel
IV,

worin X eine chirale Schutzgruppe bedeutet, umsetzt oder wenn X keine Chiralität enthält
die Verbindung der Formel III mit der Verbindung der Formel IV in Gegenwart eines
chiralen Komplexliganden zur Reaktion bringt.
[0011] Für analytische Zwecke können die Verbindungen der Formel I, nach bekannten Derivatisierungen,
auch durch gaschromatographischen Methoden an chiralen Phasen durch Trennungen der
Razemate isoliert werden.
[0012] Es ist nicht nötig das (+)-Enantiomere völlig abzutrennen, um die bessere Schutzwirkung
des (-)-Enantiomeren zu erzielen. Mischungen der Isomere die mindestens 80 % des (-)-Enantiomeren
enthalten können auch schon verwendet werden; insbesondere wenn sie mehr als 95 %
des (-)-Enantiomeren enthalten. Besonders bevorzugt sind Präparate die mehr als 99
% des (-)-Enantiomeren enthalten.
[0013] Erfindungsgegenstand sind ferner Arzneimittel, die durch eine wirksame Menge des
(-)-Enantiomers der Verbindung der Formel I und/oder deren physiologisch verträglichen
Salze, gekennzeichnet sind. Die erfindungsgemäßen Verbindungen der Formel I können
entweder für sich allein, beispielsweise in Mikrokapseln, in Mischungen untereinander
oder vorzugsweise in Kombination mit geeigneten pharmazeutischen Trägerstoffen, Verdünnungsmitteln
und/oder anderen Hilfstoffen eingesetzt werden. Die erfindungsgemäßen Arzneimittel
können parenteral, intravenös, rektal oder oral verabreicht werden.
[0014] Geeignete feste oder flüssige galenische Zubereitungsformen sind beispielsweise Granulate,
Pulver, Dragees, Tabletten, (Mikro)kapseln, Suppositorien, Sirupe, Säfte, Suspensionen,
Emulsionen, Tropfen oder injizierbare Lösungen sowie Präparate mit protahierter Wirkstoffe-Freigabe,
bei deren Herstellung üblicherweise Hilfsmittel, wie Trägerstoffe, Spreng-, Binde-,
Überzugs-, Quellungs-, Gleit-, oder Schmiermittel, Geschmackstoffe, Süßungsmittel
oder Lösungsvermittler, Verwendung finden. Als häufig verwendete Hilfsstoffe seien
z.B. Magnesiumcarbonat, Titandioxid, Laktose, Mannit und andere Zucker, Talkum, Milcheiweiß,
Gelatine, Stärke, Cellulose und ihre Derivate, tierische und pflanzliche Öle, wie
Lebertran, Sonnenblumen-, Erdnuß-, oder Sesamöl, Polyethylenglykole und Lösungsmittel,
wie etwa steriles Wasser, physiologische Kochsalzlösung und ein- oder mehrwertige
Alkohole, z.B. Glycerin genannt.
[0015] Vorzugsweise werden die pharmazeutischen Präparate in Dosierungseinheiten hergestellt
und verabreicht, wobei jede Einheit als aktiven Bestandteil eine bestimmte Dosis mindestens
einer Verbindung gemäß Formel I, gegebenenfalls in Salzform, enthält. Bei festen Dosierungseinheiten,
wie Tabletten, Kapseln, Dragees, oder Suppositorien, kann diese Dosis bis zu etwa
300 mg, bevorzugt jedoch etwa 20 bis 100 mg, und bei Injektionslösungen in Ampullenform
bis zu etwa 100 mg, vorzugsweise aber etwa 3 bis 30 mg, betragen. Für die Behandlung
eines Erwachsenen, etwa 70 kg schweren Patienten sind -je nach Wirksamkeit der Verbindungen
gemäß Formel I, bei Mensch und Tier Tagesdosen von etwa 20 bis 1000 mg Wirkstoff,
vorzugsweise etwa 50 bis 300 mg, bei oraler Verabreichung und von etwa 20 bis 300
mg, bevorzugt etwa 3 bis 10 mg, bei intravenöser Applikation indiziert. Unter Umständen
können jedoch auch höhere oder niedrigere Tagesdosen angebracht sein. Die Verabreichung
der Tagesdosis kann sowohl durch Einmalgabe in Form einer einzelnen Dosierungseinheit
oder aber mehrerer kleinerer Dosierungseinheiten als auch durch Mehrfachgabe unterteilter
Dosen in bestimmten Intervallen erfolgen.
[0016] Schließlich können die Verbindungen der Formel I, gegebenenfalls ihre physiologisch
verträglichen Salze bei der Herstellung der vorgenannten galenischen Zubereitungsformen
auch zusammen mit anderen geeigneten Wirkstoffen, beispielsweise durchblutungsfördernden
Substanzen, Plättchenaggregationshemmern, Thrombozytenaggregationshemmern und Kalziumantagonisten
kombiniert werden.
[0017] Die erfindungsgemäßen Arzneimittel eignen sich insbesondere zur Prophylaxe und für
die Behandlung von neurodegenerativer Erkrankungen, beispielsweise von Krankheitsformen
als Kosequenz von Erkrankungen wie Hirninfarkt mit nur teilweise reversiblen Symptomen
(PRIND), ischämischen Zuständen nach Herzstillstand oder chirurgischen Eingriffen,
anoxischen Zuständen, Intoxikationen oder Rückenmarksverletzungen, perinataler Asphyxie,
altersbedingter neurodegenerativer Erkrankungen, Alzheimer Demenz(SDAT), Schizophrenie,
Epilepsie, Huntington-Chorea Amylotrophische Lateralsklerose, Parkinsonsche Erkrankung,
sowie anderer neurodegenerativer Erkrankungen.
[0018] Überraschend wurde nun gefunden, daß das (-)Enantiomere eine größere Schutzwirkung
hat als das (+)Enantiomere oder das Razemat und wegen der geringeren Beeinträchtigung
der Zentralen Nerversystem (ZNS)-Funktionen höher dosiert werden kann. Diese unerwartete
Eigenschaft wurde durch die Bestimmung der ZNS-Verträglichkeit und der Bestimmung
des Verhaltensscores nach bilateraler Okklusion der Arteria Carotis am Mongolischen
Gerbil belegt. Die gute ZNS-Verträglichkeit des (-)-Enantiomers erlaubt seinen therapeutischen
Einsatz, im Gegensatz zum (+)-Enantiomer oder dem razemischen Gemisch der Verbindung
der Formel I.
[0019] Die Erfindung wird nun durch die folgenden Beispiele näher erläutert.
Beispiel 1
N-[2-[2-(Methylamino)-2-(3-methyl-2-thienyl)ethyl]phenyl]-2,2-dimethylpropanamid
[0020] In eine gekühlte Lösung (-6°C) von 76 g 2,2-Dimethyl-N-[(2-methyl)phenyl]propanamid
in 600 ml von Tetrahydrofuran wurden tropfenweise über 1,25 Stunden 344 ml einer 2,5
M Lösung von n-Butyllithium in Hexan zugefügt. Die erhaltene Lösung wurde unter Kühlung
2 Stunden gerührt und danach wurden tropfenweise über 20 Minuten eine Lösung von 6
g 3-Methyl-2-thiophencarboxyaldehydmethylimin in 30 ml Toluol zugesetzt. Die erhaltene
Lösung wurde für weitere 20 Minuten gerührt und durch die schnelle Zugabe von Wasser
abgestoppt. Die organischen Lösungsmittel wurden abdestilliert und das verbleibende
Öl-Wassergemisch wurde mit Dichlormethan extrahiert. Die vereinigten organischen Phasen
wurden über wasserfreiem Magnesiumsulfat getrocknet, filtriert und zu einem Öl eingeengt.
[0021] Die Reinigung erfolgte über präparative HPLC (Water's Associates Prep LC/System 500,
Silicagel, Laufmittel Ethylacetat).
Es wurden 70 g von N-[2-[2-(Methylamino)-2-(3-methyl-2-thienyl)ethyl]phenyl]-2,2-dimethylpropanamid
als Öl erhalten.
| Analyse |
| C₁₉H₂₆N₂O₃ |
Berechnet |
69,05 % C; |
7,93 % H; |
8,48 % N |
| Gefunden |
68,80 % C; |
7,80 % H; |
8,13 % N |
Beispiel 2
2-Amino-N-methyl-α-(3-methyl-2-thienyl)benzylethanamin (Verbindung II)
[0022] Eine Lösung von 35 g von der erhaltenen Verbindung aus Beispiel 1 wurde in 600 ml
einer 6 N HCl für 8 Stunden zum Sieden erhitzt. Die Lösung wurde danach in ein Eis-Wasser-Gemisch
dekantiert und mit einer 50 % NaOH-Lösung alkalisch gestellt. Die wäßrige Lösung wurde
mit Dichlormethan (2 L) extrahiert, über wasserfreiem Magnesiumsulfat getrocknet und
zu einem Öl eingeengt. Die Reinigung erfolgte über preparative HPLC (Water's Associates
Prep LC/System 500 A, Silicagel, Laufmittel Methanol). Es wurden 6,42 g von 2-Amino-N-methyl-α-(3-methyl-2-thienyl)benzylethanamin
als Öl erhalten.
| Analyse |
| C₁₄H₁₈N₂S |
Berechnet |
68,25 % C; |
7,36 % H; |
11,37 % N |
| Gefunden |
68,35 % C; |
7,26 % H; |
11,35 % N |
Beispiel 3
Chromatographische Trennung des Razemats:
[0023] 1 g der razemischen Verbindung II wird an einer Säule (3,6 x 90 cm), die mit Triacetylcellulose
(E. Merck, Darmstadt) gefüllt ist mit Ethanol bei einer Fließgeschwindigkeit von 2
ml/min. getrennt. Dabei wird zunächst das (-)Enantiomere eluiert und nachfolgend das
(+)Enantiomere. Beide Enantiomere werden anschließend mit ethanolischer HCl in ihr
Dihydrochlorid überführt und aus Ethanol umkristallisiert. Man erhält jeweils 400
mg des Enantiomers mit einen alpha₃₀D-Wert in Methanol von 35,936°. Der Schmelzpunkt
der Dihydrochloride beider Enantiomere liegt bei 214°C. Das ¹HNMR- und IR Spektrum
zeigen die zu erwartenden Signale bzw. Banden.
| Analyse |
| C₁₄H₂₀Cl₂N₂S |
Berechnet |
52,66 % C; |
6,31 % H; |
8,77 % N; |
22,21 % Cl |
| Gefunden |
52,50 % C; |
6,42 % H; |
8,49 % N; |
22,46 % Cl |
Biologische Wirksamkeit:
1) Neuroprotektion nach Vorderhirn-Ischämie am Gerbil
[0024] Anhand der nachfolgend beschriebenen Versuchsdurchführungen (K. Rudolphi et. al,
J. Cereb. Blood Flow Metab., 7:74. 1987) ergibt sich, daß die unten aufgeführten Verbindungen
in der Lage sind, zerebrale Nervenzellen gegen eine schwere ischämische Schädigung
zu schützen.
[0025] Bei 20 männlichen Mongolischen Gerbils werden unter Halothan-Narkose durch beidseitigen
Verschluß der A. Carotis mittels Aneurysmaclips eine 5-minütige Ischämie des Vorderhirns
mit anschließender Rezirkulation erzeugt. Die Tiere werden 45 Minuten lang nach der
Ischämie beobachtet und das Ausmaß der neurologischen Symptome mittels eines 5-stufigen
Verhaltensscores bestimmt. 7 Tage später werden die Tiere unter Halothan-Narkose dekapitiert,
die Gehirne in Carnoy-Lösung immersionsfixiert und das Ausmaß des Neuronenschadens
in der CA₁-Region des Hippocampus mit Hilfe eines 5-stufigen histopathologischen Scores
"blind" bestimmt. Die Prüfsubstanzen werden je einer Gruppe von 10 Gerbils intraperitoneal
oder per os 15 Minuten vor der Ischämie verabreicht. Pro Testsubstanz wird eine ischämische
Kontrollgruppe von ebenfalls 10 Tieren mit dem jeweiligen Lösungsmittel behandelt.
Die Ergebnisse sind in Tabelle 6 als % Änderung des mittleren neurologsichen Verhaltensscores
bzw. histopathologischen Scores (Summe der individuellen Scores/Anzahl der Tiere)
der behandelten vs. Kontrollgruppe zusammengefaßt.
Tabelle 1
| Verhaltensscore nach fünfminütiger Vorderhirn-Ischämie am Mongolischen Gerbil |
| Verbindung |
Dosis (mg/kg) |
Verhaltensscore (% Änderung) |
Zellnekrosen (% Änderung) |
| Razemisch II |
30 ip. |
-15 |
-75 |
| (+)II |
30 ip. |
-51 |
-90 |
| (-)II |
30 ip. |
-32 |
- 9 |
| (-)II |
60 ip. |
-75 |
-23 |
[0026] Je höher der Verhaltensscore (-% Änderungen), desto besser ist die Erholung der Tiere
nach Ischämie.
2) ZNS-Verträglichkeit am gesunden Tier (Maus)
[0027] Adulten männlichen NMRI-Mäusen werden die zu untersuchenden Substanzen in Dosen von
0,1-100 mg/kg i.p. in einem Volumen von 10 ml/kg verabreicht. Pro Versuchsdosis werden
drei Tiere eingesetzt, wobei eine Gruppe als Placebo nur mit dem Lösungsmittel behandelt
(Kontrolle) mitgeführt wird.
[0028] Die Placebogruppe dient dabei zur zeitgleichen Verhaltensfeststellung, parallel zur
Versuchsgruppe. Sofort nach der Applikation werden die Tiere in Dreiergruppen in Beobachtungskäfige
gesetzt und drei Stunden lang am ersten Tag beobachtet. Anschließend werden die Tiere
gefüttert, getränkt und weitere sechs Tage, jeweils nach 24 Stunden, für eine halbe
Stunde beobachtet. Dabei ergaben sich folgende Befunde:
Tabelle 2
| Beobachtete Phänomene (3 Stunden nach Applikation) |
| Verbindung |
Dosis mg/kg i.p. |
Symptome |
| Razemisch II |
0,1-3 |
vermehrter Putztrieb |
| 1,0-3,0 |
Unruhe, Erregung, vermehrter Putztrieb |
| 10-100 |
Taumeln, vermehrter Putztrieb, Unruhe, Erregung |
| (+)II |
0,1-0,3 |
o. B. |
| 1,0-3,0 |
kurzandauernde Erregung |
| 10-100 |
vermehrter Putztrieb, Unruhe, Erregung, Taumeln |
| (-)II |
0,01-0,3 |
o. B. |
| 1,0-3,0 |
o. B. |
| 10-100 |
Unruhe, vermehrter Putztrieb |
| o.B. steht für ohne Befund, i.p. für intraperitoneal, i.v. für intravenös. |
[0029] Das Racemat und die (+)-Form zeigen ab 10 mg/kg i. p. eine ZNS erregende Aktivität,
die als unverträglich gilt, während die (-)-Form ein vergleichbares das normale Verhalten
des Tieres verändernde Wirkung, erst ab 100 mg/kg i. p. aufweist.
1. (-)-Enantiomer der Verbindung der Formel I,

wobei Ar für Verbindungen aus der Gruppe

worin Y für
1) Halogen, wie Fluor, Chlor, Brom oder Jod,
2) Hydroxy,
3) (C₁-C₅)-Alkyl, geradkettig oder verzweigt,
4) (C₁-C₅)-Alkoxy, geradkettig oder verzweigt,
5) Trifluormethyl,
n für eine ganze Zahl von 0 bis 3,
p für eine ganze Zahl von 0 oder 1,
q für eine ganze Zahl von 0 bis 4,
R² für
1) Wasserstoff,
2) (C₁-C₅)-Alkyl, geradkettig oder verzweigt,
3) (C₁-C₅)-Alkanoyl, geradkettig oder verzweigt,
R¹ für
1) Wasserstoff,
2) (C₁-C₅)-Alkyl,
R³ für
1) Wasserstoff,
2) (C₁-C₅)-Alkyl,
3) Phenyl,
4) Phenyl, ein- oder mehrfach substituiert durch
4.1 (C₁-C₄)-Alkyl
4.2 Halogen, wie Fluor, Chlor oder Brom,
4.3 Methoxy,
4.4 Hydroxy,
4.5 Trifluormethyl,
R⁴ für
1) Wasserstoff,
2) (C₁-C₅)-Alkyl,
3) -C(O)-R⁵,
R⁵ für
1) Wasserstoff,
2) (C₁-C₅)-Alkyl,
3) Allyl,
steht und/oder deren pharmazeutisch verträgliche Salze.
2. (-)-Enantiomer der Verbindung der Formel I nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß Ar für

R¹ für Wasserstoff,
R³ für Wasserstoff und
R⁴ für Methyl steht.
3. Eine Mischung der (-)- und (+)-Enantiomere der Verbindung der Formel I nach Anspruch
1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens 99 % der (-)-Enantiomeren vorhanden
sind.
4. Verfahren zur Herstellung der (-)-Enantiomere der Verbindung der Formel I nach Anspruch
1 oder 2 oder der Mischung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Razemat
der Verbindung der Formel I durch Chromatographie an optisch aktivem Säulenmaterial
in die (+)- und (-)-Enantiomere aufgetrennt wird.
5. Arzneimittel, gekennzeichnet durch einen wirksamen Gehalt an einem oder mehreren (-)-Enantiomer
der Verbindung der Formel I nach Anspruch 1 oder 2 oder der Mischung nach Anspruch
3.
6. Arzneimittel nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß sie zur Prophylaxe und/oder
Therapie von neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt werden.
7. Verwendung von dem (-)-Enantiomer der Verbindung der Formel I nach Anspruch 1 oder
2 oder der Mischung nach Anspruch 3 zur Herstellung eines Arzneimittels zur Prophylaxe
und/oder Therapie von neurodegenerativen Erkrankungen.
8. Verfahren zur Herstellung eines Arzneimittels nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet,
daß man mindestens ein (-)-Enantiomer der Verbindung der Formel I mit einem physiologisch
annehmbaren Träger, sowie gegebenenfalls geeigneten Zusatz- und/oder Hilfsstoffen
in eine geeignete Darreichungsform bringt.
Patentansprüche für folgende(n) Vertragsstaat(en): ES, GR
1. Verfahren zur Herstellung des (-)-Enantiomers der Verbindung der Formel I,

wobei Ar für Verbindungen aus der Gruppe

worin Y für
1) Halogen, wie Fluor, Chlor, Brom oder Jod,
2) Hydroxy,
3) (C₁-C₅)-Alkyl, geradkettig oder verzweigt,
4) (C₁-C₅)-Alkoxy, geradkettig oder verzweigt,
5) Trifluormethyl,
n für eine ganze Zahl von 0 bis 3,
p für eine ganze Zahl von 0 oder 1,
q für eine ganze Zahl von 0 bis 4,
R² für
1) Wasserstoff,
2) (C₁-C₅)-Alkyl, geradkettig oder verzweigt,
3) (C₁-C₅)-Alkanoyl, geradkettig oder verzweigt,
R¹ für
1) Wasserstoff,
2) (C₁-C₅)-Alkyl,
R³ für
1) Wasserstoff,
2) (C₁-C₅)-Alkyl,
3) Phenyl,
4) Phenyl, ein- oder mehrfach substituiert durch
4.1 (C₁-C₄)-Alkyl
4.2 Halogen, wie Fluor, Chlor oder Brom,
4.3 Methoxy,
4.4 Hydroxy,
4.5 Trifluormethyl,
R⁴ für
1) Wasserstoff,
2) (C₁-C₅)-Alkyl,
3) -C(O)-R⁵,
R⁵ für
1) Wasserstoff,
2) (C₁-C₅)-Alkyl,
3) Allyl,
steht und/oder deren pharmazeutisch verträgliche Salze, dadurch gekennzeichnet, daß
das Razemat der Verbindung der Formel I durch Chromatographie an optisch aktivem Säulenmaterial
in die (+)- und (-)-Enantiomere aufgetrennt wird.
2. Verfahren zur Herstellung des (-)-Enantiomers der Verbindung der Formel I nach Anspruch
1, dadurch gekennzeichnet, daß Ar für

R¹ für Wasserstoff,
R³ für Wasserstoff und
R⁴ für Methyl steht.
3. Verfahren zur Herstellung einer Mischung der (-)- und (+)-Enantionmere der Verbindung
der Formel I nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens 99 % der
(-)-Enantiomeren vorhanden sind.
4. Verfahren zur Herstellung eines Arzneimittels, gekennzeichnet durch einen wirksamen
Gehalt an einem oder mehreren (-)-Enantiomer der Verbindung der Formel I erhalten
nach Anspruch 1 oder 2 oder der Mischung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet,
daß man mindestens ein (-)-Enantiomer der Verbindung der Formel I mit einem physiologisch
annehmbaren Träger, sowie gegebenenfalls geeigneten Zusatz- und/oder Hilfsstoffen
in eine geeignete Darreichungsform bringt.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die erhaltene Verbindung zur
Prophylaxe und/oder Therapie von neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt wird.
6. Verwendung von dem (-)-Enantiomer der Verbindung der Formel I nach Anspruch 1 oder
2 oder der Mischung nach Anspruch 3 zur Herstellung eines Arzneimittels zur Prophylaxe
und/oder Therapie von neurodegenerativen Erkrankungen.