[0001] Die Erfindung betrifft einen permanentmagnetischen Fehlerstromauslöser nach dem Oberbegriff
des Anspruches 1.
[0002] Ein permanentmagnetischer Fehlerstromauslöser der eingangs genannten Art ist wesentlicher
Teil eines Fehlerstromschutzschalters, der weiterhin einen Summenstromwandler mit
einer durch Netzleiter gebildeten Primärwicklung und einer Sekundärwicklung sowie
ein Schaltschloß aufweist; der Auslöser wird bei Auftreten eines Differenz- oder Fehlerstromes,
d. h. einer Stromdifferenz im Hin- und Rückleiter in einem Netz oder den Hinleitern
und dem Rückleiter z. B. aufgrund eines Erdschlußstromes, in den Netzleitern durch
ein an der Sekundärwicklung entstehendes elektrisches Signal betätigt, wodurch das
mit dem Fehlerstromauslöser gekuppelte Schaltwerk entklinkt wird und in den Netzleitern
befindliche Kontaktstellen geöffnet werden.
[0003] Der Fehlerstromauslöser besitzt ein Magnetjoch, einen damit zusammenwirkenden Magnetanker,
einen Permanentmagneten, der durch Erzeugung eines Magnetflusses den Anker gegen die
Kraft einer Abziehfeder an das Magnetjoch anzieht, sowie eine Erregerspule, die ggf.
unter Zwischenfügung weiterer Schaltungselemente mit der Sekundärwicklung des Summenstromwandlers
verbunden ist. Dabei kann der Auslöser einen Magnetkreis mit Lufspalt aufweisen, dessen
Magnetjoch als U-förmiges Magnetjoch ausgebildet ist, dessen freie Schenkelenden von
dem Anker überdeckt sind, wobei der Anker an einem der Polflächen drehbar gelagert
ist. Der Permanentmagnet erzeugt einen Magnetfluß, der durch das Joch und den Anker
verläuft und den Anker anzieht; bei Auftreten eines Fehlerstromes und damit eines
sekundärseitigen Signales wird der Permanentmagnetfluß kompensiert, wodurch sich der
Anker löst, seinen Auslöseweg zurücklegt und das Schaltwerk bzw. Schaltschloß des
Schalters entklinkt. Darüberhinaus werden als Fehlerstromauslöser sog. Sperrmagnetauslöser
mit geschlossenem Magnetkreis benutzt, bei denen der Jochabschnitt im Bereich des
Magnetankers in Sättigung überführt wird, wodurch die Anziehungskraft soweit verringert
wird, daß die Feder den Anker vom Joch löst.
[0004] Da die von Wandler übertragene Energie gering ist, kann der Auslöser auch nur mit
einer entsprechend geringen Energie "vorgespannt" werden. Der Magnetkreis, bei dem
Permanentmagnetauslöser im besonderen die Luftspalte am Anker, muß verlustarm ausgebildet
sein, wobei die Luftspalte klein sein müssen. Es läßt sich feststellen, daß dann,
wenn zwischen der Polfläche am Joch und der zugehörigen Ankerfläche Fremdmittel, z.
B. Feuchtigkeit, oder Korrosion vorhanden sind, ein Ankleben des Ankers am Joch auftreten
kann, so daß die Federkraft selbst bei Reduktion des Permanentflusses gegen Null nicht
ausreicht, um den Anker zu lösen und damit die gewünschte Auslösebewegung einzuleiten.
Trotz anstehenden Fehlerstromes und erwünschter Auslöseoperation kann die fehlerhafte
Situation im Stromkreis bestehen bleiben.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist es, einen Fehlerstromauslöser mit Permanentmagneten zu
schaffen, bei dem ein Kleben des Auslösers verhindert wird.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch die kennzeichnenden Merkmale des
Anspruches 1.
[0007] Ein Fehlerstromschutzschalter oder -bauteil besitzt zur Detektierung eines Fehlerstromes
in einer Netzleitung einen Summenstromwandler, dessen Primärwicklung durch die Netzleiter
gebildet ist. Der Summenstromwandler besitzt weiterhin eine Sekundärwicklung, an der
bei Auftreten eines Fehlerstromes im Netz ein Signal entsteht, welches den Auslöser
ansteuert.
[0008] Erfindungsgemäß also ist der Polfläche des Bauelementes ein Aktuator zugeordhet,
der unmittelbar auf das Ankerelement wirkt, so daß im Falle des von der Sekundärwicklung
herkommenden elektrischen Signales das Ankerelement vom Aktuator in Auslöserichtung
beaufschlagt wird.
[0009] Als Aktuator wird vorzugsweise ein piezokeramischer Körper oder Element verwendet.
Solche piezokeramischen Elemente sind an sich bekannt, siehe Siemens Firmenschrift
"VIBRIT", Bestell-Nr. N-281/5035, und Philips Bauelemente "PIEZOIDE (PXE)".
[0010] Zwar ist es bekannt, für die Bildung von Relais Piezokeramik zu verwenden, siehe
beispielhaft DE-OS 33 00 717. Bei diesen Ausführungen befindet sich am Ende eines
Piezostreifens ein bewegliches Kontaktstück, welches mit einem festen Kontaktstück
zusammenwirkt. Der Piezostreifen ist als Biegeelement ausbildet, welches sich bei
Anlegen eines Steuerstromes ausbiegt und das bewegliche Kontaktstück steuert. Ein
Auslöser wird hierdurch nicht gebildet. Speziell bei dem Relais nach der DE-OS 33
00 717 greift das Ende des Biegestreifens mit dem beweglichen Kontaktstück zwischen
die Polschuhe eines Magnetsystems, wodurch Schnappeffekte erzielt werden.
[0011] Aus der US-PS 4 042 967 ist eine Fehlerstromschutzschaltungsanordnung bekannt geworden,
die einen Summenstromwandler aufweist, dessen Primärwicklung durch die Netzleiter
gebildet sind. Das an einer Sekundärwicklung anstehende Signal wird einem Piezoelement
zugeführt, welches als Biegestreifen ausgebildet ist, wobei am freien Ende des Biegestreifens
ein bewegliches Kontaktstück angebracht ist. Dieses bewegliche Kontaktstück wirkt
mit einem Festkontaktstück zusammen, wodurch ein Strompfad geschlossen wird, der ein
Magnetsystem zur Betätigung von Kontaktstücken ansteuert. Der Biegestreifen ist ebenfalls
nicht als Auslöser anzusehen und darüberhinaus ist die Fehlerstromschutzschaltungsanordnung
eine solche, die in jedem Falle vom Netz her mit Strom versorgt werden muß. Sie kann
nicht als netzspannungsunabhängige Schaltungsanordnung benutzt werden.
[0012] Eine besondere Ausführungsform der Erfindung kann dahin gehen, daß der Auslöser ein
U-förmiges Magnetjoch aufweist, dessen Polschenkel von dem Ankerelement überdeckt
sind, wobei sich das Ankerelement bei einem Auslösevorgang um eine Drehachse an einem
Jochschenkel dreht, und daß der Aktuator der Polfläche des anderen Polschenkels zugeordnet
ist.
[0013] Bei einem solchen U-förmigen Magnetjoch, welches bei Auslösern derzeit in vielen
Ausfertigungen eingesetzt ist, wird das piezokeramische Element direkt der Polfläche
des Jochschenkels zugeordnet, auf dem die entsprechende Fläche am Anker im angezogenen
Zustand aufliegt; sobald ein Signal an der Sekundärwicklung ansteht, wird das piezoelektrische
Element verformt und dabei der Anker von der Polfläche abgehoben.
[0014] In besonderer Ausgestaltung ist der Aktuator ein piezokeramischer Elongator; es besteht
natürlich auch die Möglichkeit, den Aktuator als Bimorph-Piezoelement auszubilden,
dessen eines Ende an einem der Polschenkel befestigt und dessen anderes Ende frei
beweglich ist, so daß dieses den Anker von der benachbarten Polfläche drücken kann.
Dieses Bimorph-Piezoelement ist ein Biegeelement, welches an einem Ende eingespannt
und am anderen Ende frei beweglich ist. Es bestehen nun zwei Möglichkeiten; das Piezoelement
kann an dem Polschenkel, an dem sich die Drehachse des Ankers befindet, befestigt
sein, oder es kann gemäß kennzeichnenden Merkmalen des Anspruches 7 mit einem Ende
an dem Polschenkel befestigt sein, an dem die mit dem Anker zusammenwirkende Polfläche
angeordnet ist, wogegen das andere Ende, welches ausbiegbar ist, sich im Bereich des
anderen, die Drehachse Ankers halternden Polschenkel befindet. Insbesondere bei der
letzten Ausführungsform ist die Aufbiegekraft für den Anker wegen des auf den Anker
ausgeübten Drehmomentes sehr hoch, so daß ein Kleben in jedem Fall verhindert ist.
[0015] Eine weitere Ausführungsform der Erfindung ist den kennzeichnenden Merkmalen des
Anspruches 8 zu etnehmen.
[0016] Danach ist der Auslöser durch eine Art Hebelgestänge gebildet, welches eine Kniehebelanordnung
ist, wobei das als Elongator ausgebildete piezoelektrische Element auf das Gelenk
wirkt, so daß die Hebelanordnung über eine Totpunktlage in eine stabile Lage gedrückt
wird. Bei einer solchen Anordnung besteht in vorteilhafter Weise die Möglichkeit,
einen der Hebel mit dem beweglichen Kontaktstück oder mit den beweglichen Kontaktstücken
direkt zu verbinden. Die Kontaktdruckfeder kann dabei die Feder sein, die das Gestänge
einerseits in der ersten stabilen Lage und andererseits in der zweiten stabilen Lage
hält.
[0017] Bei dieser erfindungsgemäßen Ausgestaltung ist der Aulöser gleichzeitig das Schaltschloß.
[0018] Eine weitere Ausführungsform der Erfindung kann dahin gehen, daß der Auslöser durch
zwei relativ zueinander bewegliche, vorzugsweise drehbare Teile gebildet ist, von
denen eines ortsfest ist. Ein erstes trägt den Permanentmagneten und ein zweites Teil
ist dem Aktuator zugeordnet und wird in einer Ruhestellung von dem ersten angezogen,
in dem die beiden Teile aufeinander liegen. Im Falle eines Signals von der Sekundärwicklung
wird von dem Aktuator das zweite Teil von dem ersten abgehoben, also entfernt, so
daß das bewegliche Teil von der Kraft der Feder in eine Auslösestellung verbracht
wird. Wenn der Aktuator gemäß kennzeichnenden Merkmalen des Anspruches 10 ein als
Ringschwinger ausgebildeter piezokeramischer Körper ist, mit dessem freien Ende das
bewegliche Teil verbunden ist, dann sind die beiden Teile gegeneinander verdrehbar,
wodurch ein Schaltschloß betätigt werden kann, welches die Kontaktstücke in der Netzleitung
öffnet.
[0019] Wenn als piezokeramischer Körper ein Elongator verwendet wird, können mit diesem
relativ große Auslenkungen und besonders hohe Kräfte erzeugt werden.
[0020] Bei allen piezokeramischen Körpern ist die Auslenkung besonders günstig zu nutzen,
wenn der piezokeramische Körper in seiner Resonanzfrequenz betrieben wird.
[0021] Der besondere Vorteil der Erfindung besteht darin, daß der Auslöser kostengünstig
hergestellt werden kann und in jedem Fall sicher ist; eine Klebung eines ankerförmigen
Teiles an einer Polfläche ist durch die physikalischen Gegebenheiten einfach vermieden.
[0022] Ein weiterer Vorteil der Ausführungsformen der Ansprüche 2 bis 7 besteht darin, daß
das Piezoelement an einem herkömmlichen permanentmagnetischen Fehlerstromauslöser
angebracht werden kann, ohne daß der Fehlerstromauslöser von einem Ruhestromauslöser
in einen Arbeitsstromauslöser umzuwandeln ist. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben,
ohne konstruktive Änderung die Funktionszuverlässigkeit eines konventionellen Fehlerstromschutzschalters
wesentlich zu verbessern. Es besteht die Möglichkeit, die Erregerspule des Fehlstromauslösers
beizubehalten und darüberhinaus bei entsprechenden Piezomaterialien die Spule auch
wegzulassen. Piezoaktuatoren sind nämlich in der Lage, bei relativ großem Hub (0,1
mm) sehr große Kräfte (bis 2 MN/200 kP) zu erzeugen. Diese Eigenschaften geben die
Möglichkeit, einen sehr stark permanentmagnetisch vorgespannten Magnetkreis aufzuschlagen,
weswegen der Magnetkreis grober ausgelegt werden kann; die Anforderungen an den Luftspalt
können dabei reduziert werden oder man kann auch die Haltekraft wesentlich erhöhen.
Dadurch wird das System gegen Erschütterungen weniger anfällig. Auf einen magnetischen
Nebenschluß kann dabei verzichtet werden, da der Permanentfluß erhöht werden kann.
Es ist darüberhinaus auch möglich, die Rückholkraft zu erhöhen, so daß das Auslösesystem
zur Öffnung der Schaltwerksverklinkung wesentlich sicherer ausgelegt werden kann.
Damit die Materialstruktur im Bereich des Arbeitsluftspaltes nicht angegriffen wird,
ist es zweckmäßig, die Oberfläche an dem Arbeitsluftspalt zu vergüten.
[0023] Ein Piezoaktuator ist eine Art Kondensator, der zur Auslösung aufgeladen wird. Damit
der Aktuator wieder beaufschlagt werden kann, muß er zuvor entladen werden. Diese
Entladung kann vorgenommen werden, wenn der Schalter in Ausschaltstellung geht oder
wenn er eingeschaltet wird. Vorzugsweise kann parallel zu dem Aktuator eine geöffnete
Kontaktstelle vorgesehen sein, die durch einen beweglichen Kontakt, z. B. einen Wischkontakt,
kurzfristig beim Ausschalt- oder beim Einschaltvorgang geschlossen werden kann.
[0024] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen und Verbesserungen der Erfindung sind den weiteren
Unteransprüchen zu entnehmen.
[0025] Anhand der Zeichnung, in der einige Ausführungsbeispiele der Erfindung dargestellt
sind, sollen die Erfindung sowie weitere vorteilhafte Ausgestaltungen und Verbesserungen
der Erfindung näher erläutert und beschrieben werden.
[0026] Es zeigen:
- Figur 1 und 2
- einen bekannten Fehlerstromauslöser in auslösebereiter Stellung und in ausgelöster
Stellung
- Figur 3
- einen erfindungsgemäßen Fehlerstromauslöser in Seitenansicht,
- Figur 4
- den Auslöser gemäß Figur 3 in Frontansicht,
- Figur 5
- ein weiteres Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Auslösers, in Seitenansicht,
- Figur 6
- den Auslöser nach Figur 5 in Frontansicht,
- Figur 7 bis 10
- zwei weitere Ausführungsformen eines erfindungsgemäßen Fehlerstromauslösers, in Seiten-
und Frontansicht,
- Figur 11
- eine schematische Darstellung einer weiteren Ausführungsform eines Fehlerstromauslösers
in auslösebereiter Stellung,
- Figur 12
- den Auslöser gemäß Figur 11 in ausgelöster Stellung, sowie
- Figur 13 und 14
- zwei Ausgestaltungen einer weiteren Ausführungsform der Erfindung.
[0027] Der Auslöser gemäß den Figuren 1 und 2 ist ein üblicher Auslöser, wie er derzeit
in Fehlerstromschutzschaltern eingesetzt ist. Der Auslöser besitzt ein U-förmiges
Magnetjoch 10 mit an einem Steg 11 angeformten Polschenkeln 12 und 13. An dem einen
Polschenkel 13 ist über eine Drehachse 14 ein Magnetanker 15 in Form eines Klappankers
angelenkt, der in Pfeilrichtung P um die Drehachse 14 drehbar ist und dauernd unter
der ebenfalls in Pfeilrichtung P verlaufenden Kraft einer Feder 16 steht. An der Außenseite
des Steges 11 ist ein Permanentmagnet 17 angeordnet. Um den Polschenkel 12 ist eine
Erregerwicklung 18 herumgewickelt, deren Enden mit der Sekundärwicklung 19 eines Summenstromwandlers
20 verbunden Wenn aufgrund eines Fehlerstromes in der Sekundärwicklung 19 ein Signal
erzeugt wird, wird der in dem Magnetjoch 10 fließende magnetische Fluß φ, der von
dem Permanentmagnet 17 erzeugt wird, durch den Fluß φ₁ überlagert, so daß der magnetische
Gesamtfluß kleiner bzw. zu Null wird, so daß die Feder 16 den Klappanker 15 in Öffnungsrichtung
P verschwenkt, wie aus der Figur 2 ersichtlich ist.
[0028] Die Polfläche 21, auf der das freie Ende des Ankers 15 aufliegt, kann unter Umständen
mit Fremdmitteln verschmutzt sein, so daß trotz Anstehen des Signales in der Erregerwicklung
18 der Anker kleben bleibt.
[0029] Um dies zu vermeiden, ist am Polschenkel 12 im Bereich der Polfläche 21 ein piezoelektrisches
Element 22 in Form eines Elongators vorgesehen, welches von einer zweiten Sekundärwicklung
23 über eine entsprechende und geeignete elektrische Ansteuerschaltung 24 mit einem
Signal angesteuert wird, welches bei Auftreten eines Fehlerstromes im Netz in der
Sekundärwicklung 23 erzeugt wird. Der Elongator 22 vergrößert seine Länge und drückt
so den Anker 15 von der Polfläche 21 ab, so daß zwischen dem Anker 15 und der Polfläche
des Polschenkels 12 eine Reduzierung der Haltekraft entsteht, und die Feder 16 den
Klappanker 15 von der Polfläche 21 abziehen kann.
[0030] Bei der Ausführung nach der Figur 5 ist die Erregerwicklung 18 weggelassen und an
dem Polschenkel 12 befindet sich ein piezokeramisches Element 25, welches durch eine
Ansteuerschaltung 26 mit einem sekundärseitigen Signal angesteuert wird. Das piezokeramische
Element ist so bemessen, daß es den Anker 15 so weit von der Polfläche 21 entlastet
oder abhebt, daß die Federkraft die magnetische Kraft, die vom Permanentmagneten 17
herrührt, überwinden kann.
[0031] Die Ausführungsformen nach den Figuren 7 bis 10 zeigen unterschiedliche Befestigungsmöglichkeiten
eines piezokeramischen Elementes 27 bzw. 28 an dem Polschenkel 12.
[0032] Bei der Ausführung nach Figur 7 und 8 bzw. 9 und 10 wird das piezokeramische Element
oder der piezokeramische Körper in Zylinder- oder Röhrenform ausgebildet und am Jochschenkel
2 beispielsweise in einem negativen Schwalbenschwanz oder mit einem positiven Schwalbenschwanz
bündig mit der Polfläche 21 befestigt. Die Figuren 7 bis 10 zeigen die Halterung sehr
schematisch. Im Prinzip kommt es auf die Art der Befestigung nicht an. Wichtig ist
nur die Befestigung so, daß Erschütterungen nicht zu einem Lösen führen können. Nach
der Befestigung können die Polfläche mit dem piezokeramischen Körper überschliffen
oder sonst wie gemeinsam bearbeitet werden, so daß die Polfläche und das die öffnung
des Ankerelementes bewirkende Ende exakt in einer Ebene liegen.
[0033] Diese Piezoaktuatoren sind in der Lage, bei relativ hohem Hub mit 0,1 mm sehr hohe
Kräfte zu erzeugen, und zwar bis 200 kP oder 2 MN. Diese Eigenschaften geben dem Piezoelement
die Möglichkeit, einen sehr stark permanentmagnetisch vorgespannten Magnetkreis aufzuschlagen,
weswegen der Magnetkreis bei den in den Figuren 3 bis 10 dargestellten Anordnungen
grober ausgelegt werden können. Die Anforderungen an den Luftspalt zwischen dem Anker
und der Polfläche können reduziert und/oder die Haltekraft wesentlich erhöht werden,
so daß auch das System gegen Erschütterungen weniger anfällig wird. Auf einen magnetischen
Nebenschluß, wie er bei sog. Sperrmagnetauslösern vorgesehen ist, kann verzichtet
werden, da der Permanentfluß erhöht werden kann. Es ist auch möglich, wegen der Erhöhung
der Magnetkraft die Rückholkraft zu erhöhen, so daß das Auslösesystem zur Öffnung
der Schaltwerksverklinkung wesentlich sicherer wird. Allerdings ist bei solchen Auslösesystemen
mit hoher Haltekraft, die durch einen Aktuator aufgeschlagen wird, die Oberfläche
am Arbeitsluftspalt zu vergüten, damit die Materialstruktur bei kräftiger und häufiger
Betätigung nicht angegriffen wird.
[0034] Der geringe, aber doch relativ hohe Hub eines Piezoaktuators, aber dessen sehr hohe
Kraft, ermöglicht eine Geräteverklinkung mit einem darin integrierten Auslöser, der
auf dem Prinzip eines magnetischen Kniegelenks basiert. In den Figuren 11 und 12 ist
eine solche Anordnung schematisch dargestellt.
[0035] Der Auslöser besitzt zwei mittels eines Gelenkes 30 miteinander verbundene Hebel
31 und 32, an deren freien Enden Rollen 33 und 34 angeformt bzw. angelenkt sind. Diese
Rollen 33 und 34 sind in Rollenbahnen 35 und 36 im Gehäuse des den Auslöser aufnehmenden
Fehlerstromschutzschalters geführt. Die Rollenbahn 35 besitzt einen Anschlag 37, wogegen
die Rollenbahn 36 eine freie Beweglichkeit der Rolle 34 gestattet. An der Rolle 34
angebracht ist unter Zwischenfügung einer Druckfeder 38 ein bewegliches Kontaktstück
39, welches mit einem Festkontaktstück 40 zusammenwirkt. In dem Bereich, in dem sich
das Gelenk 30 befindet, ist ein Permanentmagnet 41 vorgesehen, der auf einem piezokeramischen
Körper 42 befestigt ist.
[0036] In der auslösebereiten Stellung wird das Gelenk 30 an den Permanentmagnet angezogen,
wodurch unter der Mitwirkung der Druckfeder 38 eine erste stabile Lage der beiden
Hebel 31 und 32 gewährleistet ist. Wenn der Aktuator 42 durch ein sekundärseitiges
Signal betätigt wird, dann bewegt sich die freie Fläche des Aktuators 42 in Pfeilrichtung
P1, so daß das Gelenk 30 über eine Totpunktlage hinaus von der Feder 38 in eine zweite
stabile Lage verbracht wird, wie aus der Figur 12 ersichtlich ist. Die beiden Hebel
31 und 32 sind aufeinanderzugewandert, weil das Gelenk 30 durch eine weitere Führung
43 geführt ist; wenn die Rolle 33 am Anschlag 37 festgehalten wird, dann wird sich
das Gelenk um einen Kreis um die Rolle 33 drehen, wobei gleichzeitig auch die Rolle
34 in Pfeilrichtung H bewegt und der bewegliche Kontakt 39 vom festen Kontakt 40 abgehoben
wird.
[0037] Anstatt eines Elongators, wie er in den Figuren 3 bis 12 dargestellt ist, kann auch
ein Biegestreifen vorgesehen sein, siehe Figuren 13 und 14. Das Magnetjoch 10 besitzt
seine beiden Schenkel 12 und 13, die von dem Klappanker 15 überdeckt werden. Der Klappanker
15 ist um eine an dem Polschenkel 13 angeordnete Drehachse 14 drehbar, wobei der Klappanker
15 einen Fortsatz 50 aufweist, die den Polschenkel 13 überragt und an dem eine Feder
51 angelenkt ist, deren anderes Ende an der Außenfläche des Polschenkels 13 angeschlossen
ist. Diese Feder 51 entspricht in ihrer Wirkung der Feder 16.
[0038] An der Innenseite des Polschenkels 13 ist ein als Biegestreifen ausgebildeter Aktuator
aus piezokeramischem Material befestigt bzw. eingespannt, dessen freies Ende 53 sich
im Bereich des anderen Polschenkels 12 befindet. An dem Anker 15 ist eine Warze 54
angebracht, gegen die das freie Ende 53 des Streifens 52 bei Anlegen einer Auslösespannung
anliegt und auf diese Weise beim Verbiegen den Klappanker 15 von der Polfläche 21
des Polschenkels 12 entfernt.
[0039] Anstatt den Aktuator an dem Schenkel 13 zu befestigen, kann er auch am Schenkel 12
befestigt werden; er drückt im Bereich des Schenkels 13 gegen den Anker 15 und schlägt
auf diese Weise den Anker 15 auf, siehe Figur 14.
[0040] Der Vorteil bei der Anordnung nach der Figur 14 besteht darin, daß die relativ geringen
Wege, die der Streifen 54 mit seinem freien Ende zurücklegt, durch geeignete Hebelanordnung
zu einer deutlich vergrößerten Bewegung des freien Endes des Ankers 15 führen. Die
gleiche Ausbiegung der Biegestreifen 52 und 54 führt wegen der unterschiedlichen Entfernung
der Angriffspunkte der freien Enden der beiden Biegestreifen 52 und 54 am Anker von
der Drehachse zu einer deutlich vergrößerten Winkelbewegung des Klappankers bei der
Ausführung nach Figur 14.
1. Permanentmagnetischer Fehlerstromauslöser für einen Fehlerstromschutzschalter oder
-baustein, mit einem einen Permanentmagneten enthaltenden Bauelement mit wenigstens
einer Polfläche, gegen die ein Ankerelement entgegen der Kraft einer Feder durch den
Permanentfluß angezogen wird, dadurch gekennzeichnet, daß der Polfläche (21) ein Aktuator (22, 25, 27; 52, 54) zugeordnet ist, der aus
einem bei Auftreten eines elektrischen Signals seine Geometrie verändernden Material
besteht, dergestalt, daß bei Auftreten des Signals der Aktuator der Haltekraft am
Ankerelement entgegenwirkt und so das Ankerelement (15) durch direkte Luftspanänderung
von der Polfläche (21) abhebt, so daß es durch die Rückholfeder entfernt und in ausgelöste
Stellung verbracht wird.
2. Fehlerstromauslöser oder Auslöser nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der
Aktuator (22, 25, 27; 52, 54) aus einem piezoelektrischen Keramikmaterial besteht.
3. Fehlerstromauslöser nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
er ein U-förmiges Magnetjoch (10) aufweist, dessen Polschenkel (12, 13) von dem Ankerelement
(15) überdeckt sind, wobei sich das Ankerelement bei einem Auslösevorgang um eine
Drehachse an einem Polschenkel dreht, und daß der Aktuator der Polfläche des anderen
Polschenkels zugeordnet ist.
4. Fehlerstromauslöser nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Aktuator ein
piezokeramischer Elongator ist.
5. Fehlerstromauslöser nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Aktuator
ein Bimorph-Piezoelement (52, 54) ist, dessen eines Ende an einem der Polschenkel
befestigt und dessen anderes Ende frei beweglich ist, so daß dieses den Anker von
der benachbarten Polfläche drücken kann.
6. Auslöser nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Piezoelement an dem Polschenkel,
an dem sich die Drehachse des Ankers befindet, befestigt ist.
7. Auslöser nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Piezoelement mit einem Ende
an dem Polschenkel befestigt ist, an dem die mit dem Anker zusammenwirkende Polfläche
angeordnet ist, wogegen das andere Ende sich im Bereich des anderen, die Drehachse
des Ankers aufweisenden Polschenkel befindet.
8. Auslöser nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß am Aktuator (42) der Permanentmagnet
(41) angebracht und mit diesem bewegbar ist, daß zwei miteinander gelenkig verbundene
Hebel (31, 32) vorgesehen sind, daß das freie Ende wenigstens eines der Hebel (32)
in einer Richtung, die etwa quer zur Betätigungsrichtung des Aktuators (42) verläuft,
und das Gelenk etwa in Betätigungsrichtung des Aktuators beweglich geführt ist, daß
die Hebel (31, 32) von einer Feder (38) beaufschlagt sind, deren Kraft etwa in Richtung
der Hebel verläuft, wenn sich diese in einer Linie befinden, daß das Gelenk von dem
Permanentmagneten gegen die Kraft der Feder angezogen wird und sich die Hebel so in
einer ersten stabilen Lage befinden, und daß der Aktuator so bemessen ist, daß das
Gelenk über eine Totpunktlage, in der die Hebel etwa in einer Linie liegen, hinausbewegt
wird, so daß die Feder die Hebel in die zweite stabile Lage bewegt.
9. Auslöser nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß mit dem freien Ende des einen
Hebels (32) ein bewegliches Kontaktstück (39) verbunden ist, und daß die Feder (38)
zwischen dem freien Ende des Hebels (32) und dem Kontaktstück (39) angeordnet ist
und als Kontaktdruckfeder dient.
10. Auslöser nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch zwei relativ zueinander bewegliche
Teile, von denen eines ortsfest ist und das erste dem Permanentmagneten und das zweite
dem Aktuator zugeordnet ist und dabei in einer Ruhestellung von dem ersten angezogen
wird, wobei der Aktuator das zweite Teil bei Auftreten des Signales vom ersten entfernt,
so daß das bewegliche Teil von der Kraft der Feder in eine Auslösestellung verbracht
wird.
11. Auslöser nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß der Aktuator ein als Ringschwinger
ausgebildeter piezokeramischer Körper ist, mit dessem freien Ende das bewegliche Teil
verbunden ist.
12. Auslöser nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das elektrische
Signal das an einer Sekundärwicklung am Summenstromwandler bei Auftreten eines Fehlerstromes
in einem den Fehlerstromschutzschalter oder -baustein enthaltenden Netz mit wenigstens
einem Hin- und Rückleiter anstehende Signal ist.
13. Auslöser nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen
dem Aktuator und der Sekundärwicklung eine das elektrische Signal verarbeitende und/oder
speichernde Schaltungsanordnung eingeschaltet ist, die ggf. ein Signal abgibt, dessen
Frequenz der Resonanzfrequenz des Aktuators entspricht.
14. Auslöser nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß elektrisch
parallel zu dem Aktuator eine offene, lediglich beim Ausschalt- oder Einschaltvorgang
kurzfristig schließbare Kontaktstelle vorgesehen ist, mit der der als Kondensator
wirkende Aktuator entladbar ist.