[0001] Die Erfindung betrifft einen Papierrollenträger gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruches
1.
[0002] Ein derartiger Rollenträger ist durch die DE-PS 3 28 283 bekanntgeworden. Bei diesem
Papierrollenträger liegt der Antriebsgurt unterhalb der Papierrolle und umschlingt
die Papierrolle unten zu einer senkrechten, durch die Rotationsachse der Papierrolle
gehenden Ebene links und rechts jeweils um ca. 60
o. Zur Veränderung des Schlupfes zwischen Papierrolle und Antriebsgurt ist ein veränderbares
Gewicht vorgesehen. Die Veränderung des Schlupfes zwischen Antriebsgurt und Papierrolle
ist gewollt, um die Papierbahnspannung wahlweise zu verändern.
[0003] Der Gegenstand der Erfindung geht jedoch ein anderes Problem an. Insbesondere bei
Tiefdruckrotationsdruckmaschinen geht die Tendenz in Richtung auf immer breitere und
damit schwerere Papierrollen. So sind Papierrollen mit einer Breite von 3,18 m und
einem Gewicht von über 1.000 kg keine Seltenheit. Diese hohen Papierrollengewichte,
- es beginnt schon bei Papierrollen mit einer Breite von 2,30 m -, können zu Problemen
führen, da die Papierrollen zusätzlich zu ihrem Eigengewicht auch noch mit der Anpreßkraft
des Antriebsgurtes von oben auf die Papierrolle belastet werden. An beiden Enden der
Wickelhülse kommt es zu einer sehr hohen spezifischen Belastung der Papierrolle. Dieses
hat zur Folge, - die Papierrolle ist auf eine relativ stabile durchgehende Kernhülse
aufgewickelt und wird auf Pinolen und Spannbacken aufgenommen -, daß die Wickeldichte
oberhalb einer waagerechten Ebene durch die Längsachse der Wickelhülse nach oben hin
immer mehr zunimmt und unterhalb dieser Ebene nach unten hin immer weiter abnimmt.
Im Schnitt gesehen hat die Papierrolle dann die Form eines Kreises mit nach oben verschobener
Rotationsachse. Es ist nun leicht einzusehen, daß beim Rotieren der Papierrolle fortlaufend
die Teile der Rolle mit geringer Wickeldichte nach oben gelangen und in eine höhere
Wickeldichte umgeformt werden, um anschließend auf ihrem Wege nach unten wieder in
eine niedrigere Wickeldichte umgewandelt zu werden. Die hohe spezifische Belastung
führt zur sogenannten "Krepp"-Bildung im Inneren der Papierrolle, Zerreißen der inneren
Lagen, aber auch zu einem seitlichen Herausschieben der Innenlagen.
[0004] Ausgehend von dem oben geschilderten Stand der Technik und den beschriebenen Problemen
liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, einen Papierrollenträger für mindestens
zwei Papierrollen mit einem Gurtantrieb zu schaffen, bei dem auch bei breiten Papierrollen
eine Beschädigung und seitliche Verschiebung der Innenlagen vermieden werden kann
und ein fliegender Papierrollenwechsel möglich ist.
[0005] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Patentanspruches 1 gelöst.
[0006] Die Vorteile der Erfindung liegen in der Vermeidung der oben beschriebenen Nachteile.
[0007] Ein Ausführungsbeispiel wird in der Zeichnung dargestellt und im folgenden beschrieben:
Die einzige Figur zeigt einen erfindungsgemäßen Rollenträger in schematischer Darstellung
in Seitenansicht.
[0008] Eine zweiarmige Rollenwechselvorrichtung 1 besteht aus einem Paar von zweiarmigen
Rollenträgern 2, die auf einer in Trägern 15 gelagerten Spindel 3 befestigt sind.
Die Spindel 3 ist in bekannter Weise mit einem Antrieb versehen, der eine Verdrehung
der Spindel 3 in oder entgegen dem Uhrzeigersinn ermöglicht.
[0009] In den Enden der zwei Rollenträger 2 sind in bekannter Weise eine Pinole 4 und Spannbacken
6 zur Aufnahme einer Rollenhülse 7 einer Papierrolle 8. Von der Papierrolle 8 wird
eine Papierbahn 9 über gestellfeste Umleitwalzen 11 in eine nicht dargestellte Druckeinheit
gezogen. Mit 8 wird eine volle Papierrolle und mit 12 eine weitgehend leergelaufene
Papierrolle bezeichnet.
[0010] Z. B. gegenüberliegend der Seite der Rollenwechselvorrichtung 1 an der jeweils die
neue Papierrolle 13 vorbereitet wird, ist eine Antriebsgurtvorrichtung 14 angeordnet.
Sie besteht im wesentlichen aus einem abgewinkelten, sich über die gesamte Breite
der Rollenwechselvorrichtung 1 erstreckenden Rahmen 16. Seine abgewinkelten Arme 17
sind jeweils mit ihrem kurzen Arm 18 auf einer in zwei Armen 10 eines Supportes 30
drehbar gelagerten Welle 19 drehbar gelagert. In den Enden der längeren Arme 17 ist
jeweils ein Winkelhebel 21 gelagert. Am Ort des Zusammentreffens von längerem 22 und
kürzerem Hebelarm 23 des Winkelhebels 21 ist jeweils eine Bohrung vorgesehen, in der
eine durchgehende Spindel 24 gelagert ist. Je nach Anzahl der Antriebsgurte 26 sind
die gleiche Anzahl von Umlenkrollen 27 auf der Spindel 24 drehbar gelagert. Zumindest
die beiden äußeren Winkelhebel 21 sind jeweils über ihren kürzeren Hebelarm 23 mit
je einer Schubstange je eines einfachwirkenden Pneumatikzylinders 28 zum Spannen der
Antriebsgurte 26 gelenkig verbunden. Je ein Widerlager 29 des Pneumatikzylinders 28
ist mit je einer am Rahmen 16 angeschweißten Lasche 29 gelenkig verbunden.
[0011] Mit der Welle 19 sind eine Zahnriemenscheibe 31 formschlüssig verbunden und ein oder
mehrere Antriebsgurte 26, eine Gurtantriebsrolle 32 drehbar gelagert. Außerdem ist
je Antriebsgurt 26 eine drehbare, rahmenfeste, innenwirkende Gurtspreizrolle 33 vorgesehen.
Sie dient dazu, um zu verhindern, daß sich ein rechtes äußeres Trumm 20 des Antriebsgurtes
26 nach innen auf ein linkes Trumm 25 des Antriebsgurtes 26 hin bewegen kann. Die
Zahnriemenscheibe 31 ist über einen Zahnriemen 34 mit einem Zahnriemenritzel 36 eines
Motors 37, z. B. eines frequenzgeregelten Asynchronmotors, verbunden. Jeweils im Bereich
des Zusammentreffens von kurzem Arm 18 und langem Arm 17 der beiden äußeren Winkelhebel
des Rahmens 16 ist eine Bohrung mit Bolzen 38 verhanden. Am Bolzen 38 ist jeweils
ein Gabelkopf einer Schubstange 39 eines doppeltwirkenden Pneumatik- oder Hydraulikzylinders
41 gelenkig verbunden. Der oder die Zylinderkörper selbst sind mit dem Seitengestell
der Rollenwechselvorrichtung 1 formschlüssig verbunden. Die Zentren von aufgenommener
Rollenhülse 7 und Welle 19 werden von einer z. B. in einem Winkel von 19
o von der Horizontalen nach unten geneigten Ebene geschnitten. In der Freistellung
der Antriebsgurte 26, - wie in der Zeichnung dargestellt -, haben die Antriebsgurte
26 gerade keine Berührung mit einer neuen Papierrolle 8 mit max. zulässigem Durchmesser.
Wird nun der Zylinder 41 mit einem Druckmittel in Richtung Arbeitsstellung (gestrichelte
Darstellung) beaufschlagt, so bewegt sich der Rahmen 16 so weit auf die neue Rolle
8 zu, bis die linken Trumme 25 der Antriebsgurte 26 die neue Papierrolle 8 von unten
auf einem Umfangswinkel von 50
o bis 120
o (= Teile der unteren Hälfte der Mantelfläche 35 der Papierrolle 8) umschlingen. Hierdurch
wird eine Kraft von unten in die neue Papierrolle 8 eingeleitet (= kraftschlüssige
Berührung), die der Gewichtskraft der Papierrolle 8 entgegengesetzt ist. Die Papierrolle
8 wird also entlastet.
[0012] Soll nun z. B. die fast leergelaufene Papierrolle die Betriebsstellung für eine neue
Papierrolle freimachen, so bewegen sich die Rollenträger 2 entgegen dem Uhrzeigersinn
in eine linke Wartestellung.
[0013] An den Rollenträgern 2 auf Abstandsstützen angebrachte, drehbar gelagerte Abstandswalzen
42, ermöglichen, daß die ablaufende Papierbahn eine konstante Umschlingung für das
Abschlagmesser hat. Es muß Vorsorge getragen werden, daß sich das die Papierrolle
13 antreibende Trumm 25 aus dem Hüllkreis mit einem Durchmesser, der einem Abstand
a der Zentren der Papierrollenaufnahmen plus dem Durchmesser der aufgeachsten größten
Papierrolle 13 entspricht, herausbewegt werden kann, damit die Rollenträger 2 samt
aufgeachsten Papierrollen 8, 13 von einer normalen Betriebsstellung in eine Klebestellung
gebracht werden kann und daß die neue Papierrolle 13 aus einer Vorbereitungsstellung
(Stellung links) in eine Betriebsstellung (Stellung rechts) gebracht werden kann.
Nun wird der Rahmen 16 aus der rechten Freistellung in seine Arbeitsstellung gebracht
- d. h. die Antriebsgurte 26 werden an die Mantelfläche der zum Ankleben vorbereiteten
Papierrolle 8 angedrückt. Anschließend werden die Antriebsgurte 26 mittels des Antriebsmotors
37 solange beschleunigt, bis die Umfangsgeschwindigkeit der anzuklebenden Papierrolle
8 gleich der Bahngeschwindigkeit der Papierbahn 9 der leerlaufenden Papierrolle 12
ist. Ist dieses erreicht, so schwenkt ein Schwenkrahmen 43 von oben nach unten. Anschließend
wird eine an ihn angebrachte Anpreßrolle 44 so bewegt, daß sie die Papierbahn 9 gegen
den Umfang der neuen Papierrolle 8 drückt und die vorbereitete Klebespitze der neuen
Papierrolle 8 an die leerlaufende Papierbahn 9 anklebt. Ein unmittelbar nach dem Ankleben
aktiviertes Messer 45 trennt die Papierbahn 9 der leerlaufenden Papierrolle 12 von
der Papierbahn der neuen Papierrolle 8.
[0014] Aus Vereinfachungsgründen ist in der Figur auch dargestellt, wie eine neue Papierrolle
13 in den Rollenträger 2 mittels einer Hebebühne 46 gehoben wird.
Teileliste
[0015]
- 1
- Rollenwechselvorrichtung
- 2
- Rollenträger
- 3
- Spindel
- 4
- Pinole
- 5
- -
- 6
- Spannbacken
- 7
- Rollenhülse
- 8
- Papierrolle
- 9
- Papierbahn
- 10
- Arm
- 11
- Umlenkwalze
- 12
- Papierrolle, abgelaufen
- 13
- Papierrolle, neu
- 14
- Antriebsgurtvorrichtung
- 15
- Seitengestelle
- 16
- Rahmen
- 17
- Arm, abgewinkelt
- 18
- Arm, kurzer
- 19
- Welle
- 20
- Trumm, rechtes
- 21
- Winkelhebel
- 22
- Hebelarm, längerer
- 23
- Hebelarm, kurzer
- 24
- Spindel
- 25
- Trumm, linkes
- 26
- Antriebsgurt
- 27
- Unlenkrolle
- 28
- Pneumatikzylinder
- 29
- Lasche
- 30
- Support
- 31
- Zahnriemenscheibe
- 32
- Gurtantriebsrolle
- 33
- Gurtspreizrolle
- 34
- Zahnriemen
- 35
- Mantelfläche
- 36
- Zahnriemenritzel
- 37
- Motors
- 38
- Bolzen
- 39
- Schubstange
- 40
- -
- 41
- Zylinder
- 42
- Abstandwalze
- 43
- Schwenkrahmen
- 44
- Anpreßrolle
- 45
- Messer
- 46
- Hebebühne
- a
- Abstand
1. Papierrollenträger für eine Rollenrotationsdruckmaschine zur gleichzeitigen Aufnahme
von mindestens zwei Papierrollen und mindestens einem Antriebsgurt für eine der Papierrollen,
dadurch gekennzeichnet, daß ein endloses, bandförmiges, mit einer vorwählbaren Geschwindigkeit
bewegbares Mittel (26) mit Teilen der unteren Hälfte der Mantelfläche (35) der Papierrolle
(8) in kraftschlüssige Berührung bringbar, vorgesehen ist.
2. Papierrollenträger für eine Rollenrotationsdruckmaschine zur gleichzeitigen Aufnahme
von mindestens zwei Papierrollen und mindestens einem Antriebsgurt für eine der Papierrollen,
dadurch gekennzeichnet, daß ein oder mehrere angetriebene Antriebsgurte (26) eine
Papierrolle (13) in ihrer normalen Betriebsstellung im Bereich des III. und / oder
IV. Quadranten ihres Umfanges ganz oder teilweise umschlingen, daß die Antriebsgurte
(26) an die Papierrolle (13) an- und wegschwenkbar angeordnet sind.
3. Papierrollenträger nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein mit der Papierrolle
(13) bei normaler Betriebsstellung in Berührung stehendes Trumm (25) des Antriebsgurtes
(26) aus dem Hüllkreis mit einem Durchmesser, der einem Abstand (a) der Zentren der
Papierrollenaufnahmen plus dem Durchmesser der aufgeachsten größten Papierrolle (13)
jeweils entspricht, herausbewegbar angeordnet ist.