[0001] Die Erfindung betrifft eine Brennkraftmaschine mit einem Schlepphebelventiltrieb
gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] Aus dem SAE-Paper 88 07 30 "Variable Valve Action Through Variable Ratio Rocker Arms",
1988, ist eine Brennkraftmaschine mit einem Schlepphebelventiltrieb mit variablem
Ventilhub bekannt, bei der eine untenliegende Nockenwelle über eine Stoßstange einen
Schlepphebel betätigt, der mit einem seiner Enden auf ein Gaswechselventil wirkt.
Der Schlepphebel weist eine innenverzahnte Führungskulisse auf, in der eine entsprechend
gezahnte Welle abwälzt. Die im Eingriff stehende Zähne stellen den Widerlagerpunkt
des Schlepphebels dar. Durch Verdrehen der Welle wälzt diese innerhalb der Kulisse
des ortsfesten Schlepphebels ab, so daß der Widerlagerpunkt veränderbar ist. Hierdurch
ändern sich die Hebelverhältnisse am Schlepphebel derart, daß bei konstantem Nockenhub
ein variabler Ventilhub in Abhängigkeit der Stellung des Widerlagerpunktes entsteht.
Nachteilig bei dieser Lösung ist die kostenaufwendige Verzahnung, insbesondere in
den Schlepphebeln sowie die überlagerte rotatorische und translatorische Bewegung
der Welle.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, bei einer Brennkraftmaschine mit einem
Schlepphebelventiltrieb bei konstantem Nockenhub den Ventilhub variabel zu gestalten.
[0004] Die Lösung dieser Aufgabe gelingt mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1.
[0005] Dieser Schlepphebel weist einen kreisbogenförmigen Längsabschnitt auf, entlang dessen
der Widerlagerpunkt verschiebbar ist. Diese Verschiebung erfolgt durch gemeinsames
Verschwenken von auf einer Welle angeordneten Widerlageraufnahmen. Vorteilhafterweise
wird hiermit durch eine einfache Drehung der Welle ein Verschieben des Widerlagerpunktes
erreicht. In Abhängigkeit der Krümmung des Längsabschnittes bzw. des Verdrehwinkels
der Welle kann dadurch ohne komplizierte Bauteilgestaltung der Ventilhub variiert
werden.
[0006] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen benannt.
[0007] Geometrisch einfache und bezüglich des Kräfteverlaufes günstige Verhältnisse liegen
vor, wenn sich der Krümmungsradius des Längsabschnittes von der Mittellängsachse der
Welle aus bis zu dem Längsabschnitt erstreckt. In weiterer vorteilhafter Weise sind
die Widerlager als hydraulische Ventilspielausgleichselemente ausgebildet, die in
den Widerlageraufnahmen angeordnet sind.
[0008] Für eine kompakte Bauweise moderner Brennkraftmaschine ist es vorteilhaft, die Nocken
der Nockenwelle an einem Punkt des Schlepphebels angreifen zu lassen, der zwischen
dem festen Auflager am oberen Ende des Gaswechselventiles und dem beweglichen Widerlagerpunkt
liegt.
[0009] Die Führung des Schlepphebels am Gaswechselventil erfolgt drehbar auf einer parallel
zur Nockenwelle liegenden, am Gaswechselventil befestigten Achse. Am gegenüberliegenden
freien Ende erfolgt eine Führung gleitend zwischen parallelen Anlageflächen. Das Variieren
des Ventilhubs erfolgt in Abhängigkeit von Parametern der Brennkraftmaschine, z.B.
Last und Drehzahl, über ein Stellglied, welches an einem auf der Welle drehfest angeordneten
Schwenkhebel angreift. Dieses Stellglied kann z.B. aus ölhydraulisch beaufschlagten
Kolben bestehen, die an dem Schwenkhebel angreifen. Hierbei kann der ohnehin im Zylinderkopf
vorhandene Öldruck genutzt werden. Das Stellglied kann alternativ aus einem Elektromotor
bzw. -magnet oder aus einem Pneumatikzylinder bestehen, der die Welle kontinuierlich
in Abhängigkeit z.B. des Saugrohrunterdruckes verdreht.
[0010] Die Erfindung wird anhand der Zeichnung näher erläutert.
[0011] Es zeigen:
- Fig. 1
- einen Schnitt durch einen Schlepphebelventiltrieb in einem Zylinderkopf einer Brennkraftmaschine,
- Fig. 2
- eine Draufsicht in Pfeilrichtung Y gemäß Fig. 1 und
- Fig. 3
- einen Schnitt entlang der Linie III-III gemäß Fig. 2.
[0012] Ein Zylinderkopf 1 einer nicht näher gezeigten Brennkraftmaschine weist einen von
einem Gaswechselventil 2 beherrschten Gaskanal 3 auf. Eine mit Nocken 4 versehene
Nockenwelle 5 steuert über einen Lagerarm 6 eines Schlepphebels 7 den Gaswechsel.
Der Lagerarm 6 ist drehbar auf einer parallel zur Nockenwelle 5 liegenden, am oberen
Ende des Gaswechselventil 2 angeordneten Achse 8 gelagert.
Beabstandet zum Lagerarm 6 ist eine mit einem Nocken 4 ständig in Kontakt stehende
Rolle 9 drehbar am Schlepphebel 7 gelagert, so daß die Nocke 4 in einem Punkt P zwischen
dem Lagerarm 6 und dem gegenüberliegenden, freien Ende 10 am Schlepphebel 7 angreift.
Eine den Punkt P und die Achse 8 mittig schneidende Linie F-F tangiert einen kreisbogenförmigen,
an einem Arm 11 des freien Endes 10 ausgebildeten Längsabschnitt 12.
Das freie Ende 10 ist senkrecht zur Nockenwelle 5 gleitend zwischen zueinander parallelen,
im Zylinderkopf 1 angeordneten Anlagefläche 13 gelagert.
Der Krümmungsradius R des Längsabschnittes 12 schneidet die Mittellängsachse A-A einer
im Zylinderkopf 1 drehbar gelagerten, als Steuerwelle 15 ausgebildeten Welle. Drehfest
an dieser Steuerwelle 15 ist eine sich radial in Richtung des Armes 11 erstreckende
Widerlageraufnahme 16 angeordnet. Diese weist eine zylindrische Aufnahme 17 auf, in
der als hydraulische Ventilspielausgleichselemente 18 ausgebildete Widerlager gehalten
sind. Diese werden durch die hohlgebohrte Steuerwelle 15 und radiale Bohrungen 19
mit Drucköl versorgt.
Der Schlepphebel 7 liegt mit seinem Längsabschnitt 12 in einem Widerlagerpunkt W auf
dem Ausgleichselement 18 auf.
[0013] Auf der Steuerwelle 15 ist drehfest ein Schwenkhebel 20 angeordnet, welcher zwei
entgegengesetzt beabstandet zu der Längsachse A-A ausgebildete Ausnehmungen 21, 22
aufweist. In diese Ausnehmung 21 bzw. 22 greifen Stempel 23 eines mit ölhydraulischen
Kolben 24 bzw. 25 versehenen Stellgliedes 26 ein.
Die Kolben 24, 25 sind im Zylinderkopf 1 gelagert und werden wechselweise in Abhängigkeit
der Brennkraftmaschinenparameter Last L und Drehzahl n von einem Schaltventil 27 gesteuert
über einen Druckölzulauf 28 beaufschlagt.
[0014] Das Schaltventil 27 bewegt einen mit einer Nut 29 versehenen Steuerkolben 30, welcher
jeweils den Druckölzulauf 28 mit einem Kolben 24, 25 verbindet und gleichzeitig den
anderen Kolben 25, 24 mit einem Rücklauf 31 verbindet.
[0015] Im Betrieb der Brennkraftmaschine in einem ersten Betriebszustand ist der Kolben
25 mit dem Druckölzulauf 28 verbunden und der Schwenkhebel 20 befindet sich in der
gestrichelt dargestellten Position gemäß Fig. 3. Die Widerlageraufnahmen 16 finden
sich infolgedessen in der in Fig. 1 in ausgezogenen Linien dargestellten Position.
Der Widerlagerpunkt W befindet sich einen Hebel C bildend relativ nahe am Punkt P,
so daß sich gemeinsam mit dem durch den Abstand des Punktes P von der Achse 8 gegebenen
Hebel B ein relativ großer Ventilhub einstellt.
[0016] In einem zweiten Betriebszustand der Brennkraftmaschine schiebt das Schaltventil
den Steuerkolben 30 in die in Fig. 3 gezeigte Stellung, so daß der Kolben 24 mit dem
Druckölzulauf 28 verbunden ist und den Schwenkhebel 20 um einen Winkel E in die mit
ausgezeichneten Linien dargestellte Position verschwenkt.
[0017] Der Widerlagerpunkt W wird dadurch in die in Fig. 1 gestrichelt dargestellte Position
verschoben, der ursprüngliche Hebel C ist verlängert auf den Hebel D. Infolge dessen
stellt sich gemeinsam mit dem unveränderten Hebel B ein relativ kleiner Ventilhub
ein.
[0018] Bei einer Ausbildung des Stellgliedes 26 z.B. als pneumatische Druckdose, die kontinuierlich
in Abhängigkeit des Ansaugrohrunterdruckes der Brennkraftmaschine arbeitet, kann der
Widerlagerpunkt W kontinuierlich in jede Stellung entlang des Längsabschnittes 12
verschoben werden.
1. Brennkraftmaschine mit einem Schlepphebelventiltrieb, welcher in einem Zylinderkopf
von einer Nockenwelle betätigt mit einem Ende des Schlepphebels mindestens ein Gaswechselventil
steuert, wobei der Widerlagerpunkt des Schlepphebels durch Verschwenken einer Welle
veränderbar ist, gekennzeichnet durch einen an dem Schlepphebel (7) ausgebildeten,
kreisbogenförmigen Längsabschnitt (12), der in dem Widerlagerpunkt (W) mit gemeinsam
mit der Welle (Steuerwelle 15) schwenkbaren Widerlageraufnahmen (16) in Kontakt steht.
2. Brennkraftmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Krümmungsradius
(R) des Längsabschnittes (12) die Mittellängsachse (A-A) der Steuerwelle (15) schneidet.
3. Brennkraftmaschine nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß in den Widerlageraufnahmen
(16) angeordnete Widerlager (Ventilspielausgleichselement 18) sich entlang des Krümmungsradius
(R) bis zum Widerlagerpunkt (W) erstreckend angeordnet sind.
4. Brennkraftmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Nockenwelle (5)
mittels eines Übertragungsgliedes (Rolle 9) an einem Punkt (P) des Schlepphebels (7)
angreift, welcher zwischen dem am Gaswechselventil (2) angreifenden Lagerarm (6) und
dem Längsabschnitt (12) angeordnet ist.
5. Brennkraftmaschine nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Lagerarm (6) drehbar
auf einer parallel zur Nockenwelle (5) liegenden, am oberen Ende des Gaswechselventiles
(2) angeordneten Achse (8) gelagert ist.
6. Brennkraftmaschine nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß eine durch die Achse
(8) und den Punkt (P) verlaufende Linie (F-F) den Längsabschnitt (12) tangiert.
7. Brennkraftmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein Schwenkhebel (20)
drehfest auf der Steuerwelle (15) angeordnet ist, an dem ein in Abhängigkeit von Parametern
(Last L, Drehzahl n) der Brennkraftmaschine angesteuertes Stellglied (26) die Steuerwelle
(15) schwenkend angreift.
8. Brennkraftmaschine nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß als Stellglied (26)
ölhydraulisch beaufschlagte, an dem Schwenkhebel (20) oberhalb bzw. unterhalb der
Steuerwelle (15) angreifende Kolben (24 bzw. 25) angeordnet sind.
9. Brennkraftmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das dem Längsabschnitt
(12) benachbarte Ende (10) des Schlepphebels (7) senkrecht zur Nockenwelle (5) gleitend
zwischen zueinander parallelen Anlageflächen (13) geführt ist.