[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Überwachung und Regelung des Druckprozesses,
insbesondere an Offsetdruckmaschinen, gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 1.
[0002] Die Herstellung von Druckprodukten auf einer Offsetdruckmaschine, beispielsweise
Bogenoffsetdruckmaschine, ist wegen der Vielzahl miteinander in Abhängigkeit stehender
Einflußgrößen ein komplexer Prozeß. Beim Offsetdruck wirken sich auf die Qualität
des Druckerzeugnisses, insbesondere die Größen Farbführung, Feuchtmittelführung, Art
des Bedruckstoffes, Art von Farbe und Gummituch usw. aus. Unter Qualität wird hier
das Einhalten bestimmter Mindestanforderungen an das Druckerzeugnis verstanden. Dies
sind beispielsweise Farbwiedergabe, Schärfe und Kontrast usw.. Wegen der Komplexität
gerade des Offsetdruckprozesses ist eine vollständige Regelung deswegen theoretisch
nur unter größtem Aufwand bezüglich der Prozeßanalyse machbar. Eine konkrete Form
einer solchen Mehrgrößenregelung ist aber bis heute nicht bekannt geworden.
[0003] Statt einer Mehrgrößenregelung werden heute sogenannte Teilregelkreise gebildet,
so z.B. ein Regelkreis für die Farbführung, einer für die Feuchtmittelführung, einer
für die Passerregelung usw.. Insbesondere wird dabei ein Regelkreis zum sogenannten
Hauptregelkreis erklärt, die sonstigen Unterkreise dienen dann nur noch dazu die übrigen
Regelgrößen auf einmal gefundene Sollgrößen zu halten (DE 3 717 904 A1). Die wechselseitige
Abhängigkeit der Einflußgrößen wird so eliminiert, eine auftretende Qualitätsstörung
auf dem Druckprodukt also stets über den Hauptregelkreis auszuregeln versucht.
[0004] In der Praxis ist es bereits seit langem bekannt, die Farbführung zum Hauptregelkreis
zu machen, d.h. den Farbauftrag am Druckerzeugnis (Färbung) sensorisch zu erfassen
und über einen Regler sowie entsprechende Stellglieder die Farbführung zwecks Erreichen
einer Sollfärbung zu beeinflussen. Die Art des sensorischen Erfassens des Druckfarbenauftrages
erfolgt dabei im allgemeinen fotoelektrisch, d.h. entweder über die optische Farbdichte
(densitometrisch) oder über das Erfassen eines Farbortes (farbmetrisch) oder aber
auch unter Einsatz der Videotechnik nebst Bildverarbeitung. Vorrichtungen und Verfahren
für die Färbungsbestimmung und die Regelung des Farbflusses sind in den Veröffentlichungen
DE 2 728 738 A1, EP 228 347 B1, DE 3 440 706 A1, DD 274 786 A1 und DD 274 787 A1 beschrieben.
Die Sollwerte, wonach die Regelung der Farbführung erfolgt, können beispielsweise
meßtechnisch von einer Vorlage entnommen, durch Probieren herausgefunden oder auch
einer Anleitung zur Standardisierung des Druckprozesses (BVD-Fogra) entnommen werden.
Ein Beispiel für einen Unterregelkreis für die Feuchtmittelführung ist in der DE 3
636 507 A1 dargestellt.
[0005] Nachteilig bei der oben beschriebenen hauptsächlichen Regelung des Druckprozesses
über die Farbführung ist aber, daß versucht wird, jegliche Störungen in der Qualität
des Druckproduktes über die Farbführung auszuregeln. So ist beispielsweise die Tonwertzunahme
beim Offsetdruck eine die Wiedergabequalität des Druckes entscheidend bestimmende
Größe. Wird die im Druck erreichte optische Flächendeckung in mehreren Tonwertstufen
wesentlich größer oder wesentlich kleiner, so stört dies bei einfarbigen Drucken den
Kontrastumfang und bei mehrfarbigen Drucken die Farbwiedergabe. Zwar sind bestimmte
Strategien zur Regelung der Farbführung mit Schwerpunkt auf Flächendeckung bekannt
geworden (DE 3 543 444 A1, DE 3 440 706 A1), doch wird auch hier jegliche Veränderung
der im Druck erreichten Flächendeckung über eine Veränderung der Farbführung zu erzielen
versucht. Es ist beispielsweise allgemein bekannt, daß eine vermehrte Farbzufuhr die
optisch wirksame Flächendeckung ebenso zu vergrößern vermag (wachsende Rasterpunkte)
wie beispielsweise ein Vermindern der Feuchtmittelzufuhr oder eine Erhöhung der Druckbeistellung
zwischen Platten- und Gummituchzylinder. Es wäre mit Sicherheit unsinnig, eine zu
große Flächendeckung über eine Verminderung der Farbzufuhr zu vermindern, wenn beispielsweise
die Farbdichte eines Volltonmeßfeldes nahezu im Bereich eines vorgegebenen Sollwertes
liegt. In diesem Fall wäre eher die Feuchtmittelführung oder die zuvor beschriebene
Zylinderpressung zu verändern. Auch spielt die Art und Qualität des Bedruckstoffes,
die Art des Drucktuches, Eigenschaften der Druckfarbe, Art und Mengen von sogenannten
Druckhilfsmitteln, die Maschinentemperatur und letztlich das Sujet eine entscheidende
Rolle. Ist bei einem Druckprodukt die Beeinflussung der Tonwertzunahme beispielsweise
besonders gut durch Veränderung der Zylinderpressung zu erreichen, so kann bei einem
anderen Druckprodukt (anderes Sujet, Papier usw.) die Tonwertzunahme am besten über
eine Veränderung der Feuchtmittelführung herbeigeführt werden. Die Entscheidung, was
nun der beste Korrektureingriff ist, ist bislang dem erfahrenen Drucker überlassen
worden. Kraft seiner Kenntnisse und der daraus resultierenden Beurteilungsfähigkeit
des vorliegenden Druckprozesses hat er diejenige Einflußgröße herausgesucht durch
deren Änderung er am Effektvollsten gerade die geschilderte Tonwertzunahme begrenzen
konnte.
[0006] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es somit ein Verfahren zur Überwachung und
Regelung des Druckprozesses, gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 1 zu schaffen, mittels
dem eine Abweichung der Qualität eines Druckerzeugnisses über bestgeeignete Einflußgröße,
insbesondere die eigentliche Ursache ausgeregelt werden kann um die Sollqualität zu
erreichen.
[0007] Gelöst wird diese Aufgabe durch die kennzeichnenden Merkmale von Anspruch 1. Weiterbildungen
der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen sowie der Beschreibung und den
Zeichnungen.
[0008] Angewendet wird das an sich bekannte Verfahren der unscharfen Klassifikation, d.h.
aus den Merkmalen, welche den Qualitätszustand eines vorliegenden Druckerzeugnisses
wiedergeben, wird durch Anwendung eines unscharfen Klassifikators zum einen bestimmt,
welche Qualitätsabweichungen vorliegt. Zum anderen wird bestimmt, über welche Einflußgröße
diese Qualitätsabweichung behoben werden kann. Die Zustandsüberwachung mittels der
unscharfen Klassifikation ist beispielsweise aus der DD 251 534 A1 bekannt. Gegenüber
der Ausregelung von Störungen im Druckprozeß ausschließlich über die Farbführung hat
das erfindungsgemäße Verfahren den Vorteil, daß der Regler in Verbindung mit der unscharfen
Klassifikation die Störung quasi über die wahrscheinlichste Ursache zu beheben versucht.
Dies ist in gewisser Weise mit menschlichen Verhaltensweisen vergleichbar, da auch
der erfahrene Drucker eine Störung im Druckprozeß über die für ihn am wahrscheinlichsten
erscheinende Ursache behebt.
[0009] Desweiteren erfolgt ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand der Figuren 1 und
2, die jeweils einen Teil eines Merkmalsraumes zeigen.
[0010] Ein Druckbogen wird auf einer Bogenoffsetdruckmaschine bedruckt und anschließend
meßtechnisch einer Qualitätsdiagnose unterzogen. Densitometrisch wird ein auf dem
Druckbogen mitgedruckter Druckkontrollstreifen (seine Meßfelder) ausgemessen (Probebogen).
Der Druckkontrollstreifen enthält dabei für jede Druckfarbe Meßfelder für die Volltonfarbdichte
DV, sowie Rasterfelder für die Rastertonfarbdichte (80%) DR 80 und Rasterfelder für
die Rastertonfarbdichten (40%) DR 40, ferner Qualitätsdiagnosefelder z.B. Graubalance
bzw. evtl. noch sogenannte Schiebe- und Doublierfelder. Ein Beispiel für einen derartigen
Druckkontrollstreifen ist der 6-Farb-CCI-Druckkontrollstreifen der MAN Roland Druckmaschinen
AG. Eine densitometrische Abtastung dieses Druckkontrollstreifens ergibt somit für
jede Farbe die Merkmale Volltonfarbdichte DV, Rastertonfarbdichte (40%) DR 40, Rastertonfarbdichte
(80%) DR 80. Es kann somit ein Merkmalsraum gebildet werden, dessen Komponenten durch
die Volltonfarbdichte DV, die Rastertonfarbdichte (40%) DR 40, sowie die Rastertonfarbdichte
(80%) DR 80 gebildet sind. Eine densitometrische Ausmessung des Druckkontrollstreifens
des vorliegenden Druckproduktes ergibt somit für eine Farbe in diesem Merkmalsraum
entsprechend den Meßwerten einen Punkt. Bei mehreren gedruckten Farben entsprechend
der Anzahl der Farben somit mehrere Punkte.
[0011] Ein Experte legt anhand von Erfahrungen die im Druckprozeß interessieren Klassen
(Qualitätsklassen) fest, so z.B. eine Klasse K1 "zugehen in den Tiefen", eine Klasse
K2 "Tonwertzunahme gegenüber Standard zu hoch", eine Klasse K3 "Tonwertzunahme gegenüber
Standard zu niedrig",
eine Klasse K4 "Kennlinie im Standard". Entsprechend der Anzahl der erklärten Klassen
(hier K1 bis K4) wird jedem Punkt im Merkmalsraum ein sogenanntes Zugehörigkeits N-Tupel
zugeordnet. Bei 4 Klassen gemäß dem obigen Beispiel wären somit jedem Punkt 4 Zahlenwerte
zuzuordnen. Diese Zahlenwerte können so normiert sein, daß sie zwischen 0 und 1 liegen.
Das Zugehörigkeits N-Tupel (bei N Klassen) kann auch als sogenannter Zugehörigkeitsvektor
bezeichnet werden, was desweiteren auch der Fall sein soll. Die zahlenwertmäßige Größe
einer Komponente des Zugehörigkeitsvektors gibt nun an, wie "stark" ein Punkt im Merkmalsraum
einer bestimmten Klasse angehört. Bei 4 Klassen hat der Zugehörigkeitsvektor somit
vier Komponenten, die erste Komponente gibt das Maß der Zugehörigkeit des einen Punktes
zur Klasse K1 wieder, die zweite Komponente das Maß der Zugehörigkeit des Punktes
zur Klasse K2 wieder, usw.. Die Komponenten der Zugehörigkeitsvektoren der einzelnen
Punkte im Merkmalsraum werden dabei in einer sogenannten Lernphase durch verfahrenstechnische
Auswertung einer Vielzahl von Druckversuchen bestimmt. Bei der oben stehend beschriebenen
Normierung der Komponenten des Zugehörigkeitsvektors als Zahlwerte zwischen 0 und
1 steht dann beispielsweise ein Zahlenwert in einer Komponente nahe 0 für eine sehr
geringe Zugehörigkeit zu der entsprechenden Klasse und ein Zahlenwert nahe 1 geht
entsprechend für eine hohe Zugehörigkeit für die jeweilige Klasse. Bei einer derartigen
Belegung der Punkte des Merkmalsraums mit Zugehörigkeitsvektoren kann nun nach einer
densitometrischen Abtastung des Druckkontrollstreifens festgestellt werden, zu welcher
Klasse das vorliegende Druckprodukt gehört (Kannphase).
[0012] In Fig. 1 ist die Ebene, welche durch die Komponenten Volltonfarbdichte DV, Rastertonfarbdichte
(40%) DR 40 gebildet ist dargestellt, ferner sind in dieser Ebene die Klassen K1 bis
K4 gemäß weiter oben stehender Definition eingetragen. Dargestellt sind die Linien
konstanter Zugehörigkeit zu einer Klasse (Zugehörigkeit = 0.5). Innerhalb der dargestellten
Linien der Klassen ist somit die Zugehörigkeit größer als 0.5. Auffallend und verfahrenstechnisch
bedingt ist, daß sich diese derartig gebildeten Gebiete der Klassen gegenseitig überlappen
können. Auch müssen die Linien der Zugehörigkeit = 0.5 keine geschlossenen Bereiche
umschließen.
[0013] Nach der Erfindung ist nun weiterhin vorgesehen, daß den Punkten des Merkmalsraumes
ferner Zugehörigkeitsvektoren zugeordnet werden, die die Zugehörigkeit eines jeden
Punktes zu einer die Druckqualität negativ beeinflussenden Ursache angeben. Figur
2 zeigt eine Ebene des Merkmalraums, welche durch die Koordinaten Volltonfarbdichte
DV, Rastertonfarbdichte (40%) DR 40 gebildet ist. Eingezeichnet sind wiederum die
Linien der Zugehörigkeit = 0.5 für die Ursachen U1 bis U3, wobei beispielsweise U1
"falsche Farbführung", U2 "falsche Druckbeistellung", U3 "falsche Feuchtmittelführung"
bedeutet. Auch hier wird die Zuordnung des Merkmalsraumes mit den Zugehörigkeitsvektoren
- in diesem Beispiel hat der Zugehörigkeitsvektor 3 Komponenten, da drei Ursachen
U1 bis U3 vorgegeben sind - durch verfahrenstechnische Auswertungen von Druckversuchen
vorgenommen. Die Komponenten des Zugehörigkeitsvektors können auch hier zwischen 0
und 1 normiert sein.
[0014] Wird eine densitometrische Ausmessung des Druckproduktes durchgeführt, so ist daraufhin
die Lage des Merkmalpunktes dieses Druckproduktes im Merkmalsraum bekannt. Durch die
in einer Lernphase erfolgte Belegung der Punkte im Merkmalsraum mit Zugehörigkeitsvektoren
(Zuordnung) kann nun auf Grund meßtechnisch ermittelten Lage des Punktes im Merkmalsraum
sowohl die Zugehörigkeit des Druckproduktes zu einer bestimmten Klasse als auch die
Zugehörigkeit dieses Druckproduktes zu einer bestimmten Ursache, welche eine Qualitätsstörung
hervorgerufen hat, ermittelt werden. Dies ergibt sich aus dem Maximum, d.h. dem Maximal-Wert
einer Komponente des jeweiligen Zugehörigkeitsvektors. Dabei können beispielsweise
im Fall der Zugehörigkeit zu einer Klasse K1 bis K4 folgende Fälle auftreten:
[0015] Die Zugehörigkeit zu der Klasse z.B. K3 ist eindeutig, da der Zugehörigkeitsvektor
in diesem Merkmalspunkt in der dritten Komponente einen hohen, in den übrigen Komponenten
einen sehr kleinen Wert aufweist,
der Zugehörigkeitsvektor liefert ein breites Maximum, d.h. erweist in zwei oder mehreren
Komponenten annähernd gleich große Zugehörigkeitswerte auf, was bedeutet, daß der
Druckbogen bzw. seine Qualität nicht eindeutig einer Klasse oder Ursache zuordbar
ist. Im erst genannten Fall, d.h. die Zuordenbarkeit zu der Klasse bzw. Ursache ist
eindeutig, kann die entsprechende Maßnahme zur Behebung dieses Defektes direkt eingeleitet
werden. Ergibt das Merkmal des Druckproduktes beispielsweise eindeutig eine Zuordnung
zur Ursache "Feuchtmittelführung falsch" so kann beispielsweise eine meßtechnische
Erfassung der Feuchtmittelzufuhr erfolgen, woraufhin dann die Feuchtmittelführung
auf einen neuen Wert eingestellt wird, durch den der Qualitätsdefekt (z.B. Zugehen
in den Tiefen) behoben wird. Im zweit genannten Fall, in dem die Zugehörigkeit zu
einer Klasse bzw. Ursache nicht eindeutig ist, stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung.
Mal wäre es möglich, die gleichberechtigten Möglichkeiten anzuzeigen und den Drucker
entscheiden zu lassen, ebenso wäre es möglich, per Zufallsentscheidung eine Wahl bezüglich
einer Ursache zu treffen um dann entsprechend über diese Ursache den Defekt zu beheben.
Ferner ist auch denkbar, bei der Belegung der Punkte des Merkmalsraumes mit Zugehörigkeitsvektoren
für die einzelnen Klassen bzw. Ursachen zusätzlich noch eine Unterklassifizierung
bzw. eine zusätzliche Unterteilung in Unterursachen zu treffen. So wäre eine Unterteilung
der Ursache U1 "falsche Farbführung" in mehrere Unterursachen möglich, wobei jeder
Unterursache die nötigen Änderungen für die Behebung der falschen Farbführung (z.B.
nötige Farbdichteänderungen) zugeordnet sind. Diese Maßnahmen hätten dementsprechend
noch in der Lernphase zu erfolgen.
[0016] Zusammenfassend läßt sich das erfindungsgemäße Verfahren in seiner Anwendung somit
wie folgt darstellen:
Lernphase - den Punkten eines Merkmalsraumes werden Zugehörigkeitsvektoren, welche
die Zugehörigkeit zu bestimmten Klassen der Druckqualität bzw. Ursachen für Druckstörungen
angeben, zugeordnet, wobei verfahrenstechnisch ausgewertete Druckversuche ausgewertet
werden und
Kannphase - die meßtechnischen Ergebnisse, beispielsweise einer densitometrischen
Meßfeldabtastung, ergeben für das Druckprodukt einen Punkt im Merkmalsraum, so daß
aus den entsprechenden Zugehörigkeitsvektoren (Maximal-Komponente) eine Zuordnung
des Druckproduktes (Ist-Qualität) zu einer festgesetzten Klasse oder Ursache einer
Druckstörung (Qualitätsdefekt) erfolgt. Daraufhin erfolgt die Behebung der Druckstörung
über die derartig ermittelte Ursache.
[0017] Bisher wurde das erfindungsgemäße Verfahren anhand eines Merkmalsraumes beschrieben,
dessen Achsen ausschließlich durch meßtechnische (densitometrische) Größen gebildet
war. Bekanntlich hat aber auch gerade die Art des Bedruckstoffes einen großen Einfluß
auf die erreichbare Druckqualität. Es ist somit ferner möglich in der Lernphase für
verschiedene Bedruckstoffarten, welche drucktechnisch gleiche Eigenschaften ergeben,
in den Merkmalsräumen (gebildet durch meßtechnische Größen) die entsprechenden Zugehörigkeitsvektoren
zuzuordnen. So wird also ein Merkmalsraum für stark saugfähige Bedruckstoffsorten
eine andere Belegung von Zugehörigkeitsvektoren für bestimmte Klassen und Ursachen
aufweisen als beispielsweise ein Merkmalsraum für gestrichene Papiere bzw. sehr glatte
Papiersorten. Ähnliches wäre beispielsweise auch für verschiedene Gummituchtypen denkbar.
Im allgemeinen erfolgt die Auswahl von Bedruckstoffart und Gummituchtyp einmal vor
Beginn des Druckauftrages, so daß eben dann in der Kannphase des erfindungsgemäßen
Verfahrens der entsprechende Merkmalsraum nebst der zugehörigen Belegung mit Zugehörigkeitsvektoren
feststeht und zur Anwendung kommt.
[0018] Auch eine videotechnische Auswertung beispielsweise speziell gestalteter Qualitätsdiagnosefelder
(Schiebe-/Doublierfelder) kann beim erfindungsgemäßen Verfahren zur Anwendung kommen.
Derartig gewonnene und mit den Methoden der Bildverarbeitung aufbereitete Meßwerte
(Punktzuwachs, Geometrie der Rasterpunkte, Linienverbreiterung) können eine oder mehrere
Achsen des Merkmalsraumes bilden, wobei dann noch entsprechend den festgesetzten Klassen
bzw. Ursachen die Zugehörigkeitsvektoren über Druckversuche den Punkten des Merkmalsraumes
zuzuordnen wären. Ebenfalls ist eine vollständige Erfassung des Druckproduktes denkbar.
Die durch den Experten festzusetzenden Klassen können dann durch bestimmte Kontrasthistogramme
im RGB-Farbenraum der Kamera definiert sein. Je nachdem zu welcher Klasse das Druckprodukt
sich als am stärksten zugehörig erweist, können bestimmte Sollwerte (z.B. Farbdichtewerte)
für die Farbführung vorgegeben werden.
[0019] Implementiert ist das erfindungsgemäße Verfahren in vorteilhafter Weise in einer
Rechneranlage, welche mit einer Farbdichtemeßanlage, einer farbmetrisch oder videotechnisch
arbeitenden Meßanlage in Verbindung steht. Über ein zugeordnetes Bildschirmgerät können
dann nach einer am Druckprodukt erfolgten Messung in der Kannphase des Verfahrens
die in Frage kommenden Ursachen insbesondere in Verbindung mit Regelempfehlung für
die Behebung der Druckstörung angezeigt werden. Auch kann vorgesehen sein, daß der
Rechner auf dem das erfindungsgemäße Verfahren läuft, über spezielle Schnittstellen
und Bus-Systeme direkt mit entsprechenden Stellmitteln an der Druckmaschine verbunden
ist. Entsprechend der ermittelten Ursache für eine Druckschwierigkeit kann dann beispielsweise
automatisch die Druckbeistellung verändert, die Feuchtmittelführung korrigiert oder
die Stellglieder für die Farbführung aktiviert werden.
1. Verfahren zur Überwachung und Regelung des Druckprozesses, insbesondere an Offsetdruckmaschinen,
bei welchem meßtechnisch die Qualität des Druckproduktes wiedergebende Merkmale erfaßt
werden und in Verbindung mit weiteren den Druckprozeß beeinflussenden Größen derartig
in den Druckprozeß eingegriffen wird, um das Druckprodukt an eine Soll-Qualität heranzuführen,
dadurch gekennzeichnet,
daß aus verfahrenstechnisch ausgewerteten Druckversuchen den Punkten in einem durch
die meßtechnischen Merkmale gebildeten Merkmalsraum nach Art einer unscharfen Klassifikation
Zugehörigkeitsvektoren zu bestimmten vorher festgesetzten Klassen und/oder Ursachen
für Druckschwierigkeiten (Qualitätsdefekte) zugeordnet werden (Lernphase) und
daß bei der Überwachung des Druckprozesses aus den am Druckprodukt meßtechnisch gewonnenen
Merkmalen und über den entsprechenden Zugehörigkeitsvektor dieses Punktes im Merkmalsraum
die Zugehörigkeit des Druckproduktes zu einer bestimmten Klasse bzw. Ursache bestimmt
wird, woraufhin die Zugehörigkeit zu dieser Klasse angezeigt und/oder auf den Druckprozeß
über die derartig ermittelte Ursache eingegriffen wird (Kannphase).
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die den Merkmalsraum aufspannenden Koordinaten durch die Volltonfarbdichte (DV),
sowie wenigstens eine Rastertonfarbdichte (DR) bestimmten Rastertonwertes gebildet
ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß verschiedene Bedruckstoffsorten mit jeweils ähnlichem durch technischen Verhalten
je ein Merkmalsraum mit entsprechender Zuordnung der Zugehörigkeitsvektoren zugeordnet
ist.