[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Aufwickeln einer laufenden Materialbahn,
die solange auf eine Wickelhülse gewickelt wird, bis ein bestimmter Wickeldurchmesser
erreicht ist, wobei eine Kontaktwalze die Materialbahn an die Wickelhülse andrückt.
[0002] Derartige, meistens vollautomatisch ablaufende Vorrichtungen sind aus zahlreichen
Veröffentlichungen bekannt, beispielsweise aus dem US-Patent 3 918 654, der EP 0 395
830 sowie der deutschen Anmeldung Aktenzeichen P 41 07 127. Die Materialbahn kann
beispielsweise eine Papierbahn, eine Filmbahn oder eine mit einer magnetischen Beschichtung
versehene Kunststoffbahn sein. Bei den beschriebenen Vorrichtungen besteht die Aufgabe,
die auf einer Wickelhülse aufgewickelte Materialbahn nach Erreichen eines bestimmten
Wickeldurchmessers mit einem Trennmesser abzutrennen und den entstandenen neuen Materialbahnanfang
auf eine leere Wickelhülse aufzuwickeln, während der volle Wickel abgenommen und durch
eine leere Wickelhülse ersetzt wird. Zu diesem Zweck verläßt die fast vollständig
bewickelte Wickelhülse ihre Aufwickelposition. An ihre Stelle tritt eine neu zu bewickelnde
Hülse. Die laufende Bahn wird zwischen neuer und bewickelter Wickelhülse gekappt und
legt sich an die neue Hülse an, worauf der eben genannte Vorgang von neuem beginnt.
[0003] Von besonderer Bedeutung ist es ferner, während sowie nach dem Beguß, beim Fördern
und Aufwickeln von empfindlichen Materialbahnen wie Magnetbändern, daß weder die Magnetschicht
noch die Folienrückseite beschädigt oder verkratzt wird. So beschreibt die DE-OS 39
36 286 eine Saugwalze zum Fördern einer Materialbahn, bei der ein aus porösem Sintermetall
bestehender oberflächenbehandelter Walzenkörper mit bestimmter Porenverteilung über
die Breite zum Fördern der Materialbahn verwendet wird. Die deutsche Anmeldung P 40
03 927 beschreibt einen Walzenhohlsauger zum Fördern einer Materialbahn, bei dem zur
Reduzierung des Ansaugvakuums seitlich unterhalb der Materialbahn Dichtkeile angebracht
sind.
[0004] Die Anmelderin der EP 0 064 291 hat gefunden, daß beim Aufwickeln einer Polyesterbahn
ohne Beschädigung wie Falten und Knicke auch nach langer Lagerdauer zwischen der Wickelhärte
H und dem Rauhigkeitswert Ra der Bahn die Beziehung bestehen soll
wobei x = ln (1/Ra) ist und wobei die Bahn mit einer Kontaktwalze an den Wickel angepreßt
wird.
[0005] Untersuchungen der Anmelderin der vorliegenden Erfindung haben gezeigt, daß insbesondere
der Bandzug die Wickelhärte beim Aufwickeln und somit die Qualität der Materialbahn
bestimmt. Die Wickelhärte kann, wie aus Figur 1 zu ersehen ist, unter anderem durch
den Andruck der Walzen (7, 9) an den Wickel sowie durch den durch die Pendelwalze
(5) bewirkten Bandzug eingestellt werden. Ist der Bandzug zu niedrig, so neigt die
Bahn zum Querwandern, sind dagegen Bandzug und Andruckkräfte zu groß, so kann die
Materialbahn beschädigt werden, beziehungsweise eingeschleppte Teilchen oder Deformationen
schlagen auf benachbarte Wickellagen durch und das Produkt ist unbrauchbar.
[0006] Der Erfindung lag die Aufgabe zugrunde, bei möglichst hohem Bandzug eine gleichmäßige
und vorzugsweise möglichst niedrige Wickelhärte der aufgewickelten Bahn zu erzielen.
Außerdem soll ein faltenfreies glattes Wickelbild auch bei großem Wickeldurchmesser
erreicht werden.
[0007] Erfindungsgemäß wurde die Aufgabe gelöst mit einer Wickelvorrichtung mit den im kennzeichnenden
Teil des Anspruchs 1 genannten Merkmalen. Weitere Einzelheiten der Erfindung gehen
aus den Unteransprüchen, der Beschreibung und den Zeichnungen hervor.
[0008] Im folgenden wird die Erfindung anhand der Figuren näher erläutert und zwar zeigen
- Figuren 1 und 2
- Querschnitte durch zwei Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Wickelvorrichtung
- Figur 3
- eine Draufsicht auf einen Teil der Anordnung gemäß Figur 2
- Figur 4
- einen Teil gemäß der Anordnung von Figur 2
- Figur 5
- die auf die Kontaktwalze wirkenden Antriebskräfte.
[0009] Die Figur 1 zeigt das Prinzip der Wickelvorrichtung gemäß der vorliegenden Erfindung.
Eine von einer (nicht gezeichneten) Beschichtungsvorrichtung kommende Materialbahn
(2) durchläuft Umlenkwalzen (4, 6), zwischen denen eine Pendelwalze (Tänzerwalze)
(5) angebracht ist, welche den erforderlichen Bandzug aufbringt. Dann läuft die Bahn
zu der näher zu beschreibenden Aufwickelvorrichtung, bestehend aus der angetriebenen
Wickelhülse (14) auf die der Wickel aufgewickelt wird, an die eine Kontaktwalze (7)
angedrückt wird. An die Kontaktwalze (7) kann zur Unterstützung des gewünschten Effekts
eine Andruckwalze (9) angepreßt werden, welche die Kontaktwalze auf die Geschwindigkeit
der Materialbahn bringt. Das Erfindungswesentliche besteht nun darin, daß die Kontaktwalze
(7) ebenso wie die Wickelhülse (14) motorisch antreibbar ist; über die Höhe der Antriebskräfte
werden weiter unten nähere Aussagen gemacht.
[0010] Eine weitere im Rahmen der Erfindung in Frage kommende Anordnung zeigt Figur 2. Dabei
durchläuft die Materialbahn (2) eine Kühlwalze (3) sowie eine Pendelwalze (5), zwischen
denen sich jeweils Umlenkwalzen beziehungsweise Andruckwalzen (1, 4, 6) befinden.
Danach läuft die Bahn über eine weitere Umlenkwalze (8) zwischen einer Andruckwalze
(9) und einer äußeren angetriebenen Kontaktwalze (7) auf die Wickelhülse (14) auf,
wobei sich gegenüberliegend der äußeren angetriebenen Kontaktwalze (7) noch eine zusätzliche
innere geschleppte Kontaktwalze (12) befindet.
[0011] Die Figur 3 zeigt in Draufsicht den Antrieb der Kontaktwalze (7). Er besteht aus
einem Motor (10), beispielsweise einem Gleichstrommotor, der über einen Riemenantrieb
(11) und eine pneumatische Kupplung (13) die Kontaktwalze (7) antreibt, die ihrerseits
den Wickel (14) beaufschlagt.
[0012] Die äußere Kontaktwalze (7) hat die Aufgabe, die Übergabe der Materialbahn (2) auf
den Wickel (14) zu gewährleisten. Durch den Andruck der Walze (7) wird die zwischen
den einzelnen Folienlagen eingewickelte Luftschicht reduziert, der Wickel wird härter.
[0013] Als besonders günstig hat es sich erwiesen, wenn der Angriffspunkt der angetriebenen
Kontaktwalze am Ort des Auflaufens der Materialbahn (2) am Wickel (14) gewählt wird.
Der Angriffspunkt der Kontaktwalze kann jedoch auch nach dem Ort des Auflaufens der
Bahn auf den Wickel angeordnet sein, auch dann bleiben noch die erfindungsgemäßen
Vorteile erhalten.
[0014] Die Energie zum Antrieb der geschleppten Walze (12) liefert der Wicklerantrieb über
die Materialbahn und den Reibschluß zum Wickel.
[0015] Die innere Kontaktwalze (12) ist insbesondere für den Betrieb bei einem sogenannten
Wendewickler vorgesehen, bei dem der Wickel während des Wendens nicht mit der äußeren
Kontaktwalze (7) in Berührung ist. Jedoch kann die Walze (12) während des gesamten
Wickelvorgangs am Wickel (14) anliegen.
[0016] Der Bandzug direkt am Wickel ergibt sich bei der geschleppten Kontaktwalze aus dem
resultierenden Bandzug, welcher mittels der Kraft der Pendelwalze (5) aufgebracht
wird, abzüglich der Zugverluste durch die Reibungskräfte an Kontakt- und Umlenkwalzen.
[0017] Der am Wickel wirksame Bandzug und die Andrücke der Kontaktwalzen bestimmen bei einer
gewählten Geschwindigkeit die Härte des Wickels. Um niedrige Wickelhärten zu erzielen,
wird normalerweise gemäß dem Stand der Technik der nominelle Bandzug mit 30 - 50 N
recht niedrig eingestellt.
[0018] Die Figur 5 zeigt die Kraftverhältnisse bei Betrieb der angetriebenen Kontaktwalze.
Entgegen der Bahnlaufrichtung wirkt die Bandzugskraft F
BZ, während in Richtung des Bandlaufs die durch die angetriebene Kontaktwalze wirkende
Kraft F
KW besteht. Die resultierende Kraft

ist also die um den Kontaktwalzenmoment reduzierte Bandzugskraft. Sie soll entgegen
der Bandlaufrichtung wirken. Durch das Antriebsmoment der Kontaktwalze (7) senkt sich
das Moment des Motors des Wicklerantriebs (14). Wird dieses Verhältnis zwischen beiden
Momenten so eingestellt, daß das Antriebsmoment des Motors (10) zu groß ist, so wird
F
res = 0 oder eine Richtungsänderung (F
res < 0) resultiert, was zu einer Schlaufe im Wickel (Figur 4) führt; das Produkt ist
dann natürlich unbrauchbar. Ist umgekehrt F
KW zu klein, so wird die resultierende Kraft im wesentlichen durch den Bandzug bestimmt,
der wie oben genannt, relativ hoch eingestellt wird, und die Wickelhärte wird in zu
geringem Maße reduziert. Wird die Kontaktwalze durch den Motor gebremst, ändert F
KW das Vorzeichen und die Wickelhärte nimmt sogar zu.
[0019] Aus dem oben Gesagten geht hervor, daß durch einen Antrieb der Kontaktwalze es möglich
ist, den Bandzug zwischen Wickel und Kühlwalze beziehungsweise einem anderen Antrieb
sowie Kontaktwalze und Wickel weitgehend unabhängig voneinander einzustellen, also
einen hohen Bandzug vor dem Auflauf der Bahn auf den Wickel und einen geringen Zug
nach der Kontaktwalze zu realisieren. Der Bandzug nach der Kühl- beziehungsweise sonstigen
Antriebswalze wird durch die Pendelwalze eingestellt, der Zug nach der Kontaktwalze
(7) ergibt sich durch das von der Walze durch den Motor (10) aufgebrachte Moment und
den Bandzug. Durch Bremsbetrieb des Kontaktwalzenmotors (10) erhöht man den Bandzug,
durch Antrieb der Kontaktwalze verringert man den Bandzug.
Beispiel
[0020] Bei einer zirka 4500 m langen und 65 cm breiten Magnetbandbahn, bestehend aus einer
10 µm dicken Polyethylenterephthalat-Folie, auf der 4 µm dicke Magnetschicht gegossen
war, wurde ein Bandzug vor der Aufrollung (14) von 92 N eingestellt, der über die
Folienlänge konstant war. Der Andruck der angetriebenen Kontaktwalze betrug 600 N,
die Maschinengeschwindigkeit der laufenden Materialbahn betrug 200 m/min. Die Andruckwalze
(9) drückte mit 1,5 bar auf die Kontaktwalze (7). Ohne angetriebene Kontaktwalze betrug
bei dem angegebenen Bandzug von 92 N die Wickelhärte zirka 125 Maßeinheiten, während
mit angetriebener Kontaktwalze die Wickelhärte weit tiefer als bis 40 Maßeinheiten
zu senken war, ohne daß die Gefahr der Schlaufenbildung bestand.
[0021] Beim Wendebetrieb liegt die Kontaktwalze (7) wie beschrieben nicht am Wickel (14)
an. Beim Anfahren einer Beschichtungsvorrichtung wie beim Wendebetrieb wäre das für
den Wickelvorgang einzustellende Moment zu hoch gewählt. Es ist für diese Betriebszustände
so zu reduzieren, daß nur die Reibmomente des Antriebssystems kompensiert werden oder
der Antrieb wird von der Walze durch eine Kupplung (13) getrennt.
1. Vorrichtung zum Aufwickeln einer laufenden Materialbahn (2), die solange auf eine
Wickelhülse (14) mit einer bestimmten Bandzugskraft FBZ aufgewickelt wird, bis ein bestimmter Wickeldurchmesser erreicht ist, wobei mindestens
eine Kontaktwalze (7, 12) die Materialbahn an die Wickelhülse andrückt, dadurch gekennzeichnet,
daß die Wickelhülse (14) und mindestens eine Kontaktwalze (7, 12) motorisch antreibbar
ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Angriffspunkt der angetriebenen
Kontaktwalze (7) am Ort des Auflaufpunkts der Materialbahn (2) auf den Wickel (14)
erfolgt.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Angriffspunkt der angetriebenen
Kontaktwalze (7) nachfolgend dem Ort des Anlaufpunkts der Materialbahn (2) auf dem
Wickel (14) erfolgt.
4. Vorrichtung nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß eine Andruckwalze (9)
die Materialbahn (2) an die Kontaktwalze (7) anpreßt.
5. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Antriebskraft F
KW der Kontaktwalze sowie die Bandzugskraft F
BZ so gewählt werden, daß eine resultierende auf den Bandwickel (14) wirkenden Kraft

entgegen der Wickelrichtung besteht.
6. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Antrieb der Kontaktwalze
(7) über einen Motor (10), eine Kraftübertragung (11) und eine Kupplung (13) geschieht.
7. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Antriebsmoment der Kontaktwalze
beim Anfahren der Materialbahn oder beim Wendebetrieb eines Wendewicklers reduziert
oder durch eine zuschaltbare Kupplung (13) ausgeschaltet wird.