[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein automatisierbares pyrolytisches Selbstreinigungsverfahren
für Herde, deren Muffel durch ein in wenigstens einem Wandbereich angeordnetem Heizelement
und ggf. mit zusätzlicher Umluftheizung betreibbar ist, wobei die Muffel durch ein
Umluftgebläse belüftbar und mit Mitteln zur pyrolytischen Selbstreinigung ausgerüstet
ist.
[0002] Beim Braten, Garen und Backen werden die Innenseiten einer Herdmuffel in unterschiedlicher
Weise verschmutzt. Diese Verschmutzung besteht im wesentlichen aus drei Komponenten:
[0003] Fettspritzer tierischer und pflanzlicher Art, anklebende Gargutreste an den Muffelwänden
und Kondensation von Wrasenbestandteilen an den Muffelwänden.
[0004] Die Möglichkeit, mit Hilfe pyrolytischer Selbstreinigung einer Garraumverschmutzung
über ein zumutbares Maß vorzubeugen, bzw. eine solche Verschmutzung zu beseitigen,
ist hinlänglich bekannt.
[0005] Bei der konventionellen pyrolytischen Selbstreinigung von Herden, wie sie bisher
betrieben wurde, werden die Muffelwände beim Durchlauf eines vorgegebenen Zeit-Temperatur-Profils
auf eine Temperatur von 480 bis 500°C aufgeheizt und für gewisse Zeit auf hoher Temperatur
gehalten, wobei diese Zeit einem Erfahrungswert entspricht und nicht die tatsächlichen
Verhältnisse der Muffelverschmutzung wiedergibt. Die relativ langkettigen Moleküle
der an den Wänden der Muffel haftenden Verschmutzungen werden durch die langandauernde
Erhitzung auf über 450°C einem thermischen Crack-Verfahren unterworfen und so zu relativ
kurzkettigen Abbauprodukten, beispielsweise Wasser, kurze Kohlenwasserstoffe, Aromate
und zu Ascherückständen umgesetzt. Die gasförmigen Abbauprodukte werden während der
Selbstreinigung mit der Entlüftung aus dem Herd geführt. Nach der Selbstreinigung
können die verbleibenden Rückstände als Asche dem Herd entnommen werden.
[0006] Die Aufgabe der Erfindung besteht nunmehr darin, Pyrolysestart, Pyrolysedurchführung
und die Beendigung der Pyrolyse in Abhängigkeit von der realen Verschmutzungsphase
sensorgesteuert und damit ggf. automatisierbar zu realisieren.
[0007] Die erfindungsgemäße Lösung dieser Aufgabe ist dadurch gekennzeichnet, daß im Garraum
eine betriebsbedingte Backofen-Verschmutzungswerte erfassende Sensorik angeordnet
ist, daß eine eingangsseitig mit dem Verschmutzungssensor verbundene Auswerteeinheit
den Pyrolysestart einleitet oder empfiehlt, daß ein mit der Auswerteeinheit für pyrolytische
Selbstreinigung verbundener Gassensor im Abluftweg der Muffel angeordnet ist, daß
die Auswerteeinheit die Sensorsignale mit einem auf den Pyrolysebetrieb angepaßten
Logiksystem analysiert, daß die Auswerteeinheit aus den Sensorsignalen nach einer
typischen Pyrolyse-Betriebszeit eine verschmutzungsart bedingte Pyrolyse-Mindesttemperatur
und eine optimierte Pyrolyse-Gesamtzeit bestimmt und daß die Auswerteeinheit die pyrolytische
Selbstreinigung nach einer verschmutzungsartbedingten Pyrolyse-Gesamtzeit beendet.
[0008] Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß die
Auswerteschaltung die Eingangswerte des Verschmutzungssensors frequenzumsetzt, digitalisiert,
aufzählt, speichert und verkettet, daß die Auswerteschaltung einen Verschmutzungsgrad
ausgabeseitig signalisiert und eine Pyrolyseeinleitung empfiehlt oder durchführt.
[0009] Eine weitere, vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
daß die teilweise mit einem unscharfen Logiksystem ausgestattete Auswerteeinheit in
Abhängigkeit vom Verschmutzungsgrad die notwendige Pyrolyse-Gesamtzeit vorbestimmt,
sensorsignalbezogen nachkorrigiert und nach Ablauf dieser Zeiten die Heizelemente
abschaltet.
[0010] Weitere, vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen dargestellt.
[0011] Ein Ausführungsbeispiel nach der Erfindung ist im folgenden anhand der Zeichnung
näher beschrieben. Es zeigt:
- Fig. 1
- Ein Blockschaltbild des Pyrolyseverfahrens,
- Fig. 2
- einen Sensorsignalverlauf während der Pyrolysezeit bei verschiedenen Verschmutzungen,
- Fig. 3
- Sensorsignale während des Anstieges der Pyrolysetemperatur bei verschiedenen Verschmutzungen.
[0012] Gemäß Fig. 1 ist ein Herd 1, ein im Garraum befindlicher Sensor 2, eine Pyrolyse-Displayeinheit
3, eine Auswerteeinheit 4, 5 und eine Steuerung 6 erkennbar. Der im Garraum angedeutete
Sensor 2 arbeitet vorwiegend als kapazitiver Verschmutzungssensor, wobei eine der
möglichen Ausführungsformen des Verschmutzungssensors dadurch bestimmt ist, daß der
Sensor aus mindestens zwei Leiterbahnen besteht, die auf einem emaillierten Metallblättchen
voneinander isoliert angeordnet sind, wobei die beiden Sensor-Leiterbahnen U-Form
besitzen und sich gegenüberstehend derart angeordnet sind, daß jeweils ein U-Schenkel
in das offene, gegenüberliegende U eintaucht. Innerhalb des Garraumes wird der Sensor
2 vorzugsweise in einem seitlichen Wandbereich der Muffel angeordnet. Ausgangsseitig
ist der Sensor 2 mit dem Teil der Auswerteeinheit verbunden, der die Werte des Verschmutzungssensors
2 solange verdichtet, bis ein Pyrolysestart objektiv gegeben ist. Dabei ist dieser
Teil der Auswerteeinheit mit 4 gekennzeichnet. Die Auswerteeinheit 4 behandelt die
Eingangswerte des Verschmutzungssensors indem sie diese Frequenz umsetzt, digitalisiert,
aufzählt, speichert und verkettet, anschließend einen Verschmutzungsgrad ausgabeseitig
signalisiert und eine Pyrolyseeinleitung empfiehlt oder durchführt.
[0013] Der Teil der Auswerteeinheit, der für die Pyrolyse-Durchführung notwendig ist, gemäß
Fig. 1 als 5 bezeichnet, ist mit dem Gassensor, der im Abluftweg der Ofenmuffel angeordnet
ist, verbunden. Die Auswerteeinheit 5 analysiert durch ein angepaßtes Logiksystem
diese Sensorsignale, bildet aus diesen nach einer typischen Pyrolyse-Betriebszeit
eine verschmutzungsartbedingte Pyrolyse-Mindesttemperatur und eine optimierte Pyrolyse-Gesamtzeit.
Für das pyrolytische Selbstreinigungsverfahren ist es wesentlich, daß die teilweise
mit einem unscharfen Logiksystem ausgestattete Auswerteeinheit 4, 5 in Abhängigkeit
vom Verschmutzungsgrad die notwendige Pyrolyse-Gesamtzeit vorbestimmt, sensorsignalbezogen
nachkorrigiert und nach Ablauf dieser Zeiten die Heizelemente abschaltet, wobei die
Umluft ebenfalls abgeschaltet wird. Dieser Sachverhalt ist gemäß Fig. 1 ausgangsseitig
mit dem Auswerteeinheitsteil 5, der auf eine Steuerung 6 geführt ist, realisiert.
[0014] Fig. 2 und Fig. 3 stellen Diagramme dar, die in parametrischer Zuordnung verschiedene
Verschmutzungswerte mit den dazugehörigen Sensorsignalverläufen wiedergeben, die durch
den im Abluftkanal des Garraumes angeordneten Gassensor erzeugt werden.
[0015] Gemäß Fig. 2 ist eine Kurvenschar erkennbar, die mit verschiedenen Verschmutzungsarten
als Parameter den Verlauf des Gassensorsignals über die Pyrolysezeit qualitativ darstellt.
Für den automatisierten Pyrolysebetrieb ist es zweckmäßig, eine mit unscharfer und
scharfer Logik ausgerüstete Auswerteeinheit 4, 5 anzuordnen, die durch ständige Abfrage
aller Sensorsignale die jeweils erforderlichen Regelschritte einleitet. Grundlage
dieser Logikeinheiten, die sich in der Auswerteeinheit 4, 5 befinden, sind u.a. die
vom Gassensor gelieferten Daten gemäß der Figuren 2, 3. So ist gemäß Fig. 1 weiterhin
entnehmbar, daß gleiche Verschmutzungstypen nach einer bestimmten Pyrolysedauer ihre
Maxima nahezu gleichzeitig erreichen. Man kann davon ausgehen, daß mit Erreichen der
notwendigen Pyrolysetemperatur, d.h. der Temperatur, die dem Verschmutzungsgrad entsprechend
ausreichende Crackkraft besitzt, keine längeren Aufheizzeiten als eine Stunde erforderlich
sein werden. Das ist davon abhängig, in welchem Maße die Verschmutzung komplizierte
Zusammensetzung bezüglich tierischer und pflanzlicher Fette, klebender Gargutreste
und komplizierte Kondensationsprodukte von Wrasenbestandteilen besitzt und von welcher
Ausgangstemperatur her die Pyrolyse gestartet wird.
[0016] Die Gassensorsignale, bezogen auf den Temperaturverlauf, sind gemäß Fig. 3 dargestellt.
Es ist ersichtlich, daß die Maxima der Sensorsignale bei Temperaturen auftreten, die
für die entsprechende Garraumverschmutzung typische Reinigungstemperaturen sind. Durch
den Gassensor im Abluftkanal des Garraumes können Aussagen zu folgenden Punkten, das
Pyrolyseverfahren betreffend, gemacht werden:
- Höhe der notwendigen Pyrolysetemperatur,
- Angabe zur notwendigen Pyrolysedauer,
- Vorgaben für Be- und Entlüftung der Ofenmuffel,
- Angaben zur Menge und Geschwindigkeit der Umluft,
- mögliche Erkennung von zufällig im Brat- und Backrohr vorhandenen Fremdgegenständen.
[0017] Die durch die Sensortechnik im Abluftkanal gewonnenen Daten bestimmen die Ausrüstung
der Auswerteeinheit Teil 5 bezüglich ihres Logiksystems und lassen eine vorteilhafte
Verwendung unscharfer Logik erkennen. Ein solcherart ausgestattetes automatisierbares,
pyrolytisches Selbstreinigungsverfahren besitzt gegenüber den bisherigen Verfahrenweisen
bei pyrolytischer Selbstreinigung, die darin bestanden, daß ein starres Zeit-Temperaturprofil
durchfahren wurde, d.h., der Herd wurde eine bestimmte empirisch ermittelte Zeit lang
mit hoher Temperatur betrieben, folgende Vorteile:
- Der Energieverbrauch wird stark verringert, da die vorhandene Verschmutzung nur sehr
selten den Maximalwert erreicht, für den das Zeit-Temperatur-Profil früher aber ausgelegt
war.
- Der Herd wird weit weniger belastet, dadurch vergrößert sich die Lebensdauer der Emaille
der Muffel.
- die Brandgefahr im Fall von Bedienungsfehlern wird verringert, da die Sensorik Fehlbeschickungen
im Garraum analysiert.
[0018] Ein automatisierbares, pyrolytisches Selbstreinigungsverfahren, das mit einem sensorgesteuerten
Pyrolysestart und einer sensorgesteuerten Pyrolysedurchführung ausgestattet ist, wobei
eine Auswerteeinheit, die scharfe und unscharfe Logik besitzt, vorhanden ist, verleiht
den damit ausgerüsteten Herden einen zweckentsprechenden Komfort.
1. Automatisierbares, pyrolytisches Selbstreinigungsverfahren für Herde, deren Muffel
durch ein in wenigstens einem Wandbereich angeordnetes Heizelement und ggf. mit zusätzlicher
Umluftheizung betreibbar ist, wobei die Muffel durch ein Umluftgebläse belüftbar und
mit Mitteln zur pyrolytischen Selbstreinigung ausgerüstet ist, dadurch gekennzeichnet, daß im Garraum eine betriebsbedingte Backofen-Verschmutzungswerte erfassende Sensorik
angeordnet ist, daß eine eingangsseitig mit dem Verschmutzungssensor (2) verbundene
Auswerteeinheit (4) den Pyrolysestart einleitet oder empfiehlt, daß ein mit der Auswerteeinheit
(5) verbundener Gassensor im Abluftweg der Muffel angeordnet ist, daß die Auswerteeinheit
(4, 5) die Sensorsignale mit einem auf den Pyrolysebetrieb angepaßten Logiksystem
analysiert, daß die Auswerteeinheit (4, 5) aus den Sensorsignalen nach einer typischen
Pyrolyse-Betriebszeit eine verschmutzungsartbedingte Pyrolyse-Mindestemperatur und
eine optimierte Pyrolyse-Gesamtzeit bestimmt und daß die Auswerteeinheit (4, 5) das
pyrolytische Selbstreinigungsverfahren nach einer verschmutzungsartbedingten Pyrolyse-Gesamtzeit
beendet.
2. Automatisierbares, pyrolytisches Selbstreinigungsverfahren für Herde nach Anspruch
1, dadurch gekennzeichnet, daß die Auswerteschaltung (4) die Eingangswerte des Verschmutzungssensors
(2) frequenzumsetzt, digitalisiert, aufzählt, speichert und verkettet, daß die Auswerteschaltung
(4) einen Verschmutzungsgrad ausgabeseitig signalisiert und eine Pyrolyseeinleitung
empfiehlt oder durchführt.
3. Automatisierbares, pyrolytisches Selbstreinigungsverfahren nach Anspruch 1, dadurch
gekennzeichnet, daß die im Garraum angeordnete Sensorik aus einem vorwiegend kapazitiv
wirkenden Sensor (2) besteht.
4. Automatisierbares, pyrolytisches Selbstreinigungsverfahren nach Anspruch 1, 2, dadurch
gekennzeichnet, daß der Sensor (2) aus mindestens zwei Leiterbahnen, die auf einem
emaillierten Metallplättchen voneinander isoliert angeordnet sind, besteht.
5. Automatisierbares, pyrolytisches Selbstreinigungsverfahren nach Anspruch 1 und 4,
dadurch gekennzeichnet, daß die beiden Sensor-Leiterbahnen U-Form besitzen und sich
gegenüberstehend derart angeordnet sind, daß ein U-Schenkel in das offene gegenüberliegende
U jeweils eintaucht.
6. Automatisierbares, pyrolytisches Selbstreinigungsverfahren nach Anspruch 1, dadurch
gekennzeichnet, daß der kapazitive Sensor (2) vorzugsweise in einem seitlichen Wandbereich
der Muffel angeordnet ist.
7. Automatisierbares, pyrolytisches Selbstreinigungsverfahren nach Anspruch 1, dadurch
gekennzeichnet, daß der Gassensor auf kurzkettige Kohlenwasserstoffe und Wasserstoffmoleküle
mit einer auswertbaren elektrischen Widerstandsänderung reagiert.
8. Automatisierbares, pyrolytisches Selbstreinigungsverfahren nach Anspruch 1, dadurch
gekennzeichnet, daß die teilweise mit einem unscharfen Logiksystem ausgestattete Auswerteeinheit
(4, 5) in Abhängigkeit vom Verschmutzungsgrad die notwendige Pyrolyse-Gesamtzeit vorbestimmt,
sensorsignalbezogen nachkorrigiert und nach Ablauf dieser Zeiten die Heizelemente
abschaltet.
9. Automatisierbares, pyrolytisches Selbstreinigungsverfahren nach den Ansprüchen 1 und
8, dadurch gekennzeichnet, daß die Auswerteeinheit (4, 5) nach Abschalten der Heizleistung
die Belüftung der Muffel beendet.