[0001] Die Erfindung betrifft ein Vorsatzaggregat für Bildschirme oder dergleichen, wie
Kathodenstrahlröhren von Monitoren, Fernsehapparaten oder dergleichen, mit einer Glasscheibe,
welche an ihrer dem Bildschirm oder dergleichen abgewandten Vorderseite eine mehrschichtige
Antireflexionsbeschichtung und ggf. an ihrer dem Bildschirm oder dergleichen zugewandten
Rückseite eine reflexionsmindernde, insbesondere eine absorbierende Beschichtung (oder
dergleichen) aufweist.
[0002] Bei Computer-Monitoren, Fernsehern und dergleichen besteht häufig ein Bedürfnis nach
einer Reflexionsminderung der eingesetzten Kathodenstrahlröhren. Dieses Ziel läßt
sich beispielsweise durch Anätzen der Oberfläche, Beschichtung der Röhre oder auch
durch entspiegelte Vorsatzaggregate erzielen.
[0003] Die verwendete Beschichtung für derartige Vorsatzaggregate soll einen niedrigen Flächenwiderstand
haben, um elektromagnetische Strahlung abschirmen zu können. Hierzu ist in der Regel
ein elektrischer Flächenwiderstand von weniger als 100 Ohm notwendig.
[0004] Bislang sind als Entspiegelungsschichten für Vorsatzaggregate Einfachschichten, mit
dem Nachteil hoher Restreflexion, eines intensiven Farbeindruckes sowie mangelnder
elektrischer Leitfähigkeit, Zweifachschichten mit den Nachteilen eines intensiven
Farbeindruckes und geringer Leitfähigkeit, dielektrische Vielfachschichtsysteme mit
den Nachteilen eines hohen Fertigungsaufwandes sowie eines hohen elektrischen Widerstandes
sowie leitfähige Vielfachschichtsysteme verwendet worden, die in der Fertigung besonders
aufwendig und damit teuer sind.
[0005] Zweifachschichtsysteme für Vorsatzaggregate der eingangs genannten Art, mit denen
eine gute Entspiegelungswirkung über weite Bereiche des sichtbaren Spektrums erzielt
werden könnte, sind nicht bekannt, vielmehr ist die Verwendung derart einfacher Schichtsysteme
stets mit einem intensiven Farbeindruck verbunden. Zur Reduzierung des Farbstiches
werden daher Vielfachschichtsysteme eingesetzt, die aber einen sehr viel höheren Produktionsaufwand
erfordern.
[0006] Aus der DE-OS 36 29 996 ist ein Vorsatzaggregat der gattungsgemäßen Art bekannt,
bei dem die Glasscheibe, die dort wie auch bei der Erfindung entweder aus anorganischem
Glas, insbesondere aus gehärtetem Sicherheitsglas, oder auch aus Kunststoff, d. h.
organischem Glas, bestehen kann, rückseitig eine Absorptionsbeschichtung aus beispielsweise
Chrom und an der Vorderseite eine Antireflexionsbeschichtung aus zwei oder drei Schichten
mit unterschiedlichem Brechungsindex aufweist, wobei die Neutralität des Farbeindruckes
sowie der Fertigungsaufwand zu wünschen übriglassen.
[0007] Aus der US-PS 2 366 687 ist eine Antireflexionsbeschichtung für Glasscheiben bekannt,
bei der auf die Glasscheiben aufeinanderfolgend eine Metallschicht aus einem Material
mit hohem Reflexions-, jedoch niedrigem Absorptionsgrad sowie eine dielektrische Interferenzschicht
aus beispielsweise SiO₂ aufgebracht werden, wobei als verwendbare Metalle Kupfer,
Silber, Rhodium, Aluminium oder andere ähnlich stabile Metalle mit den vorgenannten
Eigenschaften angegeben sind. Die Verwendung einer derartigen Antireflexionsbeschichtung
bei Vorsatzaggregaten der gattungsgemäßen Art führt dann, wenn andere Metalle als
Kupfer gewählt werden, zu einem unerwünscht intensiven Farbeindruck, während sich
die Verwendung von Kupfer wegen dessen mangelnder Beständigkeit für Vorderseitenbeschichtungen
von Vorsatzaggregaten der hier in Rede stehenden Art verbietet.
[0008] In der GB-PS 826 754 sind elektrisch leitende Beschichtungen auf Glasscheiben beschrieben,
welche als Metallschicht alternativ eine Gold-, Silber-, Nickel- oder Eisenschicht
sowie als Teil einer äußeren Entspiegelungsschicht beispielsweise SiO₂ enthalten können,
wobei der außer bei der Verwendung von Gold entstehende intensive Farbeindruck bei
dem dort angegebenen Anwendungsgebiet in Kauf genommen werden kann und kein Anhaltspunkt
dafür gegeben wird, durch eine entsprechende Materialauswahl für die Metallschicht
einen neutralen Farbeindruck hervorzurufen.
[0009] Ein ähnliches Vorsatzaggregat wie nach dem gattungsbildenden Stand der Technik ist
in der DE-OS 39 41 797 beschrieben, mit den anhand der vorgenannten Druckschrift erläuterten
Problemen. Die DE-PS 21 38 517 betrifft eine Wärmeschutzscheibe mit einer Beschichtung
aus Gold und hochbrechendem dielektrischen Material, wobei die Verwendung einer derartigen
Beschichtung bei einem Vorsatzaggregat der gattungsgemäßen Art nicht die gewünschte
Reflexionsminderung ermöglichen würde.
[0010] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Vorsatzaggregat der gattungsgemäßen
Art zu schaffen, dessen Antireflexionsbeschichtung bei wirtschaftlicher Herstellung
eine Minderung des Lichtreflexionsgrades der Vorderseite der Glasscheibe von etwa
4% auf weniger als 0,5% ermöglicht, farblich weitgehend neutral ist und einen Flächenwiderstand
von weniger als 100 Ohm aufweist.
[0011] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß die Antireflexionsbeschichtung
eine Metallschicht aus Gold oder einer Metallegierung mit einem Goldanteil von mehr
als 50% mit einer Dicke von 4 bis 10 nm und eine an deren der Glasscheibe abgewandten
Seite angeordnete, im wesentlichen absorptionsfreie, als Entspiegelungsschicht für
den sichtbaren Spektralbereich ausgebildete Interferenzschicht aus dielektrischem
Material mit einem Brechungsindex von n < 1,8 aufweist.
[0012] Dabei kann vorgesehen sein, daß die Dicke der Metallschicht 5 bis 7 nm beträgt.
[0013] Die Erfindung schlägt weiterhin vor, daß die optische Dicke der Interferenzschicht
60 bis 140 nm beträgt.
[0014] Nach einer weiteren Ausführungsform der Erfindung kann vorgesehen sein, daß die Interferenzschicht
aus mindestens einem Metall- oder Halbmetalloxid besteht.
[0015] Dabei kann vorgesehen sein, daß die Interferenzschicht aus SiO₂ besteht.
[0016] Eine weitere Ausführungsform der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß zwischen
der Glasscheibe und der Metallschicht und/oder zwischen der Metallschicht und der
Interferenzschicht (jeweils) eine Haftschicht angeordnet ist.
[0017] Dabei kann vorgesehen sein, daß als Material für die Haftschicht(en) NiCr, Silizium,
Indiumoxid und/oder Indiumzinnoxid eingesetzt ist.
[0018] Die Erfindung schlägt auch vor, daß zumindest ein Teil der Schichten der Antireflexionsbeschichtung
durch Magnetron-Kathodenzerstäubung hergestellt ist.
[0019] Der Erfindung liegt die überraschende Erkenntis zugrunde, daß durch das Zusammenspiel
der Metall- und der Interferenzschicht nach der Erfindung eine für ein Zweifachschichtsystem
unerwartet farbneutrale Entspiegelungswirkung erzielt werden kann. Offenbar beruht
diese Wirkung auf dem für Metalle außergewöhnlichen Verlauf des komplexen Brechungsindexes
von Gold, der dadurch ausgezeichnet ist, daß dessen Realteil im Bereich des sichtbaren
Spektrums monoton deutlich fällt.
[0020] Eine Anregung für eine derartige Materialauswahl war dem eingangs diskutierten Stand
der Technik nicht zu entnehmen, weil die US-PS 2 366 687 zwar Kupfer nennt, welches
einen ähnlichen Verlauf des Brechungsindexes wie Gold hat, jedoch in wirkungsmäßiger
Gleichsetzung mit Silber, Rhodium und Aluminium, deren Brechungsindex gänzlich anders
und in für die Erfindung unbrauchbarer Weise verläuft, während die GB-PS 826 754 Gold
als gleichwirkend mit u. a. Silber, Nickel und Eisen beschreibt, deren Brechungsindexverlauf
diese Metalle ebenfalls für den Zweck der Erfindung ungeeignet macht. Die DE-PS 21
38 517 hingegen beschreibt die Verwendung von Gold in Verbindung mit einer hochbrechenden
Entspiegelungsschicht, während die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe nur durch
eine Kombination der Goldschicht und der niedrigbrechenden Interferenzschicht im Sinne
der beanspruchten Antireflexionsbeschichtung erzielbar ist.
[0021] Es liegt im Rahmen der Erfindung, die Gold- bzw. Goldlegierungsschicht in an sich
bekannter Weise beiderseits in dünne Haftschichten einzubetten. Bei der Herstellung
des Schichtsystems mittels Magnetron-Kathodenzerstäubung, wie sie vorteilhafterweise
vorgesehen ist, empfiehlt es sich, dünne Haftschichten aus NiCr, Silizium, Indiumoxid
oder Indiumzinnoxid zu verwenden, da hierdurch die Haftung der Antireflexionsbeschichtung
deutlich verbessert werden kann.
[0022] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung,
in der Ausführungsbeispiele anhand der schematischen Zeichnung im einzelnen erläutert
sind.
[0023] Dabei zeigt:
- Fig. 1
- ein erstes Ausführungsbeispiel eines Vorsatzaggregates nach der Erfindung im Schnitt
senkrecht zur Ebene der dabei verwendeten Glasscheibe;
- Fig. 2
- in Fig. 1 entsprechender Darstellung ein zweites Ausführungsbeispiel eines Vorsatzaggregates
nach der Erfindung,
- Fig. 3
- den Lichtreflexionsgrad des Vorsatzaggregates gemäß Fig. 2 in Anhängigkeit von der
Wellenlänge; und
- Fig. 4
- den Verlauf des Realteiles und des Imaginärteiles des Brechungsindexes von Gold in
Abhängigkeit von der Wellenlänge.
[0024] Bei dem in Fig. 1 gezeigten Ausführungsbeispiel sind auf eine transparente Glasscheibe
10, beim gezeigten Ausführungsbeispiel aus einer Floatglasscheibe aus Natron-Kalk-Silikatglas
von 6 mm Dicke bestehend, durch Magnetron-Kathodenzerstäubung aufeinanderfolgend eine
Goldschicht 12 mit einer Dicke von 5 nm und eine im wesentlichen absorptionsfreie
Interferenzschicht 14 aus SiO₂ mit einer Dicke von 7 nm aufgebracht.
[0025] Beim Ausführungsbeispiel von Fig. 2, bei dem die Glasscheibe 10 wiederum aus einer
Floatglasscheibe aus Natron-Kalk-Silikatglas mit einer Dicke von 4 mm besteht, sind
auf die Glasscheibe 10 aufeinanderfolgend eine NiCr-Haftschicht 16 mit einer Dicke
von 0,5 nm, eine Goldschicht 12 mit einer Dicke von 6 nm, eine mit SnO₂ dotierte In₂O₃-Haftschicht
18 mit einer Dicke von 4 nm und eine Interferenzschicht 14 aus SiO₂ mit einer Dicke
von 60 nm aufgebracht.
[0026] Im einzelnen erfolgte die Herstellung des Vorsatzaggregates gemäß Fig. 2 wie folgt:
In einer Vakuum-Beschichtungsanlage, welche mit Beschichtungseinrichtungen für Magnetron-Kathodenzerstäubung
ausgerüstet war, wurden auf die Glasscheibe 10, eine Floatglasscheibe aus Natron-Kalk-Silikatglas
von 4 mm Dicke im Format 40 cm x 40 cm, nacheinander folgende Schichten aufgebracht:
Die Haftschicht 16 als NiCr-Haftschicht von 0,5 nm Dicke durch Zerstäubung eines NiCr(80/20)-Targets
in Argon-Atmosphäre bei einem Druck von 1.5· 10⁻¹ Pa, die Goldschicht 12 von 6 nm
Dicke durch Zerstäubung eines Goldtargets in Argon-Atmosphäre bei einem Druck von
1.5· 10⁻¹ Pa, die Haftschicht 18 als mit SnO₂ dotierte In₂O₃-Haftschicht in einer
Dicke von 4 nm durch reaktive Zerstäubung des In90/Sn10-Targets in Argon-Sauerstoff-Atmosphäre
bei einem Druck von 3.5· 10⁻¹ Pa und schließlich die Interferenzschicht 14 als SiO₂-Schicht
von 60 nm Dicke durch reaktive Zerstäubung eines Si-Targets in Argon-Sauerstoff-Atmosphäre
bei einem Druck von 1.5 Pa. Die Rückseite der Glasscheibe 10 wurde, in der Zeichnung
nicht dargestellt, mit einer Cr-Schicht solcher Dicke beschichtet, daß die Transmission
einer unbeschichteten Floatglasscheibe um etwa ein Drittel abgesenkt wurde.
[0027] Die beschichtete Scheibe wies einen Lichtreflexionsgrad bei Normlichtart A von 0,21%
auf. Die Transmission betrug 55%. Die Farborte in Reflexion, gemessen im L, a, b-Farbsystem
(nach R.S. Hunter, Photoelectric Color Difference Meter, in J. Opt. Soc. Am. 48 (1958),
S. 985 ff.) lagen bei a = 0.5 und b = -1.0. Der elektrische Flächenwiderstand der
vorderseitigen Antireflexionsbeschichtung lag bei 30 Ω.
[0028] In Fig. 3 ist zu erkennen, daß der Lichtreflexionsgrad der Scheibe über den gesamten
sichtbaren Spektralbereich deutlich niedriger als derjenige einer unbeschichteten
Scheibe liegt.
[0029] Fig. 4 läßt erkennen, daß der Realteil des komplexen Brechungsindexes von Gold über
das sichtbare Spektralgebiet deutlich monoton abfällt, worauf die überraschende Wirkung
des Vorsatzaggregates nach der Erfindung, in Kombination mit der verwendeten niedrigbrechenden
Interferenzschicht, wesentlich zurückzuführen sein dürfte.
[0030] Die in der vorstehenden Beschreibung, in der Zeichnung sowie in den Ansprüchen offenbarten
Merkmale der Erfindung können sowohl einzeln als auch in beliebiger Kombination für
die Verwirklichung der Erfindung in ihren verschiedenen Ausführungsformen wesentlich
sein.
- 10
- Glasscheibe
- 12
- Metallschicht
- 14
- Interferenzschicht
- 16
- Haftschicht
- 18
- Haftschicht
1. Vorsatzaggregat für Bildschirme oder dergleichen, wie Kathodenstrahlröhren von Monitoren,
Fernsehapparaten oder dergleichen, mit einer Glasscheibe, welche an ihrer dem Bildschirm
oder dergleichen abgewandten Vorderseite eine mehrschichtige Antireflexionsbeschichtung
und ggf. an ihrer dem Bildschirm oder dergleichen zugewandten Rückseite eine reflexionsmindernde,
insbesondere eine absorbierende Beschichtung (oder dergleichen) aufweist, dadurch
gekennzeichnet, daß die Antireflexionsbeschichtung eine Metallschicht (12) aus Gold
oder einer Metallegierung mit einem Goldanteil von mehr als 50% mit einer Dicke von
4 bis 10 nm und eine an deren der Glasscheibe (10) abgewandten Seite angeordnete,
im wesentlichen absorptionsfreie, als Entspiegelungsschicht für den sichtbaren Spektralbereich
ausgebildete Interferenzschicht (14) aus dielektrischem Material mit einem Brechwert
von n < 1,8 aufweist.
2. Vorsatzaggregat nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichne, daß die Dicke der Metallschicht
(12) 5 bis 7 nm beträgt.
3. Vorsatzaggregat nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die optische Dicke
der Interferenzschicht (14) 60 bis 140 nm beträgt.
4. Vorsatzaggregat nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Interferenzschicht (14) aus mindestens einem Metall- oder Halbmetalloxid besteht.
5. Vorsatzaggregat nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Interferenzschicht
(14) aus SiO₂ besteht.
6. Vorsatzaggregat nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
zwischen der Glasscheibe (10) und der Metallschicht (12) und/oder zwischen der Metallschicht
(12) und der Interferenzschicht (14) (jeweils eine Haftschicht (16, 18) angeordnet
ist.
7. Vorsatzaggregat nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß als Material für die
Haftschicht(en) (16, 18) NiCr, Silizium, Indiumoxid und/oder Indiumzinnoxid eingesetzt
ist.
8. Vorsatzaggregat nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
zumindest ein Teil der Schichten (12, 14, 16, 18) der Antireflexionsbeschichtung durch
Magnetron-Kathodenzerstäubung hergestellt ist.