[0001] Die Erfindung betrifft ein Entgasungsgefäß für die Vakuumbehandlung von flüssigem
Stahl nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Derartige Entgasungsgefäße werden für die Entgasung von flüssigem Stahl zur Einstellung
von tiefsten Kohlenstoffgehalten eingesetzt. Bekannt sind zwei Teilmengenverfahren.
Bei dem einem wird die Stahlschmelze mehrfach in Teilmengen über einen Rüssel in die
Vakuumkammer gesaugt und durch denselben Rüssel wieder in die darunter stehende Pfanne
abgelassen. Bei dem anderen Teilmengenverfahren, dem sogenannten Durchlaufverfahren,
wird die Stahlschmelze durch ein Tauchrohr angesaugt und kontinuierlich durch ein
zweites Tauchrrohr wieder in die Pfanne zurückgeführt.
[0003] Im Hinblick auf die Erreichung einer möglichst großen Produktionsrate sowie zur Vermeidung
von Wärmeverlusten während der Behandlung von flüssigem Stahl ist der Stahlwerker
bemüht, die Behandlungsdauer des Stahls so kurz wie möglich zu halten. Um Einfluß
auf die Temperatur der Schmelze und des Ofengefäßes nehmen zu können, werden Heizvorrichtungen
im mittleren Bereich des Vakuumgefäßes angeordnet.
[0004] So ist aus der Schrift DE-AS 15 33 933 eine Vakuumkammer bekannt mit einer feuerfesten
Auskleidung in einem vakuumdichten Stahlpanzer, die im unteren Teil einen flachen
Herd bildet, in den ein Rüssel zum Ansaugen und Ablassen der zu behandelnden Teilmenge
einer Schmelze mündet und die sich nach oben hin verjüngt. Im oberen Teil ist eine
Heizung zum Vorwärmen der Kammer und Warmhalten der Schmelze angeordnet. Die Kammer
ist mit einem gewölbeartigen Deckel aus feuerfestem Material mit einer öffnung zum
Anschluß an die Vakuumpumpenanlage abgeschlossen.
[0005] Es kommen auch Gefäße zum Einsatz, die ohne jegliche konische Einschnürung völlig
zylindrisch aufgebaut sind und in der Nähe des Gefäßkopfes im rechten Winkel zur Zentralachse
einen Abgasanschluß aufweisen.
[0006] In den Entgasungsgefäßen werden durch den Entgasungsstrom Partikel mitgerissen. Das
Gas prallt dabei gegen die sie lenkenden Flächen, wobei einzelne Partikel sich dort
ansammeln. Eine größere Ansammlung oberhalb des Heizstabes ist regelmäßig an der wie
ein Prallblech wirkenden Kopffläche des Entgasungsgefäßes. Die einzelnen Partikel
bilden dort hängende, in Scheiben angeordnete Lappen. Diese hängenden Lappen haben
eine feste Konsistenz und brechen nach Erreichen einer bestimmten Größe in unregelmäßigen
Abständen von der Haftfläche ab. Diese auch als Bären bezeichneten Gebilde fallen
in den Teilstrom und verändern dort in negativer Weise die Zusammensetzung. Auf ihrem
Weg durch das Vakuumgefäß stellen sie eine hohe Gefährdung für die aus Graphit bestehenden
Heizstäbe dar, deren Bruchstücke bei Stahlqualitäten mit niedrigem Kohlenstoffgehalt
wegen ungeplanter Aufkohlung zu Schrottschmelzen führen.
[0007] Ziel der Erfindung ist es, die genannten Nachteile zu vermeiden und ein Entgasungsgefäß
gattungsgemäßer Art zu schaffen, das mit einfachen konstruktiven Mitteln bei strömungsgerechter
Gefäßgestaltung den Heizstab gegen mechanische Zerstörung schützt.
[0008] Die Erfindung löst diese Aufgabe durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs
1. Die Unteransprüche enthalten vorteilhafte Weiterbildungen.
[0009] Bei dem erfindungsgemäßen Entgasungsgefäß wird oberhalb des Heizstabes ein Leitblech
angeordnet. Dieses ebene Leitblech weist eine Neigung auf, die das strömende Gas zu
dem eine kleinere Durchtrittsfläche als das Untergefäß aufweisende Obergefäß leitet.
Statt der konstruktiv aufwendigen konischen Verjüngung sind hier die einfachen geometrischen
Figuren Kreis, Halbkreis und gerade Fläche gewählt.
[0010] Durch die das Mittelgefäß flächendurchtrittsmäßig einengende Leitblech wird die Gasgeschwindigkeit
beschleunigt mit dem Effekt, daß die Neigung zur Bärenbildung gemindert wird.
[0011] Der Abstand des Heizstabes zum Leitblech ist so gewählt, daß die innenseitige Feuerfestwandung
auf eine Temperatur aufgeheizt wird, bei der es noch nicht zur Anbackung kommt.
[0012] Das Oberteil des Entgasungsgefäßes ist ebenfalls aus den einfachen Formelementen
Halbkreis und Gerade aufgebaut. Hierdurch ergeben sich deutliche Vereinfachungen sowie
auch Kosteneinsparungen bezüglich der Feuerfestauskleidung.
[0013] Die Lage der ebenen Fläche des zylindrischen Oberteils ist so gewählt, daß der darunter
angeordnete Heizstab im Schatten bezüglich herabfallender Festkörper liegt.
[0014] Die Durchtrittsfläche des zylindrischen Teils des Obergefäßes, das aus dem des Mittel-
bzw. Unterteils entsprechenden Radius im rohrförmigen Teil und nahezu des doppelten
Radius im ebenen Teil besteht, ist in gleicher Größe gewählt wie die Durchtrittsfläche
des Abgasanschlusses. Hierdurch stellen sich bei der einfachen Bauweise gerade im
übergang von dem Obergefäß zum Abgasrohr konstante Strömungsverhältnisse ein. Das
ebenfalls als Halbrohr ausgebildete Kuppenstück des Oberteils wird aufgrund der günstigen
Form nur geringe Neigung zeigen, Anbackungen aufzunehmen. Sollte sich derartige Bären
doch noch bilden, werden diese ohne Gefährdung des Heizstabes in die Teilschmelze
fallen. An den geraden vertikalen Innenflächen des Oberteils werden nahezu keine Anbackungen
entstehen.
[0015] Die leichte Änderung der Legierung bei der geringen Menge der ins Bad eintauchenden
Bären kann mit einfachen metallurgischen Maßnahmen behoben werden.
[0016] Der Schaustutzen zur Beobachtung des Bades ist gegen die Wärmestrahlung des Heizstabes
geschützt und wird daher eine höhere Lebensdauer aufweisen.
[0017] Bei dem erfindungsgemäß ausgestalteten Entgasungsgefäß werden nicht nur Kosten gespart
durch Verminderung des Gesamtgewichtes, insbesondere den Einsatz von Stahl und Feuerfestmaterial,
sondern es kommt zu Einsparungen durch einen verringerten Graphitstabverbrauch. Letzteres
wird u.a. dadurch erreicht, daß der Graphitstab immer eingeschaltet bleibt und somit
nicht, wie sonst üblich zum Schutz gegen herabfallendes Material, aus dem Gefäß herausgezogen
wurde. Durch diese konstante Fahrweise wird nicht nur die Betriebsbereitschaft erhöht
sondern auch der Wartungsaufwand vermindert.
[0018] Ein Beispiel der Erfindung ist in den beiliegenden Skizzen dargelegt. Es zeigt:
- Fig. 1
- einen Schnitt durch ein Entgasungsgefäß,
- Fig. 2
- einen Schnitt X-X durch den Dom des Entgasungsgefäßes.
[0019] Die Fig. 1 zeigt ein Entgasungsgefäß 10, bestehend aus einem Unterteil 20, einem
Mittelteil 30 und einem Oberteil 40. Das Entgasungsgefäß 10 weist einen Mantel 11
auf, der zum Gefäßinneren hin mit einer Feuerfestmasse 12 ausgekleidet ist.
[0020] Der Unterteil 20 weist ein Tauchrohr 21 zum Zulauf und ein Tauchrohr 22 zum Ablauf
der sich in einer Pfanne 50 befindenden Schmelze 51 auf.
[0021] Der Mittelteil 30 ist in seinem unteren Bereich zylindrisch ausgebildet und verjüngt
sich im oberen Bereich durch eine ebene Gasleitfläche 31. Im zylindrischen Bereich
ist eine Beschickungseinrichtung 14 vorgesehen sowie ein Heizstab 13 angeordnet.
[0022] Der auf dem Mittelteil 30 auf sitzende Oberteil 40 ist etwa hälftig als Rohr 41 ausgebildet,
das mit einer parallel zur Zentralachse I vorgesehenen ebenen Fläche 42 verbunden
ist. Der Oberteil 40 wird durch eine im rechten Winkel zur Zentralachse I angeordneten
Kappe 43 abgeschlossen. In der Kappe 43 ist ein Schauloch 16 vorgesehen.
[0023] Der Oberteil 40 mündet in einem Abgasanschluß 15 mit der Durchtrittsfläche F. Die
Durchtrittsfläche des Oberteils 40 ist im parallel zur Zentralachse I angeordneten
Durchtritt mit A bezeichnet. Der innere Radius der Feuerfestauskleidung ist mit R
gekennzeichnet und der Radius des Gefäßmantels mit r.
[0024] Die Fig. 2 zeigt den Schnitt X-X mit dem Abgasanschluß 15, dem rohrförmigen Teil
41 und dem parallel zur Zentralachse I angeordneten ebenenen Fläche 42.
[0025] In Draufsicht ist die Gasleitfläche 31 dargestellt. Aufgezeigt sind noch der Mantel
11 und die Feuerfestauskleidung 12 sowie die Beschickungseinrichtung 14. Im rechten
Winkel zur Zentralachse I ist der Heizstab 13 angeordnet. Wie aus der Skizze deutlich
ersichtlich, ist der Heizstab im Schatten der an der ebenenen Fläche 42 vorgesehenen
Feuerfestauskleidung 12 angeordnet.
1. Entgasungsgefäß für die Vakuumbehandlung von flüssigem Stahl, bestehend aus Unter-,
Mittel- und Oberteil, das einen metallischen Mantel aufweist, der zum Gefäßinneren
hin mit Feuerfestmaterial ausgekleidet ist und der im Mittelteil in dem dem Unterteil
zugewandten Bereich eine zu diesem den gleichen Radius besitzende zylindrische Form
aufweist, mit mindestens einem im Boden des Unterteils vorgesehenen Tauchrohr, das
in die Schmelze einer darunter befindlichen Pfanne eintaucht, mit einem im Mittelteil
zur Zentralachse rechtwinklig angeordneten Heizstab sowie einer Beschickungseinrichtung
und mit im Oberteil angeordneten Schauloch sowie einem an eine Vakuumanlage angeschlossenen
im rechten Winkel zur Zentralachse angeordneten Abgasanschluß,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein Teil des Mantels (11) des Mittenteils (30) in dem dem Oberteil (40) zugewandten
Bereich als ebene Fläche (31) ausgebildet ist, die parallel zum Heizstab (13) und
in Gasströmungsrichtung auf die Zentralachse (I) zulaufend angeordnet ist,
daß der Mantel (11) des Oberteils (40) in dem dem Mittelteil (30) zugewandten Bereich
sich zusammensetzt aus einem Halbrohr mit dem mit den Teilen (20, 30) entsprechenden
Radius (r) und einer parallel zur Zentralachse (I) angeordneten ebenen Flächen (42)
und in dem dem Abgasanschluß (50) zugewandten Bereich durch eine im wesentlichen halbkreisförmige
parallel zur Abgasanschlußachse angeordnete Kappe (43).
2. Entgasungsgefäß nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Neigung zwischen der ebenen Flache (31) und der Zentralachse (I) 30 bis 60
Grad beträgt.
3. Entgasungsgefäß nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Abstand (a) von der ebenen Fläche (31) in gleicher Größe gewählt wird wie
der Radius (R) des im rechten Winkel zum Heizstab (13) größten Abstandes der Feuerfestauskleidung
(12) des rohrförmigen Mantelstücks (11) .
4. Entgasungsgefäß nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die an der zum Gefäßinneren eine Feuerfestauskleidung (12) aufweisende ebene Fläche
(42) in der Weise angeordnet ist, daß in der Draufsicht des Entgasungsgefäßes (10)
der Heizstab (13) gegen aus dem Oberteil (40) herabfallende Teile geschützt im Schatten
angeordnet ist.
5. Entgasungsgefäß nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß die durchströmbare Durchtrittsfläche (A) des Oberteils (40) eine Größe aufweist,
die den 0,9 bis 1,1-fachen der Durchtrittsfläche (F) des Abgasanschlusses (15) entspricht.