[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Pumpensystem zur Förderung von flüssigen oder
gasförmigen Medien gemäß dem Gattungsbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Solche Pumpensysteme zählen in den verschiedensten Ausführungsformen und für die
verschiedensten Zwecke zum Stand der Technik. Jedes dieser Systeme hat sich für den
ihr zugeordneten Zweck bewährt, ist aber auch mit Nachteilen behaftet. Im einen Fall
muß sehr niederfrequent gearbeitet werden, im anderen Fall ist die Trägheit des Antriebs
zu groß oder im dritten Fall sind die Verlustleistungen zu hoch usw.
[0003] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Pumpensystem der eingangs
genannten Art aufzuzeigen, dessen Pumpfrequenzen bis in den kHz-Bereich und höher
reichen, eine schnelle Regelbarkeit aufweisen, nahezu verlustleistungsfrei sind und
kaum einem Verschleiß unterliegen.
[0004] Diese Aufgabenkombination wird durch die im Anspruch 1 aufgezeigten Maßnahmen in
überraschend einfacher zuverlässiger Weise gelöst. In den Unteransprüchen sind Weiterbildungen
und Ausgestaltungen angegeben und in der nachfolgenden Beschreibung werden Ausführungsbeispiele
erläutert. Die Figuren der Zeichnung ergänzen diese Erläuterungen. Es zeigen:
- Fig. 1
- einen Querschnitt durch ein Ausführungsbeispiel in schematischer Darstellung,
- Fig. 2
- eine perspektivische Skizze für ein Ausführungsbeispiel mit gerollter Piezofolie in
schematischer Darstellung,
- Fig. 3
- eine perspektivische Skizze für ein Ausführungsbeispiel mit gefalteter Piezofolie
in schematischer Darstellung.
[0005] Wie aus der Figur 1 der Zeichnung hervorgeht, basiert das dort dargestellte Pumpensystem
auf einer beidseitig elektrisch leitend beschichteten Folie 10 aus einem piezoelektrischen
Material - beispielsweise PVDF (Polyvinylidendifluorid). Diese Piezofolie 10 befindet
sich nun gefaltet (Fig. 3) oder doppellagig gerollt (Fig. 2) in einem mit Flüssigkeit
15 mit geringer Kompressibilität gefüllten Druckgefäß DG, welches mit einer Membran
16 zum Rezipienten 13 hin abgeschlossen ist. Dem Rezipienten 13 sind ein Einlaßventil
14a und ein Auslaßventil 14b zugeordnet. Über elektrische Anschlüsse 11 wird an die
Piezofolie 10 eine elektrische Steuerspannung 12 angelegt, die eine Polarisation und
damit eine Änderung der Foliendicke bewirkt. Der hierdurch veränderte Druck im Druckgefäß
DG bewegt nun die Membran 16, die ihrerseits das Volumen des Rezipienten 13 variiert.
[0006] Durch periodische Spannungsänderung wird nun in Verbindung mit den beiden Ventilen
14a, 14b eine Pumpwirkung erzielt. Damit ist aber nun ein Pumpensystem geschaffen,
das sehr hochfrequent arbeitet (kHz-Bereich und höher), aufgrund der geringen Trägheit
des Antriebes eine schnelle Regelbarkeit aufweist und da die Piezoelektrika im Prinzip
leistungsfrei steuerbar sind, nur sehr geringe Verlustleistungen auftreten, weil ohmsche
und induktive Verluste völlig entfallen. Weiterhin ist noch wesentlich, daß dieses
Pumpensystem nahezu verschleißfrei ist.
[0007] Die Spannungsänderung und damit die Dickenänderung haben so schnell zu erfolgen,
daß aufgrund der Massenträgheit der Folie und der Flüssigkeit (bei der gefalteten
Folie) die Querkontraktion der Dickenänderung nicht folgen kann. Daraus resultiert
die Volumenänderung der Folie.
[0008] Für den quasistatischen bzw. langsam veränderlichen Betrieb muß die Querkontraktion
durch die Dicke und durch die elastischen Eigenschaften mindestens einer der elektrisch
leitenden Beschichtungen (Elektroden) verhindert werden, beispielsweise durch eine,
mit der piezoelektrischen Folie verklebten Al-Folie con ca. 1/10 der Dicke der piezoelektrischen
Folie aus PVDF.
[0009] In einem weiteren Ausführungsbeispiel wird vorgeschlagen, anstelle einer Membran
13 das Druckgefäß DG durch einen Zylinder mit Kolben (nicht gezeichnet) abzuschließen,
wobei der Durchmesser des Zylinders dem gewünschten Kolbenhub angepaßt werden muß.
Dies ist für jeden Fachmann, der das vorliegende Pumpensystem kennengelernt hat, problemlos
zu realisieren.
[0010] Nachstehend soll rechnerisch ein Ausführungsbeispiel aufgezeigt werden. Hierbei wird
ein zylindrisches Druckgefäß DG mit einem Durchmesser D = 30 mm, einer Höhe H = 50mm
und damit mit einem Volumen V = 35 cm³ zugrunde gelegt. Die Dicken-Dimensionierung
der Piezofolie 10 soll 100 µm sein. Wie vorstehend bereits ausgeführt, muß die Folie
10 so gefaltet oder doppellagig gerollt im Druckgefäß DG untergebracht werden, daß
keine Kontaktierung der beiden Kontaktflächen auftreten kann.
[0011] Die Folienfläche, die maximal in dem Volumen V des Druckgefäßes DG untergebracht
wird, ist A
F = 3.500 cm². Unter Zugrundelegung eines Füllfaktors F
f = 0,6 wird A
Feff = 2.000 cm².
[0012] Die Änderung der Dicke D der Piezofolie 10 bei einer elektrischen Spannung von 1.000
V beträgt 1 Promille: ΔD = 0,1 µm. Daraus ergibt sich unter der Voraussetzung, daß
die Änderung der Dicke D nicht durch gegenläufige Änderung von Länge oder Breite der
Folie 10 kompensiert werden kann:
Das Druckgefäß 10 ist mit einer inkompressiblen Flüssigkeit - beispielsweise Glyzerin
mit K = 4.7 x 10³ MPa - gefüllt.
[0013] Die Druckänderung durch Volumenänderung errechnet sich aus:
dies entspricht ungefähr 27 bar.
[0014] Wird nun nicht eine Membran sondern ein Zylinder mit Kolben an das Druckgefäß 10
angeschlossen, so wird ein Durchmesser von D
K = 2mm und eine Fläche von A
K = 3mm² angenommen. Die Durchrechnung dieses Ausführungsbeispiels ergibt, daß der
Kolben mit einer Kraft von 8,1 N und einem Hub von 6 mm bewegt wird.
1. Pumpensystem zur Förderung von flüssigen oder gasförmigen Medien in einem Druckgefäß,
das mittels einer Membran zum Rezipienten hin abgeschlossen ist, dadurch gekennzeichnet, daß beidseitig elektrisch leitend beschichtete Folien (10) aus einem piezoelektrischen
Material gefaltet oder doppellagig mit einem bestimmten Zwischenraum voneinander gerollt
in dem entsprechend geformten Druckgefäß (DG) in einer Flüssigkeit (15) mit geringer
Kompressibilität angeordnet und über elektrische Anschlüsse (11) mit einer Spannungsquelle
(12) verbunden sind, deren periodische elektrische Spannungen eine Änderung der Foliendicke
bewirken, die über die Membran (16) das Volumen des Rezipienten (13) variieren, wobei
dem Rezipienten (13) ein Einlaß- (14a) und ein Auslaßventil (14b) zugeordnet sind.
2. Pumpensystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Druckgefäß (DG) anstelle einer Membran (16) einen Zylinder mit Kolben als
Abschluß aufweist, wobei der Zylinderdurchmesser dem gewünschten Kolbenhub entsprechend
bemessen ist.
3. Pumpensystem nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß als piezoelektrisches Folienmaterial PVDF (Polyvinylidendifluorid) verwendet
wird.
4. Pumpensystem nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Piezofolien (10) im Druckgefäß (DG) so gefaltet oder doppelt gerollt angeordnet
sind, daß eine Kontaktierung der Folienflächen miteinander ausgeschlossen ist.
5. Pumpensystem nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die inkompressible Flüssigkeit (15) im Druckgefäß (DG) Glyzerin ist.