[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Schmiermittel zum Warmwalzen von Stahlprofilen
in einem Walzgerüst bestehend aus einer Borat und Phosphat enthaltenden wässrigen
Lösung.
[0002] Derartige Schmiermittel, auch Kalibertrennmittel oder Kaliberschmiermittel genannt,
sind bereits aus der DE-AS 1 050 486 bekannt. Sie dienen dazu, Walzgut und Walzenwerkstoff
beim Durchlauf des Walzgutes durch das Walzgerüst möglichst frei von Verschweißungen
zwischen dem Walzgut und dem Walzenwerkstoff des Walzenwerkzeugs zu halten sowie den
Reibungswiderstand zwischen dem Walzgut und dem Walzenwerkzeug zu verringern,um dadurch
einerseits eine glatte Oberfläche des Walzgutes und andererseits eine möglichst geringe
Werkzeugabnutzung sowie einen innerhalb wirtschaftlich vertretbarer Grenzen liegenden
Arbeitsaufwand zu erreichen. Der zuvor verwendete Begriff Kaliber bezeichnet in der
Walztechnik den zwischen umlaufenden Rillen der einen Walze und den Rillen der Gegenwalze
sich ergebenden Querschnitt, den das Walzgut beim Durchlauf des Walzgerüstes annehmen
soll.
[0003] Der Begriff Kalibrieren bezeichnet in diesem Zusammenhang die Ermittlung der zur
Umformung erforderlichen Querschnittsform und ihre Aufeinanderfolge.
[0004] Üblicherweise werden die Walzenkörper beim Warmwalzen der Stahlprofile mittels Kühlwasser
gekühlt. Dadurch kann ein Verdünnungseffekt des Schmiermittels verursacht werden,
so daß dieses keine ausreichende Schmierwirkung mehr gewährleisten kann. Aus diesem
Grund hat das bekannte Borat und Phosphat enthaltende Schmiermittel bislang keine
Verbreitung in der Praxis gefunden. Um die geforderte Schmier- und Trennwirkung zu
gewährleisten, ist es beim Warmwalzen von Stahlprofilen außerdem erforderlich, daß
das aus einer Salzlösung der beiden vorgenannten Komponenten bestehende Schmiermittel
eine ausreichend hohe Salzkonzentration aufweist. Eine wässrige Lösung allein auf
Borat- und Phosphatbasis kann diese Forderung nicht erfüllen, da in einer solchen
Lösung lediglich Sättigungskonzentrationen von ca. 7 Gew.-% bei Raumtemperatur erreichbar
sind.
[0005] Als Kaliberschmiermittel werden in der Praxis überwiegend Gemische auf Mineralölbasis,
zum Beispiel Öl-Bitumen-Gemische, eingesetzt. Solche Gemische ermöglichen zwar eine
gute Trennung zwischen dem Walzenkörper und dem Walzgut, weil die beim Verbrennen
entstehenden Crack-Produkte Verschweißungen zwischen dem Walzgut und dem Walzenwerkstoff
des Walzenkörpers vermeiden und dadurch eine bessere Haltbarkeit der Walzen gewährleisten.
Andererseits verursachen Schmiermittel auf Mineralölbasis beim Warmwalzen von Stahlprofilen
in einem Walzgerüst eine starke Rauch- und Qualmentwicklung, die zum einen zu einer
gesundheitsschädlichen Belastung für das Personal und zum anderen zu einer großen
Umweltbelastung infolge verschmutzten Abwassers und belasteter Abluft führen kann.
Eine solche Rauch- und Qualmentwicklung kann auch zur Sichtbehinderung für das Personal
führen. Um derartige negative Folgen zu vermeiden und damit den heutigen Anforderungen
der Arbeitsmedizin und der Umwelttechnik zu genügen, ist bereits vorgeschlagen worden,
siehe H. Matthes, Tribologische Probleme und darauf abgestimmte neuere Schmierstoffe
beim Warm- und Halbwarm-Umformen, in Technische Akademie Esslingen, 3. Internationales
Kolloquium "Schmierstoffe in der Metallbearbeitung", 1982, Band I, Seite 28.1 bis
28.5, die entstehenden Dämpfe abzusaugen und in Filtern zu reinigen. Die Verwendung
eines solchen Schmiermittels führt deshalb letztlich zu hohen Investitions- und Betriebskosten
der gesamten Walzanlage. Im übrigen können sich die Mineralölprodukte dieses Schmiermittels
bei den beim Warmwalzen auftretenden hohen Temperaturen thermisch zersetzen, so daß
das Walzgut anschließend auch von den bei der thermischen Zersetzung entstehenden
Produkten, zum Beispiel Ölkohle, zu säubern ist.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Schmiermittel der eingangs angegebenen
Art zu schaffen, das eine Schmierwirkung auch unter extremen Walzbedingungen aufrecht
erhält und umweltfreundlicher als die bekannten Schmiermittel auf Mineralölbasis ist.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß bei einem Schmiermittel der oben erwähnten Art
dadurch gelöst, daß die wässrige Lösung ferner Ethylenglykol (C₂H₄(OH)₂) enthält.
[0008] Ein derartiges Schmiermittel ermöglicht auf der einen Seite die umweltfreudliche
Verwendung von Salzen bei der Warmumformung von Metallen und gewährleistet auf der
anderen Seite eine ausreichende Schmierwirkung in allen Temperaturbereichen des zu
bearbeitenden Stahlprofils von ca. 500 bis 1200°C. Zur Aufrechterhaltung der Schmier-
bzw. Trennwirkung sind bei eutektischen Salzgemischen nur geringe Auftragsmengen erforderlich,
da diese Gemische keine hydrodynamische Schmierung hervorrufen, sondern sogenannte
monomolekulare Gleitschichten bilden. Die Zugabe von Ethylenglykol verbessert die
Löslichkeit des Borats in der wässrigen Lösung, so daß diese eine erhöhte Kältestabilität
aufweist. Somit kann das erfindungsgemäße Schmiermittel auch bei winterlichen Temperaturen
um etwa 0°C unproblematisch gelagert werden. Eine bei den bekannten Schmiermitteln
erforderliche Aufheizung auf ca. 30 bis 40°C zur Aufrechterhaltung einer geeigneten
Viskosität ist damit entbehrlich. Insbesondere bei aufgesprühten Schmiermitteln kann
es bei Abkühlung nicht zu Ausfällungen und dadurch bedingten Verstopfungen der Düsen
kommen.
[0009] Vorteilhafterweise beträgt der Anteil des Ethylenglykols in der wässrigen Lösung
16 bis 50 Gew.-%. Dadurch ist eine ausreichende Schmierwirkung selbst dann gewährleistet,
wenn die zur Kühlung der Walzen erforderlichen Kühlwassermengen einen nicht unbeträchtlichen
Verdünnungseffekt des Schmiermittels bewirken.
[0010] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung des Erfindungsgegenstandes ist das Borat ein
Alkalitetraborat, vorzugsweise Natriumtetraborat (Na₂B₄O₇) mit einem Anteil von 6
bis 20 Gew.-% in der wässrigen Lösung,und das Phosphat ein Alkaliphosphat, vorzugsweise
Natriumphosphat (Na₂HPO₄) mit einem Anteil von 3 bis 10 Gew.-% in der wässrigen Lösung.
Diese Salze sind wärmebeständig, öl- und fettfrei sowie wasserlöslich. Sie bilden
beim Aufgeben auf die umzuformenden Stahlprofile auch bei hohen Temperaturen keinen
Qualm oder Rauch, sind deshalb insbesondere für das Personal aus arbeitsmedizinischer
Sicht unproblematischer als Schmiermittel auf Mineralölbasis. Darüber hinaus können
diese Gemischkomponenten leicht aufgefangen, regeneriert und wiederverwertet oder
entsorgt werden.
[0011] Vorzugsweise besteht die wäßrige Lösung aus 13,3 Gew.-% Borat, 6,7 Gew.-% Phosphat,
33,3 Gew.-% Ethylenglykol und 46,7 Gew.-% Wasser. Ein eine derartige wäßrige Lösung
enthaltendes Schmiermittel hat sich im praktischen Einsatz zur Schmierung eines Walzgerüstes
bewährt, da es auch bei walztechnisch schwierigen, tief eingeschnittenen Profilen
eine gute Schmierung und damit eine problemlose Walzung zum Beispiel eines Spundbohlenprofils
ohne Rauch- und Qualmentwicklung bei möglichst umweltschonenden Anteilen der Salzkomponenten
und des Ethylenglykols ermöglicht.
[0012] Vorzugsweise enthält die wäßrige Lösung ein Verdickungsmittel, beispielsweise ein
thixotropes Verdickungsmittel auf Xanthan-Basis. Dadurch ist eine Verminderung des
Schmiermittelverbrauchs und eine Verbesserung der Haftfähigkeit des Schmiermittels
auf dem jeweiligen Stahlprofil möglich.
[0013] Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung des Schmiermittels beträgt der Anteil des
Verdickungsmittels in der wäßrigen Lösung etwa 0,5 Gew.-%, wobei die wäßrige Lösung
vorzugsweise 9,0 Gew.-% Borat, 6,0 Gew.-% Phosphat, 28,0 Gew.-% Ethylenglykol, 0,5
Gew.-% Verdickungsmittel und 56,5 Gew.-% Wasser enthält. Bei einem solchen Schmiermittel
ist eine Verminderung des Schmiermittelverbrauchs um ca. 2,5 kg pro Tonne Stahlprofil
möglich, wobei der Schmiermittelverbrauch bei einer wäßrigen Lösung ohne Verdickungsmittel
etwa 6 bis 8 kg Pro Tonne Stahlprofil beträgt.
[0014] Das Kälteverhalten des das Verdickungsmittel enthaltende Schmiermittels ist im Vergleich
zu einem Schmiermittel ohne Verdickungsmittel verbessert.
[0015] Auch aufgrund der unterschiedlichen Umfangsgeschwindigkeiten des Walzenkörpers im
Flankenbereich hervorgerufene tribologisch kritische Bereiche werden von dem erfindungsgemäßen
Schmiermittel gut benetzt und geschmiert. Die erhaltenen Profile zeigen im Vergleich
zu den konventionell geschmierten Werkstücken eine entzunderte und leicht phosphatierte
Oberfläche gleichmäßiger Struktur. Es ist aber auch möglich, eine höher konzentrierte
oder eine niedriger konzentrierte wäßrige Lösung für das Schmiermittel zu verwenden.
[0016] Die höher konzentrierte Lösung enthält vorzugsweise
| 20 Gew.-% |
Borat |
| 10 Gew.-% |
Phosphat |
| 50 Gew.-% |
Ethylenglykol |
| 20 Gew.-% |
Wasser. |
[0017] Eine niedriger konzentrierte wässrige Lösung enthält vorzugsweise
| 10 Gew.-% |
Borat |
| 5 Gew.-% |
Phosphat |
| 28 Gew.-% |
Ethylenglykol |
| 57 Gew.-% |
Wasser. |
[0018] Selbst eine nochmalige Verdünnung der wässrigen Lösung auf
| 6,7 Gew.-% |
Borat |
| 3,3 Gew.-% |
Phosphat |
| 16,7 Gew.-% |
Glykol |
| 73,3 Gew.-% |
Wasser |
entfaltet zumindest bei den ersten Durchläufen (Stichen) des Walzgutes durch das Walzgerüst
eine ausreichende Schmierwirkung.
[0019] Das Verdickungsmittel ist vorzugsweise ein Polysaccharid hoher Molmasse und wird
in der Praxis unter dem Namen Kelzan
R vertrieben. Dieses auf Xanthan basierende Verdickungsmittel eignet sich besonders
für wäßrige Lösungen, zum Beispiel in Hydroschmiermitteln, Reinigern und Entfettern.
[0020] Die jeweilige Zusammensetzung der wäßrigen Lösung ohne Zugabe eines Verdickungsmittels
beeinflußt die Verbrauchswerte an Schmiermittel pro Tonne Stahlprofil nur unwesentlich,
wie anhand experimenteller Untersuchungen festgestellt worden ist.
[0021] Versuche im praktischen Einsatz haben gezeigt, daß das erfindungsgemäße Schmiermittel
besonders vorteilhaft mittels Düsen auf das Walzgut bzw. den/die Walzenkörper aufgesprüht
werden kann. Es hat sich gezeigt, daß die Wahl von Sprühdüsen mit im Vergleich zu
Sprühdüsen für herkömmliche Schmiermittel reduzierten Strömungsquerschnitten bei gleichem
Sprühdruck zu besseren Schmier- und Trennergebnissen führt. Damit läßt sich die Auftragsmenge
an wässriger Lösung im Hinblick auf möglichst niedrige Verbrauchswerte optimieren.
Damit ist es unter Beibehaltung der geforderten Schmier- und Trennwirkung möglich,
die erforderliche Verbrauchsmenge an Schmiermittel zu reduzieren, so daß insgesamt
eine geringere Umweltbelastung und geringere Herstellungskosten erzielt werden können.
1. Schmiermittel zum Warmwalzen von Stahlprofilen in einem Walzgerüst, bestehend aus
einer Borat und Phosphat enthaltenden wäßrigen Lösung, dadurch gekennzeichnet, daß die wäßrige Lösung ferner Ethylenglykol (C₂H₄(OH)₂) enthält.
2. Schmiermittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Anteil des Ethylenglykols in der wäßrigen Lösung 16 bis 50 Gew.-% beträgt.
3. Schmiermittel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Borat ein Alkalitetraborat, vorzugsweise Natriumtetraborat (Na₂B₄O₇) ist.
4. Schmiermittel nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Anteil des Borats in der wäßrigen Lösung 6 bis 20 Gew.-% beträgt.
5. Schmiermittel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Phosphat ein Alkaliphosphat, vorzugsweise Natriumphosphat (Na₂HPO₄) ist.
6. Schmiermittel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Anteil des Phosphats in der wäßrigen Lösung 3 bis 10 Gew.-% beträgt.
7. Schmiermittel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, daß die wäßrige Lösung
| 13,3 Gew.-% |
Borat |
| 6,7 Gew.-% |
Phosphat |
| 33,3 Gew.-% |
Ethylenglykol |
| 46,7 Gew.-% |
Wasser |
enthält.
8. Schmiermittel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die wäßrige Lösung ein Verdickungsmittel, vorzugsweise ein thixotropes Verdickungsmittel
auf Xanthan-Basis enthält.
9. Schmiermittel nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Anteil des Verdickungsmittels in der wäßrigen Lösung etwa 0,5 Gew.-% beträgt.
10. Schmiermittel nach Anspruch 8 oder 9, dadurch
gekennzeichnet, daß die wäßrige Lösung
| 9,0 Gew.-% |
Borat |
| 6,0 Gew.-% |
Phosphat |
| 28,0 Gew.-% |
Ethylenglykol |
| 0,5 Gew.-% |
Verdickungsmittel |
| 56,5 Gew.-% |
Wasser |
enthält.