Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft eine Steuervorrichtung zur Steuerung des Vortriebs eines Vortriebskopfes,
beispielsweise für eine Tunnelbohrmaschine), mit einem Signalgeber, von welchem Steuersignale
im Sinne einer Führung des Vortriebskopfes längs einer vorgegebenen Bahn ableitbar
sind.
Zugrundeliegender Stand der Technik
[0002] Es ist bekannt, bei Tunnelbohrmaschinen die Vermessung und Steuerung des Vortriebs
des Vortriebskopfes beispielsweise durch einen Theodoliten oder einen Laserstrahl
als Leitstrahl vorzunehmen, vgl. z.B. D. Stein, K. Möllers und R. Bielecki; "Leitungstunnelbau";
Ernst und Sohn, Verlag für Architektur und technische Wissenschaften, Berlin 1988,
Seiten 195 bis 204. Dabei trifft der Laserstrahl über grössere Entfernungen auf eine
mit Photodioden besetzte Zieltafel die als Matrix geschaltet ist und sich im Vortriebskopf
der Tunnelbohrmaschine befindet. Bei kleineren Entfernungen bis zu 40 Meter kann auch
ein Theodolit in Verbindung mit einer beleuchteten Zielscheibe im Vortriebskopf eingesetzt
werden.
[0003] Weicht der Vortrieb des Vortriebskopfes von der Ausrichtung zu der Sollachse ab,
die durch den Laserstrahl vorgegeben wird, so werden aussermittig an der Zielscheibe
angeordnete Photodioden von dem Laserstrahl beaufschlagt. Dadurch werden Steuersignale
erzeugt, die auf die Steuereinheit des Vortriebskopfes einwirken und dadurch den Vortrieb
wieder auf die Ausrichtung zur Sollachse zurückführen.
[0004] Die Verwendung eines Laserstrahls, also eines Lichtstrahls zur Steuerung des Vortriebs
ist mit einer Reihe von Nachteilen verbunden, die durch die Eigenschaften des Laserstrahls
bedingt sind und die Durchführung der Steuerung negativ beeinflussen. Dazu gehört,
dass ungleichmässige Erwärmungen der Luft im Tunnelrohr Luftschichtungen hervorrufen
können, die den Laserstrahl brechen und dadurch eine bogenförmige Abweichung von der
Sollachse bewirken. Durch Luftturbulenzen im Tunnelrohr kann der Laserstrahl ferner
so weit deformiert werden, dass die Steuerung unmöglich gemacht wird. Wird der Vortriebsweg
durch Hindernisse so stark aus dem vorgeschriebenen Vortriebsweg gedrängt, dass der
Laserstrahl nicht mehr auf die Zieltafel trifft, wird die Vortriebssteuerung ebenfalls
unmöglich gemacht. Schliesslich besteht ein grundsätzlicher Nachteil der Laserstrahlsteuerung
darin, dass wegen der geradlinigen Fortpflanzung des Laserstrahls ein gekrümmter Vortriebsweg
nicht durchlaufen werden kann.
[0005] Aus der genannten Literaturstelle (Seiten 201 und 202) ist weiterhin eine Laser-Positions-
und Richtungsüberwachungseinrichtung bekannt, bei welcher ein mit einer Vortriebsmaschine
verbundenes optisches Empfangsgerät "aktive Zieltafeln" aufweist, die von einem Laserstrahl
beaufschlagt sind und Ablagesignale liefern. In dem optischen Empfangsgerät sind zwei
um 90° versetzte Neigungsmesser vorgesehen, welche den Rollwinkel und den Nickwinkel
des Empfangsgerätes liefern. Aus den Ablagesignalen und Roll- und Nickwinkel liefert
ein Steuerrechner die Parallelabweichungen sowie den Gierwinkel bezogen auf den Laserstrahl.
[0006] Auch hier wird die Vortriebsmaschine nach einem Laserstrahl geführt.
[0007] Es ist weiterhin bekannt eine Vortriebsmaschine durch eine CCD-Kamera zu steuern.
Die CCD-Kamera beobachtet eine an dem Vortriebskopf angebrachte Zielscheibe. Deren
Auslenkungen aus einer Sollage werden von der CCD-Kamera erfasst und in Steuersignale
umgesetzt. An der CCD-Kamera sind Neigungsmesser angebracht. Dadurch wird die Lage
der CCD-Kamera bestimmt. Auch hier machen sich temperaturbedingte Brechungen in Luftschichten
genau wie bei der Steuerung nach einem Laserstrahl störend bemerkbar.
[0008] Es ist weiterhin bekannt, die Vortriebsrichtung mittels eines nordsuchenden Kreisels
oder eines Kreiselkompasses zu bestimmen. Dabei wird die Lage der Vortriebsmaschine
mit dem Kreisel diskontinuierlich nach dem Einbau jedes Rohres bestimmt und die Winkelabweichung
zu Nord notiert. Durch ein Rechnerprogramm wird daraus die Vortriebsrichtung bestimmt.
[0009] Durch die US-A-4 823 626 und die EP-A-0 251 157 ist eine Trägheitssensoranordnung
mit zwei elektrisch gefesselten, dynamisch abgestimmten Kreiseln und drei Beschleunigungsmessern
bekannt. Die Kreisel bestimmen drei zueinander senkrechte Eingangsachsen. Abgriffsignale
werden nach A/D-Wandlung einem digitalen Rechner zugeführt, der einen Teil der Fesselkreise
bildet. Die Ausgangssignale sind auf einen D/A-Wandler geschaltet, der entsprechende
Ströme auf die Drehmomenterzeuger der Kreisel gibt.
[0010] Einen elektrisch gefesselten Kreisel mit digitalem Fesselkreis zeigt auch die US-A-4
282 470.
[0011] Die DE-C-29 22 415 zeigt ein Navigationsgerät für Land-, Luft- oder Seefahrzeuge.
Das Navigationsgerät enthält eine inertiale Sensoreinheit mit einem zweiachsigen elektrisch
gefesselten Kreisel und zwei Beschleunigungsmessern. Aus den Signalen der Sensoreinheit
werden Lageparameter gewonnen. Aus den Lageparametern und Geschwindigkeitsinformationen
von einem Geschwindigkeitsgeber wird die Position berechnet.
Offenbarung der Erfindung
[0012] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Steuereinrichtung für einen Vortriebskopf
(z. B. für eine Tunnelbohrmaschine) so auszubilden, dass sie eine kontinuierliche,
genaue Steuerung des Vortriebskopfes bzw. seines Trägers weitgehend unabhängig von
äusseren Einflüssen gestattet.
[0013] Erfindungsgemäss wird diese Aufgabe dadurch gelöst, dass als Steuersignalgeber mit
dem Vortriebskopf bzw. seinem Träger eine autonome, auf Lageänderungen im Raum ansprechende
inertiale Sensoreinheit verbunden ist.
[0014] Die inertiale Sensoreinheit kann mit Kreiseln und Beschleunigungsmessern aufgebaut
sein. Die Sensoren der inertialen Sensoreinheit können aber auch Drehgeschwindigkeitssensoren
enthalten, die auf dem Sagnac-Effekt beruhen, z.B. "Laserkreisel".
[0015] Auf diese Weise werden die Steuersignale von einer autonomen inertialen Sensoreinheit
geliefert, die mit dem Vortriebskopf verbunden ist. Die Sensoreinheit ist unabhängig
von einem Laserstrahl oder den Sichtverhältnissen einer CCD-Kamera. Die Sensoreinheit
liefert aber kontinuierlich Steuersignale.
[0016] Um den Einfluss von Driften der inertialen Sensoren zu vermindern, ist zweckmässigerweise
die Sensoreinheit an den Vortriebskopf durch lösbare Verbindungsmittel in definierter
Lage ankuppelbar und zur Driftkorrektur wahlweise in eine genau vermessene Ausgangsposition
zurückführbar. Diese Vermessung der Ausgangsposition kann mittels eines Meridiankreisels
erfolgen. Die Sensoreinheit wird bei einer nach der Schildbauweise arbeitenden Tunnelbohrmaschine
zweckmässigerweise jedesmal dann in die Ausgangsposition zurückgeführt, wenn ein neuer
Rohrabschnitt in die Tunnelbohrung eingeführt wird.
[0017] Dabei kann vorteilhafterweise die Sensoreinheit in einem in der Tunnelbohrung verlaufenden
Führungsrohr geführt sein. Die Sensoreinheit kann dann durch Führungsglieder in dem
Führungsrohr in definierter Lage zu dessen Wandung geführt sein.
[0018] Bei einer bevorzugten Ausführung enthält die Sensoreinheit einen zweiachsigen, elektrisch
gefesselten Wendekreisel mit zwei zueinander und zu der Drallachse senkrechten Eingangsachsen.
Weiterhin weist die Steuereinheit zwei Beschleunigungsmesser auf, die auf Beschleunigungen
in Richtung einer der Eingangsachsen bzw. der Drallachse des zweiachsigen Wendekreisels
ansprechen.
[0019] Zur Bestimmung nicht nur der Lage sondern auch der Position des Vortriebskopfes kann
ein Weggeber vorgesehen sein, der ein Mass für den Vorschubweg der Sensoreinheit bezogen
auf einen Referenzpunkt liefert, wobei Mittel zur Bestimmung der Position der Sensoreinheit
aus Lagesignalen der Sensoreinheit und Wegsignalen des Weggebers nach der Methode
der Koppelnavigation vorgesehen sind. Der Weggeber kann dabei aus einem Kabel bestehen,
das von einem im Referenzpunkt oder einem sonstigen bekannten und vermessenen Punkt
angeordneten Kabelspeicher abwickelbar ist. Das Kabel kann gleichzeitig Versorgungs-
und Messleitungen der Sensoreinheit enthalten.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen:
[0020] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist nachstehend unter Bezugnahme auf die zugehörigen
Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen
- Fig. 1
- eine schematische Längsschnittansicht einer Tunnelbohrmaschine, die mit der erfindungsgemässen
Steuereinrichtung ausgerüstet ist;
- Fig. 2
- eine Detailansicht von Fig. 1 in vergrössertem Maßstab;
- Fig. 3
- einen Querschnitt durch die Tunnelbohrmaschine nach Fig. 2 entlang der Linie 3-3 in
Fig. 2;
- Fig. 4
- eine schematische Seitenansicht des Gehäuses der Sensoreinheit in der Tunnelbohrmaschine
nach Fig. 2.
- Fig. 5
- eine Draufsicht auf die Sensoreinheit von Fig. 4,
- Fig. 6
- zeigt den Aufbau der als Referenzpunkt für die Sensoreinheit dienenden Start- und
Referenzrampe mit einer Kabeltrommel des Weggebers und die Anordnung dieser Teile
in bezug auf eine Pressvorrichtung, durch welche Rohrabschnitte in die Tunnelbohrung
hineinschiebbar sind.
- Fig. 7
- zeigt als Blockdiagramm die intertiale Sensoreinheit und die Verarbeitung der von
dieser gelieferten Signale.
Bevorzugte Ausführung der Erfindung
[0021] In der schematischen Längsschnittansicht von Fig. 1 erkennt man im Erdreich 1 eine
nach der Schildbauweise arbeitenden Tunnelbohrmaschine 2 mit einem Vortriebskopf 4,
der in einer Vortriebsrichtung von links nach rechts entlang einer Sollachse 6 von
einer Startbaugrube 1A in das Erdreich 1 vorgetrieben wird. Die von dem Vortriebskopf
4 gebohrte Tunnelbohrung 8 ist mit einem Tunnelrohr 10 ausgekleidet, das am rückwärtigen
Ende der Tunnelbohrung 8 durch eine an sich bekannte und daher nicht weiter beschriebene
Tunnelrohreinführung 12 in die Tunnelbohrung 8 eingeführt wird.
[0022] Innerhalb des Tunnelrohres 10 verläuft ausgehend vom rückwärtigen Ende des Vortriebskopfes
4 eine Fördereinrichtung 14 für das von dem Vortriebskopf 4 ausgebrochene Gestein.
In dem dargestellten Ausführungsbeispiel ist diese als rohrförmige Fördereinrichtung
ausgebildet, in deren Innerem das ausgebrochene Gestein durch bekannte Fördermittel
abgefördert und ausgetragen wird.
[0023] Zwischen dem Tunnelrohr 10 und der rohrförmigen Fördereinrichtung 14 befindet sich
ein Laufrohr 16, in dem eine Sensoreinheit 18 geführt ist. Die Sensoreinheit 18 ist
in der weiter unten beschriebenen Weise mit dem Vortriebskopf 4 lösbar verbunden und
an ein Kabel 20 angeschlossen, das alle Versorgungs- und Datenübertragungsleitungen
für die Sensoreinheit 18 enthält. Das Kabel 20 ist in einem Strang ohne Verbindungselemente
ausgebildet und an einer Trommel 22 auf- und abwickelbar, wodurch die Sensoreinheit
18 in dem Laufrohr 16 verfahren wird. Das Kabel 20 ist durch eine nur schematisch
angedeutete Verbindungsleitung 24 mit einer oberirdisch angeordneten Steuereinheit
26 verbunden. Durch die Verbindungsleitung 24 werden von der Sensoreinheit 18 ausgehende
Steuersignale der Steuereinheit 26 zugeführt, die den Vortrieb des Vortriebskopfes
4 überwacht und entsprechend den von der Sensoreinheit 18 ausgehenden Steuersignalen
steuert. Die Verbindungsleitung 24 soll ferner andeuten, dass über diese Verbindungsleitung
24 die Trommel 22 angesteuert wird, um das Kabel 20 auf- oder abzuwickeln und dadurch
die Sensoreinheit 18 entsprechend in dem Laufrohr 16 zu verfahren. Die Trommel 20
enthält eine übliche Weglängenmesseinrichtung, die zur Messung der abgewickelten Kabellänge
dient und an die Steuereinheit 26 angeschlossen ist.
[0024] Im einzelnen enthält die Sensoreinheit einen konventionell gebauten, dynamisch abgestimmten
Kreisel, der mit zwei linearen Beschleunigungsmessern in zwei zueinander orthogonalen
Messachsen versehen ist und dadurch auf Azimutal- und Nickbewegungen anspricht. In
der Startbaugrube 1A befindet sich eine Start- und Referenzrampe als Referenzpunkt
15, über welche die Sensoreinheit 18 ausgerichtet und mit Hilfe eines Teleskoprohres
in das Laufrohr 16 ein- und ausgefahren wird. Die Start- und Referenzrampe wird zum
Beispiel durch terrestrische Vermessung oder mittels eines nordsuchenden Kreisels
mit einer Winkelgenauigkeit von 1,5 Winkelminuten azimutal ausgerichtet.
[0025] Die Steuereinheit 26 enthält einen Navigationsrechner, der die von der Sensoreinheit
18 und der Weglängenmesseinrichtung ausgehenden Signale empfängt und auswertet. Dabei
ist eine Koppelnavigation der Sensoreinheit 18 dadurch möglich, dass der dynamisch
abgestimmte Kreisel mit den beiden linearen Beschleunigungsmessern in konventioneller
Weise die Drehgeschwindigkeiten um die Azimut- und Nickachse und daraus durch Integration
die jeweiligen Drehwinkel und die Weglängenmesseinrichtung Signale über den zurückgelegten
Weg liefert. Von den Beschleunigungsmessern ausgehende Signale werden in zweifacher
Weise genutzt: einerseits wird durch Rückführung dieser Signale der Lagealgorithmus
gerechnet; andererseits werden die momentanen Signale zur Fehlerkompensation der beschleunigungsabhängigen
Fehlerterme des Kreisels verwendet.
[0026] In dem vergrösserten Maßstab von Fig. 2 erkennt man, dass das Tunnelrohr 10 aus Rohrabschnitten
zusammengesetzt ist, die in der Schildbauweise nacheinander in die Tunnelbohrung 8
eingeführt werden. Es sind nur die beiden Rohrabschnitte 10A und 10B dargestellt,
die durch einen übergreifenden Kragen 10C in üblicher Weise zusammengehalten werden.
Das Laufrohr 16 ist ebenfalls aus einzelnen Abschnitten zusammengesetzt, die fest
mit den Rohrabschnitten 10A und 10B verbunden sind und daher zusammen mit den Rohrabschnitten
des Tunnelrohres 10 in die Tunnelbohrung 8 eingeführt werden.
[0027] Die Sensoreinheit 18 befindet sich in einem Gehäuse 28, das in dem Laufrohr 16 mittels
des Kabels 20 zwischen einer Arbeitsstellung und einer Referenzstellung verfahrbar
ist. In der Darstellung von Fig. 2 ist die Meßsonde 18 aus der Arbeitsstellung am
Vortriebskopf 4 gelöst. Die Verbindung wird in der Arbeitsstellung durch eine Steckverbindung
30 zwischen dem Gehäuse 28 und einem Verbindungskasten 33 hergestellt.
[0028] Nach der Darstellung von Fig. 3 hat das Laufrohr 16 rechteckigen Querschnitt. Das
Gehäuse 28 der Sensoreinheit 18 ist mit Führungselementen versehen, die das Gehäuse
28 innerhalb des Laufrohrs 16 in reproduzierbarer Einstellung zu dem Laufrohr 16 führen.
Dadurch wird erreicht, dass die Sensoreinheit 18 innerhalb des Laufrohrs 16 reproduzierbare
Stellungen einnimmt. Im einzelnen, vgl. Fig. 4 und 5, ist das Gehäuse 28 der Sensoreinheit
18 zylinderförmig ausgebildet. Die Führungselemente enthalten beispielsweise eine
Gleitkufe 32, die an der Oberseite des Gehäuses 28 angebracht und an der Oberseite
eines rechteckig ausgebildeten Laufrohrs 16 geführt ist, und Rollen 38 und 40, die
an radial von dem Gehäuse 28 der Meßsonde 18 vorstehenden Trägern in gegenüberliegenden
Ecken an der Unterseite des rechteckigen Laufrohrs 16 geführt sind. Es können aber
auch andere gängige Führungselemente und andere geometrische Formen für das Laufrohr
16 und die darin ausgebildeten Führungsbahnen oder -rillen gewählt werden um sicherzustellen,
dass das Gehäuse 28 und damit die Sensoreinheit 18 stets in reproduzierbarer Stellung
in dem Laufrohr 16 geführt werden.
[0029] Wie Fig. 4 zeigt, erstreckt sich die Gleitkufe 32 über einen wesentlichen Teil der
axialen Länge des Gehäuses 28 der Sensoreinheit 18 und ist auf Federn 34 abgestützt.
Die Federn 34 stützen sich in Federgehäusen 36 mittig an der Oberseite des Gehäuses
28 der Sensoreinheit 18 ab. In dem dargestellten Ausführungsbeispiel sind zwei gegenüberliegende
Rollenpaare 38 und 40 jeweils nahe den axialen Enden des Gehäuses 28 vorgesehen.
[0030] In Fig. 6 ist der "Referenzpunkt" in einem Vertikalschnitt dargestellt.
[0031] Mit 1A ist eine vertikale Startbaugrube bezeichnet, von welcher die waagerechte Tunnelbohrung
8 abgeht. In die Tunnelbohrung 8 ist ein Tunnelrohr 10, wie in Fig. 2 dargestellt,
in einzelnen Abschnitten eingeschoben. Das geschieht in bekannter Weise mittels eines
Preßschildes 44. Das Preßschild 44 wird auf einer waagerechten Führungsschiene 46
geführt. Die Führungsschiene 46 ist über Ständer 48, 50 auf dem betonierten Fundament
52 am Boden der Startbaugrube abgestützt. Das Preßschild 44 und die Führungsschiene
46 fluchten mit der Achse 54 der Tunnelbohrung 8. Das Preßschild 44 kann durch einen
Preßzylinder 56 nach rechts in Fig. 6 vorbewegt werden und drückt dann einen Rohrabschnitt
des Tunnelrohres 10 in die Tunnelbohrung 8.
[0032] Der Referenzpunkt 15 für die Sensoreinheit 18 ist eine Start- und Referenzrampe 58,
die über einen Ständer 60 und ein eigenes Fundament 62 unabhängig von dem Pressmechanismus
auf dem Boden abgestützt ist. Die Start- und Referenzrampe 58 wird daher von den Schwingungen
des Pressmechanismus praktisch nicht beeinflusst.
[0033] Die Sensoreinheit 18 enthält gemäss Fig. 7 einen zweiachsigen, elektrisch gefesselten
dynamisch abgestimmten Kreisel 64 und zwei Beschleunigungsmesser 66 und 68 in einem
Sensorblock 70. Die Signale des Kreisels 64 und die Signale der Beschleunigungsmesser
66 und 68 sind auf eine Sensorelektronik 72 aufgeschaltet. Die Sensorelektronik 72
enthält die Kreiselbetriebselektronik 74 und einen Analog-Digital-Wandler 76. Der
Analog-Digital--Wandler 76 erhält die Beschleunigungssignale von den Beschleunigungsmessern
66 und 68 sowie über die Kreiselbetriebselektronik 74 Winkelgeschwindigkeitssignale
von dem Kreisel 64. Die digitalisierten Signale sind auf einen Signalprozessor 78
aufgeschaltet. In dem Signalprozessor 78 erfolgt die Verarbeitung der Signale. Es
erfolgt dann eine Digital-Analog-Wandlung, wobei die beiden erhaltenen analogen Ausgangssignale
über Leitungen 80 und 82 auf Drehmomenterzeuger des dynamisch abgestimmten Kreisels
64 aufgeschaltet sind. An einem Ausgang 84 liefert der Signalprozessor 78 digitale
Ausgangssignale, welche den Winkelgeschwindigkeiten um die Eingangsachsen des Kreisels
64 entsprechen. Mit 86 ist die Stromversorgung der Sensoreinheit 18 bezeichnet.
[0034] Die Anordnung entspricht etwa der EP-A-0 251 157 oder der US-A-4 823 626. Die Drallachse
des dynamisch abgestimmten Kreisels liegt in Vortriebsrichtung. Die Eingangsachsen
des Kreisels liegen im wesentlichen waagerecht und senkrecht. Der Kreisel 64 liefert
dadurch Winkelgeschwindigkeiten um die Nick- und die Gierachse. Die Eingangsachsen
der Beschleunigungsmesser 66 und 68 sind parallel zu der einen, in Richtung der Nickachse
fallenden Eingangsachse bzw. zu der Drallachse.
[0035] Die digitalen Winkelgeschwindigkeiten am Ausgang 84 sind über die Leitung 24 auf
die an der Erdoberfläche angeordnete Steuereinheit 26 (Fig. 1) geschaltet. Die Steuereinheit
26 enthält einen Zentralrechner 88 für Navigation und Steuerung. Über eine Schnittstelle
90 sind auf den Zentralrechner 88 die Winkelgeschwindigkeiten vom Kreisel 64 und die
Beschleunigungen von den Beschleunigungsmessern 66 und 68 aufgeschaltet. Die Steuereinheit
26 enthält weiterhin eine Weglängen-Messeinrichtung 92. Die Weglängen-Messeinrichtung
92 liefert den Vorschubweg der Sensoreinheit 18 anhand der von der Trommel 22 abgewickelten
Länge des Kabels 20. Auch dieser Vorschubweg ist über die Schnittstelle 90 auf den
Zentralrechner 88 geschaltet. Weiterhin erhält der Zentralrechner 88 Eingaben von
einer Anzeige- und Bedieneinheit 94. Mit 96 ist die Stromversorgung der Steuereinheit
26 bezeichnet.
[0036] Der Zentralrechner 88 ermittelt aus den gerätefesten Winkelgeschwindigkeits- und
Beschleunigungssignalen Winkelgeschwindigkeiten der Sensoreinheit 18 in einem erdfesten
System. Aus diesen Winkelgeschwindigkeiten werden Lagewinkel oder Elemente der Richtungskosinusmatrix
berechnet. Aus den Lagewinkeln bzw. den Elementen der Richtungskosinusmatrix kann
in Verbindung mit dem Vorschubweg von der Weglängen-Messeinrichtung 92 die jeweilige
Position der Sensoreinheit 18 bestimmt werden.
[0037] Die Signalverarbeitung kann in ähnlicher Weise erfolgen, wie das in der DE-A-29 22
415 beschrieben ist. Die Steuereinheit 26 liefert Steuersignale für den Vortriebskopf
4, welche den Vortriebskopf 4 in einer vorgegebenen Vortriebsrichtung zu halten trachten
aber ausserdem auf die Einhaltung einer vorgegebenen Bahn hinwirken.
[0038] Die vorstehend beschriebene Steuereinrichtung arbeitet folgendermassen:
Der Vortriebskopf 4 der Tunnelbohrmaschine 2 wird im Erdreich entlang der Sollachse
6 vorgetrieben, wobei das ausgebrochene Gestein durch die rohrförmige Fördereinrichtung
14 ständig abgefördert und ausgetragen wird. Das Gehäuse 28 der Sensoreinheit 18 ist
durch die Steckverbindung 30 mit dem Vortriebskopf 4 verbunden und wird gemeinsam
mit diesem aber in dem gesonderten Laufrohr 16 vorgetrieben. Die von der Meßsonde
18 ausgehenden Daten oder Steuersignale werden über das Kabel 20 der Steuereinheit
26 zugeführt, wodurch der Vortrieb des Vortriebskopfes 4 laufend überwacht und zu
der Sollachse 6 in Ausrichtung gehalten wird. Dabei erhält die Steuereinheit 26 von
der Weglängenmesseinrichtung der Trommel 20 aus der abgewickelten Kabellänge auch
die Daten über den zurückgelegten Weg, so dass die Position der Sensoreinheit 18 und
damit die Position des Vortriebskopfes 4 durch den Navigationsrechner der Steuereinheit
26 während des Vortriebs jederzeit genau bestimmt ist. Wenn der Vortrieb der Tunnelbohrung
8 über die Länge des Rohrabschnittes 10A des Tunnelrohres 10 erfolgt ist, wird die
Trommel 22 angetrieben, um das Kabel 20 aufzuwickeln, das Gehäuse 28 der Sensoreinheit
18 aus der Steckverbindung 30 zu lösen und das Gehäuse 28 mit der Sensoreinheit 18
in dem Laufrohr 16 aus der Arbeitsstellung in die Referenzstellung auf der Start-
und Referenzrampe 58 zu verfahren. Wenn das Gehäuse 28 der Sensoreinheit 18 die Referenzstellung
erreicht hat, wird die Justierung der Sensoreinheit 18 überprüft. Der Rohrabschnitt
10B wird in die Tunnelbohrung 8 eingeführt und in Eingriff mit dem Flansch 10C an
dem rückwärtigen Ende des bereits eingebrachten Rohrabschnittes 10A gebracht. Dadurch
entsteht ein um die Länge des Rohrabschnittes 10B verlängertes Tunnelrohr 10, dessen
Rohrabschnite 10A und 10B genau zueinander ausgerichtet sind. Dadurch ist auch ein
weiterer Abschnitt des Laufrohrs 16 fluchtend mit dem bereits vorhandenen Abschnitt
eingebracht.
[0039] Danach wird das Gehäuse 28 durch Abwickeln des Kabels 20 von der Trommel 22 von der
Start- und Referenzrampe 58 über das Teleskoprohr wieder in das verlängerte Laufrohr
16 eingeführt und darin in exakt reproduzierbarer Weise bis zur Arbeitstellung verfahren,
in der die Steckverbindung 30 zu dem Verbindungskasten 33 wieder hergestellt wird.
Der Vortriebskopf 4 ist dann zum erneuten Vortrieb in Ausrichtung zur Sollachse 6
um eine weitere Rohrabschnittslänge bereit.
[0040] Die Neujustierung der Sensoreinheit 18 jeweils nach dem Vortrieb des Vortriebkopfes
4 über eine Rohrabschnittslänge hat den Vorteil, dass eine Sensoreinheit 18 und damit
ein Kreisel relativ geringer Einbaugrösse und mit relativ geringen Genauigkeitsansprüchen
insbesondere hinsichtlich der Langzeitkonstanz verwendet werden kann.
[0041] Als weiterer Vorteil ergibt sich aus der vorstehend beschriebenen Betriebsweise,
dass durch die Sensoreinheit 18 auch ein Parallelversatz des Vortriebskopfes 4 zur
Sollachse 6 erfasst werden kann.
[0042] Vorstehend ist die Steuereinrichtung mit der Sensoreinheit 18 im Zusammenhang mit
einer nach der Schildbauweise arbeitenden Tunnelbohrmaschine 2 beschrieben worden.
Es versteht sich, dass eine solche Steuereinrichtung bei entsprechenden, dem Fachmann
ohne weiteres zugänglichen Modifikationen auch in Verbindung mit nach anderen Prinzipien
arbeitenden Tunnelbohrmaschinen eingesetzt werden kann.
1. Steuereinrichtung zur Steuerung des Vortriebs eines Vortriebskopfes (4), beispielsweise
für eine Tunnelbohrmaschine, mit einem Steuersignalgeber, von welchem Steuersignale
im Sinne einer Führung des Vortriebskopfes längs einer vorgegebenen Bahn ableitbar
sind, dadurch gekennzeichnet, dass als Steuersignalgeber mit dem Vortriebskopf (4) oder seinem Träger eine autonome,
auf Lageänderungen im Raum ansprechende inertiale Sensoreinheit (18) verbunden ist.
2. Steuereinrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Sensoreinheit (18) an den Vortriebskopf (4) durch lösbare Verbindungsmittel (30)
in definierter Lage ankuppelbar und zur Driftkorrektur wahlweise in eine genau vermessene
Ausgangsposition (15) zurückführbar ist.
3. Steuereinrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Sensoreinheit (18) in einem in der Tunnelbohrung verlaufenden Laufrohr (16) geführt
ist.
4. Steuereinrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Sensoreinheit (18) durch Führungsglieder (38,40) in dem Laufrohr (16) in definierter
Lage zu dessen Wandung geführt ist.
5. Steuereinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Sensoreinheit (18) einen zweiachsigen elektrisch gefesselten Wendekreisel (64)
mit zwei zueinander und zu der Drallachse senkrechten Eingangsachsen enthält.
6. Steuereinrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinheit (18) zwei Beschleunigungsmesser (66,68) aufweist, die auf Beschleunigungen
in Richtung einer der Eingangsachsen bzw. der Drallachse des zweiachsigen Wendekreisels
(64) ansprechen.
7. Steuereinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass ein Weggeber (92) vorgesehen ist, der ein Mass für den Vorschubweg der Sensoreinheit
bezogen auf einen Referenzpunkt (15) liefert und dass Mittel zur Bestimmung der Position
der Sensoreinheit (18) aus Lagesignalen der Sensoreinheit (18) und Wegsignalen des
Weggebers (92) nach der Methode der Koppelnavigation vorgesehen sind.
8. Steuereinrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Weggeber (92) ein Kabel (20) enthält, das von einem im Referenzpunkt (15) angeordneten
Kabelspeicher (22) abwickelbar ist.
9. Steuereinrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Kabel (20) Versorgungs- und Messleitungen der Sensoreinheit (18) enthält.