[0001] Die Erfindung betrifft ein Rakelgerät, das aus einer Kunststoffprofilleiste sowie
einer parallel zu der Längsachse der Kunststoffprofilleiste sich über deren Länge
erstreckenden und in diese eingebetteten Kernleiste aus Stahl od. dgl. Material besteht,
wobei das Rakelgerät an wenigstens einem Haltearm gehalten ist und die Kernleiste
im Bereich einer von der Kunststoffprofilleiste geführten Rakel (Rakelelement) angeordnet
ist. Ein solches Rakelgerät ist mit seiner Rakelarbeitskante oder -fläche gegen eine
Arbeitsunterlage (Arbeitsfläche) wie einen Tisch, eine Walze und ggf. eine daraufliegende
Materialbahn, ein Transportband, eine Schablone und dgl. anpressbar. Die Geräte werden
insbesondere zum Auftragen von Sustanzen auf eine zu bedruckende oder zu beschichtende
Arbeitsfläche eingesetzt. Sie werden aber auch verwendet, um eine flächenförmige Unterlage
wie eine Bahn, ein flächiges Materialstück, eine Walze oder ein Band durch einen Abstreif-
oder Dichtungsvorgang zu behandeln. Durch die Neigungsposition der Profilleiste, ggf.
durch Verschwenken des Rakelgeräts und/oder Feststellen des Rakelgerät-Schwenkwinkels
wird die Grösse eines gewünschten Substanzraums zwischen der Profilleiste und der
Arbeitsfläche vor dem Rakelelement bzw. ein gewünschter Anlagewinkel des Rakelelements
an der Arbeitsfläche bestimmt oder eingestellt.
[0002] Aus DE-GM 87 13 789.5, EP-A1-0 311 728 und EP-A1-0 311 730 sind Rakelgerät-Profilleisten
mit in diese eingebetteten Tragelementen aus Stahl bekannt. Zur Schwenkanlenkung der
Profilleiste ist entweder unmittelbar an dieser ein Schwenkgelenk angeordnet, oder
die Profilleiste ist mit einem an dieser befestigten Haltearm verbunden. Durch auf
an der Profilleiste angeordnete Schwenklagerelemente und/oder Halte- und Tragarme
ausgeübte Kräfte treten an der Profilleiste, die an sich aus einem elastischen Kunststoffmaterial
bestehen soll, unerwünschte Deformationen und das Material der Profilleiste nachteilig
beanspruchende Kräfte auf. Insbesondere bei der Handhabung von sich besonders lang,
über mehrere Meter erstreckenden Profilleisten führen Deformationen des Profilleistenmaterials
zu unbefriedigend bleibenden Rakelgeräten. Bei Wahl eines besonders harten Kunststoffmaterials
ergeben sich Fehlanpassungen zwischen der Profilleiste und der in diese eingebetteten
Stahlleiste.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Rakelgerät mit einer eine Kernleiste
einbettenden Profilleiste zu schaffen, die von an der Profilleiste bei deren Handhabung
und/oder deren Betrieb angreifenden, zu unerwünschten Deformationen führenden Kräften
befreit sein soll und die zur Bestückung mit einer Roll- oder Rundrakel besonders
gut geeignet sein soll.
[0004] Diese Aufgabe wird in Verbindung mit den Merkmalen des eingangs genannten Rakelgeräts
dadurch gelöst, dass die Rakel unverlierbar in das Kunststoffmaterial der Profilleiste
eingefasst ist, dass zwischen der Kernleiste und einer Oberfläche der Kunststoffprofilleiste
in dieser wenigstens eine durchgehende Öffnung in Form eines Schlitzes od. dgl. ausgebildet
ist und dass die Kernleiste durch die Öffnung hindurch unmittelbar mit einem Haltearm
verbunden ist. Durch die Verbindung des Haltearms unmittelbar mit der aus Stahl oder
einem ähnlichen Material bestehenden Kernleiste bleibt das durch die Profilleiste
gebildete Mantelmaterial des Rakelgeräts von unerwünschten Deformationen befreit.
Die unmittelbare Verbindung des Haltearms mit der Kernleiste bildet eine strapazierfähige
Verbindung, ohne dass die einstückige Profilleiste beschädigt wird. Die Kernleiste
bildet eine Art Rückgrat, wobei die Kunststoffprofilleiste diese besonders materialsteife
Kernleiste einbettet und sie erfindungsgemäss zudem mit einer Streichrakel, einer
Roll- oder Rundrakel verbindet. Dabei ist eine Roll- oder Rundrakel in das "Materialfleisch"
der Profilleiste eingefasst. Da sich die Kernleiste im Bereich der Rakel erstreckt,
ist die die Rakel teilweise umfassende, sie unverlierbar haltende Einfassung von letztere
beschädigenden Deformationen befreit, und zwar auch dann, wenn das Profilleistenmaterial
aus einem besonders flexiblen biegeelastischen und zur Ausübung einer Rollrakelfunktion
besonders hochgleitfähigen polymeren Kunststoff besteht. Insbesondere werden aber
dadurch, dass das Profilleistenmaterial durch Schwenklager-, Halte- oder sonstige
Lagerkräfte unbeeinflusst bleibt, Deformationen der Rakeleinfassung bzw. an deren
Rändern zuverlässig vermieden, so dass die Rakel unverlierbar in der Aufnahme gehalten
bleibt. Im ganzen ist ein besonders strapazierfähiges, eine besonders hohe Lebensdauer
aufweisendes Rakelgerät erreicht.
[0005] Je nach Anwendungsfall ist es zweckmässig, den die Öffnung durchgreifenden Halte-
oder Tragarm starr mit der Kernleiste zu verbinden oder das Armende gelenkig an die
Kernleiste anzuschliessen. Ein solches Schwenklager, das vorzugsweise als Schwenk-Schiebegelenk
ausgeführt ist, liegt innerhalb der Öffnung, ist also in dieser versenkt, so dass
an der Profilleistenoberfläche keine Schwenklagerungsteile hervorstehen.
[0006] Besonders vorteilhaft ist es, dass der Haltearm in Form eines Streifenelements mit
einer zu der Rakelgerät-Längsachse parallelen Erstreckung ausgebildet sein kann. Bei
Schwenkanlenkung des Arms ist eine besonders stabile scharnierartige Schwenkverbindung
erreicht.
[0007] Eine besondere erfindungsgemässe Ausführungsform besteht darin, dass die Kunststoffprofilleiste
mit einer den Haltearm tragenden Halterung des Rakelgeräts über ein gegenüber einer
festen Endlänge frei verkürzbares Element wie insbesondere ein mit einer bestimmten
Länge versehenes Streifenband verbunden ist, und zwar derart, dass beim Abheben des
Rakelgeräts von einer Arbeitsfläche eine nach unten gerichtete Kipp-/Schwenkbewegung
der Profilleiste durch das dann straffe Band begrenzt ist. Insbesondere bei mit Rundschablonen
bestückten Druckmaschinen ist dadurch vermieden, dass die im Druckmaschinen-Stillstand
von der Arbeitsfläche nach oben wegbewegte Profilleiste in die ebenfalls abgehobene,
sich weiterdrehende Schablone kippt und diese beschädigt.
[0008] Weitere Gestaltungen der Erfindung gehen aus den Unteransprüchen hervor. Besondere
Vorteile und Ausführungsformen der Erfindung werden nachstehend anhand der in der
schematischen Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiele beschrieben. Es zeigen
- Fig. 1 und 2
- im Querschnitt erfindungsgemässe Rakelgeräte mit starr an einer Kernleiste befestigten
Haltearmen,
- Fig. 3
- einen Schnitt gemäss A-B der Fig. 1,
- Fig. 4
- eine Ansicht gemäss Z des Geräts in Fig. 2 und
- Fig. 5 und 6
- ein erfindungsgemässes Rakelgerät mit gelenkiger Verbindung eines Haltearms an der
Kernleiste.
[0009] Wie aus den Figuren ersichtlich, umfasst jedes erfindungsgemässe Rakelgerät 1 eine
aus biegeelastischem und hochgleitfähigem Kunststoff bestehende einstückige Profilleiste
2, die sich in nicht dargestellter Längsansicht über die Arbeitsbreite einer Arbeitsfläche
7 erstreckt. In üblicher Weise ist die Profilleiste 2 mit Profilflächen 22, 23 versehen,
die vor einem Rakelelement in Form einer Rollrakel 6 in Abhängigkeit von der Rakelgerät-Schwenklage
um eine zu der Rakelgerät-Längsachse parallele Achse die Grösse eines Stauraums oder
eines Spalts für eine durch eine Rundschablone 8 auf die Arbeitsfläche 7 aufzubringende
Substanz bilden.
[0010] In jede Kunststoffprofilleiste ist eine von dieser vollständig umfasste Kernleiste
4 aus einem gegenüber dem Kunststoffmaterial steifen Material wie Stahl od. dgl. eingebettet.
Zwischen der oberen Fläche 21 und der Kernleiste 4 ist eine durchgehende Öffnung in
Form eines Schlitzes 3 eingearbeitet, wie dies insbesondere auch aus den Fig. 3 und
4 ersichtlich ist. Die Schlitze erstrecken sich in ihrer Längserstreckung parallel
mit der Kernleiste 4.
[0011] Wie aus Fig. 1 und 2 bzw. Fig. 3 und 4 ersichtlich, durchgreift ein starr mit der
Kernleiste 4 verbundener, insbesondere aus einem Stahlmaterial bestehender Haltearm
5 den Schlitz 3. Dabei ist der ausserhalb der Profilleiste 2 sich erstreckende Haltearmteil
an seinem freien Ende mit einem Schwenkgelenkteil in Form einer Kugel oder eines kreiszylinder-förmigen
Elements versehen, so dass er insbesondere frei schwenkbar mit einer nicht dargestellten
Schwenklagerung verbindbar ist. Selbstverständlich kann der Haltearm auch starr mit
Tragteilen wie einer Halteleiste, einem Tragholm od. dgl. in einer Rakeleinrichtung
verbindbar oder verbunden sein. Das Rakelgerät bzw. die Profilleiste befindet sich
dann während des Rakelbetriebs in einer festen unveränderbaren Neigungslage.
[0012] Gemäss Fig. 1 und 3 ist der Haltearm 5 im Querschnitt A-B streifenförmig ausgebildet.
Der Arm besteht also aus einem flachen, sich im Streifenquerschnitt parallel zu der
Kernleiste 4 erstreckenden Element, das den Schlitz 3 durchgreift.
[0013] Nach der Ausführungsform gemäss Fig. 2 und 4 sind vier stabförmige Haltearme 5 vorgesehen,
die den Schlitz 3 durchgreifen und fest mit der Kernleiste 4 verbunden sind.
[0014] Wie aus Fig. 5 und 6 ersichtlich, ist bei einem anderen erfindungsgemässen Rakelgerät
1 die Kernleiste 4 starr mit einem Gelenkelement 31 verbunden, das sich in der gezeigten
Querschnittsdarstellung in dem Schlitz 3 erstreckt, also in diesem versenkt angeordet
ist. Das aus Stahl bestehende Gelenkteil 31 weist eine in Druchgangsrichtung des Schlitzes
3 sich erstreckende Ausnehmung auf, in die ein kreiszylinderförmiger Ansatz 32 eines
Haltearmes 5 eingreift, so dass die Gelenkteile 31 und 32 ein die Kernleiste 4 anlenkendes
Schwenk-/Schiebegelenk 30 bilden. Mit seinem anderen Ende ist der Haltearm 5 fest
an einer oberhalb der Profilleiste 2 angeordneten Lagerung oder Halteleiste 50 befestigt.
[0015] Aus Fig. 5 ist ersichtlich, dass die Profilleiste 2 beim Absenken der Halterung 50
rechtsherum schwenkt. Bei Vergrösserung des Abstandes der Lagerung 50 gegenüber der
Arbeitsfläche 7 schwenkt die Profilleiste linksherum. Um dabei beim Abheben der Profilleiste
von einer Schablone 8 eine Beschädigung letzterer zu vermeiden, ist an dem abkippenden
Teil der Profilleiste 2 an deren Oberfläche 21 ein Band 9 befestigt, das mit seinem
anderen Ende an der Halterung 50 festgelegt ist. Die einknickbare Länge des Bandes
9 ist so bemessen, dass die Profilleiste 2 beim Abheben von der Arbeitsfläche 7 bzw.
der Schablone 8 in der in Fig. 6 dargestellten Schwenk-/Kipposition mit gestrafftem
Band 9 gehalten bleibt.
[0016] Bei sämtlichen Ausführungsbeispielen ist die Kernleiste 4 im Bereich einer Rollrakel
6 in die Profilleiste 2 eingebettet, d.h., daß die Kernleiste 4 bezogen auf die Querschnittsdimension
der Profilleiste 2 in einem relativ geringen Abstand zu dem Rakelelement 6 angeordnet
ist. Jede Rollrakel 6 liegt in einer im Querschnitt abschnittsweise kreisförmigen,
parallel zur Rakelgerät-Längsachse sich erstreckenden Ausnehmung, die die Rollrakel
6 mit ihren Rändern umfassend unverlierbar hält, wobei die Rollrakel 6 während des
Rakelbetriebs frei an dem hochgleitfähigen Kunststoffmaterial der Profilleiste 2 gleitend
in der Halteausnehmung dreht. Durch die Erfindung ist erreicht, dass das Material
der Profilleiste 2 aus einem flexiblen, biegeelastischen und hochgleitfähigen polymeren
Kunststoff besteht, der besonders abrieb- und verschleissfest sowie chemisch besonders
widerstandsfähig ist.
1. Rakelgerät (1), das aus einer Kunststoffprofilleiste (2) sowie einer parallel zu der
Längsachse der Kunststoffprofilleiste sich über deren Länge erstreckenden und in diese
eingebetteten Kernleiste (4) aus Stahl od. dgl. Material besteht, wobei das Rakelgerät
an wenigstens einem Haltearm (5) gehalten ist und die Kernleiste (4) im Bereich einer
von der Kunststoffprofilleiste (2) geführten Rakel (Rakelelement) (6) angeordnet ist,
dadurch gekennzeichnet, dass das Rakelelement (6) unverlierbar in das Kunststoffmaterial der Profilleiste
(2) eingefasst ist, dass zwischen der Kernleiste (4) und einer Oberfläche (21) der
Kunststoffprofilleiste (2) in dieser wenigstens eine durchgehende Öffnung (3) in Form
eines Schlitzes od. dgl. ausgebildet ist und dass die Kernleiste (4) durch die Öffnung
(3) hindurch unmittelbar mit einem Haltearm (5) verbunden ist.
2. Rakelgerät nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Haltearm (5) die Öffnung (3) durchgreift und starr mit der Kernleiste (4)
verbunden ist.
3. Rakelgerät nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass innerhalb der Öffnung (3) ein starr mit der Kernleiste (4) verbundenes Schwenkgelenkteil
(31) ausgebildet ist, das sich mit einem zugehörigen, an dem Haltearm (5)angeordneten
Schwenkgelenkteil (32) gelenkig in Eingriff befindet.
4. Rakelgerät nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das die Kernleiste (4) und das den Haltearm verbindende Gelenk als Schwenk-/Schiebegelenk
(30) ausgebildet ist.
5. Rakelgerät nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Rakelgerät (1) eine den Haltearm (5) haltende Lagerung (50) wie eine Halteleiste,
einen Holm od. dgl. umfasst und dass die Profilleiste (2) mit der Halterung (50) über
ein einfaltbares oder sonstwie gegenüber einer festen Endlänge frei verkürzbares oder
nachgiebiges Element (9) verbunden ist, das durch seine feste Endlänge eine nach unten
gerichtete Kipp-/Schwenkbewegung der Profilleiste (2) beim Abheben von einer Arbeitsfläche
(7) begrenzt.
6. Rakelgerät nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Haltearm (5) in Form eines Streifenelements ausgebildet ist.
7. Rakelgerät nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Kernleiste (4) durch eine Öffnung (3) hindurch mit mehreren stabförmigen
Haltearmen (5) verbunden ist.
8. Rakelgerät nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Kunststoffprofilleiste (2) aus einem flexiblen biegeelastischen und eine
gleitfähige Oberfläche aufweisenden polymeren Kunststoff besteht.
9. Rakelgerät nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Kernleiste (4) aus einem magnetisierbaren Material besteht, so dass das
Rakelgerät (19 mittels der Kernleiste (4) durch eine unterhalb einer Arbeitsfläche
(7) angeordnete Magnetvorrichtung magnetisch gegen die Arbeitsfläche (7) anpressbar
ist.
10. Rakelgerät nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass eine Roll- oder Rundrakel (6) unverlierbar in eine Aufnahme der Profilleiste
(2) eingefasst ist.