[0001] Die Erfindung liegt auf dem Gebiete der Textiltechnik und betrifft eine Streckkammeranordnung
gemäss dem Oberbegriff des unabhängigen Patentanspruches.
[0002] Synthetische Filamente, insbesondere linear polymere Filamente (Glattgarne) werden
nach der Extrusion gestreckt, um die Moleküle in Garnrichtung zu orientieren. Es hat
sich als vorteilhaft erwiesen, für eine derartige Streckung Flüssigkeitsbäder zu verwenden,
in denen die Streckung durch eine Kombination von hydrodynamischer und mechanischer
Bremsung bewirkt wird. Insbesondere hat es sich als vorteilhaft erwiesen, die Streckung
in quasi geschlossenen Kammern (Streckkammern) durchzuführen, in denen eine Kammerflüssigkeit
in einer dem Faden entgegengesetzten Richtung zirkuliert wird. Ebenso hat es sich
als vorteilhaft erwiesen, an derartige Streckkammern Vorrichtungen anzuschliessen,
in denen überschüssige, vom Faden aus der Streckkammer mitgeführte Flüssigkeit, abgeschieden
wird. In Anordnungen von Streckkammer und Abscheidevorrichtung können auch mehrere
Fäden parallel gestreckt werden.
[0003] Streckkammern zur Durchführung des Streckprozesses sind beispielsweise in der europäischen
Patentanmeldung Nr. 90810061.89 (Veröffentlichungsnummer 0384886) derselben Anmelderin
beschrieben. Es sind dies Kammern, die bis auf enge Ein- und Ausgangskanäle für die
Fäden und Zu- und Abführungskanäle für die (Kammerflüssigkeit geschlossen sind. Die
Fäden werden am Eingang, am Ausgang und/oder in der Kammer über Fadenführungselemente
geführt, an denen eine mechanische Reibung zwischen Faden und fadeführender Oberfläche
entsteht. Diese Reibung ist auch bei sehr hohen Fadengeschwindigkeiten klein, da die
Fadenführungselemente in der Kammerflüssigkeit eingetaucht sind oder der über ihre
Oberfläche laufende Faden mit Flüssigkeit getränkt ist.
[0004] Vorrichtungen zum Abscheiden von überschüssiger Flüssigkeit von den Fäden sind beispielsweise
beschrieben in der europäischen Patentanmeldung Nr. 91810292.2 (noch nicht veröffentlicht).
Es handelt sich dabei ebenfalls um quasi geschlossene Kammern, in denen die Fäden
mehrmals um einen kleinen Umlenkungswinkel umgelenkt werden, wobei die von den Fäden
getrennte Flüssigkeit abgesaugt wird. Da die Vorrichtung zum Abscheiden überschüssiger
Flüssigkeit meist unmittelbar an die Streckkammer anschliessend angeordnet ist, sind
die Fäden beim Eintritt in diese Kammer ebenfalls mit Flüssigkeit getränkt, sodass
auch in dieser Kammer die Reibung zwischen Faden und Fadenführungselementen (Umlenkungselementen)
klein ist.
[0005] Beide genannten Patentschriften werden für die folgende Beschreibung als bekannt
vorausgesetzt.
[0006] Probleme mit zu hoher mechanischer Reibung und daraus resultierender statischer Aufladung
der Fäden entstehen beim Starten einer Anordnung mit Streckkammer und Abscheidekammer,
wenn die Streckkammer noch nicht mit Kammerflüssigkeit gefüllt ist, die Fäden aber
bereits und zwar in trockenem Zustand über alle Fadenführungselemente laufen und sich
dadurch derart stark statisch aufladen, dass es schwierig oder gar unmöglich ist,
sie nachher sauber separiert über nachfolgende Rollen zu leiten, oder dass sie sogar
reissen können.
[0007] Es ist nun die Aufgabe der Erfindung eine Streckkammeranordnung zu schaffen, für
die auch beim Anfahren keine Probleme mit trockener Reibung und daraus resultierender
statischer Aufladung entstehen.
[0008] Diese Aufgabe wird gelöst durch die Streckkammeranordnung gemäss dem kennzeichnenden
Teil des unabhängigen Patentanspruches. Die erfindungsgemässe Streckkammeranordnung
wird anhand der folgenden Figuren detailliert beschrieben. Dabei zeigen:
Figur 1 ein Schema einer beispielhaften Ausführungsform der erfindungsgemässen Streckkammeranordnung;
Figur 2 einen Schnitt durch die Eingangspartie der Streckkammer, parallel zur Fadenlaufrichtung
und senkrecht zur Ebene, in der die Fäden die Streckkammer durchlaufen.
[0009] Die erfindungsgemässe Streckkammeranordnung weist Mittel auf, mit denen die durch
die Streck- und die Abscheidekammer laufenden Fäden während dem Einziehen der Fäden
und während dem Füllen der Streckkammer mit Kammei flüssigkeit vorbefeuchtet werden.
Mit Hilfe der Vorbefeuchtungsmittel werden die in die Kammern einlaufenden Fäden vor
dem ersten Führungselement, über das sie mit Reibung laufen, mit Kammerflüssigkeit
befeuchtet und zwar unbeachtet davon, ob die Kammern offen oder geschlossen sind.
[0010] Figur 1 zeigt schematisch eine Ausführungsform der erfindungsgemässen Streckkammeranordnung.
Sie besteht im wesentlichen aus einer Streckkammer 1, einer Abscheidekammer 2 und
einem Flüssigkeitstank 3. Die Flüssigkeit wird durch eine Förderpumpe 4 durch eine
Zuführungsleitung 5 mit einem Ventil 6 unten in die Streckkammer 1 gefördert und von
einem Überlauf 1.3 oben auf der Streckkammer 1 durch eine Abführungsleitung 7 wieder
in den Tank 3 geleitet. Aus der Abscheidekammer 2 wird die Flüssigkeit mit einer Absaugpumpe
8 durch eine Absaugleitung 9 abgesaugt.
[0011] Die Streckkammer 1 und die Abscheidekammer 2 bestehen vorteilhafterweise je aus zwei
Teilen (1.1, 1.2 bzw. 2.1, 2.2) derart, dass die Kammern sich parallel zur Ebene,
in der die Fäden F die (Kammern im wesentlichen durchlaufen, öffnen lassen. Dabei
bleibt derjenige Teil (1.1 bzw. 2.2) der Kammern, der die Zuführungsleitung 5 und
Abführungsleitung 7 bzw. die Absaugleitung 9 trägt, vorteilhafterweise stationär,
während der andere Teil (1.2 bzw. 2.2) aufgeklappt wird.
[0012] Zur Vorbefeuchtung der Fäden weist nun die erfindungsgemässe Streckkammeranordnung
eine zweite Zuführungsleitung 10 auf. Diese bypassiert das Ventil 6 der ersten Zuführungsleitung
5, kann also nicht abgesperrt werden, und führt in den Bereich des Fadeneingangskanales
11 der Streckkammer, vorteilhafterweise in Fadenlaufrichtung vor das erste Fadenführungselement
der Anordnung. Die zweite Zuführungsleitung 10 mündet wie die anderen Flüssigkeitsleitungen
(5, 7, 9) in den stationären Teil 1.1 der Streckkammer. Die Mündungsöffnungen (siehe
auch Figur 2) der zweiten Zuführungsleitung 10 sind gegen die durch die Kammer laufenden
Fäden gerichtet und sind derart klein, dass bei voller Leistung der Förderpumpe 4
nur eine sehr kleine Menge der Flüssigkeit gegen die Fäden austreten kann, gerade
genug, um die Fäden zu befeuchten und die Reibung an den folgenden Fadenführungselementen
herabzusetzen.
[0013] Zum Anfahren der Anordnung wird nun wie folgt vorgegangen:
- Die Kammern werden ohne durchlaufende Fäden geschlossen, das Ventil 6 geöffnet, die
Förderpumpe 4 und die Absaugpumpe 8 gestartet, das heisst, Flüssigkeit zirkuliert
von der ersten Zuführungsleitung 5 durch die Streckkammer 1 zur Abführungsleitung
7. Sie wird auch durch die zweite Zuführungsleitung 10 gefördert und tritt aus den
Vorbefeuchtungsöffnungen aus, was den Flüssigkeitskreislauf nicht wesentlich beeinflusst.
Ein Teil der Flüssigkeit verlässt die Streckkammer 1 durch den Fadenaustrittskanal
12 in die Abscheidekammer 2 und wird aus dieser durch die Absaugpumpe 8 abgesaugt.
- Wenn die Flüssigkeit im Tank 3 und in der Streckkammer 1 die Solltemperatur erreicht
hat, wird das Ventil 6 geschlossen, sodass der Streckkammer 1 nur noch Flüssigkeit
durch die zweite Zuführungsleitung 10 zufliesst, die durch den Fadenausgangkanal 12
abfliesst und von der Absaugpumpe 8 abgesaugt wird.
- Sobald die Streckkammer 1 leer ist, können die Kammern 1 und 2 geöffnet werden. Aus
den Vorbefeuchtungsöffnungen tritt immer noch Flüssigkeit aus, läuft den stationären
Kammerteilen 1.1 und 2.1 entlang nach unten und wird in die Absaugleitung 9 gesaugt,
sodass die Fadenführungselemente in den stationären Kammerteilen benetzt bleiben.
- Die Fäden werden mit einer Saugpistole auf den stationären kammerteilen 1.1 und 2.2
aufgelegt und über die erste Streckrolle, die auf die Streckkammeranordnung folgt,
gelegt.
- Die Kammern 1 und 2 werden geschlossen, wodurch vor allem in der Abscheidekammer 2
die Reibung durch vermehrte Umlenkung stark ansteigt.
- Das Ventil 6 wird geöffnet, sodass sich die Streckkammer 1 mit Flüssigkeit füllt.
- Wenn im Überlauf 1.1 der Streckkammer 1 ein genügendes Niveau erreicht ist, werden
die Fäden mit der Saugpistole auf dem Spuler aufgebracht und es kann zu automatischem
Betrieb übergegangen werden.
[0014] Es hat sich gezeigt, dass für die Vorbefeuchtung die Flüssigkeit vorteilhafterweise
pro Faden aus je einer Vorbefeuchtungsöffnung gegen die Fäden gefördert wird, wobei
die Vorbefeuchtungsöffnungen mindestens so breit wie die Fibrillenbändchen sind. Die
Querschnittsfläche der Vorbefeuchtungsöffnungen wird so bemessen, dass die Flüssigkeit
aus den Öffnungen hervorquillt und nicht in einem Strahl hervorspritzt. Nur so kann
bei geöffneter Kammer die aus den Vorbefeuchtungsöffnungen austretende Flüssigkeit
sicher in die Absaugleitung der Abscheidekammer gesaugt werden.
[0015] Die Flüssigkeitszufuhr durch die Vorbefeuchtungsöffnungen soll 2 bis 30% des durchlaufenden
Fadengewichtes betragen. Eine Justierung durch die Lochgrösse, durch eine einstellbare
Drossel 10.1 und/oder durch den Speisedruck der Förderpumpe 4 ist möglich.
[0016] Um Verstopfungen der Vorbefeuchtungsöffnungen zu vermeiden, ist es vorteilhaft, die
Kammerflüssigkeit in einem entsprechenden Filter 10.2 von Verunreinigungen zu befreien,
bevor sie durch die Vorbefeuchtungsöffnungen gefördert wird.
[0017] Figur 2 zeigt einen Schnitt durch den Bereich des Fadeneintrittkanales 11 in eine beispielhafte
Ausführungsform einer Streckkammer 1 mit Vorbefeuchtung. Die Figur stellt einen Schnitt
parallel zur Fadenlaufrichtung und senkrecht zur Ebenen in der die Fäden durch die
Kammer laufen, dar. Es ist darauf deutlich der Einlauf der Fäden F sichtbar. Die Fäden
laufen durch Trennelemente 20 voneinander beabstandet in den Fadeneinlaufkanal 11
der Streckkammer ein und werden im Bereiche des Fadeneinlaufkanales 11 vor dem Eintritt
in den Streckkammerhohlraum 21 durch zwei Fadenführungselemente 22 und 23 geführt
und dabei leicht umgelenkt. In Fadenlaufrichtung vor diesen beiden Umlenkstellen sind
die Vorbefeuchtungsöffnungen 24 angeordnet. Es handelt sich in dieser beispielhaften
Ausführungsform um (Kanäle mit einem Öffnungsquerschnitt von 0,2x1,5mm.
[0018] Während dem Betrieb sind sowohl die Fadenführungselemente 22 und 23 als auch die
Trennelemente 20 in der Kammerflüssigkeit eingetaucht, die bis in den Überlauf 1.3
auf der Streckkammer reicht, sodass die daran erzeugte Reibung klein bleibt. Solange
beim Anfahren das Flüssigkeitsniveau den Überlauf noch nicht erreicht hat, wird der
Faden und/oder die Fadenführungselemente durch die aus den Vorbefeuchtungsöffnungen
24 austretende Flüssigkeit genügend benetzt, um eine nicht tolerierbar hohe mechanische
Bremsung der Fäden durch trockene Reibung zu verhindern.
[0019] Eine weitere Ausführungsvariante besteht darin, die zweite Zuführungsleitung auf
bekannte Applikationsfadenführer zu führen, die unmittelbar vor der Streckkammer angeordnet
sind. Durch eine derartige Anordnung der Vorbefeuchtungsmittel ausserhalb der Streckkammer
kann trockene Reibung auch an den vor dem Fadeneinlaufkanal angeordneten Trennelementen
verhindert werden. Die Vorrichtung wird aber bedeutend aufwendiger, denn es muss mit
entsprechenden Mitteln wie bei der Applikation dafür gesorgt werden, dass die Vorbefeuchtungsflüssigkeit
in genau kontrollierter Menge auf die Fäden aufgebracht wird, da jeder Überschuss
an Flüssigkeit die folgende Apparatur verschmutzen wird.
1. Streckkammeranordnung mit einer Streckkammer mit einer Flüssigkeitszuführung und einer
Flüssigkeitsabführung, dadurch gekennzeichnet, dass sie vom Füllstand der Streckkammer unabhängige Vorbefeuchtungsmittel aufweist,
mit denen die in die Streckkammer einlaufenden Fäden vor ihrem Eintritt in den Streckkammerhohlraum
mit Kammerflüssigkeit befeuchtet weiden können.
2. Streckkammeranordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sie einen Flüssigkeitskreislauf bestehend im wesentlichen aus einer ersten absperrbaren
Zuführungsleitung (5) in die Streckkammer (1), einer Abführungsleitung (7) aus der
Streckkammer (1), einem Flüssigkeitstank (3) und einem Pumpmittel (4) aufweist und
dass sie eine zweite Zuführungsleitung (10) aufweist, die die Absperrmittel (6) der
ersten Zuführungsleitung (5) bypassiert und im Bereiche des Fadeneinlaufkanales (11)
der Streckkammer in Form von mindestens einer gegen die durchlaufenden Fäden gerichteten
Vorbefeuchtungsöffnung endet.
3. Streckkammeranordnung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorbefeuchtungsöffnungen (24) im Fadeneinlaufkanal (11) der Streckkammer
angeordnet sind.
4. Streckkammeranordnung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Streckkammer (1) einen stationären Teil (1.1) und einen gegen diesen aufklappbaren
Teil (1.2) aufweist und dass die Vorbefeuchtungsöffnungen (24) im stationären Kammerteil
(1.1) angeordnet sind.
5. Streckkammeranordnung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass pro die Streckkammer durchlaufendem Faden je eine Vorbefeuchtungsöffnung (24)
vorgesehen ist und dass diese um den Fadenabständen im wesentlichen entsprechenden
Abständen voneinander beabstandet horizontal nebeneinander angeordnet sind.
6. Streckkammeranordnung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass durch die Vorbefeuchtungsöffnungen eine Flüssigkeitsmenge entsprechend 2 bis
30% des durchlaufenden Fadengewichtes geför- 15 dert wird.
7. Streckkammeranordnung nach einem der Ansprüche 2 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine einstellbare Drossel (10.1) aufweist, mit 20 der die Flüssigkeitsmenge,
die durch die Vorbefeuchtungsöffnungen gefördert wird, eingestellt werden kann.
8. Streckkammeranordnung nach einem der Ansprüche 2 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass sie ein Filter (10.2) aufweist, durch das die Flüssigkeit von Verunreinigungen
befreit wird, bevor sie durch die Vorbefeuchtungsöffnungen gefördert wird.
9. Streckkammeranordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sie in Fadenlaufrichtung unmittelbar vor dem Fadeneinlaufkanal (11) in die Streckkammer
(1) für jeden Faden je einen Applikationsfadenführer aufweist, der mit Kammerflüssigkeit
gespeist wird.