[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft Betriebsverfahren für einen Wanderautomaten, der
mindestens einen Einzelautomaten umfasst, für eine Textilmaschine, insbesondere Spinn-
oder Zwirnmaschine, die mit einer Anzahl gleichartiger Produktionsstellen ausgerüstet
ist, weiterhin einen Wanderautomaten zur Bedienung der Maschine.
[0002] Für Bedienungsvorgänge an den Produktionsstellen werden vermehrt automatische Geräte
eingesetzt, welche sich selbsttätig entlang der Produktionsmaschine bewegen und nach
Bedarf an der betreffenden Produktionsstelle anhalten. Diese Geräte werden in der
Folge als Wanderautomaten bezeichnet.
[0003] Die heute bekannten Wanderautomaten sind an einer einzelnen Produktionsstelle aktiv.
Sind die an der Produktionsstelle zu erledigenden Arbeiten abgewickelt, steuert der
Wanderautomat eine weitere Produktionsstelle auf Anforderung hin oder im Laufe einer
Kontrollfahrt an.
[0004] Wenn an einer Textilmaschine mehrere Ereignisse zeitlich zusammenfallen, welche Aktionen
des Wanderautomaten notwendig machen, ist die Kapazität des Wanderautomaten mit der
Bedienung von jeweils nur einer einzigen Produktionsstelle rasch erschöpft. In der
Folge sinkt der Nutzeffekt der Textilmaschine, da die Wartezeiten von stillgesetzten
Produktionsstellen steigen.
[0005] Beim Einsatz eines Wanderautomaten an einer Produktionsstelle entstehen häufig Wartezeiten,
während der der Wanderautomat auf den Abschluss eines Vorganges in der Produktionsstelle
selbst wartet. Diese Wartezeiten gehen zu Lasten der Kapazität des Wanderautomaten
und beeinträchtigen damit wiederum den Nutzeffekt der Textilmaschine in jenen kritischen
Zeiträumen, in welchen eine grosse Anzahl von Aktionen erforderlich ist.
[0006] Ein Betriebsverfahren zur Wartung von Textilmaschinen sowie ein Wanderautomat zur
Durchführung des Verfahrens nach der CH-Anmeldung 03 679/90-8 ist in der Lage, eine
grössere Anzahl von Bedienungsoperationen an benachbarten Produktionsstellen in kurzer
Zeit zu erledigen.
[0007] Der Wanderautomat arbeitet mit mehreren räumlich gestaffelten Bedienungsstationen
gleichzeitig an mehreren Produktionsstellen der Textilmaschine.
[0008] Die Funktionen der Bedienungsstationen können redundant sein, so dass mehrere Bedienungsstationen
identische Funktionen ausüben können. Weiterhin können die Funktionen der einzelnen
Bedienungsstationen in einem sequentiellen Zusammenhang stehen. Dies bedeutet, dass
die Bedienung einer oderer mehrere Produktionsstellen der Textilmaschine in mehreren
Teilaktionen entsprechend mehreren Teilfunktionen der Bedienungsstation ablaufen,
wobei die Teilfunktionen in einzelnen Bedienungsstationen nacheinander oder gleichzeitig
verfügbar sind. Grundsätzlich ist auch eine Mischung der erwähnten Konzepte denkbar,
also die Anordnung redundanter Bedienungsstationen und solcher Bedienungsstationen,
die mit verschiedenen Teilfunktionen arbeiten. Ein derartiger Wanderautomat kann seine
Vorteile nutzen, wenn mehrere in unmittelbarer Nachbarschaft liegende Produktionsstellen
einer Textilmaschine gleichzeitig Aktionen erfordern. Wenn von der Textilmaschine
eine grosse Arbeitskapazität für verschiedene Aufgaben des Wanderautomaten erwartet
wird, ist der Einsatz eines solchen Wanderautomaten sinnvoll.
[0009] Bei einer Ringspinnmaschine wird mit mindestens einer Bedienungsstation kontrolliert,
ob der Spinnprozess bei allen bzw. einem Teil der Spinnstellen ohne Störungen abläuft.
Wenn ein Fadenbruch festgestellt wird, dann kann beispielsweise mit einem Hilfsfaden
die Verbindung von der zuzuführenden Lunte zum fertiggesponnenen Faden auf dem Spinnkops
hergestellt werden. Ein weiterer Einzelautomat kann beispielsweise für den Läuferwechsel
an der Ringspinnmaschine zuständig sein.
[0010] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Betriebsverfahren zur Wartung von
Textilmaschinen zu schaffen, bei dem Einzelautomaten nur dann eingesetzt werden, wenn
die für den Einsatz eines Einzelautomaten erforderlichen Gegebenheiten vorliegen.
[0011] Die Aufgabe wird dadurch gelöst, dass ein beliebiger Einzelautomat nur dann eingesetzt
wird, wenn die Spinnmaschine gerade abgeschaltet ist oder nach dem Wiederanlaufen
der Spinnmaschine Betriebsbedingungen gegeben sind, welche notwendigerweise während
einer gewissen Zeit nach dem Einsatz des Einzelautomaten erfüllt sein müssen. Beispielsweise
soll der Läuferwechsel über eine vorgegebene Anzahl Spinnstellen nur dann erfolgen,
wenn die Spinnmaschine nach dem Läuferwechsel nicht nur mit Rücksicht auf den Wechsel,
sondern auch aus anderen Gründen mit reduzierter Arbeitsgeschwindigkeit betrieben
wird.
[0012] Insbesondere wird der Läuferwechsel während eines Maschinenstillstandes vor oder
nach dem Doffvorgang oder nach dem Wiederanlaufen durchgeführt, und nach dem Doffvorgang
wird gleichzeitig mit dem Anspinnen bei reduzierter Drehzahl auch ein Läufereinlaufprogramm
gefahren, das ebenso wie der Anspinnvorgang bei reduzierter Arbeitsgeschwindigkeit
der Spinnmaschine abläuft.
[0013] Für den Läuferwechsel ist ein Einzelautomat vorgesehen, der getrennt von einem anderen
Einzelautomat oder gekoppelt mit diesem betrieben wird. Ein zweiter Einzelautomat
kann in erster Linie für das Einziehen des Spinngutes von der Vorgarnspule bis zur
Spindel vorgesehen sein. Es ist auch denkbar, einen einzigen Wanderautomaten zu betreiben,
der einerseits für das Ansetzen von Fäden an der Spinnstelle bzw. Einziehen von Spinngut
zur Spinnstelle hin ausgebildet ist und gleichzeitig die Funktion des Läuferwechsels
vollführt. Eine besonders vorteilhafte Anordnung ergibt sich, wenn ein Einzelautomat
den Läuferwechsel durchführt, und wenn dann anschliessend ein bzw. der andere Einzelautomat
das Fadenansetzen übernimmt, da beim Läuferwechsel an der laufenden Maschine ein Fadenbruch
an jeder Spinnstelle entsteht.
[0014] Der Einzelautomat für das Fadenansetzen kann seine Arbeit noch während des Stillstandes
der Spinnmaschine unmittelbar nach dem Auswechseln der Läufer aufnehmen. Voraussetzung
hierfür ist, dass es gelingt, den Faden, der von der Spinnstelle nach oben bis zum
Streckwerk einzuziehen ist, sicher mit dem Vorgarn zu verbinden, auch wenn beim Ansetzen
des Fadens die Streckwerkswalzen noch nicht angetrieben werden. Dies ist möglich,
wenn die Oberwalze ein wenig von der Unterwalze abgehoben wird, damit der Faden in
den Spalt zwischen Oberwalze und Unterwalze seitlich an das Vorgarn herangeführt werden
kann. Eine Vorrichtung zum beheben der Oberwalze ist beispielsweise in der Pat.-Publikation
DE 39331657 (2008) beschrieben. Mit dem Start der Spinnmaschine kann so lange zugewartet
werden, bis sämtliche Spinnstellen, bei welchen der Läufer ausgewechselt wurde, wieder
betriebsfähig sind, d.h., dass ein Faden angesetzt ist, der die Verbindung von der
Vorgarnlunte bis zur Spinnstelle herstellt. Andererseits kann die Spinnmaschine aber
auch gestartet werden, bevor der Einzelautomat zum Fadenansetzen seinen Arbeitseinsatz
beendet hat. Der Einzelautomat für das Fadenansetzen ist so ausgebildet, dass er auch
während des Spinnbetriebes einen Faden ansetzen kann. Ein derartiger Automat ist in
mehreren Patentanmeldungen beschrieben: EP 377888 (2151), DE 4106290 (2205), CH 1057/89
(2153).
[0015] Mit Vorteil wird der Läuferwechsel nur in einem bestimmten Bereich, d.h. über eine
Anzahl nebeneinanderliegender Spinnstellen hinweg durchgeführt. Zu einem späteren
Zeitpunkt werden dann weitere Spinnstellen erfasst.In der Steuerung der Spinnmaschine
kann ein Programmspeicher vorgesehen sein, der den Austausch von Läufern anfordert,
beispielsweise über 2 Sektionen, so dass sämtliche Läufer in einer Spinnmaschine erst
nach mehreren aufeinanderfolgenden Austauschaktionen bzw. Doffvorgängen erneuert sind.
Wenn eine Spinnmaschine beispielsweise 1000 Spindeln aufweist und während eines einzelnen
Läuferwechselvorganges 50 neue Läufer eingesetzt werden, dann sind sämtliche Läufer
einer Spinnmaschine nach 20 Arbeitseinsätzen des entsprechenden Einzelautomaten ausgetauscht.
Dies entspricht dann 20 Doffvorgängen oder einer Produktionszeit der Spinnmaschine,
während der 20′000 Kopse hergestellt werden. Der Einsatzbefehl an den Einzelautomaten
zum Austauschen der Läufer kann von der Spinnmaschine an den betreffenden Einzelautomaten
in seiner Parkposition über eine geeignete Datenübermittlungsstelle erfolgen. In diesem
Fall muss der Läuferwechselautomat über eine Steuerung verfügen, die ihn zum Anfahren
einer beliebigen vorgegebenen Spinnstelle befähigt.
[0016] Der Einzelautomat für den Läuferwechsel kann aber auch ohne eigene Steuerung zum
gezielten Aufsuchen einer Arbeitsposition betrieben werden, wenn er im Verbund mit
einem anderen Einzelautomaten, beispielsweise zum Fadenansetzen, eingesetzt wird.
In diesem Fall muss der andere Einzelautomat über eine Steuerung verfügen, mit der
er in die Nähe einer Zielspinnstelle fährt, bei der der Läuferwechsel durchgeführt
werden soll. Der Ansetzautomat fährt dabei von seiner Parkposition aus zu der betreffenden
Stelle. Sodann wird der Läuferwechselautomat ebenfalls in Bewegung gesetzt, ebenfalls
aus seiner Parkposition vom anderen Ende der Spinnmaschine aus, wobei er sich dem
Fadenansetzautomat bis auf eine bestimmte Distanz nähert. Das Einhalten dieser Distanz
kann durch vorzugsweise berührungslose Mittel zum betasten der Stellung des benachbarten
Objektes erreicht werden. Sodann wird der Läuferwechsel vom Läuferwechselautomaten
an einer vorbestimmten Anzahl Spinnstellen durchgeführt, wobei der Läuferwechselautomat
von Spinnstelle zu Spinnstelle jeweils nach einem Wechselvorgang um eine bestimmte
Wegstrecke versetzt wird. Die neue Position vor einem Läuferwechselautomaten kann
beispielsweise dadurch erreicht werden, indem der Läuferwechselautomat bis zu einer
bestimmten Marke, die er mit einem geeigneten Sensor abtastet, fährt, oder indem beispielsweise
ein Schrittmotorantrieb um eine bestimmte Anzahl Schritte vorwärts rückt.
[0017] Nachdem der Läuferwechselautomat seinen Wechselzyklus abgeschlossen hat und wieder
in seine Parkposition fährt oder noch während des Wechselvorgangs, nimmt der Fadenansetzautomat
an den Stellen, an welchen vorher neue Läufer eingesetzt wurden, seine Arbeit auf.
Nach Abschluss des Fadenansetzvorganges an sämtlichen Wechselstellen wird die Spinnmaschine
gestartet. Der Start kann automatisch erfolgen, wenn Steuerbereitschaft, beispielsweise
vom Fadenansetzautomat, in seine Parkposition an die Spinnmaschine gemeldet wird.
Beim Anspinnvorgang neuer Spinnkopse läuft die Spinnmaschine aus spinntechnologischen
Gründen mit reduzierter Drehzahl. Die Drehzahlen werden nach einem vorgegebenen Programm
in der Steuerung der Spinnmaschine nach belauf einer gewissen Zeit auf normale Betriebsdrehzahl
gesteigert. Die Arbeitsgeschwindigkeit der Spinnmaschine kann so gewählt werden, dass
sich auch günstige Geschwindigkeiten für die neu eingesetzten Läufer auf den Spinnringen
ergeben, so dass diese ohne übermässigen Verschleiss einlaufen können. Es werden also
gleichzeitig koordiniert das Einlaufprogramm für die Läufer und das Anspinnprogramm
für den neuen Kops gefahren, wobei die jeweils niedrigere Arbeitsgeschwindigkeit aus
dem jeweiligen Programm als Sollgrösse gewählt werden kann. In der Praxis wird man
bevorzugt ein einheitliches Anfahrprogramm wählen, das sowohl für den Läufereinlauf
als auch für das Anspinnen einen sinnvollen Kompromiss darstellt.
[0018] Der Läuferwechselautomat kann mit einer eigenen Energieversorgungsstation, beispielsweise
einer Batterie ausgerüstet sein, oder den für seine Einzelfunktionen nötigen elektrischen
Strom über eine Schiene von der Ringspinnmaschine beziehen. Der Einzelautomat für
das Läuferwechseln kann auch einen eigenen elektrisch betriebenen Kompressor für pneumatische
Funktionen aufweisen. Bei Integration des Läuferwechselautomaten in den Ansetzautomaten
wird ein gemeinsames Netz für elektrischen Strom bzw. Druckluft in ein und demselben
Automaten vorhanden sein. Der Läuferwechselautomat kann auch zeitweise an einen anderen
Bedienungsautomaten angekoppelt werden. Der Läuferwechsler oder allgemein der Einzelautomat
kann von einem anderen Bedienungsautomaten oder von der Spinnmaschine gesteuert werden
oder es können sowohl der Einzelautomat und der andere Bedienungsautomat von einem
übergeordneten Steuersystem kontrolliert werden. Die Steuerung des Läuferwechselautomaten
kann autonom sein, wobei übergeordnete Befehle von der Steuerung der Spinnmaschine
in der Parkposition übermittelt werden, oder er kann auch von der Steuerung des Fadenansetzautomaten
geführt werden, wobei Befehle dann übermittelt werden, wenn beide Einzelautomaten
in der oben definierten distanzierten Position zueinander sind. Die Uebermittlung
von Daten zwischen Ringspinnmaschine und Einzelautomaten bzw. den Einzelautomaten
untereinander kann beispielsweise mittels Lichtschranken im ASCI-Code realisiert werden.
Wenn ein Einzelautomat an mehreren Spinnmaschinen wahlweise eingesetzt wird, muss
eine Gesamtsteuerung der Ringspinnmaschinen im Spinnsaal vorgesehen sein, welche das
Zusammenspiel mindestens eines Läuferwechselautomaten, eines Fadenansetzautomaten
und mehrerer Ringspinnmaschinen koordiniert.
[0019] Der Läuferwechselautomat kann durch eine Bedienperson von einer Spinnmaschine auf
die andere umgesetzt werden, oder er kann mit einem eigenen Fahrantrieb versehen seinen
Weg von einer Spinnmaschine zur anderen entlang eines vorgegebenen Pfades fahren.
Innerhalb einer Spinnerei sind so viele Fadenansetzautomaten und Läuferwechselautomaten
vorzusehen, dass diese Geräte voll ausgelastet sind. Dadurch kann das Betriebspersonal
für andere anspruchsvollere Aufgaben eingesetzt werden.
[0020] Eine sinnvolle Lösung ergibt sich, wenn für eine grosse Spinnmaschine beispielsweise
zwei Fadenansetzautomaten vorgesehen sind, wobei auf jeder Seite einer Spinnmaschine
ein Einzelautomat zum Fadenansetzen vorgesehen ist,und ein Läuferwechselautomat für
mehrere Spinnmaschinen zum Einsatz bereitsteht. Der Läuferwechselautomat verlässt
dann eine Spinnmaschine, nachdem er in einem bestimmten beschnitt den Läuferwechsel
durchgeführt hat, und wird als nächstes bei derjenigen Spinnmaschine eingesetzt, bei
der der nächste Doffvorgang bevorsteht. Die Zeit bis zum nächsten Doffvorgang wird
durch die Steuerung der Spinnmaschine gerechnet oder kann auch durch ein zentrales
Betriebssteuersystem vorbekannt sein. Die Zeit bis zum nächsten Doffvorgang verbringt
dann der Läuferwechselautomat in einer Parkposition, in der Informationen von Ringspinnmaschine
an den Läuferwechselautomaten übergehen können. Er kann sich aber auch für einen bestimmten
Zeitpunkt vor dem nächsten Doffvorgang auf Signal von der Spinnmaschine her aus der
Parkposition dem Fadenansetzautomaten annähern, der seinerseits vor dem Doffvorgang
in die Nähe derjenigen Spinnstelle fährt, bei der der nächste Läuferwechsel durchgeführt
wird. Sobald der Fadenansetzautomat diese Stelle erreicht hat, kann sich der Läuferwechselautomat
dem Fadenansetzautomat wie oben beschrieben so weit auf Distanz nähern, dass er gerade
an der Stelle zum Halten kommt, bei der er seine Arbeit nach dem Doffvorgang bzw.
nach dem Abspinnen der Spinnmaschine aufnimmt. Die Einhaltung der Distanz und die
exakte Positionierung des Läuferwechselautomaten zur betreffenden Spinnstelle kann
durch Sensoren und Markierungen zwischen Läuferwechselautomat und Fadenansetzautomat
einerseits und zwischen dem Automaten und der Spinnstelle andererseits gefunden werden.
[0021] Der Läuferwechselautomat kann auch für den Austausch bzw. das Einsetzen neuer Läufer
in einer einzelnen Spinnstelle ausserhalb eines Wechselprogramms eingesetzt werden,
wenn von einem anderen Automaten oder einem Fühler mit geeigneten Mitteln festgestellt
wurde, dass ein Läufer in einer bestimmten Spinnstelle fehlt oder, dass die Ringtemperaturen
oder Läufertemperaturen zu hoch sind. Eine solche Einrichtung ist in der deutschen
Patentanmeldung P 41 17 953.6 beschrieben.
[0022] Durch die Erfindung können unproduktive Zeiten der Spinnmaschine infolge des Läuferwechsels
weitgehend reduziert werden, wenn der Läuferwechsel während eines aus anderen Gründen
notwendigen Maschinenstillstandes erfolgt, oder fast vollständig vermieden werden,
wenn der Läuferwechsel nach dem Wiederanlaufen der Spinnmaschine nach dem Doffvorgang
bei reduzierter Arbeitsgeschwindigkeit stattfindet.
[0023] Im folgenden wird die Erfindung anhand einiger Ausführungsbeispiele im einzelnen
beschrieben. Es zeigen:
Fig. 1 schematisch eine Textilmaschine mit einem Wanderautomaten,
Fig. 2a, 2b Einsatzmöglichkeiten verschiedener Wanderautomaten gemäss der Erfindung
an einer Textilmaschine,
Fig. 3a Arbeitspositionen der Einzelautomaten an einer Spinnmaschine
Fig. 3b ein Drehzahldiagramm
Fig. 4 eine schematische Darstellung eines Wanderautomaten beim Einsatz an einer Ringspinnmaschine,
Fig. 5 eine schematische Frontansicht eines Wanderautomaten mit vier Bedienungsstationen,
Fig. 5a einen Teil eines Wanderautomaten,
Fig. 5b zwei Spinnmaschinen mit Einzelautomaten in einer Spinnerei,
Fig. 5c einen Serviceautomat und einen Fadenansetzautomat, die zwei Sektionen eines
Wanderautomaten bilden können, in koordinierter Bewegung zueinander,
Fig. 5d ein Abstandsregelsystem der Einzelautomaten zueinander,
Fig. 5e eine Uebersicht über mehrere Spinnmaschinen mit einer zentralen Steuerung
für die Spinnmaschinen und für einen Wanderautomaten, der sich entlang von Laufbahnen
bewegt,
Fig. 6 einen Teil einer Spinnmaschine mit einer Ueberwachungseinrichtung
[0024] Fig. 1 zeigt die Textilmaschine mit einem Maschinenkopf K und Produktionsstellen
P, welche zu ihrer Identifikation die Nummern 1,2,3....N tragen. Der Wanderautomat
W verschiebt sich in Längsrichtung der Textilmaschine, um seine Arbeitsposition einzunehmen.
[0025] Fig. 2 zeigt in einer ersten Ausführungsform die prinzipielle Gliederung des Wanderautomaten
W, der aus mehreren Einzelautomaten mit verschiedenen bzw. Bedienungsstationen a,b,c,d,e
zusammengesetzt ist. Diese sind je für unterschiedliche Funktionen gestaltet. Eine
bestimmte Produktionsstelle P einer Textilmaschine M steht beim Fortschreiten des
Wanderautomaten W nacheinander mit einzelnen Bedienungsstationen a,b,c in Kontakt.
Nach dem Vollzug von Operationen an den Produktionsstellen P, vor welchen sich der
Wanderautomat befindet, kann er um eine oder mehrere Positionen weiterrücken. Die
gesamte Aktion an einer Produktionsstelle kann sequentiell in einzelnen beschnitten
verlaufen. Dies erfordert zusätzliche Zeit für das Verschieben des Wanderautomaten
von einer Position zur nächsten. Sobald aber mehrere benachbarte Produktionsstellen
P Aktionen erfordern, arbeitet der Wanderautomat gleichzeitig mit mehreren Bedienungsstationen
a,b,c an mehreren Produktionsstellen 1,2,3. Seine Arbeitsgeschwindigkeit wird damit
wesentlich erhöht, ohne dass die einzelnen Teilfunktionen besonders rasch ablaufen
müssen.
[0026] Fig. 3a zeigt zwei Wanderautomaten bzw. Einzelautomaten W und WL an einer Spinnmaschine
M, jeweils in einer Parkposition in ausgezogenen Linien und in strichpunktierten Linien
in jeweils einer Arbeitsposition, wobei sich beide Automaten bis auf eine definierte
Distanz angenähert haben. Die Automaten können auch gekoppelt oder als Einheit ausgeführt
sein. Im einfachsten Anwendungsfall ist beispielsweise der Automat W zum Ansetzen
von Hilfsfäden geeignet, und der Einzelautomat WL weist Mittel zum Wechseln der Läufer
auf. Es wird angenommen, dass im Bereich zwischen den Produktionsstellen P mit der
Nr. 100 und der Nr. N wie in Fig. 3a gezeigt die Läufer auszutauschen sind. Hierzu
bewegt sich der Einzelautomat WL aus seiner Parkposition links an der Spinnmaschine
M beim sogenannten Maschinenkopf KO bis zur Spinnstelle N, dessen Markierung MA er
mit einem Sensor W50 erkennt. Die Marke MA kann zusammen mit dem Sensor W50 auch zur
exakten Positionierung des Einzelautomaten WL benutzt werden. Damit der Einzelautomat
WL bei der Spinnstelle N ankommt, muss er beispielsweise über eine Zähleinrichtung
verfügen, die die Anzahl überfahrener Markierungen mitzählt und mit einem vorgegebenen
Zielwert vergleicht.
[0027] Wenn der Einzelautomat WL zum Läuferwechseln mit möglichst geringem Aufwand ausgeführt
sein soll, kann er auch seine Sollposition abhängig von einer exakten Nachbarposition
des Einzelautomaten W finden. Hierzu ist ein Abstandregelsystem nötig, das in Fig.
3a mit SE, d.h. Sender-Empfänger-Einheit angedeutet ist und im folgenden in einem
speziellen Ausführungsbeispiel näher erläutert wird. Soll nun der Einzelautomat WL
bei der Spinnstelle N seine Arbeit aufnehmen, fährt zuerst der Einzelautomat W′ bis
zur Spinnstelle X, welche in der Nähe der Ziel- Spinnstelle N ist, und nimmt dort
eine Wartestellung W′, strichpunktiert angedeutet, ein. Sodann bewegt sich der Einzelautomat
WL in Richtung auf den Einzelautomat W, bis er sich ihm soweit angenähert hat, dass
eine vorgegebene Distanz mittels der Sender-Empfänger-Einheit SE eingehalten ist.
Dann nimmt er seine Arbeit an der Spinnmaschine auf. Nach Austauschen des ersten Läufers
bewegt er sich gemeinsam mit dem Einzelautomat W′ weiter nach links bis zur nächsten
Spinnstelle, wobei der Einzelautomat W den Läuferwechselautomat WL führt. Der Einzelautomat
W, der zum Ansetzen eines Fadens in der Spinnstelle geeignet ist, kann nachfolgend
die beim Läuferwechsel gebrochenen Fäden ersetzen.
[0028] Wie oben erwähnt wurde, wird das Auswechseln der Läufer und das Wiederansetzen der
Fäden nach einem Doffvorgang in der Spinnmaschine vorgenommen, wobei die Spinnmaschine
entweder noch stillsteht oder bereits wieder eingeschaltet ist. Es wird angenommen,
dass der Wechselvorgang der Läufer zwischen den Spinnstellen 100 und N während einer
vergleichsweise kurzen Phase erledigt ist, die in Fig. 3b durch den Zeitabschnitt
A angegeben ist. Während dieses Zeitabschnittes A laufen die Spindeln der Spinnmaschine
mit einer vergleichsweise niedrigen Drehzahl verglichen mit der normalen Betriebsdrehzahl
Anb. Wie oben erwähnt, kann in der Steuerung bzw. einem Steuerteil M3 der Spinnmaschine
gemäss Fig. 5b ein Drehzahlprogramm in Form von Solldrehzahlen für die Spinnkopse
über der Zeit nk und/oder ein Programm für die Solldrehzahlen nl der Läufer über der
Zeit vorgegeben sein. Die Drehzahl nk muss während eines bestimmten Zeitabschnittes
nach dem Anspinnen neuer Kopse aus spinntechnologischen Gründen unterhalb vorgegebener
Werte bleiben, und die Solldrehzahlen nl für die Läufer dürfen bestimmte mit der Zeit
zunehmende Werte nicht überschreiten, da sich sonst vorzeitig hoher Verschleiss an
den Läufern einstellen würden. In der Praxis dürfte es gelingen, eine Einlaufkurve
für die Läuferdrehzahlen zu realisieren, die nahe bei einer idealen Hochlaufkurve
NK für die Spinnkopse liegt. Eine solche Kurve nl′ ist als Treppenkurve dargestellt,
die im wesentlichen der Linie MK in Fig. 3b folgt. Bei diesen Ueberlegungen wird die
Tatsache vernachlässigt, dass die Läuferdrehzahl grundsätzlich unterhalb der Spindeldrehzahl
liegt.
[0029] Dadurch, dass jeweils nur ein Teil der Läufer einer Spinnmaschine M jeweils nach
dem Doffen ausgetauscht wird, kann ein Produktionsverlust bzw. eine unproduktive Zeit
während des Läuferwechselns weitgehend vermieden werden. Im besten Fall ist nur jeweils
diejenige Spinnstelle ausser Funktion, bei der gerade der Läufer gewechselt wird,
wenn der Läuferwechsel nach dem Anlaufen in der Zeitphase A gemäss Fig. 3d erfolgt.
Andernfalls muss ein geringer Produktionsverlust in Kauf genommen werden, wenn die
Läufer noch vor der Phase A ausgetauscht werden. Sofern die Läufer noch vor dieser
Phase A ausgetauscht werden, können neue Fäden unter Umständen erst dann in die Läufer
eingezogen werden und an das Vorgarn angesetzt werden, wenn die Spinnmaschine angelaufen
ist.
[0030] Fig. 4 zeigt den Aufbau eines Wanderautomaten W an einer Ringspinnmaschine.
[0031] Eine einzelne Produktionsstelle einer Ringspinnmaschine M ist unterteilt in eine
Vorgarnzuführeinwicklung 119, ein Streckwerk 130, eine Ring-Läufer-Kombination 151,152
und eine Spindel 114.
[0032] In der folgenden Beschreibung wird davon ausgegangen, dass ein einziger Wanderautomat
W zur Verfügung steht, der sowohl die Funktion des Fadenansetzens als auch die Funktion
des Läuferwechsels ausführt. Wie weiter oben bereits erwähnt, können auch Einzelautomaten
je die erwähnten Teilaufgaben Fadenansetzen und Läuferwechsel übernehmen.
[0033] Der Wanderautomat W kann gemäss Fig. 4 nun die folgenden Aufgaben erledigen:
- Die Bedienungsstation a entnimmt einer Vorgarnspule 120 Vorgarn 121 und führt es ins
Streckwerk 130 ein. Anschliessend kann sie den Läufer 152 der betreffenden Produktionsstelle
suchen, den alten falls nötig entfernen und einen neuen Läufer 152 einsetzen, wenn
dies nicht durch einen separaten Einzelautomaten WL erledigt wird.
- Die Bedienungsstation b sucht das Fadenende 118 auf einem Spinnkops 116 und übernimmt
eine Reinigungsaufgabe, beispielsweise an einer Auslaufwalze 130′ des Streckwerkes
130.
- Die Bedienungsstation c setzt den Faden 118 von unten her bei der Auslaufwalze 130′
des Streckwerkes 130 an.
- Die Bedienungsstation x wechselt Vorgarnspulen 120, die mehr oder weniger verbraucht
sind, mit neuen Vorgarnspulen 120′. Sie sorgt bei einer gesonderten Fahrt des Wanderautomaten
W durch einen Abschnitt der Ringspinnmaschine M für das betrennen von Vorgarn 121
bei nicht ausgelaufenen Vorgarnspulen 120.
- Die Bedienungsstation y besteht aus einem Saug- und Blasgerät, das ununterbrochen
arbeitet und alle Elemente einer einzelnen Produktionsstelle reinigt.
[0034] Die Ringspinnmaschine M trägt in einem Gestelloberteil 101 Vorgarnspulen 120, darunter
das Streckwerk 130, unter dem sich ein Saugrohr 141 befindet, welches in einen Absaugkanal
140 mündet. Im Gestellunterteil 102 der Ringspinnmaschine M befindet sich eine Riemenscheibe
112, welche über einen Riemen 113 Spindeln 114 antreibt, die in einem Spindellager
115 sitzen. Die Spindeln 114 tragen auf einer Hülse 117 einen Spinnkops 116 mit dem
aufgewickelten Faden 118. Das Aufwickeln wird von einem Läufer 152 auf einem Ring
151 besorgt, der in einem Ringrahmen 150 sitzt. Darüber befindet sich ein Ballonring
161 an einem Ballonringhalter 160, und oberhalb dessen ein Fadenführer 171 in einem
Fadenführerhalter 170. Es sind Antriebe 153,163 und 173 in Form von Zugelementen an
Ringrahmen 150, Ballonringhalter 160 und Fadenführerhalter 170 befestigt. Die Antriebe
153,163 und 173 werden in einem Kanal 190 parallel zur Längsachse der Ringspinnmaschine
M geführt.
[0035] Der Wanderautomat W kann gemäss Fig. 4 und 5 in zwei Sektionen W1 und W2 gegliedert
sein, welche verschiedene Bedienungsstationen a,y,c,x tragen. Die Bedienungsstation
x wechselt wie erwähnt Vorgarnspulen 120 aus. Sie kann aber auch beispielsweise dazu
dienen, mit einem Fühler x2 am Arm x1 den Zustand von Vorgarnspulen 120 zu prüfen.
Ein Greifer x3 am Arm x1 kann einerseits Vorgarnspulen 120 erfassen oder eine Klemmvorrichtung
123 für Vorgarn 121 bedienen, indem der Greifer 130 auf einen Klemmhebel 125 gegen
einen Anschlag 124 drückt, wenn die Zufuhr von Vorgarn 121 in das Streckwerk 130 unterbrochen
werden soll.
[0036] Die Bedienungsstation a mit einem Schwenkarm a3 und einem Teleskoprohr a1 kann beispielsweise
Läufer 152 auswechseln, die im Inneren des Teleskoprohres a1 nachgeschoben werden.
Das Teleskoprohr a1 kann gemäss Doppelpfeil a2 versetzt und zusätzlich mit der Bewegung
des Schwenkarmes a3 verschwenkt werden. Ein Schwenkarm a4 mit dem Teleskoprohr a1
ist zusätzlich verschwenkbar. Der Wanderautomat W kann in einer anderen Ebene eine
Bedienungsstation y tragen, die äusserlich der Bedienungsstation a gleicht, wobei
aber die Bedienungsstation y wie erwähnt Saug- und Blasoperationen mittels des Teleskoprohres
a1 ausführt.
[0037] Eine weitere ähnliche Bedienungsstation c kann mit einem Teleskoprohr a1 auf demselben
Wanderautomaten W Hilfsfaden H aus einer Entnahmestelle E entnehmen, wobei die Länge
des Hilfsfadens von einer Zumessstation Z kontrolliert wird.
[0038] Im unteren Teil des Wanderautomaten W ist ein Fahrzeug F zu sehen, das die Sektionen
W1,W2 trägt. Zum Antrieb des Wanderautomaten W dient ein Fahrmotor F1 und ein Laufrad
F2, welches in einer Laufbahn L1 läuft. Eine weitere Laufbahn L im oberen Teil des
Wanderautomaten W sorgt für zusätzliche Führung.
[0039] Fig. 5 zeigt von der Maschine her gesehen die Konfiguration eines Wanderautomaten
mit dem Fahrzeug F, Fahrmotoren F1 bei der Laufbahn L1 und den Sektionen W1,W2, die
auf dem Fahrzeug F sitzen. Die Sektionen W1,W2 können grundsätzlich gleich gestaltet
sein und verschiedene Aufbauten W3,W4 tragen, die ihrerseits wiederum die Bedienungsstationen
c,x tragen. Andere Bedienungsstationen a,b können direkt an einer Sektion W1 angeordnet
sein, so dass sich verschiedene Arbeitshöhen der Bedienungsstationen ergeben. Das
Fahrzeug F kann ebenfalls aus Modulen F3,F4, die beliebig zusammengestellt werden
können, den jeweiligen Erfordernissen angepasst werden.
[0040] Der Wanderautomat kann auch als Automatengruppe aufgefasst werden, wobei mindestens
zwei Einzelautomaten gekoppelt oder nur miteinander koordiniert betrieben werden.
In diesem Fall fehlt das Kupplungselement K, und an seine Stelle tritt eine Sender-Empfänger-Einheit
SE nach Fig. 3a, die Teil einer Abstandsregeleinrichtung zwischen zwei Einzelautomaten
ist.
[0041] Der Wanderautomat W wird vorteilhaft so gestaltet, dass er auch für spezielle Aufgaben
eingesetzt werden kann. Durch einen modularen Aufbau, der eine für den Einsatzzweck
angepasste Konfiguration des Wanderautomaten erlaubt, kann bei mässigem gerätetechnischen
Aufwand grosse Flexibilität erreicht werden. Der Wanderautomat W kann gemäss Fig.
5 auch aus mindestens zwei Einheiten zusammengestellt werden, die im folgenden als
Serviceautomat W5 und Fadenansetzautomat W6 bezeichnet werden. Beide Automaten können
über das Kupplungselement K beispielsweise im unteren Teil bei den Fahrzeugmodulen
F3 und F4 gekoppelt werden, wobei diese Koppelung elastisch oder starr ausgeführt
werden kann. Bei einer elastischen Koppelung, welche lediglich die Distanz der Automaten
zueinander gewährleistet, sind gemäss Fig. 5 zusätzliche Laufräder F2′ jeweils an
einem Fahrzeug F3,F4 nötig.
[0042] Wenn das Kupplungselement K fehlt, können Serviceautomat W5 und Fadenansetzautomat
W6 aber individuell betrieben werden, wobei es zweckmässig sein kann, wenn sie koordiniert
arbeiten und in knappem bestand zueinander entlang der Textilmaschine M laufen. Eine
solche Betriebsweise kann beispielsweise für ein präventives programmgemässes Austauschen
der Läufer 152 einer Spinnmaschine M sinnvoll sein.
[0043] Der Serviceautomat bzw. Einzelautomat W5 übernimmt das Austauschen der Läufer 152.
Er verschiebt sich dabei nach Art eines führerlosen Transportgerätes frei von einer
Spinnmaschine M zur anderen. Er setzt sich selbsttätig auf eine Laufbahn L1, die für
den ständig an der Spinnmaschine operierenden Fadenansetzautomat W6 vorgesehen ist,
und fährt hinter dem Fadenansetzautomat W6 an ein Ende der Spinnmaschine M. Wenn der
Serviceautomat W5 selbständig von einer Spinnmaschine M zur anderen fahren soll, benötigt
er ein zusätzliches Fahrgestell F′, wie in Fig. 4 schematisch angedeutet.
[0044] Für den koordinierten Einsatz zweier Einzelautomaten, bspw. des Serviceautomaten
W5 und des Fadenansetzautomaten W6, müssen verschiedene Zusatzeinrichtungen vorhanden
sein, die anhand der Figuren 5b...5e erläutert werden.
[0045] In einer Spinnerei stehen mehrere Spinnmaschinen M, M′, M˝ nebeneinander, welche
jeweils in einen Mittelteil M2, einen Getriebeteil M1 und bspw. einen Steuerteil M3
gegliedert sind. Entlang des Mittelteiles M2 verlaufen auf jeweils beiden Maschinenseiten
Laufbahnen L1, an welchen die Einzelautomaten sich fortbewegen können. Soll nun bspw.
bei der Spinnmaschine M′ ein Läuferwechsel bei den einzelnen Spinnstellen oder Gruppen
davon ausgeführt werden, muss der Serviceautomat W5 zur Spinnmaschine M′ gesteuert
werden. Er orientiert sich entlang einer Laufbahn L2, die berührungslos auf den Serviceautomat
W5 einwirken kann. Die Laufbahn L2 und die Richtung Spinnmaschinen abzweigenden Laufbahnen
L3 und L3′ werden mit Vorteil in den Boden der Spinnerei eingelassen und wirken induktiv
auf den Serviceautomaten W5. Die Spinnmaschinen M, M′, M˝ sind über Signalleitungen
E1, E2, E3 mit einer zentralen Steuerung EZ gemäss Figur 5e verbunden. Weiterhin existiert
eine Verbindung zu der Laufbahn L2 und den Laufbahnen L3, L3′ über Signalleitungen,
wobei nur eine Signalleitung E4 in Fig. 5e eingezeichnet ist. Derartige Steuerungen
für bodengeführte Fahrzeuge, die sich in bestimmten Richtungen in einem Fabrikationsgebäude
bewegen sollen, sind aus der Transporttechnik bekannt.
[0046] Es wird angenommen, dass der Serviceautomat W5 sich nach Verlassen der Laufbahn L2
entlang der Laufbahn L3˝ zur Spinnmaschine M′ hin bewegt, um dort den Läuferwechsel
auszuführen. Ueber die zentrale Steuerung EZ kann der Fadenansetzautomat W6 an der
Spinnmaschine M′ den Befehl erhalten, sich in Richtung auf den Getriebeteil M1′ entlang
der Laufbahn L1 zu bewegen, um dort am Ende der Laufbahn L1 den Serviceautomat W5
zu erwarten. Nach Ankunft des Serviceautomaten W5 können sich beide koordiniert als
Automatengruppe in Bewegung setzen. Die koordinierte Automatengruppe bildet insgesamt,
wie weiter oben beschrieben, den Wanderautomaten W. Umgekehrt kann auch der Serviceautomat
W5 am Ende der Laufbahn L3˝ beim Getriebeteil M1′ die Ankunft des Fadenansetzautomaten
W6 abwarten, der programm- gesteuert monoton entlang der Laufbahn L1 hin- und herfährt.
[0047] Wenn sich der Serviceautomat W5 und der Fadenansetzautomat W6 gemeinsam in Bewegung
gesetzt haben, fahren sie an das andere Ende der Spinnmaschine beim Steuerteil M3,
M3′ oder programmgesteuert an eine beliebige Stelle, von wo aus dann die Läufer einer
Anzahl Spinnstellen ausgewechselt werden. Die schrittweise Fortbewegung des Serviceautomaten
W5 und des Fadenansetzautomaten W6 kann durch den Arbeitsrhytmus bspw. des Fadenansetzautomaten
W6 bestimmt werden, wobei dann der Einzelautomat W5 den Bewegungen des Fadenansetzautomaten
W6 folgt.
[0048] Die Einzelautomaten orientieren sich mit Sensoren W50 bzw. W60 gegenüber Markierungen
M50 bzw. M60 an der Spinnmaschine M′, wie in Fig. 5d angedeutet ist. Ausserdem kann
ein Abstandsregelsystem vorhanden sein, das bspw. aus einem Lichtsender W52 am Serviceautomaten
W5 besteht, dessen vom Fadenansetzautomaten W6 reflektierter Strahl W55 von einem
der Empfänger W54a, W54b, W54c empfangen wird.
[0049] Zur Abstandsregelung werden die Geschwindigkeiten der Einzelautomaten durch ihre
Antriebe so geregelt, dass der reflektierte Lichtstrahl W55 zwischen den Empfängern
W54a und W54c beim Empfänger W54b einfällt. Darüber hinaus können weitere Empfänger
vorhanden sein, bspw. Empfänger W53, welche die Maximaldistanz zwischen den Einzelautomaten
im Falle des Empfängers W53, wenn dort ein Lichtstrahl W56 einfällt, oder eine Minimaldistanz
zwischen den Einzelautomaten an deren Steuerungssysteme SW5 und SW6 melden.
[0050] Die Steuerungssysteme SW5 und SW6 der Einzelautomaten W5 und W6 sind mit den Fahrmotoren
F1 bzw. F1′ verbunden. Die Steuersignale der Empfänger W53, W54 usw. bestimmen über
die Steuerung SW5 des Serviceautomaten W5 die Laufgeschwindigkeit des Fahrmotors F1
und damit die Geschwindigkeit des Einzelautomaten W5 im Verhältnis zur Geschwindigkeit
des Ansetzautomaten W6. Da die Automaten sich in der Spinnerei entlang der Laufbahn
L2, L3, L3′ usw. bewegen können, müssen sie einen Kollisionsschutz bspw. in Form eines
elastischen Bügels W51 gemäss Fig. 5c aufweisen, bei dessen Verformung der Fahrmotor
F1 augenblicklich gestoppt wird, damit Beschädigungen oder Verletzungen vermieden
werden. Zusätzlich kann zur Sicherung auch noch der Sender W52 und die Empfänger W54
benutzt werden.
[0051] Bevor sich beide Automaten in Bewegung setzen, wird die Drehzahl der Spinnmaschine
M auf die Anfangsdrehzahl eines Läüfer-Einlaufprogrammes gesenkt. Nun beginnt das
Auswechseln der Läufer 152 bei laufender Spinnmaschine M, wobei nur jeweils eine Spindel
114, an der der Läuferaustausch erfolgt, stillgesetzt wird. Die Funktion kann folgendermassen
ablaufen:
- Der Einzelautomat W5 greift gemäss Fig. 5a und 4 oberhalb des Ringes 151 mit dem Entnahmehaken
b′ am Rohr b1 in den Umlaufbereich des Fadens 118, wodurch dieser bricht. Dann legt
das Rohr b1 einer Bedienungsstation a gemäss Fig. 5 und 5a den Entnahmehaken b′, der
im Endbereich elastisch gestaltet ist, an den Ring 151, wodurch der Läufer 152 auf
den Entnahmehaken b′ aufläuft. Durch Zurückziehen des Rohres b1 gemäss Pfeil b1′ wird
der Läufer 152 vom Ring 151 gelöst und durch das Rohr b1 abgesogen. Der Entnahmehaken
b′ muss so relativ zur Mündung des Rohres b1 angebracht sein, dass der Läufer 152
sicher in das Innere des Rohres b1 gelangt. Von dort wird er in einen Speicher gesaugt.
- Für die Funktion des Läuferauswechselns kann es auch zweckmässig sein, eine zusätzliche
Bedienungsstation d gemäss Fig. 5,6 im Serviceautomat anzuordnen, wenn die Spindel
114 mittels eines Riemens 113 angetrieben wird. Die Bedienungsstation d arbeitet in
der Ebene der Bedienungsstation a gemäss Fig. 5 und kann nach Fig. 6 eine Bremse BR
für die Spindel mittels eines Armes d1 betätigen, bevor sich der Entnahmehaken b′
in Fig. 5a dem Ring 151 nähert. Das Anlegen des Entnahmehakens b′ erfolgt dann während
eines kurzzeitigen Stillstands der Spindel 114 und somit des Läufers 152. Der Arm
d1 löst dann nochmals kurzzeitig die Bremse BR, wodurch der mit der Spindel 114 rotierende
Faden 118 den Läufer 152 auf den Entnahmehaken b′ aufschleppt. Nach Auflaufen des
Läufers 152 am Entnahmehaken b′ reisst der Faden ohne Eingriff eines weiteren Bedienungsorgans
von selbst. Wenn für jede Spindel 114 ein Motor EM anstatt eines Riemens 113 vorgesehen
ist, kann nach Fig. 6a die Steuerung ST1 der Spinnmaschine, welche mit der Steuerung
ST2 des Wanderautomaten W in Verbindung steht, den betreffenden Motor EM vor dem Anlegen
des Entnahmehakens b′ kurzzeitig ausschalten und nachher nochmals kurz einschalten,
womit der Läufer 152 wie oben beschrieben sicher auf den Entnahmehaken b′ gelangt
und entsorgt werden kann. Das Ein- und Ausschalten des Motors M kann auch durch den
Arm d1 und den Schalter MS nach Fig. 6 bewerkstelligt werden. Hilfsweise kann auch
ein System von mehr oder weniger tangential zum Ring angeordneten Düsen D den Läufer
an den Entnahmehaken blasen, wie in Fig. 5a gezeigt ist.
- Nun wird ein neuer Läufer aus dem Teleskoprohr a1 der Bedienungsstation b nach Art
eines handelsüblichen Handgerätes aufgesetzt. Ein rohrförmiges Einsetzgerät für Läufer
ist beispielsweise im deutschen Gebrauchsmuster Nr. G 83 29 000.1 publiziert.
- Der dem Serviceautomat W5 folgende Fadenansetzautomat W6 wird darauf vor die Spinnstelle
mit dem neuen Läufer 152 bewegt und setzt mit der Bedienungsstation c den Faden 118
neu an.
[0052] Für die Verschiebung des Serviceautomaten W5 von einer Spinnmaschine M zur anderen
genügt beispielsweise ein induktiver Leitstreifen L3,L3′ im Saalboden. Eine Batterieladeeinheit
für die Batterien B des Serviceautomaten W5 kann entfallen, da diese nur beim Umsetzen
von einer Spinnmaschine M zur anderen benötigt werden. Die Einsatzdauer des Serviceautomaten
W5 auf einer Spinnmaschine wird zum Nachladen der Batterien B gemäss Fig. 4 genutzt,
wobei ein Stromabnehmer S in der Spinnmaschine M abgetastet wird oder die elektrische
Energie induktiv übertragen wird. Dazu ist gemäss Fig. 4 ein elektrischesr Leiter
EL zwischen dem Wanderautomat W und der Spinnmaschine M vorgesehen.
1. Betriebsverfahren für einen Wanderautomaten, der mindestens einen Einzelautomaten
anfasst, für eine Textilmaschine, insbesondere eine Spinn- oder Zwirnmaschine, die
mit einer Anzahl gleichartiger Produktionsstellen ausgerüstet ist, dadurch gekennzeichnet,
dass
ein beliebiger Einzelautomat (W5) nur dann eingesetzt wird, wenn die Spinnmaschine
M gerade abgeschaltet ist oder wenn nach dem Wiederanlaufen der Spinnmaschine M Betriebsbedingungen
gegeben sind, welche notwendigerweise während einer gewissen Zeit nach dem Einsatz
des Einzelautomaten erfüllt sein müssen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass
der Läuferwechsel über eine vorgegebene Anzahl Spinnstellen nur dann erfolgt, wenn
die Spinnmaschine nach dem Läuferwechsel nicht nur mit Rücksicht auf den Wechsel,
sondern als auch anderen Gründen mit reduzierter Arbeitsgeschwindigkeit betrieben
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass
der Läuferwechsel während eines Maschinenstillstandes vor oder nach dem Doffvorgang
oder nach dem Wiederanlaufen der Textilmaschine durchgeführt wird, und dass nach dem
Doffvorgang gleichzeitig mit dem Anspinnen bei reduzierter Arbeitsgeschwindigkeit
ein Läufereinlaufprogramm gefahren wird, das gleichzeitig mit dem Anspinnvorgang bei
reduzierter Arbeitsgeschwindigkeit der Spinnmaschine abläuft.
4. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
für den Läuferwechsel ein Einzelautomat vorgesehen ist, der getrennt von einem anderen
Einzelautomaten oder gekoppelt mit diesen betrieben wird, wobei der andere Einzelautomat
(W6) in erster Linie für das Einziehen des Spinngutes von einer Vorgarnspule (120)
bis zur Spindel (114) oder umgekehrt ausgebildet ist.
5. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
in der Steuerung der Spinnmaschine (M) ein Programmspeicher vorgesehen ist, der den
Austausch von Läufern über eine Anzahl nebeneinanderliegender Spinnstellen (100....N)
anfordert, und das beim nächstfolgenden Doffvorgang die Läufer der daran anschliessenden
Spinnstellen ausgetauscht werden, so dass sämtliche Läufer in einer Spinnmaschine
erst nach mehreren Austauschaktionen bzw. Doffvorgängen erneuert sind.
6. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
der Einsatzbefehl an den Einzelautomaten (W5) zum Austauschen der Läufer von der Spinnmaschine
(M) an den betreffenden Einzelautomaten in seiner Parkposition (W50, MA) über eine
geeignete Datenübermittlungsstelle (SE) erfolgt.
7. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
beim Anspinnvorgang neuer Spinnkopse die Spinnmaschine mit reduzierter Drehzahl nach
einem vorgegebenen Programm in der Steuerung der Spinnmaschine (M) betrieben wird,
und dass die Arbeitsgeschwindigkeit allmählich gesteigert wird, wobei die Geschwindigkeitswerte
über der Zeit so gewählt sind, dass sich für die neu eingesetzten Läufer günstige
Geschwindigkeiten ergeben, die keinen übermässigen Verschleiss nach sich ziehen.
8. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
nach dem Doffvorgang und dem Läuferwechsel oder bei Läuferwechsel während des Anspinnens
neuer Kopse ein Einlaufprogramm für die Läufer und ein Anspinnprogramm für die neuen
Kopse koordiniert gefahren werden, wobei die jeweils niedrigere Referenz- Arbeitsgeschwindigkeit
aus dem jeweiligen Programm als Sollgrösse gewählt wird.
9. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
der Einzelautomat (W5) für den Läuferwechsel zeitweise an verschiedenen Textilmaschinen
(M, M′) eingesetzt wird, wobei jeweils diejenige Textilmaschine mit den Voraussetzungen
für einen Läuferwechsel berücksichtigt wird.
10. Wanderautomat zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Sektion des Wanderautomaten (W) als Einzelautomat (W5) zum Läuferwechsel ausgebildet
ist, und dass eine weitere Sektion als Fadenansetzautomat (W6) nach dem Läuferwechsel
betreibbar ist.
11. Wanderautomat nach vorstehendem Ansprch, dadurch gekennzeichnet, dass
die Einzelautomaten (W5, W6) koordiniert, aber räumlich getrennt einsetzbar sind.