[0001] Die Erfindung betrifft einen Rollstuhl gemäß Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Durch EP 0 312 969 A2 ist ein Rollstuhl der betreffenden Art bekannt, bei dem alle
den Rahmen bildenden Profile einen massiven Querschnitt haben und jeweils auf der
Innenseite und dazu versetzt auf der Außenseite T-Nuten aufweisen, in die Köpfe von
Verbindungsschrauben eingreifen, mit denen die einzelnen Rahmenteile gelenkig und
verschieblich miteinander reibschlüssig verbunden sind. Nur die Verbindung zwischen
dem Rahmenlängsprofil ist mit dem rückseitigen Profil ist ungelenkig, jedoch verschieblich.
Zur Verstellung der Sitzgeometrie ist es bei diesem bekannten Rollstuhl erforderlich,
sämtliche Schrauben, auch die an den Gelenkstellen, zu lösen, so daß alle Teile frei
zueinander verschwenkbar und verschieblich sind. Nach der Einstellung werden die Schrauben
festgezogen, so daß eine reibschlüssige Verbindung hergestellt ist. Die Konstruktion
des Rahmens ist besonders schwer und aufwendig, und die Einstellung ist kompliziert.
Von besonderem Nachteil ist jedoch die Tatsache, daß die Verbindungen zwischen den
einzelnen Profilen, bis auf die zwischen dem Rahmenlängsrohr und dem hinteren Rohr,
nur reibschlüssig sind. Diese reibschlüssige Verbindung ist verhältnismäßig schwach
und kann sich darüber hinaus bei Lockern einer entsprechenden Klemmschraube völlig
lösen, so daß die gesamte Sitzgeometrie bei Gebrauch verlorengeht, der Rahmen weitgehend
in sich zusammenfallen kann und unbrauchbar wird. Dieser bekannte Rollstuhl ist daher
nicht sicher.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Rollstuhl der betreffenden Art zu
schaffen, der leicht, dessen Sitzgeometrie einfach zu verstellen und der sicher im
Gebrauch ist.
[0004] Die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe wird durch die im Kennzeichen des Anspruchs
1 angegebene Lehre gelöst.
[0005] Nach der Erfindung bestehen die Profile aus Rohren und geben daher bei geringstem
Gewicht maximale Steifigkeit. Darüber hinaus ist die Verbindung jeweils zwischen dem
Rahmenlängsrohr und dem Vorderrohr fest, also starr. Dadurch entfällt zwar eine Verstellmöglichkeit
gegenüber dem bekannten Rollstuhl, jedoch ist diese Verstellmöglichkeit entbehrlich,
da sie durch die anderen Verstellmöglichkeiten mit übernommen werden kann. Durch die
starre Verbindung entfällt eine Gefahrenquelle durch Lösen einer reibschlüssigen Verbindung,
wodurch der Rahmen auch insgesamt wesentlich steifer ist. Die steife Verbindung kann
durch eine feste Verbindung der Vorderrohre mit den Rahmenlängsrohren erfolgen, z.B.
durch Verschweißen, oder dadurch, daß jedes Vorderrohr einen nach hinten wegstrebenden
Rohrstutzen aufweist, der in das Rahmenlängsrohr einsteckbar und lösbar mit dem Rahmenlängsrohr
verbunden ist. Eine derartige Verbindung ist zwar lösbar, jedoch wegen des teleskopartigen
Einschubs des Rohrstutzens in das Rahmenlängsrohr winkelsteif und dabei äußerst sicher
und fest. Weiterhin weist die erfindungsgemäße Lösung eine Gelenkverbindung zwischen
den Sitzstangen und den rückwärtigen Rohren des Rahmens auf, die als Drehschubgelenk
ausgebildet ist. Hierdurch werden Abstandsänderungen aufgenommen, die sich zwischen
dem oberen Ende der Vorderrohre und den hinteren Rohren ergeben können.
[0006] Eine zweckmäßige Weiterbildung besteht darin, daß die Rohrstutzen mit Hilfe wenigstens
einer der zur Befestigung der Halterungen an den Rahmenlängsrohren vorgesehenen Schrauben
mit den Rahmenlängsrohren verbindbar sind. Mit diesen Schrauben werden also gleichzeitig
die Halterungen für die Vorderräder und die Rohrstutzen mit den Rahmenlängsrohren
fest miteinander verbunden.
[0007] Eine andere Weiterbildung der Erfindung besteht darin, daß die als Drehschubgelenk
ausgebildete Gelenkverbindung zwischen den Sitzstangen und den rückseitigen Rohren
des Rahmens eine am Rohr angeschweißte Lasche umfaßt, die in einer endseitigen Nut
des Rohres angeordnet ist und ein Langloch aufweist, in dem ein die Nut quer durchsetzender
Bolzen geführt ist. Diese Konstruktion ist besonders einfach, und die Reibkraft an
der Lasche ist verhältnismäßig groß, so daß die Verbindung nach Verstellung des Rahmens
äußerst winkelsteif ist.
[0008] Die Erfindung soll nachfolgend anhand der beigefügten Zeichnung näher erläutert werden.
[0009] Es zeigt:
- Fig. 1
- eine perspektivische Darstellung eines Teiles eines Rollstuhles mit einer Vorrichtung
zum Einstellen der Fahrwerks- und der Sitzgeometrie,
- Fig. 2
- schematisch eine Ansicht der Innenseite eines die Räder des Rollstuhles haltenden
Rahmenteiles und
- Fig. 3
- einen Schnitt durch eine spezielle Ausführungsform einer das Vorderrad aufnehmenden
Bauteiles.
[0010] Gleiche Bauteile in den Figuren der Zeichnung sind mit den gleichen Bezugszeichen
versehen.
[0011] Die Zeichnung zeigt einen Teil eines Rollstuhles 2 mit einem Rahmen 4, an dem eine
Rückenlehne 6 mit einem Rückenbügel 8, ein Sitz 10 mit einem Sitzbügel 12 und eine
Fußstütze 14 angeordnet sind. Die Rückenlehne 6 ist hier mit Hilfe von feststellbaren
Gelenken 16 nach vorn klappbar ausgebildet. Die Rückenlehne kann auch starr ausgebildet
sein.
[0012] Der Rahmen weist zwei Seitenteile 18, 20 mit sich nach unten erstreckenden Rohren
22 auf, auf denen sich jeweils eine Halterung 24 mit Gleitbuchse 26 befindet. Jede
Halterung 24 trägt ein Rahmenlängsrohr 25 und ist als Klemmvorrichtung ausgebildet,
die mit Hilfe von Schrauben 28 am Rohr 22 festklemmbar ist. Durch Lösen der Schrauben
28 kann die Halterung stufenlos in der Höhe verstellt werden.
[0013] Auf jedem Rahmenlängsrohr 25 ist eine Hinterachshalterung 30 horizontal stufenlos
verschiebbar angeordnet. Die beiden Hinterachshalterungen sind bei der dargestellten
Ausführungsform durch eine starre Hinterachse 33 miteinander verbunden. Auf diese
Hinterachse kann auch verzichtet werden.
[0014] Die Hinterachshalterungen sind ebenfalls als Klemmvorrichtungen ausgebildet und werden
mit Hilfe von Schrauben 34 auf den Rahmenlängsrohren 25 festgeklammt.
[0015] Die Hinterachshalterungen 32 weisen jeweils ein Halteteil 36 für eine Radachsaufnahmevorrichtung
38 auf. Die Halteteile 36 sind ebenfalls als Klemmvorrichtungen ausgebildet, die zum
Lockern und Fixieren der Radachsaufnahmevorrichtungen 38 jeweils mit einer Klemmschraube
40 versehen sind. Die Radachsaufnahmevorrichtungen 38 sind mit einer zur Hinterachse
32 unter einem vorgegebenen Winkel angeordneten Schrägbohrung 42 (gestrichelt angedeutet)
versehen zur Einstellung eines negativen Radsturzes. Die Schrägbohrungen 42 dienen
zur Aufnahme der Hinterradachsen 44, auf denen Naben 46 von Hinterrädern 48 gelagert
sind. Die Hinterradachsen 44 können als Schraub- oder Steckachsen ausgebildet sein.
[0016] Der Sitz 10 des Rollstuhles weist von den Rohren 22 sich nach vorn erstreckende Sitzrohre
50 auf, die jeweils über eine Gelenkverbindung 52 mit einem der Rohre 22 drehbar verbunden
sind. Die Drehachse 54 der Gelenkverbindung 52 ist in einem Langloch 56 einer am Rohr
22 befindlichen Lasche 57 angeordnet, die in eine im Rohr ausgebildete Nut hineinragt,
so daß die Gelenkverbindung 52 nicht nur eine Dreh-, sondern auch eine begrenzte Längs-
bzw. Schubbewegung des Sitzrohres 50 ermöglicht.
[0017] Die vorderen Enden der Sitzstangen 50 sind über ein Drehgelenk 58 mit Drehbolzen
59 mit sich nach unten erstreckenden Vorderrohren 60 verbunden. Die Vorderrohre 60
weisen einen nach hinten zeigenden Rohrstutzen 62 auf, der in das Rahmenlängsrohr
25 eingesteckt ist.
[0018] In die unteren Enden der Vorderrohre 60 sind die Enden des Fußstützrohres eingesteckt
und mittels Klemmschrauben 64 fixierbar.
[0019] Im Bereich der vorderen Enden der Rahmenlängsrohre 25 sind Vorderradhalterungen 66
angebracht. Jede Vorderradhalterung 66 weist ein Steuerkopfrohr 68 auf, das zur Aufnahme
und Lagerung einer Gabel 70 eines Vorderrades 72 dient, sowie ein fest mit dem Steuerkopfrohr
verbundenes Befestigungsteil 74 zur Verbindung mit dem Rahmenlängsrohr 25.
[0020] Zur Befestigung der Vorderradhalterung 66 dienen zwei Klemmschrauben 76 und 78, von
denen die eine das Befestigungsteil 74 mit dem Rahmenlängsrohr 25 und die andere die
Vorderradhalterung im Bereich des Steuerkopfrohres 68 mit dem Rahmenlängsrohr 25 verbindet,
vgl. insbesondere Fig. 2 und 3.
[0021] Die Schraube 76 befindet sich in einem bogenförmigen Langloch 80, das eine gewisse
Verdrehung des Steuerkopfrohres 68 um die Schraube 78 als Drehpunkt nach Lockern der
Schrauben 76 und 78 zuläßt. Hierdurch ist eine gewisse Nachjustierung des Steuerkopfrohres
68 möglich, der stets senkrecht angeordnet sein sollte.
[0022] Eine der oder beide Klemmschrauben 76, 78 dienen gleichzeitig zur Fixierung des Rohrstutzens
62 des Vorderrohres 60 im Rahmenlängsrohr 25, vgl. Fig. 3.
[0023] Die Vorderrohre 60 sind über das Drehgelenk 58 und die Steckverbindung im Bereich
des Rohrstutzens 62 von den Sitzrohren 50 und den Rahmenlängsrohren 25 lösbar und
damit beliebig austauschbar.
[0024] Das Vorderrohr 60 kann auch fest mit dem Rahmenrohr 25 verbunden sein, wodurch allerdings
die Austauschbarkeit entfällt.
[0025] Die Vorderradhalterung 66 ist stufenweise entlang dem Rahmenlängsrohr 25 verstellbar
durch Vorsehen weiterer Bohrungen 82 im Rahmenlängsrohr 25, vgl. Fig. 1 und 2.
[0026] Das Bezugszeichen 84 bezeichnet Anschlagschrauben am Rückenlehnengelenk, mit denen
die Lehnenneigung einstellbar ist.
[0027] Die Rahmenlängsrohre 25 können, wie dargestellt, im vorderen Bereich außerhalb des
Horizontalverstellbereichs der Hinterachshalterungen 30 leicht nach unten abgeknickt
sein.
[0028] Die Hinterachse 32 kann anders als in der Fig. 1 dargestellt auch unterhalb der Rahmenlängsrohre
25 angeordnet werden durch entsprechendes Umstecken der Hinterachshalterungen 30,
wie dies in der Fig. 2 schematisch dargestellt ist, wodurch auf einfache Weise eine
Sitzhöhenveränderung erreichbar ist.
[0029] Bei Verschiebung der Rohre 22 in den Halterungen 24 werden die Rahmenlängsrohre 25
in der Höhe verstellt, und damit werden gleichzeitig die Hinterräder 48 höhenverstellt.
Da gleichzeitig auch die Vorderräder 72 entsprechend mit verstellt werden, ist eine
Nachjustierung der Vorderräder nicht notwendig. Die Rückenlehne 6 bleibt stets in
der vorgegebenen, ursprünglich eingestellten Lage, da durch die Höhenverstellung eine
Neigung des Rahmens nicht auftritt. Durch die Höhenverstellung der Rohre 22 wird nur
das Sitzgefälle verstellt, da sich durch die Verstellung der Abstand zwischen den
Halterungen 24 und den Gelenkverbindungen 52 ändert und damit die Neigung der Sitzrohre
50, die relativ zu den Vorderrohren 60 und zu den Rohren 22 durch Vorsehen der beiden
Gelenkverbindungen 58 und 52 als Reaktion auf die Verschiebung der Halterungen verschwenken.
Da durch die Höhenverstellung der Rohre 22 lediglich eine Parallelverschiebung der
Vorderrohre 60 zu den Rohren 22 erfolgt, ändert sich bezüglich der Sitzrohre der Abstand
zwischen den Gelenken 58 und 52. Diese Abstandsänderung wird ermöglicht durch die
verschiebliche Führung des Drehbolzens 54 im Langloch 56 der Lasche 57.
[0030] Eine Verstellung des voreingestellten negativen Sturzes der Hinterräder infolge irgendwelcher
Einflüsse kann individuell für jedes Rad durch Verdrehen der Radachsaufnahmevorrichtungen
38 ausgeglichen werden.
1. Rollstuhl mit einem Rahmen, an dem eine Rückenlehne, ein Sitz und eine Fußstütze angeordnet
sind und an dessen beiden Seiten jeweils ein Rahmenlängsprofil mit Halterungen für
manuell angetriebene Hinterräder und für Vorderräder längsverstellbar angebracht sind,
wobei jedes Rahmenlängsprofil starr an einer Halterung angebracht ist, welche höhenverstellbar
auf einem aufrechten, rückseitigen Profil des Rahmens angeordnet ist,
wobei sich vom vorderen Ende beider Rahmenlängsprofile jeweils ein Vorderprofil
nach oben erstreckt und an beiden Vorderprofilen jeweils ein Ende eines Sitzprofiles
angelenkt ist, dessen anderes Ende über eine Gelenkverbindung mit dem aufrechten,
rückseitigen Profil des Rahmens verbunden ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß die den Rahmen bildenden Profile (25, 22,, 60, 50) Rohre sind,
daß die Vorderrohre (60) jeweils fest (z.B. durch Verschweißen) mit den Rahmenlängsrohren
(25) verbunden sind oder
daß jedes Vorderrohr (60) einen nach hinten wegstrebenden Rohrstutzen (62) aufweist,
der in das Rahmenlängsrohr (25) einsteckbar und lösbar mit dem Rahmenlängsrohr (25)
verbunden ist, und
daß die Gelenkverbindung (52) zwischen den Sitzrohren (50) und den rückseitigen
Rohren (22) des Rahmens ein Drehschubgelenk ist.
2. Rollstuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Rohrstutzen (62) mit Hilfe wenigstens einer der zur Befestigung der Halterungen
(66) an den Rahmenlängsrohren (25) vorgesehenen Schrauben (76, 78) mit den Rahmenlängsrohren
verbindbar ist.
3. Rollstuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Gelenkverbindung (52) eine am Rohr (22) angeschweißte Lasche (57) umfaßt,
die in einer endseitigen Nut des Rohres (22) angeordnet ist und ein Langloch (56)
aufweist, in dem ein die Nut quer durchsetzender Bolzen (54) geführt ist.