[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Tafelanlagesystem für Pressen nach dem Oberbegriff
des Patentanspruchs 1.
[0002] Derartige Tafelanlagesysteme dienen dazu, Tafeln, beispielsweise auf Aluminiumblech,
positioniert einer Presse zuzuführen, die eine vorgegebene Anzahl von Rohlingen aus
der Tafel ausstanzt. Die Tafel wird in den Greifmitteln eingespannt und vom Vorschubschlitten
zwischen den Stanzwerkzeugen bewegt, wobei die Bewegung normalerweise entlang zweier
orthogonaler Achsen stattfindet, da zwecks günstiger Materialausnutzung eine versetzte
Teilung gewählt wird. Aus dem DE-GM 83 18 201 ist ein Tafelanlagesystem bekanntgeworden,
bei dem der Vorschubschlitten zwei Greifzangen aufweist, welche die Tafel an der hinteren
Kante erfassen und schrittweise in die Werkzeugmaschine vorschieben. Der Vorschub
ist an die Bewegung der Werkzeugmaschine, beispielsweise der Stanze, gekoppelt derart,
daß der Vorschub in einer Zeit erfolgt, in der das Werkzeug einen Rückhub ausführt
und sich mithin außerhalb der Arbeitsebene befindet. Nach Beendigung eines Arbeitszyklus
für die Tafel fährt der Vorschubschlitten in eine Ausgangs- oder Aufnahmeposition
zurück, in der er die nächste Tafel erfaßt. Diese Tafel wird von einem Ladeschlitten
aus einer Positionierstation lagerichtig in die Ladeposition vorgeschoben, in der
sich die Tafel unmittelbar vor dem Werkzeug befindet. Hierbei bewegt sich der Ladeschlitten
unter der Vorschubvorrichtung hindurch, um die Blechtafel in die Lade- oder Übergabeposition
zu bringen. Der Antrieb für den Vorlageschlitten ist normalerweise so ausgeführt,
daß der Vorlageschlitten die Tafel stets in die gleiche Position bringt, unabhängig
von der Größe der Blechtafel und dem Stanzbild.
[0003] Von dem letzten Vorschubschritt einer voraufgehenden Tafel bis zur Übernahme der
nachfolgenden Tafel in der Vorschubvorrichtung vergeht zwangsläufig eine gewisse Zeit,
die deutlich länger ist als die Taktzeit der Presse. Bei dem bekannten Tafelanlagesystem
müssen die Spannzangen zunächst von der alten Tafel entfernt und in eine Position
hinter die neue Tafel verfahren werden, um sie anschließend wieder in entgegengesetzter
Verstellrichtung mit der hinteren Kante der Tafel in Eingriff zu bringen. Die Spannzangen
legen daher zwei unterschiedliche Verstellwege zurück, was für jeden einen Beschleunigs-
und einen Abbremsvorgang bedeutet. Bei den schnellsten bekannten Systemen beträgt
diese unproduktive Wechselzeit etwa 1,8 Sekunden. Das entspricht bei 200 Hüben pro
Minute etwa 6 Leerhüben der Presse.
[0004] Aus der DE-OS 34 37 642 ist bereits ein Tafelanlagesystem bekanntgeworden,das ohne
unproduktive Wechselzeiten arbeitet. Das bekannte System erfordert zwei separate Vorschubvorrichtungen
mit jeweils an einer Seite der Tafel angreifenden Spannzangen, die abwechselnd zum
Einsatz kommen. Ein derartiges System ist jedoch verhältnismäßig aufwendig.
[0005] Bei mit Vorlageschlitten arbeitenden Systemen ist zwar denkbar, zur Vermeidung von
Leerhüben die Presse so lange abzuschalten, bis die Übernahme einer neuen Tafel durch
die Greifmittel des Vorschubschlittens stattgefunden hat.
[0006] Das Auskuppeln der Presse hat jedoch nicht unerhebliche Nachteile. Zum einen findet
ein beträchtlicher Verschleiß statt. Zum anderen kann die Presse beim Einkuppeln bei
jeder Tafel erst langsam auf die Arbeitsdrehzahl hochfahren. Dies führt unter Umständen
zu Problemen beim Auswerfen der Stanzteile.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Tafelanlegesystem für Pressen zu schaffen,
das die Übergangszeit bei weiterlaufender Presse für die Tafeln deutlich verringert.
[0008] Diese Aufgabe wird gelöst durch die Merkmale des Patentanspruchs 1.
[0009] Bei dem erfindungsgemäßen Tafelanlagesystem wird die Tafel nicht an der hinteren
Kante, sondern an gegenüberliegenden Seiten erfaßt. Dadurch entfällt der Vorschub
der Greifmittel hinter die Tafelkante und der weitere entgegengesetzte Weg bis zur
Tafelkante hin. Die Übergabeposition der Tafel ist nicht mehr mit der vorderen Kante
unmittelbar vor dem Werkzeug, sondern im Bereich des Werkzeugs. Dies bedeutet indessen,
daß der Vorlageschlitten die Tafel erst in die Übergabeposition bringt, wenn die Greifmittel
ihre Aufnahmeposition entlang beider Achsen erreicht haben. Die Übergabe der Tafel
in der Übergabeposition an die ersten Greifmittel kann während des ersten Schnittes
stattfinden, während dem die Tafel durch das Stanzwerkzeug fixiert ist.
[0010] Nach dem Ende der Verarbeitung der vorangegangenen Tafel fahren beide Achsen des
Vorschubs, d.h. die Greifmittel und der Vorschubschlitten in die Ausgangs- oder Aufnahmeposition,
in der die neue Tafel aufgenommen wird. Der von den Greifmitteln zurückzulegende Weg
ist systemgemäß erheblich kürzer als der Weg des Vorschubschlittens entlang der Längsachse.
Sobald also die Greifmittel in der Querachse ihre Tafelübernahmeposition erreicht
haben oder sich außerhalb des Vorschubweges der neuen Tafel befinden, kann die neue
Tafel von dem Vorlageschlitten in das Werkzeug hinein vorgeschoben werden, und zwar
gleichzeitig mit dem Zurückfahren der Greifmittel entlang der Längsachse. Befinden
sich die Greifmittel während des Zurückfahrens außerhalb der Kanten der Tafel, ist
erforderlich, daß sie entlang der zweiten Achse in Richtung Tafel wieder zugestellt
werden, sobald sie entlang der ersten Achse ihre Aufnahmeposition erreicht haben.
Dies kann zum Beispiel bei gescrollten Tafeln der Fall sein, welche keine geraden
Längskanten aufweisen. Bei Tafeln mit geraden Längskanten ist es indessen von Vorteil,
wenn gemäß einer Ausgestaltung der Erfindung die Greifmittel während oder unmittelbar
nach dem letzten Schnitt der Werkzeuge und ihrem Öffnen entlang der zweiten Achse
in die Aufnahmeposition verstellt werden und der Vorlageschlitten im Anschluß die
Tafel durch die geöffneten und entlang der ersten Achse zurückverstellten Greifmittel
zur Übergabeposition vorschiebt. Die Tafel wird mithin durch die geöffneten Spannzangen
vorgeschoben, während diese gleichzeitig zurück in die Aufnahmeposition verstellt
werden.
[0011] Die beschriebenen Maßnahmen verringern die unproduktive Zeit auf etwa ein Drittel
gegenüber den vorstehend beschriebenen Systemen, d.h. bei 200 Hüben pro Minute sind
nur noch zwei Leerhübe erforderlich. Dadurch erhöht sich die Gesamtleistung einer
Presse je nach Tafelgröße um 12 bis 17%. Der erforderliche Aufwand ist im Hinblick
auf die konstruktive Ausführung nicht höher als bei herkömmlichen Systemen. Lediglich
der Vorlageschlitten muß präziser gesteuert werden in Abstimmung mit den Verstellbewegungen
des Vorschubsystems und dem Takt der Presse. Der Vorschub wird üblicherweise numerisch
gesteuert. Die Software für die numerische Steuerung ist mithin zu ergänzen um die
Steuerung des Vorlageschlittens. Ein weitergehender Aufwand ist nicht erforderlich.
[0012] Die Erfindung wird nachfolged anhand von Zeichnungen näher erläutert.
- Fig. 1
- zeigt eine Draufsicht auf ein schematisch dargestelltes Tafelanlagesystem nach der
Erfindung während der Übergabe von einem Vorlageschlitten auf eine Vorschubvorrichtung.
- Fig. 2
- zeigt eine ähnliche Darstellung wie Fig. 1 mit einer Tafel am Ende der Verarbeitung.
- Fig. 3
- zeigt eine ähnliche Darstellung wie die Figuren 1 und 2 während des Vorschubs einer
Tafel von dem Vorlageschlitten und der Verstellung der Vorschubvorrichtung in die
Übernahmeposition nach Fig. 1.
[0013] In den Figuren 1 bis 3 ist mit 10 eine Presse herkömmlicher Bauart bezeichnet. Sie
weist drei Werkzeuge 12 auf, beispielsweise Stanzwerkzeuge, die mittels eines Stößels
senkrecht zur Zeichenebene bewegt werden. Ein Vorschubschlitten 16 ist entlang einer
Führung 18 in Richtung des Doppelpfeils 20 verstellbar. Er weist Halter 22, 24 für
Spannzangen 26, 28 auf. Schlitten 16, Halter 22, 24 und Zangen 26, 28 werden durch
geeignete Verstellantriebe betätigt, die wiederum von einer geeigneten Steuervorrichtung
gesteuert werden.
[0014] Ein Vorlageschlitten 30 mit zwei Spannzangen 32, 34 ist entlang einer Schlittenführung
36 in Richtung des Doppelpfeils 38 verstellbar. Auch der Antrieb für den Schlitten
30 ist nicht dargestellt.
[0015] Die Spannzangen 22, 24 bzw. 32, 34 können herkömmlichen Aufbaus sein, beispielsweise
eine starre Backe und eine bewegliche Backe aufweisen, wobei die bewegliche Backe
durch einen geeigneten Antrieb betätigt wird.
[0016] Fig. 2 zeigt eine zu bearbeitende Tafel 40 in einer Position, in der der letzte Schnitt
ausgeführt wird. Sobald die Stanzwerkzeuge 12 mit der Tafel 40 in Eingriff sind, können
die Spannzangen 26, 28 öffnen, und die gesamte Vorschubvorrichtung kann die Spannzangen
26, 28 in eine Übernahmeposition zurückverstellen, wie sie in Fig. 1 dargestellt ist.
Während dieser Zeit haben die Spannzangen 32, 34 bereits eine neue Tafel erfaßt. Haben
die Spannzangen 26, 28 ihre Position entlang der Querachse 21 erreicht, ist die Aufnahmeposition
auf diese Achse erhalten. Dies beruht darauf, daß die Zangen 26, 28 die Tafeln an
den Seitenkanten an gegenüberliegenden Seiten am hinteren Ende erfassen. Während mithin
der Vorlageschlitten 30 die neue Tafel 40a entlang der Längsachse 20 in Richtung Presse
10 vorbewegt, bewegen sich die Zangen 26, 28 aufgrund der Rückbewegung des Schlittens
16 nach hinten, wobei die Tafel 40a durch die geöffneten Zangen, d.h. innerhalb des
Mauls der Zangen, vorgeschoben wird. Der Vorschub der Tafel 40a erfolgt gemäß Fig.
1 in die Presse 10 hinein, wobei die Übergabeposition derjenigen Position entspricht,
in der die Werkzeuge 12 den ersten Schnitt ausführen können. Da die Presse 10 während
der beschriebenen Vorgänge weiterläuft, ist dafür zu sorgen, daß der Vorlageschlitten
30 die Tafel 40a erst dann in die Presse 10 einschiebt, wenn die Spannzangen 26, 28
die in Fig. 1 dargestellte Aufnahmeposition erreicht haben. In dem Augenblick, in
dem die Werkzeuge 12 die Tafel 40a schneiden und mithin gleichzeitig fixieren, werden
die Spannzangen 32, 34 geöffnet und die Spannzangen 26, 28 geschlossen, so daß mithin
die Übergabe vom Vorlageschlitten 30 auf die Vorschubvorrichtung stattfindet.
[0017] Da die Spannzangen 26, 28 nur in einer Richtung, nämlich entlang der Achse 20 verstellt
werden müssen, ergibt sich durch die beschriebene Übergabe von Tafeln vom Ladeschlitten
30 auf die Vorschubvorrichtung eine minimale Zeit, die zum Beispiel nur zwei Leerhüben
der Presse 10 entspricht. Diese Wechselzeit ist weitaus geringer als bei herkömmlichen
Vorschubsystemen.
1. Tafelanlagesystem für Pressen, mit einem Vorschubschlitten, der von einer Schlittenführung
geführt entlang einer ersten Achse in Richtung auf das Werkzeug der Presse zu und
von diesem fort verstellbar ist, mindestens zwei lösbaren Greifmitteln, vorzugsweise
Spannzangen, die vom Schlitten geführt entlang einer zweiten Achse senkrecht zur ersten
Achse verstellbar sind, einem Vorlageschlitten, der entlang der ersten Achse verstellbar
ist und lösbare Greifmittel aufweist, vorzugsweise Spannzangen, zum Vorschub einer
Tafel in eine Übergabeposition zwecks Übernahme durch die ersten Greifmittel, dadurch
gekennzeichnet, daß die Greifmittel (26, 28) eine Tafel (40, 40a) am hinteren Ende
an gegenüberliegenden Seiten seitlich erfassen, die Übergabeposition der Tafelposition
für den ersten Schnitt entspricht und die Übergabe der Tafel (40a) an die ersten Greifmittel
(26, 28) während des ersten Schnittes stattfindet, wobei der Vorlageschlitten (30)
die Tafel (40a) erst in die Übergabeposition bringt, wenn die Greifmittel (26, 28)
ihre Aufnahmeposition entlang beider Achsen (20, 21) erreicht haben.
2. Anlagesystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Greifmittel (26, 28)
während oder unmittelbar nach dem letzten Schnitt der Werkzeuge (12) und dem Öffnen
entlang der zweiten Achse in die Aufnahmeposition verstellt werden und der Vorlageschlitten
(30) im Anschluß die Tafel (40a) durch die geöffneten und entlang der ersten Achse
(20) zurückverstellten Greifmittel (26, 28) zur Übergabeposition vorschiebt.