[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Abziehen eines endlosen, synthetischen Fadens
nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
Dieses Verfahren ist bekannt und z. B. in der Zeitschrift "Chemiefasern/Textilindustrie"
September 1991, S. 1002, 1004, beschrieben (vgl. auch DE-A 22 04 397).
[0002] Das bekannte Verfahren ist ein einstufiges Spinnverfahren zur Herstellung eines multifilen
Fadens, bei dem der Faden durch ein Lieferwerk mit hoher Geschwindigkeit von der Spinndüse
abgezogen und anschließend mittels einer Aufwickeleinrichtung aufgewickelt wird. Das
Lieferwerk besteht aus zwei Galetten, die der Faden jeweils mit 180° umschlingt. Das
bedeutet, daß die Fadenspannung oberhalb der Galetten, beginnend mit der niedrigeren
Abzugsspannung und bis zu den Galetten durch Luftreibung und sonstige Reibungseinflüsse
laufend erhöht wird bis zu der Auflauf-Fadenspannung, mit welcher der Faden auf die
Galetten aufläuft. Die Fadenspannung wird dabei so erhöht, daß eine vollständige oder
teilweise Verstreckung des frischgesponnenen Fadens eintritt. Es ist nun unerwünscht
und unzweckmäßig, mit einer so hohen Fadenspannung den Faden auch auf der Spule aufzuspulen.
Nach dem beschriebenen Verfahren haben die beiden Galetten eine glänzende Oberflächen-Maßhartverchromung.
Dadurch besteht zwischen dem Faden und der Galettenoberfläche ein hoher Reibungswiderstand
für Bewegungsreibung und für statische Reibung. Um die notwendige Herabsetzung der
Fadenspannung zu erreichen, sollen Spinnabzugmaschinen zwei Galetten oder Galetten
mit Verlegerolle benötigen, um einen ausreichenden Fadenspannungsabbau und eine gute
Gleichmäßigkeit (Uster-Wert) des Fadens zu erzielen. Bei Abzugsgeschwindigkeiten,
die 5000 m/min übersteigen, hat dieses Verfahren, bei der Herstellung von Fäden, die
aus sehr dünnen Filamenten bestehen, den Nachteil, daß Filamente brechen und daß gebrochene
Filamente von der Galette nicht weiter gefördert werden, sondern von dem die Galette
umgebenden Luftstrom mitgerissen werden und sodann auf der Galette einen Wickler bilden.
Ein solcher Wickler führt zur Betriebsunterbrechung. Sehr schwierig ist auch das Fadenanlegen,
da hier der Faden infolge des großen Geschwindigkeitsunterschiedes reißt. Sehr schwierig
ist auch die Einstellung der Geschwindigkeiten des Lieferwerks einerseits und der
Aufspuleinrichtung und Changiereinrichtung andererseits. Zum einen müssen diese Geschwindigkeiten
unabhängig voneinander einstellbar sein, sie müssen jedoch um ein Reißen oder ein
Verschlappen (zu niedrige Fadenspannung) zu verhindern, sehr genau aufeinander eingestellt
werden und es besteht auch hier die Gefahr der Fadenschädigung oder der Betriebsunterbrechung
durch Reißen oder Wicklerbildung. Insbesondere muß die Umfangsgeschwindigkeit der
Aufwickelspule geringfügig niedriger sein als die Umfangsgeschwindigkeit des Lieferwerks.
Sie darf andererseits aber nicht wesentlich niedriger sein als die geometrische Summe
aus Umfangsgeschwindigkeit der Spule und Changiergeschwindigkeit, mit welcher der
Faden längs der Spule hin- und herverlegt wird. Schließlich sind bei diesem Verfahren
die gewünschten Fadenspannungen schwierig und nicht stabil einzustellen.
[0003] Diese Nachteile werden beim sog. galettenlosen Spinnen vermieden. Dabei wird der
Faden unmittelbar durch die Aufwickelspule von der Spinndüse abgezogen. Dabei entsteht
allerdings der Nachteil, daß der Faden zwischen Spinndüse und Aufwicklung die Fadenspannung
erhält, die erforderlich ist, um den Faden vollständig oder teilweise zu verstrecken.
Die Fadenspannung, mit der der Faden aufgewickelt wird, ist also noch höher als die
für die Verstreckung erforderliche Fadenspannung. Daher ist das galettenlose Spinnen
nur mit solchen Aufspuleinrichtungen möglich, die eine integrierte Spannungsabbaugalette
haben. Hierzu wird auf die Aufspuleinrichtung nach der DE-C 23 45 898 (Bag. 850 =
US-A 3,861,607) verwiesen). Bei diesen Aufspulmaschinen wird der Faden, bevor er auf
die Spule aufläuft, mit einem Umschlingungwinkel von 60 bis 120° um eine Nutwalze
geführt, die Bestandteil der Changiereinrichtung ist. Diese Nutwalze kann mit einer
Umfangsgeschwindigkeit angetrieben werden, die größer als die Umfangsgeschwindigkeit
der Spule ist. Dadurch wird ein Fadenspannungsabbau und ein galettenloses Spinnen
ermöglicht. Daher haben derartige Aufspulmaschinen sich für das galettenlose Spinnen
durchgesetzt.
[0004] Bei der Spulvorrichtung nach der DE-PS 30 16 662 soll derselbe Effekt dadurch erzielt
werden, daß der Faden zunächst über eine Changiereinrichtung, sodann über eine glatte
Walze, die mit höherer Umfangsgeschwindigkeit als die Aufwickelspule rotieren kann,
und sodann über eine zweite Changiereinrichtung geführt und der Spule zugeleitet wird.
Da hierbei eine glatte Walze verwandt wird und eine Umschlingung mit 180° erfolgt,
ist die Gefahr bei der Wicklerbildung auch hier gegeben und es bestehen auch hier
die Schwierigkeiten beim Anlegen des Fadens. Auch mit der Einstellung der Walze relativ
zur Geschwindigkeitseinstellung von Spule und Changiereinrichtung hält es sehr genau.
[0005] Den bekannten Verfahren liegt gemeinsam das Bestreben zugrunde, in einem Arbeitsgang
zu voll- oder teilverstreckten Fäden (FOY oder POY) zu gelangen, dabei jedoch einen
zu hohen Fadenspannungsaufbau auf der Spule zu verhindern. Eine Galette wäre hierzu
zwar geeignet, hat aber andererseits die beschriebenen Schwierigkeiten zur Folge.
[0006] Daher ist es Aufgabe der Erfindung, eine Möglichkeit zum Abbau der Fadenspannung
vor dem Einlaufen des Fadens in die Aufwikkeleinrichtung bereitzustellen, dabei aber
die Nachteile der bekannten Galetten zu vermeiden.
Die Lösung der Aufgabe ergibt sich aus dem Kennzeichen des Anspruchs 1.
[0007] Das Lieferwerk kann aus einer angetriebenen Rolle, insbesondere aber aus zwei angetriebenen
Rollen bestehen, die so hintereinander angeordnet sind, daß der Faden sie mit einem
Umschlingungswinkel von jeweils mindestens 45° umschlingt. Der Gesamtumschlingungswinkel
ist also jedenfalls größer als 90°. Er liegt jedoch deutlich unter 360°, und zwar
vorzugsweise unter 270°. Dadurch, daß das Lieferwerk mit einer Umfangsgeschwindigkeit
angetrieben wird, die höher ist als die Fadengeschwindigkeit die der auf das Lieferwerk
auflaufende Faden hat, besteht zwischen der Oberfläche des Lieferwerks und dem Faden
ein Geschwindigkeitsunterschied (Schlupf) und damit Gleitreibung. Es zeigt sich nun,
daß im Falle eines Geschwindigkeitsunterschiedes der Reibkoeffizient der Gleitreibung
sich in Abhängigkeit von der Höhe des Schlupfes zum Teil sprunghaft und nicht reproduzierbar
ändert. Daher werden Galetten und Lieferwerke bisher bezüglich ihres Reibverhaltens
mit Oberflächen ausgestattet und von dem Faden mit so viel Windungen umschlungen,
daß Gleitreibung vermieden wird. Wenn nun aber der Geschwindigkeitsunterschied (Schlupf)
mindestens 3 %, vorzugsweise aber mehr als 5 % beträgt und der Umschlingungswinkel
entsprechend in dem angegebenen Bereich eingestellt wird, so läßt sich wider Erwarten
erreichen, daß das Reibverhalten des Fadens gegenüber der Oberfläche des Lieferwerkes
praktisch dem Reibverhalten eines Körpers bei trockener Gleitreibung entspricht.
[0008] Das Reibverhalten eines Körpers bei trockener Gleitreibung ist dadurch gekennzeichnet,
daß der Gleitreibungskoeffizient kleiner ist als der Haftreibungskoeffizient und ferner
der Gleitreibungskoeffizient unabhängig ist von der Geschwindigkeit. Das bedeutet,
daß die Widerstandskraft, die auf einen bewegten Körper einwirkt, von der Geschwindigkeit
unabhängig und daher reproduzierbar ist. Das bedeutet für die Erfindung, daß an dem
Faden unabhängig von Schwankungen des Schlupfes stets eine konstante Reibkraft einwirkt,
die zu einer genau definierten Fadenspannungsverminderung führt. Daher wird der Fadenspannungsabbau
von der Fadengeschwindigkeit und damit der Relativgeschwindigkeit des Fadens auf der
Oberfläche des Lieferwerks unabhängig. Die Bedeutung der Erfindung liegt darin, erkannt
zu haben, daß diese Unabhängigkeit für ein Schlupflieferwerk erforderlich ist, durch
welches die Fadenspannung abgebaut werden soll, und ferner, daß es bei einem solchen
Lieferwerk einen Schlupfbereich gibt, in dem diese Unabhängigkeit besteht. Dadurch
wird erreicht, daß zwar einerseits ein deutlicher Fadenspannungsabbau eintritt, daß
aber andererseits die Geschwindigkeitseinstellung des Lieferwerks vollkommen unkritisch
ist, solange sie nur höher als die angegebene Grenze liegt. Im Gegensatz zu den bekannten
Verfahren und den bekannten Einsatzzwecken von Lieferwerken und Galetten wird die
Oberfläche so gestaltet, daß sie einen geringen Reibungskoeffizienten gegenüber dem
Faden hat. Die Oberfläche ist daher keinesfalls glatt oder glänzend, sondern rauh
bzw. matt. Verschleißfeste Oberflächen dieser Art lassen sich z. B. durch Plasmabeschichtung
mit Metalloxyden herstellen. Besonders bevorzugt ist es, auch die Fadenbehandlung
mit Flüssigkeiten vor dem Einlauf in das Lieferwerk so vorzunehmen, daß der Reibungskoeffizient
gering ist. Ein Reibungskoeffizient von 0,2 für Schlupfreibung ist erstrebenswert.
In dieser Ausgestaltung ist der Eytelweinsche Koeffizient (M = E
µ alpha, worin µ der Reibungskoeffizient und alpha der Umschlingungswinkel ist) nicht
größer als 4, vorzugsweise kleiner als 3.
[0009] Ein weiteres wichtiges Merkmal ist, daß das Lieferwerk vor dem Changierdreieck liegt,
die Entspannung des Fadens also oberhalb des Kopffadenführers geschieht, der die Spitze
des Changierdreiecks bildet. Bekanntlich bewirkt die Changierung, bei der der Faden
quer zu seiner Laufrichtung mit hoher Geschwindigkeit hin- und herverlegt wird und
dabei ein Changierdreieck beschreibt, stark schwankende Fadenspannung mit, Fadenspannungsspitzen
in den Endbereichen der Changierung. Mit dem vorgeschlagenen Verfahren wird vermieden,
daß sich diese Fadenspannungsspitzen aufsummieren mit der hohen Fadenspannung, die
nach dem Abziehen des Fadens von der Spinndüse beim Verstrecken auftritt. Daher können
diese Fadenspannungsspitzen auch die Qualität des Fadens nicht nachteilig beeinflussen.
[0010] Der Bereich des Gesamtumschlingungswinkels wird nach zwei Kriterien bevorzugt vorgegeben.
Ein Kriterium ist die ausreichende und deutliche Herabsetzung der Fadenspannung, das
andere Kriterium ist ein ruhiger störungsfreier Fadenlauf. Die Höhe des Umschlingungswinkels
hat aber auch einen - allerdings nicht sehr großen - Einfluß auf die Höhe des Mindestwertes
des Schlupfes, welcher vorgegeben werden muß, um dasselbe Gleitreibungsverhalten wie
bei trockener Reibung zu erzielen. Derartige Grenzen sind in Anspruch 2 angegeben.
[0011] Die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen der Auflaufgeschwindigkeit des Fadens auf
das Lieferwerk und der Oberflächengeschwindigkeit des Lieferwerks muß also so sein,
daß in jedem Falle Gleitreibung besteht. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Faden
beim Auflaufen auf das Lieferwerk kein festes Gebilde ist, sondern sich durch Dehnung
oder Verkürzung der Oberflächengeschwindigkeit des Lieferwerks anpassen kann. Diese
Anpassung muß vermieden werden. Der Mindestwert des Schlupfes wird von Oberfläche
zu Oberfläche des Lieferwerks einerseits und von Faden zu Faden andererseits unterschiedlich
sein. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß - in den bisher untersuchten Anwendungsfällen
entsprechend Anspruch 3 - die Geschwindigkeitsdifferenz, d.h. der Schlupf auf mindestens
3 %, vorzugsweise aber auf mehr als 5 % eingestellt werden sollte. Es hat sich gezeigt,
daß im Bereich von mehr als 3 % jedenfalls ein sehr stabiler Fadenlauf erzielbar ist
und daß bei einem Schlupf von 5 % und bis zu 20 % auch keine Beeinflussung der Fadenspannung
durch die Oberflächengeschwindigkeit des Lieferwerks mehr eintritt. Das heißt, daß
in diesem Betriebsbereich mit einem Schlupf von mehr als 3 % bis 5 % sehr stabile
Betriebsbedingungen mit einer optimalen und gleich bleibenden Herabsetzung der Fadenspannung
möglich sind. Das hat zur Folge, daß auch die Fadengeschwindigkeit und damit die Fadenqualität
konstant sind und von der Höhe des Schlupfes nicht mehr beeinflußt werden. Es hat
sich also gezeigt, daß in diesem Betriebsbereich des Schlupfes ein Gesamtumschlingungswinkel
von 90° zu einer Spannungsverminderung zwischen Auflaufspannung und Ablaufspannung
von 30 %, eine Umschlingung von 135° zu einem Fadenspannungsabau von etwa 40 % und
eine Umschlingung von 225° zu einem Fadenspannungsabbau von 70 % führt. Das bedeutet,
daß der Fadenspannungsabbau lediglich noch von dem Umschlingungswinkel abhängt und
daher durch Einstellung des Umschlingungswinkels einfach und reproduzierbar eingestellt
werden kann.
[0012] Man kann nun vor oder nach dem Lieferwerk eine weitere Fadenbehandlung vornehmen,
was entsprechend Anspruch 4 vor allem zur Einstellung eines geeigneten Gleitreibungskoeffizienten
dient.
[0013] Das Verfahren nach Anspruch 1 ist vor allem nützlich, um die Filamente eines Fadens
mit hoher Geschwindigkeit von der Spinndüse abzuziehen und dabei ganz oder teilweise
zu verstrekken. Das erfindungsgemäße Lieferwerk hat dabei den Vorteil, daß an ihm
keine Wickler gebildet werden und daß einerseits hohe Fadenzugkräfte zur Verstreckung
auf den Faden ausgeübt werden können, andererseits aber ein gezielter Fadenspannungsabbau
in der Aufwickelzone möglich ist.
[0014] Insbesondere bei der Herstellung technischer Fäden, die sich nicht nur durch ihre
Dicke, sondern auch durch besonders hohe Festigkeit auszeichnen, kann es aber erforderlich
sein, die Filamente des Fadens durch eine schlupflose übliche, d.h. mehrfach umschlungene
Galette mit hohem Reibkoeffizienten von der Spinndüse abzuziehen und ggf. in einer
Stufe oder in zwei Stufen zwischen zwei Galetten zu verstrecken. In einem solchen
Fall müßte der Faden der Aufwickelzone durch eine solche schlupflose, mehrfach umschlungene
Galette mit hohem Reibungskoeffizienten zugeliefert werden mit dem zuvor geschilderten
Nachteil, daß an dieser Galette infolge der niedrigen Aufwikkelspannung leicht Wickler
entstehen. Aus diesem Grunde ist der Einsatz des erfindungsgemäßen Lieferwerks auch
zwischen einer solchen Galette und dem Kopffadenführer der Aufwickelzone zum Fadenspannungsabbau
zweckmäßig, da mit diesem Lieferwerk erreicht wird, daß der Faden mit ausreichender
Fadenspannung von der Galette abgezogen, der Aufwicklung jedoch mit niedriger Fadenspannung
zugeführt wird.
[0015] Nach Anspruch 7 wird vorgeschlagen, daß zwischen dem Lieferwerk und dem Kopffadenführer,
der die Spitze des Changierdreiecks bildet, eine Wärmebehandlung z. B. durch eine
dampfbeschickte Düse vorgesehen ist. Mit einem derartigen Verfahren können insbesondere
Polyamidfäden mit hoher Geschwindigkeit von mehr als 3500 m/min durch Schnellspinnen
hergestellt werden, ebenso aber auch Polyesterfäden, die in diesem Falle mit Geschwindigkeiten
von mehr als 5000 m/min aufgewickelt werden. Zur Herstellung vollorientierter Fäden
empfiehlt sich dabei, vor dem Lieferwerk ein Heizrohr vorzusehen, wie es z. B. in
der US-PS (Bag. 1641 oder 1584 oder 1571, vgl. auch US-PS 3,229,330) beschrieben ist.
[0016] Durch die Zwischenschaltung der Dampfbehandlung ergibt sich insbesondere bei Nylon,
aber auch bei Polyester, das mit Geschwindigkeiten über 5000 m/min gesponnen worden
ist, der Vorteil, daß die durch die Verstreckung entstandene Schrumpfneigung ausgelöst
wird und eine so starke Schrumpfung eintritt, daß ein nach seinen Festigkeits- und
Schrumpfeigenschaften guter Faden entsteht.
[0017] Es ist schließlich möglich und empfehlenswert, zwischen dem Lieferwerk und dem Kopffadenführer
des Changierdreiecks, evtl. nach der Dampfbehandlungseinrichtung, eine sog. Tangledüse
vorzusehen. In dieser wird ein Luftstrahl quer zur Fadenlaufrichtung auf den Faden
geblasen und dadurch die Bildung einzelner über die Garnlänge verteilter Verknotungen
bewirkt. Hierdurch wird der Zusammenhalt der Einzelfilamente im Faden verbessert.
[0018] Das Verfahren nach dieser Erfindung eignet sich insbesondere auch für das sog. "Kurzspinnen".
Dabei wird das Lieferwerk in nur geringem Abstand von weniger als 2 m unterhalb der
Spinndüse angeordnet. Der Faden wird durch das Lieferwerk so schnell abgezogen, daß
eine ausreichende Kühlung auf dieser kurzen Strecke erfolgt. Gleichzeitig bewirkt
der hohe Luftwiderstand, der auf den Faden einwirkt, gemeinsam mit der im Faden verbleibenden
Restwärme eine fast vollständige Verstrekkung des Fadens. Die Geschwindigkeiten liegen
dabei über 7000 m/min.
[0019] Die überraschende Entdeckung, die dieser Erfindung zugrundeliegt, liegt darin, daß
bei Anhebung des Schlupfes auf bisher nicht praktizierte Werte, die über 2 %, vorzugsweise
aber über 3 % liegen, die Fadenspannungsveränderung nach der Galette bzw. nach dem
Lieferwerk nicht mehr von der Oberflächengeschwindigkeit der Galette abhängig ist.
Daher ist nach diesem Verfahren ein sehr stabiler Betrieb möglich, da auch die Neigung
des Lieferwerks, durch Filamentbrüche und/oder Wicklerbildung zu einer Betriebsunterbrechung
zu führen, praktisch eliminiert ist. Die Höhe der Fadenspannung wird dagegen mit dem
Umschlingungswinkel alpha eindeutig und stabil festgelegt. Infolge der Höhe des Schlupfes
ist auch gleichzeitig die Gefahr der Wicklerbildung an dem Lieferwerk trotz der niedrigen
Fadenspannung, mit der der Faden von dem Lieferwerk abläuft, eliminiert. Es kann also
ein sehr starker Spannungsabbau stattfinden. Dabei arbeitet die erste Galette im Haftreibungsbereich
mit dem Vorteil des großen Fadenspannungsabbaus. Die zweite Galette bewirkt einen
weiteren Fadenspannungsabbau und eine Vergleichmäßigung und Stabilisierung der Betriebsbedingungen.
Wegen des starken Spannungsabbaus eignet sich das Verfahren insbesondere auch für
die Einfügung der geschilderten Nachbehandlungsverfahren nach dem Verstreckvorgang.
Es wird daher zwischen dem Lieferwerk und dem Kopffadenführer eine Schrumpfbehandlung
vorgeschlagen, bei dem der Faden einer Wärmeeinwirkung ausgesetzt wird, und/oder eine
Tanglebehandlung, bei der ein Luftstrahl quer zur Fadenachse auf den Faden gerichtet
und dadurch ein Verbund zwischen den einzelnen Filamenten hergestellt wird.
[0020] Das Verfahren nach der Erfindung zeichnet sich, wie bereits gesagt, dadurch aus,
daß sich reproduzierbare Verfahrensparameter, insbesondere Fadenspannungen und Fadengeschwindigkeit,
einstellen lassen. Nun sind jedoch einerseits Fälle denkbar, bei denen es auf höchste
Genauigkeit ankommt, andererseits aber auch Fälle denkbar, bei denen es im Langzeitbetrieb
durch Änderungen der Oberflächenbeschaffenheit oder aber auch Änderungen der Fadenbeschaffenheit
zu Änderungen der Verfahrensparameter und damit auch zu einer Änderung der Fadeneigenschaften
kommt. Um dies zu eliminieren, wird weiterhin vorgeschlagen, die Fadenspannung zu
regeln, indem der Umschlingungswinkel in Abhängigkeit von der gemessenen Fadenspannung
eingestellt wird. Dabei kann durch die Meßeinrichtung gleichzeitig auch der Umschlingungswinkel
eingestellt werden, indem eine der Walzen des Lieferwerks oder eine weitere Rolle,
welche dem Lieferwerk vorgeordnet ist, derartig unter der Fadenspannung gegen Federkraft
beweglich angeordnet wird, daß sich mit ihrer Bewegung der Umschlingungswinkel ändert.
Dies ist eine weitere mögliche Ausführung. Es kann jedoch auch ein Meßfühler vorgesehen
werden mit einem Verstellgeber, durch welchen die Relativstellung der Rollen des Lieferwerks
derart geändert wird, daß sich der Umschlingungswinkel ändert.
[0021] Mit dem erfindungsgemäßen Lieferwerk lassen sich neuartige Verfahrensvarianten des
bereits erwähnten Kurzspinnens und des Heizrohrspinnens verwirklichen. Diese Verfahrensvarianten
sind Gegenstand der Ansprüche 11 und 12.
[0022] Während das Verfahren des Kurzspinnens wie auch das Verfahren des Heißrohrspinnens
bisher unter dem Nachteil leidet, daß die entstehenden versteckten Fäden sehr schrumpfanfällig
sind und daher bereits beim Aufspulen erhebliche Schwierigkeiten bereiten, läßt sich
mit der erfindungsgemäßen Verfahrensvariante auch die Herabsetzung des Schrumpfens
durchführen. Dies ist Gegenstand des Anspruches 13.
[0023] Eine weitere vorteilhafte Verfahrensvariante ergibt sich für das sogenannte Spinntexturieren.
Das Spinntexturieren ist bekannt durch die DE-PS 26 32 082 (Bag. 990).
[0024] Dabei wird der frisch versponnene und verstreckte Faden durch eine Heißluft- oder
Heißdampfdüse in ein Staurohr gefördert und dort zu einem Fadenstopfen gestaucht.
[0025] Der Fadenstopfen wird unter dem Aufprall des Fadens und der heißen Luft (Dampf) durch
das Staurohr gefördert und aus dem Staurohr als Fadenstopfen abgezogen und auf eine
Kühlwalze gewickelt. Vor dem Ablaufen des Fadenstopfens von der Kühlwalze wird der
Fadenstopfen abgezogen. Dabei kommt es zu erheblichen Fadenspannungsschwankungen.
Es war daher mit Schwierigkeiten verbunden, den nunmehr gekräuselten Faden einer gleichmäßigen
Tanglebehandlung zu unterwerfen, da die Fadenspannungsschwankungen auch zu unterschiedlichen
Tangleergebnissen führten. Auch das Zwischenschalten einer üblichen Liefergalette
zwischen Kühltrommel und Tangledüse brachte keine Abhilfe, da die Liefergalette die
Fadenspannungsschwankungen überträgt.
[0026] Mit der Verfahrensvariante nach Anspruch 14 sind diese Schwierigkeiten behoben.
[0027] Es sei besonders darauf hingewiesen, daß der Anspruch 14 vorteilhaft auch durch die
bereits beschriebenen Ansprüche 2 und 3 weitergebildet werden kann. Durch die Verwendung
eines weiteren schlupffreien Lieferwerkes oder insbesondere seiner Fadenbremse kann
eine weitere Vergleichmäßigung der Fadenspannung erfolgen.
[0028] Im folgenden wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen beschrieben.
[0029] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Spinnanlage in der Ansicht von vorne;
- Fig. 2
- die Spinnanlage in der Ansicht von der Seite;
- Fig. 3 bis 9b
- Modifikationen der Spinnanlage nach den Figuren 1 und 2;
- Fig. 10
- ein Diagramm der Fadenspannung über dem Schlupf;
- Fig. 11, 12
- weitere Modifikationen zur Regelung der Fadenspannung;
- Fig. 13
- eine weitere Modifikation zur Einstellung der Fadenspannung von Hand.
[0030] Das anhand der Zeichnung dargestellte Ausführungsbeispiel zeigt in Fig. 1 und 2 eine
Spinnanlage für vier Fäden 1, die auf einer gemeinsamen Spulspindel 2 zu jeweils einer
Spule aufgewickelt werden. Vor der Aufwicklung liegt die Changiereinrichtung 3, durch
die jeder der Fäden längs der ihm zugeordneten Spule hin- und hergeführt wird. Dabei
beschreibt jeder der Fäden zwischen dem ortsfesten Kopffadenführer 4 und der Changiereinrichtung
3 ein Changierdreieck.
[0031] Zwischen Sammelfadenführern 5 und den Kopffadenführern 4 liegt das Lieferwerk 7.
Die Sammelfadenführer 5 haben die Funktion, den gegenseitigen Abstand der Fäden, der
zunächst der Teilung der Spinndüsen 8 entspricht, auf die Teilung der Spulen auf der
Spindel 2 zu verringern. Das Lieferwerk 7 erstreckt sich über den Gesamtabstand der
Sammelfadenführer 5. Das Lieferwerk 7 besteht aus zwei Rollen 9 und 10, die parallel
zueinander und mit einem Höhenversatz angeordnet sind, der hier genau gleich dem Durchmesser
ist. Dies ergibt sich aus Fig. 2.
[0032] Fig. 1 zeigt einen größeren Höhenversatz aus zeichnerischen Gründen, um veranschaulichen
zu können, daß es sich um zwei Rollen 9, 10 handelt. Die Rollen sind gegensinnig im
wesentlichen mit derselben Umfangsgeschwindigkeit angetrieben. Sie werden vom Faden
mit einem Umschlingungswinkel alpha von mindestens 90° umschlungen und besitzen gegenüber
dem Faden 1 einen geringen Reibungskoeffizienten, z. B. 0,2 bis 0,6. Die Umfangsgeschwindigkeit
liegt höher, z. B. 3 % bis 30 % höher als die Fadengeschwindigkeit. Die Fadengeschwindigkeit
ergibt sich als geometrische Summe aus der konstanten Umfangsgeschwindigkeit der Spulen
und der Changiergeschwindigkeit der Changiereinrichtung 3.
[0033] Die beiden Galetten des Lieferwerks können relativ zueinander verlagerbar sein, um
den Faden ohne Berührung der Galetten an den Spulkopf anlegen zu können. Hierzu können
die Galetten 9, 10 z. B. auf einem drehbaren Lagerteller 17 (Fig. 9a, 9b) drehbar
gelagert sein. Die Galetten können durch einen Motor mit Getriebeverbindung, aber
auch durch zwei unabhängig steuerbare Motoren antreibbar sein. Damit kann die Geschwindigkeit
der ersten Galette 9 niedriger als die der Galette 10 eingestellt werden, so daß an
der Galette 9 Haftreibung, an der Galette 10 dagegen deutliche Gleitreibung mit einem
Schlupf von 3 % oder mehr besteht.
[0034] In Fig. 10 ist ein Diagramm dargestellt, bei dem die Abhängigkeit der zwischen dem
Lieferwerk 7 und der Aufwicklung entstehenden Fadenzugkraft (F), gemessen in cN, von
dem Schlupf dargestellt ist. Als Schlupf ist hier die Differenz zwischen der Oberflächengeschwindigkeit
(v
LW) unmittelbar vor dem Lieferwerk 7 minus der Fadengeschwindigkeit (v
F) des Lieferwerks, geteilt durch die genannte Fadengeschwindigkeit (v
F) in Prozent bezeichnet.

Das gilt dann, wenn der Schlupf unterhalb von einem bestimmten Wert liegt. In diesem
Bereich ist der Zusammenhang zwischen der Fadenzugkraft und dem Schlupf praktisch
und reproduzierbar nicht darstellbar, insbesondere wenn der Schlupf unterhalb von
einem Prozent liegt. Darüber ergibt sich zwar ein im wesentlichen reproduzierbarer
Zusammenhang. Es zeigt sich jedoch, daß die Fadenzugkraft von der Höhe des Schlupfes
abhängig ist. Erst in diesem Bereich zeigt sich auch, daß die Absenkung der Fadenspannung
bzw. Fadenzugkraft von dem Umschlingungswinkel alpha bzw. dessen Summe, mit der der
Faden die angetriebenen Walzen des Lieferwerks 7 umschlingt, abhängig ist. Es zeigt
sich aber insbesondere, daß im wesentlichen unabhängig von dieser Umschlingung bei
einem bestimmten Schlupf, der im Bereich von 2,5 % liegt, mit größer werdendem Schlupf
keine Absenkung der Fadenzugkraft mehr erreichbar ist. Aus diesem Grunde wird erfindungsgemäß
der Betriebspunkt des Lieferwerks in den Bereich gelegt, in welchem die hinter dem
Lieferwerk gemessene Fadenzugkraft nicht mehr abhängig ist von der Höhe des Schlupfes.
Es besteht nunmehr ein Gleitreibungsverhalten zwischen dem Faden und der Oberfläche
des Lieferwerks, welches im wesentlichen dem Gleitreibungsverhalten bei trockener
Reibung entspricht. Auf diese Weise lassen sich Spulen und Fäden von großer Gleichmäßigkeit
und Güte erzeugen. Es besteht andererseits nicht die Gefahr, daß Filamentbrüche auftreten
und daß die Filamente, gebrochene Filamente oder der Faden an den Walzen des Lieferwerkes
Wickler bilden.
[0035] In den Figuren 3 bis 9 sind Modifikationen dargestellt. Diese Modifikationen beziehen
sich auf die Bereiche I, II, III, die in der Zeichnung nach Fig. 2 entsprechend strichpunktiert
umrandet sind. Fig. 3 zeigt eine Modifikation des Lieferwerks 7. Hier besteht das
Lieferwerk aus einer angetriebenen Walze 10, auf welche der Faden durch eine frei
drehbare Überlaufrolle 11 zugeleitet wird. Um die Vorteile der Erfindung zu erzielen,
muß der Umschlingungswinkel alpha hier ausschließlich an der angetriebenen Walze 10
eingestellt werden. Der Schlupf entsteht ausschließlich an der angetriebenen Walze
10.
[0036] Fig. 4 zeigt eine Modifikation des Lieferwerks. Hier besteht das Lieferwerk zwar
aus zwei angetriebenen Walzen 9 und 10. Die erste Walze 9 wird jedoch genau mit einer
Umfangsgeschwindigkeit angetrieben, die gleich der Fadengeschwindigkeit (v
F) ist. Daher muß der Umschlingungswinkel alpha, der für den gewünschten Abbau der
Fadenspannung bzw. Fadenzugkraft erforderlich ist, an der Walze 10 eingestellt werden.
Es ist die Walze 10, deren Umfangsgeschwindigkeit um den gewünschten Schlupf höher
ist als die Fadengeschwindigkeit bzw. die Oberflächengeschwindigkeit der vorangehenden
Walze 9.
[0037] Fig. 5 und Fig. 6 zeigen Modifikationen des Bereiches II vor dem erfindungsgemäßen
Lieferwerk 7. Nach Fig. 5 wird vor dem Lieferwerk eine Heizeinrichtung vorgesehen.
Dabei kann es sich um eine Dampfkammer 12 - wie dargestellt - handeln. In dieser Dampfkammer
liegt eine Dampfdüse 13, durch welche der Faden geführt wird und in welcher der Faden
mit erhitztem Dampf oder Sattdampf beaufschlagt wird. An die Stelle dieser Heizeinrichtung
kann auch eine Überlaufschiene oder ein geradgestrecktes Heizrohr treten, durch welches
der Faden berührungsfrei geführt wird und in welchem die Verstreckung und Fixierung
des Fadens eintritt. Ein solches Heizrohr ist z. B. in der DE 38 08 854 A1 (IP-1571/Bag.
1584) beschrieben.
[0038] In Fig. 6 ist eine Modifikation dieses Bereiches II mit einer beheizten Galette 14
und einer zugeordneten Überlaufrolle 15 gezeigt. Die Galette wird mehrfach vom Faden
umschlungen. Sie hat eine Geschwindigkeit, die der Abzugsgeschwindigkeit des Fadens
von der Spinndüse entspricht. Durch die Galette kann die Fixierung des abgezogenen
Fadens erfolgen. Dabei kann die Temperatur - je nach Fadenart - zwischen 90° und 240°
C liegen.
[0039] Der Faden wird sodann von dem nachgeschalteten Lieferwerk nach Fig. 2, 3 oder 4 abgezogen.
In diesem Falle liegt die Oberflächengeschwindigkeit der Schlupfwalzen 10 entsprechend
dem gewünschten Schlupf (S) über der Oberflächengeschwindigkeit der beheizten Galette
14. Dadurch wird einerseits gewährleistet, daß der Faden sicher von der beheizten
Galette abgezogen wird und keine Wickler bildet. Andererseits wird jedoch die Fadenspannung
bzw. - zugkraft - wie zuvor beschrieben - abgebaut.
[0040] Fig. 7 und Fig. 8 bezeichnen Modifikationen des Bereiches III zwischen dem erfindungsgemäßen
Lieferwerk 7 und dem Kopffadenführer 4.
[0041] Bei der Modifikation nach Fig. 7 wird in diesem Bereich eine Tangledüse 16 angeordnet.
Bei der Tangledüse wird der Faden durch einen zylindrischen Kanal geführt, in den
seitlich eine Luftleitung einmündet. Durch den auf den Faden gerichteten Luftstrahl
werden die Filamente des Fadens kontinuierlich oder in bestimmten Abständen knotenartig
miteinander verflochten. Dadurch entsteht ein Zusammenhalt unter den Filamenten, der
das Aufwickeln erleichtert.
[0042] Bei der Modifikation nach Fig. 8 tritt an die Stelle der Tangledüse eine Dampfdüse
mit Dampfkammer 12 und Düse 13. In dem Fadenkanal der Düse 13 wird ein Strom von Heißdampf
oder Sattdampf auf den Faden geleitet. Infolge des Spannungsabbaus, der durch das
Lieferwerk 10 bewirkt worden ist, kann durch eine derartige Düse und Dampfbehandlungskammer
sehr wirksam eine Schrumpfung vorgenommen werden. Hierzu wird für das Lieferwerk 7
eine hohe Umschlingung gewählt, so daß die Fadenspannung in dem Bereich III niedrig
ist und der Faden dementsprechend schrumpfen kann. An die Stelle einer Dampfbehandlung
kann auch eine Heißluftbehandlung treten. Auch dies hängt in seiner Zweckmäßigkeit
von der Fadenart und dem Fadenmaterial ab.
[0043] Die Fig. 9a und 9b zeigen eine Modifikation des Lieferwerks 7 in dem Bereich I.
[0044] Das Lieferwerk besteht auch in diesem Falle aus den beiden Schlupfwalzen 9 und 10.
Diese Schlupfwalzen sind auf einem drehbaren Teller 17 gelagert. Der Teller 17 ist
in einer Anlegposition feststellbar. In dieser Anlegposition berühren die Walzen 9
und 10 den Faden nicht. Es ist daher sehr einfach, den Faden mit einer Saugpistole
19 an die Walzen 9, 10 anzulegen. Dabei sei erwähnt, daß ohne eine Förderung durch
das Lieferwerk der von der Spinndüse kommende Faden eine undefinierte Geschwindigkeit
hat. Der Faden kann auch langsam von der Spinndüse abgezogen werden. Daher reichen
übliche Saugpistolen 19 bei nur geringer Saugleistung aus, um den Faden von der Spinndüse
8 abzuziehen und an den Spulkopf anzulegen. Erst anschließend wird der Teller 17 in
die in Fig. 9b gezeigte Stellung in Pfeilrichtung 18 gedreht. Dadurch geraten die
Walzen 9 und 10 in Kontakt mit dem Faden. Die Drehung des Drehtellers 17 kann so gewählt
werden, daß sich der gewünschte Gesamtumschlingungswinkel alpha an den beiden Walzen
9 und 10 einstellt.
[0045] Fig. 11 zeigt eine Modifikation, die ähnlich ist der Spinnanlage nach Fig. 1, 2.
Insoweit wird die Beschreibung auch zum Gegenstand dieser Beschreibung gemacht. Bei
dieser Modifikation ist die Walze 9 am Ende einer Schwinge 20 drehbar gelagert und
angetrieben. Die Schwinge 20 ist um eine Schwenkachse schwenkbar, welche gleichachsig
zur Achse der Walze 10 liegt. Die Schwinge 20 ist durch eine Zylinder-Kolben-Einheit
21, welche mit einem konstanten pneumatischen Druck belastet ist, gegen ihr Gewicht
derart unterstützt, daß das Gewicht vollständig kompensiert wird. Auf der anderen
Seite wird die Schwinge 20 durch eine ortsfest abgestützte Feder 22 gegen die Kraft
der Zylinder-Kolben-Einheit 21 belastet. Daher wirkt die Fadenzugkraft an dem Schwenkhebel
20 gegen die Federkraft 22. Folglich wird der Schwenkhebel 20 in Abhängigkeit von
der Fadenzugkraft verschwenkt. Dadurch ändern sich gleichzeitig die Umschlingungswinkel
alpha an den Walzen 9 und 10. Bei kleinerem Umschlingungswinkel wird die Fadenzugkraft
kleiner, so daß von der Tendenz her die Feder 22 den Schwenkhebel wieder im Sinne
einer Vergrößerung des Umschlingungswinkels verschwenkt. Das Umgekehrte tritt ein
bei einer Verkleinerung der Fadenzugkraft. Der Schwenkhebel 20 mit der Walze 9 dient
also einerseits als Fadenzugkraftmeßeinrichtung, ferner als Einrichtung zur Verstellung
des Umschlingungswinkels und schließlich gleichzeitig auch als das erfindungsgemäße
Lieferwerk bzw. Teil desselben. Bei dieser Einrichtung sind zwar große Massen zu bewegen,
wodurch das System eine gewisse Trägheit erhält.
[0046] Es sollen jedoch durch die Einrichtung auch nur langfristige Schwankungen der Fadenspannung
ausgeregelt werden.
[0047] Bei der Modifikation nach Fig. 12, die den Ausschnitt I nach Fig. 2 zeigt, besteht
das Lieferwerk nur aus einer Walze 10, die vom Faden umschlungen wird. Entsprechend
der Modifikation nach Fig. 3 ist dieser Walze 10 eine frei drehbare Überlaufrolle
11 vorgeordnet, durch die der Umschlingungswinkel alpha bestimmt wird. Die Überlaufrolle
ist am Ende eines Schwenkhebels gelagert. Der Schwenkhebel 20 ist um die Achse der
Walze 10 gegen eine Federkraft (Feder 22) schwenkbar. Die Feder 22 ist so angeordnet,
daß sie gegen das durch die Fadenzugkraft auf den Schwenkhebel ausgeübte Drehmoment
wirkt. In diesem Falle wirkt die Überlaufrolle 11 als Meßeinrichtung für die Fadenzugkraft,
gleichzeitig aber auch als Verstelleinrichtung für die Einstellung des Umschlingungswinkels
alpha, der sich mit der Verschwenkung bei größer werdender Fadenzugkraft verkleinert,
bei kleiner werdender Fadenzugkraft vergrößert.
[0048] Die Modifikation nach Fig. 13 bezieht sich ebenfalls auf den Ausschnitt I nach Fig.
2. Dabei ist die Rolle 9 auf einem Schlitten gelagert, welcher parallel zu dem ankommenden
Faden in Führungen beweglich ist. Der Schlitten 24 kann mittels einer Spindel höhenverstellt
werden. Dadurch ändert sich der Umschlingungswinkel. Der besondere Vorteil dieser
Ausführung besteht darin, daß sich durch die Höhenverstellung der Walze 9 der Fadenlauf
nicht verändert. Damit bleiben auch die Reibungsverhältnisse an dem Fadenführer 5
und dem Fadenführer 4, die dem Lieferwerk jeweils vorgeordnet bzw. nachgeordnet sind,
konstant.
[0049] Es ist ersichtlich, daß bei dieser Ausführung die Spindel von Hand gedreht werden
kann. Es ist jedoch auch möglich, diese Spindel mit einem Verstellmotor zu verbinden
und diesen Verstellmotor in Abhängigkeit von einem vor dem Lieferwerk angeordneten
Zugkraftmesser zu betätigen, und zwar im Sinne einer Abwärtsbewegung und Vergrößerung
des Umschlingungswinkels, wenn die Fadenzugkraft abnimmt, und im Sinne einer Aufwärtsbewegung
und Verkleinerung des Umschlingungswinkiels, wenn die Fadenzugkraft zunimmt. In diesem
Falle kann der Zugkraftfühler z. B. an der Stelle oder im Bereich des Fadenführers
5 sitzen, welcher dem Lieferwerk vorgeordnet ist. Hiermit können auch bei kleinen
Änderungen der Fadenzugkraft große Änderungen des Umschlingungswinkels alpha bewirkt
werden.
[0050] Figur 14 zeigt eine besonders geeignete Verfahrenskombination. Hierbei wird der von
der Spinndüse 8 kommende Faden zunächst zusammengefasst und sodann in dem Bereich
II in einem Heizrohr 26 aufgeheizt. Ein solches Heizrohr ist z. B. in der DE-A 38
08 854 (Bag. 1584/1571) gezeigt und beschrieben.
[0051] Das Heizrohr wird durch einen elektrischen Widerstand von außen aufgeheizt auf eine
Temperatur über 90° C. Das Heizrohr ist so eng, daß der Faden eine entsprechende Temperatur
annimmt und infolge seines Reibungswiderstandes an der Luft und seiner Erweichung
in dem Heizrohr verstreckt wird. In dem Heizrohr erfolgt eine vollständige oder zumindest
teilweise Verstreckung des Fadens.
[0052] Der Faden wird aus dem Bereich II mit dem Heizrohr 26 durch das Lieferwerk 7, das
Gegenstand dieser Erfindung ist, abgezogen und sodann in den Bereich III geführt.
Dort wird der Faden mittels in einer Dampfbehandlungskammer behandelt. Hierdurch wird
die Schrumpfneigung des Fadens abgebaut. Das ist deswegen möglich, weil durch das
Lieferwerk nach dieser Erfindung der Faden mit sehr geringer Spannung geführt und
dadurch in Verbindung mit der Dampfdüse-Behandlung eine erhebliche Schrumpfung ausgelöst
wird. Hierdurch wird die Restschrumpfneigung auf ein erträgliches Maß vermindert,
so daß auch stark zur Schrumpfung neigende Garne, wie z. B. Nylon-Fäden auf diese
Weise bearbeitet und aufgewickelt werden können. Die Aufwicklung ist in Figur 14 nicht
gezeigt. Es sei besonders hervorgehoben, daß zwischen Dampfbehandlungskammer und vor
der Aufwicklung ein weiteres Lieferwerk vorgesehen sein kann.
[0053] Fig. 15 zeigt eine Verfahrensanordnung zum Spinn-Streck-Texturieren mit gleichzeitiger
Verknotungsbehandlung (Tangeln) des Fadens.
[0054] Aus der Spinndüse 8 tritt ein Filamentbündel aus, welches durch einen Fadenführer
zusammengefaßt wird. Der Faden wird sodann über die Streckgaletten 27 und 28 geführt,
von denen zumindest eine beheizt sein kann. Dabei ist die Umfangsgeschwindigkeit des
Galettenpaares 28 so groß, daß der Faden zwischen den beiden Galettenpaaren 27 und
28 verstreckt wird. Der Faden wird sodann einer Heißluftdüse oder Heißdampfdüse 29
zugeführt. In dieser Heißluftdüse wird der Faden durch einen in den Fadenkanal eingeblasenen
heißen Luftstrahl befördert und in das anschließende Staurohr 30 befördert. Dort bildet
der Faden einen Fadenstopfen 33. Infolge des Luftdruckes am Eingang des Staurohres
30 wird der Fadenstopfen durch das Staurohr 30 befördert und durch das Walzenpaar
31 aus dem Staurohr abgezogen. Der Fadenstopfen wird sodann mit zumindest teilweiser
Umschlingung auf die Kühlwalze 32 geführt. Die Kühlwalze 32 wird mit langsamer Umfangsgeschwindigkeit
angetrieben. Dabei ist die Kühlwalze 32 porös und es wird ein Luftstrom von außen
nach innen durch die Walze gesaugt. Dadurch wird der Fadenstopfen 33 abgekühlt. Anschließend
wird der Faden wieder vereinzelt, indem er aus dem Fadenstopfen herausgezogen wird.
Der Austrittspunkt ist mit 34 bezeichnet, dabei ist jedoch hervorzuheben, daß der
Austrittspunkt infolge von unvermeidlichen Unregelmäßigkeiten des Fadenstopfens nicht
konstant liegt. Daher schwankt die Fadenspannung des wieder vereinzelt laufenden Fadens.
Zum Abziehen aus dem Auflösepunkt dient das erfindungsgemäße Lieferwerk 9. Das Lieferwerk
9 wird im dargestellten Beispiel mit einem Umschlingungswinkel von angenähert 180°
umschlungen. Die Umfangsgeschwindigkeit liegt mehr als 3% über der Fadengeschwindigkeit.
Dadurch ist die Fadenspannung hinter dem Lieferwerk 9 sehr stark herabgesetst. Dementsprechend
sind auch die Fadenspannungsschwankungen wesentlich verkleinert. Es kann nunmehr ein
Umschlingungslieferwerk 35 folgen. Dieses führt möglicherweise zu einer weiteren Vergleichmäßigung
der Fadenspannungsschwankung. Erwartet wird allerdings, daß in üblichen Einsatzfällen
das Lieferwerk 9 nach dieser Erfindung ausreicht, um ein gleichmäßiges Tangleergebnis
in der anschließenden Tangledüse 16 zu erzielen. In der Tangledüse 16 wird ein Luftstrahl
quer zur Fadenachse auf den Faden geblasen. Dadurch kommt es in regelmäßigen Abständen
zu Verknotungen. Die Verknotungen sind in ihrer Form und Haltbarkeit und in ihren
Abständen umso gleichmäßiger, desto gleichmäßiger die Fadenspannung ist. In Fig. 15
ist dargestellt, daß auch zwischen der Changiereinrichtung 3 und der Tangledüse ein
weiteres Umschlingungslieferwerk 36 liegt. Dieses Umschlingungslieferwerk soll vermeiden,
daß die unvermeidlichen Fadenspannungsschwankungen, die in der Changierzone zwischen
dem Kopffadenführer 4 und der Aufwickelspule entstehen, sich in die Tanglezone übertragen.
Auch hier ist zu erwarten, daß dieses Lieferwerk zwar zur Vergleichmäßigung des Tangle-Ergebnisses
vorteilhaft, jedoch in vielen Einsatzfällen auch entbehrlich ist. Der von der Changiereinrichtung
kommende Faden wird über eine Meßwalze der Aufwickelspule 2 zugeführt.
1. Verfahren zum Abziehen eines endlosen synthetischen Fadens (1) aus einer Spinn- oder
Streckzone,
bei dem der Faden (1)
mittels eines Lieferwerkes (7), das der Faden mit einem Umschlingungswinkel (alpha)
umschlingt, mit hoher Abzugfadenspannung auf das Lieferwerk aufläuft und
anschließend durch die drehend angetriebene Spule einer Aufwickeleinrichtung mit verringerter
Fadenspannung von dem Lieferwerk abgezogen, mittels einer Changiereinrichtung (3)
längs der Spule unter Bildung eines Changierdreiecks hin- und herverlegt (changiert)
und auf die Spule aufgewickelt wird,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Umschlingungswinkel alpha und die Umfangsgeschwindigkeit des Lieferwerks derart
eingestellt werden, daß die Umfangsgeschwindigkeit höher als die Fadengeschwindigkeit
auf dem Lieferwerk (Auflaufgeschwindigkeit) ist,
und daß zwischen der Oberfläche des Lieferwerkes (7) und dem Faden ein solcher Schlupf
besteht, daß das Schlupverhalten des Fadens auf der Oberfläche des Lieferwerkes gleich
dem Reibverhalten einer trockenen Reibung ist (geschwindigkeitsunabhängige Gleitreibung).
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Faden (1) das Lieferwerk (7) mit einem Gesamtumschlingungswinkel alpha umschlingt,
der zwischen 90° und 270° liegt.
3. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Schlupf mindestens 3 %, vorzugsweise mindestens 5 % der Auflaufgeschwindigkeit
beträgt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Faden vor Auflauf auf die Galette derart vorbehandelt wird, insbesondere durch
Befeuchtung mit einer Flüssigkeit, daß er gegenüber der Oberfläche des Lieferwerkes
in dem angestrebten Bereich der Gleitreibung einen Reibungskoeffizienten von weniger
als 0,4, vorzugsweise von weniger als 0,25 hat.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Faden dem Lieferwerk mittels einer Galette angeliefert wird, deren Umfangsgeschwindigkeit
im wesentlichen gleich der Auflaufgeschwindigkeit des Fadens auf diese Galette bzw.
bis zu 2 % größer ist.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Faden durch das Lieferwerk von der Spinndüse abgezogen und dabei vollständig oder
teilweise verstreckt wird.
7. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Faden (1) vor dem Durchlaufen des Lieferwerkes (7) einer Tanglebehandlung und/oder
einer zusätzlichen Schrumpfbehandlung unterworfen wird.
8. Verfahren nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Faden vor Durchlaufen des Lieferwerkes in einem aufgeheizten Rohr einer Streck-
und/oder Fixierbehandlung unterworfen wird.
9. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß
zwischen Lieferwerk (7) und dem Kopffadenführer der Aufwicklung eine Tanglebehandlung
und/oder eine Schrumpfbehandlung, vorzugsweise unter Wärmebehandlung des Fadens (1)
vorgenommen wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Umschlingung an dem Lieferwerk (7) in Abhängigkeit von der vor dem Lieferwerk
gemessenen Fadenzugkraft eingestellt wird.
11. Verfahren nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Faden (1) vor dem Durchlaufen des Lieferwerkes (7) durch ein aufgeheiztes, enges
Rohr geführt und dabei auf eine Temperatur von mehr als 90° C aufgeheizt wird.
12. Verfahren nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet, daß
das Lieferwerk in einem Abstand von weniger als 3 Metern unter der Spinndüse angebracht
ist und mit einer Umfangsgeschwindigkeit von 6000 m/min und mehr betrieben wird.
13. Verfahren nach Anspruch 11 oder 12,
dadurch gekennzeichnet, daß
zwischen dem Lieferwerk (7) und dem Kopffadenführer (4) der Aufwicklung eine Schrumpfbehandlung
durch Zuführung von Wärme, insbesondere durch Zuführung von Heiß- oder Sattdampf vorgenommen
wird.
14. Verfahren zum Abziehen eines endlosen synthetischen Fadens aus dem Fadenstopfen (33)
einer Spinn-Texturiereinrichtung, insbesondere einer Spinn-Streck-Texturiereinrichtung
mittels eines Lieferwerkes (7), das der Faden mit einem Umschlingungswinkel (α) umschlingt,
wobei der Faden mit hoher Fadenspannung auf das Lieferwerk aufläuft und anschließend
in einer Luftdüse einer Tanglebehandlung (Verknotung) in regelmäßigen Abständen unterworfen
und anschließend aufgewickelt wird,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Umschlingungswinkel (α) und die Umfangsgeschwindigkeit des Lieferwerkes derart
eingestellt werden, daß die Umfangsgeschwindigkeit höher als die Fadengeschwindigkeit
auf dem Lieferwerk (Auflaufgeschwindigkeit) ist, und daß zwischen der Oberfläche des
Lieferwerkes (7) und dem Faden ein solcher Schlupf besteht, daß das Schlupfverhalten
des Fadens auf der Oberfläche des Lieferwerkes gleich dem Reibverhalten einer trockenen
Reibung (geschwindigkeitsunabhängige Gleitreibung) ist.
15. Verfahren nach Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet, daß
zwischen dem Lieferwerk (9) und der Tangledüse (16) ein Umschlingungslieferwerk (35)
angeordnet ist, das den Faden im wesentlichen schlupffrei fördert.
16. Verfahren nach Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet, daß
zwischen dem Lieferwerk und der Tangledüse eine Fadenbremse angeordnet ist.