[0001] Die Erfindung betrifft ein asbestfreies Reibmaterialgemisch für Scheiben- und Klotzbremsen,
wie sie bei Eisenbahnen Verwendung finden.
[0002] Reibmaterialgemische der vorstehenden Art sind an sich bekannt. Sie bestehen für
organisch gebundene Reibbeläge aus einem organischen Bindemittel, mineralischen Füllstoffen,
Schmierstoffen, Metallen und gegebenenfalls weiteren Zusätzen.
[0003] Die Reibbeläge werden nach den Vorschriften des Internationalen Eisenbahnverbandes
UIC geprüft, bevor sie freigegeben werden. Die Prüfung beinhaltet die Bestimmung der
Reibwerte in Abhängigkeit von der Radgeschwindigkeit bei unterschiedlichen Bremskräften
und von der Bremsdauer abhängigen Temperaturen mit trockener und nasser Bremsscheibe.
[0004] Da bei der Naßbremsung insbesondere bei niedrigen Anpreßdrücken kaum noch eine Bremswirkung
festzustellen ist, wurde versucht, die Bremswirkung durch Formgestaltung der Reibbeläge
zu verbessern. Scharfe Kanten sollten dafür sorgen, daß nur wenig Wasser zwischen
Bremsscheibe und Reibbelag eindringen kann, und Nuten auf der Oberfläche des Reibbelages
sollten das eingedrungene Wasser rasch abführen. Diese Maßnahmen führen nur bei sehr
harten Belägen zum Erfolg. Diese harten Beläge bewirken aber einen starken Verschleiß
der Bremsscheibe.
[0005] Es bestand daher die Aufgabe, ein asbestfreies Reibmaterialgemisch zu entwickeln,
das die Reibwerte der Reibbeläge bei Naßbremsung verbessert.
[0006] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß als Bindemittel ein Gemisch
aus einem Nitrilkautschuk und einem mit Peroxiden vernetzten Polybutadien-Flüssigharz
verwendet wird, wobei das Mischungsverhältnis Nitrilkautschuk zu Polybutadien-Flüssigharz
1 : 10 bis 10 : 1 beträgt, und ein Teil der mineralischen Füllstoffe durch Alkali-,
Erdalkali- und/oder Ammoniumphosphate bzw. deren Mono- oder Dihydrogenphosphate in
einer Menge von 7 bis 40 Gew.-% bezogen auf das Reibmaterialgemisch ersetzt wird,
wobei das Verhältnis Phosphat zu Polybutadien-Flüssigharz im Bereich von 3 : 3 bis
10 :3 liegt. Die Phosphate können Kristallwasser enthalten oder auch kristallwasserfrei
sein.
[0007] Als Peroxid wird vorzugsweise Natriumperoxid im Verhältnis Polybutandien-Flüssigharz
zu Peroxid von 8 : 1 bis 15 : 1 verwendet.
Mineralische Füllstoffe sind beispielsweise Baryt und Magnesiumoxid in Pulverform.
Metalle können sowohl in Form von Pulvern als auch als Faser zugesetzt werden. Schmierstoffe
sind vor allem Kohlenstoffpulver wie Graphit, Ruß und Koks.
[0008] Ein Reibmaterialgemisch für organisch gebundene Reibbeläge für Eisenbahn-Scheibenbremsen
enthält in der Regel:
5 bis 20 Gew.-% Bindemittel,
10 bis 50 Gew.-% mineralische Füllstoffe,
10 bis 30 Gew.-% Schmierstoffe,
10 bis 65 Gew.-% Metalle in Form von Fasern
und/oder Pulvern und ggf. noch geringe Anteile an Härtungsbeschleunigern, Reibstützern
und ähnlichen Komponenten.
[0009] Reibmaterialien für organisch gebundene Reibbeläge für Eisenbahn-Klotzbremsen (Bremssohlen)
bestehen aus
10 bis 35 Gew.-% Bindemitteln,
20 bis 60 Gew.-% mineralische Füllstoffen,
5 bis 40 Gew.-% Schmierstoffen,
bis zu 50 Gew.-% Metallen und ggf.
Härtungsbeschleunigern, Reibstützern wie beispielsweise Aluminiumoxid und ähnlichen
Zusätzen.
[0010] Die Reibbeläge für Scheibenbremsen wurden nach der UIC-Prüfvorschrift 541-3 VE, Anlage
3c geprüft (Prüfprogramm Nr. 3 für Bremsversuche mit benäßten Bremsscheiben am Reibungsprüfstand)
und die für Klotzbremsen nach der UIC-Prüfvorschrift 541-4 VE, Anlage 4 a (Versuchsprogramm
für Bremsklotzsohlen aus Verbundstoff mit hohem Reibwert/A-Achslast 12 t).
[0011] Das Prüfungsprogramm ist in den Tabellen I und II wiedergegeben. Das Diagramm zeigt
die Reibungskoeffizienten bei den im Prüfprogramm 541-3 VE festgelegten Bremsungen.
Jeder Bremszyklus besteht aus zwei Abschnitten mit Haltebremsungen bei Geschwindigkeiten
von 80 bis 200 km/h und einen Bremsdruck von 45 bis 55 N/cm² sowie einer Bremsung
bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h und einem Bremsdruck von 20 N/cm². Die Trockenbremsprüfung
besteht aus zwei solcher Zyklen (Bremsung Nr. 1 bis 18) und die Naßbremsung mit einer
Wassermenge von 25 dm³/h bei einer Bremsscheibe von 640 mm Durchmesser aus drei solcher
Zyklen (Bremsung Nr. 19 bis 45). Der trockene Nennreibwert für Radgeschwindigkeiten
bis 140 km/h beträgt µ= 0,35 und fällt linear bis auf einen Wert von 0,31 für eine
Geschwindigkeit von 200 km/h. Für die Naßreibung darf dieser Wert nur bis µ= 0,25
abfallen.
[0012] Wie aus der Tabelle II ersichtlich, ist das Versuchsprogramm zur UIC-Prüfvorschrift
541-4 VE dahingehend abgeändert worden, daß statt zwei Bremsungen bei allen Geschwindigkeiten
jeweils vier Bremsungen durchgeführt wurden. Außerdem wurden auch Naßbremsungen bei
einer Geschwindigkeit von 30 km/h (500 daN) und von 160 km/h (2500 daN) zusätzlich
durchgeführt.
[0013] Die Reibwerte wurden an Rädern mit einem Durchmesser von 860 ± 5 mm und einer Sohle
je Rad bestimmt. Bei einer auf die Sohle wirkenden Kraft von F ≦ 1000 daN soll der
mittlere Reibwert bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h für die trockene Bremsung
nicht mehr als µm = 0,40, vorzugsweise nicht mehr als µm = 0,33 betragen. Dieser obere
Grenzwert fällt linear bis auf µm = 0,30, vorzugsweise µm = 0,23 bei einer Geschwindigkeit
von 160 km/h ab. Bei F > 2000 daN soll der mittlere Reibwert bei einer Geschwindigkeit
von 50 km/h nicht unter µm = 0,20, vorzugsweise nicht unter µm = 0,22 und bei einer
Geschwindigkeit von 160 km/h nicht unter µm = 0,17, vorzugsweise nicht unter µm =
0,20 liegen. Unter dem Einfluß von Nässe darf der mittlere Reibwert höchstens um 15
% von dem Wert bei der entsprechenden Trockenbremsung abweichen.
[0014] Die Erfindung wird anhand der Beispiele näher beschrieben.

Beispiele
Beispiel 1
[0015] Ein Reibmaterialgemisch aus 12,9 Gew.-% Bindemittel, aus 70 Gew.-% Nitrilkautschuk,
27 Gew.-% mit Natriumperoxid vernetztem Polybutadien-Flüssigharz und 3 Gew.-% Öl aus
Cashewnußschalen, 36,5 Gew.-% mineralischen Füllstoffen aus 62 Gew.-% Bariumsulfat
und 38 Gew.-% Magnesiumoxid, 27,6 Gew.-% Schmierstoffen und 23 Gew.-% Metallpulvern
und -fasern, wie es für die Herstellung eines organisch gebundenen Reibbelags für
Eisenbahn-Scheibenbremsen üblich ist, wird zu Bremsbelägen entsprechend der Vorschrift
541-3 VE, Anlage 1a mit einer Reibfläche von 200 cm² verarbeitet. In gleicher Weise
werden Bremsbeläge gemäß der Erfindung hergestellt aus einem Reibmaterialgemisch gleicher
Zusammensetzung, dem aber 10 Gew.-% eines Gemisches aus kristallwasserhaltigem und
-freiem Trinatriumphosphat beigefügt sind bei entsprechend verringerter Menge der
anderen Füllstoffe.
[0016] Die Reibungskoeffizienten entsprechend der Prüfvorschrift 541-3 VE, Anlage 3c sind
in Fig. 1 dargestellt.
Beispiel 2 (Vergleich)
[0017] Wie in Beispiel 1 wird ein Bremsbelag mit 10 Gew.-% Tricalciumphosphat statt Trinatriumphosphat
hergestellt, und seine Reibungskoeffizienten bestimmt. Die Ergebnisse sind ebenfalls
in Fig. 1 dargestellt.
Beispiel 3
[0018] Aus einem Reibmaterialgemisch aus 21 Gew.- % Bindemittel, wie im Beispiel 1, 23,5
Gew.-% mineralischen Füllstoffen, 33 Gew.-% Schmierstoffen, 20,5 Gew.-% Metallpulver
und 2 Gew.-% Reibstützer wie es für die Herstellung organisch gebundener Klotzbremsen
üblich ist, werden in üblicher Weise Bremssohlen hergestellt und nach der UIC-Vorschrift
541-4 VE geprüft. Mit dem gleichen Gemisch, das aber 15 Gew.-% kristallwasserhaltiges
Mononatriumdihydrogenphosphat und 8,5 % mineralische Füllstoffe enthält, werden gemaß
der Erfindung ebenfalls Bremssohlen hergestellt und ihre Reibungskoeffizienten bestimmt.
Die Ergebnisse der Bremsversuche sind in dem Diagramm in Fig. 2 gegenübergestellt.
[0019] Wie aus Figur I ersichtlich, wird bei der Verwendung üblicher Reibmaterialgemische
(Basismischung) der geforderte Reibungskoeffizient bei der Naßbremsung (0,25) mit
geringer Bremskraft nicht erreicht. Er verbessert sich bei sehr hoher Geschwindigkeit
und höherem Anpreßdruck. Im Gegensatz dazu zeigt das erfindungsgemäße Gemisch bei
der Naßbremsung eine wesentlich geringere Schwankungsbreite bei den unterschiedlichen
Geschwindigkeiten und Druckverhältnissen. Die Reibungskoeffizienten liegen über der
Sollgrenze. Der Zusatz von Tricalciumphosphat (Beispiel 2) hingegen zeigt nur eine
geringere Wirksamkeit.
[0020] Wie in Figur 2 dargestellt, werden von den üblichen Reibbelagsmischungen (Basismischung)
für Bremsklotzsohlen die Anforderungen der UIC-Prüfvorschrift für die Trockenbremsungen
erfüllt. Die Abweichungen bei den Naßbremsungen bei Anpreßkräften von 2500 daN liegen
ebenfalls in dem vorgegebenen Toleranzbereich. Bei geringerer Flächenpressung (F =
500 daN) weichen die Reibwerte bei den Naßbremsungen von denen bei den entsprechenden
Trockenbremsungen in nicht mehr zulässigen Größenordnungen ab, und zwar bei geringeren
Geschwindigkeiten stärker (ca. 40 %) als bei hohen Geschwindigkeiten (ca. 20%).
[0021] Durch den Ersatz eines Teiles der mineralischen Füllstoffe durch Mononatriumdihydrogenphosphat
wurden die Reibungskoeffizienten der Naßreibung so verbessert, daß sie nun nur etwa
10 % von den Werten der Reibungskoeffizienten bei der Trockenreibung abweichen. Zusätzlich
wurden noch die Reibwerte bei hoher Flächenpressung verbessert.
[0022] Entsprechende Versuche mit üblicherweise eingesetzten Pulverharzen, SBR- und NBR-Kautschuk
als Bindemittel führten nicht zu dem gewünschten Erfolg.
1. Reibmaterial für Eisenbahn-Bremsbeläge bestehend aus einem organischen Bindemittel,
mineralischen Füllstoffen, Schmierstoffen, Metallen und gegebenenfalls weiteren üblichen
Zusätzen, dadurch gekennzeichnet, daß als Bindemittel ein Gemisch aus einem Nitrilkautschuk
und einem mit Peroxiden vernetzten Polybutadien-Flüssigharz verwendet wird, wobei
das Mischungsverhältnis Nitrilkautschuk zu Polybutadien-Flüssigharz 1 : 10 bis 10
: 1 beträgt, und ein Teil der mineralischen Füllstoffe durch Alkali-, Erdalkali- und/oder
Ammoniumphosphate, bzw. deren Mono- oder Dihydrogenphosphate in einer Menge von 7
bis 40 Gew.-% bezogen auf das Reibmaterialgemisch ersetzt wird, wobei das Verhältnis
Phosphat zu Polybutadien-Flüssigharz im Bereich von 3 : 3 bis 10 : 3 liegt.
2. Reibmaterial nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Peroxid Natriumperoxid verwendet wird.
3. Reibmaterial nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß als Phosphat ein kristallwasserhaltiges Phosphat verwendet wird.
4. Reibmaterial nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß als Phosphat ein Gemisch aus kristallwasserhaltigem und kristallwasserfreiem
Phosphat verwendet wird.