[0001] Beim Gießen in einer Stranggießanlage wird flüssiger Stahl aus einem Verteiler in
eine wassergekühlte Kokille, zumeist eine Kupferkokille, gegossen. Während des kontinuierlichen
Auszuges des Stranges aus der Kokille wird die Kokille mit einer Frequenz von etwa
1 bis 3 Hertz in Strangauszugsrichtung bewegt. Zwischen dem Stahl und der Innenseite
der Kokillenwand wird im Normalfall ein Schmierfilm aufrechterhalten. Aufgrund der
Kühlung des Stahls durch die Kokillenwände bildet sich ein Stahlstrang mit erstarrten
Strangschalen und noch flüssigem Kern. Der so teilerstarrte Stahlstrang wird mittels
geeigneter Auszugmittel aus der Kokille herausgezogen, wobei er von unterhalb der
Kokille angeordneten Rollen gestützt und geführt wird.
[0002] Im praktischen Betrieb einer solchen Stranggießanlage treten von Zeit zu Zeit nicht
vorhersehbare Betriebsstörungen auf, die gelegentlich Durchbrüche von flüssigem Stahl
durch die erstarrte Strangschale zur Folge haben. Solche Durchbrüche führt man auf
Anbackungen (Klebern) zwischen dem Stahl und der gekühlten Kokillenwand zurück. Wegen
der auf den teilerstarrten Strang einwirkenden Auszugskräfte wird die Strangschale
im Bereich der Anbackungen aufgerissen. Wenn dann diese Stelle nicht vor Verlassen
der Kokille durch Kühlung wieder genügend Festigkeit erhält, bricht der flüssige Stahl
durch und fließt in die Anlage. Dadurch werden die unterhalb der Kokille angeordneten
Anlageteile, wie Stütz- und Führungsrollen, Stützkonstruktionen häufig in einem solchen
Maße beschädigt, daß diese Anlagenteile nicht mehr brauchbar sind und durch neue Teile
ersetzt werden müssen. Das bedeutet längere, manchmal tagelange Stillstandszeit der
Anlage und damit Produktionsausfall. Deshalb sind die Betreiber von Stranggießanlagen
bemüht, die Durchbrüche möglichst zu vermeiden.
[0003] So ist bereits zur Vermeidung von Durchbrüchen vorgeschlagen worden, an den ersten
Segmenten einer sich an die Kokille anschließenden Strangführung die Kraftänderungen
der Ausziehkräfte zu messen und für die Steuerung des Gießprozesses heranzuziehen.
Bei Überschreiten vorgegebener Grenzwerte wird der Gießprozeß verlangsamt oder sogar
unterbrochen (DE-PS 29 23 900).
[0004] Ferner ist es bekannt (DE-PS 25 01 868), während des Gießprozesses die Verteilung
der Wärmestromdichte an der Kokillenwand zu überwachen. Die Wärmestromdichte wird
mittelbar durch Messung der Dehnung der formgebenden Kokillenwand an mehreren Abschnitten
ermittelt. Die dabei gewonnenen Signale werden miteinander verknüpft, um in Abhängigkeit
davon die Strangauszuggeschwindigkeit und die Stahlzufuhr zur Kokille zu steuern.
Bei diesem Verfahren geht es also nicht um die Erkennung von Durchbrüchen vorausgehenden
Anbackungen, sondern um die Ermittelung der Verteilung der Wärmestromdichte über die
Kokillenhöhe, um in Abhängigkeit davon den Gießprozeß steuern zu können.
[0005] Bei einem anderen bekannten Verfahren (EP-A3 0 389 139) wird der Wärmefluß in verschiedenen
Höhen der Kokille ermittelt und der Abstand des Bereichs des höchsten Wärmeflusses
von dem Schmelzbadspiegel als Kriterium für die Prüfung herangezogen, ob sich ein
Durchbruch anbahnt.
[0006] Die Erfindung geht von einem Verfahren zum Gießen von Metallen in einer Strangußanlage
aus, wobei der Strang kontinuierlich aus der Kokille ausgezogen und der Gießprozeß
in Abhängigkeit von beim Ausziehen des Stranges in der Stranggußanlage auftretender
Spannungen gesteuert wird.
[0007] Aufgabe der Erfindung ist es, bei einem solchen Verfahren Maßnahmen vorzusehen, mit
denen in einfacher Weise Durchbrüche des Stranges vermieden werden können.
[0008] Die Lösung dieser Aufgabe bei dem vorgenannten Verfahren besteht darin, daß während
des kontinuierlichen Strangabzuges die durch das Auftreten mechanischer Kräfte in
Strangabzugsrichtung verursachte Dehnung der Innenwand der Kokille gemessen wird und
die dabei anfallenden Meßwerte für die Steuerung des Gießprozesses verwendet werden,
derart, daß beim Überschreiten vorgegebener Grenzwerte die Gießgeschwindigkeit verringert
oder der Gießprozeß unterbrochen wird.
[0009] Dem erfindungsgemäßen Verfahren liegt die Erkenntnis zugrunde, daß bei auf den Strang
einwirkenden Ausziehkräften im Falle einer Anbackung (Kleber) eine kurzfristige, im
elastischen Bereich liegende Dehnung der Kokillenwand auftritt. Diese kurzfristige
Dehnung, die von der allgemeinen Wärmedehnung der Kokillenwand überlagert wird, ist
ein vortreffliches Signal für das Entstehen eines Durchbruchs in der Kokille. Dieses
Signal wird im Gegensatz zu Signalen, die von Temperaturänderungen der Kokillenwand
abgeleitet sind, ohne Zeitverzögerung erzeugt, so daß die Maßnahmen der Verminderung
der Gießgeschwindigkeit oder sogar eines Stopps des Gießprozesses frühzeitig genug
getroffen werden können, um ein Ausfließen des flüssigen Metalls zu verhindern.
[0010] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren kann auch zwischen leichten und schweren Anbackungen
unterschieden werden. Bei leichten Anbackungen reicht es aus, wenn die Gießgeschwindigkeit
derart vermindert wird, daß die verbleibende Zeit in der Kokille ausreicht, um an
der Durchbruchsstelle durch die andauernde Kühlung eine neue stabile und erstarrte
Strangschale entstehen zu lassen. Danach kann dann wieder langsam und kontinuierlich
die Gießgeschwindigkeit erhöht werden. Bei schweren Anbackungen dagegen muß der Gießprozeß
sofort unterbrochen werden, weil bei solchen Anbackungen die verbleibende Zeit in
der Kokille nicht ausreicht, den Durchbruch zu heilen. Wann eine Anbackung als leicht
oder schwer zu werten ist, hängt von der jeweiligen Kokille ab, das heißt, daß kokillenbezogene
Grenzwerte für den Vergleich mit den gemessenen Signalen für die Dehnung vorgegeben
werden. Dieser Vergleich läßt sich mit absoluten Werten vornehmen. Es ist allerdings
auch möglich, den zuletzt erfaßten Meßwert mit einem folgenden Meßwert zu vergleichen,
so daß man zur Messung des Gradienten kommt und der Gradient ein Maß für einen sich
anbahnenden Durchbruch ist. Da bei einer Anbackung der auf dieser Anbackung basierende
Wert im Vergleich zu einem auf Wärmedehnung basierenden Wert sehr schnell ansteigt,
wird er nicht durch den Anteil aus der Wärmedehnung verfälscht.
[0011] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren genügt es, die Dehnungsmessung in einem Punkt
einer jeden Kokillenwand vorzunehmen. Starke Anbackungen an der Kokillenwand lassen
sich auf diese Weise sicher bestimmen. Um auch sehr kleine Anbackungen sicher erkennen
zu können, ist es zweckmäßig, die Dehnungsmessung nicht nur in, sondern auch quer
zur Strangauszugsrichtung vorzunehmen. Die Meßpunkte in und quer zur Strangauszugsrichtung
sollten möglichst nahe beieinander liegen. Durch Verknüpfung dieser beiden Signale
läßt sich die durch Wärme verursachte Komponente der Dehnung eliminieren, so daß das
gewonnene Signal ausschließlich von der durch die Ausziehkräfte bei einer Anbackung
bedingten kurzfristigen Dehnung bestimmt ist. Die Verknüpfung der Signale für die
Dehnung in Strangauszugsrichtung und quer dazu läßt sich ohne großen Rechenaufwand
in einer Brückenschaltung verwirklichen. Eine solche Brückenschaltung ist nicht nur
einfach im Aufbau, sondern auch unanfällig gegen Störungen.
[0012] Obgleich es grundsätzlich ausreicht, an jeder Kokillenwand nur eine Messung vorzunehmen,
sollten aus Sicherheitsgründen mehrere Meßpunkte vorgesehen sein, so daß man die Möglichkeit
hat, von einem Meßpunkt auf den anderen umzuschalten. Es ist dann auch möglich, alle
Meßpunkte gleichzeitig für die Auswertung heranzuziehen.
[0013] Um aus Wärmedehnung resultierende Fehler bei der Dehnungsmessung zu korrigieren,
besteht nicht nur die Möglichkeit, den Gradienten der Dehnung oder zusätzlich zu der
Dehnungsmessung in Strangauszugsrichtung die Dehnung quer dazu zu messen, sondern
auch die Temperatur der Kokillenwand zu ermitteln und daraus mit Hilfe bekannter Zusammenhänge
einen Dehnungswert zu ermitteln, der mit dem gemessenen Dehnungswert in Strangauszugsrichtung
derart verknüpft wird, daß der so gewonnene Wert ein eindeutiges Kriterium für die
Dehnung im Falle einer Anbackung ist.
[0014] Die Dehnungsmessung kann grundsätzlich an beliebiger Stelle einer jeden Kokillenwand
vorgenommen werden. Es hat sich allerdings herausgestellt, daß es günstig ist, sie
nicht zu dicht an die Ecken der Kokille zu legen, weil dort wegen der großen Steifheit
der Konstruktion die Dehnung der Kokillenwand am geringsten ist. Deshalb ist es vorteilhaft,
wenn die Punkte im mittleren Bereich der Kokillenwände liegen. Sie sollten von den
Ecken der Kokille mindestens ein
[0015] Drittel der Breite der betreffenden Seitenwand entfernt liegen, vorzugsweise sollten
sie in der Mitte der Wände liegen.
[0016] Wird die Dehnungsmessung unmittelbar an den strangseitigen Teilen der Kokillenwände
mittels geeigneter Sensoren, insbesondere Dehnungsmeßstreifen, vorgenommen, dann bedeutet
das einen nicht unerheblichen Aufwand, insbesondere wegen der Zuleitungen zu den im
Inneren des Wasserkastens angeordneten Fühlern und Leitungen. Um diese Probleme zu
vermeiden, ist nach einer Ausgestaltung der Erfindung vorgesehen, daß die Dehnungsmessung
an der strangfernen Außenwand des Wasserkastens dann vorgenommen wird, wenn der Wasserkasten
mit der Kokilleninnenwand eine starre Einheit bildet.
[0017] Im folgenden wird die Erfindung anhand einer ein Ausführungsbeispiel darstellenden
Zeichnung näher erläutert. Im einzelnen zeigen:
- Figur 1
- die Rückseite einer strangseitigen Wand einer Kokille,
- Figur 2
- eine Meßanordnung mit Dehnungsmeßstreifen und
- Figur 3
- ein Diagramm mit dem Ausgangssignal der Meßanordnung gemäß Figur 2.
[0018] Auf der Rückseite der in Figur 1 dargestellten Breitseitenwand 1 befinden sich mittig
zwei Dehnungsmeßstreifen 2a,2b, von denen der eine Dehnungsmeßstreifen 2a in Strangauszugsrichtung
und der andere Dehnungsmeßstreifen 2b quer dazu angeordnet ist. Diese Dehnungsmeßstreifen
2a,2b bilden mit zwei Widerständen R3,R4 eine Brückenschaltung, in deren Diagonale
ein Verstärker 3 angeordnet ist, der ein Ausgangssignal liefert. Die von einer Spannungsquelle
4 gespeiste Brückenschaltung ist so ausgelegt, daß der Verstärker 3 kein oder ein
kleines Ausgangssignal liefert, wenn die Widerstandswerte der Dehnungsmeßstreifen
2a,2b gleich sind. Dies ist immer dann der Fall, wenn es wegen fehlender Anbackungen
an der Kokillenwand bei wirksamen Ausziehkräften nur zu wärmebedingten Dehnungen kommt.
Kommt es dagen zu einer Anbackung, dann wird die Brückenschaltung dadurch verstimmt,
daß der Widerstandswert für den Dehnungsmeßstreifen 2a ansteigt. In diesem Fall liefert
der Verstärker 3 ein plötzlich ansteigendes Ausgangssignal, wie in dem Dehnungszeitdiagramm
der Figur 3 für die Zeit zwischen 140 und 150 sec dargestellt ist. Dieses plötzlich
ansteigende Ausgangssignal wird in einer Auswerteschaltung ausgewertet. In Abhängigkeit
von dieser Auswertung wird der Gießprozeß entweder verlangsamt oder unterbrochen.
1. Verfahren zum Gießen von Metallen in einer Stranggußanlage, wobei der Strang kontinuierlich
aus der Kokille ausgezogen und der Gießprozeß in Abhängigkeit von beim Ausziehen des
Stranges in der Stranggußanlage auftretender Spannungen gesteuert wird,
dadurch gekennzeichnet, daß während des kontinuierlichen Strangabzuges die durch das Auftreten mechanischer
Kräfte in Strangabzugsrichtung verursachte Dehnung der Innenwand der Kokille gemessen
wird und die dabei anfallenden Meßwerte für die Steuerung des Gießprozesses verwendet
werden, derart, daß beim Überschreiten vorgegebener Grenzwerte die Gießgeschwindigkeit
verringert oder der Gießprozeß unterbrochen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß die Dehnung der Innenwand der Stranggießkokille quer zur Strangauszugsrichtung
gemessen und mit dem Meßwert für die Dehnung in Strangauszugsrichtung derart verknüpft
wird, daß der wärmebedingte Anteil der Dehnung eliminiert wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß die Messungen für die Dehnungen in und quer zur Strangauszugsrichtung an möglicht
nahe beieinander liegenden Stellen erfolgen.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß die Messungen für die Dehnung im mittleren Bereich zwischen den Ecken jeder Kokillenwand
erfolgen.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß die Messungen für die Dehnung an mehreren Stellen jeder Kokillenwand erfolgen.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, daß bei einer Kokille mit Wasserkasten, bei dem die strangferne Wand mit der strangseitigen
Wand eine starre Einheit bildet, die Messungen für die Dehnung an der strangfernen
Wand des Wasserkastens erfolgen.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß am Meßort der Dehnung die Temperatur bestimmt und als Korrekturwert bei der Auswertung
des Meßwertes für die Dehnung berücksichtigt wird.