[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Regelung einer Umlauf-Mahlanlage mit Mühle
und Sichter, wobei
- Änderungen der der Mühle zugeführten Frischgutmenge in Abhängigkeit von der zur Mühle
zurückgeführten Grießemenge erfolgen und
- der Blaine-Wert des Fertigproduktes zur Regelung der Sichter-Drehzahl verwendet wird,
indem die Sichter-Drehzahl bei einer Unterschreitung des Soll-Blaine-Wertes erhöht
und bei einer Überschreitung des Soll-Blaine-Wertes verringert wird.
[0002] Bei einem in der Praxis sehr gebräuchlichen Verfahren zur Durchsatzregelung einer
Umlauf-Mahlanlage wird die Summe von Frischgutmenge und Grießemenge konstant auf einem
Wert X gehalten. Dabei wird durch den Regler die Frischgutmenge so lange vergrößert,
bis ein Grenzwert für die maximale Rohstoffzugabe oder der Wert X für die maximale
Gesamtaufgabe erreicht wird. Von diesem Arbeitspunkt an erfolgt die Frischgutaufgabe
unter ständiger Auswertung der sich gerade einstellenden Grießemenge, wobei der Wert
X immer angestrebt, aber nie überschritten werden darf. Die Höhe des Wertes X wird
manuell durch Mahltests mit verschiedenen Umlaufzahlen ermittelt.
[0003] Dieses bekannte Regelverfahren arbeitet verhältnismäßig robust und erzielt zufriedenstellende
Mahlleistungen dann, wenn die Umlaufmenge nicht zu hoch angesetzt wurde.
[0004] Nachteilig ist jedoch die Neigung des Systems zu Schwingungen, die besonders beim
Anfahren und bei einer Verstellung der Sichter-Drehzahl auftreten. Wünschenswert ist
ferner eine weitere Leistungssteigerung der Mahlanlage im Vergleich zu dem bekannten
Regelverfahren.
[0005] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten,
im Oberbegriff des Anspruches 1 vorausgesetzten Gattung so auszubilden, daß die Neigung
des Systems zu Schwingungen (insbesondere bei Anfahrvorgängen und bei einer Änderung
der Sichter-Drehzahl) minimiert ist und zugleich die maximale Mahlleistung der Umlauf-Mahlanlage
weitestgehend erreicht wird.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruches
1 gelöst. Zweckmäßige Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0007] Das erfindungsgemäße Regelverfahren ist damit insbesondere durch folgende Merkmale
gekennzeichnet:
a) Die Frischgutmenge ist während des Anfahrens der Mühle und während des gesamten
Mahlprozesses grundsätzlich konstant; eine Änderung der Frischgutmenge erfolgt nur
unter den in b) und c) genannten Bedingungen;
b) eine Erhöhung der Frischgutmenge erfolgt grundsätzlich nur, wenn sich die gesamte
Mahlanlage bereits eine bestimmte Zeitdauer im stationären Zustand befindet und kein
kritischer Zustand besteht;
c) eine Verringerung der Frischgutmenge erfolgt nur, wenn sich die Mahlanlage in einem
kritischen Zustand befindet;
d) bei der Regelung der Sichter-Drehzahl in Abhängigkeit vom Blaine-Wert des Fertigproduktes
wird zugleich die Grießemenge derart berücksichtigt, daß bei einer hohen Grießemenge
d₁) die bei Unterschreitung des Soll-Blaine-Wertes vorzunehmende Erhöhung der Sichter-Drehzahl
etwas vermindert und
d₂) die bei Überschreitung des Soll-Blaine-Wertes vorzunehmende Absenkung der Sichter-Drehzahl
etwas verstärkt wird.
[0008] Indem die Frischgutmenge wahrend des Anfahrens der Mahlanlage und während des gesamten
Mahlprozesses grundsätzlich immer konstant bleibt, wird eine Beunruhigung des Frischgutstromes
durch eine schwankende Grießemenge ausgeschlossen. Die Mühle kann den zu Mahlbarkeit,
Frischgutmenge, Mahlhilfsmittel, Feinheit usw. gehörigen stationären Zustand erreichen
und wird dadurch beurteilungsfähig.
[0009] Eine Erhöhung der Frischgutmenge ist grundsätzlich nur im stationären Zustand möglich.
Ausnahmsweise wird in einem nicht stationären Zustand der Mahlanlage eine stufenweise
Erhöhung der Frischgutmenge dann vorgenommen, wenn die Grießemenge unterhalb eines
Mindestwertes liegt und weiter fallende Tendenz aufweist.
[0010] Folgende kritische Zustände sind ferner eine Voraussetzung für eine Verringerung
der Frischgutmenge und ein Ausschlußgrund für eine Erhöhung der Frischgutmenge:
- eine sehr hohe Grießemenge,
- eine hohe Grießemenge in Verbindung mit einer hohen Mühlenauslauftemperatur,
- eine hohe Grießemenge in Verbindung mit einer steigenden Tendenz der Grießemenge,
- eine hohe Grießemenge und eine wegen ungenügender Endfeinheit gerade erfolgte Sichterneueinstellung,
- eine fast erreichte Grenzleistung in wenigstens einem Teil der Mahlanlage.
[0011] Demgegenüber gilt ein Zustand als unkritisch, wenn die Mühlenauslauftemperatur und
die Grießemenge gering sind. Die Tendenz der Grießemenge ist bei einer geringen Grießemenge
nur von sehr untergeordneter Bedeutung.
[0012] In den oben genannten kritischen Zuständen erfolgt stets eine Verringerung der Frischgutmenge.
Der bei einer Verringerung der Frischgutmenge verwendete Reduzierungsbetrag wird dabei
in Abhängigkeit von der Grießemenge, dem Trend der Grießemenge und einer evtl. vorangegangenen
Verringerung der Frischgutmenge gewählt.
[0013] Eine Erhöhung der Frischgutmenge erfolgt erfindungsgemäß dann nicht, wenn eine der
nachstehend genannten Voraussetzungen vorliegt:
- wenn die Grenzleistung eines Anlagenteiles erreicht ist,
- wenn bereits die maximale Frischgutmenge vorliegt,
- wenn der Blaine-Wert nicht innerhalb eines vom Arbeitspunkt der Mühle abhängigen Toleranzbandes
liegt,
- wenn die Sichter-Drehzahl erst innerhalb einer bestimmten Zeitspanne erhöht wurde,
- wenn eine bestimmte arbeitspunktabhängige Zeitspanne seit der letzten Erhöhung der
Frischgutmenge noch nicht verstrichen ist,
- wenn eine bestimmte Zeitspanne nach einer aufgrund eines ungünstigen Mühlenauslauftemperatur/Grießemenge-Verhältnisses
vorgenommenen Verringerung der Frischgutmenge noch nicht verstrichen ist,
- wenn die Tendenz der Grießemenge steigend ist
- oder wenn gleichzeitig die Sichter-Drehzahl erhöht werden muß.
[0014] Der bei einer Erhöhung der Frischgutmenge verwendete Steigerungsbetrag wird zweckmäßig
umso größer gewählt, je weiter der aktuelle Arbeitspunkt vom optimalen Arbeitspunkt
entfernt ist.
[0015] Der bei einer Verringerung der Frischgutmenge verwendete Reduzierungsbetrag wird
zweckmäßig in Abhängigkeit von der Grießemenge, dem Trend der Grießemenge und einer
evtl. vorgenommenen Verringerung der Frischgutmenge gewählt.
[0016] Gemäß einer zweckmäßigen Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das
Verhältnis zwischen Mühlenauslauftemperatur und Grießemenge ermittelt und zur Beeinflussung
der Frischgutmenge herangezogen. Dieses Verhältnis hat sich bei den der Erfindung
zugrundeliegenden Versuchen als ein wichtiges Maß zur Beurteilung des Leistungsfähigkeit
der Mahlanlage erwiesen.
[0017] Bei einem ungünstigen Verhältnis zwischen Mühlenauslauftemperatur und Grießemenge
wird eine weitere Erhöhung der Frischgutmenge verhindert und/oder eine Verringerung
der Frischgutmenge durchgeführt.
[0018] Ein solches ungünstiges Verhältnis zwischen Mühlenauslauftemperatur und Grießemenge
ist beim Vorhandensein einer der folgenden Voraussetzungen gegeben:
- wenn eine hohe Grießemenge in Verbindung mit einer hohen Mühlenauslauftemperatur vorliegt,
- wenn eine relativ hohe Grießemenge in Verbindung mit einer hohen Mühlenauslauftemperatur
vorhanden ist,
- wenn eine hohe Grießemenge in Verbindung mit einer relativ hohen Mühlenauslauftemperatur
besteht.
[0019] Zur Überwachung des Füllungsgrades der Mühle werden erfindungsgemäß zweckmäßig der
Schalldruck im Bereich der Mühle sowie die Antriebsleistung der Mühle ermittelt und
mit der Grießemenge derart verknüpft, daß dann, wenn
- die Grießemenge einen Minimalwert unterschreitet und
- der Schalldruck der Mühle steigende Tendenz aufweist
- oder der Schalldruck stark ansteigende Tendenz aufweist und gleichzeitig eine relativ
hohe Frischgutmenge und eine relativ hohe Grießemenge vorliegen,
- die Antriebsleistung der Mühle jedoch keine steigende Tendenz besitzt,
die Frischgutmenge reduziert wird. Auf diese Weise wird ein Vollaufen der Grobmahlkammer
der Mühle zuverlässig verhindert.
[0020] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird die Feinheit des Fertigproduktes (beispielsweise
Zement) durch Veränderung der Sichter-Drehzahl korrigiert. (Es sei in diesem Zusammenhang
klargestellt, daß mit dem Begriff "Sichter-Drehzahl" generell die Drehzahl eines im
Sichter eingebauten Sichterrotors gemeint ist.) Als Meßgröße findet hierbei der Blaine-Wert
des Fertigproduktes Verwendung.
[0021] Wie oben (im Zusammenhang mit Anspruch 1) bereits erwähnt, ist dabei das Ausmaß der
Veränderung in der Sichter-Drehzahl nicht nur von der Größe und dem Vorzeichen der
Blainewert-Abweichung, sondern auch von der momentanen Grießemenge abhängig.
[0022] Ein Beispiel soll dies verdeutlichen:
Bei zu grobem Fertigprodukt betrage die Blainewert-Differenz (zwischen Ist- und Sollwert)
- 200 cm²/g. Bei einer aktuellen Grießemenge von 40 t/h würde man die Sichter-Drehzahl
um 100 U/min erhöhen. Bei einer aktuellen Grießemenge von 80 t/h würde dagegen nur
eine Erhöhung der Drehzahl um 70 U/min vorgenommen werden.
[0023] Erfindungsgemäß wird der Blaine-Wert des Fertigproduktes vor Verwendung zur Regelung
der Sichter-Drehzahl zunächst auf Plausibilität überprüft und mit einem Bezugswert
gemittelt. Auf diese Weise führen absolut falsche Blaine-Werte, die durch eine falsche
Messung oder durch eine nicht repräsentative Probenahme entstanden sind, nicht zu
unnötigen und falschen Regeleingriffen in das System.
[0024] Als Bezugswert kann der zuletzt ermittelte Blaine-Wert Verwendung finden. Eine andere
Möglichkeit besteht darin, als Bezugswert einen für die jeweilige Sichter-Drehzahl
rechnerisch vorgegebenen Blaine-Wert zu verwenden.
[0025] Kernstück des erfindungsgemäßen Regelverfahrens ist damit, wie sich aus der obigen
Beschreibung ergibt, ein Expertensystem, d.h. ein Regelsystem, das eine Wissensbasis,
eine Wissenserwerbskomponente, eine Problemlösungskomponente, eine Erklärungskomponente
und eine Dialogkomponente enthält.
[0026] Die dem erfindungsgemäßen Verfahren zugrundeliegende Regelstrategie wurde in umfangreichen
Versuchen auf Tauglichkeit überprüft. Aufgrund dieser Tests lassen sich folgende Feststellungen
treffen:
Das Anfahrverhalten hatte sich grundlegend gegenüber dem eingangs geschilderten, bisher
verwendeten Konzept der Umlaufregelung verändert. Die Einlaufphase der Mühle dauerte
nicht mehr wie bisher ein bis zwei Stunden, sondern nur noch ein bis drei Minuten,
da sich die entstehenden Grießeschwankungen nicht mehr auf das Frischgut auswirken
konnten.
[0027] Wahrend des gesamten Betriebes stellte sich ein sehr ruhiger und gleichmäßiger Verlauf
der Mühle ein.
[0028] Die konstante Frischgutaufgabe sorgte für ein gutes Mahlverhalten und ein homogenes
Mahlbett innerhalb der Mühle. Im Ergebnis war eine spürbare Abnahme der sonst üblichen
starken Blainewert-Schwankungen zu verzeichnen.
[0029] Der Blainewert-Plausibilitätstest verhinderte eine unbegründete Beeinflussung des
Mahlprozesses.
[0030] Die stufenlose, arbeitspunktabhängige Veränderung der Sichter-Drehzahl erwies sich
als sehr praktikabel und besonders in kritischen Anlagenzuständen äußerst hilfreich.
[0031] Da die Frischgutmenge erst beim Erreichen eines stationären Zustandes gesteigert
werden konnte, ergaben sich kürzeste Steigerungsintervalle.
[0032] Die Abhängigkeit des Steigerungsbetrages der Frischgutmenge vom vorhandenen Arbeitspunkt
sorgte für einen schwankungsfreien Lauf und gestattete eine gezielte und schnelle
Annaherung an den optimalen Arbeitspunkt.
[0033] Die abgestufte und vom Verhalten der Mühle abhängige Verringerung der Frischgutmenge
ließ in kritischen Situationen keinen unnötigen Leistungsverlust der Mühle zu und
ermöglichte somit das Ausnutzen der maximalen Mahlleistung.
[0034] Kritische Zustände wurden vom Regelverfahren rechtzeitig erkannt und falls notwendig
beseitigt.
[0035] Nach einer Verringerung der Frischgutmenge, die aufgrund eines ungünstigen Auslauftemperatur/Grieße-Verhältnisses
vorgenommen wurde, konnte bei erneuter Annäherung an das Optimum eine deutlich höhere
Leistung erzielt werden.
[0036] Alle Einflüsse auf das Mahlverhalten, wie die Klinkertemperatur, die Korngröße des
Aufgabegutes, die Mahlhilfsmittelmenge, der Füllstand innerhalb der Mühle usw., konnten
mittels der Grießemenge, des Grießetrends und des Verhältnisses zwischen Mühlenauslauftemperatur
und Grießemenge ausreichend gut beschrieben werden.
[0037] Die ständige optimale Betriebsweise der Mahlanlage sorgte für maximale Standzeiten
von Kugelfüllung bzw. Panzerplatten.
[0038] Kurzzeitigige Ausfälle von Dosierungsgeräten konnten keine Schwingungen des Systems
auslösen.
[0039] Die bei den erfindungsgemäßen Verfahren eintretende Absenkung der Mahlbetthöhe, verbunden
mit einer geringeren Grießemenge und einer niedrigeren Mühlenauslauftemperatur, dürfte
die Ursache für die festgestellte Verminderung der Agglomeratbildung sein.
[0040] Bei den durchgeführten Versuchen, die einzeln im Durchschnitt etwa 16 Stunden dauerten,
konnten Durchsatzsteigerungen von etwa 10% erzielt werden. Gleichzeitig stellte sich
auch eine Absenkung des spezifischen Arbeitsbedarfes um gleichfalls etwa 10% ein.
[0041] Durch den Aufbau der erfindungsgemäßen Regelung mittels anlagentechnischer Parameter
war die Parametrierung ausgesprochen einfach. Alle benötigten Informationen konnten
direkt vom Anlagenpersonal erfragt werden, was die Inbetriebnahmezeit wesentlich verkürzte.
Eine Wissenerweiterung des Systems war dabei leicht möglich.
[0042] Zur weiteren Erläuterung der Erfindung ist in der Zeichnung eine nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren geregelte Umlauf-Mahlanlage dargestellt. Sie enthält im wesentlichen folgende
Bestandteile:
- eine Kugelmühle 1 mit Antriebsmotor 1a,
- ein Becherwerk 2 mit Antriebsmotor 2a,
- einen Sichter 3 mit einem in seiner Drehzahl steuerbaren Rotor-Antriebsmotor 3a und
einem wahlweise in die Regelung einbeziehbaren, in seiner Drehzahl ebenfalls regelbaren
Ventilator-Antriebsmotor 3b,
- Frischgutsilos 4,
- Dosierbandwaagen 5 für die Frischgutsilos 4,
- eine Bandwaage 6 für die vom Sichter 3 zur Kugelmühle 1 zurückgeführte Grießemenge,
- eine Abgasleitung 7 mit Grießeabscheider 8 und Filter 9,
- eine Förderleitung 10 zum Abzug des Fertiggutes 15,
- eine Einrichtung 11 zur Probenahme von Fertiggut,
- ein Lasergranulometer 12 zur Ermittlung des Blaine-Wertes des Fertiggutes,
- ein Mikrophon 13 zur Ermittlung des Schalldrucks der Kugelmühle 1
- sowie einen Regler 14, der ein Expertensystem im oben definierten Sinne darstellt.
[0043] Die vorstehend genannten Bauteile der Anlage sind in der aus der Zeichnung ersichtlichen
Weise miteinander verbunden (vgl. gestrichelte Linien). Der Regler 14 erhält dabei
als Prozeßgrößen folgende Meßwerte:
- die Frischgutmenge (Frischgut-Istwert 16),
- die Grießemenge (17), den Blaine-Istwert (18),
- die Mühlenauslauftemperatur (19),
- den Drehzahl-Istwert (20) des Sichters 3 bzw. Sichterrotors,
- den Drehzahl-Istwert (21) des Sichterventilators,
- den Schalldruck (22) der Kugelmühle 1,
- den Motorstrom (23) des Antriebsmotors 1a der Kugelmühle 1
- die Klinkertemperatur (24) des Frischgutes,
- sowie die Becherwerksleistung (28) des Becherwerk-Antriebsmotors 2a.
[0044] Als Stellgrößen liefert der Regler 14
- ein dem Sollwert der Frischgutmenge entsprechendes Signal (Frischgutsollwert 25),
- ein dem Sollwert (26) der Sichter-Drehzahl (Sichterrotordrehzahl) entsprechendes Signal
- sowie ein dem Sollwert (27) des Sichterventilators entsprechendes Signal.
[0045] Das bisher beschriebene Regelungsverfahren einer Umlauf-Mahlanlage kann im Bedarfsfalle
in sinnvoller Weise noch weitergebildet werden, um für bestimmte Praxisfälle die Regelung
noch weiter zu optimieren. Dies kann bei den oben beschriebenen Verfahrens- bzw. Regelungsmöglichkeiten
besonders vorteilhaft erreicht werden, indem die Regelung der Sichter-Drehzahl (also
der Drehzahl eines im Sichter eingebauten Rotors) mit einer Regelung der Drehzahl
eines Sichterventilators (zur Erzeugung der erforderlichen Sichtluft) in der Weise
kombiniert wird, daß der Ventilator im Normalbetrieb des Sichters und damit auch der
zugehörigen Umlauf-Mahlanlage mit etwa maximaler Drehzahl läuft, während die Sichter-Drehzahl
bei festgestellten Feinheitsabweichungen geändert wird, wobei bei Erreichen der maximalen
Sichter-Drehzahl, jedoch noch nicht erreichtem Feinheitswert, die Ventilatordrehzahl
verringert wird. Auf diese Weise können bei verhältnismäßig extremem Betriebsverhalten
zu geringe Feinheiten des Fertigproduktes noch zusätzlich durch eine Verringerung
der Ventilatordrehzahl erreicht bzw. stabilisiert werden.
[0046] In manchen Fällen kann es ausßerdem auch noch vorteilhaft sein, als weitere Prozeßregelgröße
die jeweils aktuelle Förderleistung eines zwischen der Mühle bzw. dem Mühlenauslauf
und dem Sichter bzw. dem Sichtereinlauf angeordneten Becherwerks in der Weise zu verwenden,
daß bei Überschreiten eines kritischen Wertes der aktuellen Becherwerksförderleistung
und bei weiterhin steigender Tendenz eine Änderung der Frischgutmenge erfolgt. Demnach
kann die Becherwerks-Förderleistung also ebenfalls für eine Änderung bzw. Anpassung
der Frischgutmenge herangezogen werden, d.h. wenn beispielsweise die aktuelle Becherwerks-Förderleistung
einen vorbestimmten kritischen Wert überschritten hat und eine vorgegebene Zeit weiterhin
ansteigt, dann kann die Frischgutmenge im Sinne einer Reduzierung geändert werden,
während beim Überschreiten eines kritischen Minimalwertes der aktuellen Becherwerks-Förderleistung
mit Tendenz zur weiteren Abnahme der Förderleistung eine Änderung der Frischgutmenge
im Sinne einer Steigerung erfolgen kann. Die aktuelle Becherwerks-Förderleistung kann
damit gewissermaßen als eine Hilfsprozeßregelgröße herangezogen werden, wobei sie
im Extremfall sogar auch einmal anstelle der zurückgeführten Grießemenge als Prozeßregelgröße
herangezogen werden kann.
1. Verfahren zur Regelung einer Umlauf-Mahlanlage mit Mühle und Sichter, wobei
- Änderungen der der Mühle zugeführten Frischgutmenge in Abhängigkeit von der zur
Mühle zurückgeführten Grießemenge erfolgen und
- der Blaine-Wert des Fertigproduktes zur Regelung der Sichter-Drehzahl verwendet
wird, indem die Sichter-Drehzahl bei einer Unterschreitung des Soll-Blaine-Wertes
erhöht und bei einer Überschreitung des Soll-Blaine-Wertes verringert wird,
gekennzeichnet durch folgende Merkmale:
a) die Frischgutmenge ist während des Anfahrens der Mühle und während des gesamten
Mahlprozesses grundsätzlich konstant; eine Änderung der Frischgutmenge erfolgt nur
unter den in b) und c) genannten Bedingungen;
b) eine Erhöhung der Frischgutmenge erfolgt grundsätzlich nur, wenn sich die gesamte
Mahlanlage bereits eine bestimmte Zeitdauer im stationären Zustand befindet und kein
kritischer Zustand besteht;
c) eine Verringerung der Frischgutmenge erfolgt nur, wenn sich die Mahlanlage in einem
kritischen Zustand befindet;
d) bei der Regelung der Sichter-Drehzahl in Abhängigkeit vom Ist-Blaine-Wert des Fertigproduktes
wird zugleich die Grießemenge derart berücksichtigt, daß bei einer hohen Grießemenge
d₁) die bei Unterschreitung des Soll-Blaine-Wertes vorzunehmende Erhöhung der Sichter-Drehzahl
etwas vermindert und
d₂) die bei Überschreitung des Soll-Blaine-Wertes vorzunehmende Absenkung der Sichter-Drehzahl
etwas verstärkt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ausnahmsweise in einem nichtstationären
Zustand der Mahlanlage eine stufenweise Erhöhung der Frischgutmenge dann vorgenommen
wird, wenn die Grießemenge unterhalb eines Mindestwertes liegt und fallende Tendenz
aufweist.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß folgende kritische Zustände
eine Voraussetzung für eine Verringerung der Frischgutmenge und einen Ausschlußgrund
für eine Erhöhung der Frischgutmenge bilden:
a) eine sehr hohe Grießemenge,
b) eine hohe Grießemenge in Verbindung mit einer hohen Mühlenauslauftemperatur,
c) eine hohe Grießemenge in Verbindung mit einer steigenden Tendenz der Grießemenge,
d) eine hohe Grießemenge und eine wegen ungenügender Endfeinheit gerade erfolgte Sichterneueinstellung,
e) eine fast erreichte Grenzleistung in wenigstens einem Teil der Mahlanlage.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß eine Erhöhung der Frischgutmenge
dann nicht erfolgt, wenn eine der nachstehend genannten Voraussetzungen vorliegt:
- wenn die Grenzleistung eines Anlagenteiles erreicht ist,
- wenn bereits die maximale Frischgutmenge vorliegt,
- wenn der Blaine-Wert nicht innerhalb eines vom Arbeitspunkt der Mühle abhängigen
Toleranzbandes liegt,
- wenn die Sichter-Drehzahl erst innerhalb einer bestimmten Zeitspanne erhöht wurde,
- wenn eine bestimmte, arbeitspunktabhängige Zeitspanne seit der letzten Erhöhung
der Frischgutmenge noch nicht verstrichen ist,
- wenn eine bestimmte Zeitspanne nach einer aufgrund eines ungünstigen Mühlenauslauftemperatur/Grießemenge-Verhältnisses
vorgenommenen Verringerung der Frischgutmenge noch nicht verstrichen ist,
- wenn die Tendenz der Grießemenge steigend ist
- oder wenn gleichzeitig die Sichter-Drehzahl erhöht werden muß.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der bei einer Erhöhung der
Frischgutmenge verwendete Steigerungsbetrag umso größer gewählt wird, je weiter der
aktuelle Arbeitspunkt vom optimalen Arbeitspunkt entfernt ist.
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der bei einer Verringerung
der Frischgutmenge verwendete Reduzierungsbetrag in Abhängigkeit von der Grießemenge,
dem Trend der Grießemenge und einer evtl. vorangegangenen Verrringerung der Frischgutmenge
gewählt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Verhältnis zwischen der
Mühlenauslauftemperatur und der Grießemenge ermittelt und zur Beeinflussung der Frischgutmenge
herangezogen wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß bei einem ungünstigen Verhältnis
zwischen Mühlenauslauftemperatur und Grießemenge eine weitere Erhöhung der Frischgutmenge
verhindert und/oder eine Verringerung der Frischgutmenge durchgeführt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß ein ungünstiges Verhältnis
zwischen Mühlenauslauftemperatur und Grießemenge beim Vorhandensein einer der folgenden
Voraussetzungen gegeben ist:
- wenn eine hohe Grießemenge in Verbindung mit einer hohen Mühlenauslauftemperatur
vorliegt,
- wenn eine relativ hohe Grießemenge in Verbindung mit einer hohen Mühlenauslauftemperatur
vor-handen ist,
- oder wenn eine hohe Grießemenge in Verbindung mit einer relativ hohen Mühlenauslauftemperatur
gegeben ist.
10. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zur Überwachung des Füllungsgrades
der Mühle der Schalldruck im Bereich der Mühle sowie die Antriebsleistung der Mühle
ermittelt und mit der Grießemenge derart verknüpft werden, daß dann, wenn
- die Grießemenge einen Minimalwert unterschreitet und
- der Schalldruck der Mühle steigende Tendenz aufweist
- oder der Schalldruck stark ansteigende Tendenz aufweist und gleichzeitig eine relativ
hohe Frischgutmenge und eine relativ hohe Grießemenge vorliegen,
- die Antriebsleistung der Mühle jedoch keine steigende Tendenz besitzt,
die Frischgutmenge reduziert wird.
11. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Blaine-Wert des Fertigproduktes
vor Verwendung zur Regelung der Sichter-Drehzahl zunächst auf Plausibilität überprüft
und mit einem Bezugswert gemittelt wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß als Bezugswert der zuletzt
ermittelte Blaine-Wert Verwendung findet.
13. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß als Bezugswert ein für die
jeweilige Sichter-Drehzahl rechnerisch vorgegebener Blaine-Wert Verwendung findet.
14. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Regelung der Sichter-Drehzahl
mit einer Regelung der Drehzahl eines Sichterventilators in der Weise kombiniert wird,
daß
- der Ventilator im Normalbetrieb des Sichters mit etwa maximaler Drehzahl läuft,
- bei Feinheitsabweichungen die Sichter-Drehzahl geändert wird und
- bei Erreichen der maximalen Sichter-Drehzahl, jedoch noch nicht erreichtem Feinheitswert,
die Ventilatordrehzahl verringert wird.
15. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als weitere Prozeßregelgröße
die jeweils aktuelle Förderleistung eines zwischen der Mühle und dem Sichter angeordneten
Becherwerks in der Weise verwendet wird, daß bei Überschreiten eines kritischen Wertes
der aktuellen Becherwerks-Förderleistung und bei weiterhin steigender Tendenz eine
Änderung der Frischgutmenge erfolgt.