[0001] Die Erfindung betrifft einen Beschlag für um 180° nach innen oder außen kipp- bzw.
klappbare Flügel von Fenstern oder dgl. mit den Merkmalen des Oberbegriffs des Anspruchs
1.
[0002] Derartige Beschläge sind in verschiedenen Ausführungsformen bekannt. So zeigt die
britische Patentanmeldung 20 25 499 einen Beschlag, bei dem der Stützarm am Flügel
unverschieblich und am Blendrahmen verschieblich angelenkt ist und ein Steuerarm vorgesehen
ist, der an beiden Enden unverschieblich einmal an dem Stützarm und zum anderen an
einer am Blendrahmen festschraubbaren Befestigungsplatte angelenkt ist. Für die verschiebbare
Klappachse und für die verschiebbare Anlenkstelle des Stützarmes ist im Falz am Blendrahmen
eine gemeinsame Führungsschiene mit unterschiedlichen Führungsabschnitten für die
verschiedenen Gleitstücke vorgesehen.
[0003] Bei einer anderen Ausführungsform (vgl. DE-OS 21 25 639) wird der an einem Ende unverschieblich
am Flügelrahmen angelenkte Stützarm von zwei an dem Stützarm im Abstand unverschieblich
angelenkten und annähernd parallelen Trag- und Führungsarmen unterstützt, die ihrerseits
unverschieblich an einer Anschraubplatte schwenkbar gelagert sind, die an der Innenseite
des Blendrahmens anschraubbar ist. Die Anordnung ist so getroffen, daß in der Schließstellung
des Flügels alle Arme der auf diese Weise gebildeten seitlich angeordneten Scheren
von ihren rahmenseitigen Anlenkstellen in Richtung auf die Klappachse am oberen Ende
des Flügels ausgerichtet sind.
[0004] Diese und andere bekannte Beschläge dieser Art können bei nach außen klappbaren Flügeln
mit an der oberen Flügelkante liegender Klappachse oder bei nach innen kippbaren Flügel
mit an der unteren Flügelkante liegender Kippasche verwendet werden. All diese Beschläge
weisen einen oder mehrere gravierende Nachteile auf. In einem Fall benötigt man schon
bei relativ geringen Höhenänderungen des Flügels eine andere Beschlaggröße, so daß
über den ganzen möglichen Höhenbereich eine Vielzahl von Beschlaggrößen in Bereitschaft
gehalten werden muß. Dieser Zwang rührt her von der gleichzeitigen Forderung, jeden
Flügel unabhängig von seiner Höhe möglichst nahe seiner Höhenmitte mit Hilfe des Stützarmes
zu unterstützten, um so einen möglichst optimalen Gewichtsausgleich zu erhalten. Einmal
lassen sich nicht gut ausblancierte Flügel schwieriger betätigen. Zum Anderen erstreckt
sich bei einer Verschwenkung um 180° das untere Flügelende deutlich über das obere
Blendrahmenende hinaus.
[0005] Ein weiterer großer Nachteil eines der bekannten Beschlagtypen besteht darin, daß
die beiden seitlichen Scheren jeweils in seitliche Ausfräsungen des Blendrahmens eingelassen
werden müssen. Das Einarbeiten solcher Ausfräsungen ist bei Rahmen aus Kunststoff
oder Leichtmetall nur sehr schwierig zu verwirklichen und ist auch bei Holzrahmen
aufwendig. Außerdem fehlt hierbei jede Abdeckung der Scheren nach außen, was sie bei
nach außen öffnenden Klappfenstern der Witterung voll aussetzt. Die großen Ausfräsungen
im Rahmen beeinträchtigen auch sonst die Abdichtmöglichkeit für den Fensterflügel.
Eine solche Anordnung ist notwendig, weil bei diesem bekannten Beschlag der Flügel
bei seiner Bewegung aus der Schließstellung in die 180°-Stellung alle Teile der Schere,
einschließlich des Stützarmes passiert, damit er über den großen Winkel von 180° verschwenkt
werden kann.
[0006] Es ist Aufgabe der Erfindung, die aufgezeigten Nachteile zu vermeiden und einen Beschlag
mit den Merkmalen des Oberbegriffs des Anspruchs 1 so weiterzubilden, daß einerseits
der gesamte Höhenbereich der Flügel mit nur wenigen Beschlägen unterschiedlicher Größe
zuverlässig abgedeckt werden kann, dabei dennoch eine gute Ausbalancierung der Flügel
auch bei variierender Höhe sichergestellt wird und zudem eine bessere Abdichtungsmöglichkeit
für den Flügel und wenigstens ein teilweiser Schutz für seine Scherenglieder erreicht
werden kann.
[0007] Diese Aufgabe wird durch die Lehre des Anspruchs 1 gelöst.
[0008] Aufgrund diser Ausbildung wird erreicht, daß ein Flügel bei seiner Schwenkbewegung
um die horizontale Achse mit seinem Flügelüberschlag stets im Abstand von der Anlenkstelle
des Stützarmes bleibt und diesen nicht passiert, sondern um diesen herumschwenkt,
so daß der Stützarm im Bereich seiner Anklenkstelle und auf seiner ganzen Länge in
der Schließstellung des Flügels von dem Flügelüberschlag zuverlässig abgedeckt ist.
[0009] Seitliche Ausfräsungen zum Einlassen der Scheren in die Rahmenteile sind nicht erforderlich.
Außer den notwendigen Arbeiten zum Anschrauben der Führungsschienen und Anlenkplatten
sind weitere Bearbeitungsschritte nicht erforderlich.
[0010] Der Beschlag kann herstellungsmäßig fertig vormontiert sein, indem in vorteilhafter
Weise die beiden Führungs- und Traglenker jeder Schere an der Führungsschiene fest
angelenkt sind. Es braucht für die Montage bei vorbestimmter Flügelhöhe nur noch die
Führungsschiene auf die Höhe des Flügels gekürzt zu werden, wobei dieser Kürzungsvorgang
in gleichen Maßen von beiden Enden der Führungsschiene her erfolgen kann, so daß bei
Flügeln unterschiedlicher Höhe unter Verwendung ein und desselben Beschlages stets
gewährleistet ist, daß der Flügel etwa in seiner Höhenmitte durch den Stützarm abgestützt
und damit ausbalanciert ist.
[0011] Die Beschläge lassen sich außerordentlich einfach und schnell montieren. Durch die
fehlenden Bearbeitungsschritte am Rahmen läßt sich auch die Abdichtung in der Schließstellung
des Flügels zuverlässiger ausführen.
[0012] Der neue Beschlag kann sowohl für nach außen klappbare Flügel als auch für nach innen
kippbare Flügel gleichermaßen angewendet werden. In beiden Fällen erstrecken sich
die Glieder der Scheren in der Schließstellung des Fliigels in Richtung weg von der
verschieblichen Klapp- oder Kippachse des Flügels.
[0013] Die Erfindung wird nachfolgend anhand schematischer Zeichnungen an einem Ausführungsbeispiel
näher erläutert.
[0014] Es zeigen:
- Figur 1 bis 3
- in perspektivischer Darstellung einen Klappflügel mit Beschlägen gemäß der Erfindung,
wobei der Flügel in den drei Figuren in unterschiedlichen Öffnungs- bzw. Schwenkstellungen
gezeigt ist.
- Figur 4
- eine Seitenansicht des Beschlages gemäß der Erfindung, wobei davon ausgegangen ist,
daß sich der Flügel in einer nur wenig aus der Schließstellung herausbewegten Lüftungsstellung
befindet und
- Figur 5,6 und 7
- jeweils in gleicher Darstellung Querschnitte durch die Rahmen in der Flügelschließstellung,
und zwar entlang der Schnittebenen V-V; VI-VI und VII-VII.
[0015] Im dargestellten Beispiel wird davon ausgegangen, daß es sich bei den Rahmen um volle
Materialien, z.B. um Rahmen aus Holz handelt. Der Blendrahmen 1 kann auf Seiten des
Falzes eine Profilierung aufweisen, wie sie aus Figur 5 hervorgeht. Im Bereich des
lotrechten Falzes 20 (vgl. Fig. 5) ist in eine Falznut des Blendrahmens eine profilierte
Führungsschiene 8 eingelassen. Diese weist, wie Fig. 4 zeigt, eine zum Falz hin offene
Führungsnut 8b und einen mit der Falzinnenfläche des Blenrahmens 1 bündig abschließenden
Befestigungsabschnitt 8a auf.
[0016] Der Flügel 2 ist im dargestellten Beispiel als Klappflügel ausgebildet. Er weist
einen umfänglichen Flügelüberschlag 3 von vorbestimmter Breite auf. Bei dem Klappflügel
liegt die horizontale Klappachse im Bereich des oberen Flügelendes 4. Diese Klappachse
wird z.B. durch seitliche Schwenkzapfen gebildet, welche in die offene Nut 8b der
Führungsschienen 8 eingreifen. Die Klappachse 4a ist somit über die Höhe der Fensteröffnung
in den Führungsschienen 8 verschiebbar, wie dies durch den Doppelpfeil angedeutet
ist.
[0017] Zum Unterstützen und zur Führung des Flügels bei seinen Bewegungen sind in den seitlichen
Falzen 20 Scheren 10 angeordnet. Jede Schere 10 besteht aus einem Stützarm 11, der
bezogen auf die Flügelhöhe etwa mittig am Flügel bei 6 unverschieblich angelenkt ist.
Am anderen Ende des Stützarmes 11 und in einem Abstand davon sind zwei Trag- und Führungsarme
12 und 13 unverschieblich angelenkt, die ihrerseits mit ihrem anderen Ende im Falz
im Bereich des Befestigungsabschnittes 8a der Führungsschienen 8 unverschieblich angelenkt
sind.
[0018] Aus den Figuren 1 bis 3, ebenso wie aus Figur 4 ist ersichtlich, daß sich alle Lenker
der Scheren 10 von ihren jeweiligen Anlenkstellen 6, bzw. 15,16 an den jeweils zugeordneten
Rahmen aus in Richtung zum Flügelende 5 erstrecken, das von der Klappachse 4a abgewendet
ist. Dies gilt auch in der Schließstellung des Flügels, von der die Lüftungsstellung
nach Fig. 4 nur wenig abweicht.
[0019] In der Schließstellung des Flügels liegen die Trag- und Führungsarme 12 und 13 im
Falz im wesentlichen hintereinander, wobei ein Ausschnitt 12a des Armes 12 in der
Schließstellung über das nasenförmige Ende des leicht abgewinkelten anderen Armes
13 greift. Der Stützarm 11 liegt dagegen in der Schließstellung des Flügels neben
den beiden Führungs- und Tragarmen 12 und 13, und zwar ist er, wie dies z.B. die Figur
6 zeigt, in der Schließstellung nach außen durch den Flügelüberschlag 3 vollständige
abgedeckt.
[0020] Wird der Flügel 1 aus der Schließstellung geöffnet und über die Stellungen nach Figur
1 und 2 bis in die 180°-Stellung nach Figur 3 verschwenkt, so bleibt dabei der Flügelüberschlag
3 stets in einem vorbestimmten Abstand von der Anlenkstelle 6 des Stützarmes 11 und
schwenkt um diese Anlenkstelle und um den Stützarm 11 herum, ohne diesen zu passieren,
so daß der Stützarm 11 in jeder Stellung von der Flügelaußenseite her gesehen stets
hinter dem Flügelüberschlag 3 verbleibt.
[0021] Soll der Beschlag für Flügel kleinerer Höhe verwendet werden so werden lediglich
die Schienen 8, und zwar von beiden Enden her um etwa das gleiche Maß entsprechend
gekürzt. An der relativen Lage der Schere gegenüber dem Blendrahmen und der relativen
Lage des Anlenkpunktes 6 gegenüber dem Flügel ändert sich dabei nichts, so daß alle
Flügel unabhängig von ihrer Höhe mit dem Beschlag annähernd mittig und ausbalanciert
unterstützt werden können.
[0022] An den Führungsschienen 8 sind im Bereich des Befestigungsabschnittes 8a in den Falz
20 vorspringende Anschläge 18 vorgesehen, welche in der Schließstellung des Flügels
bis hin zu der in Fig. 4 gezeigten Lüftungsstellung von einem fingerartigen Vorsprung
19 an dem von den Tragarmen unterstützten Ende des Stützarmes 11 mit Spiel hintergriffen
wird. Die Lage des Fingers 19 in der Schließstellung ist in Figur 4 gestrichelt angedeutet.
Die Anschläge 18 sind elastisch ausgebildet, so daß sie über eine Schräge vom Finger
19 zurückgedrängt werden können und automatisch wieder einschnappen.
[0023] Bei Anwendung auf einen Kippflügel liegt die in den Schienen 8 verschiebbare Kippachse
des Flügels an der Flügelunterseite. In diesem Fall erstrecken sich alle Glieder der
Scheren von ihren Anlenkstellen an den Rahmen aus nach oben also wiederum weg von
der Kippachse des Flügels.
1. Beschlag für um 180° nach innen oder außen kipp- bzw. klappbare Flügel von Fenstern,
Türen oder dgl., bei denen der Flügel mit einer am oberen oder am unteren Flügelende
angeordneten Klapp- oder Kippachse in Führungsschienen, die in den lotrechten Falzen
am Blendrahmen anbringbar sind, verschieblich und mit Hilfe von in den lotrechten
Falzen angeordneten Scheren getragen und geführt ist, wobei jede Schere aus einem
etwa in halber Höhe des Flügels an diesem unverschieblich angelenkten Stützarm und
zwei annähernd zueinander parallelen und im Abstand sowohl am Stützarm als auch am
Blendrahmen jeweils unverschieblich angelenkten Führungs- und Tragarmen besteht, dadurch
gekennzeichnet, daß alle Arme (11,12,13) und deren Anlenkstellen der Scheren (10) in der Schließstellung
des Flügels (2) auf der von der verschieblichen Kipp- oder Klappachse (4a) an einem
Ende (4) des Flügels (2) wegweisenden Hälfte ( 5 bis 6) des Flügels angeordnet sind.
2. Beschlag nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Stützarm (11) in der Schließstellung des Flügels (2) verdeckt hinter einem
Flügelüberschlag (3) angeordnet ist.
3. Beschlag nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß eine profilierte Führungsschiene (8) mit einem Nutenabschnitt (8b) für die Kipp-
oder Klappachse (4a) bildenden Elemente des Flügels (2) und einen den Falz begrenzenden
Abschnitt (8a) vorgesehen ist, an der die Führungs und Tragarme (12,13) unverschieblich
angenlenkt sind.
4. Beschlag nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Führungsschiene (8) zur Anpassung (2) geringerer Höhe von beiden Enden her
um im wesentlichen gleiches Maß kürzbar sind.
5. Beschlag nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Führungsschiene (8) einen federnden, in den Falz vorspringenden Anschlag
(18) und das von der Flügelanlenkstelle (6) abgewandte Ende des Stützarmes (12) einen
den Anschlag (18) im Bereich zwischen der Flügelschließstellung und einer begrenzten
Lüftöffnungsstellung mit Spiel hintergreifenden Finger (19) aufweist.