[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Erzeugung von Langprodukten aus Stahl durch
Stranggießen in einer Stranggießkokille.
[0002] Es ist bekannt (DE 36 06 507 C2), in einer Stranggießanlage Langprodukte mit rundem
Gießquerschnitt zu erzeugen und in einer an die Stranggießanlage anschließenden Verformungsstufe
den Strang auf ein Rundformat zu verformen, das von der Abmessung her dem Anstichquerschnitt
eines Walzwerkes für Langprodukte, wie Profilstäbe, Profilträger, Draht oder Schienen
entspricht. Die Verformung des Gußstranges erfolgt hier ausschließlich im durcherstarrten
Bereich des Stranges.
[0003] Aus der DE-OS 15 83 620 ist es bekannt, in einer Stranggießkokille Stränge mit quadratischem
Querschnitt zu erzeugen, unterhalb der Kokille in einem Bereich, in dem der Strang
noch nicht durcherstarrt ist, eine Verformung in gleichbleibenden aufeinanderfolgenden
Schritten geringer Größe vorzunehmen, die zwar den Strangquerschnitt reduziert, die
Querschnittsform des gegossenen Stranges jedoch im wesentlichen beibehält.
[0004] Mit diesem Verfahren ließen sich bereits Verbesserungen gegenüber dem Stranggießprozeß
für Knüppelformate (Quadrat und Viereck) bezüglich der Strang-Qualität und zu vergießender
Stahl-Qualität und gegenüber dem Standguß hinsichtlich der Kosten erzielen.
[0005] Bei den bekannten Verfahren ist jedoch immer noch nachteilig, daß Mittenseigerungen
im Strang auftreten. Dieser Seigerung und der damit verbundenen Qualitätsminderung
des Endproduktes hatte man zu begegnen versucht durch "kaltes" Gießen, also mit einer
Überhitzung der Schmelze im Verteiler von nur 10 - 15
o K über Liquidus-Temperatur und/oder durch elektromagnetisches Rühren der Schmelze.
[0006] Für eine Reihe von Produkten, darunter Nadeln oder Kugeln für die Herstellung von
Lagern, genügt die erzielbare Qualität jedoch nicht den Anforderungen.
[0007] Der Erfindung liegt daher das Problem zugrunde, die beschriebenen Nachteile zu beheben
und beim Stranggießen von Stahl den Strang so in seiner Erstarrung zu beeinflussen,
daß eine Mittenseigerung unterdrückt bzw. praktisch vermieden ist.
[0008] Das Problem wird erfindungsgemäß mit den Merkmalen des Anspruches 1 gelöst. Erfinderische
Ausgestaltungen des Lösungsprinzips enthalten die Unteransprüche.
[0009] Neben der Beseitigung von Innenseigerung wird mit den erfindungsgemäßen Verfahrensschritten
eine Verfeinerung der Kristallstruktur und ein höherer Grad des endabmessungsnahen
Gießens erzielt, da auch vom Gießquerschnitt her von Bloom-Abmessungen auf Knüppel-Abmessungen
übergegangen werden kann. Mit der Erfindung wird eine weitere In-Line-Produktionslinie
für Langprodukte eröffnet.
[0010] Anhand eines Ausführungsbeispieles wie in der Zeichnung schematisch dargestellt,
soll die Erfindung näher erläutert werden.
[0011] Das die Stranggießanlage verlassende Produkt soll ein Knüppel quadratischen Querschnittes
mit 100 mm Kantenlänge sein. Zu diesem Zweck wird in eine Stranggießkokille 1 herkömmlicher
Bauart ein Rundstrang 2 mit einem Durchmesser von 127,4 mm gegossen. Dem Durchmesser
von 127,4 mm entspricht ein Strangumfang von 400 mm und eine Querschnittsfläche von
12.741 mm². Unterhalb der Kokille wird der Strang durch Rollen 3 auf einem Bogen geführt.
Der Radius 4 des Bogens beträgt in Übereinstimmung mit der bogenförmigen Kokille 1
ca. 7000 mm. Bei einer Strangabzugsgeschwindigkeit von 5 m/min ergibt sich eine metallurgische
Länge von ca. 15000 mm. Innerhalb dieser Strecke wird der Strang 2 durch zwei glattzylindrische
Rollenpaare 5, 6, die paarweise in einer Ebene gegenüberliegend angeordnet sind, von
der runden Querschnittsform in eine rechteckige verformt. Je nach Stahlqualität kann
die Verformung in einer oder mehreren Stufen erfolgen, wobei bei rißempfindlichen
Güten bevorzugt bis zum vier Verformungsstufen 7, 8, 9, 10 zur Anwendung gelangen.
Die Größe der Verformung in den einzelnen Stufen ist so zu wählen, daß die Innendeformation
an der Grenze fest - flüssig nicht über der Dehngrenze des Werkstoffes liegt. Unter
Berücksichtigung dieses Umstandes kann die Größe der Verformung auch in allen Stufen
gleich gewählt werden. In den Verformungsstufen 7 bis 10 wird der Durchmesser des
Rundstranges von 127 mm um jeweils 6,8 mm verringert, so daß in der Verformungsstufe
10 ein Quadratknüppel mit 100 mm Kantenlänge bei gleichem Umfang wie der Rundstrang,
jedoch mit einer gegenüber dem Rundstrang reduzierten Querschnittsfläche vorliegt.
[0012] Die Umformung wird in einem Bereich des 2-Phasen-Gebietes unterhalb des tiefsten
Punktes der Schmelzenüberhitzung vorgenommen, wodurch im Fertigprodukt ein hoher Gefügeanteil
mit geringer Korngröße entsprechend einem Walzgefüge bereits im Gußstrang erzielt
wird. Die Verformung wird also innerhalb eines Abschnittes des Stranges vorgenommen,
in dem mehr als 20 % des Strangquerschnittes und bis zu 70 % des Strangquerschnittes
noch flüssig sind. Dabei ist darauf zu achten, daß bei rißempfindlichen Stahlqualitäten
der durch die Querschnittsverringerung hervorgerufenen Verformung weitere Verformungen,
z.B. durch Richtstufen bei Ovalbogenanlagen, nicht überlagert werden.
[0013] Die Richtstufen, im vorliegenden Fall zwei, sind mit 11 und 12 bezeichnet und befinden
sich innerhalb des Strangbereiches mit Flüssig-Anteil. Es liegt jedoch mit im Bereich
der Erfindung, die Verformungsstufen 7, 8, 9, 10 und die Richtstufen 11, 12 derart
anzuordnen, daß eine der Richtstufen jeweils zwischen zwei aufeinanderfolgenden Verformungsstufen
liegt.
1. Verfahren zur Erzeugung von Walzvormaterial mit Anstichabmessungen für ein Längswalzwerk,
dadurch gekennzeichnet,
daß flüssiger Stahl in eine wassergekühlte Stranggießkokille gegossen wird, in der
Stahl zum Teil unter Bildung einer ringförmigen Strangschale mit einer runden oder
ovalen Form der Querschnittsfläche des Stranges oder einer polygonalen Form mit mehr
als vier Ecken erstarrt und einen Mindestumfang von 200 mm aufweist, der so in der
Kokille erzeugte Strang unterhalb der Kokille bis zu seiner Durcherstarrung durch
auf den Strang verformend einwirkende Stützmittel in seiner Querschnittsfläche derart
reduziert wird, daß unter im wesentlichen Beibehaltung seiner Umfangslänge der Strang
zu einer diese Bedingungen erfüllenden polygonalen Querschnittsform mit mindestens
vier Ecken oder ovaler oder runder Querschnittsform verformt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Unformung im Bereich des 2-Phasengebietes unterhalb des tiefsten Punktes der
Überhitzung vorgenommen wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Strang in seiner Querschnittsfläche um mindestens 5 % bis zu 50 % in mindestens
einer Verformungsstufe reduziert wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Gesamtumformung in drei Verformungsstufen vorgenommen wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Strang zwischen den einzelnen Verformungsstufen zur Verminderung des Strangumfanges
durch Zugkräfte verformt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Verformung des Stranges durch Stützmittel vorgenommen wird, deren in der Querschnittsebene
der jeweiligen Verformungsstufe einander gegenüberliegende Oberflächen dem Strang
eine Querschnittsform erteilen, die möglichst nahe an dem Format und der Querschnittsform
des zu erzeugenden Endproduktes liegen (endabmessungsnahes Gießen).
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß bei Ovalbogenanlagen die Richtverformung nach einer Verformung zur Durchmesserverringerung
des Stranges durchgeführt wird.