[0001] Die Erfindung betrifft ein umweltfreundliches Kanalisationssystem für Gebäude und
Fahrzeuge, insbesondere Reisezugwagen, mit einer Abwasser erzeugenden Einheit, beispielsweise
ein Wasserklosett oder eine Küchenspüle, und einer Transportstrecke zum Verbinden
der Einheit mit einem Behälter.
[0002] Die Beseitigung von Abwasser und Fäkalien bereitet insbesondere bei Reisezügen zunehmend
Probleme, vor allem im Hinblick auf den Schutz der Umwelt sowie auf die Ästhetik und
das Lebensgefühl moderner Menschen. Das seit Jahrzehnten angewandte und in vielen
Zügen auch heute noch übliche Prinzip offener Fallrohre läuft den vorgenannten Gesichtspunkten
zuwider. Im Zusammenhang mit der Einführung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs und der
damit verbundenen Zunahme von Tunnelstrecken sind geschlossene Toilettensysteme erforderlich.
Dabei wurde zunächst an chemisch wirkende Systeme gedacht, die jedoch wegen der eingesetzten
Chemikalien im Sinne des Umweltschutzes ebenfalls nachteilig sind.
[0003] In Hochgeschwindigkeitszügen kommen deshalb geschlossene Toilettensysteme zum Einsatz,
bei denen Abwasser und Fäkalien in fahrzeugseitig angeordneten Tanks gesammelt werden,
wobei diese Tanks aus Gewichtsgründen ein nur für wenige Tage ausreichendes Volumen
aufweisen (siehe DE-PS 29 32 585). Die beispielsweise in viertätigem Rhythmus erforderliche
Entleerung der Sammeltanks geschieht in den Endbahnhöfen der Hochgeschwindigkeitszüge
mit der Folge, daß die ohnehin stark belasteten örtlichen Kommunen zusätzlich das
eigentliche Entsorgungsproblem bewältigen müssen. Außerdem entstehen der Eisenbahngesellschaft
hohe Kosten für eine entsprechende Infrastruktur, um den Transport der Abwasser und
Fäkalien von den Zügen zur kommunalen Entsorgungsstelle technisch sicher und frei
von Belästigungen durchzuführen.
[0004] Eine Ausdehnung der geschlossenen Toilettensysteme mit Sammeltanks auf den gesamten
Eisenbahnverkehr scheitert derzeit an den kommunalen Entsorgungskapazitäten und den
hohen Infrastrukturkosten, die dann nicht nur an den Endbahnhöfen der Hochgeschwindigkeitszüge
geschaffen bzw. aufgewendet werden müßten. Das Problem der Entsorgung gilt gleichermaßen
zum Beispiel für sanitäre Anlagen im Bereich von Fernstraßen und für Wochenendhäuser.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Kanalisationssystem der gattungsgemäßen
Art auf möglichst einfache und kostengünstige Weise so zu gestalten, daß anfallendes
Abwasser der Umwelt in Form einwandfrei gereinigten, keimfreien Wassers ohne weiteres
zugeführt werden kann.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß der Behälter eine Einrichtung
zum Verdampfen des Abwassers und einen zur Atmosphäre hin offenen Kondensationsraum
aufweist.
[0007] Im Abwasser enthaltene Fäkalien können unter entsprechender Energiezufuhr gleichfalls
verdampft oder mit Hilfe einer Filterkammerpresse stark komprimiert werden. Um jedoch
Rückstände zu vermeiden, ist nach einer Ausführungsform der Erfindung vorgesehen,
daß der Einrichtung zum Verdampfen ein innerhalb des Behälters angeordnetes Filterbett
für die biologische Zersetzung von Feststoffanteilen des Abwassers im wesentlichen
in CO₂ und Wasser vorgeschaltet ist.
[0008] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in anderen Unteransprüchen
angegeben.
[0009] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung schematisch dargestellt
und wird im folgenden näher beschrieben. Es zeigen
- Fig. 1
- ein Abwasserkanalisationssystem, angeordnet in einem Reisezugwagen,
- Fig. 2
- den in Fig. 1 dargestellten Behälter 3 in vergrößertem Maßstab.
[0010] Eine Abwasser erzeugende Einheit 1, hier ein Wasserklosett, befindet sich im Endbereich
des Reisezugwagens, dessen Fußboden 9 strichpunktiert gezeichnet ist. Zur Spülung
ist diese Einheit 1 über ein Fallrohr 10 an einem Brauchwasserbehälter 11 angeschlossen.
Abwasser und Fäkalien gelangen über eine Transportstrecke 2 in einen Entsorgungsbehälter
3, wobei die Transportstrecke 2 im wesentlichen aus einer Rohrleitung 2b und einer
Pumpe 2c mit einem integrierten Schneidwerk 2a für das Zerkleinern von Feststoffanteilen
im Abwasser besteht. Die Rohrleitung 2b enthält ferner eine Rückschlagklappe 2d, um
die Transportstrecke 2 im Hinblick auf den Hochgeschwindigkeitsverkehr in Richtung
auf die WC-Einheit 1 druckdicht zu verschließen.
[0011] Innerhalb des Behälters 3 ist ein Filterbett 6 aus speziell aufbereiteten, natürlichen
Filterfasern angeordnet. Dieses Filterbett 6 dient der biologischen Zersetzung von
Feststoffanteilen des Abwassers mit Hilfe von Bakterien und Organismen, die vorwiegend
in den menschlichen Ausscheidungen enthalten sind. Bei der Zersetzung entstehen hauptsächlich
CO₂ und Wasser. Das CO₂ gelangt über eine Öffnung 7a in einer Entlüftungsleitung 7
ins Freie. Umgekehrt wird das biologisch wirkende Filterbett 6 durch die Öffnung 7a
mit Sauerstoff versorgt. Die biologische Zersetzung wird im übrigen durch das Zerkleinern
der Feststoffanteile durch das Schneidwerk 2a gefördert.
[0012] Das Abwasser und das durch die Zersetzung entstehende Wasser fließen in eine Vorratskammer
8 innerhalb des Behälters 6 und von dieser Kammer 8 aus zu einer Einrichtung 4 zum
Verdampfen. Die Einrichtung 4 ist im wesentlichen aus dem eigentlichen Verdampfungsraum
4a und einem Heizelement 4b gebildet, das vorzugsweise elektrisch betrieben wird,
aber auch für andere Energiequellen - wie Propangas - ausgelegt sein kann. Der Wasserdampf
gelangt über ein Ausströmrohr 4c in einen Kondensationsraum 5. Bei dem Kondensat handelt
es sich um einwandfrei gereinigtes, keimfreies Wasser, das ständig durch das Ablaufrohr
5a austritt. Geringe Mengen überschüssigen Wasserdampfes entweichen über die Entlüftungsleitung
7. Gemäß Fig. 2 ist das Ausströmrohr 4c so ausgebildet, daß kein Kondensat in den
Verdampfungsraum 4a tropfen kann.
[0013] Zwischen dem behälterseitigen Raum des Filterbettes 6 und der Vorratskammer 8 befindet
sich eine Trennwand 12, deren Höhe bestimmend ist für das Volumen eines Wasserreservoirs,
das für einen Ausgleich von Betriebsspitzen günstig ist. Dem gleichen Zweck dient
eine Trennwand 12' zwischen der Vorratskammer 8 und dem Verdampfungsraum 4a, wobei
über das sich dort sammelnde Wasser und einen nicht dargestellten Volumenschalter
die Zufuhr von Energie für das Heizelement 4b gesteuert wird.
[0014] Bezüglich der Auslegung des Heizelements 4b kann von einer mittleren Verdampfungsleistung
von 4 Liter pro Stunde und WC-Einheit 1 ausgegangen werden. Aus Kostengründen und
auch im Hinblick auf eine möglichst gleichmäßige Auslastung empfiehlt es sich, zwei
WC-Einheiten an einen Entsorgungsbehälter 3 anzuschließen, der im Bereich der Wagenlängsmitte
angeordnet ist. Vergrößert man die dann notwendige mittlere Leistung von 8 Liter pro
Stunde und Wagen unter Berücksichtigung von Betriebsspitzen sicherheitshalber auf
etwa 20 Liter, so ist eine Leistung von 12,5 kW für das Heizelement 4b ausreichend.
[0015] Bei normaler Benutzung entstehen im Filterbett 6 so wenig Rückstände, daß eine Durchspülung
erst nach einigen Monaten erforderlich ist. Der Behälter 3 hat dafür zwei nicht dargestellte
Anschlüsse (Einlauf und Rücklauf). Das Spülwasser kann ohne weiteres in die öffentliche
Kanalisation geleitet werden. Der Verdampfungsraum 4a sollte für eine ebenfalls erst
in größeren Zeitabständen durchzuführende Beseitigung von Mineralstoffen, die bei
der Verdampfung zurückbleiben, von außen leicht zugänglich oder herausnehmbar sein.
[0016] Der beschriebene Entsorgungsbehälter 3 kann wegen seiner effektiven Arbeitsweise
und des ständig möglichen Ablaufens von sauberem Wasser wesentlich kleiner ausgeführt
werden als die bekannten Sammeltanks in Hochgeschwindigkeitszügen. Der Behälter beansprucht
also auch weniger Einbauraum. Außerdem wirkt sich der Verdampfungsprozeß günstig auf
die Betriebssicherheit aus; insbesondere eine Vereisung wird zuverlässig verhindert.
Liste der Bezugszeichen
[0017]
- 1
- Abwasser erzeugende Einheit
- 2
- Transportstrecke
- 2a
- Schneidwerk
- 2b
- Rohrleitung
- 2c
- Pumpe
- 2d
- Rückschlagklappe
- 3
- Behälter für die Entsorgung
- 4
- Einrichtung zum Verdampfen
- 4a
- Verdampfungsraum
- 4b
- Heizelement
- 4c
- Ausströmrohr
- 5
- Kondensationsraum
- 5a
- Ablaufrohr
- 6
- Biologisch wirkendes Filterbett
- 7
- Entlüftungsleitung
- 7a
- Öffnung
- 8
- Vorratskammer
- 9
- Fußboden des Reisezugwagens
- 10
- Fallrohr
- 11
- Brauchwasserbehälter
- 12
- Trennwand
- 12'
- Trennwand
1. Umweltfreundliches Kanalisationssystem für Gebäude und Fahrzeuge, insbesondere Reisezugwagen,
mit einer Abwasser erzeugenden Einheit (1) beispielsweise ein Wasserklosett oder eine
Küchenspüle, und einer Transportstrecke (2) zum Verbinden der Einheit (1) mit einem
Behälter (3), dadurch gekennzeichnet, daß der Behälter (3) eine Einrichtung (4) zum
Verdampfen des Abwassers und einen zur Atmosphäre hin offenen Kondensationsraum (5)
aufweist.
2. Kanalisationssystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Einrichtung (4)
zum Verdampfen ein innerhalb des Behälters (3) angeordnetes Filterbett (6) für die
biologische Zersetzung von Feststoffanteilen des Abwassers im wesentlichen in CO₂
und Wasser vorgeschaltet ist.
3. Kanalisationssystem nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Behälter
eine vom Kondensationsraum (5) ausgehende Entlüftungsleitung (7) für überschüssigen
Wasserdampf aufweist.
4. Kanalisationssystem nach den Ansprüchen 2 und 3, dadurch gekennzeichnet, daß in der
Entlüftungsleitung (7) eine der Zufuhr von Sauerstoff zu dem biologisch wirkenden
Filterbett (6) dienende Öffnung (7a) vorhanden ist, aus der andererseits CO₂ austreten
kann.
5. Kanalisationssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß
der Behälter 3 zumindest eine Vorratskammer (8) enthält, aus der das Abwasser dosiert
der Verdampfungseinrichtung (4) zugeführt wird.
6. Kanalisationssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß
die zwischen der Abwasser erzeugenden Einheit (1) und dem Behälter (3) angeordnete
Transportstrecke (2) ein Schneidwerk (2a) zum Zerkleinern von Feststoffanteilen des
Abwassers aufweist.