[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Minimierung der Schopfverluste von Beton-Rippendraht
bei dessen Randvergütung durch kontrollierte Abkühlung aus der Walzhitze, wobei die
Abkühlung nach Austritt aus einem Drahtfertigblock in einer zwischen diesem und einem
nachgeschalteten Windungsleger mehrere Kühlrohre in Reihe aufweisenden Kühlstrecke
erfolgt und der Draht nach erfolgter Randvergütung in den Windungsleger eingeführt
wird.
[0002] Bei der Randvergütung von Beton-Rippendraht aus der Walzhitze beginnt üblicherweise
die Wasserkühlung unmittelbar hinter dem Drahtfertigblock. Vielfach wird dabei die
Wasserkühlung erst dann eingeschaltet, wenn die Drahtspitze den vor dem Windungsleger
installierten Treiber durchlaufen hat, um ein Ausbrechen infolge zu frühzeitig einsetzender
Kühlung zu verhindern. Hierdurch entsteht eine unzureichend gekühlte bzw. vergütete
Drahtspitze, die länger sein kann als der Abstand zwischen Block und Treiber und beispielsweise
eine Länge von mehr als 45 m aufweist. Diese Drahtspitze mußte bisher geschopft werden
und verringerte somit das Ausbringen der Drahtstraße. Insbesondere trifft dieser Nachteil
auf relativ dünne Drahtsorten zwischen 6 und 10 mm zu.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, das Abkühlungsverfahren zur Randvergütung
von vergleichsweise dünnem Beton-Rippendraht aus der Walzhitze derart zu verbessern
und zu modifizieren, daß damit ohne Qualitätsminderung auf möglichst einfache Weise
und mit vorhandenen Mitteln die Schopfverluste wesentlich verringert werden.
[0004] Die Lösung der Aufgabe gelingt bei einem Verfahren der eingangs genannten Art mit
der Erfindung dadurch, daß die Abkühlung für vergleichsweise dünne Drahtsorten zwischen
6 und 10 mm in einen dem Windungsleger nächstgelegenen Bereich der Kühlstrecke verlegt
wird.
[0005] Durch die erfindungsgemäße Verlegung der Abkühlung in einen dem Windungsleger nächstgelegenen
Bereich der Kühlstrecke werden für die Drahtspitze günstige, d.h. kontrollierte Kühlungsverhältnisse
erreicht, die zu einer ausreichenden Randvergütung führen und die Schopfverluste der
Drahtspitze wenigstens bis auf die Hälfte der ursprünglichen Länge verringern, ohne
daß die Drahtspitze beim Durchlauf durch die Kühlstrecke ausbricht. Die erfindungsgemäße
Lösung ist unkompliziert und kostengünstig und läßt sich bei praktisch allen vorhandenen
Kühlstrecken problemlos einrichten.
[0006] Auch bei Drahtabmessungen von 12 mm und größer kann fallweise das neue Verfahren
vorteilhaft angewendet werden, weil dann der Kühlprozess, wie er bisher üblich war,
sowohl unmittelbar nach dem Drahtfertigblock einsetzt, als auch zusätzlich im Bereich
vor dem Windungsleger mit erhöhter Intensität fortgesetzt und vollendet wird. Bei
diesen Drahtdicken entstehen zwar nicht so große Schopfverluste, weil die Drahtspitze
ohne auszubrechen durch die Kühlstrecke oder zumindest durch einen Teil der Kühlrohre
mit eingeschalteter Kühlung transportiert werden kann, gleichwohl wird beim Dickdraht
mit dem zusätzlichen Verfahren nach der Erfindung eine Qualitätssteigerung bei der
Randzonenvergütung erreicht.
[0007] Eine Ausgestaltung des Verfahrens sieht vor, daß eine Abkühlungsphase mit dem größten
Temperatur-Gradienten in den dem Windungsleger nächstgelegenen Bereich der Kühlstrecke
verlegt wird.
[0008] Dabei kann beispielsweise so vorgegangen werden, daß die - vom Drahtfertigblock aus
gesehen - dem Windungsleger vorgeordneten Kühlrohre einen vergleichsweise geringen
Anteil der Abkühlung mit einem vergleichsweise niedrigen Temperaturgradienten verwirklichen,
während in den dem Windungsleger nächstgelegenen Bereich der Kühlstrecke der Schwerpunkt
des Abkühlungsverfahrens und damit der Randvergütung des Drahtes verlegt wird. Hierdurch
nimmt die Kühlwirkung im Verlauf der Kühlstrecke von deren Anfang bis zum Windungsleger
allmählich zu, so daß ohne Gefahr des Ausbrechens der Drahtspitze eine optimale Randvergütung
des Drahtes bei wesentlich verringerten Schopfverlusten erreicht wird. Durch die stetige
Zunahme der Kühlung wird zuverlässig verhindert, daß die Drahtspitze auch bei vergleichsweise
dünnen Drahtsorten beim Durchlauf durch die Kühlrohre ausbricht, auch wenn sie noch
nicht den vor dem Windungsleger installierten Treiber durchlaufen hat. Andererseits
wird bei dieser Ausgestaltung des Verfahrens eine stetig zunehmende Abkühlung und
damit Vergütung der Drahtspitze bewirkt, die dann im Bereich der Kühlstrecke vor dem
Windungsleger vollendet wird.
[0009] Eine weitere Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, daß zur Intensivierung der Kühlwirkung
des dem Windungsleger nächstgelegenen Bereiches der Kühlstrecke örtlich wenigstens
ein zusätzliches Kühlrohr eingesetzt wird.
[0010] Das Verfahren kann mit Vorteil aber auch dadurch verwirklicht werden, daß das dem
Windungsleger nächstgelegene Kühlrohr in seiner Kühlwirkung wesentlich intensiviert
wird. Hierfür kann beispielsweise das Kühlrohr verlängert werden, wodurch die Verweilzeit
des durchlaufenden Drahtes und damit der Kühlungsphase verlängert und dadurch die
Kühlwirkung intensiviert wird.
[0011] Eine andere Art der Intensivierung kann aber auch dadurch erreicht werden, daß zumindest
in einem Kühlrohr vor dem Windungsleger der Einsatz von Kühlmittel durch Erhöhung
von Druck und/oder Menge intensiviert wird.
[0012] Eine Ausgestaltung des Verfahrens sieht weiter vor, daß die streckenweise Steuerung
der Kühlung in den einzelnen Kühlrohren nach einem die Abschnitte der Kühlstrecke
beherrschenden Programm unter Verwendung einer computergesteuerten Führungseinheit
vorgenommen wird. Dabei lassen sich optimale Vergütungsergebnisse einstellen.
[0013] Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile des Verfahrens ergeben sich aus den nachstehenden
Erläuterungen eines in der Zeichnung schematisch dargestellten Verfahrensstammbaumes.
[0014] Es zeigen:
- Fig. 1
- ein Layout eines einadrigen Feinstahl- und Drahtwalzwerkes mit integrierter Kühlstrecke,
- Fig. 2
- ein Diagramm mit Kühlkurven für Randzonen-, Kern- und Durchschnittstemperatur eines
aus der Walzhitze auf Vergütungstemperatur abgekühlten Drahtes.
[0015] Der in der Figur 1 dargestellte Stammbaum eines Walzwerkes zeigt einen Ofen (1),
gefolgt von Auszieh- und Rücktreiber, Pendelschere und
Preßwasserentzunderung (2), eine acht-gerüstige Vorstraße (3), eine sechs-gerüstige
Zwischenstraße (4) und eine fünf-gerüstige Fertigstraße (5) für die Stabwalzung mit
Rotations-Schopf- und Häckselscheren (6).
[0016] Die Bezugsziffern (7 - 14, 22) bezeichnen Stationen einer anschließenden Feinstahlstraße,
die nicht zum Gegenstand der Erfindung gehört, der Vollständigkeit halber aber erwähnt
sind, wobei (7) eine Wasserkühlstrecke, (8) einen Treiber, (9) einen Zulaufrollgang,
(10) eine Rotationsschere, (11) eine Zulaufrinne mit Weiche, (12) ein Rechenkühlbett,
(13) einen mehradrigen Treiber, (14) eine mehradrige Richtmaschine und (22) einen
Gerüstbauplatz bezeichnen.
[0017] Aus der Fertigstraße (5) für die Stabwalzung zweigt die Drahtstaße ab. Diese weist
eine Wasserkasten (23) auf, in dem die Drahttemperatur auf einen für das Fertigwalzen
im Drahtfertigblock (26) optimalen Temperaturbereich abgesenkt wird. Weiter sind dem
Drahtfertigblock (26) die Schopf- und Häckselscheren (24) und der Schlingentisch (25)
vorgeschaltet. Es folgt die Kühlstrecke (27) mit vier Kühlrohren (36a - 36d), in welchen
die Randvergütung des Beton-Rippendrahtes durch kontrollierte Abkühlung vorgenommen
wird. An den Windungsleger (28) schließt sich die Stelmoranlage (29) an, die an der
Drahtring-Bildekammer (30) endet. Die im Layout vorgesehenen vier Kühlrohre (36a -
36d) erhalten ihre Kühlmittelzuteilung durch einstellbare Kühlmittelventile (33a -
33d).
[0018] Für die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren vorgesehene schwerpunktmäßige Verlegung
der Abkühlung der Dünndrahtspitze in einen dem Windungsleger (28) nächstgelegenen
Bereich der Kühlstrecke (27) kann beispielsweise dort ein zusätzliches Kühlrohr (31)
mit einem Kühlmittelzuteilungsventil (35) verwendet werden. Auch kann zur schwerpunktsmäßigen
Verlegung der Kühlwirkung in den Bereich vor den Windungsleger (28) ein zusätzliches
Kühlmittelzuteilungsventil (32) vorgesehen sein. Dieses teilt dem Kühlrohr (36d) eine
zusätzliche Menge Kühlmittel, fallweise mit erhöhtem Druck, zu.
[0019] Auf diese Weise wird im Bereich vor dem Windungsleger (28) bzw. dem zugeordneten
Treiber eine im Verhältnis zu den vorangehenden Bereichen der Kühlstrecke (27) wesentlich
intensivierte Kühlwirkung erreicht, dabei das Ausbrechen der Drahtspitze verhindert
und bei zufriedenstellender Vergütung der Schopfverlust erheblich verringert.
[0020] Das Verfahren kann aber auch so ausgestaltet werden, daß das dem Windungsleger (28)
nächstgelegene Kühlrohr (36d) in seiner Kühlwirkung wesentlich intensiviert wird,
indem es beispielsweise verlängert wird. Auch kann im Kühlrohr (36d) der Einsatz von
Kühlmittel durch Erhöhung von Druck und/oder Menge intensiviert werden. Diesem Zweck
dient beispielsweise die in der Figur 1 gezeigte Anordnung eines zusätzlichen Kühlmittelzuteilungsventils
(32).
[0021] Um dabei gemäß Erfindung eine örtlich streng kontrollierte Kühlwirkung innerhalb
der Kühlstrecke (27) zu erreichen, ist in einer Ausgestaltung der Erfindung weiter
vorgesehen, daß die Steuerung der Kühlwirkung bei den einzelnen Kühlrohren (36a -
36d) nach einem die Abschnitte der Kühlstrecke (27) beherrschenden Programm unter
Verwendung einer computergesteuerten Führungseinheit (34) vorgenommen wird. Diese
überträgt an die Kühlmittelzuteilungsorgane (33a - 33d) bzw. (32 und 35) Einstellungsimpulse,
nach deren Maßgabe die Kühlrohre (36a - 36d) bzw. (31) mehr oder weniger intensiv
mit Kühlmittel versorgt werden. Mit dieser Maßnahme kann problemlos beim Abschrecken
von vergleichsweise dünnen Drahtsorten die Abkühlungsphase mit dem größten Temperaturgradienten
in den dem Windungsleger (28) nächstgelegenen Bereich der Kühlstrecke (27) verlegt
werden. Dabei wird eine ausreichende Kühlwirkung sowie Vergütung der Drahtspitze erzielt,
ohne daß diese vor Erreichen des Windungslegers (28) bzw. dessen Treibers beim Durchlauf
durch die vorgeschalteten Kühlrohre (36a - 36c) ausbricht. Dabei wird dann, wie dies
die Figur 2 zeigt, im Randbereich des Drahtes eine vorgegebene, insbesondere martensitische
Gefügestruktur erreicht. Wie aus dem Verlauf der Kühlkurve für die Randzone (R) hervorgeht,
wird beim Abkühlen eine schockartige Temperaturabsenkung der Randzone des Drahtes
von etwa 1000
oC bis auf etwa 220
oC innerhalb von nur einer Sekunde erreicht. Danach steigt die Temperatur des sich
martensitisch orientierenden Gefüges wieder bis auf etwa 630
oC an. Diesem Temperaturverlauf folgt mit Verzögerung von 6 bis 8 Sekunden der Kerntemperaturverlauf
nach der oberen Diagrammkurve (K), woraus sich der in der mittleren Diagrammkurve
(D) gezeigte Verlauf der Durchschnittstemperatur ergibt.
[0022] Mit der Erfindung werden sehr vorteilhaft mit einfachen Mitteln und Maßnahmen Schopfverluste
minimiert und Betriebsunterbrechungen durch Ausbrechen der Drahtspitze vermieden.
Insofern erfüllt das Verfahren in optimaler Weise die eingangs gestellte Aufgabe.
1. Verfahren zur Minimierung der Schopfverluste von Beton-Rippendraht bei dessen Randvergütung
durch kontrollierte Abkühlung aus der Walzhitze, wobei die Abkühlung nach Austritt
aus einem Drahtfertigblock in einer zwischen diesem und einem nachgeschalteteten Windungsleger
mehrere Kühlrohre in Reihe aufweisenden Kühlstrecke erfolgt und der Draht nach erfolgter
Randvergütung in den Windungsleger eingeführt wird, dadurch gekennzeichnet, daß die
Abkühlung für vergleichsweise dünne Drahtdicken zwischen 6 und 10 mm in einen dem
Windungsleger nächstgelegenen Bereich der Kühlstrecke verlegt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß eine Abkühlungsphase mit dem
größten Temperatur-Gradienten in den dem Windungsleger nächstgelegenen Bereich der
Kühlstrecke verlegt wird.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2. dadurch gekennzeichnet, daß die Kühlwirkung
des dem Windungsleger bzw. dem zugeordneten Treiber nächstgelegenen Bereiches der
Kühlstrecke im Verhältnis zu den vorangehenden Bereichen der Kühlstrecke wesentlich
intensiviert wird.
4. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß zur Intensivierung der Kühlwirkung des dem Windungsleger nächstgelegenen Bereichs
der Kühlstrecke wenigstens ein zusätzliches Kühlrohr eingesetzt wird.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
daß das dem Windungsleger nächstgelegene Kühlrohr in seiner Kühlwirkung wesentlich
intensiviert wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Kühlrohr verlängert wird.
7. Verfahren nach dem Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß in wenigstens einem dem
Windungsleger nächstgelegenen Kühlrohr der Kühlstrecke der Einsatz von Kühlmittel
durch Erhöhung von Druck und/oder Menge intensiviert wird.
8. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet,
daß die Steuerung der Kühlwirkung einzelner Kühlrohre der Kühlstrecke nach einem die
bereichsweisen Abschnitte der Kühlstrecke beherrschenden Programm unter Verwendung
einer computergesteuerten Führungseinheit vorgenommen wird.