[0001] Die Erfindung betrifft eine Notstoppeinrichtung an einer Spinnmaschine, insbesondere
am Dofferbalken einer Feinspinnmaschine.
[0002] Bewegliche Dofferbalken von Ringspinnmaschinen, insbesondere jene, welche mit einer
Scherenkonstrukton ausgestattet sind, bedürfen Notstoppeinrichtungen, welche oft gesetzlich
vorgeschrieben sind, um Bedienpersonal vor Verletzungen zu schützen. In der Regel
handelt es sich hierbei um ein gespanntes Drahtseil, das sich über die ganze Länge
des Dofferbalkens erstreckt und daran befestigt ist. Durch Ziehen wird ein Signal
erzeugt, das den Dofferbalken in seiner Bewegung anhält bzw. stoppt. Es ist eine bekannte
Tatsache, dass manchmal Bruchteile einer Sekunde entscheidend sind, um Unheil abzuwenden.
Ein Drahtseil bzw. eine Sicherheitsleine ist jedoch nicht immer leicht erreichbar,
z.B. bei einer niedrigen Höhenlage des Dofferbalkens. Nachdem das Seil ergriffen worden
ist, besteht eine nachfolgende Tätigkeit darin, am Seil zu ziehen. Ein Drücken zum
Anhalten der Maschine würde aber schneller vor sich gehen, da diese Tätigkeit zusammen
mit einem Hinlangen eine durchgehende Bewegung darstellt. Da eine Sicherheitsleine
mit der Zeit dehnt, muss sie von Zeit zu Zeit nachgespannt werden. Besonders nachteilig
ist ein versehentliches Einhaken eines Gegenstandes, beispielsweise eines Schraubenziehers,
der einer Bedienperson aus der Tasche ragt. Ein unbeabsichtigtes Auslösen eines Stoppsignales
kann die Folge sein. Auch ein psychologischer Aspekt wäre zu beachten. Eine Bedienperson
ist nämlich im Unklaren, wieviel Kraft zum Ziehen erforderlich ist. Das Seil gibt
ihr keine Rückmeldung, dass ein Stoppsignal tatsächlich ausgelöst worden ist.
[0003] In der DE 39 38 625 ist eine Druckleiste, eine andere Art einer Notstoppeinrichtung,
offenbart, die am Dofferbalken befestigt ist. Man muss sich aber vergegenwärtigen,
dass der Meterpreis einer Anschaffung oft im Wege steht. Auch die Länge einer solchen
Druckleiste kann die Empfindlichkeit und dadurch die Zuverlässigkeit beeinträchtigen.
Ausserdem können solche Leisten durch Kollisionen mit fremden Gegenständen schnell
funktionsuntüchtig gemacht werden.
[0004] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Notstoppeinrichtung vorzuschlagen,
welche die obengenannten Nachteile nicht aufweist, wirtschaftlich in der Anschaffung
und weitgehend wartungsfrei ist, durch Drücken von Hand oder Fuss zu betätigen ist,
so dass ein Bücken entfällt und wobei eine visuelle Bestätigung des Auslösevorganges
erfolgt. Diese Aufgabe wird gelöst durch die Lehre des Kennzeichens des Anspruches
1. Die Erfindung wird nachfolgend an Hand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen
schematisch:
- Fig. 1
- einen Schnitt durch einen Dofferbalken mit der erfindungsgemässen Notstoppeinrichtung
gemäss einer ersten Ausführung,
- Fig. 2
- einen Teilschnitt durch einen Dofferbalken mit der Notstoppeinrichtung gemäss einer
zweiten Ausführung, und
- Fig. 3
- einen Teilschnitt durch einen Dofferbalken mit der Notstoppeinrichtung gemäss einer
dritten Ausführung.
[0005] In Fig. 1 wird ausgegangen von einer aus der EP 303 877 bekannten Anordnung, in der
Greifer 4 ausrastbar und lösbar an einem Dofferbalken 5, einem extrudierten Profil
aus Leichtmetall, befestigt sind. Dabei wird jeweils ein Greifer 4 mit einer zylinderförmigen
Membrane 8 über eine nicht dargestellte volle oder leere Kopshülse gebracht, und die
Membrane wird zwecks Erfassens der Hülse mit Luftdruck aus einer als Kanal ausgebildeten
Luftspeiseleitung 9 im Dofferbalken 5 beaufschlagt. Die ausrastbare Verbindung zwischen
den Greifern 4 und dem Dofferbalken 5 besteht aus elastischen Laschen 10 am Greifer
4, die im Dofferbalken 5 eingerastet sind. Ebenfalls im Dofferbalken 5 befindet sich
eine Luftsignalleitung 13 mit Öffnungen 14, welche von den Greifern 4 verschlossen
werden. Falls ein Greifer 4 gegen irgendeinen Maschinenteil, z.B. eine schräg abgestellte
Hülse, stossen sollte, wird der Greifer 4 aus dem Dofferbalken 5 ausgerastet, um Maschinenschäden
zu vermeiden. Bei der Trennung des betreffenden Greifers 4 wird auch die Öffnung 14
freigegeben, wodurch der Druck in der Luftsignalleitung 13 abfällt. Durch den Druckabfall
wird ein Signal ausgelöst, das die Dofferbewegung stoppt. Längsaussparungen 15 und
16 im Dofferbalken 5 dienen dazu, das Gewicht des Dofferbalkens 5 herabzusetzen.
[0006] Parallel zu diesen Einrichtungen zur Vermeidung von Maschinenschäden sind Einrichtungen
zur Vermeidung von Verletzungen von Bedienpersonal vorgesehen. Statt einer nicht gezeichneten
Sicherheitsleine sind nunmehr einzelne Greifer 4 mit einem Druckhebel 20 versehen,
welcher mittels Schrauben bzw. Bolzen 21 an einer vertikalen Seitenfläche des Greifers
lösbar daran befestigt sind. Der Druckhebel 20, entweder aus Metall oder Kunststoff,
erstreckt sich vertikal und weist an seinem oberen, freien Ende eine geeignete, z.B.
runde Scheibe 22 auf, die schräg einer Bedienperson zugewandt ist und als Stossfläche
dient. Dadurch ist es möglich, die Stossfläche von Hand und bei einer niedrigen Höhenlage
des Dofferbalkens 5 mit dem Fuss bevorzugt durch Drücken (und nicht nur durch Ziehen)
zu betätigen, so dass der Greifer nicht nur bei einer Verklemmung von Maschinenteilen,
sondern auch im Falle einer bevorstehenden Verletzung bewusst von einer Person vom
Dofferbalken 5 gelöst werden kann. Die Drückbewegung erfolgt also in Richtung der
Maschinenlängsseite zur Mitte der Ringspinnmaschine hin. Der Abstand entlang dem Dofferbalken
5 zwischen den einzelnen Druckhebeln 20 ist vorzugsweise ein bis zwei Meter. Die Druckhebel
20 sollen zweckmässigerweise rot markiert werden. Der Gegenstand, welcher mit der
Luftsignalleitung 13 kooperiert, ist im oben erläuterten Fall der Greifer 4 selber.
Sobald der Greifer 4 durch bewusstes Drücken auf die Scheibe 22 vom Dofferbalken 5
getrennt ist, tritt ein Druckabfall in der Leitung 13 ein. Ueber einen Drucksensor
wird die Bewegung des Dofferbalkens 5 zum Stillstand gebracht. Der gesamte Greifer
4 kann, abgesehen vom Druckhebel 20, einstückig aus Kunststoff hergestellt sein. Eine
bevorzugte Ausführung besteht in einem Greifer 4 mit einer angeformten Tasche 25,
welche zur Verdeutlichung perspektivisch gezeichnet ist und in welche der Druckhebel
20 einsteckbar bzw. einschnappbar ist, so dass Schrauben 21 und auch die Zusammenschraubarbeit
vermieden werden können.
[0007] Eine andere Ausführungsform zeigt Fig. 2. Ein vom Greifer 4 unabhängiger Gegenstand,
ein Druckhebel 20.1, ist ausrastbar und unmittelbar am Dofferbalken 5 angeordnet und
kooperiert mit einer eigenen Luftsignalleitung 30, so dass nun zwei Luftsignalleitungen
vorhanden sind. Das hat den Vorteil, dass man in der Zentrale weiss, ob es sich um
einen Maschinenschaden oder um eine menschliche Gefährdung handelt. Die Luftsignalleitung
30 erstreckt sich über die Gesamtlänge des Dofferbalkens 5 unterhalb einer darin eingelassenen
Längsnut 31, in welche der Druckhebel 20.1 mittels elastischer Laschen 32 eingerastet
ist. Im Abstand von etwa 1,5 m gestaffelte Öffnungen 33, die mit der Luftsignalleitung
30 in Verbindung stehen, führen in einen Hohlraum 36 des Druckhebel 20.1, in welchem
sich ein angeformter, zylindrischer Stutzzapfen 37 befindet. Ein zylindrisches Gummidichtungselement
38 ist auf den Stutzzapfen 37 gestreift und verschliesst die Öffnung 33. Die Vorteile
einer solchen Dichtung sind bereits eingehend in der EP 303 877 beschrieben worden.
Der Druckhebel 20.1 und der ausklinkbare Gegenstand bilden also eine integrale Einheit.
[0008] Fig. 3 zeigt noch eine andere Ausführung. Hier ist ein horizontaler Druckhebel 20.2
federnd im Dofferbalken 5 gehalten, welcher Druckhebel 20.2 gegen einen aufstehenden
Rand eines in der Längsnut 31.1 angeordneten Plättchens 42 aus Federstahl drückbar
ist, so dass nur der Gegenstand in Form des Plättchens 42 ausrastbar und vom Dofferbalken
5 lösbar ist. Am Plättchen 42 ist eine Gummidichtung 43 befestigt, welche die Öffnung
33 verschliesst.
[0009] Genauso wie in der EP 303 877 beschrieben wurde, ist statt einer Luftsignalleitung
13,30 selbstverständlich auch eine stromführende Signalleitung denkbar. Im wesentlichen
besteht eine solche stromführende Signalleitung aus einem unterbrochenen Strip aus
Kupfer, welche natürlich ausreichend vom Dofferbalken 5 isoliert werden muss. Druckhebel
mit einer Metallbrücke für die Unterbrüche werden im Notfall ausgerastet, wodurch
der elektrische Durchgang im Strip unterbrochen wird. Der Stromunterbruch löst dann
eine Stillsetzung des Dofferbalkens aus. Eine stromführende Signalleitung hat aber
bestimmte Nachteile, z.B. die elektrische Anordnung bei einem Dofferbalken, der sonst
nur mit Luftkanälen ausgestattet ist. Ausserdem können die Kontaktstellen zwischen
den Unterbrüchen Flug ansammeln.
[0010] Die Erfindung ist nicht unbedingt beschränkt auf Dofferbalken einer Feinspinnmaschine.
Flyer, welche normalerweise mehrere auf Abstand angeordnete elektrische Stopptasten
aufweisen, können stattdessen Notstoppeinrichtungen mit Luft als Medium aufweisen.
[0011] Alle in der Beschreibung, den Ansprüchen und der Zeichnung dargestellten Sachverhalte
können sowohl einzeln als auch in beliebiger, sinnvoller Kombination erfindungswesentlich
sein und Merkmale von Ansprüchen mit gleicher Rückbeziehung können gemeinsam zur Anwendung
kommen.
Legende (nur für interne Zwecke)
[0012]
- 4
- Greifer
- 5
- Dofferbalken
- 8
- Membrane
- 9
- Luftspeiseleitung
- 10
- Lasche
- 13
- Luftsignalleitung
- 14
- Öffnung
- 15
- Längsaussparung
- 16
- "
- 20
- Druckhebel
- 20.1
- "
- 20.2
- "
- 21
- Schraube / Bolzen
- 22
- Scheibe
- 25
- Tasche
- 30
- Luftsignalleitung
- 31
- Längsnut
- 31.1
- "
- 32
- Lasche
- 33
- Öffnung
- 36
- Hohlraum
- 37
- Stutzzapfen
- 38
- Gummidichtungselement
- 42
- Plättchen
- 43
- Gummidichtung
1. Notstoppeinrichtung an einer Spinnmaschine, insbesondere am Dofferbalken einer Feinspinnmaschine,
dadurch gekennzeichnet, dass am Dofferbalken (5) mindestens ein durch Betätigung eines
Druckhebels (20) ausklinkbarer, mit einer Signalleitung (13,30) kooperierender Gegenstand
(4,20,42) vorgesehen ist.
2. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Druckhebel und der Gegenstand
eine integrale Einheit bilden (Fig. 2).
3. Einrichtung nach Anspruch 1, wobei Greifer (4) am Dofferbalken ausklinkbar befestigt
sind, dadurch gekennzeichnet, dass der Druckhebel an mindestens einem Greifer befestigt
ist.
4. Einrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Druckhebel an einer
Seitenfläche des Greifers mittels lösbarer Befestigungsmittel (21,25) daran befestigt
ist.
5. Einrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass an jedem Greifer eine Tasche
(25) angeformt ist, in welcher der Druckhebel einsteckbar ist.
6. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Druckhebel an seinem
oberen, freien Ende eine scheibenförmige Stossfläche (22) aufweist.
7. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Signalleitung eine Luftleitung
(13,30) oder eine stromführende Leitung ist.
8. Einrichtung nach Anspruch 6, wobei die Druckhebel am Dofferbalken ausklinkbar befestigt
sind und mit einer Luftsignalleitung (13) kooperieren, dadurch gekennzeichnet, dass
eine zusätzliche Luftsignalleitung (30) für den Druckhebel vorgesehen ist.
9. Einrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Druckhebel (20) separat
neben dem Greifer (4) ausklinkbar befestigt ist und auf die gleiche Luftsignalleitung
(13) einwirkt wie der Greifer.
10. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Gegenstand aus einem
Plättchen (42) besteht.
11. Einrichtung nach Anspruch 2, mit einem Abdichtungsmittel zwischen dem Druckhebel und
dem Dofferbalken, dadurch gekennzeichnet, dass das Abdichtungsmittel ein auf einem
Stützzapfen (37) angeordnetes, zylinderförmiges, elastisches Element (38) aufweist
und in einem Hohlraum (36) des Druckhebels angeordnet ist.
12. Notstoppeinrichtung an einer Spinnmaschine, insbesondere am Dofferbalken einer Feinspinnmaschine,
dadurch gekennzeichnet, dass zum Auslösen eines Notstoppverfahrens die Spinnmaschine
mit einer Mehrzahl von einzelnen Auslöseelementen vorgesehen ist, welche in Längsrichtung
der Maschine verteilt sind und je von den jeweiligen benachbarten Maschinenflächen
getrennt sind, so dass jedes Auslöseelement einzeln durch Druck bestätigt werden kann,
um das Notstoppverfahren auszulösen.
13. Einrichtung nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass ein Notstoppverfahren auslösendes
Element einen Zustand einnimmt, welcher ihn von den anderen Elementen (die kein Notstoppverfahren
ausgelöst haben) unterscheidet, so dass nach dem Auslösen eines Notstoppverfahrens
durch ein bestimmtes Element dieses Element nachher feststellbar ist.
14. Einrichtung nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass das einzelne Element
unmittelbar mit einem Signalübertragungsmittel verbunden ist.
15. Einrichtung nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass das Uebertragungsmittel
sich in Längsrichtung der Maschine erstreckt und mit einer Mehrzahl der Elemente verbunden
ist, vorzugsweise mit allen Elementen auf einer Maschinenseite.
16. Einrichtung nach Anspruch 15 und/oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass das Element
entweder selbst als Anzeige eines von ihm ausgelösten Notstoppvorganges gebildet ist
oder einer solchen Anzeige zugeordnet ist.
17. Einrichtung nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass das Element nach einem
Uebergang in den zweiten Zustand nur durch einen besonderen Eingriff in den ersten
Zustand zurückgestellt werden kann.