[0001] Die Erfindung betrifft ein Rotationsbiegewerkzeug gemäß Oberbegriff des Anspruchs
1.
[0002] Derartige Rotationsbiegewerkzeuge werden in Pressen, wie sie beispielsweise aus der
US 4,002,049 bekannt sind, eingesetzt. Bei derartigen Pressen erfolgt die Formgebung
durch eine kombinierte Dreh- und Verschiebebewegung des Werkzeugs. Das Werkzeug besteht
aus einem Rotationsbiegekopf, der die Gestalt eines Zylinders mit einer in etwa V-förmigen
Ausnehmung hat, wobei der Winkel zwischen den beiden Schenkein der V-förmigen Ausnehmung
im wesentlichen durch den Biegewinkel des zu biegenden Formteils bestimmt wird und
in den meisten Fällen in der Größenordnung von 90° liegt.
[0003] Der Rotationsbiegekopf wirkt mit seiner V-förmigen Ausnehmung mit einer entsprechend
gestalteten Matrize zusammen, wobei das zu verformende Biegeteil um die Matrize herum
durch die Ausnehmung im Rotationsbiegekopf geformt wird. Hierbei erfährt der Rotationsbiegekopf
durch den herabfahrenden Sattelblock, in welchem er drehbar gelagert ist, zunächst
eine Verschiebebewegung, die von einer Drehbewegung während des eigentlichen Verformungsvorgangs
überlagert wird. Der Lagerung des Rotationsbiegekopfs im Sattelblock kommt deshalb
größte Bedeutung zu, da diese nicht nur den Preßdruck übertragen, sondern gleichzeitig
eine möglichst leichtgängige Rotation des Rotationsbiegekopfes ermöglichen muß.
[0004] Ursprünglich bestand diese Lagerung aus einer etwa halbkreisförmigen Ausnehmung im
Sattelblock, in welche der Rotationsbiegekopf eingesetzt war. Zur Erleichterung der
Drehbewegung wurde lediglich beim erstmaligen Zusammenbau Schmiermittel in die etwa
halbkreisförmige Ausnehmung eingebracht. Es zeigte sich jedoch, daß diese Art der
Schmierung bei weitem nicht ausreichend ist, weil bereits nach kurzer Zeit das Schmiermittel
aus dem Lagerbereich verdrängt wird. Durch dieses Trockenlaufen der Lagerung erhöht
sich rasch der Widerstand, so daß der erforderliche Kraftaufwand bei der Formgebung
mit zunehmender Gebrauchsdauer ständig ansteigt. Bereits nach relativ kurzem Einsatz
besteht die Gefahr des Festfressens des Rotationsbiegekopfs im Sattelblock.
[0005] Zur Überwindung dieses Problems wurde bereits eine modifizierte Lagerung in der US
4,424,644 vorgeschlagen. Dort liegt der Rotationsbiegekopf nicht mehr vollflächig
in der im wesentlichen halbkreisförmig gestalteten Ausnehmung des Sattelblocks, sondern
ruht auf mehreren Gleitstegen. Diese Gleitstege sind in Form von sektorförmigen Vorsprüngen
einer im übrigen halbkreisförmigen Ausnehmung im Sattelblock, gestaltet. Der Rotationsbiegekopf
ist lediglich im Kontakt mit diesen Stegen, wobei beispielsweise drei oder vier solcher
Stege vorgesehen sind.
[0006] Weiterhin weist der Sattelblock einen keilförmigen Einsatz auf, dessen Lage in Bezug
auf den Sattelkopf einstellbar veränderlich ist. Die auslaufende Flanke des keilförmigen
Einsatzes übernimmt die Funktion einer weiteren Lagerfläche. Die Verstellbarkeit des
Keileinsatzes ermöglicht eine genaue Justierung des Lagerspiels des Rotationsbiegekopfs
im Sattelblock.
[0007] Eine weitere Verbesserung durch diese Vorrichtung liegt darin, daß sowohl im Sattelblock
als auch im Keileinsatz jeweils eine Nut vorgesehen ist, die einen schmiermittel-getränkten
Strang aufnimmt. Die Nut ist so gestaltet, daß sie den Strang zu etwa Dreivierteln
umfaßt. Das verbleibende Viertel des Strangs ist im Kontakt mit dem Rotationsbiegekopf.
Durch die Hin- und Herbewegung des Rotationsbiegekopfs wird Schmiermittel vom getränkten
Strang abgegeben. Durch die um etwa 180° versetzte Anordnung der beiden schmiermittel-getränkten
Stränge sollte sichergestellt werden, daß mehr oder weniger die gesamte Mantelfläche
des Rotationsbiegekopfs ausreichend mit Schmiermittel versorgt wird.
[0008] Es hat sich nun gezeigt, daß es auch mit dieser verbesserten Vorrichtung nicht möglich
ist, eine ausreichend standfeste Lagerung des Rotationsbiegekopfs im Sattelblock zu
gewährleisten. So tritt zwar eine Verbesserung dadurch ein, daß die beiden Stränge
bei jeder Drehbewegung des Rotationsbiegekopfs Schmiermittel auf den Mantel- und damit
die Lagerfläche übertragen, doch läßt auch bei dieser Konfiguration die Wirkung relativ
rasch nach, da die Aufnahmefähigkeit der Stränge für Schmiermittel sehr begrenzt ist.
Der Schmiermittelvorrat erschöpft sich deshalb sehr rasch. Es handelt sich auch bei
dieser Vorrichtung um eine sogenannte EinmalSchmierung, da die schmiermittel-getränkten
Stränge beim Zusammenbau der Vorrichtung eingesetzt werden. Ein Austausch der Stränge
während des Betriebs der Vorrichtung ist nicht vorgesehen, sondern erfordert die völlige
Demontage des Werkzeugs.
[0009] Ein weiterer Nachteil dieser Art der Schmierung liegt im Abrieb von Strangmaterial,
welches sich unvermeidlich zwischen den Lagerflächen des Sattelblocks und der Mantelfläche
des Rotationsbiegekopfs festsetzt. So besteht der Strang in der Regel aus Fasermaterial,
welches ein relativ hohes Aufnahmevermögen für das Schmiermittel aufweist. Die Fasern
haben jedoch die Eigenschaft, daß sie beim Vorbeigleiten des Rotationsbiegekopfs sehr
leicht aus dem Faserverbund gerissen werden. Durch die Adhäsion des Schmiermittels
bleiben sie zunächst an der Oberfläche des Rotationsbiegekopfs haften und werden in
die Kontaktstelle mit den Lagerflächen des Sattelblocks eingezogen. Dort sorgen sie
für erhöhten Widerstand und Verschleiß.
[0010] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es deshalb, ein gattungsgemäßes Rotationsbiegewerkzeug
zur Verfügung zu stellen, bei dem diese Probleme nicht mehr auftreten.
[0011] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe mit einem Rotationsbiegewerkzeug nach Anspruch 1
gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0012] Der Erfindung liegt die Idee zugrunde, eine Dauerschmiereinrichtung für die Lagerung
des Rotationsbiegekopfs vorzusehen, die im Sattelblock integriert ist. Damit ergibt
sich der Vorteil, daß während der gesamten Betriebsdauer des Rotationsbiegewerkzeugs
eine ausreichende Versorgung mit Schmiermittel möglich ist. Ein Nachlassen der Schmierwirkung
bzw. gar das Trockenlaufen der Lagerung ist nicht mehr gegeben. Die Standzeit des
Rotationsbiegewerkzeugs läßt sich deshalb enorm steigern. Der die Lebensdauer limitierende
Faktor ist nun nicht mehr die Lagerung des Rotationsbiegekopfs im Sattelblock, sondern
die Haltbarkeit der Biegeflächen, d.h. der V-förmigen Ausnehmung des Rotationsbiegekopfs
und der Anlageflächen der Matrizen.
[0013] Die Erfindung wird weiterhin anhand der Figuren erläutert. Es zeigen
- Figur 1 -
- das Rotationsbiegewerkzeug in der Position zu Beginn des Biegevorgangs,
- Figur 2 -
- das Rotationsbiegewerkzeug in der Position am Ende des Biegevorgangs,
- Figur 3 -
- das Rotationsbiegewerkzeug im Schnitt A-B aus Figur 1.
[0014] Kernstück des Rotationsbiegewerkzeugs stellt der Rotationsbiegekopf 2 dar. Er besitzt
eine im wesentlichen V-förmige Ausnehmung 21, die sich über die gesamte Länge des
Rotationsbiegekopfs erstreckt. Der Winkel zwischen beiden Schenkelflächen der V-förmigen
Ausnehmung hängt davon ab, welcher Biegewinkel am Biegeteil realisiert werden soll.
Der häufigste Anwendungsfall liegt darin, einen rechten Winkel am Biegeteil zu realisieren.
In diesem Fall beträgt auch der Winkel zwischen den beiden Schenkelflächen in etwa
90°.
[0015] Der Rotationsbiegekopf ist in einem Sattelblock 1 gelagert, wobei die Lagerflächen
15, 16, 17 durch kreisbogenförmige Teilsegmente gebildet werden. Die Lagerflächen
sind dabei im Sattelblock so angeordnet, daß sie den Rotationsbiegekopf im wesentlichen
in einem Winkelbereich von etwa 180° unterstützen. Am Sattelblock ist in nicht näher
dargestellter Art und Weise ein Haltekeil 3 befestigt. Seine Flanke 31 ist so gestaltet,
daß sie an ihrem auslaufenden Ende einen weiteren Lagerbereich für den Rotationsbiegekopf
2 bildet. Durch hier nicht näher dargestellte Mittel kann der Haltekeil in seiner
Lage relativ zum Rotationsbiegekopf 2 und damit auch zum Sattelblock 1 verändert und
fixiert werden. Dadurch ist möglich, das Lagerspiel des Rotationsbiegekopfs 2 einzustellen.
[0016] Der Rotationsbiegekopf 2 weist weiterhin eine Nut 22 mit einer Anlagefläche 23 auf.
In diese Nut 22 greift ein Rückstellorgan 5 ein. Das Rückstellorgan 5 besteht im wesentlichen
aus einem Stößel 51, welcher unter der Vorspannung einer Feder 52 gegen die Anlagefläche
23 des Rotationsbiegekopfs 2 gedrückt wird.
[0017] Der Rotationsbiegekopf 2 wirkt mit einer Matrize 9 zusammen, die entsprechend der
V-förmigen Ausnehmung 21 des Rotationsbiegekopfs 2 gestaltet ist. Biegeteil 10 wird
durch Verschiebung und gleichzeitiger Rotation des Rotationsbiegekopfs 2 um die Matrize
9 herum gebogen, wobei der Biegewinkel durch den Winkel der V-förmigen Ausnehmung
21 bestimmt wird.
[0018] In der Ausgangsposition gemäß Figur 1 befindet sich das Rotationsbiegewerkzeug unmittelbar
am Beginn des Deformationsvorgangs. Der Rotationsbiegekopf 2 liegt auf dem Biegeteil
10 auf und drückt das Biegeteil 10 gegen die Matrize 9. Das vordere Ende des Stößels
51 drückt federunterstützt gegen die Anlagefläche 23 (hier nicht dargestellt).
[0019] Bei einer Verschiebung des Sattelblocks 1 in Pfeilrichtung M vollführt der Rotationsbiegekopf
2 eine zwangsgeführte Drehbewegung, und zwar solange, bis das Biegeteil 10 um die
Matrize 9 herum gebogen und zur allseitigen Anlage zwischen Matrize 9 und V-förmiger
Ausnehmung 21 gelangt ist.
[0020] Bei der Drehbewegung des Rotationsbiegekopfs 2 wird der Stößel 51 an der Anlagefläche
23 geführt nach rechts verschoben, wobei die Feder 52 zusammengedrückt wird.
[0021] Nach dem Abschluß des Biegevorgangs wird der Rotationsbiegekopf 2 mit dem Sattelblock
1 entgegen der Pfeilrichtung M nach oben gefahren. Unterstützt durch die Feder 52
sorgt der Stößel 51 dafür, daß während des Rücklaufs der Rotationsbiegekopf 2 in seine
Ausgangslage zurückgedrückt wird. Ein hier nicht näher dargestellter Anschlag sorgt
dafür, daß ein Rückdrehen des Rotationsbiegekopfs 2 über die Ausgangsposition hinaus
verhindert wird.
[0022] Die Versorgung der Lagerflächen 15, 16, 17 mit Schmiermittel erfolgt durch die Schmiermittelkammern
8. Sie befinden sich jeweils zwischen den Lagerflächen 15, 16, 17 und sind im Sattelblock
integriert. Das Volumen der Schmiermittelkammern ist so bemessen, daß für eine bestimmte
Lebensdauer des Rotationsbiegewerkzeugs ein ausreichender Schmiermittelvorrat eingebracht
werden kann.
[0023] In einer bevorzugten Ausführungsform ist ein Schmiermittelzuführkanal 7, beispielsweise
in Form einer Bohrung, im Sattelblock 1 vorgesehen. Er mündet in die Schmiermittelkammer
8 und ermöglicht so die Zufuhr weiteren Schmiermittels, auch während des Betriebs.
In diesem Falle kann das Volumen der Schmiermittelkammer 8 geringer gehalten werden,
weil eine kontinuierliche oder auch diskontinuierliche Zugabe von Schmiermittel selbst
während des laufenden Betriebes des Rotationsbiegewerkzeuges möglich ist.
[0024] Für eine optimale Versorgung der Lagerstellen ist es günstig, wenn sich die Schmiermittelkammern
8 im wesentlichen über die gesamte axiale Ausdehnung des zu lagernden Rotationsbiegekopfs
2 erstrecken. Stirnseitige Abschlüsse 11 sorgen dafür, daß der Austritt von Öl einerseits
sowie das Eindringen von Verunreinigungen andererseits vermieden wird.
[0025] Die stirnseitigen Abschlüsse 11 lassen sich auf einfache Weise durch Zustemmen der
ursprünglich in axialer Richtung durchgehenden Ausnehmungen herstellen.
[0026] Für eine gleichmäßige Zufuhr von Schmiermittel kann es erforderlich sein, mehrere
Schmiermittelzuführkanäle 7 in Parallelanordnung vorzusehen. Auch ist es möglich,
mehrere Dauerschmiereinrichtungen vorzusehen. Dies kommt insbesondere dann in Frage,
wenn das Rotationsbiegewerkzeug eine sehr große axiale Erstreckung aufweist.
[0027] Der Schmiermittelzuführkanal 7 kann stirnseitig mit einem Stopfen 6 verschlossen
sein. Die Ausführung in Form eines Blindstopfens ist für solche Fälle ausreichend,
bei denen das Nachfüllen von Schmiermittel nur in sehr großen zeitlichen Abständen
erfolgen muß.
[0028] Für häufigere Nachfüllvorgänge ist es von Vorteil, den Stopfen 6 nach Art eines Schmiernippels
auszubilden. In diesem Falle ruht eine Ventilkugel 61, unterstützt durch Feder 63,
an einem im Stopfen 6 vorgesehenen Ventilsitz 63.
[0029] In einer weiteren Variante ist der Schmiermittelzuführkanal 7 mit einer zentralen,
hier nicht näher dargestellten Schmiermittelversorgungsanlage verbunden. In diesem
Falle ist eine vollautomatische Dauerversorgung der Lagerstellen mit Schmiermittel
sichergestellt.
[0030] In einer bevorzugten Ausführungsform ist das Rückstellorgang 5 koaxial im Schmiermittelzuführkanal
7 angeordnet. Hierdurch ist gewährleistet, daß die Kontaktstelle zwischen Stößel 51
und Anlagefläche 23 permanent mit Schmiermittel versorgt wird.
[0031] Als Schmiermittel kommen je nach Anwendungsfall herkömmliche Öle oder Fette aber
auch Gleitmittel auf vollsynthetischer Basis in Frage.
1. Rotationsbiegewerkzeug, bestehend aus einem zylinderförmigen Biegekopf mit einer V-förmigen
Ausnehmung, aus einem Sattelblock mit durch wenigstens eine Aussparung voneinander
getrennte Lagerflächen sowie einem Haltekeil, zur Aufnahme des Biegekopfs, aus einem
Rückstellorgan für den Biegekopf, aus einer mit dessen V-förmiger Ausnehmung zusammenwirkenden
Matrize und aus einer im Sattelblock angeordneten Schmiereinrichtung für die Lagerflächen,
dadurch gekennzeichnet, daß die Schmiereinrichtung wenigstens einen Schmiermittelzuführkanal
(7) aufweist, der in die Aussparung (8) mündet.
2. Rotationsbiegewerkzeug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Aussparung
(8) sich im wesentlichen über die gesamte axiale Ausdehnung der Lagerflächen (15,
16, 17) erstreckt und lediglich durch stirnseitige Abschlüsse (11) begrenzt ist.
3. Rotationsbiegewerkzeug nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die stirnseitigen
Abschlüsse (11) zugestemmte Enden der - zunächst axial durchlaufenden - Aussparung
(8) sind.
4. Rotationsbiegewerkzeug nach Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Schmiermittelzuführkanal
(7) an seiner Eintrittseite durch einen Stopfen (6) verschlossen ist.
5. Rotationsbiegewerkzeug nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Stopfen (6)
eine Ventilkugel (61) aufweist, die durch eine Feder (62) gegen einen Ventilsitz (63)
gehalten ist.
6. Rotationsbiegewerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß
der Schmiermittelzuführkanal (8) mit einer zentralen Schmiermittelversorgungsanlage
verbunden ist.
7. Rotationsbiegewerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß
das Rückstellorgan (5) einen Stößel (51) aufweist, der durch eine Feder (52) gegen
eine Anlagefläche (23) einer den Stößel führenden Nut (22) gehalten und koaxial im
Schmiermittelzuführkanal (8) angeordnet ist.