[0001] Die Erfindung befaßt sich mit abriebfesten, porösen, hochsaugfähigen Reinigungstüchern
aus Vliesstoff, wie sie zum Beispiel in DE-B 1 560 783 beschrieben sind. Dort wird
ein mehrstufiges Herstellungsverfahren beschrieben, welches im wesentlichen umfaßt
das zweimalige Imprägnieren mit dazwischengeschaltetem Trocknen eines Wirrfaservlieses,
vorzugsweise aus hydrophilen Naturfasern, mit einer schaumförmigen, wäßrigen Bindemitteldispersion
aus vulkanisierbarem Kautschuk, das beidseitige, flächige Beschichten des imprägnierten
Faserflächengebildes mit einer koagulierbaren, geschäumten Kautschukdispersion, das
anschließende Trocknen mit Vulkanisieren, Auswaschen der enthaltenen Porenbildner
der Beschichtung und das erneute Trocknen.
[0002] Die genannten Außenbeschichtungen aus Kautschuk sind biologisch nur sehr schwer abbaubar
und nicht kompostierfähig. Ferner sind die Oberflächen solcher Reinigungstücher sehr
klebrig an und weisen einen spürbar hohen Wischwiderstand auf. Dieses dem Kautschuk
eigene Verhalten kann durch Aufstreuen von Talkum gemildert werden. Nach dem Auswaschen,
was bei Reinigungstüchern bereits beim Erstgebrauch geschieht, ist das Talkum weitgehend
entfernt und die Klebrigkeit wieder vorhanden. Diese kann so stark sein, daß im nassen
Zustand zusammengefaltete Tücher nach dem Antrocknen so stark mit sich selbst verklebt
sind, daß die Beschichtung bei gewaltsamen Trennen der verklebten Flächen beschädigt
wird.
[0003] Die Wasseraufnahmefähigkeit eines solches Tuches wird maßgeblich durch die in der
Beschichtung vorhandenen Poren, durch die in diese hineinragenden und durch die zwischen
den Beschichtungen befindlichen Fasern des Tuchmaterials bestimmt. Analoges gilt für
die Bedruckbarkeit, also die Absorptionsfähigkeit für Druckfarben.
[0004] Die vorliegende Erfindung hat zur Aufgabe, die mit geschäumtem Kautschuk beschichteten
Oberflächen abriebfester, poröser, hochsaugfähiger Reinigungstücher der gattungsgemäßen
Art bei Gebrauch im Griff angenehmer, bei der Trocknung weniger zusammenklebend, gleitfähiger
und saugfähiger sowie bei der Herstellung leichter bedruckbar auszugestalten. Die
biologische Abbaubarkeit und Kompostierbarkeit solcher Tücher soll ermöglicht werden.
[0005] Die Lösung dieser Aufgabe besteht in der Bereitstellung von Reinigungstüchern aus
Vliesstoff gemäß Anspruch 1. Dabei liegen diese Mikrofasern in Mengen von 20 - 100
Gew.-% vor, bezogen auf das Festkautschukgewicht der Beschichtung.
[0006] Beste Ergebnisse wurden mit Mengen von 20 - 50 Gew.-% erzielt.
[0007] Der hier verwendete Begriff "Cellulose-Mikrofasern" umfaßt mechanisch zerkleinerte
Cellulose mit Faserlängen von 15 - 200 »m, vorzugsweise bis 60 »m. Diese Fasern bestehen
aus natürlichem Zellstoff und sind im Handel erhältlich.
[0008] Unter "Kautschuk" sollen im folgenden alle Elastomere und -mischungen verstanden
werden, die bestehen oder hergestellt sind aus Naturkautschuk, synthetischen NBR-
oder SBR-Latices sowie aus Mischpolymerisaten von Butadien oder Isopren. Sie können
selbstvernetzend sein oder nach herkömmlichen Verfahren vulkanisiert werden, wobei
jedoch im Sinne dieser Erfindung bakterizid wirkende Hilfsstoffe vermieden werden,
um die gute biologische Abbaubarkeit bzw. Kompostierbarkeit und Verrottbarkeit der
Cellulose nicht zu beeinträchtigen.
[0009] Zunächst war nicht zu erwarten, daß das erfindungsgemäße Reinigungstuch trotz des
hohen Gehaltes an - dem Angriff von Mikroorganismen nur sehr schwer zugänglichem -
Kautschuk biologisch abbaubar oder kompostierbar ist.
[0010] Es zeigte sich, daß mit zunehmender Menge an Cellulose-Mikrofasern, in der Literatur
auch als "Cellulosepulver" oder "Pulvercellulose" bezeichnet, die Abbaubarkeit erleichtert
wird. Man darf jedoch den Cellulosegehalt in der Kautschuk-Beschichtungsmasse nicht
über die erfindungsgemäße Grenze erhöhen, da sonst die guten Eigenschaften eines Reinigungstuchs
verlorengehen würden, insbesondere die Festigkeit, die Trocknungsfähigkeit und der
tuchartige Griff.
[0011] Ohne den störenden Einfluß bakterizider Hilfsstoffe in der Kautschukbeschichtung
wirken die Cellulosefasern offenbar als "Inseln" aus Naturstoff, welche den Nährboden
und den Raum zum Ansiedeln von Bakterien darstellen und von wo aus der verstärkte,
zersetzende Angriff auf den umgebenden Kautschuk erfolgt.
[0012] Dieser Vorteil wird bei Beachtung der erfindungsgemäßen Mengengrenzen nicht mit dem
Nachteil einer Minderung der Festigkeit der Beschichtung erkauft, wie dies z.B. bei
Stärkezugabe zu Kunststoffolien zum gleichen Zweck in negativer Weise der Fall ist.
[0013] Als weiterer Vorteil ist die Oberfläche eines erfindungsgemäß ausgerüsteten Reinigungstuches
weitaus weniger klebrig als ohne Beigabe von Cellulose-Mikrofasern. Damit entfällt
dann auch, je nach Gehalt an Füllstoff, zum großen Teil bis vollständig die sonst
übliche Bepuderung der Oberfläche mit Talkum, welche bisher zur Verbesserung der Gleiteigenschaften
notwendig war.
[0014] Prüfungen zur Naßverklebung ergaben, daß die erforderliche Kraft zur Trennung feucht
zusammengelegter und sodann während der Trocknung verklebter, erfindungsgemäßer Tücher
nur noch bis zu 1/4 derjenigen Kraft betrug, die aufgebracht werden mußte, um solcherart
verklebte Tücher in einer analogen Ausgestaltung, jedoch ohne den Zusatz von Cellulose-Mikrofasern,
voneinander zu trennen.
[0015] In gleicher Weise reduziert sich der Gleitwiderstand erfindungsgemäßer Tücher in
feuchtem Zustand um über die Hälfte.
[0016] Mit zunehmenden Cellulosegehalt verstärken sich die genannten Effekte.
[0017] Die höhere Gleitfähigkeit bewirkt einen geringeren Widerstand beim Wischen vor allem
auch im feuchten Zustand des Tuches; es ist so ein spürbar geringerer Kraftaufwand
erforderlich.
[0018] Die Dochtwirkung der Cellulose-Mikrofasern fördert, im Zusammenhang mit den offenen
Poren der Kautschukbeschichtung, die Wasseraufnahmefähigkeit und Weiterleitung des
Wassers in das Innere des Tuches.
[0019] Aus dieser Eigenschaft resultiert auch die sehr gute Bedruckbarkeit erfindungsgemäß
ausgestatteter Wischtücher, da der Farbstoff rascher und tiefer in die Oberflächenbeschichtung
eindringen kann. Die Behinderung der Penetrationsfähigkeit durch oberflächlich aufgebrachtes
Talkum entfällt.
[0020] Die Verbesserung der Farbechtheit ist signifikant, insbesondere im Vergleich mit
den mit Talkum ausgerüsteten Beschichtungen, bei denen die Druckfarbe anteilweise
auf dem Talkum sitzt anstatt auf dem eigentlichen Tuch.
[0021] Mit Cellulosefaser-Gehalten von 20 - 50 Gew.-%, bezogen auf das Festkautschukgewicht
der Beschichtung, wurde ein Optimum an Materialeinsatz und den oben genannten Vorteilen
erzielt. Die ebenfalls durch die Erfindung umfaßten Gehalte über 50 - 100 Gew.-% an
Mikrofasern sind denkbar für Fälle, wo die biologische Abbaubarkeit bzw. Kompostierbarkeit
noch weiter intensiviert werden soll.
[0022] Die Herstellung des Basisvliesstoffs kann nach bekannten Verfahren erfolgen, wobei
man insbesondere die Verfestigung der Fasern miteinander zweckmäßig durch Nadeln und/oder
durch in die Fasermischung eingebrachte Bindefasern bewirken kann, die durch Einfluß
von Hitze aktiviert werden. Auch die bekannte Verfestigung mit Kunststoffdispersionen
oder mit Kautschuklatices ist möglich.
[0023] Die Erfindung wird nun anhand der folgenden Beispiele näher erläutert:
Beispiel 1:
[0024] Ein aus 30 Gew.-% Baumwolle, 50 Gew.-% Zellwolle und 20 Gew.-% Polyesterfasern bestehendes
Wirrfaservlies wird in einem Nadelstuhl mechanisch vorgebunden, mit Imprägniermischung
imprägniert und anschließend getrocknet. Die Imprägniermischung enthält Kautschuklatex,
polymerisiert aus Butadien und Acrylnitril, Vulkanisationshilfsmittel, Tenside und
Stabilisierungsmittel sowie Kochsalz als Porenbildner. Der Kochsalzgehalt entspricht
dem Festgehalt an Kautschuk.
[0025] Dieses so mechanisch und chemisch vorgebundene Basismaterial wird anschließend beidseitig
mit einer wärmesensiblen und verschäumten Kautschukdispersion bestrichen, die ein
Mischpolymerisat aus Butadien, Acrylnitril und Methacrylsäure, nichtbakterizide Vulkanisationshilfsmittel,
Tenside und Stabilisierungsmittel sowie 30 Gew.-%, bezogen auf das Kautschukfestgewicht
der Beschichtung, Cellulose-Mikrofasern mit einer Faserlänge von etwa 30 »m enthält.
Diese Fasern sind im Handel erhältlich, z.B. unter der Bezeichnung Arbocell BE 600/30
der Firma J. Rettenmaier & Söhne GmbH & Co. in Ellwangen-Holzmühle.
[0026] Nach dem Trocknen und Vulkanisieren werden die wasserlöslichen Bestandteile mit Wasser
ausgewaschen und das Fertigprodukt endgetrocknet.
[0027] Das nach Zuschneiden in geeignete Formatgrößen zum Reinigen von Fenstern, Möbeln,
Sanitäreinrichtungen, Kraftfahrzeugen und anderen Flächen geeignete Tuchmaterial enthält
auf 100 Gewichtsteile der oben genannten Basis-Fasermischung 170 Gewichtsteile Kautschukvulkanisat,
davon je 60 Gewichtsteile als Streichmischung auf jeder Seite aufgebracht. Diese Mischung
hat einen Gehalt von je 30 Gew.-% Cellulose-Mikrofasern, bezogen auf den in ihr enthaltenen
Kautschuk.
[0028] Gegenüber Tüchern, die in gleicher Weise, jedoch ohne Zusatz von Cellulose-Mikrofasern
hergestellt sind, zeichnet sich das so hergestellte Reinigungstuch durch vorteilhafte
Eigenschaften aus:
[0029] Geringere Naßverklebung (feuchtes Tuch wird übereinandergelegt und dann getrocknet),
ausgedrückt als Trennkraft in N/50 mm Streifenbreite:

[0030] Die Wischkraft, ausgedrückt in N/500 cm², sinkt ebenfalls bei Einsatz von Cellulose-Mikrofasern
in der Kautschuk-Beschichtung, verglichen mit Wischflächen des Standes der Technik:
| |
ohne Cellulose |
mit Cellulose |
| Fenstertuch (240 g/m²) |
18 |
8 |
| Autotuch (280 g/m²) |
22 |
10 |
[0031] Nach vier Wochen zeigten in feuchte Erde eingegrabene Proben von Wischtüchern gemäß
Beispiel 1 bereits deutliche Zersetzungserscheinungen, während ein nicht mit Cellulose-Mikrofasern
ausgerüstets, sonst analog aufgebautes Tuch keine Verrottungsspuren aufwies.
Beispiel 2:
[0032] Ein aus 80 Gew.-% Zellwolle und 20 Gew.-% Polypropylen bestehendes Wirrfaservlies
wird in einen Nadelstuhl mechanisch vorgebunden und in einem Erhitzungsaggregat auf
so hohe Temperaturen erhitzt, daß die Polypropylenfasern durch Erweichen oder Schmelzen
die benachbarten Zellwollfasern verkleben und ein vorgebundenes Basismaterial entsteht.
Das Erhitzungsaggregat kann ein Hitzetunnel und/oder ein Kalander mit beheizbaren
Walzen sein.
[0033] Dieses so vorgebundene Basismaterial wird anschließend beidseitig mit einer wärmesensiblen
und verschäumten Kautschukdispersion wie in Beispiel 1 bestrichen.
[0034] Der Vorteil dieser Ausführungsvariante ist, daß das Basismaterial vollkommen frei
von bakterizid wirkenden Chemikalien ist, nicht nur die Kautschukbeschichtung.
Beispiel 3:
[0035] Ein Basismaterial, hergestellt wie in Beispiel 2, wird nur einseitig mit einer wärmesensiblen
und verschäumten Kautschukdispersion wie in Beispiel 1 bestrichen.
[0036] Der Verzicht auf eine zweite beschichtete Seite hat den weiteren Vorteil, daß das
Gewichtsverhältnis von - als Nährboden für Bakterien dienender - Cellulose zu Kautschuk
noch günstiger ist, so daß durch diese Zusammensetzung des Systems dessen Angreifbarkeit
für Mikroorganismen und damit die Verrottbarkeit und Kompostierbarkeit weiter gefördert
werden.