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EP 0 557 912 A1 |
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EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG |
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Veröffentlichungstag: |
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01.09.1993 Patentblatt 1993/35 |
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Anmeldetag: 20.02.1993 |
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Benannte Vertragsstaaten: |
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AT BE DE ES FR GB GR IT NL SE |
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Priorität: |
27.02.1992 DE 4206058
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Anmelder: KM Europa Metal Aktiengesellschaft |
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D-49023 Osnabrück (DE) |
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Erfinder: |
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- Matussek, Jörg
W-4516 Bissendorf 1 (DE)
- Reiter, Ulrich, Dr.
W-4500 Osnabrück (DE)
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Entgegenhaltungen: :
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Verfahren zum Entfetten von metallischen Gegenständen |
(57) Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Entfetten von harten und halbharten Installationsrohren
aus Kupfer mit einem flüssigen Entfettungsmittel hoher Umweltverträglichkeit. Hierzu
werden die Rohre kurzzeitig in einem Gemisch halogenfreier, aliphatischer Kohlenwasserstoffe
bei einer im Temperaturbereich von 35 bis 55 °C liegenden Temperatur behandelt und
anschließend getrocknet.
Vorzugsweise werden die zu entfettenden Rohre in einem getrennten Arbeitsschritt zusätzlich
kalt vorentfettet.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Entfetten von langgestreckten metallischen
Gegenständen, insbesondere harten und halbharten Installationsrohren aus Kupfer, mit
einem flüssigen Entfettungsmittel.
[0002] Bei der industriellen Fertigung von Metallprodukten, an die besonders hohe Anforderungen
hinsichtlich Sauberkeit und Fettfreiheit der Materialoberflächen gestellt werden,
beispielsweise für nachfolgende Bearbeitungsverfahren wie Verchromen und Verzinnen,
werden bisher chlorierte und/oder fluorierte Kohlenwasserstoffe eingesetzt. Die Verwendung
derartiger Entfettungsmittel hat sich in den letzten Jahren insofern als problematisch
erwiesen, als deren Bestandteile in den Verdacht gekommen sind, toxisch zu sein und/oder
die Ozonschicht zu schädigen. Zudem sind sehr aufwendige Abluftreinigungsanlagen erforderlich,
damit die maximal zulässige Konzentration am Arbeitsplatz nicht überschritten wird.
[0003] Auch harte und halbharte Rohre aus phosphordesoxidiertem Kupfer für die Verwendung
im sanitären Bereich müssen besonders sorgfältig von den vom Rohrziehen stammenden
Schmiermittelrückständen befreit werden, um spätere Korrosionsschäden zu vermeiden.
Zur Entfettung der Schmiermittel- bzw. Ziehölrückstände auf den inneren und äußeren
Rohroberflächen ist es bereits bekannt, als Lösungsmittel halogenierte Kohlenwasserstoffe,
wie Per- und Trichlorethylen, einzusetzen und die Stangenrohre in Form von Bündeln
in ein entsprechendes Lösungsmittelbad einzutauchen.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren anzugeben, mit dem langgestreckte
Metallgegenstände, wie Stangen, Profile und Rohre, wirtschaftlich und insbesondere
umweltfreundlich entfettet werden können.
[0005] Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art dadurch gelöst,
daß die metallischen Gegenstände kurzzeitig mit einem Gemisch halogenfreier aliphatischer
Kohlenwasserstoffe bei einer im Temperaturbereich von 35 bis 55 °C liegenden Temperatur
behandelt und anschließend getrocknet werden.
[0006] Vorteilhafte Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens ergeben sich aus den
Unteransprüchen.
[0007] Überraschenderweise wurde bei der Suche nach einem Entfettungsmittelersatz für die
umweltschädlichen halogenierten Kohlenwasserstoffe gefunden, daß die bisher ausschließlich
im kalten Zustand eingesetzten Gemische halogenfreier aliphatischer Kohlenwasserstoffe
im Temperaturbereich zwischen 35 und 55 °C ein überragendes Entfettungsverhalten aufweisen
und die Materialoberflächen rückstandsfrei trocknen.
[0008] Halogenfreie aliphatische Kohlenwasserstoffe und deren Gemische sind grundsätzlich
als sogenannte Kaltreiniger bekannt und werden unter verschiedenen Handelsnamen auf
dem Markt angeboten.
[0009] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren lassen sich fettfreie Oberflächen von Stangen,
Profilen und Rohren in einer äußerst wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Weise
erzielen.
[0010] Anhand eines Ausführungsbeispiels wird die Erfindung im folgenden noch näher erläutert.
[0011] Auf Endabmessung gezogene 5 m lange Kupferrohre mit einem Durchmesser von 15 mm und
einer Wanddicke von 1 mm werden zu Bündeln mit einem Gewicht von etwa 1 t zusammengefaßt.
Der Fettgehalt auf der Innenoberfläche der Kupferrohre beträgt zu diesem Zeitpunkt
etwa 0,8 bis 1,5 mg/dm². Die Rohrbündel werden 5 bis 15 Minuten lang in ein auf 40
°C erwärmtes Entfettungsbad getaucht, das aus einem Gemisch halogenfreier aliphatischer
Kohlenwasserstoffe besteht. Für das Entfettungsbad kann beispielsweise das unter dem
Handelsnamen "ELMOTAN LB-850" angebotene halogen- und aromatenfreie Kohlenwasserstoffgemisch
verwendet werden. Dieses flüssige Entfettungsmittel verdunstet im Temperaturbereich
zwischen 35 und 55 °C relativ schnell, obwohl es einen stabilen Flammpunkt oberhalb
von 58 °C besitzt. Darüber hinaus ist das Entfettungsmittel nach der Gefahrstoff-Verordnung
nicht kennzeichnungspflichtig.
[0012] Während der Entfettungsbehandlung ist es besonders vorteilhaft, das Rohrbündel in
Schräglage mehrfach aus dem Entfettungsbad herauszuheben, um das Entfettungsmittel
durch die Rohre strömen zu lassen und die Entfettung der Innenoberflächen damit zu
intensivieren. Die Rohre können dann noch etwa 10 Minuten über dem Entfettungsbad
gelagert werden, damit das Entfettungsmittel abtropfen kann. Anschließend wird das
Rohrbündel in eine schwenkbare Kassette gelegt und mit einer Neigung von etwa 70°
von oben nach unten mit einem Luftstrom angeblasen. Zur Beschleunigung des Trocknungsprozesses
kann erwärmte Luft verwendet werden. Der Luftstrom unterstützt sowohl das Ablaufen
des Entfettungsmittel als auch dessen Verdunstung.
[0013] Der Schmiermittel- bzw. Restkohlenstoffgehalt auf der Innenoberfläche der Kupferrohre
hatte sich nach der Entfettung auf weniger als 0,15 mg/dm² verringert.
[0014] Mit besonderem Vorteil kann das Entfettungsbad mit einer Destillationsanlage gekoppelt
werden, wobei kontinuierlich jeweils eine Teilmenge des mit Ziehöl verunreinigten
Entfettungsmittels regeneriert und dem Entfettungsbad wieder zugeführt wird. Mit der
Rückführung des gereinigten Entfettungsmittels in das Entfettungsbad bleibt der Verbrauch
des Entfettungsmittels auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt. Ferner kann damit
das Entfettungsbad auf einen konstanten Fettgehalt eingestellt werden.
[0015] Vorzugsweise kann für die Regenerierung des verunreinigten Entfettungsmittels eine
Vakuumdestille verwendet werden, um die Reinigung bei möglichst niedrigen Temperaturen
durchzuführen.
[0016] Werden die zu entfettenden Metallgegenstände in einer Vorstufe zusätzlich kalt entfettet,
so ist es möglich, den Entfettungsmittelverbrauch noch weiter zu verringern und die
Fettaufnahmekapazität des temperierten Entfettungsbades noch besser auszunutzen.
1. Verfahren zum Entfetten von langgestreckten metallischen Gegenständen, insbesondere
harten und halbharten Installationsrohren aus Kupfer, mit einem flüssigen Entfettungsmittel,
dadurch gekennzeichnet, daß die metallischen Gegenstände kurzzeitig mit einem Gemisch halogenfreier aliphatischer
Kohlenwasserstoffe bei einer im Temperaturbereich von 35 bis 55 °C liegenden Temperatur
behandelt und anschließend getrocknet werden.
2. Verfahren zum Entfetten von langgestreckten metallischen Gegenständen nach Anspruch
1, dadurch gekennzeichnet, daß die Behandlung in einem Entfettungsbad durchgeführt wird.
3. Verfahren zum Entfetten von langgestreckten metallischen Gegenständen nach Anspruch
2, dadurch gekennzeichnet, daß die Temperatur des Entfettungsbades auf etwa 40°C gehalten wird.
4. Verfahren zum Entfetten von langgestreckten metallischen Gegenständen nach einem der
Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß vor der Behandlung mit einem temperierten Entfettungsmittel mit einem kalten
Entfettungsmittel vorentfettet wird.
5. Verfahren zum Entfetten von langgestreckten metallischen Gegenständen nach einem der
Ansprüche 1 bis 4 , dadurch gekennzeichnet, daß für den Trocknungsprozeß ein Luftstrom verwendet wird.
6. Verfahren zum Entfetten von langgestreckten metallischen Gegenständen nach Anspruch
5, dadurch gekennzeichnet, daß der Luftstrom erwärmt wird.
7. Verfahren zum Entfetten von langgestreckten metallischen Gegenständen mit einem flüssigen
Entfettungsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 4 , dadurch gekennzeichnet, daß das mit Ziehöl verunreinigte Entfettungsmittel in einer angeschlossenen Reinigungsanlage
regeneriert und das gereinigte Entfettungsmittel erneut verwendet bzw. dem Behandlungsbad
zuführt wird.
8. Verfahren zum Entfetten von langgestreckten metallischen Gegenständen nach Anspruch
7, dadurch gekennzeichnet, daß zur Regenerierung des verunreinigten Entfettungsmittels eine Vakuumdestille
verwendet wird.
