[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Steuerung für ein Elektrofilter, bei der
eintretende Ereignisse, z.B. Filterdurchschläge ausgewertet werden und aufgrund der
Auswertungsergebnisse neue, optimierte Steuerungsparameter, z.B. eine Durchschlagswartezeit,
eine Entionisierzeit oder ein Filterstrom, für das Elektrofilter ermittelt und dem
Elektrofilter vorgegeben werden.
[0002] Derartige Steuerungen sind weit verbreitet. Im Regelfall werden hierbei von Zeit
zu Zeit, z.B. im Abstand von mehreren Minuten, Filterkennlinien ausgenommen und auf
einem Bildschirm dargestellt. Eine Bedienungsperson wertet dann diese Filterkennlinie
aufgrund ihrer Erfahrung aus und gibt der Steuerung neue Parameter vor. Bei dieser
Art der Parametervorgabe ist nachteilig, daß die von der Bedienungsperson gelieferten
Steuerungsparameter nicht immer optimal sind. Außerdem muß stets eine Bedienungsperson
anwesend sein.
[0003] Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, eine Steuerung für ein Elektrofilter
zur Verfügung zu stellen, die sich selbst optimiert und überwacht. Die subjektive
Optimierung soll also durch eine objektive ersetzt werden.
[0004] Die Aufgabe wird dadurch gelöst, daß die Steuerung die eintretenden Ereignisse aufgrund
von Erfahrungswerten selbst automatisch auswertet und dann aufgrund der Auswertungsergebnisse
neue, optimierte Steuerungsparameter für das Elektrofilter ermittelt und dem Elektrofilter
vorgibt.
[0005] Die Auswertung der Ereignisse kann beispielsweise mittels auf den Erfahrungswerten
basierender Auswertungsregeln erfolgen.
[0006] Eine besonders gute Nachbildung der menschlichen, unscharfen Logik ergibt sich, wenn
eintretenden Ereignisse durch die Auswertungsregeln aufgrund von ereignisspezifischen
Kenndaten, z.B. der Zeit seit dem letzten Durchschlag, mindestens einer von mehreren
Ereignisarten, z.B. Folgedurchschlag, typischer Durchschlag, zufälliger Durchschlag,
zugeordnet werden.
[0007] Vorzugsweise wird dabei die Zuordnung zu den Ereignissen gewichtet, wobei die Summe
der Gewichtungen stets den Wert 1 ergibt. Weiterhin wird vorteilhafterweise ein eintretendes
Ereignis höchstens zwei Ereignisarten gleichzeitig zugeordnet.
[0008] Um die Auswirkungen einzelner "Ausreißer" bei den Ereignissen möglichst gering zu
halten, erfolgt die Optimierung der Steuerungsparameter vorzugsweise aufgrund einer
statistischen Auswertung des eintretenden Ereignisses und vorausgegangener Ereignisse.
Vorzugsweise werden hierzu das eintretende Ereignis und eine vorgebbare Anzahl unmittelbar
vorausgegangener Ereignisse ausgewertet. Es ist prinzipiell aber auch möglich, mit
einem kontinuierlich wirkenden Vergeßlichkeitsfaktor zu arbeiten.
[0009] Die Selbstoptimierung ist besonders einfach, wenn bei der Optimierung der Steuerungsparameter
zuerst die Durchschlagswartezeit, dann die Entionisierzeit und erst dann der Filterstrom
optimiert wird.
[0010] Für den Fall, daß hochohmige Stäube abgeschieden werden sollen, ist es zur Vermeidung
von Rücksprüheffekten von Vorteil, wenn in vorwählbaren Zeitabständen eine Filterkennlinie
aufgenommen wird. Für den Fall, daß die Filterspannung als Funktion des Filterstroms
ein Maximum aufweist, wird der Filterstrom, bei dem dieses Filterspannungsmaximum
erreicht wird, dann dem Elektrofilter fest als Filterstrom-Sollwert vorgegeben.
[0011] Wenn die Steuerung eine als neuronales Netz ausgebildete Optimierungseinheit aufweist,
zeigt die Steuerung Selbstlernverhalten. Dadurch ist es möglich, nicht nur die Steuerungsparameter,
sondern auch die Auswertungsregeln selbst zu optimieren.
[0012] Wenn der Steuerung ein in einer Leitwarte angeordnetes Anzeigegerät, z.B. ein Monitor,
zugeordnet ist, können mittels des Anzeigegerätes, Prozeßzustände, Prozeßdaten und/oder
die Steuerungsparameter dargestellt werden. Dadurch ist es möglich, das Elektrofilter
zu überwachen und ggf. korrigierend einzugreifen. Weiterhin ist es möglich, der Steuerung
versuchsweise manuell neue Parameter vorzugeben und deren Auswirkung zu beobachten.
Dadurch kann die Steuerung noch weiter optimiert werden als die selbstoptimierende
Steuerung dies selbst kann.
[0013] Wenn die Steuerung zumindest teilweise in einem eigenständigen Teilsystem eines vernetzten
Automatisierungssystems einer technischen Anlage implementiert ist, die selbstoptimierende
Steuerung also als eigenständiges Teilsystem des Automatisierungssystem verwendet
wird, beeinflussen sich die selbstoptimierende Steuerung und der Rest des vernetzten
Automatisierungssystems so wenig wie möglich. Ein derartiges vernetztes Automatisierungssystem
ist z.B. in der älteren DE-Anmeldung P 41 25 374.4 beschrieben.
[0014] Weitere Vorteile und Einzelheiten ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
eines Ausführungsbeispiels, anhand der Zeichnungen und in Verbindung mit den weiteren
Unteransprüchen. Dabei zeigen:
- FIG 1
- ein Blockdiagramm des Aufbaus einer Elektrofilterstromversorgung,
- FIG 2
- schematisch die Reaktion bei einem Durchschlag,
- FIG 3
- eine Verteilungsfunktion von selbstverlöschenden Durchschlägen,
- FIG 4
- das Prinzip der Zuordnung von Durchschlägen zu bestimmten Durchschlagsarten,
- FIG 5
- einen Korrekturfaktorverlauf und
- FIG 6
- eine Filterkennlinie.
[0015] Gemäß FIG 1 besteht die Stromversorgungseinrichtung eines Elektrofilters, z.B. eines
Kraftwerks, aus einem Leistungsteil 1, mittels dessen das (der Übersichtlichkeit halber
nicht dargestellte) Elektrofilter mit Strom vesorgt wird. Der Leistungsteil 1 kann
beispielsweise ein Zwischenkreisumrichter sein, wie er allgemein bekannt ist, z.B.
aus der DE-OS 35 22 569 oder dem DE-GM 90 03 125.
[0016] Der Leistungsteil 1 wird über eine Steuereinrichtung 2 angesteuert, die den Leistungsteil
1 aufgrund der Vorgaben der weiteren Steuerungsebenen 3 bis 5 ansteuert. Bei der Ansteuerung
des Leistungsteils 1 werden selbstverständlich die technischen Grenzen des Leistungsteils
1 berücksichtigt.
[0017] Die Steuereinrichtung 2 erhält ihre Sollwerte von der Überwachungseinheit 3. Die
Sollwerte sind beispielsweise der Strom-Sollwert I* für den Filterstrom I
F und ein Freigabesignal. Umgekehrt meldet die Steuereinrichtung 2 an die Überwachungseinheit
3, wenn sie den Leistungsteil 1 nicht anforderungsgerecht ansteuern kann, z.B. weil
ein Drahtbruch aufgetreten ist oder weil eines der Halbleiter-Leistungselemente des
Leistungsteils 1 defekt ist.
[0018] Ferner wird in der Überwachungseinheit 3 laufend die Filterspannung U
F ausgewertet und daraus auf bestimmte Filterzustände, z.B. Filterdurchschlag, Kurzschluß
oder andere Fehler geschlossen. Weiterhin wird von der Überwachungseinheit 3 von Zeit
zu Zeit, z.B. jede Minute, eine Filterkennlinie aufgenommen, deren Sinn und Zweck
später in Verbindung mit FIG 6 noch erläutert werden wird.
[0019] Die Überwachungseinheit 3 erhält Daten sowohl von der Optimierungseinheit 4 als auch
von der Benutzerschnittstelle 5. Von der Benutzerschnittstelle 5 werden der Überwachungseinheit
3 beispielsweise die Betriebsart (Pulsbetrieb, Gleichspannungsbetrieb, gemischter
Betrieb usw.) sowie der Zeitabstand vorgegeben, in dem immer wieder eine Filterkennlinie
aufgenommen werden soll.
[0020] Die weiteren Parameter werden von der Benutzerschnittstelle 5 zunächst der Optimierungseinheit
4 vorgegeben, die typisch eine Fuzzy-Control-Einheit ist. Die Optimierungseinheit
4 gibt der Überwachungseinheit 3 die weiteren Steuerungsparameter vor, welche die
Überwachungseinheit 3 zur Ansteuerung der Steuereinrichtung benötigt. Die Steuerungsparameter
werden später noch bei FIG 2 näher erläutert werden. An dieser Stelle sei nur erwähnt,
daß die Filterdurchschläge von der Überwachungseinheit 3 detektiert werden und dementsprechende
Meldungen an die Optimierungseinheit 4 übertragen werden. Die Optimierungseinheit
4 wertet diese Meldungen aufgrund von Erfahrungswerten automatisch aus, ermittelt
aufgrund der Auswertungsergebnisse neue, optimierte Steuerungsparameter und gibt diese
Parameter der Überwachungseinheit 3 vor. Die Steuerungsparameter werden nunmehr nachstehend
in Verbindung mit FIG 2 näher erläutert.
[0021] In FIG 2 ist nach oben der im Elektrofilter fließende Strom I
F und nach rechts die Zeit t aufgetragen. Zum Zeitpunkt T₁ tritt ein Filterdurchschlag
auf. Wenn der Filterdurchschlag bis zum Zeitpunkt T₂ nicht wieder von selbst verloschen
ist, sperrt die Überwachungseinheit 3 über die Freigabeleitung 6 die Ansteuerung des
Leistungsteils 1. Der Leistungsteil 1 speist folglich keine Energie mehr in das Elektrofilter.
Der Strom I
F im Elektrofilter sinkt also mangels weiterer Energiezufuhr schlagartig auf Null.
Zum Zeitpunkt T₃ gibt die Überwachungseinheit 3 über die Freigabeleitung 6 die Steuereinrichtung
2 wieder frei und gibt der Steuereinrichtung 2 ferner den Wert I
O als neuen Strom-Sollwert vor. Der Filterstrom I
F wird sodann kontinuierlich bis auf den Wert I* erhöht, der zum Zeitpunkt T₄ erreicht
wird, wenn nicht zuvor ein neuer Durchschlag erfolgt.
[0022] Typische Steuerungsparameter für die Stromversorgungseinrichtung des Elektrofilters
sind nun die Durchschlagswartezeit t
DS, die Entionisierzeit t
E sowie der gewünschte Filterstrom I*. Die Durchschlagwartezeit t
DS ist dabei durch die Differenz der Zeitpunkte T₂ und T₁ gegeben. Die Entionisierzeit
t
E ist durch die Differenz der Zeitpunkte T₃ und T₂ gegeben. Weitere mögliche Steuerungsparameter
sind die Anstiegszeit, also die Differenz der Zeiten T₄ und T₃ sowie die Stromabsenkung
nach einem Durchschlag, also die Differenz von I
O und I
DS.
[0023] In der Überwachungseinheit 3 wird laufend registriert, ob ein Durchschlag stattgefunden
hat. Wenn ein Durchschlag stattgefunden hat, wird zwischen selbstverlöschenden und
nicht selbstverlöschenden Durchschlägen unterschieden. Damit die Optimierungseinheit
4 die Steuerungsparameter Durchschlagswartezeit t
DS, Entionisierzeit t
E und Filterstrom I
F optimieren kann, werden bei jedem Durchschlag folgende Werte von der Überwachungseinheit
3 an die Optimierungseinheit 4 übergeben:
- Die Meldung, daß ein Durchschlag erfolgt ist,
- ob der Durchschlag selbstverlöschend war,
- die Zeit t, die seit dem letzten Durchschlag verstrichen ist,
- der Filterstrom IDS zum Zeitpunkt des Durchschlages und
- die Löschzeit tL, wenn der Filterdurchschlag ein selbstverlöschender Durchschlag war.
[0024] In der Optimierungseinheit 4 werden die Daten z.B. der letzten 100 Durchschläge ständig
bereitgehalten. Die Optimierungseinheit 4 optimiert zunächst die Durchschlagswartezeit
t
DS. Die Optimierung der Durchschlagswartezeit t
DS beruht auf der Erfahrungstatsache, daß selbstverlöschende Filterdurchschläge einerseits
in der Regel eine gewisse Mindestdauer haben, andererseits aber oberhalb einer gewissen
Höchstdauer nicht mehr von selbst verlöschen. Zur Optimierung der Durchschlagswartezeit
t
DS wird folglich aus den in der Optimierungseinheit 4 gespeicherten Daten die relative
Häufigkeit von selbstverlöschenden Filterdurchschlägen als Funktion der Löschzeit
t
L berechnet. Sodann wird versucht, eine geeignete Verteilungskurve, z.B. eine Parabel
oder eine Gaußkurve in die H-Werte hineinzufitten, wie schematisch in FIG 3 dargestellt
ist. In FIG 3 wurde eine Parabel in die H-Werte hineingefittet.
[0025] Aufgrund der gefitteten Kurve wird dann eine neue, optimierte Durchschlagswartezeit
t
DS berechnet, z.B.

, wenn M der Zeitwert ist, bei dem die gefittete H-Kurve ihr Maximum erreicht.
[0026] Wenn diese Art der Berechnung der optimalen Durchschlagswartezeit t
DS zu kompliziert ist, kann die Ermittlung der optimierten Durchschlagswartezeit t
DS auch einfacher erfolgen. In diesem Fall wird einfach der Mittelwert

der Löschzeiten t
L ermittelt und mit einem geeigneten Faktor F multipliziert. Der Faktor F ergibt sich
aufgrund einer einfachen Überlegung. Wenn der optimale Zustand bereits erreicht ist,
soll dieser ja nicht mehr verändert werden. Man nimmt also an, daß man die gefittete
H-Kurve gemessen habe und daß die Meßwerte bei der gewünschten, optimierten Durchschlagswartezeit
t
DS enden. Sodann errechnet man den hypothetischen Mittelwert dieser H-Kurve. Der optimale
Faktor F ergibt sich dann als Quotient von optimierter Durchschlagswartezeit t
DS und diesem Mittelwert. Im obenstehenden Beispiel (Fitten einer Parabel,

) ergäbe sich beispielsweise ein optimaler Faktor F von 12/7.
[0027] Nach der Berechnung der optimierten Durchschlagswartezeit t
DS wird eine neue, optimierte Entionisierzeit t
E berechnet. Hierzu werden die registrierten Durchschläge den Durchschlagsarten "Folgedurchschlag",
"repräsentativer Durchschlag" oder "zufälliger Durchschlag" zugeordnet. Auswahlkriterium
für die Zuordnung eines Durchschlags zu einer der Durchschlagsarten ist dabei die
Zeit, die seit dem vorhergehenden Durchschlag verstrichen ist. Die Optimierung der
Entionisierzeit t
E beruht auf der Erfahrungstatsache, daß laufend Folgedurchschläge auftreten, wenn
die Entionisierzeit t
E zu klein ist. Da andererseits auch laufend Folgedurchschläge auftreten, wenn die
Durchschlagswartezeit t
DS zu klein ist, kann die Optimierung der Entionisierzeit t
E aber erst nach der Optimierung der Durchschlagswartezeit t
DS erfolgen.
- Wenn die Zeit t kleiner als die Zeit t₁ ist, wird der Durchschlag mit der Wahrscheinlichkeit
GF = 1 als Folgedurchschlag gewertet.
- Wenn die Zeit t zwischen t₁ und t₂ liegt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, mit der der
Durchschlag als Folgedurchschlag zu werten ist, auf Null ab. Entsprechend sinkt auch
die Gewichtung GF, mit der der Durchschlag als Folgedurchschlag gewichtet wird, linear auf Null ab.
Damit die Summe der Gewichtungen 1 bleibt, muß folglich der Gewichtungsfaktor GR, mit der der Durchschlag als repräsentativer Durchschlag gewichtet wird, linear von
Null auf 1 ansteigen.
- Wenn die Zeit t seit dem letzten Durchschlag zwischen t₂ und t₃ liegt, wird der Durchschlag
mit dem Gewichtungsfaktor GR = 1 als repräsentativer Durchschlag gewichtet.
- Oberhalb der Zeit t₃ sinkt der Gewichtungsfaktor GR für einen repräsentativen Durchschlag linear auf Null ab. Dementsprechend steigt
der Gewichtungsfaktor GZ, mit dem der Durchschlag als zufälliger Durchschlag gewichtet wird, linear an.
- Ab der Zeit t₄ wird der Durchschlag dann ausschließlich als zufälliger Durchschlag
gewichtet, d.h. GZ = 1.
[0028] Statt der in FIG 4 dargestellten Gewichtungsfunktionen G
F, G
R und G
Z können selbstverständlich auch andere Gewichtungsfunktionen verwendet werden. Es
sollte lediglich darauf geachtet werden, daß die Summe der gewählten Gewichtungsfunktionen
stets 1 ist und daß sich die Gewichtungsfunktionen G
F und G
Z nicht überlappen, oder anders ausgedrückt, daß t₃ stets größer oder höchstens gleich
t₂ ist.
[0029] Um den Einfluß von einzelnen, zufälligen "Ausreißern" möglichst gering zu halten,
wird nicht nur der letzte Durchschlag, sondern, wie schon zuvor bei der Optimierung
der Durchschlagswartezeit t
DS, alle abgespeicherten Durchschläge ausgewertet. Die Anzahl der abzuspeichernden Durchschläge
kann je nach Bedarf vorgegeben werden. Die Anzahl kann z.B. 50, kann aber auch 500
sein.
[0030] Aus den abgespeicherten Durchschlägen errechnet die Optimierungseinheit 4 den Quotienten
von der Zahl N
R von repräsentativen Durchschlägen und der Zahl N
F von Folgedurchschlägen. Die Zahl N
R von repräsentativen Durchschlägen ist gegeben durch die Gleichung
Analog ist die Zahl N
F von Folgedurchschlägen durch die Gleichung
Die Entionisierzeit t
E ist dann optimal, wenn das Verhältnis von repräsentativen Durchschlägen zu Folgedurchschlägen
einen vom Benutzer vorwählbaren Wert von z.B. 10 hat. Wenn das Verhältnis also größer
als 10 ist, ist die Entionisierzeit t
E zu groß und muß folglich verkleinert werden. Umgekehrt muß die Entionisierzeit t
E vergrößert werden, wenn zuviele Folgedurchschläge auftreten. Die Optimierung der
Entionisierzeit t
E geschieht auf folgende Art und Weise.
[0031] Zunächst wird anhand eines vorgegebenen Funktionsveriaufs aus dem Quotienten von
repräsentativen Durchschlägen zu Folgedurchschlägen ein Korrekturfaktor k
E für die Entionisierzeit berechnet. k
E muß gleich Null sein, wenn das Verhältnis von repräsentativen Durchschlägen zu zufälligen
Durchschlägen erreicht wird. Der Korrekturfaktor k
E muß größer Null sein, wenn das Verhältnis unterschritten wird, und kleiner Null sein,
wenn das Verhältnis überschritten wird.
[0032] FIG 5 zeigt eine besonders einfache Möglichkeit zur Berechnung des Korrekturfaktors
k
E.
[0033] Die neue, optimierte Entionisierzeit t
E ergibt sich dann zu
Als letztes wird dann der Filterstrom I
F optimiert. Hierzu wird von der Erkenntnis Gebrauch gemacht, daß bei optimierter Durchschlagswartezeit
t
DS und Entionisierzeit t
E praktisch nur zufällige Filterdurchschläge auftreten, wenn der Filterstrom I
F zu gering ist. Umgekehrt steigt das Verhältnis von repräsentativen Durchschlägen
zu zufälligen Durchschlägen, wenn der Filterstrom I
F sich seiner Durchschlagsgrenze nähert. Analog zur Optimierung der Entionisierzeit
t
E wird daher außer der Zahl N
R von repräsentativen Durchschlägen noch die Zahl N
Z von zufälligen Durchschlägen gemäß der Gleichung
berechnet.
[0034] Aus dem Verhältnis von N
R zu N
Z ergibt sich dann ein Korrekturfaktor k
I für den Filterstrom-Sollwert I*. Der neue Sollwert I* ergibt sich gemäß der Gleichung
Die Steigungen der Korrekturfunktionen k
E bzw. k
I können selbstverständlich auch anders als in FIG 5 dargestellt verlaufen. Insbesondere
können sie steiler oder flacher sein, wenn dies aus Stabilitätsgründen geboten ist,
und insbesondere können die Korrektur funktionen k
E und k
I auch verschieden voneinander sein.
[0035] Die so ermittelten, neuen, optimierten Steuerungsparameter t
DS, t
E und I* werden von der Optimierungseinheit 4 der Überwachungseinheit 3 vorgegeben.
Die Überwachungseinheit 3 steuert daher das Elektrofilter mit diesen optimierten Steuerungsparametern
t
DS, t
E und I*, bis sich das Betriebsverhalten des Elektrofilters ändert und dadurch eine
erneute Korrektur der Steuerungsparameter t
DS, t
E und I* nötig wird.
[0036] Von Zeit zu Zeit; z.B. jede Minute oder alle 5 Minuten, stößt die Optimierungseinheit
4 die Aufnahme einer Filterkennlinie durch die Überwachungseinheit 3 an. Die Überwachungseinheit
3 nimmt daraufhin eine Filterkennlinie auf, d.h. die Filterspannung U
F als Funktion des Filterstromes I
F wird bestimmt.
[0037] Wenn die Filterkennlinie im wesentlichen monoton verläuft, so wie in FIG 6 für die
Kurve 1 angedeutet, wird der Überwachungseinheit 3 als Sollwert I* für den Filterstrom
I
F der maximale Strom I
max, abzüglich eines Sicherheitsabschlages von z.B. 5 %, vorgegeben und die Optimierung
des Filterstroms I
F erfolgt wie obenstehend beschrieben.
[0038] Wenn die Filterkennlinie dagegen ein Maximum aufweist, so wie in Kurve 2 dargestellt,
so wird der Überwachungseinheit 3 als Sollwert I* für den Filterstrom I
F der Strom vorgegeben, bei dem das Spannungsmaximum U
max erreicht wird. In diesem Fall entfällt die obenstehend beschriebene Optimierung des
Filterstromes. Die Optimierung des Filterstromes wäre in diesem Fall nämlich sinnlos,
da oberhalb des Spannungsmaximums U
max ein Rücksprühen aufträte, das die Effizienz des Elektrofilters stark reduzieren würde.
[0039] Abschließend sei erwähnt, daß die Steuereinrichtung 2, die Überwachungseinrichtung
3, die Optimierungseinheit 4 und die Benutzerschnittstelle 5 selbstverständlich auch
in Form eines Computerprogramms realisierbar sind, eine Hardwareausgestaltung ist
nicht nötig. Ebenso sei erwähnt, daß die vorliegende Erfindung selbstverständlich
auch bei gepulsten Elektrofiltern anwendbar ist. In diesem Fall stehen zur Optimierung
außer Durchschlagswartezeit t
DS und Entionisierzeit t
E z.B. noch die Pulshöhe und -dauer sowie die Pulswiederholfrequenz zur Verfügung.
[0040] Die Optimierungseinheit kann selbstverständlich nicht nur die menschliche, unscharfe
Logik nachvollziehen, ist also nicht nur eine Fuzzy-Control-Einheit, sondern kann
ebenso auch zusätzlich als neuronales Netz mit Selbstlernverhalten ausgebildet sein.
Dadurch ist es nicht nur möglich, die Steuerungsparameter zu optimieren, sondern auch
die Auswertungsregeln selbst. Dieses Selbstlernverhalten ist allgemein als "supervised
learning by back propagation" eines neuronalen Netzes bekannt. Die Ausbildung des
neuronales Netzes kann dabei in an sich bekannter Art und Weise erfolgen.
1. Selbstoptimierende Steuerung für ein Elektrofilter, bei der eintretende Ereignisse,
z.B. Filterdurchschläge, aufgrund von Erfahrungswerten automatisch ausgewertet werden
und aufgrund der Auswertungsergebnisse neue, optimierte Steuerungsparameter (tDS,tE,I*), z.B. eine Durchschlagswartezeit (tDS), eine Entionisierzeit (tE) oder ein Filterstrom (I*) für das Elektrofilter ermittelt und dem Elektrofilter
vorgegeben werden.
2. Selbstoptimierende Steuerung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Ereignisse mittels auf den Erfahrungswerten basierenden Auswertungsregeln
ausgewertet werden.
3. Selbstoptimierende Steuerung nach Anspruch 2, da durch gekennzeichnet, daß eintretenden Ereignisse durch die Auswertungsregeln aufgrund von ereignisspezifischen
Kenndaten (t,IDS,tL), z.B. der Zeit (t) seit dem letzten Durchschlag, mindestens einer von mehreren Ereignisarten,
z.B. Folgedurchschlag, typischer Durchschlag, zufälliger Durchschlag, zugeordnet werden.
4. Selbstoptimierende Steuerung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Zuordnung zu den Ereignissen gewichtet wird, wobei die Summe (GF+GR+GZ) der Gewichtungen (GF,GR,GZ) stets den Wert Eins ergibt.
5. Selbstoptimierende Steuerung nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß ein eintretendes Ereignis höchstens zwei Ereignisarten gleichzeitig zugeordnet
wird.
6. Selbstoptimierende Steuerung nach einem der obigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Optimierung der Steuerungsparameter (tDS,tE,I*) aufgrund einer statistischen Auswertung des eintretenden Ereignisses und vorausgegangener
Ereignisse erfolgt.
7. Selbstoptimierende Steuerung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß das eintretende Ereignis und eine vorgebbare Anzahl unmittelbar vorausgegangener
Ereignisse ausgewertet werden.
8. Selbstoptimierende Steuerung nach Anspruch 6 oder 7,
dadurch gekennzeichnet, daß zur Auswertung der Ereignisse Mittelwerte (

) verwendet werden.
9. Selbstoptimierende Steuerung nach Anspruch 6, 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, daß die optimierten Steuerungsparameter (tDS,tE,I*) mit Sicherheitszuschlägen bzw. Sicherheitsabschlägen beaufschlagt werden.
10. Selbstoptimierende Steuerung nach einem der Ansprüche 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß zur Auswertung der Ergebnisse Verhältnisse (NR/NF,NR/NZ) von Ereignisarthäufigkeiten gebildet werden.
11. Selbstoptimierende Steuerung nach einem der obigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß bei der Optimierung der Steuerungsparameter (tDS,tE,I*) zuerst die Durchschlagswartezeit (tDS), dann die Entionisierzeit (tE) und erst dann der Filterstrom (I*) optimiert wird.
12. Selbstoptimierende Steuerung nach einem der obigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß in vorwählbaren Zeitabständen eine Filterkennlinie aufgenommen wird und daß für
den Fall, daß die Filterspannung (UF) als Funktion des Filterstroms (IF) ein Maximum (Umax) aufweist, der Filterstrom bei dem dieses Filterspannungsmaximum (Umax) erreicht wird, dem Elektrofilter fest als Filterstrom-Sollwert (I*) vorgegeben wird.
13. Selbstoptimierende Steuerung nach einem der obigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuerung (1-5) eine Optimierungseinheit (4) aufweist, die vorzugsweise als
neuronales Netz ausgebildet ist.
14. Selbstoptimierende Steuerung nach einem der obigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß der Steuerung ein in einer Leitwarte angeordnetes Anzeigegerät, z.B. ein Monitor,
zugeordnet ist, so da mittels des Anzeigegeräts Prozeßzustände, Prozeßdaten (z.B.

) und/oder die Steuerungsparameter (t
DS,t
E,I*) darstellbar sind.
15. Selbstoptimierende Steuerung nach einem der obigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuerung (1-5) zumindest teilweise (2-4) in einem eigenständigen Teilsystem
eines vernetzten Automatisierungssystems einer technischen Anlage implementiert ist.
16. Selbstoptimierende Steuerung nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, daß die technische Anlage ein Kraftwerk ist.