[0001] Die Erfindung geht aus von einer Hohlladung der im Oberbegriff des Anspruchs 1 angegebenen
und u. a. durch die DE 36 23 240 C1 bekanntgewordenen Art.
[0002] Die Hohlladung gemäß der letztgenannten Patentschrift dient dem Entschärfen von Munition
unterschiedlicher Beschaffenheit. An deren Ladungsgehäuse sind hierzu auf der Seite
der Ladungsauskleidung unter Belassung eines Freiraums für eine einwandfreie Stachelausbildung
Bauelemente befestigt. Dieselben vermögen aufgrund ihrer Beschaffenheit und Formgebung
die Durchschlagsleistung des sich im Detonationsfall aus der kollabierenden Ladungsauskleidung
bildenden Hohlladungsstachels in vorgegebener Weise zu vermindern. Das Maß der Leistungsminderung
ist dabei solcherart, daß die heißen Stachelpartikeln hoher Dichte nach dem Durchschlag
der Munitionshülle nurmehr in der Lage sein sollen, bei der Munitionssprengladung
eine örtlich begrenzte Reaktion bzw. Deflagration hervorzurufen.
[0003] Das Aufbrechen einer Munitionshülle mit heißen Partikeln eines Hohlladungsstachels
ist auch der US-PS 4 955 939 entnehmbar. Besagte Druckschrift offenbart des weiteren
ein den heißen Stachelpartikeln ins Munitionsinnere nachfolgendes, gasförmiges oder
flüssiges Medium vergleichsweise geringer Dichte. Seinen Ursprung hat dasselbe in
einem von Sprengladung und stachelbildender Auskleidung eingeschlossenen Flüssigkeitspolster.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Hohlladung eingangs genannter Gattung
dahingehend zu verbessern, daß es zum schnellen Öffnen von Munitionshüllen oder anderen
Behältnissen empfindlichen Inhalts, beispielsweise bei Entschärfungs- bzw. Entsorgungsaktivitäten,
sowie zum raschen Aufbrechen von Türen oder anderen Barrieren, beispielsweise bei
Einsätzen von Feuerwehren und technischen Sondertruppen, keines Hohlladungsstachels
aus heißen Partikeln hoher Dichte mehr bedarf und somit jedwedes Risiko für Anwender
und Umfeld wegfällt.
[0005] Diese Aufgabe ist gemäß der Erfindung durch die im kennzeichnenden Teil des Patentanspruches
1 angegebenen Merkmale gelöst. Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen finden sich in
den Unteransprüchen.
[0006] Die erfindungsgemäß ergriffenen Maßnahmen sind denkbar einfach zu realisieren. Wo
das geschieht, ist das Resultat eine zur berührungsfreien Anwendung bestens geeignete
Hohlladung, mit der sich Hüllen von Sprengladungen oder andere Behältnisse vergleichbar
kritischen Inhalts sowie verriegelte Türen und andere Barrieren ohne Splitterbildung
dynamisch weich durchschlagen lassen.
[0007] Dafür sorgt ausschließlich ein Hohlladungsstachel aus fließfahigem Medium wie Wasser
mit oder ohne Frostschutzmittel, Öl, Gel oder flüssigem Glas. Zur Bildung desselben
genügt unter den gegebenen Umständen eine relativ geringe Ladungsmenge. Eine ausreichende
Flüssigkeits- bzw. Gelbeschleunigung kann z.B. bereits mit einer Belegung aus Sprengstoff-Folie
auf der der Flüssigkeits- bzw. Gelfüllung abgewandten Auskleidungsseite erreicht werden.
Die angesprochene Auskleidung, vorzugweise eine solche aus nichtmetallischem spezifisch
leichtem Werkstoff, fungiert hierbei lediglich als formgebende Trennschicht zwischen
fließfähigem Medium und Ladungsbelegung und bewirkt aufgrund ihrer Formgebung im Zusammenspiel
mit letzterer eine Fokussierung des fließfähigen Mediums zu einem Hohlladungsstrahl.
[0008] Damit es überhaupt zur vorbeschriebenen Beschleunigung und Fokussierung des fließfähigen
Mediums kommen kann, bedarf es allerdings einer entsprechend schnellen Verdrängung
desselben aus dem Zentrum des ausgekleideten Ladungshohlraums. Gewähr bieten diesbezüglich
die speziell gestalteten Verschlüsse des ausgekleideten Ladungshohlraums. Aus Gründen
der Einfachheit empfiehlt sich als Verschluß im Basisbereich der Auskleidung eine
im Detonationsfall berstende Membran, beispielsweise aus Kunststoff-Folie, und als
Verschluß im basisfernen Auskleidungsbereich ein pyrotechnisch beschleunigbarer Pfropfen,
beispielsweise aus Gummi oder Sprengstoff.
[0009] Wird dem zentrischen Verschlußpfropfen zur pyrotechnischen Beschleunigung auf seiner
der Auskleidung abgewandten Seite eine formbare Sprengmasse zugeordnet, ist es ein
leichtes, diese zugleich zur ringförmigen Detonationseinleitung in die Ladung heranzuziehen.
Im Fall einer Ladungsbelegung aus Sprengstoff-Folie braucht hierzu letztere lediglich
mit einem Endabschnitt konzentrisch um die beispielsweise durch eine Sprengkapsel
bekannter Bauart zündbare Sprengmasse angeordnet zu werden.
[0010] Bleibt schließlich noch anzumerken, daß für eine relativ kleinmassige Räumladung
wie der erfindungsgemäßen als Verpackung ohne weiteres ein Gehäuse aus Polyurethan
oder dergleichen, für auf Magnetfeldänderungen ansprechende Zünder unbedenklichem
Material infrage kommt.
[0011] Nachfolgend ist beispielsweise eine Ausführungsform der erfindungsgemäßen Hohlladung
anhand einer schematischen Zeichnung näher erläutert.
[0012] Die einzige Figur zeigt im Längsschnitt ein Ladungsgehäuse 1 aus Kunststoff wie Polyurethan
oder Styropor, das bei 2 eine Visiereinrichtung aufzunehmen vermag. Darin befindet
sich eine Hohlladung 3 mit ausgekleidetem Ladungshohlraum 4. Deren Ladung und Auskleidung
sind in der genannten Reihenfolge mit 5 und 6 bezeichnet.
[0013] Die Auskleidung 6 besteht aus einem Kunststoff. Sie hat die Form eines beidseitig
offen ausgebildeten Trichters 6a mit zylindrischem Fortsatz 6c am seiner Basis 6b
fernen Trichterende. Als Ladung dient eine Sprengstoff-folie 5, mit der die Auskleidung
6 außen belegt ist. Ein Abschnitt 5a dieser Sprengstoff-Folie 5 ist konzentrisch um
den zylindrischen Fortsatz 6c des Auskleidungstrichters 6a angeordnet.
[0014] In letztgenanntem Fortsatz 6c befindet sich am Übergang zum Auskleidungstrichter
6a ein Verschlußpfropfen 7 aus Gummi mit einer formbaren Sprengmasse 8 an seiner dem
ausgekleideten Ladungshohlraum 4 abgewandten Stirnseite. Besagte Sprengmasse 8 steht
ihrerseits in Wirkverbindung mit einer Sprengkapsel 9 bekannter Bauart.
[0015] Bleibt an dieser Stelle noch hinzuweisen auf eine Kuststoff-Folie 10, die im Bereich
der Auskleidungsbasis 6b den ausgekleideten Ladungshohlraum 4 verschließt, und auf
die vollständige Füllung des letztgenannten Hohlraums 4 mit Wasser 11 oder dergleichen
Flüssigkeit, solange es zu keiner Zündung der Sprengmasse 8 durch die Sprengkapsel
9 kommt.
[0016] Sobald dies der Fall ist, öffnet die detonierende Sprengmasse 8 die beiden Hohlraumverschlüsse
7 und 10 und verdrängt mit dem von ihr stark beschleunigten Verschlußpfropfen 7 aus
dem Zentrum des Hohlraums 4 mit hoher Geschwindigkeit Wasser 11. Der so erhaltene
Freiraum ist der Strahlbildung aus dem nicht verdrängten Teil der Wasserfüllung 11
dienlich.
[0017] Hierzu kommt es durch das Zusammenwirken der detonierenden Sprengstoff-Folie 5 mit
dem als formgebende Trennschicht fungierenden Auskleidungstrichter 6a. Dabei reicht
bereits eine geringe Sprengstoffmenge aus, um den nicht verdrängten Wasseranteil im
Hohlraum 4 derart zu fokussieren und zu beschleunigen, daß der resultierende Wasserstrahl
bei berührungsfreier Anwendung der erfindungemäßen Ladungsausführung ohne weiteres
in der Lage ist, beispielweise 5 mm dicken Stahl spielend zu durchschlagen.
[0018] Wo solch ein Flüssikgeitsstrahl zum Öffnen einer Munitionshülle oder eines anderen
Behältnisses ähnlich empfindlichen Inhalts herangezogen wird, werden überhöhte Temperatur-
und Stoßeinwirkungen auf den brisanten Hüllen- bzw. Behältnisinhalt sicher vermieden.
Auf letzteren wirkt lediglich die beim öffnungsbedingten Verformen der Hülle bzw.
Behältniswand entstehende Reibung.
1. Hohlladung mit ausgekleidetem Ladungshohlraum, dadurch gekennzeichnet, daß der Hohlraum (4) im Basisbereich (6b) seiner Auskleidung (6a) sowie im basisfernen,
offen ausgebildeten Auskleidungsbereich (6c) einen Verschluß (7, 10) aufweist und
mit einem fließfähigen Medium (11) gefüllt ist, wobei der Verschluß (7) im basisfernen
Auskleidungsbereich (6c) der Schaffung eines Stachelbildungsraumes durch rechtzeitiges
Verdrängen von fließfähigem Medium (11) aus dem Hohlraumzentrum im Initiierungsfall
dient.
2. Hohlladung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Verschluß im Basisbereich (6b) der Auskleidung (6a) als Berstmembran (10)
ausgebildet ist.
3. Hohlladung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Verschluß im basisfernen Auskleidungsbereich (6c) als zur Auskleidungsbasis
(6b) hin beschleunigbarer Pfropfen (7) ausgebildet ist.
4. Hohlladung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß dem Verschlußpfropfen (7) auf seiner der Auskleidungsbasis (6b) abgewandten
Seite eine Sprengmasse (8) zur Pfropfenbeschleunigung zugeordnet ist.
5. Hohlladung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Auskleidung (6a) auf ihrer der Füllung aus fließfähigem Medium (11) abgewandten
Seite als Ladung eine Belegung aus Sprengstoff-Folie (5) aufweist.
6. Hohlladung nach den Ansprüchen 4 und 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Sprengmasse (8) zur Detonationseinleitung in die Sprengstoffbelegung (5)
von einem Abschnitt (5a) der letzteren konzentrisch umgeben ist.
7. Hohlladung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Auskleidung (6a) aus Kunststoff besteht.
8. Hohlladung nach Anspruch 1 oder 5, gekennzeichnet durch eine Verwendung von Wasser (11) als fließfähiges Medium.
9. Hohlladung nach einem der Ansprüche 1, 5 und 8, gekennzeichnet durch eine Verwendung von Frostschutzmittel als fließfähiges Medium oder als Bestandteil
des letzteren.
10. Hohlladung nach Anspruch 1 oder 5, gekennzeichnet durch eine Verwendung von Öl als fließfähiges Medium.
11. Hohlladung nach Anspruch 1 oder 5, gekennzeichnet durch eine Verwendung einer gelartigen Substanz als fließfähiges Medium.
12. Hohlladung nach Anspruch 1 oder 5, gekennzeichnet durch eine Verwendung von flüssigem Glas als fließfähiges Medium.
13. Hohlladung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Berstmembran aus Kunststoff-Folie (10) besteht.
14. Hohlladung nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Verschlußpfropfen (7) aus Gummi besteht.
15. Hohlladung nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Verschlußpfropfen (7) aus Sprengstoff besteht.
16. Hohlladung nach Anspruch 1 oder 5, gekennzeichnet durch ein Ladungsgehäuse aus Kunststoff wie Polyurethan.