[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Flüssigkristall-Schalt- und Anzeigevorrichtung
(Display) mit einem besonderen elektrischen Ansteuerungsschema, welches zu einem hohen
Kontrast und insbesondere zu kurzen Schaltzeiten führt.
[0002] Schalt- und Anzeigevorrichtungen, die ferroelektrische Flüssigkristall-Mischungen
enthalten ("FLC-Lichtventile"), sind beispielsweise aus EP-B 0 032 362 (= US-A 4 367
924) bekannt. Flüssigkristallichtventile sind Vorrichtungen, die z. B. aufgrund elektrischer
Beschaltung ihre optischen Transmissionseigenschaften derart ändern, daß durchfallendes
(und gegebenenfalls wieder reflektiertes) Licht intensitätsmoduliert wird. Beispiele
sind die bekannten Uhren- und Taschenrechneranzeigen oder Flüssigkristalldisplays
im OA- (office automation) oder TV-(television) Bereich. Dazu zählen aber auch optische
Verschlüsse, sogenannte "light shutter", wie sie z. B. in Kopiermaschinen, Druckern
etc. eingesetzt werden. Auch sogenannte "spatial light modulators" zählen zum Anwendungsbereich
von Flüssigkristall-Lichtventilen (siehe Liquid Crystal Device Handbook, Nikkan Kogyo
Shimbun, Tokyo, 1989; ISBN 4-526-02590-9C 3054 und darin zitierte Arbeiten).
[0003] Die elektrooptischen Schalt- und Anzeigevorrichtungen sind so aufgebaut, daß die
FLC-Schicht beiderseitig von Schichten eingeschlossen ist, die üblicherweise, in dieser
Reihenfolge ausgehend von der FLC-Schicht, mindestens eine Orientierungsschicht, Elektroden
und eine Begrenzungsscheibe (z. B. aus Glas) sind. Außerdem enthalten sie einen Polarisator,
sofern sie im "guest-host"- oder im reflexiven Modus betrieben werden, oder zwei Polarisatoren,
wenn als Modus die transmissive Doppelbrechung ("birefringence mode") genutzt wird.
Die Schalt- und Anzeigeelemente können gegebenenfalls weitere Hilfsschichten, wie
z. B. Diffusionssperr- oder lsolationsschichten, enthalten.
[0004] Solche Orientierungsschichten bringen, gemeinsam mit einem hinreichend klein gewählten
Abstand der Begrenzungsscheiben, die FLC-Moleküle der FLC-Mischung in eine Konfiguration,
bei der die Moleküle mit ihren Längsachsen parallel zueinander liegen und die smektischen
Ebenen senkrecht oder schräg zur Orientierungsschicht angeordnet sind. In dieser Anordnung
haben die Moleküle bekanntlich zwei gleichwertige Orientierungen, zwischen denen sie
durch pulsartiges Anlegen eines elektrischen Feldes geschaltet werden können, d. h.
FLC-Displays sind bistabil schaltbar. Die Schaltzeiten sind umgekehrt proportional
zur spontanen Polarisation der FLC-Mischung und liegen im Bereich von µs.
[0005] Als Hauptvorteil der FLC-Displays gegenüber den in der industriellen Praxis bisher
im wesentlichen noch anzutreffenden LC-Displays wird das erreichbare Multiplex-Verhältnis
angesehen, d. h. die maximale Zahl der im zeitlich-sequenziellen Verfahren ("Multiplex-Verfahren")
ansteuerbaren Zeilen, das bei FLC-Displays im Gegensatz zu herkömmlichen LC-Displays
praktisch unbegrenzt ist.
[0006] Eine einfache Matrixanordnung von Elektroden (Zeilen 1 bis n und Spalten 1 bis m)
ist in Abb. 1 gezeigt. Die Elektroden befinden sich in der Regel auf den Innenseiten
der Trägerplatten des Displays mit den Zeilen auf der einen und den Spalten auf der
anderen Trägerplatte. In den Überkreuzungsbereichen, den Bildpunkten B wird der zwischen
Zeilen und Spalten befindliche Flüssigkristall geschaltet. Wie üblich werden als Spalten
diejenigen Elektroden bezeichnet, die mit den informationstragenden Pulsen (auch Spalten-
oder Datenpulse genannt) beaufschlagt werden. Die Zeilen werden dann stroboskopartig
sequenziell durch elektrische Pulse (Aktivierungspulse) aktiviert, was die Voraussetzung
für eine Informationsübertragung auf die Bildpunkte der Zeilen ist.
[0007] Eine grundlegende Beschreibung einer Multiplex-Adressierung für FLC-Displays erfolgte
z. B. in Proc. SID 28/2, 211 (1987) sowie in Ferroelectrics 94,3 (1989). In EP-A 0
167 398 wird ein Adressierungsschema vorgestellt, bei dem die Einschreibung heller
und dunkler Punkte getrennt in zwei aufeinanderfolgenden Bildern erfolgt. Ein Nachteil
der an dieser Stelle beschriebenen Technik ist, daß sie bei der Forderung nach einer
im Zeitmittel gleichspannungsfreien Adressierung zu einem 4-Slot-System führt ("Slot"
ist die im Bereich dieser Technik übliche Bezeichnung für die Taktzeit τ). Die Zahl
der Slots gibt an, wieviel Zeittakte zum Beschreiben einer Display-Zeile notwendig
sind. Diese Zahl ist also bei gegebener Schaltgeschwindigkeit des flüssigkristallinen
Materials und gegebener Bildschirmzeilenzahl proportional zur Zeitdauer eines Bildaufbaus
und sollte deshalb möglichst klein gehalten werden. Ein weiterer Nachteil der im EP-A
0 167 398 beschriebenen elektrischen Ansteuerung ist der schädliche Einfluß der Datenpulse,
die im sogenannten "worst case" (ungünstigste durch die Bildinformation bestimmte
Datenpulskonstellation bei der Adressierung) mit einer an der Zeilenadressierung gemessen
halben Frequenz auftreten und deshalb zu einer starken Störung der Transmission von
nicht-adressierten Pixeln (Schaltelementen) und damit letztendlich zu einer Verschlechterung
des Kontrastes führen.
[0008] Die Zahl der Slots kann durch die Einführung von sogenannten Blankingpulsen oder
(auch Resetpulse genannt), wie in der Literatur (z. B. in Proc. SID 28/2, 211 (1987);
Japan-Display 18, (1989); Liquid Crystals and Uses, vol. 1, p. 305 ff, World Scientific
Publishing Co., 1990; Jap. J. Appl. Physics 28, L483 (1989) sowie in DE 4017893Al)
beschrieben, reduziert werden. Diese Blanking-Pulse bilden einen Teil der Zeilenadressierung
und haben den Zweck, eine oder mehrere Zeilen des Displays ohne Einfluß etwaiger Informationsübertragung
auf andere Displayzeilen in einen bestimmten Zustand zu schalten. Nach der im Proc.
SID beschriebenen Methode geschieht dies zeitgleich für mehrere Zeilen in einem besonderen
Zeitintervall in dem keine Informationen in das Display eingeschrieben werden. Diese
Methode hat den Nachteil, daß diese besonderen Zeitintervalle zu einer Erniedrigung
der Bildwechselfrequenz führen. In den anderen obengenannten Literaturstellen wird
die gebräuchlichere Methode geschildert, die darin besteht, daß Zeilenpulse appliziert
werden, die aufgrund ihrer Form - d.h. i.a. ihrer Amplitude oder Zeitdauer - unabhängig
von der gleichzeitigen Applikation informationsmodulierter Spaltenpulse eine oder
mehrere Zeilen in einen bestimmten Zustand schalten. Den zweiten Teil der Zeilenadressierung
bilden die Aktivierungspulse (enabling pulses), die den Blanking-Pulsen entweder unmittelbar
oder mit einem gewissen Zeitabstand folgen. In Überlagerung mit den diesen Aktivierungspulsen
zugeordneten Spalten-(Daten-)pulsen wird ein solcher Aktivierungspuls vom zugeordneten
Bildpunkt nun als schaltender Puls (selection) oder als nicht-schaltender Puls (half-selection)
wahrgenommen. Fallunabhängig wird diese Überlagerung im folgenden als Schreibpuls
bezeichnet. Blanking-Pulse einer beliebigen Zeile dürfen sich dabei zeitlich mit Blanking-Pulsen
und Aktivierungspulsen anderer Zeilen überschneiden.
[0009] Allen zitierten Referenzen ist gemein, daß die Schreibpulse aus zeilen- und spaltenseitig
gleich langen Adressierpulsen aufgebaut sind. Aktivierungs- und Datenpulse besitzen
also gleiche Zeitdauern. Dies gilt auch für den schaltenden (letzten) Teil des Adressierungsschemas,
welches in Japan Display 18, (1989) vorgestellt wird und in dem Blanking- und Schreibpuls
unmittelbar aufeinanderfolgen. Die Verwendung der dort beschriebenen Verfahren zur
Verkürzung der Zeilenadressierzeit bedarf auch einer entsprechend steiler werdenden
elektrooptischen Kennlinie. Diese Zeitdauer von Spalten- und Aktivierungspulsen stellt
dann die Länge des kleinsten Zeittaktes τ (des oben schon erklärten Slots) (Abb. 2)
dar. Will man die Beaufschlagung des Displays mit Gleichspannung vermeiden, muß man
zumindest bei den Spaltenpulsen bipolare Pulse verwenden, was zu Zeilenadressierzeiten
von wenigstens 2 · τ führt, da in diesem Zeitintervall nur eine einzige Zeile ihre
Bildpunktinformationen erhalten kann. Aus diesem Grunde wird auch in allen oben zitierten
Literaturstellen eine Zeilenadressierzeit von mindestens zwei Slots verwendet.
[0010] Die Bildwechselzeit eines Displays ist - wie oben beschrieben - das Produkt aus Zeilenadressierzeit
und Zeilenzahl - bei gegebener Zeilenzahl (bedingt durch Normen oder Anforderungen
an die Auflösung) und gegebener Zahl der Slots also proportional zur Taktzeit τ. Die
Taktzeit τ ihrerseits ist nun aus wenigstens zwei Gründen nach unten hin begrenzt:
1. bei zu keinem τ ist die zur Verfügung stehende elektrische Maximalspannung (begrenzt
durch Halbleiterbauelemente oder Kosten) nicht ausreichend, den Flüssigkristall zu
schalten; 2. bei zu kleinem τ führt die zum Schalten notwendige Spannung zum elektrischen
Druchbruch im adressierten Bildpunkt. Die unter 1. genannte Beschränkung bezieht sich
in erster Linie auf die Zeilentreiber und nicht so sehr auf die Spaltentreiber, da
in den oben geschilderten Adressierverfahren die Zeilentreiber mindestens die doppelte
Spannung wie die Spaltentreiber liefern müssen.
[0011] Es wurde nun überraschend gefunden, daß sich bei gleicher zur Verfügung stehender
maximaler Spannung der Zeilentreiber-Bausteine und gleichem Flüssigkristallmaterial
eine Reihe von Displayeigenschaften, z. B. der Kontrast oder die Bildwechselfrequenz,
verbessern lassen, indem man für die informationstragenden Spaltenpulse eine kürzere
Zeitdauer als für die Zeilenpulse wählt und zwar auch und gerade für die Erzeugung
des Schreibpulses.
[0012] Die Erfindung betrifft somit ein Verfahren zur Multiplexadressierung einer FLC-Schaltvorrichtung,
bei dem an die Zeilen- und Spaltenelektroden eine elektrische Pulsfolge so angelegt
wird, daß die Informationsübertragung für einen Bildpunkt in Form eines Schreibpulses
erfolgt, der sich aufbaut aus der Überlagerung von aktivierenden Zeilenpulsen und
informationstragenden Spaltenpulsen, daß dadurch gekennzeichnet ist, daß die einzelnen
den Schreibpuls aufbauenden Spaltenpulse zeitlich kürzer sind als die zeitlich zugeordneten
aktivierenden Zeilenpulse. Die Erfindung betrifft den Aufbau des Schreibpulses und
es ist unerheblich, wie das Adressierschema ansonsten ausgeführt ist. Es mag dabei
zur Erzielung einer kurzen Bildwiederholzeit vorteilhaft sein, mit Blanking-Pulsen
zu arbeiten. Nacheinander adressierte Zeilen müssen nicht unbedingt auch räumlich
benachbarte Zeilen sein.
[0013] Das Verfahren zur Multiplexadressierung kann auch durchgeführt werden, indem der
längste den Schreibpuls aufbauende Spaltenpuls kürzer ist als der kürzeste diesen
Schreibpuls aufbauende Zeilenpuls.
[0014] Es ist vorteilhaft, wenn während der Einwirkung eines Spaltenpulses, der die Information
für eine Displayzeile trägt, keine weitere Displayzeile zeilenseitig mit Spannung
versehen wrid. Dies gilt jedoch nicht für das informationsunabhängige Löschen.
[0015] Die Spaltenpulse werden in solchen Zeitintervallen appliziert, daß eine überlappende
Zeilenadressierung mit den den Schreibpuls aufbauenden Zeilenspannungen möglich ist
(= teilweise zeitgleiche Schreibpulsadressierung von mehr als einer Zeile). Bei den
Spaltenpulsen hingegen darf keine Überlappung auftreten.
[0016] Besitzen die Spaltenpulse einen Gleichspannungsanteil (off-set), so besteht die Gefahr
eines unbeabsichtigten Schaltens des Systems, was natürlich in der Praxis zu vermeiden
ist. Deshalb sind gleichspannungsfreie Adressierungen bevorzugt. Dies gilt über mehrere
Bildwechselzeiten gemittelt ggf. auch für die Zeilenpulse.
[0017] Ein Gleichspannungsanteil wird insbesondere vermieden, wenn die Schreibpulse antisymmetrisch
aufgebaut sind, d. h. bei Zeitspiegelung gleichartige Pulse jedoch mit inverter Polarität
darstellen.
[0018] Insbesondere läßt sich die erfindungsgemäße Ansteuerung vorteilhaft anwenden, wenn
der ferroelektrische Flüssigkristall in einer SSFLC-Zelle zuvor durch elektrische
Feldbehandlung (SID 91 Digest pp. 396, 1991) in eine sogenannte Bookshelf-Geometrie
gebracht wird.
[0019] Bei der Verwendung des bekannten Verfahrens der Teilung des Bildschirms mit beidseitiger
Spaltenkontaktierung kann das erfindungsgemäße Verfahren jeweils in beiden Teilbildern
durchgeführt werden.
[0020] Die Erfindung läßt sich sowohl für die schwarz/weiß Adressierung von FLC-Displays
einsetzen mit festen Werten der Spaltenpulsamplituden (modulo Vorzeichen) als auch
für die Adressierung zur Erzeugung analoger Graustufen mit variablen Werten der Spaltenpulsamplituden
oder -längen.
[0021] Die Erfindung ist nicht beschränkt auf FLC-Displays, sondern kann auch für andere
Schaltelemente verwendet werden, die aufgrund ihrer Symmetrie mittels Pulsadressierung
schaltbar sind wie z. B. Anordnungen mit nematischen Flüssigkristallen wie in WO 91/11747
beschrieben.
[0022] In der Anwendung ist die Erfindung nicht beschränkt auf optische Anzeigen, sondern
kann auch für spatial light modulators (SLM) u. ä. verwendet werden.
[0023] Der Aufbau einer elektronischen Realisierung der erfindungsgemäßen Ansteuerungen
geschieht in prinzipieller Analogie zur Realisierung wie sie z. B. in DE 4 017 893
beschrieben wird.
[0024] Die Erfindung betrifft außer dem beschriebenen Verfahren eine FLC-Schaltvorrichtung,
die das Multiplexadressierungssystem enthält, auf das das erfindungsgemäße Verfahren
angewendet werden kann.
[0025] Das erfindungsgemäße Verfahren besitzt u. a. folgende Vorteile:
1. Die Kontrastverringerung aufgrund des im passiven Multiplexverfahren unvermeidlichen
Datenpulseinflußes auf nicht aktivierte Zeilen ist geringer, da in den erfindungsgemäßen
Adressierschemata typischerweise automatisch Pausen zwischen den Datenpulsen für hintereinander
adressierte Zeilen erscheinen, was zu geringerem Flicker führt.
2. Durch eine überlappende Zeilenadressierung wird die effektive Zeilenadressierzeit
und damit die Bildwechsel- (oder -aufbau-)zeit kleiner, ohne daß dabei die Zeilenspannung
verändert wird; lediglich die ohnehin niedrigen Spaltenspannungen werden erhöht.
3. Bei entsprechender Wahl des erfindungsgemäßen Verfahrens ist die maximal am Bildpunkt
anliegende Spannung geringer als bei herkömmlichen Adressierungsschemata mit der gleichen
Zeilenadressierzeit und deshalb geeignet, elektrische Durchbrüche zu verhindern.
4. Es ist nicht prinzipiell notwendig, daß die so erwirkte Verkürzung der Zeilenadressierzeit
einer steileren elektroopischen Kennlinie bedarf.
[0026] Die folgenden Beispiele sollen die Erfindung erläutern, ohne sie einzuschränken.
Beispiel 1
[0027] Die Zeilen werden mit überlappenden bipolaren Pulsen der Höhe V
r beaufschlagt. Dazu addieren sich in den Bildpunkten bipolare, jedoch kürzere Datenpulse
der Amplitude V
d, deren Inversionspunkt zeitgleich mit den zugeordneten bipolaren Zeilenpulsen liegt
(Fig. 3). Die Überlappungszeit der bipolaren Zeilenpulse nacheinander adressierter
Zeilen beträgt (2b) τ wobei τ die Breite der (halben) bipolaren Zeilenpulse und aτ
die Breite der (halben) bipolaren Datenpulse ist und gilt, daß 0 < a<1, 0 < 2b < 1-a.
[0028] Je nach der Polarität der Datenpulse schaltet der Schaltpuls (select pulse, überkritisch)
oder schaltet nicht (half-select, unterkritisch).
[0029] Die Wirkung dieses Adressierungsschemas wurde anhand der ferroelektrischen Flüssigkristallmischung
F1 getestet. F1 besitzt die folgende Zusammensetzung:

F1 besitzt die Phasenfolge X-2 S
c* 63 S
A 75 N* 851 und hat bei 25°C eine spontane Polarisation von 45 nC/cm².
[0030] Sie wurde in eine typische Testzelle mit geriebenem Polyvinylalkohol (PVA) als Orientierungsschicht
und einer Schichtdicke von 1.5 µm gefüllt, einer elektrischen Feldbehandlung zur Erzielung
einer Quasi-Bookshelf-Konfiguration (SID 91 Digest pp. 396, 1991) unterworfen und
mit dem oben beschriebenen Adressierungsschema beschaltet (Fig. 4). Dabei wurden gewählt:
τ = 32 µs, a = 0.5, 2b = 0.5 woraus eine effektive Zeilenadressierzeit von 48 µs resultiert.
Fig. 4(a) und (c) zeigen einen informationsunabhängig schaltenden Reset-Puls und den
schaltenden (überkritischen) Schreibpuls während Fig. 4(b) und (d) die Wirkung des
unterkritischen Schreibpulses darstellen.
[0031] Die für das Schalten in erster Linie relevante Pulsfläche ist in Fig. 3 für die Bildpunkte
schraffiert dargestellt. Sie beträgt im unterkritischen Fall (V
r-aV
d)τ und im überkritischen Fall (V
r+aV
d)
τ. Die Zeilenadressierzeit beträgt 2(1-b)τ, ist also kürzer als die Zeit 2τ, die für
herkömmliche Adressierschemata gilt. Zwischen den spaltenseitigen Datenpulsen befinden
sich spannungsfreie Intervalle der Länge 2(1-a-b)τ was sich vorteilhaft auf das Übersprechverhalten
auswirkt (DE 40 17 893 A1).
Beispiel 2
[0032] Die Ausführungsform nach Beispiel 1 kann auch dahingehend modifiziert werden, daß
die Polarität der bipolaren Zeilenpulse hintereinander adressierter Zeilen invertiert
wird. Entsprechend wird die Informationskodierung bei den Spaltenpulsen invertiert.
Diese Adressierung hat den Vorteil, daß die Zeilentreiber zu einer gegebenen Zeit
nicht mehr als zwei Spannungspegel (0 und V
r, oder 0 und -V
r) liefern müssen.
Beispiel 3
[0033] Die Ausführungsform nach Beispiel 1 kann auch dahingehend geändert werden, daß der
erste Teil des bipolaren Zeilenadressierpulses weggelassen oder - zum Zwecke der DC-Feld
Kompensation - an anderer Stelle des Adressierschemas - z. B. im Zusammenhang mit
einem Blanking-Puls - ausgeführt wird.
Beispiel 4
[0034] Die Zeilen werden wie in Beispiel 1 mit bipolaren Pulsen beaufschlagt, jedoch ohne
zeitliche Überlappung.
[0035] An die Spalten werden zum einen konventionelle bipolare Pulse der gleichen Dauer
wie die Dauer der Zeilenpulse angelegt. Dies dient als Referenz zu der erfindungsgemäßen
Ausführung, bei der wie in Beispiel 1 Spaltenpulse der halben Zeilenpulsdauer verwendet
werden.
[0036] Eine FLC-Mischung mit einer Spontanpolarisation von 35 nC/cm² und einer Phasensequenz
X-3 SmC*56 SmA 79 N*84 I wird nun in einer typischen Testzelle der Dicke 1.9 µm, versehen
mit einer geriebenen organischen Orientierungsschicht auf beiden Seiten der FLC-Schicht
mit den beiden geschilderten Adressierungsschemata beschaltet. Die Fig. 5a,b und 6a,b
zeigen im Vergleich die Störung der optischen Transmission durch die Datenpulse im
Referenz- und im erfindungsgemäßen Fall. Deutlich ist die geringere Störung im erfindungsgemäßen
Fall ersichtlich.
[0037] Die Fig. 6a bis 6c zeigen den optischen Response nach Filterung durch einen Tiefpass,
der deutlich erkennen läßt, daß der Kontrast im erfindungsgemäßen Fall ungefähr doppelt
so groß wie im konventionellen Vergleichsfall ist.
Beschreibung der Figuren
Fig. 1
[0038] Die Bildpunkte (exemplarisch angedeutet: B) eines Flüssigkristallschaltelementes
sind die Überlappungsbereiche der Elektrodenstreifen, die auf den beiden Innenseiten
der Substrate so aufgebracht sind, daß sie auf einem Substrat horizontale Streifen
(Zeilen) und auf dem anderen Substrat dazu senkrechte vertikale Streifen (Spalten)
bilden. Beim elektrischen Adressieren im Multiplex-Verfahren werden definitionsgemäß
die informationstragenden Datenpulse V
di (i = l bis m) auf die Spalten gegeben, während die Zeilen stroboskopartig und sequenziell
mit Aktivierungspulsen V
rj (j= l bis n) beaufschlagt wurden. Dabei kann auch die bekannte Technik eines geteilten
Bildschirms verwendet werden, bei dem die Spalten z. B. in der Mitte unterbrochen
sind und durch Nutzung beider Spaltenenden zur Dateneinspeisung zwei Teilbilder gleichzeitig
geschrieben werden.
Fig. 2
[0039] Zeilenpuls (1) und Spaltenpuls (2) subtrahieren sich zum Bildpunktsignal (3). Bislang
werden zum Aufbau des Schreibpulses Ansteuerungen mit gleicher Pulsdauer für Zeilen-
und Spaltenpuls verwendet.
Fig. 3
[0040] Überlappende Zeilenaktivierungspulse (oberste Zeile) erlauben bei entsprechend kurz
gewählten Pulsen für die Datenübertragung (zweite und dritte Zeile von oben) eine
kürzere Zeilenadressierzeit. Aus dem elektrischen Adressierungsablauf sind für zwei
Zeilen (k und k+1) (Fig. 3a) und zwei Spalten (i und i+ 1) (Fig. 3b und c) beispielhafte
Pulsabfolgen für zwei Informationszyklen dargestellt. Diese führen zu den im unteren
Abbildungsteil gezeigten Spannungsverläufen an den vier Überlappungsbildpunkten der
o.g. Zeilen und Spalten, (Fig. 3d und e).
Fig. 4
[0041] Auf den Diagrammen ist jeweils im oberen Teil die Aufeinanderfolge von Pulsen dargestellt,
wie sie nach Beispiel 1 auf ein Bildelement bzw. auf die mit dem ferroelektrischen
Flüssigkristall F1 gefüllte Testzelle einwirkt. Im unteren Teil ist die zugehörige
optische Transmissionskurve der Flüssigkristallzelle in Intensitäts-Einheiten aufgezeichnet
wie sie mit einer Photodiode gemessen wurden.
[0042] Die elektrische Pulsfolge beinhaltet jeweils einen Reset- oder Blanking-Puls R, der
den Flüssigkristall unabhängig von der Einwirkung von Datenpulsen schaltet sowie einen
überkritischen Schreibpuls S (a) und c)) sowie einen unterkritischen Schreibpuls HS
(b) und d)). Die Zeilenpulse besitzen eine Dauer von τ=32 µs und die Spaltenpulse
eine Dauer von aτ= 16µs. Die simulierte Überlappungszeit 2b der Zeilenpulse beträgt
16µs.
[0043] In a) und b) beträgt die Zeilenspannung V
r= 14.4 Volt und die Spaltenspannung V
d=7.2 Volt während für c) und d) gilt V
r=14.4 Volt, V
d=9.6 Volt.
Fig. 5
[0044] Auf den Diagrammen ist im oberen Teil die Aufeinanderfolge von Pulsen dargestellt,
wie sie ein Bildelement eines FLC-Displays unter konventioneller Ansteuerung erfährt.
Die zugehörige optische Transmissionskurve ist jeweils im unteren Bildteil dargestellt.
Darunter ist als Bezugslinie der völlige Dunkelzustand gezeigt. Fig. 5a und b zeigen
deutlich die Störung durch die Spaltenpulse. Aus Fig. 5c kann man einen Kontrast (Verhältnis
von Hell- zu Dunkeltransmission) von knapp 10 : 1 ablesen.
Fig. 6a und b
[0045] Wie Fig. 5 nur bei Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens mit halber Spaltenpulsbreite.
Aus Fig. 6c kann man einen Kontrast von ungefähr 20 : 1 ablesen.
1. Verfahren zur Multiplexadressierung einer FLC-Schaltvorrichtung, bei dem an die Zeilen-
und Spaltenelektroden eine elektrische Pulsfolge so angelegt wird, daß die Informationsübertragung
für einen Bildpunkt in Form eines Schreibpulses erfolgt, der sich aufbaut aus der
Überlagerung von aktivierenden Zeilenpulsen und informationstragenden Spaltenpulsen,
dadurch gekennzeichnet, daß die einzelnen den Schreibpuls aufbauenden Spaltenpulse
zeitlich kürzer sind als die zeitlich zugeordneten aktivierenden Zeilenpulse.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der längste den Schreibpuls
aufbauende Spaltenpuls kürzer ist als der kürzeste diesen Schreibpuls aufbauende Zeilenpuls.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß während der Einwirkung
eines die Information für eine Displayzeile tragenden Spaltenpulses keine weitere
Displayzeile zeilenseitig mit Spannung versehen wird, ausgenommen zum Zwecke des informationsunabhängigen
Löschens.
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die den Schreibpuls aufbauenden
Zeilenpulse hintereinander adressierter Zeilen sich zeitlich überlappen.
5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die den Schreibpuls aufbauende
Spaltenpulse insgesamt im Zeitmittel keinen Gleichspannungsteil besitzen.
6. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Zeilenpulse im Zeitmittel
über eine oder mehrere Bildwechselzeiten keinen Gleichspannungsteil besitzen.
7. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es zur Multiplexadressierung
bistabiler oder multistabiler Flüssigkristalldisplays, die aufgrund ihrer polaren
Symmetrieeigenschatten mittels Pulsadressierung schaltbar sind, eingesetzt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Schreibpulse antisymmetrisch
aufgebaut sind.
9. Verfahren nach Anspruch 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß sich der ferroelektrische
Flüssigkristall in einer bookshelf oder quasi-bookshelf-Geometrie befindet.
10. FLC-Schaltvorrichtung enthaltend ein Multiplexadressierungssystem, bei dem die Informationsübertragung
für einen Bildpunkt in Form eines Schreibpulses erfolgt, dadurch gekennzeichnet, daß
die einzelnen den Schreibpuls aufbauenden Spaltenpulse zeitlich kürzer sind als die
zeitlich zugeordneten aktivierenden Zeilenpulse.