Gegenstand der Erfindung
[0001] Die Erfindung umfaßt Gegenstände, bestehend aus einem Gemisch aus Styrol als monomeren
Bestandteil enthaltendem Polymerisat und einem Flammschutzmittel, versehen mit einem
Überzug aus einem Poly(meth)acrylat, das mit dem Gemisch aus styrolhaltigem Polymerisat
und Flammschutzmittel verträglich ist.
Stand der Technik
[0002] In der Regel gelten unterschiedliche Polymerspecies als nicht miteinander verträglich,
d.h. unterschiedliche Polymerspecies bilden bis hinab zu geringen Anteilen einer Komponente
im allgemeinen keine homogene Phase aus, die durch völlige Mischbarkeit der Komponenten
charakterisiert wäre.
[0003] Unter gewissen Voraussetzungen sind Copolymerisate aus Styrol und Maleinsäureanhydrid,
sowie aus Styrol und Acrylnitril mit Polymethylmethacrylat (PMMA) verträglich (DE-A
20 24 940), wobei die verbesserten Gebrauchseigenschaften dieser Formmassen hervorgehoben
werden. Copolymerisate aus Styrol und Monomeren, die zur Wasserstoffbrückenbindungen
befähigte Hydroxylgruppen aufweisen, sind bei bestimmter Zusammensetzung ebenfalls
mit Polymethacrylaten verträglich, wie zum Beispiel Copolymerisate aus Styrol und
p-(2-Hydroxylhexafluoroisopropyl)styrol (B.I. Min and E.M. Pierce, Organic Coatings
and Plastics Chemistry
45, Seiten 58 bis 64, 1981) oder Copolymerisate aus Styrol und Allylalkohol (F. Cangelosi
and M.T. Shaw, Polymer Preprints (Am. Chem. Soc. Div. Polym. Chem.
24, Seiten 258, 259, 1983).
[0004] Neuere Ergebnisse über styrolhaltige "Polymer Blends" und deren mögliche Anwendungen
werden von L.M. Robeson in Polym. Eng. Sci.
24 (8), Seiten 587 bis 597 (1984) berichtet.
[0005] Polystyrol sowie andere Styrol enthaltende Polymerisate gelten als mit PMMA unverträglich.
Ebenso sind andere Polymethacrylate und Polyacrylate mit Polystyrol unverträglich.
Dies gilt beispielsweise für Polybutylmethacrylat, Polyisobutylmethacrylat, Polyneopentylmethacrylat,
Polyhexylmethacrylat und viele andere (vgl. hierzu auch R.H. Somani and M.T. Shaw,
Macromolecules 14, Seiten 1549 bis 1554, 1981).
[0006] Mechanische Abmischungen von Polymerisaten (Polyblends) haben in bestimmten Fällen
und auf bestimmten Gebieten der Kunststoffindustrie zu eigenschaftsmäßig verbesserten
Kunststoffprodukten geführt (vgl. Kirk-Othmer, 3rd. Ed. Vol. 18, Seiten 443 bis 478,
J. Wiley, 1982). Die physikalischen Eigenschaften solcher "Polyblends" stellen gewöhnlicherweise
einen Kompromiß dar, der summarisch eine Verbesserung gegenüber den Eigenschaften
der individuellen Polymerisate bedeuten kann. Dabei haben multiphasische Polymermischungen
eine ungleich größere kommerzielle Bedeutung erlangt als die verträglichen Mischungen
(vgl. Kirk-Othmer, loc.cit, Seite 449).
[0007] EP-A 268 040 (= US 4 898 912 und US 5 047 481) beschreibt verträgliche Polymermischungen
aus einer Cyclohexyl(meth)acrylat als Monomeres enthaltenden Polymerisatkomponente
und einer Styrol als Monomeres enthaltenden Polymerisatkomponente. Die angeführten
Polymermischungen sind transparent, weisen eine einheitliche Glasübergangstemperatur
und eine untere kritische Lösungstemperatur auf (Lower Critical Solution Temperature
= LCST; vgl. hierzu DE-A 34 36 476 und DE-A 34 36 477). Anwendung finden diese Polymermischungen
vorzugsweise als extrudierte oder spritzgegossene Formkörper,
[0008] Datenspeicherplatten, optische Gradientenfasern, thermotrope Schutzverglasungen oder
Dispersionsfilme.
[0009] In US 4 906 699 wird ein Schlagzäh-Modifizierungsmittel für Kunststoffe beschrieben,
bestehend aus einem phasenseparierten Elastomeranteil, der eine Glasübergangstemperatur
< 10 Grad C aufweist, und einem darauf gepfropften Anteil aus Copolymerisat, bestehend
aus Methylmethacrylat und (Meth)acrylsäureestern, die, ggfls. substituierte, Cycloalkyleinheiten
als Estersubstituenten enthalten.
[0010] In EP-A 451 809 werden verträgliche Polymermischungen aus einer Cyclopentyl(meth)acrylat
als Monomeres enthaltenden Polymerkomponente und einer Styrol als Monomeres enthaltenden
Polymerkomponente und deren technische Anwendung beschrieben.
[0011] EP-A 455 272 betrifft Gegenstände, die gebildet werden aus einem Styrol als Monomer
enthaltendem Polymer, das mit einem Überzug aus einem Cyclohexyl(meth)acrylat als
Monomer enthaltendem Polymer versehen ist. Das den Überzug bildende Polymerisat enthält
gegebenenfalls UV-Absorber, der auch einpolymerisiert sein kann.
[0012] Die Gegenstände können beispielsweise spritzgegossene oder extrudierte Formkörper,
Datenspeicherplatten oder optische Gradientenfasern sein.
[0013] In US-P 3,368,916 wird ein flammfest ausgerüstetes Polystyrol-Material beschrieben,
das durch Einbau von organischen Zinn-Verbindungen sich erst oberhalb von 450°F (=
232°C) zersetzt. Es ist mit einer UV-Schutzschicht auf Basis (Meth)acrylat ausgerüstet,
die aber mit dem Polystyrol-Material umverträglich ist.
Aufgabe und Lösung
[0014] Für eine Reihe von Anwendungen wie beispielsweise im Hausbau, Flugzeugbau, Automobilsektor
oder im Maschinengehäusebau sind flammfeste Polymerisate vorgeschrieben. Hierbei sind
insbesondere flammfeste Polymerisate erwünscht, die gleichzeitig hohe Transparenz
und Witterungsstabilität aufweisen. So weisen beispielsweise Polymere, die einen hohen
Anteil an aromatischen Strukturen neben einem niedrigen Anteil an leicht oxidierbaren
Steitengruppen aufweisen, eine relativ hohe Flammfestigkeit auf (vgl. hierzu Kirk-Othmer,
Encyclopedia of Chemical Technology, 3rd. Ed., Vol. 10, Seiten 348 - 355, J. Wiley,
1980). Aromatische Polyimide haben eine hervorragende Flammfestigkeit, zeigen aber
demgegenüber schlechte Witterungsbeständigkeit und schlechte thermoplastische Verarbeitbarkeit.
[0015] Styrol-haltige Polymerisate, wie beispielsweise Polystyrol, schlagzähmodifizierte
Polystyrole oder Acrylnitril-Butadien-Styrol-Terpolymerisate (ABS), die oft für oben
genannte Anwendungen eingesetzt werden, weisen zwar auch einen hohen Anteil an aromatischen
Strukturen auf, müssen aber aufgrund ihres ebenfalls hohen Anteils an leicht oxidierbaren
Gruppen mit Flammschutzmitteln stabilisiert werden (Kirk-Othmer, loc.cit, Seite 350).
Üblicherweise werden hierfür bis zu 30 Gew.-% an Flammschutzmittel dem Styrol-haltigen
Polymerisat zugemischt (Kirk-Othmer, loc.cit. Seite 382). Eine Zugabe von Flammschutzmittel
in dieser Größenordnung verändert die Polymerisat-Eigenschaften substantiell, wobei
das Flammschutzmittel in vielen Fällen maßgeschneidert werden muß. Oben genannte Styrol-haltige
Polymerisate sind gegenüber witterungsbedingter Lichteinwirkung, wie insbesondere
UV-Strahlung, labil, was sich in einer unerwünscht starken Vergilbung äußert.
[0016] Die resultierende Aufgabe, Styrol-haltige Polymerisate mit guter Flammfestigkeit
und guter Witterungsstabilität bzw. daraus bestehende Formkörper herzustellen, wird
überraschenderweise durch die vorliegende Erfindung gelöst.
[0017] Die Erfindung betrifft flammfeste und witterungsbeständige Gegenstände, die B1-Brandfestigkeit
nach DIN 4102 besitzen, gebildet aus einem Gemisch von 70 bis 99,9 Gew.-Teilen eines
Polymerisats A, enthaltend 20 bis 100 Gew.-% Styrol-Einheiten mit 0,1 bis 30 Gew.-Teilen
eines mit A verträglichen Flammschutzmittels B als Kernmaterial, welches mit einem
Überzug mit einer Dicke von 1 - 200 µm eines, mit dem Gemisch aus A und B verträglichen
Poly(meth)acrylats C, enthaltend 10 bis 100 Gew.-% von Monomeren der Formel I

worin:
- R1
- für Wasserstoff, Methyl und
- R2
- für einen gegebenenfalls substituierten Cycloalkylrest mit 5 bis 8 Kohlenstoffatomen
oder einen nichtaromatischen, ringkohlenstoffhaltigen Heteroyclus mit 4 bis 12 Ringatomen
und wenigstens 2 Heteroatomen X = 0, S, NH, wobei die Heteroatome nicht nebeneinander
stehen dürfen, steht, versehen ist, wobei das Poly(meth)acrylat C kein Flammschutzmittel,
aber einen gegebenenfalls einpolymerisierten UV-Absorber in Anteilen von 0,1 bis 20
Gew.-% bezogen auf C enthält, und wobei das Polymerisat A einen Anteil von Monomeren
aus der Gruppe (Meth)acrylnitril, Maleinsäureanhydrid und Maleinsäureimiden unter
10 Gew.-% aufweist.
Polymerisat A, Flammschutzmittel B und Poly(meth)acrylat C sind, wie aus dem weiteren
hervorgeht, gemäß ihren bestimmenden Komponenten eindeutig voneinander verschieden,
so daß nach den Erfahrungen des Standes der Technik völlige Verträglichkeit bei dem
vorliegenden ternären System, gebildet aus A, B und C, nicht zu erwarten war. Nach
den vorliegenden Befunden ist die Verträglichkeit der aus A, B und C gebildeten Mischungen
sogar so gut, daß in einigen Fällen bei 200 Grad C und darüber keine Entmischung auftritt.
Durchführung der Erfindung
Das Polymerisat A
[0018] Der Styrolgehalt am Polymerisat A beträgt wenigstens 20 Gew.-%, bevorzugt wenigstens
50 Gew.-%, besonders bevorzugt wenigstens 90 Gew.-% und ganz besonders bevorzugt wenigstens
99 Gew.-%. Das Styrol im Polymerisat A kann zu einigen Gew.-%, z.B. 10 Gew.-%, durch
p-Methylstyrol substituiert werden. Weiterhin ist in gewissem Umfang ein Austausch
des Styrols durch andere alkylsubstituierte, insbesondere C
1- bzw. C
4-substituierte Styrole, wie beispielsweise m-Methylstyrol oder p-tert.-Butyl-Styrol,
möglich. Ebenso kann Styrol durch Ester der Acrylsäure und der Methacrylsäure teilweise
ersetzt werden, vor allem durch Ester von C
1- bis C
18-Alkoholen, vorzugsweise von C
1- bis C
8-Alkoholen. Ferner kann das Styrol in untergeordneter Menge durch andere Vinylverbindungen,
insbesondere Vinylester, ersetzt werden, wie z.B. Vinylacetat und Vinylpropionat.
Während die Polymerisationskomponente A mit anderen hydrophoben Vinylverbindungen
also weitestgehend modifiziert werden kann, ist der Anteil an sehr polaren Monomeren,
wie beispielsweise (Meth)acrylnitril, Maleinsäureanhydrid, Maleinsäureimiden, p-(2-Hydroxylhexafluoroisopropyl)styrol
oder Allylalkohol sehr begrenzt. Der Anteil dieser polaren Monomeren sollte von 0
bis unter 10 Gew.-%, vorzugsweise unter 5 Gew.-% am Polystyrol A betragen. Besonders
bevorzugt sind solche Polymerisate A, die weniger als 0,1 Gew.-% dieser polaren Monomeren
enthalten, vorzugsweise 0 Gew.-%. Weiterhin können als Polymerisat A beispielsweise
schlagzähe Polystyrole, z.B. Styrol-Butadien-Copolymerisate, Elastomer-modifizierte
Copolymere aus Styrol und Methylmethacrylat oder andere High-Impact-Polystyrol (HIPS)-Typen
verwendet werden (vgl. hierzu Kirk-Othmer, Encyclopedia of Chemical Technology, 3rd.
Ed., Vol. 21, Seiten 801 bis 847, J. Wiley 1983). Vorzugsweise sind oben genannte
Polymerisate A transparent, wie beispielsweise Polystyrol oder Styrol-Butadien-Styrol
(SBS)-Triblock-Copolymere.
Das Flammschutzmittel B
[0019] Flammschutzmittel B lassen sich in drei Hauptklassen unterteilen: anorganische Verbindungen,
organische halogenhaltige Verbindungen und phosphorhaltige Verbindungen (vgl. hierzu
Kirk-Othmer, loc.cit., Seiten 348 bis 419). Für die Styrol-haltigen Polymerisate A
kommen als Flammschutzmittel B vorzugsweise Kombinationen aus Antimontrioxid und halogenhaltigem
Additiv, Aluminiumtrihydrat, Hexabromcyclododecan, Tris-(2-Chlorethyl)phosphat, Tris-(1,3-Dichlor-2-propyl)phosphat
oder Tris-(2,3-Dibrom-1-propyl)phosphat. Besonders bevorzugt werden Flammschutzmittel
B, die bei transparenten Styrol-haltigen Polymerisaten A nach dem Einmischen die Lichtdurchlässigkeit
nicht deutlich reduzieren, wie beispielsweise die Kombination von Polystyrol (A) und
Hexabromcyclododecan (B).
[0020] Die Einarbeitung der Flammschutzmittel B in das Polymerisat A erfolgt beispielsweise
durch Schmelzemischen im Kneter oder im Extruder, durch Beschichten oder durch Copolymerisation
(vgl. Kirk-Othmer, loc.cit., Seite 349).
Das Polymerisat C
[0021] Als Monomere der Formel I werden vorzugsweise Cyclohexylmethacrylat, Cyclohexylacrylat,
Cyclopentylmethacrylat und/oder 2,2-Dimethyl-1,3-dioxolan-4-ylmethylmethacrylat verwendet,
wobei besonders bevorzugt Cyclohexylmethacrylat und Cyclohexylacrylat Verwendung finden.
Für die Copolymerisation geeignete Comonomere im Polymerisat C, die in Anteilen von
0 bis 90 Gew.-%, bevorzugt von 10 bis 80 Gew.-%, besonders bevorzugt 30 bis 70 Gew.-%,
anwesend sein können, sind Acryl- bzw. Methacrylsäureester, im allgemeinen solche
von nicht alicyclischen Alkoholen mit 1 bis 12 Kohlenstoffatomen, insbesondere Alkanolen.
Besonders genannt sei das Methylmethacrylat als Comonomeres. Der Anteil der Monomere
der Formel I am Gehalt des Polymerisats C liegt in der Regel im Bereich 100 bis 10
Gew.-%, bevorzugt im Bereich 90 bis 20 Gew.-%, besonders bevorzugt im Bereich 70 bis
30 Gew.-%.
[0022] Vorzugsweise sind die Polymerisate C Copolymerisate aus 50 bis 75 Gew.-% Methylmethacrylat,
20 bis 50 Gew.-% Cyclohexylmethacrylat, 0,5 bis 5 Gew.-% Acrylsäureestern von cyclischen
und/oder nicht alicyclischen Alkoholen mit 1 bis 12 Kohlenstoffatomen und gegebenenfalls
weiteren 0 bis 20 Gew.-% Methacrylsäureestern von nicht alicyclischen Alkoholen mit
3 bis 18 Kohlenstoffatomen.
[0023] Die Polymerisate C können gegebenenfalls mit Elastomerphasen schlagzähmodifiziert
sein. Zur Herstellung von schlagzähmodifizierten (Meth)acrylat-Polymerisationen siehe
beispielsweise DE-A 38 42 796.
[0024] Vorzugsweise soll das Polymerisat C 0,1 bis 20 Gew.-% (bezogen auf Polymerisat C)
mindestens eines UV-Absorbers, der bevorzugt copolymerisiert ist, in zweckmäßiger
Verteilung enthalten. Brauchbare UV-Absorber werden beispielsweise in Kirk-Othmer,
Encyclopedia of Chemical Technology, 3rd. Ed., Vol. 23, Seiten 615 bis 627, J. Wiley
1983; R. Gächter und H. Müller, Taschenbuch der Kunststoff-Additive, Seiten 90 bis
143, Carl Hanser, 1979; Ullmann's Encyclopädie der technischen Chemie, Bd. 15, Seiten
256 bis 260, 4. Aufl., Verlag Chemie, angegeben.
Herstellung der Polymersate A und C
[0025] Die Herstellung der Polymerisate A und C kann nach den bekannten Regeln der Polymerisation
und nach bekannten Verfahren erfolgen.
[0026] Die Polymerisate vom Typ A können beispielsweise nach Houben-Weyl, Methoden der Organischen
Chemie, 4. Aufl., Bd. XIV/1, Seiten 761 bis 841, Georg Thieme Verlag, 1961 hergestellt
werden. Sie sind auch in geeigneter Form im Handel erhältlich. Dabei kann vorzugsweise
das radikalische, aber auch das ionische Polymerisationsverfahren zur Anwendung kommen.
Die mittleren Molekulargewichte M
W (Gewichtsmittel) der erfindungsgemäß eingesetzten Polymerisate A liegen in der Regel
oberhalb von 3 000, vorzugsweise ab oder oberhalb von 5 000, besonders bevorzugt im
Bereich von 5 000 bis 10
6, insbesondere zwischen 2 x 10
4 und 5 x 10
5 Dalton (Bestimmung durch Lichtstreuung). Dabei sei betont, daß die mittleren Molekulargewichte
M
W die Eignung der Polymerisate A nicht kritisch zu beeinflussen scheinen. Dies gilt
sowohl für die Homo- als auch für die Copolymerisate der Typen A und C.
[0027] Für eine Verträglichkeit von Polymerisat A und Polymerisat C ist die Taktizität der
Polymeren von gewisser Bedeutung. In der Regel ist insbesondere ein Polymerisat C
mit einem geringen Anteil an isotaktischen Triaden (wie es beispielsweise durch radikalische
Polymerisation erhalten wird) gegenüber Polymerisaten mit hohem isotaktischen Anteil,
wie es durch spezielle ionische Polymerisation erzeugt wird, bevorzugt.
[0028] Die Herstellung der Homo- bzw. Copolymerisate C erfolgt nach bekannten Verfahren
(vgl. hierzu H. Rauch-Puntigam, Th. Völker, Acryl- und Methacrylverbindungen, Springer
Verlag, 1967). Wenn auch prinzipiell eine Herstellung durch anionische oder Group-transfer-Polymerisation
[siehe hierzu O.W. Webster et al., J. Am. Chem. Soc.
105, 5706 (1983)] möglich ist, so ist doch die radikalische Polymerisation die bevorzugte
Herstellungsform. Die mittleren Molekulargewichte M
W der Polymerisate C liegen in der Regel oberhalb von 3 000, vorzugsweise oberhalb
von 5 000, im allgemeinen vorzugsweise im Bereich von 10
4 bis 10
6, besonders vorzugsweise im Bereich von 2 x 10
4 bis 5 x 10
5, insbesondere im Bereich von 2 x 10
4 bis 3 x 10
5 Dalton (Lichtstreuung). Bei der Auswahl der Monomerkomponenten, die als Comonomere
für das Polymerisat C eingesetzt werden sollen, ist darauf zu achten, daß die Glasübergangstemperatur
des resultierenden Polymerisats C die technische Anwendbarkeit nicht einschränkend
beeinflußt.
Die Beschichtung der Mischung aus A und B mit Polymerisat C
[0029] Die erfindungsgemäßen als Beschichtungen für Substratmaterialien, bestehend aus Gemischen
von Polymerisat A und Flammschutzmittel B, wegen ihrer guten Haftung ausgezeichneten
Poly(meth)acrylate C bilden entsprechend der Kriterien der einheitlichen Glasübergangstemperatur
oder der "optischen Methode" (Klarheit eines aus homogener Lösung des Polymergemischs
gegossenen Films, vgl. Brandrup, Immergut, Polymer Handbook, 2nd Ed., III; Seite 211,
J. Wiley, 1975) mit den Gemischen aus A und B verträgliche Polymermischungen. Als
ein weiterer Test für die Mischbarkeit wird das Auftreten der unteren kritischen Lösungstemperatur
(Lower Critical Solution Temperature = LCST) herangezogen (vgl. hierzu US 3 253 060,
US 3 458 291). Das Auftreten der LCST beruht darauf, daß sich beim Erwärmen eine bis
dahin klare, homogene Polymermischung in Phasen auftrennt und dabei optisch trübe
bis opak wird. Nach der Literatur stellt dieses Verhalten einen Beweis dafür dar,
daß die ursprüngliche Polymermischung aus einer einzigen, im thermodynamischen Gleichgewicht
befindlichen homogenen Phase bestanden hatte.
[0030] Die Polymermischungen, bestehend aus A, B und C, sind überraschenderweise homogen
und weisen Entmischungstemperaturen von ≥ 120 Grad C, bevorzugt ≥ 150 Grad C auf.
Experimentell wird hierbei der Trübungspunkt (Trübungstemperatur = Phasenübergang
homogen-heterogen) bestimmt, beispielsweise auf der Kofler-Heizbank (Chem. Ing. Technik,
1950, Seite 289).
[0031] Die Deckschicht, bestehend aus Poly(meth)acrylat C, weist aufgrund ihrer Verträglichkeit
eine ausgezeichnete Haftung auf dem Substrat, bestehend aus Polymerisat A und Flammschutzmittel
B, auf und wird durch Coextrusion oder Lackierung in Schichtdicken von 1 bis 500 µm,
in der Regel von 1 bis 200 µm, vor allem in Schichtdicken bis etwa 100 µm nach ansonsten
bekannten Techniken aufgebracht. Bei der Extrusionstechnik verwendet man beispielsweise
bekannte Mehrstoff-Schlitzdüsen. Die Extrusion erfolgt beispielsweise bei Temperaturen
zwischen 150 und 300 Grad C. Die Deckschicht kann auch durch Lackierung aufgetragen
werden. Beispielsweise können hierzu halqgenierte Lösungsmittel, wie z.B. Chloroform,
oder auch halogenfreie Lösungsmittel, wie z.B. 1-Methoxypropanol-2, verwendet werden.
Vorteilhafte Wirkungen der Erfindung
[0032] Der Verbund aus Stubstrat, bestehend aus Polymerisat A und Flammschutzmittel B, und
Deckschicht, bestehend aus Poly(meth)acrylat C weist überraschend gute Brandfestigkeiten
trotz der nicht flammfest ausgerüsteten Poly(meth)acrylatschicht (C) auf. Die Brandfestigkeit
des Verbundes entspricht in der Regel der Brandfestigkeit des Gemischs aus Polymerisat
A und Flammschutzmittel B.
[0033] Da in der Deckschicht bestehend aus Polymerisat C UV-Absorber enthalten sind, die
einpolymerisiert oder in niedermolekularer Form eingemischt sein können, so ist ein
wirksamer Schutz von Substraten, die UV-labile Polymerisate A, wie beispielsweise
Polystyrole oder Mischungen aus Polystyrolen und Polyphenylenethern, enthalten, gegen
UV-induzierte Eigenschaftsbeeinträchtigungen wie beispielsweise Verfärbung, Eintrübung
und/oder Verlust an mechanischen Eigenschaften, möglich. Wichtig ist dies insbesondere
bei transparenten Substratmaterialien, wie z.B. transparentes, flammfestes Polystyrol.
[0034] Platten, bei denen das Substrat einen höheren Brechungsindex aufweist als die Deckschicht,
wie beispielsweise Poly(meth)acrylat-Schichten auf flammfestem Polystyrol, weisen
gegenüber dem unbeschichteten Substrat eine verbesserte Lichtdurchlässigkeit auf.
Besonders interessant sind hierbei mehrfachbeschichtete Stegmehrfachplatten, wie sie
beispielsweise zur Verglasung von Gewächshäusern eingesetzt werden. Bei einer Mehrfachbeschichtung
kann die Lichtdurchlässigkeit deutlich verbessert werden (vgl. hierzug beispielsweise
deutsches Gebrauchsmuster G 85 14 365.0).
[0035] In der Regel weisen Substratmaterialien mit geringer Kratzfestigkeit und/oder geringer
Korrosionsbeständigkeit, wie beispielsweise Polystyrol, nach dem Beschichten mit Poly(meth)acrylat
C bessere Kratzfestigkeit und veränderte Korrosionseigenschaften auf.
[0036] Das ansonsten gravierende Problem der Wiederverwendung heterogen beschichteter Kunststoffabfälle
entfällt, da Abfälle aufgrund der guten Verträglichkeit wieder eingearbeitet werden
können.
[0037] Die folgenden Beispiele dienen zur Erläuterung der Erfindung.
[0038] Die Bestimmung der Brandfestigkeit erfolgt nach DIN 4102. Die Witterungsbeständigkeit
wird nach DIN 53 387 im Xenotest ermittelt. Die Lichttransmission T
D65 wird nach DIN 5033/5036 bestimmt.
BEISPIELE
Allgemeine Vorschrift zur Synthese des Poly(meth)acrylats C
[0039] Die Monomeren werden beispielsweise unter Zusatz von 0,4 Gew.-Teilen (bezogen auf
die Monomeren) tert.-Butylperpivalat, 0,1 Gew.-Teilen 2,2'-Azobisisobutyronitril und
0,4 Gew.-Teilen Dilauroylperoxid als Polymerisationsinitiatoren sowie 0,5 Gew.-Teilen
Dodecylmercaptan als Molekulargewichtsregler im Folienschlauch 3 Stunden bei 55 Grad
C und 16 Stunden bei 50 Grad C im Wasserbad polymerisiert. Zur Endpolymerisation wird
3 Stunden bei 110 Grad C im Trockenschrank getempert. Das Polymerisat ist farblos
und transparent. Die mittleren Molekulargewichte M
W liegen etwa bei 8 x 10
4 bis 1,2 x 10
5 Dalton je nach Monomerzusammensetzung.
[0040] Anschließend werden die solchermaßen hergestellten Polymerisate gemahlen.
Beispiel 1
Beschichtung einer flammfesten Polystyrol-Stegdoppelplatte mit Poly(meth)acrylat C
[0041] Eine Monomerenmischung bestehend aus Methylmethacrylat, Cyclohexylmethacrylat, Methylacrylat
und 2-(2'-Hydroxyphenyl)-5-methacrylamido-benzotriazol (HPMAB) wurde gemäß obiger
Vorschrift polymerisiert und gemahlen.
[0042] Die Zusammensetzung des Poly(meth)acrylats C lautet:
58 Gew.-% Methylmethacrylat
35 Gew.-% Cyclohexylmethacrylat
5 Gew.-% HPMAB
2 Gew.-% Methylacrylat
[0043] Das Polymerisat C wird gemahlen und nach Extrusion nebst Monomerenentgasung granuliert.
[0044] Die solchermaßen erhaltene Formulierung wird in Coextrusion in einem Extrusionswerkzeug
mittels einer Mehrkanal-Düse auf Stegdoppelplatten (SDP), bestehend aus einem brandgeschützten
Polystyrol (Polystyrol ® 158 KWU, BASF, B1-Brandfestigkeit nach DIN 4102) aufgebracht.
[0045] Die Dicke der Coextrusionsschicht beträgt 20 bis 100 µm, wobei die Dicke über den
Gurten im allgemeinen an der unteren Grenze liegt.
Beispiel 2
Bewitterung der nach Beispiel 1 beschichteten SDP
[0046] Nach Beispiel 1 beschichtete SDP zeigen nach 5 000 Stunden Xenotest keine signifikante
Vergilbung oder Eintrübung. Unbeschichtetes Substratmaterial ist bereits nach 500
Stunden Xenotest merklich gelbstichig und matt.
Beispiel 3
Brandfestigkeitstest an der nach Beispiel 1 beschichteten SDP
[0047] Nach Beispiel 1 beschichtete SDP zeigen nach DIN 4102 ebenso wie die unbeschichteten
Substrat-SDP B1-Brandfestigkeit.
Beispiel 4
Transparenz der nach Beispiel 1 beschichteten SDP
[0048] Der Transmissionsgrad T
D65/10 am Obergurt der beschichteten SDP beträgt nach DIN 5033/5036 90,6 % bei einer Obergurtdicke
von 1,8 mm.
[0049] Vergleichsweise beträgt T
D65/10 am Obergurt einer unbeschichteten SDP 90,5 %, allerdings bei einer geringeren Obergurtdicke
von 1,5 mm.
Beispiel 5
Wiedereinarbeitbarkeit von Abfällen der nach Beispiel 1 beschichteten SDP
[0050] Polystyrol wird zu 20 Gew.-% mit gemahlenen Plattenabfällen der beschichteten SDP-Abschnitte
in der Schmelze gemischt und granuliert. Diese Mischung wird wiederum zu einer SDP
extrudiert und gemäß Beispiel 1 beschichtet. Die Eigenschaften der so erhaltenen SDP
entsprechen denen der gemäß Beispiel 1 erhaltenen beschichteten SDP.