[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Gießen von höchstlegierten Stählen auf Kreisbogen-Stranggießanlagen,
wobei die Stahlschmelze durch eine wassergekühlte Kokille geführt wird, aus der ein
oberflächig erstarrter Stahlstrang austritt, der unter Beaufschlagung von Kühlmitteln
zur weiteren Erstarrung gekühlt, über Stützrollen kreisförmig umgelenkt und anschließend
über eine Mehrpunktbiegeeinrichtung vom Kreisbogen wieder in die Horizontale zurückgebogen
wird.
[0002] Höchstlegierte Stähle, wie die austenitischen oder ferritischen Chrom-Nickel-, Nickel-Chrom-
oder 13%igen Chromstähle, denen je nach Einsatz und Beanspruchung noch Molybdän, Vanadin,
Wolfram, Silizium oder Aluminium als weitere Legierungskomponente zugesetzt sind,
und die als rost- und säurebeständige, als hochwarmfeste oder zunderbeständige Stähle
und Werkzeugstähle Verwendung finden, erstarren umwandlungsfrei: Je nach der chemischen
Zusammensetzung scheiden sich während der Erstarrung Karbide und andere Phasen aus,
die sich metallurgisch im Gefüge der Stahllegierung in ihrer Zusammensetzung von der
Grundmatrix erheblich unterscheiden und sich ungünstig auf Zähigkeit und Formänderungsvermögen
auswirken. Spannungen, die während des Erstarrens, Erkaltens und Warmumformens, insbesondere
während des Richtens dieser Stähle auftreten, führen leicht zu Aufreißungen zwischen
den Grenzflächen der Kristalle.
[0003] Deshalb gelten diese Stähle als sehr anfällig gegen Oberflächenrisse, und sie lassen
sich trotz erheblicher Anstrengungen und Erfolge zur Begrenzung der Spannungsspitzen
bei der Kühlung und dem Richten in Kreisbogenanlagen nur unter großen Schwierigkeiten
abgießen. Diese Stähle werden deshalb bei Erzeugung über Strangguß vornehmlich auf
Senkrecht- oder Horizontal-Stranggießanlagen abgegossen. Beide Anlagentypen arbeiten
nach Verfahren, die hin-sichtlich der Erstarrung des Stahles ohne Rißbildung an der
Strangoberfläche optimiert sind, und die ohne das bei Kreisbogenanlagen erforderliche
Richten der Stränge auskommen. Allerdings verfügen diese Anlagen nur über ein begrenztes
Kapazitätsangebot in t/h.
[0004] Senkrecht-Stranggießanlagen für größere Abmessungen und Leistungen würden dagegen
unwirtschaftlich hohe Investitionen erfordern und hätten wegen der für diesen Stahlmarkenbereich
geringen Erzeugungsmengen in t/Monat keine ausreichende Auslastung. Deshalb wer-den
höchstlegierte Stäble heute noch aus Losgrößenüberlegungen in vielen Fällen als Schmiedeblöcke
oder Walzblöcke abgegossen. Die Erzeugung der Blöcke und ihre Bearbei-tung für ihren
Einsatz in die nächste Fertigungsstufe und das Verformen sind aufwendig und belasten
die Fertigerzeugnisse mit sehr hohen Herstellkosten.
[0005] Aus dem Buch "Stahlstrang-Gießanlagen" von H.G. Baumann 1976, Verlag Stahleisen,
Düsseldorf, Seiten 86 bis 93 sind u.a. Programme für das rechnergestützte Konstruieren
von Gießanlagen bekannt. Baumann will in erster Linie den Konstrukteur von Stahlstrang-Gießanlagen
Hilfen zur Bemessung der verschiedenen Aggregate geben. Dazu werden in diesem Buch
aus der Sicht des Konstrukteurs verschiedene Parameter weitgehend berechnet. In diesem
Buch ist nicht zu Verfahrensfragen des Stranggießens Stellung genommen worden, sondern
es finden sich dort Hinweise für die Konstruktion von Stranggießanlagen.
[0006] Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren anzugeben, das die
fehlerfreie Erzeugung von höchstlegierten Stählen auf solchen Stranggießanlagen erlaubt,
die hinsichtlich des Einsatzes aller im Edelstahlbereich vorkommenden Stahlmarken
und Losgrößen flexibel sind, wobei im Verfahrensablauf dafür Sorge getragen wird,
daß die Stahlmatrix die auftretenden Spannungen aufnehmen kann und Oberflächenrisse
vermieden werden können.
[0007] Die Erfindung gibt ein Verfahren zum Gießen von höchstlegierten Stählen auf Kreisbogen-Stranggießanlagen
an die Hand, wobei die Stahlschmelze durch eine wassergekühlte Kokille geführt wird,
aus der ein oberflächig erstarrter Stahlstrang austritt, der unter Beaufschlagung
von Kühlmitteln zur weiteren Erstarrung gekühlt, über Stützrollen kreisförmig umgelenkt
und anschließend über eine Mehrpunktbiegeeinrichtung vom Kreisbogen wieder in die
Horizontale zurückgebogen wird, wobei im Bereich der Mehrpunktbiegeeinrichtung die
Strangtemperaturen über die Dicke des Strangquerschnitts ermittelt werden und unter
Berücksichtigung der aus an sich bekannten Heiß-Umformversuchen in Form von Fließkurven
ermittelten Fließspannungen in Abhängigkeit von der Umformgeschwindigkeit und der
Strangtemperatur die Richtkraft für die Mindestverformung berechnet wird, die erforderlich
ist, um den Stahlstrang in der Mehrpunktbiegeeinrichtung vom Kreisbogen in die Horizontale
zurückzubiegen, und daß ein Soll-Ist-Wertevergleich der Richtkraft durchgeführt wird
und bei Über- oder Unterschreiten des rechnerisch ermittelten Grenzwertes der Richtkraft
die Strangtemperatur in der Mehrpunktbiegeeinrichtung durch Erhöhen oder Zurücknehmen
der Sekundärkühlung im Rahmen ihrer Steueningsparameter und weiter durch Erhöhen oder
Zurücknehmen der Gießgeschwindigkeit als Steuerungsparameter für die Strangtemperatur
gesteigert oder abgesenkt wird.
[0008] Die mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbesondere darin, daß eine moderne
Technologie zur Verfügung gestellt wird, die die Erzeugung von rißempfindlichen, höchstlegierten
Stählen fehlerfrei und kostengünstig auf den für die Erzeugung von Edelstählen bewährten
Kreisbogen-Stranggießanlagen gestattet.
[0009] Im folgenden wird die Erfindung näher beschrieben und anhand einer Zeichnung erläutert.
[0010] Das Bestreben, Energie-, Betriebs- und Investitionskosten zu sparen sowie die Qualität
der Produkte zu steigern, führte in der Stahlindustrie zur Umstellung von Block- auf
Strangguß. Trotz verfeinerter Prozeßsteuerung beim Stranggießen wird bei einer Reihe
von Stählen, insbesondere bei den höchstlegierten Stählen, eine fehlerfreie Erzeugung
noch nicht sicher beherrscht. Weitere Parameter wichtiger Einflußgrößen müssen zur
Optimierung der Fertigung herangezogen werden.
[0011] Erfindungsgemäß ist es vorgesehen, schonende, auf die jeweilige Stahlmarke, das zu
gießende Format und die Gießgeschwindigkeit bzw. Strangkühlung abgestimmte Richtoperationen
beim Geradebiegen des auf Kreisbogen-Stranggießanlagen erzeugten bogenförmigen Stahlstranges
im Bereich einer Mehrpunktbiegeeinrichtung durchzuführen, um die gefürchtete Oberflächenrißbildung
in den Strängen besser zu beherrschen. Die Erfindung schlägt vor, die Richtkraft für
das Geradebiegen des gebogenen Stahlstranges zu berechnen unter der Vorgabe, die dabei
auftretenden Spannungen so zu begrenzen, daß die Stahlmatrix sie ohne Trennungen aufnehmen
kann. Einen Beitrag dazu liefern die bekannten Heißzugversuche zur Ermittlung der
Hochtemperaturfestigkeits- und - zähigkeitseigenschaften der Stähle, die als Spannungs-Dehnungs-Kurven
aufgenommen werden, und deren Kenntnis Hinweise auf den Kraft- und Arbeitsbedarf von
Umformeinrichtungen sowie auf die maximal zulässigen Verformungen ohne Werkstoffschädigungen
gibt.
[0012] Die derart gewonnenen Hochtemperatur-Werkstoffeigenschaften werden den Strangtemperaturen
zugeordnet, die gemäß der Erfindung im Bereich des Richtpunktes über den Strangquerschnitt
ermittelt werden, beispielsweise dadurch, daß die Strangoberflächentemperatur gemessen
und daraus das Temperaturprofil über den Strangquerschnitt berechnet wird. Aus diesen
Vorgaben wird unter Berücksichtigung der Gießbedingungen und der Strangformate die
Richtkraft errechnet, die benötigt wird, um den Stahlstrang vom Kreisbogen über eine
Mehrpunktbiegeeinrichtung in die Horizontale zurückzubiegen. In der Figur ist ein
Blockdiagramm dargestellt, aus dem entnommen werden kann, in welcher Weise die Hochtemperatureigenschaften
eines Stahles zur Ermittlung der über die Richttemperaturen beeinflußbaren und damit
durch die Gießbedingungen und die Strangkühlung regelbare, erforderliche Richtkraft
und Richtarbeit herangezogen werden können.
[0013] Eine vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung sieht einen Soll-Ist-Wertevergleich
der Richtkraft vor, mit dessen Hilfe eine Steuerung der Gießgeschwindigkeit und/oder
der Strangkühlung vorgenommen wird, wie ebenfalls in der Figur gezeigt wird. Steigt
die benötigte Richtkraft über den berechneten Grenzwert für den benötigten Verformungsaufwand
hinaus an, kann durch die Erhöhung der Gießgeschwindigkeit und/oder die Anpassung
der Strangkühlung die Richttemperatur entsprechend gesteigert werden und damit die
benötigte Richtkraft niedriger ausfallen und dem aus den Werkstoffeigenschaften hergeleiteten
Grenzwert angepaßt werden.
[0014] Wird dagegen die benötigte Richtkraft im Soll-Ist-Wertevergleich unterschritten,
muß die Gießgeschwindigkeit zurückgenommen und/oder die Strangkühlung entsprechend
angepaßt werden. Damit wird die Richttemperatur abgesenkt und die für das Erzielen
eines geraden Stranges erforderliche Mindestverformung nicht überschritten.
[0015] Es liegt im Sinne der Erfindung, daß das Verfahren nicht allein auf das Richten von
gegossenen Stahlsträngen beschränkt bleibt, die in der Biegeeinrichtung bereits vollständig
erstarrt sind. Das erfindungsgemäße Verfahren läßt sich ohne jegliche Einschränkung
auch auf das Richten von teilerstarrten Strängen anwenden, die eine erstarrte Randzone
und einen noch flüssigen Kernbereich aufweisen. In diesem Fall wird die Festigkeit
der erstarrten Randzone im Bereich des Richtpunktes nach dem beschriebenen Verfahren
ermittelt und für die Errechnung der erforderlichen Richtkraft bzw. Richtarbeit herangezogen.
Das Richten von teilerstarrten Stahlsträngen erfordert eine geringere Richtverformung
als vollständig erstarrte Stränge, so daß die Verformung insgesamt schonender erfolgen
kann. Dies wirkt sich auch vorteilhaft beim Richten von hochwarmfesten Stählen auf
die Anlagenteile der Mehrpunktbiegeeinrichtung aus, die geringeren Beanspruchungen
ausgesetzt sind.
[0016] Die Auslegung und Steuerung der Stranggießanlage muß diesen Anforderungen Rechnung
tragen. Es müssen deshalb in Abhängigkeit von der Stahlmarke und dem zu gießenden
Format unterschiedliche Gießgeschwindigkeiten und Regelungsmöglichkeiten der Strangkühlung
eingestellt werden können, und es ist dafür Sorge zu tragen, daß Erstarrungsverhalten,
entstehende Spannungszustände und die Wärmeabfuhr aufeinander abgestimmt und geregelt
werden können. Mit dieser Regelung werden die Stahlstränge auf die denkbar schonendste
Weise beim Richten behandelt, so daß Oberflächenrisse weitgehend ausgeschlossen werden
können.
[0017] Zur Ermittlung der Richtkraft, die im Bereich der Mehrpunktbiegeeinrichtung auf den
Stahlstrang übertragen wird, bietet sich vorteilhaft das in der EP-OS 0 315 043 beschriebene
Verfahren zur Walzkraftmessung an Walzwerkswalzen an, das ohne weiteres übernommen
werden kann und das einen Vergleich der tatsächlich vorliegenden Kraft mit der maximal
zulässigen Kraft durchführt, der ein Anspruch des beschriebenen, erfindungsgemäßen
Verfahrens ist.
1. Verfahren zum Gießen von höchstlegierten Stählen auf Kreisbogen-Stranggießanlagen,
wobei die Stahlschmelze durch eine wassergekühlte Kokille geführt wird, aus der ein
oberflächig erstarrter Stahlstrang austritt, der unter Beaufschlagung von Kühlmitteln
zur weiteren Erstarrung gekühlt, über Stützrollen kreisförmig umgelenkt und anschließend
über eine Mehrpunktbiegeeinrichtung vom Kreisbogen wieder in die Horizontale zurückgebogen
wird, wobei im Bereich der Mehrpunktbiegeeinrichtung die Strangtemperaturen über die
Dicke des Strangquerschnitts ermittelt werden und unter Berücksichtigung der aus an
sich bekannten Heiß-Unformversuchen in Form voll Fließkurven ermittelten Fließspannungen
in Abhängigkeit von der Uniformgeschwindigkeit und der Strangtemperatur die Richtkraft
für die Mindestverformung berechnet wird, die erforderlich ist, um den Stahlstrang
in der Mehrpunktbiegeeinrichtung vom Kreisbogen in die Horizontale zurückzubiegen,
und daß ein Soll-Ist-Wertevergleich der Richtkraft durchgeführt wird und bei Über-
oder Unterschreiten des rechnerisch ermittelten Grenzwertes der Richtkraft die Strangtemperatur
in der Mehrpunktbiegeeinrichtung durch Erhöhen oder Zurücknehmen der Sekundärkühlung
im Rahmen ihrer Steuerungsparameter und weiter durch Erhöhen oder Zurücknehmen der
Gießgeschwindigkeit als Steuerungsparameter für die Strangtemperatur gesteigert oder
abgesenkt wird.
1. A method of casting very-high-alloy steels in circular-arc continuous casters, the
molten steel being passed through a water-cooled mould from which a superficially
solidified steel strand exits, said steel strand then being exposed to a coolant to
promote further solidification, being bent circularly by way of supporting rolls and
subsequently bent back to the horizontal position again by way of a multi-point straightening
mechanism, the temperatures across the transverse section of the strand being determined
in the region of the multi-point straightening mechanism and the bending moment for
the minimum deformation necessary to bend the curved steel strand back to the horizontal
position in the multi-point straightening mechanism being computed from the yield
stresses obtained through the stress-strain curves of familiar high-temperature forming
tests, as a function of the forming rate, and from the temperature of the strand,
and a variance comparison being carried out for the bending moment and, if the measured
bending moment falls short of or exceeds the computed limiting value thereof, the
strand temperature in the multi-point straightening mechanism being raised or lowered
by increasing or reducing the secondary cooling as one control parameter and also
by increasing or reducing the pouring rate as another control parameter for the strand
temperature.
1. Procédé pour le coulage d'aciers hautement alliés dans des installations de coulée
continue en arc de cercle, l'acier fondu étant conduit à travers une coquille refroidie
à l'eau d'où sort une coulée d'acier solidifiée superficiellement, ladite coulée d'acier
étant ensuite refroidie afin de poursuivre la solidification, puis cintrée en arc
de cercle par passage sur des rouleaux d'appui et finalement redressée à l'horizontale
par un dispositif de redressement multipoints, les températures de la coulée d'acier
sur la section transversale étant mesurées dans la région du dispositif de redressement
multipoints et la force de redressement pour la déformation minimum nécessaire pour
redresser à l'horizontale la coulée d'acier en arc de cercle à l'aide du dispositif
de redressement multipoints étant calculée en tenant compte des contraintes à la limite
élastique déterminées à partir des essais de déformation à sous forme de courbes d'écoulement,
en soi connues, en fonction de la vitesse de déformation et de la température de la
coulée d'acier, la valeur réelle de la force de redressement étant comparée à la valeur
théorique, et la température de la coulée d'acier dans le dispositif de redressement
multipoints étant augmentée ou diminuée par augmentation ou réduction du refroidissement
secondaire dans le cadre de ses paramètres de contrôle ainsi que par augmentation
ou par réduction de la vitesse de coulée comme paramètre de contrôle de la température
de la coulée lorsque la valeur mesurée de la force de redressement est inférieure
ou supérieure à la valeur moyenne obtenue par calcul.