(57) Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen nahtloser Rohre, nach dem Stopfenwalzenverfahren,
bei dem ein Hohlblock über einen feststehenden, sich an einer Stange abstützenden
Stopfen in einem Walzgerüst geschlossenem Kaliber in mindestens zwei Stichen zu einer
Luppe aufgeweitet und gestreckt wird, wobei nach jedem Stich die Luppe mittels eines
Treibapparates von der Stange entgegen der Walzrichtung abgezogen und vor dem folgenden
Stich um 90
o um die Längsachsen gedreht wird, wobei der Stopfen nach jedem Stich gewechselt wird.
Um ein Stopfenwalzverfahren herkömmlicher Art so zu modifizieren, daß auf die Glättwalzanlagen
und den Nachwärmofen verzichtet werden kann, wird vorgeschlagen, daß bei mehreren
aufeinanderfolgenden Stichen mindestens in einem, vorzugsweise in dem ersten Stich
im Bereich des Kalibergrundes durch Veränderung des Abstandsmaßes der Walzen eine
Wanddicke eingestellt wird, die das Dünnziehen dieses Wandbereiches im darauffolgenden
Walzstich im Sinne einer über den Umfang gleichmäßigen Wanddicke der fertiggewalzten
Stopfenluppe berücksichtigt.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen nahtloser Rohre nach dem Stopfenwalzverfahren
bei dem ein Hohlblock über einen feststehenden, sich an einer Stange abstützenden
Stopfen in einem Walzgerüst mit geschlossenem Kaliber in mindestens zwei Stichen zu
einer Luppe aufgeweitet und gestreckt wird, wobei nach jedem Stich die Luppe mittels
eines Treibapparates von der Stange entgegen der Walzrichtung abgezogen und vor dem
folgenden Stich um 90 Grad um seine Längsachse gedreht wird.
[0002] Bekannte Walzverfahren für die Herstellung nahtloser Stahlrohre unterscheiden sich
in Längs- und Schrägwalzverfahren. Bei Längswalzverfahren ist im Gegensatz zum Schrägwalzverfahren
eine im wesentlichen runde und geschlossene Kaliberform erforderlich, die dem gewünschten
Rohrquerschnitt angepaßt sein muß. Die vorliegende Erfindung beschäftigt sich mit
einem Längswalzverfahren mit Innenwerkzeug, wie es unter dem Namen Stopfenwalzverfahren
bekannt ist.
[0003] Stopfenwalzanlagen sind maßgeblich auf Stiefel zurückzuführen. Stiefelwalzwerke bestanden
ursprünglich aus Lochschrägwalzanlage, Streckschrägwalzanlage Stiefelscher Stopfenwalzanlage
und mindestens einer Glättwalzanlage vor einer nachgeschalteten Reduzierwalzstraße
als Fertigstufe. Weil nach den vielen Verfahrensstufen vom Loch- bis zur Reduzierwalzstraße
am Rohr ein hoher Temperaturverlust auftrat, wurden in der Regel die Rohre nach dem
Glättwalzen noch einmal in einem eigens dafür vorgesehenen Ofen auf Reduzierwalztemperatur
nacherwärmt.
[0004] Die ursprüngliche Stiefel--Stopfenwalzanlage hatte Walzen mit mehreren nebeneinander
eingeschnittenen Kalibern. Später wurden einkalibrige Stopfen-Walzanlagen entwickelt,
weil die mehrkalibrigen Walzen infolge der Durchbiegungen zu Ungenauigkeiten des Walzproduktes
führten.
[0005] Bei bekannten Stopfenwalzwerken wird ein Hohlblock über einen feststehenden, sich
an einer Stange abstützenden Stopfen, vorzugsweise in zwei bis drei Stichen zu einer
Luppe ausgewalzt. Nach jedem Stich wird die Luppe gegen die Walzrichtung durch einen
Treibapparat von der Stange abgezogen und um 90 Grad gedreht dem nächsten Stich zugeführt.
Die Stopfen werden nach jedem Stich gewechselt.
[0006] Heute werden gewöhnlich Stopfen mit kurzer Arbeitslänge eingesetzt, deren Durchmesser
größer als der Innendurchmesser des eingesetzten Hohlblockes ist. Bekannt ist auch
eine Arbeitsweise, bei der der Hohlblock im Innendurchmesser größer ist als der erste
Stopfendurchmesser ist. Im ersten Fall werden die Hohlblöcke über den Stopfen aufgeweitet,
wobei sich günstigere Greifbedingungen der Walzen ergeben. Die Stopfen mit kurzer
Arbeitslänge sind wirtschaftlich, und infolge der günstigen Greifbedingungen lassen
sich höhere Wanddickenabnahmen erreichen. Der Stopfendurchmesser des zweiten Stiches
ist in der Regel etwas größer als der des ersten Stiches, während der dritte Stopfen
gleichgroß oder größer als der zweite sein kann.
[0007] Moderne Rohrwalzverfahren bestehen heute in der Regel aus den Verfahrensschritten
Lochwalzen, Hauptstrecken und Fertigstrecken, wobei das Rohr in einer Hitze fertiggewalzt
wird. Demgegenüber hat das bekannte Stopfenwalzverfahren erhebliche Nachteile. Diese
ergeben sich daraus, daß selbst in einem dritten Stopfenstich die Luppen noch immer
in Längsrichtung der Luppe verlaufende Wandverdickungen aufweisen, so daß die Luppen
nach dem Stopfenwalzen in einer Glättwalzanlage geglättet werden müssen. Meistens
werden zwei Glättwalzanlagen eingesetzt, um die Wandverdickungen zu egalisieren, weil
die Walzgeschwindigkeit dieser Anlage sehr niedrig ist. Die Glättwalzanlagen stellen
gewöhnlich den Engpaß des Walzwerkes dar. Da infolge der geringen Walzgeschwindigkeiten
und während des lang andauernden Walzprozesses die Luppen erheblich an Temperatur
verlieren, werden sie meist vor dem Auswalzen in Maß-, Reduzier- oder Streckreduzierwalzstraßen
nacherwärmt, so daß das Stopfenwalzwerk gegenüber anderen Walzwerken sehr aufwendig
und unwirtschaftlich ist.
[0008] Es wäre von Vorteil, wenn es gelänge, ein Stopfenwalzverfahren herkömmlicher Art
so zu modifizieren, daß auf die Glättwalzanlagen und den Nachwärmofen verzichtet werden
kann. Das ist nur dann möglich, wenn es gelingt, bereits in der Stopfenwalzstraße
Luppen zu walzen, die nicht die bislang für dieses Verfahren typischen Wandverdickungen
aufweisen.
[0009] Dieses Ziel erreicht die vorliegende Erfindung durch ein Verfahren, das dadurch gekennzeichnet
ist, daß bei mehreren aufeinanderfolgenden Stichen mindestens in einem, vorzugsweise
in dem ersten Stich im Bereich des Kalibergrundes durch Veränderung des Anstellmaßes
der Walzen eine Wanddicke eingestellt wird, die das Dünnziehen dieses Wandbereiches
im darauffolgenden Walzstich im Sinne einer über den Umfang gleichmäßigen Wanddicke
der fertiggewalzten Stopfenluppe berücksichtigt. Dem Vorschlag der Erfindung liegt
die Erkenntnis zugrunde, daß der in eine Längswalzanlage eingeführte Hohlblock nach
Durchlaufen des ersten Walzgerüstes, d. h. bei Stopfenwalzanlagen nach dem ersten
Stich, hinsichtlich seiner Wanddicke bei entsprechend angepaßter Wanddickenabnahme
auch im Kalibersprung gegenüber der Hohlblockwanddicke dünner geworden ist, obwohl
Bereiche der Kalibersprünge auf der Luppe mit den Walzen nicht in Berührung gekommen
sind. Das gleiche Phänomen ist auch im zweiten und in weiteren Stichen zu beobachten,
bis die Streckung im jeweiligen Gerüst bzw. Stich einen Wert nahe O erreicht hat.
[0010] Während in Rohrkontiwalzstraßen mit frei durchlaufender Walzstange durch Einsatz
einer größeren Anzahl von Walzgerüsten auf den letzten Gerüstplätzen Walzgerüste mit
niedriger Streckung eingesetzt werden können, ist das vorstehend beschriebene Phänomen
in Stopfenwalzanlagen, die in nur drei oder sogar weniger Stichen walzen, besonders
bedeutend. Infolge der geringen Anzahl von Stichen ist eine relativ hohe Streckung
erforderlich; ein Glätten im letzten Stich ist nicht möglich. Setzt man eine normale
herkömmliche Kalibrierung eines Stopfenwalzwerkes ein, so müßte eigentlich bereits
im ersten Stich im Kalibergrund eine Wanddicke eingestellt werden, die der späteren
Fertigwanddicke entspricht. Das hätte zur Folge, daß im zweiten Gerüst bzw. zweiten
Stich diese Wand durch den Dünnzieheffekt im Bereich des Walzensprungs dünner gezogen
wird, als die Fertigwanddicke erlaubt. D. h., die Luppe würde außerhalb der zulässigen
Wanddickentoleranz liegen. Durch die Erfindung wird also vorgeschlagen, daß das Maß
des Dünnziehens im Kalibersprung des nachfolgenden Stiches als Zugabe dem Kalibergrund
des vorgehenden Gerüstes bzw. Stiches zugeschlagen wird, mit dem Ziel, im Ergebnis
ein über den Querschnitt gleichmäßigen Wanddickenverlauf zu erreichen.
[0011] Gleichzeitig werden vor dem ersten Stich die Walzen durch Auseinanderfahren auf ein
Abstandsmaß geöffnet, welches der einzustellenden Wanddicke im Bereich des Kalibergrundes
entspricht. Da bei einkalibrigen Stopfenwalzanlagen alle Stiche in ein und derselben
Kalibrierung gewalzt werden müssen (anders als bei kontinuierlichen Längswalzverfahren,
beispielsweise einer Rohrkontistraße), kann man nämlich beim Stopfenwalzen Variationsmöglichkeiten
des Kalibers dadurch erhalten, daß die Walzen bei den verschiedenen Stichen unterschiedlich
angestellt werden. Um z. B. im ersten Stich eine Wanddickenzugabe gegen das Dünnziehen
der Wand im Walzensprungbereich des zweiten Stiches zu erhalten, können die Walzen
vor dem ersten Stich um das Maß dieser Zugabe geöffnet werden. Bei drei Stichen können
die Walzen auch vor dem zweiten Stich geöffnet werden.
[0012] Nach einer bevorzugten Ausgestaltung des Verfahrens erfolgt die Einstellung des Wanddickenverlaufs
im nachtfolgenden Stich im Kalibergrund des vorhergehenden Stiches durch entsprechende
Gestaltung der den Kalibergrund beschreibenden mathematischen oder empirisch ermittelten
Konturkurve. Es wurde festgestellt, daß das Dünnziehen der Wand im Kalibersprung nicht
unbedingt über den gesamten freiverformten Bereich mit konstanter Wanddickenabnahme
erfolgt, sondern mit unterschiedlicher Wanddickenabnahme, je nachdem, ob man die genaue
Mitte des Kalibersprungs betrachtet oder die nebenliegenden Zonen. Eine runde und
genau zentrische Kalibrierung würde hier möglicherweise zu ungenauen Wanddicken führen.
Die Wanddicke selbst wird im Kalibergrund durch eine entsprechende Auswahl der Stopfendurchmesser
vorgegeben. Soll also die Wand im Kalibergrund eine Zugabe erhalten, ist der Stopfendurchmesser
dieses Stiches entsprechend zu verkleinern. Dies führt aber zu einer großen Anzahl
fein abgestufter Durchmesser mit einer entsprechenden kostspieligen Vorratshaltung
von Stopfen.
[0013] Durch die Vorschläge der Erfindung kann durch geeignete Auswahl der Walzenkalibrierung,
des Öffnungsmaßes der Walzen und des Stopfendurchmessers bereits in der Stopfenwalzanlage
eine gleichmäßige und innerhalb der zulässigen Toleranzen liegende Wanddicke erzielt
werden, die es ermöglicht, nach einem weiteren Verfahrensmerkmal der Erfindung das
Rohr unmittelbar nach dem Stopfenwalzverfahren einem Maßwalzwerk, Reduzierwalzwerk
oder Streckreduzierwalzwerk zuzuführen. Auf Glättwalzanlagen kann bei Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens vollkommen verzichtet werden, so daß wegen der damit
einhergehenden Zeitersparnis auch ein Nachwärmen der Luppen nicht mehr erforderlich
ist. Ein Nachwärmofen kann gleichfalls entfallen.
[0014] Durch den Vorschlag der Erfindung erhält das Stopfenwalzverfahren eine neue Bedeutung
und wird konkurrenzfähig zu anderen modernen Walzverfahren.
1. Verfahren zum Herstellen nahtloser Rohre nach dem Stopfenwalzverfahren, bei dem ein
Hohlblock über einen feststehenden, sich an einer Stange abstützenden Stopfen in einem
Walzgerüst mit geschlossenem Kaliber in mindestens zwei Stichen zu einer Luppe aufgeweitet
und gestreckt wird, wobei nach jedem Stich die Luppe mittels eines Treibapparates
von der Stange entgegen der Walzrichtung abgezogen und vor dem folgenden Stich um
90 Grad um seine Längsachse gedreht wird, wobei der Stopfen nach jedem Stich gewechselt
wird,
dadurch gekennzeichnet,
daß bei mehreren aufeinanderfolgenden Stichen mindestens in einem, vorzugsweise in
dem ersten Stich im Bereich des Kalibergrundes durch Veränderung des Abstandsmaßes
der Walzen eine Wanddicke eingestellt wird, die das Dünnziehen dieses Wandbereiches
im darauffolgenden Walzstich im Sinne einer über den Umfang gleichmäßigen Wanddicke
der fertiggewalzten Stopfenluppe berücksichtigt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Einstellung der Wanddicke im Kalibergrund durch entsprechende Gestaltung der
den Kalibergrund beschreibenden mathematisch oder empirisch ermittelten Konturkurve
erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Rohr unmittelbar nach dem Stopfenwalzverfahren maßgewalzt, reduziert oder
streckreduziert wird.