[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Reinigung eines Zylinders, insbesondere
eines Gummituchzylinders einer Rotations-Offsetdruckmaschine mit einer während des
Betriebs in sporadischen Abständen an die Zylinderfläche anstellbaren Reinigungseinrichtung
, die mittels einer Anstelleinrichtung betätigbar ist, und mit einer Steuereinrichtung,
mittels der die Anstelleinrichtung bei jedem Reinigungsvorgang in Abhängigkeit von
einem wählbaren Reinigungsprogramm ein- oder mehrmals betätigbar ist.
[0002] Bei den bekannten Gummituchwaschvorrichtungen eingangs erwähnter Art wird die Reinigungseinrichtung
bei jeder Betätigung der Anstelleinrichtung eine fest vorgegebene Zeitspanne an den
zu reinigenden Gummituchzylinder angestellt. Die Folge davon ist, daß der zu reinigende
Gummituchzylinder bei hoher Zylindergeschwindigkeit öfter an der Reinigungseinrichtung
vorbeidreht als bei kleinerer Zylindergeschwindigkeit. Die Anzahl der Zylinderdrehungen
pro Anstellung der Reinigungseinrichtung hängt dementsprechend von der Druckgeschwindigkeit
ab, die ihrerseits von der Papierqualität, der Falzart, der Beschneideart etc. abhängt.
Um eine zuverlässige Reinigung zu gewährleisten ist die Reinigungszeit bisher auf
den ungünstigsten Fall abgestellt, d.h. auf eine sehr langsame Geschwindigkeit. Eine
Anpassung der Reinigungszeit an höhere Geschwindigkeiten ist bisher nicht möglich.
Da während des Betriebs gereinigt wird, entsteht während des Reinigungsvorgangs Makulatur.
Bei den bekannten Anordnungen ist der Makulaturanfall abhängig von der Druckgeschwindigkeit.
Bei höherer Druckgeschwindigkeit fällt mehr Makulatur an als bei niedrigerer Druckgeschwindigkeit.
Die Produktion von Makulatur bedeutet jedoch nicht nur einen hohen Materialverlust,
sondern auch einen hohen Verlust an effektiver Produktionszeit. Die bekannten Anordnungen
erweisen sich demnach als nicht wirtschaftlich genug.
[0003] Hiervon ausgehend ist es daher die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Vorrichtung
eingangs erwähnter Art so zu verbessern, daß eine hohe Wirtschaftlichkeit erreicht
wird.
[0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die Geschwindigkeit des zu
reinigenden Zylinders aufnehmbar ist und daß die Steuereinrichtung so programmiert
ist, daß die zeitliche Dauer desselben Reinigungsvorgangs mit zunehmender Zylindergeschwindigkeit
abnimmt.
[0005] Diese Maßnahmen ermöglichen in vorteilhafter Weise eine Optimierung der nutzbaren
Produktionszeiten und eine Minimierung des Makulaturanfalls. Dennoch ist sichergestellt,
daß sich bei allen Geschwindigkeiten eine zur Durchführung eines bestimmten Reinigungsvorgangs
erforderliche Anzahl von Zylinderumdrehungen ergibt, womit in jedem Fall eine zuverlässige
Reinigung gewährleistet ist.
[0006] Vorteilhafte Ausgestaltungen und zweckmäßige Fortbildungen der übergeordneten Maßnahmen
sind in den Unteransprüchen angegeben. So kann die Steuereinrichtung zweckmäßig so
programmiert sein, daß die zeitliche Dauer jeder Betätigung der Reinigungseinrichtung
innerhalb eines Reinigungsvorgangs mit zunehmender Zylindergeschwindigkeit abnimmt.
Diese Maßnahmen stellen sicher, daß die Anzahl der Betätigungen der Reinigungseinrichtung
innerhalb desselben Reinigungsvorgangs bei jeder Geschwindigkeit gleich sein kann,
was eine besonders einfache Programmierung ermöglicht.
[0007] Zur Gewährleistung besonders optimaler Verhältnisse kann die Steuereinrichtung vorteilhaft
so programmiert sein, daß der zu reinigende Zylinder bei jeder Geschwindigkeit innerhalb
eines Reinigungsvorgangs und/oder einer Betätigung der Reinigungseinrichtung eine
gleiche Anzahl von Zylinderumdrehungen ausführt.
[0008] Die Geschwindigkeitsaufnahme kann zweckmäßig mittels eines Winkelsignale abgebenden
Encoders erfolgen. Es ist daher in vorteilhafter Weise zusätzlich möglich, die Reinigungseinrichtung
winkelabhängig zu verstellen. Zweckmäßig kann daher die Steuereinrichtung so ausgebildet
sein, daß die Reinigungseinrichtung in Abhängigkeit vom Grubendurchgang zumindest
teilweise an- und abstellbar ist. Diese Maßnahme ermöglicht insbesondere bei Bogenrotationsdruckmaschinen
mit großer Zylindergrube eine Reduzierung des Gummituchverschleisses insbesondere
im Bereich der in Drehrichtung nachlaufenden Grubenkante. Ebenso kann hierbei vorgesehen
sein, daß eine mit Reinigungsflüssigkeit beaufschlagte Sprüheinrichtung beim Grubendurchgang
abgeschaltet wird, wodurch insbesondere bei direkt auf den zu reinigenden Zylinder
sprühenden Sprüheinrichtungen einer Ansammlung von Reinigungsflüssigkeit in der Grube
entgegengewirkt werden kann.
[0009] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen und zweckmäßige Fortbildungen der übergeordneten
Maßnahmen sind in den restlichen Unteransprüchen angegeben.
[0010] Nachstehend wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand der Zeichnung näher
erläutert. Die Zeichnung zeigt eine schematische Seitenansicht einer erfindungsgemäßen
Gummituchwaschvorrichtung.
[0011] Der Zeichnung liegt eine Bogenrotationsdruck-Offsetdruckmaschine zugrunde, die durch
ein Gestell 1 und einen ihrer Gummituchzylinder 2 angedeutet ist. Dieser besitzt eine
vergleichsweise große Zylindergrube 3, in der die Spannvorrichtungen für das Gummituch
angeordnet sind. Zum Waschen des Gummituchs ist jedem Gummituchzylinder 2 eine auf
Konsolen 4 des Maschinengestells 1 aufgenommene Waschvorrichtung 5 zugeordnet, die
eine in sporadischen Abständen, d.h. bei Bedarf, an den Zylinderumfang anstellbare
Reinigungseinrichtung aufweist. Die Aktivierung der Reinigungseinrichtung erfolgt
während des Betriebs, d.h. bei laufender Maschine.
[0012] Die Reinigungseinrichtung kann aus einer befeuchtbaren Bürstenwalze etc. bestehen.
Im dargestellten Ausführungsbeispiel besteht die Reinigungseinrichtung aus einem Andrückbalken
6, über den ein Tuch 7, beispielsweise in Form eines Vlieses, geführt ist, das von
einer Vorratsrolle 8 ab- und auf eine Speicherrolle 9 aufwickelbar ist. Der Andrückbalken
6 ist mittels eines Anstellorgans 10, hier in Form von über die Maschinenbreite gleichmäßig
verteilt angeordneten Zylinder-Kolbenaggregaten, vorschieb- und zurückziehbar, d.h.
von der mit durchgezogenen Linien gezeichneten Warteposition in die mit unterbrochenen
Linien gezeichnete Arbeitsstellung bringbar und umgekehrt. Beim Vorwärtshub ist die
Speicherrolle 9 für verbrauchtes Tuch blockiert, so daß frisches Tuch von der Vorratsrolle
8 abgewickelt wird. Beim Rückwärtshub werden die Speicherrolle 9 angetrieben und die
Vorratsrolle 8 blockiert.
[0013] Zum Befeuchten des Tuchs 7 ist ein Düsenbalken 11 vorgesehen, durch den das auf den
Andrückbalken 6 auflaufende Tuch 7 auf der ganzen Breite mit Waschflüssigkeit beaufschlagbar
ist. Der Düsenbalken 11 wird aktiviert, wenn die Wascheinrichtung zur Durchführung
einer Waschung angestellt wird. Auf eine oder mehrere Waschschritte können ein oder
mehrere Abtrocknungsschritte folgen. Dabei wird trockenes Tuch an den Zylinderumfang
angedrückt. Der Düsenbalken 11 bleibt dabei außer Betrieb.
[0014] Zur Steuerung sämtlicher Funktionen der Waschvorrichtung 5, also des Vorschubaggregats
10, der Antriebe und Sperren der Vorratsrolle 8 und Speicherrolle 9 und des Düsenbalkens
11, ist eine Steuereinrichtung 12 vorgesehen, die hier als programmierbare Mikroprozessorsteuerung
ausgebildet ist. In diese können verschiedene Waschprogramme einprogrammiert sein,
die je nach Bedarf von Hand auswählbar sind, wie durch einen Wahlschalter 13 angedeutet
ist. Die verschiedenen Waschprogramme können sich durch die Anzahl der während eines
Waschvorgangs aufeinanderfolgenden Wasch- und Abtrocknungsschritte unterscheiden.
[0015] Die aufeinander abrollenden Druckwerkszylinder werden je nach Betriebsart, beispielsweise
in Abhängigkeit vom verarbeiteten Papier, von der vorgesehenen Falzart etc. mit untereinander
gleicher, aber insgesamt variabler Geschwindigkeit angetrieben. Der Waschvorgang findet
bei voller Betriebsgeschwindigkeit statt. Um bei jeder Geschwindigkeit eine annähernd
gleiche Waschintensität zu erhalten, ist die Steuereinrichtung 12 so ausgebildet,
daß die zeitliche Dauer desselben Waschprogramms mit zunehmender Geschwindigkeit abnimmt.
Auf diese Weise wird erreicht, daß die Anzahl der Umdrehungen, die der Gummituchzylinder
2 während eines Waschvorgangs ausführt, bei jeder Geschwindigkeit annähernd gleich
oder vollkommen gleich ist. Im dargestellten Beispiel soll die Steuereinrichtung 12
so ausgebildet sein, daß bei Waschprogrammen mit mehreren Schritten die einzelnen
Schritte bei jeder Geschwindigkeit über eine gleiche Anzahl von Umdrehungen des Gummituchzylinders
2 sich erstrecken.
[0016] Hierzu wird die Geschwindigkeit des Gummituchzylinders 2 oder eines synchron hiermit
drehenden Elements erfaßt und als Führungsgröße in die Steuereinrichtung 12 eingegeben.
Zur Aufnahme der Geschwindigkeit findet eine Tachometeranordnung Verwendung. Dabei
kann es sich um einen Tachogenerator handeln, der ein der Geschwindigkeit analoges
Signal liefert. Im dargestellten Beispiel ist hierzu eine hier mit dem Gummituchzylinder
2 antreibbare Inkrementalscheibe 14 vorgesehen, die mittels eines zugeordneten Sensors
15 abgetastet wird, der am Eingang eines der Steuereinrichtung 12 vorgeordneten Encoders
16 liegt. Der Sensor 15 liefert digitale Signale, die durch den Encoder 16 in geeignete
elektrische Signale umgeformt werden, die innerhalb der Steuereinrichtung 12 verarbeitbar
sind.
[0017] Bei Rollenrotationsdruckmaschinen mit vergleichsweise kleinem Spannkanal genügt es,
wenn die Inkrementalscheibe 14 so ausgebildet ist, daß pro Zylinderumdrehung ein Signal
erzeugt wird, wodurch die Drehzahl erkennbar ist. Im dargestellten Beispiel, dem eine
Bogenrotationsdruckmaschine mit eine vergleichsweise große Zylindergrube 3 aufweisenden
Druckwerkszylinders zugrundeliegt, ist die Inkrementalscheibe 14 so ausgebildet, daß
nicht nur ein Signal pro Zylinderumdrehung erzeugt wird, sondern mehrere. Auf diese
Weise läßt sich eine Winkelauflösung erreichen. Es ist daher ohne weiteres möglich,
den Durchgang der Zylindergrube 3 durch den Kontaktbereich zwischen Zylinderumfang
und aktivierter Reinigungseinrichtung zu bestimmen. Die Steuereinrichtung 12 ist dementsprechend
so ausgebildet, daß der Andrückbalken 6 beim Durchgang der Zylindergrube 3 durch den
genannten Kontaktbereich zurückgezogen und anschließend wieder vorgeschoben oder jedenfalls
entlastet und anschließend wieder belastet wird. Hierdurch wird einem schnellen Verschleiß
des Gummituchs an der in Drehrichtung des Gummituchzylinders 2 nachlaufenden Kante
17 der Zylindergrube 3 wirksam vorgebeugt.
[0018] Im dargestellten Beispiel ist der Düsenbalken 11 hinter dem Tuch 7 angeordnet, das
die Reinigungsflüssigkeit auf den zu reinigenden Zylinder überträgt. Bei einer Anordnung
dieser Art kann eine grubendurchgangsunabhängige Betätigung des Düsenbalkens 11 vorgesehen
sein. Bei Anordnungen, bei denen die Reinigungsflüssigkeit direkt auf den zu reinigenden
Zylinder aufgesprüht wird, kann die Steuereinrichtung 12 so ausgebildet sein, daß
die Sprüheinrichtung beim Grubendurchgang nicht sprüht, was infolge der vorgenommenen
Winkelauflösung ohne weiteres möglich ist.
[0019] In manchen Fällen kann es sich als angebracht erweisen, die Waschprogramme geschwindigkeitsabhängig
zu variieren, beispielsweise bei hohen Geschwindigkeiten weniger Abtrocknungsschritte
und mehr Waschschritte durchzuführen als für die gleiche Verschmutzung bei kleineren
Geschwindigkeiten. Infolge der Erfassung der Geschwindigkeit des zu reinigenden Zylinders
ist eine derartige Variation ohne weiteres möglich. Hierzu ist lediglich die Steuereinrichtung
(12) entsprechend zu programmieren.
1. Vorrichtung zur Reinigung eines Zylinders, insbesondere eines Gummituchzylinders (2)
einer Rotations-Offsetdruckmaschine, mit einer während des Betriebs in sporadischen
Abständen an die Zylinderfläche anstellbaren Reinigungseinrichtung (6, 7), die mittels
einer Anstelleinrichtung (10) betätigbar ist, und mit einer Steuereinrichtung (12),
mittels der die Anstelleinrichtung (10) bei jedem Reinigungsvorgang in Abhängigkeit
von einem wählbaren Reinigungsprogramm ein- oder mehrmals betätigbar ist, dadurch gekennzeichnet, daß die Geschwindigkeit des zu reinigenden Zylinders (2) aufnehmbar ist und daß die Steuereinrichtung
(12) so programmiert ist, daß die zeitliche Dauer desselben Reinigungsvorgangs mit
zunehmender Zylindergeschwindigkeit abnimmt.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuereinrichtung (12) so programmiert ist, daß die zeitliche Dauer jeder Betätigung
der Reinigungseinrichtung (6, 7) innerhalb eines Reinigungsvorgangs mit zunehmender
Zylindergeschwindigkeit abnimmt.
3. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuereinrichtung (12) so programmierbar ist, daß der zu reinigende Zylinder
(2) bei jeder Zylindergeschwindigkeit innerhalb eines Reinigungsvorgangs und/oder
einer Betätigung der Reinigungseinrichtung (6, 7) eine annähernd gleiche, vorzugsweise
gleiche Anzahl von Zylinderumdrehungen ausführt.
4. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuereinrichtung (12) so ausgebildet ist, daß die Reinigungsprogramme zumindest
teilweise in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit des zu reinigenden Zylinders (2)
veränderbar sind.
5. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuereinrichtung (12) insbesondere bei einer Bogenrotationsdruckmaschine so
ausgebildet ist, daß die Reinigungseinrichtung (6, 7) in Abhängigkeit vom Grubendurchgang
zumindest teilweise ab- und anstellbar, vorzugsweise ent- und belastbar ist.
6. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuereinrichtung (12) insbesondere bei einer Bogenrotationsdruckmaschine mit
direkt mit Reinigungsflüssigkeit beaufschlagtem, zu reinigendem Zylinder so ausgebildet
ist, daß die Sprüheinrichtung beim Durchgang der Zylindergrube (3) passiviert ist.
7. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß dem zu reinigenden Zylinder (2) und/oder einem synchron hierzu antreibbaren Element
ein vorzugsweise einen Encoder (16) enthaltender, bei jeder Zylinderumdrehung wenigstens
ein Signal abgebender Tachometer zugeordnet ist, dem die vorzugsweise als Mikroprozessorsteuerung
ausgebildete Steuereinrichtung (12) nachgeordnet ist.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß ein Winkelsignale abgebender Tachometer (14, 15) vorgesehen ist.