[0001] Die Erfindung betrifft einen mehrgeschossigen Baukörper für chemische Anlagen, insbesondere
für Anlagen zur Herstellung pharmazeutischer Produkte, bestehend aus mehreren nebeneinander
angeordneten Bausegmenten und den für den Zugang zu diesen Bausegmenten notwendigen
Freiräumen, wobei die Bausegmente jeweils aus mehreren, übereinander angeordneten
Räumen bestehen, die alle für die Herstellung der zu produzierenden Produkte erforderlichen
Anlagenkomponenten enthalten, sowie mit Zugangsöffnungen versehen sind.
[0002] Üblicherweise werden zur Herstellung chemischer Stoffe Fabrikationsanlagen eingesetzt,
die aus einem Baukörper bestehen, in dem die notwendigen Anlagenteile und Anlagenkomponeten
fest mit dem Gebäude verbunden sind. Auch untereinander sind die Anlagenkomponeten
über Rohrleitungen und andere Versorgungssysteme fest miteinander verbunden. Eingeschossige
Bauwerke haben den Vorteil, daß sie billiger errichtet werden können und eine große
Anpassungsfähigkeit an wechselnde Produktionsaufgaben aufweisen ("Die Technik", Heft,
1, 1970, Seite 13-17).
[0003] Beispielsweise aus der DE-PS 37 29 139 sind mehrgeschossige Baukörper bekannt, bei
denen die Fertigungsstationen eines chemischen Produktionsprozesses in unterschiedlichen
Geschossen untergebracht sind, wobei die Räume Öffnungen zum Materialtransport aufweisen.
[0004] Bei den bekannten Fabrikationsanlagen zur Herstellung chemischer Produkte ist jede
Anlagenkomponete fest mit dem Gebäude und fest mit einem Versorgungs- und Entsorgungssystem
verbunden. Notwendige Kapselungen, wie sie beispielsweise für toxische Stoffe erforderlich
sind, werden fest installiert. Derartige Anlagen sind daher bei Produktwechseln wenig
flexibel und unwirtschaftlich, da der Austausch von Anlagenkomponeten einen hohen
Aufwand erfordert. Auch für die Versorgungs- und Entsorgungsleitungen werden aufwendige
Spül- und Reinigungsvorgänge notwendig, um bei einem Produktwechsel einen hohen Reinheitsgrad
der neu produzierten Stoffe zu erreichen.
[0005] Es war daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen mehrgeschossigen Baukörper
für chemische Anlagen, insbesondere für Anlagen zur Herstellung pharmazeutischer Produkte
zu entwickeln, bestehend aus mehreren nebeneinander angeordneten Bausegmenten und
den für den Zugang zu diesen Bausegmenten notwendigen Freiräumen, wobei die Bausegmente
jeweils aus mehreren, übereinander angeordneten Räumen bestehen, die alle für die
Herstellung der zu produzierenden Produkte erforderlichen Anlagenkomponeten enthalten,
sowie mit Zugangsöffnungen versehen sind. Dieser Baukörper sollte einen sehr flexiblen
Produkt- oder Produktionswechsel mit wenig Aufwand an Personal und Zeit und eine einfache
Reinigung der notwendigen Rohrleitungen, Apparaturen und gegebenenfalls auch der Räumlichkeiten,
ermöglichen.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß zumindest ein Teil der Anlagenkomponeten
mit den dazugehörigen Anschlüssen für die Medien- und Energieversorgung sowie für
gebrauchte flüssige und gasförmige Stoffe und Kapselungen auf mobilen Gestellen untergebracht
sind, die über die Zugangsöffnungen in und aus den Räumen transportiert werden,
daß der Baukörper neben den Bausegmenten für die Anlagenkomponenten ein oder mehrere
mehrgeschossige Bausegmente enthält, in denen die Hilfseinrichtungen, wie Lüftung,
Abluftreinigung, Energie- und Medienversorgung und Lösungsmittel- und Chemikalienaufbereitung,
für den gesamten Baukörper untergebracht sind, wobei die Versorgungsleitungen innerhalb
dieser Bausegmente senkrecht geführt und an waagrechte Ringleitungen angeschlossen
sind, die etagenweise in den Räumen mit den Anlagenkomponeten angeordnet und über
Kupplungen mit den Anlagenkomponeten verbunden sind.
[0007] Vorzugsweise sind die Entsorgungsleitungen für die gebrauchten flüssigen Stoffe innerhalb
der Bausegmente senkrecht nach unten zu Räumen im untersten Geschoß verlegt, in denen
Sammeltanks für Abwasser, gebrauchte Lösungsmittel und Chemikalien untergebracht sind.
[0008] Von Vorteil ist es, wenn die Räume der Bausegmente und die mobilen Gestelle in ihrer
Größe normiert sind. Bewährt hat es sich, wenn die mobilen Gestelle mit Rädern versehen
sind und über ausziehbare Schienen in die Räume ein- und ausgefahren werden können.
[0009] Die einzelnen chemischen Anlagen in den Bausegmenten sind ganz oder teilweise aus
modulartigen mobilen Gestellen zusammengesetzt, die bestimmte Anlagenteile samt Anschlüsse
enthalten, und bei Bedarf leicht ausgetauscht werden können, indem einzelne Gestelle
mit den gewünschten Anlagenkomponeten aus den Räumen entfernt und durch andere ersetzt
werden. Diese Modulausführung der Anlage kann sich auch auf die für die Produktion
entscheidenden Anlagenkomponeten beschränken.
[0010] Die mobilen Gestelle sind so ausgeführt, daß die darin enthaltenen Anlagenteile komplett
verrohrt und verschaltet sind. Die notwendigen Anschlüsse werden so angeordnet, daß
eine einfache und schnelle Anbindung an die entsprechenden Ringleitungen und Verteiler
möglich ist, beispielsweise über flexible Schlauchverbindungen und Schnellkupplungen
oder über Steckkontakte.
[0011] Zum Ein- und Ausschleusen der Gestelle in oder aus den Einbaupositionen in den Räumen
werden Rollhilfen verwendet. In der endgültigen Aufstellungsposition werden die Gestelle
arretiert und mit dem Gebäude verbunden.
[0012] Die Vorteile des erfindungsgemäßen Baukörpers und der Anordnung der Anlagenkomponeten
auf mobilen Gestellen bestehen im schnellen Austausch der Komponenten bei Reparaturen
oder Umstellung der Produktion, in der einfachen Erweiterung der Verfahrensstufen
durch Aufstellung von Zusatzkomponenten und in der leichten Überprüfungsmöglichkeit
der Komponenten auf eventuelle Schäden.
[0013] Bei toxischen Stoffen oder der Beachtung hoher Produktreinheiten können die einzelnen
Gestelle oder die Räume zusätzlich gekapselt sein, indem man Zusatzbarrieren bzw.
Verkleidungen verwendet.
[0014] Die einzelnen Anlagen können senkrecht übereinander oder waagrecht nebeneinander
im Baukörper untergebracht sein. Der Transport der Gestelle erfolgt über Krananlagen
oder sonstige Transportvorrichtungen entweder von außerhalb des Baukörpers über entsprechende
Zugangsöffnungen oder über einen Lichthof innerhalb des Baukörpers.
[0015] Die Abbildungen 1 und 2 zeigen schematisch ein Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen
Baukörpers im Querschnitt (Abbildung 1) und im Längsschnitt (Abbildung 2).
[0016] In einem der chemischen Anlage angepaßten Baukörper (1) werden mehrere in ihren Abmessungen
gleichartige Bausegmente (2) so angeordnet, daß in der Mitte des Baukörpers (1) ein
bis zum Dach hin offener Raum (3) entsteht. In diesen Bausegmenten (2) sind die Anlagenkomponeten
(5) untergebracht, die für den jeweiligen chemischen Prozess benötigt werden. In ihnen
werden alle chemischen und physikalischen Verfahrenschritte zur Herstellung des gewünschten
Produktes durchgeführt.
[0017] Neben diesen Bausegmenten (2) für die Anlagenkomponeten sind weitere Bausegmente
(4) für die Hilfseinrichtungen im Baukörper (1) vorhanden.
[0018] Die Hilfseinrichtungen dienen beispielsweise der Förderung von Chemikalien, der Abwassersammlung,
der Lösungsmittelaufbereitung, der Medien- und Elektroversorgung und der Lüftung.
Diese Hilfseinrichtungen bedienen den gesamten Baukörper(1).
[0019] Die Bausegmente (2) für die Anlagenkomponeten sind durch Decken (6) in einzelne Räume
(7) unterteilt, die übereinander angeordnet vorzugsweise die gleiche Größe aufweisen.
Diese Räume (7) enthalten in ihrer Gesamtheit die für die Herstellung des gewünschten
chemischen Produkts notwendigen Anlagenkomponenten (5). Alle oder zumindest die wichtigsten
Anlagenkomponenten (5) sind in mobilen Gestellen (8) untergebracht. Diese Gestelle
(8) sind vorzugsweise mit Rollen (9) bzw. Rädern versehen und enthalten stets die
Anlagenkomponenten (5) samt den notwendigen Anschlüssen.
[0020] Die Bausegmente (4) für die Hilfseinrichtungen enthalten senkrecht angeordnete Versorgungs-
(10 und gegebenenfalls Entsorgungsleitungen (11), die etagenweise an waagrecht verlegte
Ringleitungen (12) angeschlossen sind. Diese Anschlüsse erfolgen vorzugsweise mittels
Schnellkupplungen (15), flexiblen Schlauchverbindungen oder Steckverbindungen. Die
Entsorgungsleitungen (11) können auch innerhalb der Bausegmente (2) für die Anlagenkomponenten
untergebracht sein. Sie führen dann zu Räumen (13) im untersten Geschoß des Bausegmentes
(2), in denen Sammeltanks (14) für beispielsweise Abwasser, gebrauchte Lösungsmittel
und gebrauchte Chemikalien untergebracht sind.
[0021] Das Ein- und Ausschleusen der mobilen Gestelle (8) über die Zugangsöffnungen (16)
der einzelnen Räume (7) erfolgt vorzugsweise über Schienen (17).
[0022] Anlagenkomponenten (5), in denen toxische Stoffe gehandhabt werden, oder an deren
Produkte hohe Reinheitsforderungen gestellt werden, erhalten eine zusätzliche Kapselung
(18) aus vorzugsweise durchsichtigem Material, die über einen Anschluß (21) an das
Abluftsystem angeschlossen ist, so daß ein Austreten von giftigen Stoffen unterbunden
wird. Die Kapselung (18) kann Hantierungsöffnungen (19) aufweisen.
[0023] Das Einschleusen und Ausschleusen der mobilen Gestelle (8) in die Räume (7) bzw.
aus den Räumen (7) erfolgt über Transportsysteme (20), die waagrecht und senkrecht
verfahren werden können.
1. Mehrgeschossiger Baukörper für chemische Anlagen, insbesondere für Anlagen zur Herstellung
pharmazeutischer Produkte, bestehend aus mehreren nebeneinander angeordneten Bausegmenten
und den für den Zugang zu diesen Bausegmenten notwendigen Freiräumen, wobei
die Bausegmente jeweils aus mehreren, übereinander angeordneten Räumen bestehen, die
alle für die Herstellung der zu produzierenden Produkte erforderlichen Anlagenkomponenten,
enthalten, sowie mit Zugangsöffnungen versehen sind.
dadurch gekennzeichnet,
daß zumindest ein Teil der Anlagenkomponeten (5) mit den dazugehörigen Anschlüssen
für die Medien- und Energieversorgung sowie für gebrauchte flüssige und gasförmige
Stoffe und Kapselungen auf mobilen Gestellen (8) untergebracht sind, die über die
Zugangsöffnungen (16) in und aus den Räumen (7) transportierbar sind,
und daß der Baukörper (1) neben den Bausegmenten (2) für die Anlagenkomponenten ein
oder mehrere mehrgeschossige Bausegmente (4) enthält, in denen die Hilfseinrichtungen,
wie Lüftung,
Abluftreinigung, Energie- und Medienversorgung und Lösungsmittelaufbereitung, für
den gesamten Baukörper (1) untergebracht sind,
wobei die Versorgungsleitungen (10) innerhalb dieser Bausegmente (4) senkrecht geführt
und an waagrechen Ringleitungen (12) angeschlossen sind, die etagenweise in den Räumen
(7) mit den Anlagenkomponenten angeordnet und über Kupplungen (15) mit den Anlagenkomponeten
(5) verbunden sind.
2. Baukörper nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Entsorgungsleitungen (11) für die gebrauchten flüssigen Stoffe innerhalb der
Bausegmente (2) senkrecht nach unten zu Räumen (13) im untersten Geschoß verlegt sind,
in denen Sammeltanks (14) für Abwasser, gebrauchte Lösungsmittel und Chemikalien untergebracht
sind.
3. Baukörper nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Räume (7) der Bausegmente (2) und die mobilen Gestelle (8) in ihrer Größe
normiert sind.
4. Baukörper nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die mobilen Gestelle (8) mit Rädern (9) versehen sind und über ausziehbare Schienen
(17) in die Räume (7) ein- und ausgefahren werden können.