[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur elektrolytischen Herstellung feinkörniger,
einphasiger, metallischer Legierungspulver, insbesondere Pulver intermetallischer
Verbindungen sowie Edelmetallegierungspulver, bei welchem man aus einem an sich bekannten,
anorganischen, elektrolytischen Abscheidebad, welches die abzuscheidenden Legierungskomponenten
in Lösung enthält, unter an sich bekannten, eine Pulverabscheidung herbeiführenden
Elektrolysebedingungen galvanisch auf der Kathode pulverförmige metallische Niederschläge
erzeugt.
[0002] Metallpulver haben mit dem Aufschwung der Pulvermetallurgie große Bedeutung gewonnen.
Die Herstellungsverfahren reichen vom Mahlen spröder Metalle bzw. Legierungen und
der Zerstäubung von Schmelzen über die Reduktion pulverförmiger Oxide und die thermischen
Zersetzung bzw. Fällung metallorganischer Verbindungen bis zur chemischen und elektrolytischen
Abscheidung. Die verschiedenen Verfahren erzeugen Pulver mit sehr unterschiedlichen
Eigenschaften. Dabei spielen für die Verarbeitungsschritte Pulveraufbereiten, Formen
und Konsolidieren, neben den Werkstoffeigenschaften die morphologischen Pulvereigenschaften
(Teilchenform, Partikelgrößenverteilung) eine große Rolle. Damit haben diese auch
einen großen Einfluß auf die Restporosität, die Oberflächenbeschaffenheit sowie auf
das Gefüge des Produktes.
[0003] Elektrolytisch hergestellte Pulver bestehen häufig aus dendritisch gewachsenen Kristallen.
An stationären Elektroden erzeugte Pulver zeigen, je nach Elektrolysebedingungen,
Teilchengrößen zwischen 300 und 1 µm.
[0004] Der pulverförmige Niederschlag auf der Kathode wird bei den elektrolytischen Verfahren
unter Bedingungen erzeugt, die gegensätzlich zu denen der elektrolytischen Schichtbildung
sind. In der Regel kristallisieren die Niederschläge pulverförmig bei hohen Stromdichten,
geringen Metallionenkonzentrationen und niedrigen Badtemperaturen. Zur Intensivierung
des Stoffiransportes sind schwingende oder rotierende Elektroden im Einsatz, die gleichzeitig
das Abwerfen des an der Elektrode aufgewachsenen Pulvers begünstigen. Der von der
Elektrode abgeworfene bzw. abzubürstende pulverförmige Niederschlag sammelt sich entweder
am Elektrolysezellenboden oder in einem dem Elektrolyten untergeschichteten organischen
Medium (Zwei-Phasen-Bad).
[0005] In den letzten Jahren haben auch Edelmetallegierungspulver wegen ihrer interessanten
physikalisch-chemischen Eigenschaften Beachtung gefunden. So wurden beispielsweise
Silber-Palladium-Legierungspulver für dentalprothetische Applikationen entwickelt.
Weitere Verwendungsmöglichkeiten sind im Elektronikbereich und in der chemischen Industrie
abzusehen.
[0006] Ein Verfahren zur elektrolytischen Herstellung schüttfähiger Pulver aus Edelmetallen,
insbesondere aus Platin, Palladium oder Gold, ist zum Beispiel aus der DD-PS 139 605
bekannt. Nach der Druckschrift sollen Pulver definierter Korngröße auf elektrolytischem
Wege dann herstellbar sein, wenn man die Abscheidung mit Lösungen der Platinmetallchlorwasserstoffsäuren
und Goldchlorwasserstoffsäuren im Diffusionsgrenzstrombereich, d.h. im Bereich zwischen
Massivabscheidung und Wasserstoffabscheidung, durchführt. Insbesondere soll bei dem
vorbeschriebenen Verfahren die Korngröße durch Variation der Konzentration, der Temperatur
und des pH-Wertes beeinflußbar sein.
[0007] Auch wenn in der Patentschrift als Anwendungsgebiet der Erfindung die elektrolytische
Abscheidung von schüttfähigen Pulvern aus Edelmetallen, vorzugsweise Platin, Palladium,
Rhodium, Gold und ihren Legierungen, angegeben ist, so bezieht sich die offenbarte
technische Lehre jedoch ausschließlich auf die Abscheidung der reinen Metalle. Ein
Hinweis auf die elektrolytische Abscheidung legierter metallischer Pulver wird nicht
gegeben.
[0008] Ein Verfahren zur elektrolytischen Herstellung legierter AgPd-Pulver wird dagegen
in dem Artikel "Electrolytic Preparation of Fine PdAg-Powders of Any Given Composition,
M.I. Kalinin Leningrad Engineering Institute, translated from Poroshkovaya Metallurgiya,
No. 6 (126), pp. 6-10, June 1973, beschrieben.
[0009] Die Autoren berichten von systematischen Untersuchungen zum Einfluß der Elektrolyseparameter
Badzusammensetzung, Badtemperatur und Stromdichte im Pulverabscheidungsbereich auf
die chemische und kristallographische Zusammensetzung sowie die Korngröße und Morphologie
des abgeschiedenen Pulvers und geben als Ergebnis ihrer Untersuchungen für das System
AgPd Wertebereiche für die Elektrolyseparameter an, innerhalb derer eine Abscheidung
echter Legierungspulver mit vorbestimmter Zusammensetzung möglich sein soll.
[0010] Ein Nachteil dieses bekannten Verfahrens ist, daß die angegebenen, empirisch ermittelten
Wertebereiche für die Elektrolyseparameter sehr eng sind und sich ausschließlich auf
das System AgPd und dabei noch auf ein bestimmtes Abscheidebad beziehen. Eine Übertragung
der gewonnenen Ergebnisse auf andere Abscheidebäder oder andere Legierungssysteme
ist nicht möglich.
[0011] Aufgabe der Erfindung ist, ein Verfahren der eingangs genannten Art so weiterzubilden,
daß auf elektrolytischem Wege für nahezu beliebige Systeme einphasige Legierungspulver
hergestellt werden können.
[0012] Diese Aufgabe wird mit einem Verfahren gemäß Patentanspruch 1 gelöst.
[0013] Es hat sich in überraschender Weise gezeigt, daß die treibende Kraft für die Legierungsbildung
allein das Kathodenpotential ist. Erst oberhalb eines kritischen, von der Legierungszusammensetzung
abhängigen Kathodenpotentials entstehen einphasige Legierungspulver. Mit Unterschreiten
des kritischen Elektrodenpotentials entstehen in der Regel nur noch entmischte, d.h.
heterogene Legierungspulver, bei weiterer Verringerung nur noch Gemische der Einzelmetalle.
[0014] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren ermittelt man daher zunächst in Vorversuchen
durch sukzessives Erhöhen des Kathodenpotentials bei sonst konstanten, ggf. ebenfalls
in Vorversuchen im Hinblick auf eine möglichst einfache und wirtschaftliche Durchführung
des Verfahrens festgelegten übrigen Elektrolysebedingungen, wie z.B. Badzusammensetzung
und Badtemperatur, Strömungsverhältnisse im Grenzbereich vor der Kathode, Art und
Beschaffenheit der Kathode, ab welchem Kathodenpotential einphasige Legierungspulver
entstehen und führt sodann die Pulverabscheidung bei einem im Bereich der einphasigen
Legierungsbildung liegenden Kathodenpotential potentiostatisch durch.
[0015] Der potentiostatischen Arbeitsweise kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Damit
lassen sich nicht nur Metallpulver mit definierter chemischer und kristallographischer
Zusammensetzung, sondern auch mit sehr enger Korngrößenverteilung und definierter
Morphologie herstellen.
[0016] Die bekannten Verfahren werden üblicherweise bei konstanter Stromdichte durchgeführt.
Bei der Metallpulverelektrolyse ist jedoch die elektrochemisch wirksame Kathodenoberfläche
durch das Aufwachsen und Abtrennen des Metallpulvers erheblichen zeitlichen Änderungen
unterworfen. Bleibt dabei der von außen dem System aufgezwungenen Stromfluß konstant,
so stellen sich an der Kathode ständig wechselnde Arbeitspotentiale ein. Diese bedingen
völlig unterschiedliche Eigenschaften des abgeschiedenen Niederschlages, z.B. seiner
Morphologie, Korngröße und insbesondere seiner chemischen und kristallographischen
Zusammensetzung. Das Ergebnis sind Metallpulver, deren Eigenschaften in weiten Grenzen
unkontrolliert variieren. Nur die in der vorliegenden Erfindung vorgeschlagene potentiostatische
Arbeitsweise garantiert dagegen Metallpulver mit definierten Eigenschaften.
[0017] In einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, für ein interessierendes
Legierungssystem auf elektrolytischem Wege ein Phasendiagramm zu erstellen, in welchem
über dem Metallionenkonzentrationsverhältnis im Elektrolyten in Abhängigkeit vom Kathodenpotential
die aufgefundenen Phasen (mit unterschiedlichen Symbolen für unterschiedliche kristallographische
Strukturen) aufgetragen werden.
[0018] Zu diesem Zweck werden bei sonst konstantgehaltenen Elektrolysebedingungen für unterschiedliche
Metallionenkonzentrationsverhältnisse der Legierungskomponenten bei gegebener Gesamtmetallionenkonzentration
und unterschiedliche Kathodenpotentiale metallische Pulver abgeschieden und mittels
geeigneter chemischer und strukturanalytischer Verfahren, beispielsweise der Röntgenstrukturanalyse,
auf ihre chemische und kristallographische Zusammensetzung hin untersucht.
[0019] Die Zahl der Meßpunkte für das Phasendiagramm und deren Verteilung über den Konzentrations-
und Potentialbereich sollten dabei so aufeinander abgestimmt werden, daß mit möglichst
wenigen Meßpunkten die Existenzgebiete der einzelnen Phasen deutlich gegeneinander
abgrenzt werden können. Das Phasendiagramm kann sich sowohl über den gesamten Zusammensetzungsbereich
des Legierungssystems als auch nur über einen vergleichsweise engen, interessierenden
Konzentrationsbereich erstrecken.
[0020] Die oben beschriebene Vorgehensweise hat den Vorteil, daß bei wiederholter Abscheidung
von Legierungspulvern aus dem gleichen Legierungssystem, aber mit unterschiedlichen
Zusammensetzungen, nicht für jede einzelne Legierungszusammensetzung jeweils in aufwendigen
Versuchen das Kathodenpotential, ab welchem eine einphasige Legierungsbildung auftritt,
ermittelt werden muß. Das zu einer beliebigen Legierungszusammensetzung gehörige kritische
Kathodenpotential kann in einfacher Weise aus dem einmal für das Legierungssystem
erstellten Phasendiagramm abgelesen werden.
[0021] Es hat sich bei den untersuchten Legierungssystemen gezeigt, daß einzeln oder nebeneinander
reine Einzelmetall-, Mischkristall- oder intermetallische Phasen auftreten können.
Neben den bei der Elektrolysetemperatur stabilen, im thermodynamischen Gleichgewicht
befindlichen Phasen können auch metastabile intermetallische Phasen und übersättigte
Mischkristalle auftreten. Die Höhe des Kathodenpotentials, welches zur Abscheidung
einphasiger Legierungspulver benötigt wird, ist systemabhängig. Neigt das System zur
Bildung intermetallischer Phasen, so genügen oft schon niedrige Potentiale zur Herstellung
einphasiger Pulver. Zeigt das System hingegen eine Tendenz zur Entmischung (Mischungslücke),
so sind hohe Potentiale erforderlich. Auch können einzelne thermodynamisch stabile
Phasen elektrolytisch nicht auftreten.
[0022] Das erfindungsgemäße Verfahren kann sowohl kontinuierlich als auch diskontinuierlich
durchgeführt werden. Letzteres bedeutet, daß in regelmäßigen Abständen das Verfahren
unterbrochen und der metallische Niederschlag von der Kathode mechanisch, beispielsweise
durch Abbürsten oder Abstreifen, entfernt werden muß.
[0023] Unter dem Aspekt einer automationsgerechten Arbeitsweise haben sich in den letzten
Jahren bei der elektrolytischen Pulverherstellung jedoch die kontinuierlichen Verfahren
zunehmend durchgesetzt. Darüber hinaus garantiert insbesondere das regelmäßige Entfernen
des pulverförmigen Niederschlags ein Pulver mit scharf definierten Eigenschaften.
[0024] Die Haftung des Pulvers auf der Elektrode ist abhängig von den physikalisch-chemischen
Eigenschaften des abgeschiedenen Pulvers, vom Elektrolyten, den Elektrolysebedingungen
- wegen der Beeinflussung der Kristallistion des Pulvers (Kristallform, -größe) -
von den Oberflächeneigenschaften des Elektrodenmaterials (Werkstoff, Rauhigkeit, Belegung
mit Verunreinigungen und Zusätzen) und von externen Eingriffen, wie schwingende, rotierende
oder schlagartige Elektrodenbewegung, aufsteigende Gasblasen, Verwendung von Ultraschall
und mechanischem Abbürsten. Das Pulverabwerfverhalten geschieht also beeinflußt durch
eine Vielzahl untereinander verknüpfter Faktoren im Wechselspiel der Bindungs- und
Ablösekräfte.
[0025] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist vorgesehen, während des Abscheideprozesses
im Bereich der Grenzschicht vor der Kathode laminare und/oder turbulente Strömungen
in einer solchen Stärke zu erzeugen, daß die an der Kathode abgeschiedenen Pulverteilchen
kontinuierlich abgeworfen werden. Dies hat gleichzeitig den Vorteil, daß durch die
Relativbewegung zwischen Elektrolyt und Kathode der Stofftransport und damit die Produktivität
des Verfahrens erhöht wird.
[0026] Die Relativbewegung zwischen Elektrolyt und Kathode wird vorzugsweise dadurch erzeugt,
daß die Kathode in an sich bekannter Weise während des Abscheideprozesses in Schwingungen
versetzt wird, wobei über die Frequenz und Amplitude der Elektrodenschwingungen das
Pulverabwerfverhalten in gewissen Grenzen variierbar ist. Frequenzen zwischen 5 Hz
und 10 kHz, insbesondere zwischen 10 und 100 Hz werden bevorzugt. Die Schwingungsamplitude
sollte zwischen 0,1 und 200 mm liegen, wobei die obere Grenze im wesentlichen technisch
bedingt ist. Stärker bevorzugt sind Schwingungsamplituden zwischen 1 und 100 mm.
[0027] Die Relativbewegung zwischen Kathode und Elektrolyt kann auch vorteilhaft dazu genutzt
werden, die Korngrößenverteilung des abgeschiedenen Pulvers zu beeinflussen. Bei Einsatz
einer Schwingelektode als Kathode wird eine Erhöhung der Schwingungsweite in der Regel
zu einer Vergrößerung der Korngröße und gegebenenfalls auch zu einer Verbreiterung
der Korngrößenverteilungskurve führen. Diese Wirkungsweise kann allerdings noch stark
von der Schwingungsfrequenz abhängig sein. An einer ruhenden Kathode werden üblicherweise
sehr feine Pulver mit einer engen Verteilungskurve
[0028] erhalten. Das Anlegen von Ultraschall führt bei schwingender Elektrode zu keiner
nennenswerten Änderung der Korngröße, bei ruhender Elektrode wird dagegen eine Verschiebung
der Korngrößenverteilungskurve zu kleineren Werten und eine weitere Verschmälerung
der Verteilungskurve beobachtet.
[0029] Mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens lassen sich insbesondere die folgenden
Eigenschaften der Legierungspulver gezielt einstellen: chemische und kristallographische
Zusammensetzung, Korngrößenverteilung, Partikelform und Reinheit des Pulvers.
[0030] Als Verfahrensparameter sind für die oben genannten Pulvereigenschaften in erster
Linie von Bedeutung: Kathodenpotential, Badzusammensetzung, insbesondere Metallionenkonzentrationsverhältnis
der Legierungskomponenten und Gesamtmetallionenkonzentration, Strömungsverhältnisse
im Bereich der Grenzschicht vor der Kathode - d.h. bei Anwendung eines Schwingelektrodensystems:
Frequenz und Amplitude der Schwingelektrode -,ferner Badtemperatur und Material und
Oberflächenbeschaffenheit der Kathode.
[0031] Grundsätzlich beeinflussen alle diese Verfahrensparameter gemeinsam die Pulvereigenschaften
und es ist kaum möglich, durch Änderung eines Verfahrensparameters selektiv nur eine
Eigenschaft zu ändern. In der Regel gibt es aber für alle Verfahrensparameter mehr
oder weniger große Bereiche, innerhalb derer eine gewünschte Pulvereigenschaft auftritt,
so daß ein "Aufeinanderabstimmen" der Verfahrensparameter zur Erzielung einer gewünschten
Pulverqualität leicht möglich ist. Dies kann beispielsweise mit Hilfe einiger Routine-Experimente
erfolgen.
[0032] Das Kathodenpotential beeinflußt neben der chemischen und kristallographischen Zusammensetzung
auch alle übrigen Pulvereigenschaften. Insbesondere wirkt es sich auf die Korngrößenverteilung
des Pulvers aus, wobei ein enger Zusammenhang mit dem Pulverabwerfverhalten besteht.
Bei der Beschreibung dieser Abhängigkeiten ist prinzipiell die Unterscheidung zwischen
zwei Bereichen erforderlich: Unterhalb der kathodischen Zersetzung (z.B. Wasserstoff(mit)abscheidung)
des Lösungsmittels bewirkt eine Potentialerhöhung bei sonst konstanten Verfahrensparametern
eine Abnahme der Korngröße, während das Pulverabwerfen ein Maximum durchläuft und
schließlich ganz zum Erliegen kommen kann. Auch bei weiterer Erhöhung des Kathodenpotentials
nimmt in der Regel die Korngröße des Pulvers weiter ab, jedoch kann eine dem entgegengesetzte
Rührwirkung durch die kathodisch erzeugten Gase auftreten. Eine starke Gasentwicklung
kann aber auch eine erneute Ablösung des Pulvers von der Kathode und damit abnehmende
Korngrößen bewirken.
[0033] Nach oben hin ist das Kathodenpotential im wesentlichen durch wirtschaftliche Aspekte
begrenzt: mit zunehmendem Kathodenpotential geht die Stromausbeute zurück.
[0034] Das erfindungsgemäße Verfahren kann mit herkömmlichen galvanischen Abscheidebädern
durchgeführt werden. Zwingend erforderliche Badkomponenten sind: ein Lösungsmittel,
Salze der abzuscheidenen Metalle, mindestens eine Säure bzw. Lauge. In einer bevorzugten
Ausführungsform liegen die Metalle im Elektrolyten in Form gleichartiger organischer
oder anorganischer Verbindungen, beispielsweise in Form anorganischer Salze, insbesondere
in Form sehr einfacher nicht komplexierender Nitrate oder Chloride vor. Dies hat den
Vorteil, daß die Diffusion der Metallionen in der kathodischen Phasengrenzschicht
und nicht die Dekomplexierung der Metallionen die Abscheidungsgeschwindigkeit bestimmt.
Dadurch ergeben sich höhere Abscheidungsraten und eine erleichterte Pulver bildung.
[0035] Über das Metallionenkonzentrationsverhältnis der Legierungskomponenten im Elektrolyten
wird im wesentlichen die chemische Zusammensetzung der abgeschiedenen Pulver festgelegt.
Die Gesamtmetallionenkonzentration wirkt sich dagegen überwiegend auf die Korngröße,
aber auch auf die Produktivität des Verfahrens aus. Es gilt: Je niedriger die Metallionenkonzentration,
desto geringer ist die Korngröße, aber desto geringer ist auch die Stromausbeute.
Die obere Grenze ist durch Erreichen des Löslichkeitsproduktes gegeben. Darüber hinaus
nehmen sowohl das Metallionenkonzentrationsverhältnis als auch die Gesamtmetallionenkonzentration
Einfluß auf das Pulverabwerfverhalten.
[0036] Der pH-Wert des Abscheidebades ist systemabhängig zu wählen, wobei darauf zu achten
ist, daß eine pH-abhängig ausgelöste Ausfällung der Metallionen im Elektrolyten auch
im Bereich der Grenzschicht vor der Kathode nicht einsetzen sollte. Stark, z.B. durch
Sauerstoff, verunreinigte Pulver sind sonst zu erwarten. Der pH-Wert sollte des weiteren
so eingestellt werden, daß eine Korrosion des abgeschiedenen Pulvers weitgehend unterbleibt,
d.h. die Säurekonzentration sollte nicht zu hoch sein.
[0037] Vorteilhafterweise werden dem Abscheidebad zur Beeinflussung der Korngröße und Partikelform
ein oder mehrere anorganische und/oder organische Zusätze zugegeben. Diese können
beispielsweise die Leitfähigkeit des Bades verbessern (gegebenenfalls höhere Produktivität,
gröbere Pulver), Komplexe mit einem oder allen an der Abscheidung beteiligten Metallionen
bilden, so daß die jeweilige freie Metallionenkonzentration sinkt bzw. die Abscheidung
aus dem Komplex heraus mit verändertem Abscheidungsmechanismus erfolgt (Änderung der
Korngröße und Morphologie) oder in die Elektrokristallisation eingreifen (auch Änderung
von Korngröße und Morphologie). Bevorzugt sind Gesamtkonzentrationen an Zusätzen zwischen
1 mg/l und 200 g/l. Bei Konzentrationen unterhalb von 1 mg/l läßt die meßbare Wirksamkeit
des Zusatzes zu stark nach. Die obere Grenze ist durch die maximale Löslichkeit eines
Zusatzes gegeben.
[0038] Bei rein organischen Zusätzen werden Konzentrationen von < 1 g/l bevorzugt, da sie
hier bereits ein Maximum ihrer Wirksamkeit erreichen.
[0039] Rein anorganische Zusätze zeigen bei Konzentrationen < 10 g/l eine nur geringe Wirksamkeit.
Daher werden hier höhere Konzentrationen bevorzugt.
[0040] Bevorzugte organische Zusätze sind Proteine und/oder Proteinabbauprodukte insbesondere
Gelatine, Agar-Agar, und/oder Tenside, insbesondere Natriumlaurylsulfat.
[0041] Bevorzugte anorganische Zusätze sind Sulfate, Chloride und/oder Nitrate der Alkalimetalle,
wie z. B. Na₂SO₄, Li₂SO₄ und/oder, soweit löslich, auch der Erdalkalimetalle, z.B.
MgSO₄.
[0042] Es wurde festgestellt, daß ein Badverbrauch von bis zu 50 % (bezogen auf die Startkonzentration
der Metallionen) in der Regel noch zu keiner nennenswerten Änderung der chemischen
und kristallographischen Zusammensetzung der Legierungspulver im Vergleich zur Startlegierungszusammensetzung
der Pulver führt. Die Legierungskomponeten werden bei nicht zu kleinen Kathodenpotentialen
mit konstantem Konzentrationsverhältnis reduziert. Um dennoch einer Baderschöpfung
vorzubeugen, empfiehlt es sich aber, übliche Elektrolytregenerierungsmaßnahmen, wie
z.B. Nachdosieren konzentrierter Metallsalzlösungen, zu ergreifen.
[0043] Die Badtemperatur hat nahezu keinen Einfluß auf die Pulvereigenschaften, jedoch erhebliche
Wirkungen auf die Stromausbeute und damit auf die Produktivität des Verfahrens. Diese
nimmt mit zunehmender Badtemperatur zu. Die Badtemperatur ist nach oben hin auf den
physikalischen und chemischen Existenzbereich des Lösungsmittels (z.B. Wasser) und
der Bestandteile bzw. auf den des fertigen Elektrolyten begrenzt.
[0044] Das Material der Kathode ist so zu wählen, daß es nicht vom Elektrolyten korrodiert
wird und ein leichtes Abtrennen des Pulvers ermöglicht. Geeignete Materialien sind
z.B. Aluminium, Titan, Edelstahl, Nickel, Gold oder Graphit. Durch Modifizieren der
Kathodenoberfläche, beispielsweise durch Aufbringen von Oxidschichten oder Auftragen
von organischen Trennschichten, wie z. B. mineralischen Ölen, PTFE, kann das Ablösen
des Pulvers von der Kathode begünstigt werden. Dadurch werden zum einen feinere Pulver
erhalten (Verminderung der mittleren Verweilzeit), zum anderen kann das Eigenschaftsspektrum
des Pulvers enger werden (Vergleichmäßigung des Verweilzeitspektrums). Eine Veränderung
der Pulvermorphologie ist nur denkbar, wenn die Morphologie sich mit der Verweilzeit
auf der Elektrode ändert. Die Modifizierung der Kathodenoberfläche selbst erfolgt
in Prozeßschritten, die vor der eigentlichen Elektrolyse stattfinden.
[0045] Die Rauhtiefe der Kathodenoberfläche sollte maximal einige mm, vorzugsweise nur einige
µm betragen, um zu gewährleisten, daß eine hohe Pulverausbeute, ein gleichmäßiges
Pulverabtrennverhalten und damit auch gleichbleibende Pulvereigenschaften erreicht
werden.
[0046] Die Form der Kathode sollte so beschaffen sein, daß eine möglichst gleichmäßige Strömung
und Potentialverteilung auf der Kathodenoberfläche gegeben ist. Bei Einsatz einer
Schwingelektrode als Kathode ist diese vorzugsweise als vertikal angeordneter Zylinder,
der in Schwingungen in vertikaler Richtung versetzt wird, auszubilden.
[0047] Das erfindungsgemäße Verfahren kann prinzipiell für beliebige Legierungssysteme,
beispielsweise auch für Legierungen der Übergangsmetalle und Zinnlegierungen eingesetzt
werden. Vorzugsweise sollen mit dem erfindungsgemäßen Verfahren jedoch Legierungen
der Edelmetalle Pt, Ru, Rh, Pd, Os, Ir, Ag, Au hergestellt werden.
[0048] Das erfindungsgemäße Verfahren hat insbesondere den Vorteil, daß erstmals für nahezu
beliebige Legierungssysteme gezielt einphasige Pulver elektrolytisch hergestellt werden
können. Dabei werden nicht nur Pulver mit scharf definierten Eigenschaften, wie chemische
und kristallographische Zusammensetzung, Korngröße und Morphologie erhalten, die abgeschiedenen
Pulver zeichnen sich darüber hinaus noch aufgrund des mit der elektrolytischen Abscheidung
einhergehenden Raffinationseffektes durch eine hohe Reinheit aus, die mit Hilfe der
herkömmlichen Verfahren nicht erzielbar ist.
[0049] Nachfolgend wird die Erfindung anhand der Figuren und der Ausführungsbeispiele näher
erläutert:
[0050] Es zeigen:
- Figur 1:
- die Elektrodenanordnung bei einer an sich bekannten Dreielektrodenmethode
- Figur 2:
- ein nach dem erfindungsgemäßen Verfahren für das System AgPd erstelltes Phasendiagramm
- Figur 3:
- ein nach dem erfindungsgemäßen Verfahren für das System CuSn erstelltes Phasendiagramm.
[0051] Die Pulverabscheidung erfolgte nach der für elektrochemische Messungen an sich bekannten
Dreielektrodenmethode.Die bei dieser Methode verwendete Elektrodenanordnung ist in
Figur 1 dargestellt. Mit (1) ist in Figur 1 der Potentiostat bezeichnet, mit (2) die
Gegenelektrode, mit (3) die Arbeitselektrode und mit (4) die Bezugselektrode. V und
A bezeichnen ein Voltmeter bzw. ein Ampéremeter.
[0052] Das Kernstück der Anlage bestand aus einer Schwingelektrode, die mit einem Potentio-
/ Galvanostaten (Modell PAR 273, Firma Princeton Applied Research) und einem Tischrechner
(Modell 216, Hewlett Packard) verbunden war. Die Steuerung des Abscheideprozesses
erfolgte zum Teil rechnergestützt.
[0053] Das verwendete Schwingelektrodensystem bestand aus einem Sinusgenerator (Typ TPO-25),
dessen frequenz - und amplitudenveränderbares Signal einen elektromagnetischen Schwingerreger
(Typ 201, Firma Ling Dynamics) steuerte, der wiederum die Arbeitselektrode in Schwingungen
versetzte.
[0054] Die Amplitude der Schwingelektrode war von der Frequenz abhängig und erreichte für
gekoppelte Maximalwerte, bei einer Frequenz von 50 Hz, eine Schwingungsweite von 1.8
mm.
[0055] Als Elektrolysezelle diente ein 600 ml fassendes Weithalsglasgefäß. Die Schwingelektrode
wurde zentrisch in der Elektrolysezelle plaziert. Als Gegenelektrode wurde eine unlösliche
Anode aus platiniertem Titan-Streckmetall verwendet. Als Bezugselektrode diente eine
gesättigte Kalomelelektrode (SCE, Normalpotential E° = +0.245 V).
[0056] Bei den nachfolgenden Ausführungsbeispielen wurden bei der Pulverabscheidung, bei
sonst jeweils konstanten Elektrolysebedingungen, das Abscheidungspotential sowie die
Konzentrationen der Legierungskomponenten bei konstanter Gesamtmetallionenkonzentration
variiert. Die abgeschiedenen Pulver wurden anschließend mit an sich bekannten Methoden
auf ihre chemische Zusammensetzung und kristallographische Struktur hin untersucht.
System AgPd
[0057] Die Ergebnisse für das System AgPd sind in den Tabellen 1 bis 3 aufgeführt und in
Figur 2 in Form eines Phasendiagrammes graphisch dargestellt. In den Tabellen und
in der Figur bezeichnet MK jeweils Mischkristallbildung. E
Ag bzw. E
Pd sind die reversiblen Reduktionspotentiale von Silber bzw. Palladium.
[0058] Es wurden folgende konstante Verfahrensparameter eingestellt:
| Gesamtmetallionenkonzentration |
| (mAg + mPd): |
1 g/l |
| HNO₃-Konzentration: |
6 g/l |
| Lösungsmittel: |
destilliertes Wasser |
| Kathode: |
Graphit; zylindrisch 10 mm x 10 mm Durchm. |
| Schwingungsbed.: |
Amplitude = 2 mm; Frequenz = 35 Hz |
| Gegenelektrode: |
Titan - Streckmetall |
| Temperatur: |
20°C |
[0059] Variiert wurden in den nachfolgenden Tabellen 1 bis 3 jeweils das Metallionenkonzentrationsverhältnis
der Legierungskomponenten c
Ag/Pd und das Kathodenpotential E
K.
Tabelle 1
| cAg = 0,65 g/l; cPd = 0,35 g/l |
| EK vs. SCE in V |
Anzahl Phasen im Pulver |
Art der Phase(n) |
Chem. Analyse Pulver (gesamt) |
| +0,750 |
1 |
Ag |
100% Ag |
| +0,100 |
2 |
reines Ag, reines Pd |
90% Ag, 10% Pd |
| -1,000 |
2 |
MKAg₈₇Pd₁₃ +Pd |
75% Ag, 25% Pd |
| -2,700 |
2 |
MKAg₆₀Pd₄₀ + MKAg₃₇Pd₆₃ |
65% Ag, 35% Pd |
| -3,000 |
1 |
MKAg₆₅Pd₃₅ |
65% Ag, 35% Pd |
| -5,000 |
1 |
MKAg₆₅Pd₃₅ |
65% Ag, 35% Pd |
Tabelle 2
| cAg = 0,1 g/l; cPd = 0,9 g/l |
| EK vs. SCE in V |
Anzahl der Phasen im Pulver |
Art der Phase(n) |
Chem. Analyse Pulver (gesamt) |
| +0,5 |
2 |
reines Ag; reines Pd |
95% Ag, 5% Pd |
| -0,5 |
2 |
MKAg₉₃Pd₇+reines Pd |
70% Ag, 30% Pd |
| -1,5 |
2 |
MKAg₇₅Pd₂₅ +MKAg₁₀Pd₉₀ |
11% Ag, 89% Pd |
| -3,0 |
1 |
MKAg₁₀Pd₉₀ |
10% Ag, 90% Pd |
| -6,0 |
1 |
MKAg₁₀Pd₉₀ |
10% Ag, 90% Pd |
Tabelle 3
| cAg = 0,5 g/l; cPd = 0,5 g/l |
| EK vs. SCE in V |
Anzahl der Phasen im Pulver |
Art der Phase(n) |
Chem. Analyse Pulver (gesamt) |
| +0,5 |
2 |
reines Ag, reines Pd |
97% Ag, 3% Pd |
| -2,0 |
2 |
MKAg₇₃Pd₂₇ + MKAg₂₀Pd₈₀ |
63% Ag, 37% Pd |
| -4,0 |
2 |
MKAg₅₅Pd₄₅ + MKAg₃₇Pd₆₃ |
54% Ag, 46% Pd |
| -6,0 |
1 |
MKAg₅₀Pd₅₀ |
50% Ag, 50% Pd |
[0060] Man erkennt in Figur 2, daß sich das Legierungsverhalten des Systems AgPd sehr übersichtlich
in einer neuen Art Phasendiagramm darstellen läßt. Angelehnt an herkömmliche Temperatur-Konzentrations-Phasendiagramme
sind in Figur 2 die bei der Pulverabscheidung entstandenen Phasen in Abhängigkeit
vom Kathodenpotential und der Einfachheit halber von der Pd-Konzentration in dem abgeschiedenen
Pulver aufgetragen. Ebensogut könnte eine Darstellung mit dem Metallionenkonzentrationsverhältnis
als Abzisse gewählt werden. Ein Vorteil dieser Darstellungsweise liegt nicht nur in
der Übersichtlichkeit, sondern insbesondere auch in der einfachen Ablesemöglichkeit
der Mengenverhältnisse der abgeschiedenen Phasen durch Anwendung des an sich bekannten
Hebelgesetzes.
[0061] Das hier vorgestellte Phasendiagramm kann jedoch wegen der relativ geringen Anzahl
der ihm zugrunde liegenden Meßpunkte nur als grober Überblick betrachtet werden. Für
die exakte Bestimmung der Phasengrenzlinien wären noch zusätzliche Messungen durchzuführen.
Das Diagramm läßt jedoch deutlich die Mischungslücke erkennen, innerhalb derer die
erzeugten Legierungspulver heterogen kristallisieren. Es zeigt sich, daß hier zwei
heterogene Phasengebiete existieren. Bei geringen Potentialen entstehen silberreiche
Mischkristalle neben Palladiumkristallen. Bei höheren Potentialen entstehen neben
den silberreichen auch palladiumreiche Mischkristalle, bis mit weiter steigendem Elektrodenpotential
die Mischungslücke verschwindet und über den gesamten Konzentrationsbereich einphasige
AgPd-Legierungspulver abgeschieden werden können.
[0062] Man erkennt des weiteren, daß das kritische Potential zur einphasigen Legierungsbildung
vom AgPd-Konzentrationsverhältnis im Elektrolyten bzw. von der herzustellenden Legierungszusammensetzung
abhängt. So liegt das kritische Potential für ein einphasiges Ag50Pd50-Legierungspulver
noch oberhalb von -5 V (vs. SCE), während ein einphasiges Ag90Pd10-Legierungspulver
schon bei -1 V abgeschieden wird.
[0063] Es zeigt sich somit, daß bei der elektrolytischen Pulverabscheidung die treibende
Kraft der einphasigen Legierungsbildung tatsächlich das Elektrodenpotential ist. Erst
oberhalb eines kritischen Elektrodenpotentials werden einphasige Legierungspulver
beobachtet, die von ihrer chemischen Zusammensetzung den Ag-Pd-Konzentrationsverhältnissen
des Elektrolyten sehr nahekommen.
System CuSn:
[0064] Das erfindungsgemaße Verfahren eignet sich auch zur Herstellung von einphasigen Pulvern
intermetallischer Verbindungen, wie im folgenden am System CuSn demonstriert werden
soll. Intermetallische Verbindungen sind Legierungsphasen mit einem so engen Konzentrationsbereich,
daß sich eine bestimmte stöchiometrische Zusammensetzung der Legierungskomponenten
angeben läßt.
[0065] Die nachfolgenden Tabellen 4 bis 6 zeigen, daß sich auch bei intermetallischen Verbindungen
für bestimmte Metallionenkonzentrationsverhältnisse Kathodenpotentiale finden lassen,
bei welchen eine einphasige Pulverabscheidung erfolgt.
[0066] Die folgenden Verfahrensparameter wurden konstant gehalten
| Basiselektrolyt: |
2 g/l Gesamtmetallionenkonzentration |
| 30 g/l Salzsäure |
| 10 g/l Ammoniumchlorid |
| Lösungsmittel: |
destilliertes Wasser |
| Kathode: |
Titan, zylinderisch 10 mm x 10 mm Durchmesser |
| Schwingungsbed.: |
Amplitude = 1 mm, Frequenz = 35 Hz |
| Gegenelektrode: |
Titan-Streckmetall |
| Badtemperatur: |
= 65°C |
Tabelle 4
| Ek = -400 - -600 mV vs. SCE |
| Sn-Ionenkonzen tration (Rest Cu) in g/l |
Anzahl der Phasen im Pulver |
Art der Phase(n) |
| 1,30 - 1,50 |
2 |
α-Mischkristall + δ-Bronze |
| 1,55 - 1,65 |
1 |
δ-Bronze |
| 1,70 - 1,80 |
2 |
δ- + ε-Bronze |
| 1,85 - 1,95 |
1 |
ε-Bronze |
Tabelle 5
| Ek = -400 - -800 mV vs. SCE |
| Sn-Ionenkonzentration (Rest Cu) in g/l |
Anzahl der Phasen im Pulver |
Art der Phase(n) |
| 0,95 - 1,25 |
1 |
α-Mischkristall |
| < 0,05 |
2 |
ω-Zinn + ε-Bronze |
Tabelle 6
| Ek = - 1000 - -2000 mV vs. SCE |
| Sn-Ionenkonzentration (Rest Cu) in g/l |
Anzahl der Phasen im Pulver |
Art der Phase(n) |
| 0,80 - 1,30 |
2 |
α-Mischkristall + η-Bronze |
| 1,35 - 1,45 |
1 |
η-Bronze |
| 1,50 - 1,95 |
2 |
η-Bronze + ω-Zinn |
| < 0,05 |
1 |
ω-Zinn |
[0067] Noch stärker als im Falle des Systems AgPd gibt das anhand der obigen Meßwerte aufgezeichnete
elektrolytische Phasendiagramm für das System CuSn in Fig. 3 nur einen sehr groben
Überblick über den Phasenbestand und die Phasengrenzen. Jedoch lassen sich ohne weiteres
bereits die Existenzgebiete einphasiger Pulver der intermetallischen Verbindungen
im System CuSn erkennen.
System CuNi
[0068] In einem letzten Ausführungsbeispiel wird gezeigt, daß auch für das System CuNi bei
einem festen Metallionenkonzentrationsverhältnis und sonst konstanten Verfahrensparametern
durch Erhöhen des Kathodenpotentials einphasige Legierungspulver herstellbar sind:
| Basiselektrolyt: |
0,5 g/l Nickel als NiCl₂ |
| 0,5 g/l Kupfer als CuCl₂ |
| 5,0 g/l Ammoniumchlorid |
| Kathode: |
Titan, zylinderisch 10 mm x 10 mm Durchmesser |
| Schwingungsbed.: |
Amplitude = 1 mm; Frequenz = 35 Hz |
| Badtemperatur: |
= 65°C |
Beispiel 1:
[0069]
- E = - 4 V vs. SCE:
- zweiphasig, reine Nickelphase und Kupfermischkristall
Beispiel 2:
[0070]
- E = - 6 V vs. SCE:
- einphasiger Mischkristall (chem. Zusammensetzung: 55 % Cu, 45 % Ni)
1. Verfahren zur elektrolytischen Herstellung feinkörniger, einphasiger metallischer
Legierungspulver, insbesondere Pulver intermetallischer Verbindungen sowie Edelmetallegierungspulver,
bei welchem man aus einem an sich bekannten anorganischen elektrolytischen Abscheidebad,
welches die abzuscheidenden Legierungskomponenten in Lösung enthält,
unter an sich bekannten, eine Pulverabscheidung herbeiführenden Elektrolysebedingungen
galvanisch auf der Kathode pulverförmige metallische Niederschläge erzeugt,
dadurch gekennzeichnet,
daß man in Vorversuchen durch sukzessives Erhöhen des Kathodenpotentials bei sonst
konstanten Verfahrensparametern ermittelt, ab welchem Kathodenpotential einphasige
Legierungspulver entstehen
und sodann die Pulverabscheidung bei einem im Bereich der einphasigen Legierungsabscheidung
liegenden Kathodenpotential potentiostatisch durchführt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß man bei einem Legierungssystem für unterschiedliche Metallionenkonzentrationsverhältnisse
der Legierungskomponenten bei festgelegter Gesamtmetallionenkonzentration das Kathodenpotential
sukzessive erhöht, die so erhaltenen Pulver auf ihre chemische und kristallographische
Zusammensetzung hin untersucht und anhand der gewonnenen Daten ein Phasendiagramm
erstellt, in welchem über dem Metallionenkonzentrationsverhältnis in Abhängigkeit
vom Kathodenpotential die Existenzgebiete der unterschiedlichen entstehenden Phasen
gekennzeichnet sind.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß man im Elektrolyten im Bereich der Grenzschicht vor der Kathode laminare und/oder
turbulente Strömungen in einer solchen Stärke erzeugt, daß die an der Kathode abgeschiedenen
Pulverteilchen kontinuierlich abgeworfen werden.
4. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 1-3,
dadurch gekennzeichnet,
daß über die Strömungsverhältnisse im Elektrolyten an der Kathodenoberfläche die Stromausbeute
gesteuert wird.
5. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 1-4,
dadurch gekennzeichnet,
daß über die Strömungsverhältnisse im Elektrolyten an der Kathodenoberfläche die Korngröße
des abgeschiedenen Pulvers eingestellt wird.
6. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 1-5,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Kathode während des Abscheideprozesses in Schwingungen versetztwird.
7. Verfahren nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Schwingungsamplitude zwischen 0,1 und 200 mm beträgt.
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Schwingungsamplitude zwischen 1 und 100 mm beträgt.
9. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 6-8,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Schwingungsfrequenz zwischen 5 Hz und 10 kHz beträgt.
10. Verfahren nach Anspruch 9
dadurch gekennzeichnet,
daß die Schwingungsfrequenz zwischen 10 und 100 Hz beträgt.
11. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 6-10,
dadurch gekennzeichnet,
daß zur Erhöhung des Stoffumsatzes an das Elektrolytbad Ultraschall angelegt oder
eine zusätzliche Rührung eingesetzt wird.
12. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 1-11,
dadurch gekennzeichnet,
daß dem Abscheidebad die abzuscheidenden Metalle in Form gleichartiger anorganischer
oder organischer Verbindungen zugesetzt werden.
13. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 1-12,
dadurch gekennzeichnet,
daß dem Abscheidebad zur Beeinflussung der Stromausbeute, Korngröße und/oder Morphologie
ein oder mehrere anorganische und/oder organische Zusätze zugegeben werden, welche
die Leitfähigkeit des Bades erhöhen und/oder Komplexe mit einem oder allen an der
Abscheidung beteiligten Metallionen bilden und/oder in die Elektrokristallisation
eingreifen.
14. Verfahren nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet,
daß als organische Zusätze Proteine und/oder Proteinabbauprodukte, insbesondere Gelatine,
Agar-Agar, und/oder Tenside, insbesondere Natriumlaurylsulfat verwendet werden.
15. Verfahren nach Anspruch 13 oder 14,
dadurch gekennzeichnet,
daß als anorganische Zusätze Sulfate, Chloride und/oder Nitrate der Alkalimetalle
und/oder, soweit löslich, auch der Erdalkalimetalle, verwendet werden.
16. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 13-15,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Gesamtkonzentration an organischen und anorganischen Zusätzen im Abscheidebad
zwischen 1 mg/l und 200 g/l beträgt.
17. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 13-16,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Konzentration an organischen Zusätzen im Abscheidebad weniger als 1 g/l beträgt.
18. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 13 - 16,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Konzentration an anorganischen Zusätzen mehr als 10 g/l beträgt.
19. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 1 - 18
dadurch gekennzeichnet,
daß die Kathodenoberfläche mit einer dünnen, elektrisch nicht leitenden Schicht belegt
ist, welche das Pulverabwerfverhalten der Kathode begünstigt.
20. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 1-19,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Kathodenoberfläche mit einer Oxidschicht oder einer dünnen organischen Trennschicht
belegt ist.