[0001] Die Erfindung betrifft ein Hochspannungsschaltgerät, insbesondere einen Erdungsschalter,
mit mindestens zwei nebeneinander angeordneten Festkontakten, mit mittels von Schwenkarmen
in einer Schwenkebene schwenkbaren, auf die Festkontakte aufschiebbaren Schaltkontakten
und mit einem allen Schwenkarmen gemeinsamen Schwenkantrieb, wobei die Festkontakte
jeweils einen Aufschiebekontakt mit einem mehr oder weniger quer zur Aufschieberichtung
verlaufenden Befestigungsarm aufweisen, jeder Schaltkontakt mindestens ein Paar von
Kontaktfingern besitzt und die Kontaktfinger beim Schließen beidseits auf den Aufschiebekontakt
auflaufen und anschließend am Aufschiebekontakt anliegend entlanglaufen.
[0002] Hochspannungsschaltgeräte der in Rede stehenden Art, insbesondere solche in der Ausführungsform
als Erdungsschalter, sind seit längerem bekannt, wozu auf die DE-PS 24 09 527 verwiesen
wird; der Offenbarungsgehalt der DE-PS 24 09 527 wird hiermit ausdrücklich zum Offenbarungsgehalt
der hier beschriebenen Erfindung gemacht.
[0003] Nachteilig ist bei den bekannten Hochspannungsschaltgeräten, von denen die Erfindung
ausgeht, daß der Schwenkantrieb relativ leistungsstark ausgeführt sein muß. Folglich
liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, das bekannte Hochspannungsschaltgerät, von
dem die Erfindung ausgeht, so auszugestalten und weiterzubilden, daß es bei ansonsten
gleichen Voraussetzungen (vor allem in bezug auf die Nennspannung, den Nennstrom und
den maximal zulässigen Kurzschlußstrom) mit einem weniger leistungsstarken Schwenkantrieb
auskommt.
[0004] Das erfindungsgemäße Hochspannungsschaltgerät, bei dem die zuvor aufgezeigte Aufgabe
gelöst ist, ist zunächst und im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, daß die Kontaktfinger
der verschiedenen Schaltkontakte beim Schließen zeitlich nacheinander auf die zugeordneten
Aufschiebekontakte auflaufen. Erfindungsgemäß ist erkannt worden, daß im Stand der
Technik der Schwenkantrieb deshalb besonders leistungsstark ausgeführt sein muß, weil
das Auflaufen der Kontaktfinger der Schaltkontakte auf die Aufschiebekontakte, im
Gegensatz zum anschließenden Entlanglaufen an den Aufschiebekontakten, einen hohen
Kraftaufwand erfordert; der Schwenkantrieb muß im Stand der Technik auf die Summe
aller in diesem Augenblick auftretenden Kräfte ausgelegt sein. Erfindungsgemäß ist
nun erreicht, daß der Schwenkantrieb wesentlich weniger leistungsstark ausgelegt sein
muß, da dafür gesorgt ist, daß das Auflaufen der Kontaktfinger der verschiedenen Schaltkontakte
auf die zugeordneten Aufschiebekontakte nicht gleichzeitig, sondern zeitgleich versetzt
erfolgt. Dadurch wird erreicht, daß zeitgleich stets nur gerade die Kontaktfinger
eines Schaltkontaktes auf den zugehörigen Aufschiebekontakt auflaufen, während die
Kontaktfinger des anderen Schaltkontaktes oder der anderen Schaltkontakte entweder
nur noch am entsprechenden Aufschiebekontakt anliegend entlanglaufen oder mit dem
Aufschiebekontakt überhaupt noch nicht in Berührung stehen.
[0005] Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten, die zuvor erläuterte Lehre der Erfindung
auszugestalten und weiterzubilden, wozu einerseits auf die dem Patentanspruch 1 nachgeordneten
Patentansprüche, andererseits auf die Erläuterung eines bevorzugten Ausführungsbeispiels
anhand der Zeichnung verwiesen werden darf. In der Zeichnung zeigt
- Fig. 1
- in einer Seitenansicht ein als Erdungsschalter ausgeführtes erfindungsgemäßes Hochspannungsschaltgerät,
- Fig. 2
- das Hochspannungsschaltgerät aus Fig. 1 in einer Ansicht von oben, teilweise weggebrochen,
und
- Fig. 3
- ausschnittweise, in vergrößerter Darstellung, den eigentlichen Kontaktbereich des
Hochspannungsschaltgerätes aus Fig. 1.
[0006] Das in Fig. 1 dargestellte Hochspannungsschaltgerät ist ein Erdungsschalter, der
von seinem grundsätzlichen Aufbau her zunächst drei Festkontakte 1 und mittels von
Schwenkarmen 2 in einer Schwenkebene schwenkbare, auf die Festkontakte 1 aufschiebbare
Schaltkontakte 3 aufweist. Die Festkontakte 1 weisen jeweils einen Aufschiebekontakt
4 mit einem Aufschiebeanschlag 5 und einen mehr oder weniger quer zur Aufschieberichtung
verlaufenden Befestigungsarm 6 auf. Die Schaltkontakte 3 bestehen im hier dargestellten
Ausführungsbeispiel aus zwei Paaren von Kontaktfingern 7, wobei die Kontaktfinger
7 beim Schließen beidseits auf den Aufschiebekontakt 4 auflaufen und anschließend
am Aufschiebekontakt 4 anliegend entlanglaufen, bis die Enden der Paare von Kontaktfingern
7 an den in Fig. 1 dargestellten Aufschiebeanschlägen 5 zur Anlage kommen.
[0007] Wie insbesondere Fig. 1 zeigt, bilden der Aufschiebekontakt 4 und der Befestigungsarm
6 ein bogenförmiges bzw. winkelförmiges Bauteil, das in der Schwenkebene des Schaltkontaktes
liegt. Der Aufschiebekontakt 4 ragt vom Befestigungsarm 6 in Aufschieberichtung einseitig
vor. Der Bereich, in dem die Kontaktfinger 7 des Schaltkontaktes 3 beim Schließen
auf den Aufschiebekontakt 4 auflaufen, ist als Auftreffbereich 8 in Fig. 1 kenntlich
gemacht. (Sinn und Zweck dieser Ausgestaltung eines Hochspannungsschaltgerätes ist
in der DE-PS 24 09 527 im einzelnen erläutert, weshalb hier nochmals auf den Offenbarungsgehalt
dieser Patentschrift verwiesen wird.)
[0008] Für den Ausgangspunkt der Erfindung wesentlich ist, daß nebeneinander mindestens
zwei, im dargestellten Ausführungsbeispiel drei Festkontakte 1 und an Schwenkarmen
2, nämlich an drei Schwenkarmen 2a, 2b und 2c schwenkbare Schaltkontakte 3 vorgesehen
sind. In Fig. 1 ist nur der hinterste Schwenkarm 2c mit entsprechendem Schaltkontakt
3 eingezeichnet; gestrichelt eingezeichnet sind Teile, die zu den weiter vorne liegenden
Schwenkarmen 2a und 2b gehören.
[0009] Beim Einschalten eines Hochspannungsschaltgerätes der in Rede stehenden Art laufen
die Kontaktfinger 7 auf den Aufschiebekontakt 4 beidseits auf und werden dabei, wenn
auch häufig nur geringfügig, gespreizt, so daß an den Stromübergangsstellen ein hinreichender
Kontaktdruck geschaffen wird.
[0010] Anschließend gleiten die Kontaktfinger 7 am Aufschiebekontakt 4 anliegend entlang,
wobei zwar der Kontaktdruck aufrechterhalten wird, die zur Überwindung der Gleitreibung
erforderliche Kraft aber wesentlich geringer ist als die Kraft, die beim Auflaufen
der Kontaktfinger 7 zum Bewegungsbeginn und Aufspreizen der Kontaktfinger 7 erforderlich
ist. Ohne weiteres wäre deshalb der gemeinsame Schwenkantrieb für die Schwenkarme
2a, 2b, 2c der Schaltkontakt relativ leistungsstark zu dimensionieren. Von dieser
Erkenntnis ausgehend lehrt die Erfindung, daß die Kontaktfinger 7 der verschiedenen
Schaltkontakte 3 beim Schließen zeitlich nacheinander auf die zugeordneten Aufschiebekontakte
4 auflaufen. Der wesentliche Kern dieser Lehre der Erfindung ist im allgemeinen Teil
der Beschreibung schon erläutert worden, so daß sich hierzu an dieser Stelle weitere
Ausführungen erübrigen.
[0011] Die Lehre der Erfindung läßt sich nun auf verschiedene Arten konstruktiv konkret
umsetzen.
[0012] Ein erstes, nicht dargestelltes Ausführungsbeispiel ist dabei dadurch gekennzeichnet,
daß die Aufschiebekontakte bezüglich der Schwenkebene der Schwenkarme miteinander
fluchtend angeordnet und die Schwenkarme zueinander winkelförmig versetzt sind. Den
Winkelversatz der Schwenkarme (und damit der daran angebrachten Kontaktfinger der
Schaltkontakte) kann man dadurch schaffen, daß man in Öffnungsstellung des Hochspannungsschaltgerätes
die unterschiedlichen Schwenkarme entsprechend winkelförmig versetzte Ruhestellungen
einnehmen läßt, oder dadurch, daß man dem zweiten und ggf. dem dritten Schwenkarm
gegenüber dem ersten bzw. dem zweiten Schwenkarm einen Schwenknachlauf, also eine
Art Freilauf, einräumt. In jedem Fall muß an den Aufschiebekontakten oder am Schwenkantrieb
für eine entsprechende Maßnahme gesorgt werden, müssen also die Aufschiebekontakte
nach hinten, also in Aufschieberichtung hin unterschiedlich lang sein oder der Schwenkantrieb
muß auch am Ende ein Nachlaufen des zweiten bzw. dritten Schwenkarmes erlauben.
[0013] Die zuvor erläuterten Maßnahmen sind relativ kompliziert zu verwirklichen, so daß,
in der Zeichnung dargestellt, eine bevorzugte Lehre der Erfindung dahingeht, daß die
Schwenkarme 2 bezüglich der Schwenkebene miteinander fluchtend angeordnet und vom
Schwenkantrieb synchron angetrieben sind und die verschiedenen Aufschiebekontakte
4 unterschiedlich weit entgegen der Aufschieberichtung vorspringend ausgebildet sind.
Die zuvor erläuterte Maßnahme läßt sich beispielsweise dadurch realisieren, daß der
Befestigungsarm 6 des jeweiligen Aufschiebekontakts 4 einen unterschiedlichen Bogenverlauf
hat und die Aufschiebekontakte 4 entsprechend unterschiedlich lang sind, so daß die
Aufschiebeanschläge 5 der verschiedenen Festkontakte 1 wieder alle miteinander fluchtend
angeordnet sind.
[0014] Einerseits, weil die Aufschiebekontakte 4 häufig besonders aufwendig herzustellen
sind, andererseits, weil unter Umständen auch ein Nachrüstungsbedarf an bestehenden
Hochspannungsschaltgeräten besteht, empfiehlt sich als besonders zweckmäßige Lösung
für die zuvor erläuterte Lehre der Erfindung nun aber, daß die Festkontakte 1 eine
am Aufschiebekontakt 4 befestigte, den eigentlichen Kontakt- und Aufschiebebereich
für die Kontaktfinger 7 bildende Strombahn 9 aufweisen und die Strombahnen 9 an den
verschiedenen Aufschiebekontakten 4 unterschiedlich lang ausgebildet sind. Schon in
Fig. 1 sind die drei Strombahnen 9a, 9b und 9c für die drei hier nebeneinander angeordneten
Aufschiebekontakte 4 dargestellt. Fig. 2 läßt in Draufsicht die unterschiedliche Länge
der drei Strombahnen 9a, 9b, 9c an den Schwenkarmen 2a, 2b, 2c erkennen. Im dargestellten
Ausführungsbeispiel gilt dabei allerdings, daß auch die drei Aufschiebekontakte 4
entsprechend den Strombahnen 9 verlängert sind.
[0015] Fig. 3 zeigt sehr schön, wie bei synchron bewegten Schwenkarmen 2 mit Kontaktfingern
7 die Kontaktfinger 7 zeitlich versetzt auf die zugeordneten Aufschiebekontakte 4
bzw. auf die Strombahnen 9a, 9b, 9c auflaufen. Fig. 3 zeigt nämlich, daß hier gerade
die Kontaktfinger 7 am Schwenkarm 2a des ersten Erdungsschalters auf die Strombahn
9a des entsprechenden Aufschiebekontakts 4 aufgelaufen sind, wohingegen die Kontaktfinger
7 der beiden anderen Schwenkarme 2b und 2c noch vor dem Auflaufen auf die entsprechenden
Strombahnen 9b und 9c stehen.
[0016] Im dargestellten und insoweit bevorzugten Ausführungsbeispiel sind die Strombahnen
9 plattenförmig ausgeführt und an den Aufschiebekontakten 4 angeschraubt. Auch auf
jede andere Weise könnten aber die Strombahnen 9 an den Aufschiebekontakten 4 befestigt
sein.
[0017] Nicht dargestellt ist in der Zeichnung, daß die zuvor erwähnten Aufschiebeanschläge
5 natürlich auch an den Strombahnen 9 angeordnet sein können.
[0018] Fig. 3 läßt schließlich noch erkennen, daß bei zwei oder mehr als zwei Paaren von
Kontaktfingern 7 je Schaltkontakt 3 der Längenunterschied der Strombahnen 9a, 9b,
9c auf den größten Abstand der Kontaktfinger 7 in der Schwenkebene abgestimmt sein
sollte. Das macht insbesondere ein Vergleich der Positionen der Kontaktfinger 7 der
beiden Schwenkarme 2a und 2b gegenüber den Strombahnen 9a und 9b deutlich.
[0019] Die Fig. 2 und 3 dienen nur schematisch der Erläuterung der Erfindung. Keinesfalls
handelt es sich hier um Darstellungen, die Rückschlüsse auf die Dimensionen der Teile
des erfindungsgemäßen Hochspannungsschaltgerätes zulassen. Insbesondere ist tatsächlich
der Abstand zwischen den einzelnen Festkontakten 1 bzw. den einzelnen Schwenkarmen
2 und den davon getragenen Schaltkontakten 3 wesentlich größer, nämlich so groß, wie
es die Nennspannung erfordert. In der Regel sind jeweils ein Festkontakt 1 und ein
Schwenkarm 2 mit Schaltkontakt 3 funktionell zu einem Pol eines dreipoligen Hochspannungsschaltgerätes
zusammengefaßt, wobei die drei Pole dann eine gemeinsame Grundkonstruktion und einen
gemeinsamen Schwenkantrieb haben.
1. Hochspannungsschaltgerät, insbesondere Erdungsschalter, mit mindestens zwei nebeneinander
angeordneten Festkontakten, mit mittels von Schwenkarmen in einer Schwenkebene schwenkbaren,
auf die Festkontakte aufschiebbaren Schaltkontakten und mit einem allen Schwenkarmen
gemeinsamen Schwenkantrieb, wobei die Festkontakte jeweils einen Aufschiebekontakt
mit einem mehr oder weniger quer zur Aufschieberichtung verlaufenden Befestigungsarm
aufweisen, jeder Schaltkontakt mindestens ein Paar von Kontaktfingern besitzt und
die Kontaktfinger beim Schließen beidseits auf den Aufschiebekontakt auflaufen und
anschließend am Aufschiebekontakt anliegend entlanglaufen, dadurch gekennzeichnet, daß die Kontaktfinger (7) der verschiedenen Schaltkontakte (3) beim Schließen zeitlich
nacheinander auf die zugeordneten Aufschiebekontakte (4) auflaufen.
2. Hochspannungsschaltgerät nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Aufschiebekontakte
bezüglich der Schwenkebene der Schwenkarme miteinander fluchtend angeordnet und die
Schwenkarme zueinander winkelförmig versetzt sind.
3. Hochspannungsschaltgerät nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Schwenkarme
(2) bezüglich der Schwenkebene miteinander fluchtend angeordnet und die verschiedenen
Aufschiebekontakte (4) unterschiedlich weit entgegen der Aufschieberichtung vorspringend
ausgebildet sind.
4. Hochspannungsschaltgerät nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Festkontakte
(1) eine am Aufschiebekontakt (4) befestigte, den eigentlichen Kontakt- und Aufschiebebereich
für die Kontaktfinger (7) bildende Strombahn (9) aufweisen und die Strombahnen (9)
an den verschiedenen Aufschiebekontakten (4) unterschiedlich lang ausgebildet sind.
5. Hochspannungsschaltgerät nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Strombahnen
(9) plattenförmig ausgeführt und an den Aufschiebekontakten (4) angeschraubt sind.
6. Hochspannungsschaltgerät nach Anspruch 4 oder 5, wobei an jedem Aufschiebekontakt
mindestens ein Aufschiebeanschlag für die Kontaktfinger angeordnet ist, dadurch gekennzeichnet,
daß der Aufschiebeanschlag an der Strombahn angeordnet ist.
7. Hochspannungsschaltgerät nach einem der Ansprüche 1 bis 6, wobei zwei oder mehr als
zwei Paare von Kontaktfingern je Schaltkontakt vorgesehen sind, dadurch gekennzeichnet,
daß der Winkelversatz der Schaltarme bzw. der Abstand der Vorderkanten der Aufschiebekontakte,
insbesondere der Längenunterschied der Strombahnen (9), auf den größten Abstand der
Kontaktfinger (7) eines Schaltkontakts (3) in der Schwenkebene abgestimmt ist.