[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Trocknen eines wasserhaltigen Feststoffes
in einem Wirbelbett, das durch mindestens eine Wärmetauscher-Einrichtung indirekt
beheizt wird, dabei zieht man aus dem Wirbelbett wasserdampfreiche Brüden ab und leitet
einen Teil der Brüden als Wirbelmedium durch das Wirbelbett, den Rest oder einen weiteren
Teil der Brüden kühlt man unter Bildung von Brüdenkondensat ab. Bei dem zu trocknenden
Feststoff kann es sich z.B. um Kohle, Braunkohle, Torf, einen wasserhaltigen Abfallstoff
oder Schlamm handeln.
[0002] Ein Verfahren dieser Art ist im deutschen Patent 29 01 723 und im dazu korrespondierenden
US-Patent 4 295 281 sowie im deutschen Patent 36 44 806 und in der deutschen Offenlegungsschrift
39 43 366 beschrieben. Bei diesem Verfahren entsteht zwangsläufig ein Brüdenkondensat,
das gewisse Verunreinigungen enthält, so daß das Kondensat zumeist nicht direkt in
den Vorfluter einer Kanalisation geleitet werden kann.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, das beim eingangs genannten Verfahren entstehende
Brüdenkondensat auf einfache und wirksame Weise ausreichend zu reinigen. Erfindungsgemäß
geschieht dies dadurch, daß man mindestens einen Teil des Brüdenkondensats in einer
Reinigungszone mit gas- oder dampfförmigem Strippmedium in direkten Kontakt bringt
und aus der Reinigungszone teilweise gereinigtes Kondensat und Verunreinigungen enthaltendes
Strippmedium abzieht.
[0004] Das erfindungsgemäße Verfahren der Reinigung des Brüdenkondensats kann auf verschiedene
Weise ausgestaltet werden. Es ist besonders zweckmäßig, als Strippmedium Wasserdampf
zu verwenden. Dabei kann es sich empfehlen, das Kondensat mit einer Temperatur, die
0 bis 10°C unter der Siedetemperatur liegt, in die Reinigungszone zu leiten. Dadurch
kann die Menge des als Strippmedium eingesetzten Wasserdampfs niedrig und z.B. im
Bereich von 1 bis 10 Gew.% der Kondensatmenge gehalten werden.
[0005] Um das Brüdenkondensat beim Eintritt in die Reinigungszone in der Nähe der Siedetemperatur
zu halten, kann es ferner zweckmäßig sein, das heiße Kondensat in die Reinigungszone
hinein zu entspannen. Hierbei stellt sich die dem Entspannungsdruck entsprechende
Siedetemperatur automatisch ein. Dies führt zu einer Teilverdampfung und dadurch zum
teilweisen Strippen des Kondensats.
[0006] Bei einer weiteren Verfahrensvariante erzeugt man das Strippmedium, Wasserdampf,
durch Aufkochen und Verdampfen von Brüdenkondensat in der Reinigungszone selbst.
[0007] Die Kondensation der Brüden kann unter Überdruck (z.B. 1,5 bis 10 bar) im Trocknungsverfahren
selbst erfolgen, wie es im deutschen Patent 36 44 806 beschrieben ist. Es ist aber
auch möglich, das zu reinigende Brüdenkondensat außerhalb des Trocknungsverfahrens
bei etwa Atmosphärendruck (d.h. etwa dem Druck, mit dem die Brüden das Wirbelbett
verlassen) oder aber bei einem Druck von 0,01 bis 0,5 bar, z.B. nach Entspannung in
einer Kondensationsturbine, zu erzeugen.
[0008] Ausgestaltungsmöglichkeiten des Verfahrens werden mit Hilfe der Zeichnung erläutert.
Es zeigt
- Fig. 1
- das Fließschema einer ersten Verfahrensvariante,
- Fig. 2
- das Fließschema einer zweiten Verfahrensvariante und
- Fig. 3
- eine Abwandlung des Verfahrens der Fig. 2.
[0009] Gemäß Fig. 1 werden die wasserhaltigen, zu trocknenden Feststoffe durch die Leitung
(1) einem Reaktor (2) aufgegeben, in welchem sich ein Wirbelbett (3) befindet. Im
Bereich des Wirbelbettes (3) ist eine Wärmetauscher-Einrichtung (4) angeordnet, die
von einem Heizmedium durchströmt wird. Wirbelmedium tritt durch Rohrleitungen (5)
aus, die einen Düsenrost bilden. Bei dem Wirbelmedium, das in der Leitung (6) herangeführt
wird, handelt es sich um einen Teil der wasserdampfreichen Brüden, die bei der Trocknung
des Feststoffes im Wirbelbett (3) entstehen.
[0010] Feststoffe enthaltende Brüden verlassen das Wirbelbett (3) durch den Kanal (9) und
gelangen zunächst zu einer Entstaubungseinrichtung (10), z.B. ein Elektrofilter oder
ein Schlauchfilter. Die darin abgeschiedenen Feststoffe werden durch die Leitung (11)
zurück in das Wirbelbett (3) geführt oder durch die Leitung (11a) abgeführt. Die weitgehend
entstaubten Brüden verlassen die Entstaubungseinrichtung (10) durch die Leitung (12)
und werden auf die Leitungen (13) und (14) aufgeteilt. Die Brüden der Leitung (13)
führt man durch das Gebläse (15) und die Leitung (6) als Wirbelmedium zurück in den
Reaktor (2).
[0011] Für die restlichen Brüden in der Leitung (14) bietet es sich an, ihren Wärmeinhalt
auszunutzen. Beim Verfahren der Fig. 1 leitet man diese Brüden durch die Leitung (17)
zu einem Verdichter (16), der vorzugsweise mehrstufig ausgebildet ist. Durch Wassereinspritzung
durch die Leitung (20) stellt man in den verdichteten Brüden der Leitung (21) Sattdampfbedingungen
ein. Diese verdichteten Brüden dienen als Heizmedium und werden durch die Leitung
(21) der Wärmetauscher-Einrichtung (4) zugeführt, wobei die Brüden beim Durchströmen
durch die Wärmetauscher-Einrichtung mindestens teilweise kondensieren. Dabei dient
die freigesetzte Kondensationswärme als wirksame Energiequelle zum indirekten Erhitzen
des Wirbelbettes (3). Weitgehend getrocknetes Feststoffmaterial rutscht zwischen den
Röhren (5) hindurch nach unten in die Sammelkammer (2a) des Reaktors (2) und wird
durch das Dosierorgan (23) abgezogen.
[0012] Das die Wärmeaustauscher-Einrichtung (4) in der Leitung (25) verlassende Brüdenkondensat
enthält verschiedenartige Verunreinigungen. Um dieses Kondensat mindestens teilweise
zu reinigen, gibt man es einer Strippkolonne (26) auf, die z.B. Böden oder Füllkörper
enthält. In den unteren Bereich der Kolonne (26) speist man durch die Leitung (27)
ein gas- oder dampfförmiges Strippmedium ein. Als Strippmedium ist Wasserdampf dann
empfehlenswert, wenn das durch die Leitung (25) in die Kolonne (26) geführte Kondensat
eine Temperatur aufweist, die 0 bis 10°C und vorzugsweise höchstens 5°C unter der
Siedetemperatur liegt. Dadurch wird in der Kolonne (26) nur wenig des als Strippmedium
benutzten Wasserdampfs dadurch verbraucht, daß dieser Wasserdampf in der Kolonne (26)
kondensiert.
[0013] Anstatt von einer Fremdquelle Wasserdampf als Strippmedium heranzuführen, kann man
den Wasserdampf auch durch indirekt beheiztes Aufkochen des Brüdenkondensats selbst
erzeugen. Das Aufkochen und Verdampfen von Brüdenkondensat kann z.B. im unteren Bereich
der Strippkolonne (26) oder außerhalb erfolgen.
[0014] Weitgehend gereinigtes Kondensat verläßt die Kolonne (26) in der Leitung (28) und
kann z.B. in einen Vorfluter geleitet werden. Das Verunreinigungen enthaltende Strippmedium
zieht man am Kopf der Kolonne (26) durch die Leitung (29) ab und entsorgt es z.B.
durch thermische Behandlung insbesondere in einer Verbrennungsanlage. Eine andere
Möglichkeit besteht darin, das in der Leitung (29) abgezogene Strippmedium zum Reinigen
über Aktivkohle oder Aktivkoks zu leiten. Wenn als Strippmedium Wasserdampf verwendet
wurde, kann man den gereinigten Wasserdampf im Trocknungsverfahren weiterverwenden,
z.B. als Wirbelmedium. Alternativ kann das verunreinigte Strippmedium auch kondensiert
und das Kondensat durch Verteilen auf das getrocknete Feststoffmaterial entsorgt werden.
[0015] In Fig. 2 ist wieder der Reaktor (2) mit dem Wirbelbett (3) und der Wärmetauscher-Einrichtung
(4) dargestellt, um die in der Leitung (1) herangeführten wasserhaltigen Feststoffe
zu trocknen. Wasserarme Feststoffe werden in der Leitung (24) abgezogen. Soweit gleiche
Bezugsziffern verwendet sind, gelten auch hier die bereits zusammen mit Fig. 1 gegebenen
Erläuterungen. Das Heizmedium, das man der Wärmetauscher-Einrichtung durch die Leitung
(30) zuführt, sind nunmehr nicht verdichtete Brüden, sondern z.B. Fremddampf oder
Thermoöl. Entstaubte Brüden werden durch die Leitung (31) zu einer Entspannungsturbine
(32) geführt, der ein Kondensator (33) nachgeschaltet ist. Die Turbine (32) dient
bevorzugt der Erzeugung elektrischer Energie. Das aus dem Kondensator (33) kommende
Brüdenkondensat gelangt durch die Leitung (34) in die Strippkolonne (26), der man
Strippmedium, insbesondere Wasserdampf, durch die Leitung (27a) zuführt. Bei diesem
Strippmedium kann es sich um einen Teilstrom der entstaubten Brüden handeln. Zumindest
teilweise gereinigtes Kondensat verläßt die Kolonne (26) in der Leitung (28) und Verunreinigungen
enthaltendes Strippmedium zieht man in der Leitung (29) über eine Vakuumpumpe (37)
ab.
[0016] Fig. 3 zeigt eine Abwandlung des Verfahrens der Fig. 2, wobei die Kolonne (26) etwa
unter Atmosphärendruck betrieben wird. Die entstaubten Brüden aus den Leitungen (12)
und (31) werden gemäß Fig. 3 zu einer Kondensationseinrichtung (36) geführt, wobei
die frei werdende Kondensationswärme beliebig genutzt wird. Das gebildete Brüdenkondensat
gelangt über die Leitung (34) zum Reinigen in die Strippkolonne (26), der man Strippmedium,
z.B. Wasserdampf, durch die Leitung (27) zuführt.
Beispiel
[0017] In einem in Fig. 2 dargestellten Wirbelbett-Trockner (2) werden durch die Leitung
(1) 100 t/h Braunkohle mit Korngrößen etwa unterhalb von 8 mm und mit einer Rohfeuchte
von 62,3 Gew.% aufgegeben. Als Heizmedium dienen 73,5 t/h Sattdampf mit einer Temperatur
von 160°C und einem Druck von 6 bar, der durch die Leitung (30) in die Wärmetauscher-Einrichtung
(4) geleitet wird, wo der Wasserdampf kondensiert. Hierbei wird die für die Trocknung
benötigte Wärme an das Wirbelbett (3) abgegeben, welches auf etwa 105°C aufgeheizt
wird.
[0018] Aus dem Trockner werden durch die Leitung (24) 43,8 t/h Trockenbraunkohle mit einer
Restfeuchte von 14 Gew.% und 155,6 t/h Brüden durch den Kanal (9) abgezogen. Nach
ihrer Entstaubung im Elektrofilter (10) werden pro Stunde 99,4 t als Teilstrom der
Brüden über Leitung (13), Gebläse (15) und Leitung (6) in den Wirbelbett-Trockner
als Wirbeldampf zurückgeführt. Die restlichen 56,2 t/h Brüden werden, wie in Fig.
3 dargestellt, durch die Leitung (31) einer Kondensationseinrichtung (36) zugeführt,
wo die Brüden unter Abgabe ihrer Kondensationswärme bei etwa 100°C kondensiert werden.
[0019] Der chemische Sauerstoffbedarf (CSB) des Brüdenkondensats in Leitung (34) liegt bei
110 mg O₂/l. Durch Strippen mit 1 t/h Niederdruck-Sattdampf aus der Leitung (27) wird
das Brüdenkondensat in der Strippkolonne (26), welche 12 Böden aufweist, auf einen
CSB von 50 mg O₂/l gereinigt, so daß es in einen Vorfluter gegeben werden kann. Über
die Leitung (29) wird 1 t/h verunreinigter Strippdampf aus der Kolonne mit einem CSB
von 3,37 g O₂/l abgezogen und verbrannt.
1. Verfahren zum Trocknen eines wasserhaltigen Feststoffes in einem Wirbelbett, das durch
mindestens eine Wärmetauscher-Einrichtung indirekt beheizt wird, dabei zieht man aus
dem Wirbelbett wasserdampfreiche Brüden ab und leitet einen Teil der Brüden als Wirbelmedium
durch das Wirbelbett, den Rest oder einen weiteren Teil der Brüden kühlt man unter
Bildung von Brüdenkondensat ab, dadurch gekennzeichnet, daß man mindestens einen Teil
des Brüdenkondensats in einer Reinigungszone mit gas- oder dampfförmigem Strippmedium
in direkten Kontakt bringt und aus der Reinigungszone teilweise gereinigtes Kondensat
und Verunreinigungen enthaltendes Strippmedium abzieht.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Strippmedium in der Reinigungszone
Wasserdampf verwendet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man das Strippmedium
durch Aufkochen und Verdampfen von Brüdenkondensat in der Reinigungszone erzeugt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Brüdenkondensat
mit einer Temperatur, die 0 bis 10°C unter der Siedetemperatur liegt, in die Reinigungszone
geleitet wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Menge
an Wasserdampf, die in die Reinigungszone geleitet wird, 1 bis 20 Gew.% der Kondensatmenge
entspricht.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Brüdenkondensat
in die Reinigungszone hinein entspannt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß das Verunreinigungen
enthaltende, aus der Reinigungszone abgezogene Strippmedium einer thermischen Behandlung
unterzogen wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß das Verunreinigungen
enthaltende, aus der Reinigungszone abgezogene Strippmedium über Aktivkohle oder Aktivkoks
gereinigt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß man das Verunreinigungen
enthaltende, aus der Reinigungszone abgezogene Strippmedium kondensiert und das so
gebildete Kondensat dem getrockneten Feststoff zumischt.
10. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß das über Aktivkohle oder Aktivkoks
gereinigte Strippmedium Wasserdampf ist, den man in das Trocknungsverfahren leitet.