[0001] Die Erfindung betrifft die Verwendung eines Stahls zur Herstellung von Konstruktionsrohren
für mechanisch stark beanspruchbare Konstruktionselemente, insbesondere für Türverstärkungen
im Automobilbau.
[0002] Zum Schutz gegen seitliche Aufprallunfälle von Kraftfahrzeugen werden in die Fahrzeugtüren
zur Versteifung vielfach Verstärkungselemente eingesetzt, die die kinetische Energie
des aufprallenden Fahrzeugs teilweise absorbieren und in plastische Verformung unwandeln.
Zur Übernahme dieser Aufgaben müssen die dafür verwendeten Stahlrohre vergleichsweise
hohen Anforderungen hinsichtlich Festigkeit, Dehnfähigkeit und Arbeitsvermögen genügen.
Ähnliches gilt beispielsweise auch für Konstruktionsrohre zur Herstellung von Stabilisatoren
oder sonstigen mechanisch stark beanspruchten Bauteilen.
[0003] Derartige Konstruktionsrohre werden üblicherweise warmgewalzt` wobei die Endwalztemperatur
zwischen 900
oC und 1080
oC liegt. Die erforderlichen Festigkeitseigenschaften können dabei in Abhängigkeit
von der verwendeten Stahlsorte durch eine Wasserhärtung eingestellt werden. Ein bekannter
Stahl, der nach diesem Verfahren hergestellt wird, enthält beispielsweise 0,18 % C,
0,4 % Si und 1,14 % Mn (Rest: Eisen und übliche Verunreinigungen). Der wesentliche
Nachteil dieses Verfahrensweges liegt in der zusätzlichen Wärmebehandlung des Stahlrohres
zur Einstellung der mechanischen Eigenschaften. Einerseits verteuert eine zusätzliche
Wärmebehandlung die Herstellung derartiger Rohre. Zum anderen werden die mechanischen
Eigenschaften durch am Rohr bereichsweise durchgeführte Warmformgebungen während der
Weiterverarbeitung beispielsweise zu Türverstärkerrohren oder in der Wärmeeinflußzone
von Schweißnähten, die zur Montage erforderlich sein können, verändert, so daß die
Festigkeitseigenschaften gegenüber denen des Ausgangszustandes ungewollt erheblich
absinken können.
[0004] Aus der DE 37 28 476 Cl und der DE 39 35 965 Cl sind zwei andere Stahlwerkstoffe
für Türverstärkerrohre bekannt, die aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung ihre
Festigkeitseigenschaften allein durch eine Luftabkühlung aus der Walzhitze heraus
erhalten, so daß keine gesonderte Wärmebehandlung mehr erforderlich ist. Die Verwendung
dieser Stähle beinhaltet jedoch andere gravierende Nachteile. So können beide großtechnisch
im LD-Verfahren nicht in einem einstufigen Erschmelzungsprozeß hergestellt werden.
Aufgrund des hohen Anteils an Legierungselementen muß die Einstellung der chemischen
Zusammensetzung nämlich in zwei Teilschritten erfolgen, was zwangsläufig entsprechende
Kostensteigerungen bei der Vormaterialerzeugung verursacht.
[0005] Die chemische Zusammensetzung (in Gewichts-%) dieser beiden Stähle ist wie folgt:
| DE 37 28 476 Cl |
DE 39 35 965 Cl |
| max. 0,35 % C |
0,15 - 0,25 % C |
| max. 0,50 % Si |
max. 0,60 % Si |
| max. 1,80 % Mn |
3,4 - 6,1 % Mn |
| max. 0,030 % P |
max. 0,030 % P |
| max. 0,030 % S |
max. 0,030 % S |
| 0 - 1,5 % Ni |
0 - 1,0 % Ni |
| 1,8 - 2,2 % Cr |
0 - 1,0 % Cr |
| 0,4 - 0,7 % Mo |
0 - 1,0 % Mo |
| 0,025 - 0,050 % Al |
max. 0,005 % Al |
| |
0 - 0,15 % V |
| Rest Eisen und übliche Verunreinigungen |
[0006] Zur Einstellung der geforderten mechanischen Eigenschaften des Stahls gemäß DE-37
28 476 Cl ist es erforderlich, die Elemente Cr, Ni und Mo in größeren Mengen zuzulegieren.
Ein Legierungskonzept auf der Basis dieser Elemente stellt aber allein schon wegen
der Materialkosten der Legierungselemente eine vergleichsweise kostspielige Lösung
dar.
[0007] Ein Effekt, der die Gebrauchseigenschaften des in der DE 39 35 395 Cl beschriebenen
Stahls günstig beeinflußt, ist dessen hohe Anlaßbeständigkeit. Diese Eigenschaft unterbindet
eine signifikante Verminderung der Festigkeitseigenschaften bei nachfolgenden Warmformgebungen
oder aber beim Feuerverzinken. Dagegen ist es als nachteilig anzusehen, daß die Kaltumformbarkeit
dieses Stahls wie auch die des Stahles nach DE 37 28 476 Cl außerordentlich eingeschränkt
ist, so daß bestimmte Rohrabmessungen, die durch übliche Warmumformung nicht unmittelbar
erstellbar sind, aus diesem Stahl nicht produziert werden können.
[0008] Aus der DE-40 32 996 Al ist ein weiterer Stahl bekannt für die Herstellung von Stahlprofilen,
die als Türverstärkungen eingesetzt werden sollen und einen äußeren Korrosionsschutz
durch Verzinkung aufweisen. Der Stahl weist folgende Analyse auf:
0,18 - 0,25 % C
0,30 - 0,50 % Si
1,30 - 2,00 % Mn
0,1 - 0,5 % Cr
0,1 - 0,3 % Mo
0,02 - 0,07 % Ti
0,002 - 0,007 % B
Rest Eisen und übliche Verunreinigungen
Bei diesem Stahl handelt es sich um einen Wasserhärter, dessen mechanische Eigenschaften
also erst mit entsprechendem Aufwand durch eine gesonderte Wärmebehandlung nach dem
Warmwalzen eingestellt werden müssen. Trotz des Charakters eines Wasserhärters ist
es bei den daraus hergestellten Stahlrohren möglich, diese durch Verzinken gegen Korrosion
zu schützen, ohne daß durch die dabei eintretende Erwärmung die eingestellten Festigkeitseigenschaften
in unzulässigem Maß vermindert werden.
[0009] Aufgabe der Erfindung ist es, einen lufthärtenden Stahl für die Verwendung zur Herstellung
von mechanisch stark beanspruchbaren Konstruktionsrohren, insbesondere für den Automobilbau,
vorzuschlagen, der durch ein einstufiges Erschmelzungsverfahren in LD-Konvertern herstellbar
ist und der bereits im warmgewalzten Zustand aufgrund seiner guten Festigkeitseigenschaften
verwendbar ist, d.h. vor seinem Einsatz nicht unbedingt einer Wärmebehandlung unterzogen
werden muß, um die z.B. für Türverstärkerrohre geforderten mechanischen Mindestanforderungen
hinsichtlich Zugfestigkeit, Streckgrenze und Bruchdehnung zu erfüllen. Eine Nebenaufgabe
der Erfindung liegt darin, einen solchen Stahl vorzuschlagen, der darüberhinaus auch
wesentlich verbesserte Eigenschaften bezüglich einer Kaltumformung aufweist.
[0010] Gelöst wird diese Aufgabe durch einen Stahl mit der im Patentanspruch beschriebenen
Zusammensetzung, wobei die Summe der Gehalte an Mn, Cr, Mo und Si mindestens 3,3 %
beträgt und das Mengenverhältnis Ti : N auf einen Wert von mindestens 3,4 eingestellt
wird.
[0011] Überraschend war es, daß das Ziel der Erfindung mit einfachen Maßnahmen erreicht
werden konnte. Gegenüber dem bekannten Stahl gemäß DE 39 35 965 Cl wurde der Mn-Gehalt
erheblich abgesenkt und auf der anderen Seite Mindestgehalte an Cr und Mo vorgeschrieben,
wodurch der Charakter eines Lufthärters erhalten blieb. Weiterhin wurde zur Gewährleistung
einer Durchvergütung und zur Festigkeitssteigerung die Zugabe von B vorgesehen, wobei
die Einhaltung der Obergrenze von 0,0035 % wichtig ist für die Kaltumformbarkeit der
aus diesem Stahl hergestellten Konstruktionsrohre. Dem vorgeschriebenen Si-Gehalt
kommt für die Erreichung der hohen Festigkeitswerte ebenfalls eine wesentliche Bedeutung
zu. Schließlich ist noch auf die Einstellung des Mindestverhältnisses Ti : N von 3,4
hinzuweisen, wobei der N-Gehalt auf einen Wert zwischen 0,002 % und 0,015 % zu begrenzen
ist.
[0012] Der erfindungsgemäß verwendete Stahl vereint die dargestellten positiven Eigenschaften
der bereits bekannten Stähle für Türverstärkerrohre. Gleichzeitig werden aufgrund
der besonderen chemischen Zusammensetzung des hier beschriebenen Stahls metallurgische
Verfahrensabläufe bei der Stahlherstellung vereinfacht. Darüberhinaus eröffnet dieser
Stahl die Möglichkeit, daraus gefertigte Rohre kalt zu verformen, so daß auch Präzisionsstahlrohre
mittels Kaltziehen hergestellt werden können.
[0013] Zusammenfassend sind folgende Eigenschaften zu nennen:
- einstufige Stahlherstellung im LD-Verfahren
- kostengünstige Legierungselemente
- Lufthärtbarkeit
- hohe Anlaßbeständigkeit
- hohe Festigkeitseigenschaften
- hohes Arbeitsaufnahmevermögen.
[0014] Außer für Türverstärkerrohre eignet sich der erfindungsgemäß beschriebene Stahl auch
für die Herstellung von z.B. Stabilisatoren, die bisher aus vergüteten, also gehärteten
und angelassenen Präzisionsstahlrohren gefertigt werden. Sie haben die Aufgabe, Achskörper
von Kraftfahrzeugen bei Torsionsbeanspruchungen zu versteifen. Zu diesem Zweck müssen
die Stabilisatoren im Torsionsversuch mit wechselnder Last bei vorgegebenem Verdrehwinkel
eine möglichst hohe Lastwechselzahl aushalten. Aus dem erfindungsgemäß verwendeten
Stahl können Stabilisatoren hergestellt werden, die sich dadurch auszeichnen, daß
diese nach dem Warmwalzen kaltgezogen werden können.
[0015] Eine weitere vorteilhafte Verwendung des beschriebenen Stahls ist im Hinblick auf
die Herstellung von Rohren für Fahrradrahmen oder beispielsweise für Kleiderständer
zu sehen, die aus Gewichtsgründen möglichst dünnwandig sein sollen.
[0016] In den nachfolgenden Ausführungsbeispielen wird die Erfindung näher beschrieben.
[0017] In einem einstufigen Erschmelzungsverfahren wurde in einem LD-Konverter ein Stahl
mit
0,25 % C
0,74 % Si
2,29 % Mn
0,02 % P
0,02 % S
0,66 % Cr
0,25 % Mo
0,03 % Al
0,046 % Ti
0,0029 % B
0,008 % N
Rest Eisen und übliche Verunreinigungen
erzeugt und zu Rundstrangguß abgegossen.
[0018] Die Rundstranggußabschnitte wurden zu Rohren der Abmessung 25 x 5 mm warmgewalzt
und nach dem letzten Verformungsschritt gezielt an Luft abgekühlt. Aufgrund der speziell
abgestimmten Legierungszusammensetzung wiesen die Rohre bereits im warmgewalzten Zustand
die für ihre Verwendung als Türverstärkerelemente erforderlichen Eigenschaften auf.
Für unverzinkte Rohre werden beispielsweise folgende Mindestwerte gefordert:
- Rm =
- 1400 N/mm²
- Rp0,2 =
- 1000 N/mm²
- A₅ =
- 9 %
Demgegenüber wiesen die erfindungsgemäß hergestellten Rohre folgende Eigenschaften
auf:
- Rm =
- 1610 N/mm²
- Rp0,2 =
- 1040 N/mm²
- A₅ =
- 15 %
Dabei ist es von Vorteil, daß der erfindungsgemäß verwendete Stahl kostenintensive
Elemente wie beispielsweise Nickel vollständig meidet. Ferner sind auch die Elemente
Chrom und Molybdän in nur relativ geringen Umfang enthalten. Sein Charakter als Lufthärter
macht bei diesem Stahl eine gesonderte Wärmebehandlung überflüssig und senkt damit
die Herstellkosten.
[0019] Wenn über die vorstehend geschilderten Anforderungen an die mechanischen Eigenschaften
von Türverstärkerrohren hinaus noch höhere Werte eingestellt werden sollen, wenn also
beispielsweise ein besonderes Biegeverhalten in einem spezifizierten quasi-statischen
Biegeversuch gewährleistet werden soll, so kann dies durch eine anschließend durchgeführte
geringe Kaltverformung der Rohre erreicht werden. Nach einer solchermaßen durchgeführten
Behandlung werden die mechanischen Eigenschaften der Rohre, insbesondere die Streckgrenze,
infolge der Kaltverfestigung noch verbessert, so daß auch schärfste Anforderungen
an das Biegeverhalten erfüllt werden können. Die Werte der mechanischen Eigenschaften
betrugen nach dem Kaltrichten an den erfindungsgemäß hergestellten Rohren:
- Rm =
- 1650 N/mm²
- Rp0,2 =
- 1208 N/mm²
- A₅ =
- 11 %
Ein ähnlicher Effekt konnte auch durch eine Anlaßbehandlung eingestellt werden. Aufgrund
der besonderen chemischen Zusammensetzung und gezielt genutzter werkstoffkundlicher
Mechanismen stieg die Streckgrenze des Stahls gegenüber dem warmgewalzten Zustand
nach einer Anlaßbehandlung bei einer Temperatur von etwa 350
oC an. Es wurden folgende mechanische Eigenschaften erreicht:
- Rm =
- 1428 N/mm²
- Rp0,2 =
- 1236 N/mm²
- A₅ =
- 15 %
In diesem Verfahren zeigt sich bereits das ebenfalls hervorzuhebende ausgezeichnete
Anlaßverhalten dieses Stahles. Die mechanischen Kennwerte werden durch eine Anlaßbehandlung
sogar noch weniger reduziert als dies z.B. bei dem in der DE 40 32 996 Al beschriebenen
Stahl der Fall ist. Aus diesem Grunde eignet sich der erfindungsgemäß verwendete Stahl
auch besonders für eine Feuerverzinkung zur Verbesserung des Korrosionsschutzes. Nach
einer bis zu 10 min dauernden Verzinkung in einem 450
oC warmen Zinkbad wiesen die Rohre mit der oben genannten Zusammensetzung folgende
Werte auf:
- Rm =
- 1262 N/mm²
- Rp0,2 =
- 1128 N/mm²
- A₅ =
- 15 %
Damit wurden die in der DE 40 32 996 Al aufgeführten Mindestwerte für verzinkte Rohre
deutlich übertroffen:
- Rm =
- 1100 N/mm²
- Rp0,2 =
- 800 N/mm²
- A₅ =
- 8 %
Es gibt eine Reihe von Anwendungen, bei denen es beispielsweise aufgrund der Rohrabmessungen
oder der Querschnittsform nicht möglich ist, ein Rohr im warmgewalzten Zustand einzusetzen.
Beispiele für solche Anwendungen sind Türverstärkerrohre mit nicht kreisförmigem Querschnitt
oder auch Kleiderständerrohre mit Abmessungen, die auf Warmwalzstraßen nicht darstellbar
sind. Zur Herstellung solcher Produkte ist es erforderlich, daß der verwendete Stahl
im Kaltziehverfahren weiterverarbeitet werden kann. Diese Möglichkeit ist durch den
erfindungsgemäß verwendbaren Stahl gegeben. Durch eine 30-minütige Glühbehandlung
bei ca. 700
oC wird die Härte des Stahles so weit reduziert, daß ein Kaltziehen ohne weiteres möglich
ist. Dies ist dagegen bei dem Stahl gemäß DE-39 35 965 Cl trotz einer Weichglühung
nicht der Fall. Durch die beim Kaltziehen aufgebrachte hohe Verfestigung werden die
mechanischen Eigenschaften, die durch die Weichglühung reduziert wurden, wieder stark
angehoben, so daß im Anschluß daran die Rohre in verwendungsfähigem Zustand vorliegen.
Im Falle von Rohren mit der oben genannten chemischen Zusammensetzung, die von der
warmgewalzten Abmessung 33,7 x 5 mm auf die Abmessung 26 x 4 mm kaltgezogen wurden,
lagen die mechanischen Kennwerte wie folgt:
- Rm =
- 1049 N/mm²
- Rp0,2 =
- 982 N/mm²
- A₅ =
- 13 %
Durch eine erneute Wärmebehandlung können die Werte im Bedarfsfall wieder auf das
Ausgangsniveau für warmgewalzte Rohre zurückgeführt werden.
1. Verwendung eines beruhigt vergossenen lufthärtenden Stahls bestehend aus (in Gewichts-%):
0,15 - 0,30 % C
0,50 - 0,80 % Si
2,05 - 3,35 % Mn
max. 0,03 % P
max. 0,03 % S
0,50 - 1,00 % Cr
max. 0,60 % Mo
max. 0,05 % Al
0,01 - 0,05 % Ti
0,0015 - 0,0035 % B
0,002 - 0,015 % N
als Werkstoff zur Herstellung von Konstruktionsrohren für mechanisch stark beanspruchbare
Konstruktionselemente, insbesondere für Türverstärkungen im Automobilbau, mit der
Maßgabe, daß die folgenden Beziehungen erfüllt sind:
Ti (%) : N (%) ≧ 3,4 %
Mn (%) + Cr (%) + Mo (%) + Si (%) ≧ 3,3 %