[0001] Die Erfindung betrifft ein Schmelzbad der in der Einleitung des Anspruchs 1 angegebenen
Art.
[0002] Hochschmelzende Metalle (Niob, Tantal, Zirkon, Molybdän, Wolfram u.s.w.) sind im
allgemeinen sehr widerstandsfähig gegenüber Korrosion in sauren und oxidierenden Medien,
z.B. werden Nb und Ta nur in geringem Maße von 200⁰ C warmer konzentrierter Schwefelsäure
und elementärem Chlor angegriffen. Außerdem können sie hohen Temperaturen (Schmelzpunkte
> 2000⁰C) in nicht oxidierender Atmosphäre widerstehen.
[0003] Die Verwendungsmöglichkeiten für Beschichtungen aus Niob- und Tantalmetall als Korrosionsschutz
für besonders beanspruchte Teile in Ventilen, Durchflußmessern, Pumpen und ähnlichem
sind in der chemischen Industrie und anderen Industrien zahlreich, weil hier große
Forderungen an die Korrosionsfestigkeit gestellt werden.
[0004] Beschichtungen aus hochschmelzenden Metallen können elektrolytisch aus chlorid- und
fluoridhaltigen Salzschmelzen ausgefällt werden. In der Literatur sind derartige Verfahren
beschrieben (G.W. Mellors und S. Senderoff, US Pat. 1969, No. 3,444,058, J.E. Perry,
US Pat. 1968, No. 3,371,020, G.P. Capsimalis, E.S. Chen, R.E. Peterson and I. Ahmad,
J. Appl. Electrochem.
17, 253 (1987), P. Los and J. Joslak, B. Electrochem.
5, 829 (1989), P. Taxil and J. Mahenc, J. Appl. Electrochem.
17, 261 (1987)), aber es hat sich in der Praxis als sehr schwierig erwiesen, technisch
und wirtschaftlich zufriedenstellende Ergebnisse zu erreichen, insbesonder bezüglich
Niobbeschichtungen. Es ist unter anderem schwierig, Ausfällungen zu vermeiden, die
Alkalimetalle, Oxide und komplexe Oxosalze der hochschmelzenden Metalle beinhalten.
[0005] Den oben beschriebenen Bädern für elektrolytische Oberflächenbeschichtung ist gemeinsam,
daß sie als Anionen nur Fluorid und komplexe Fluoride und in einzelnen Fällen Chloride
enthalten (V.I. Konstantinov, E.G. Plolyakov and P.T. Stangrit, Electrochemica Acta
26, 445 (1981), A.N. Baimakov, S.A. Kuznetsov, E.G. Polyakov and P.T. Stangrit, Elektrokhim
21, 597 (1985)). Chloridhaltige Bäder haben jedoch zumeist dendritische Ausfällungen
ergeben, oder die Bildung von niedrigeren, positiven Oxidationsstufen der hochschmelzenden
Metalle verursacht. Bisher hat man angenommen, daß sogar kleine Oxidmengen für die
Ausfällqualität schädlich sind, wenn reine Fluoridbäder verwendet werden. In der Literatur
sind allerdings Verfahren beschrieben, wo Niob aus gemischten Fluorid-Chlorid-Schmelzen
mit Zusatz von K₂NbF₇ und Nb₂O₅ an der Kathode ausgefällt wird (V.I. Konstantinov,
E.G. Polyakov and P.T. Stangrit, Electrochemica Acta
26, 445 (1981), A.N. Baimakov, S.A. Kuznetsov, E.G. Polyakov and P.T. Stangrit, Elektrokhim
21, 597 (1985)).
[0006] Aus der US-PS No. 1,815,054 ist ausserdem ein Verfáhren bekannt, bei dem hochschmelzende
Metalle, insbesondere Tantal, durch Elektrolyse von Schmelzbädern aus Alkalimetallhaliden
(insbesondere Fluorid) mit Zusatz von Alkalimetall-hochschmelzendes Metall-halogenid
Doppelsalzen und einem ionisierbaren oxygenhaltigen Salz des hochschmelzenden Metalls
hergestellt werden können. Bei diesem Verfahren erhält man das hochschmelzende Metall
in Pulverform und nicht als eine zusammenhängende Oberflächenschicht auf der Kathode.
Es wird keine Reduktion des Schmelzbads verwendet, og die oxygenhaltige Verbindung
wird an der Anode dekomponiert.
[0007] Die vorliegende Erfindung ist von der in der Einleitung des Anspruchs 1 angebenen
Art, und ist geprägt durch die im kennzeichnenden Teil des Anspruch 1 angegebenen
Merkmale. Bei der erfindungsgemässen Verwendung von Salzschmelzbädern werden die bisher
bekannten Nachteile vermieden, z.B. unreine und unzusammenhängende Oberflächenschichten,
und die Plattierung mit den genannten Metallen kann kontinuierlich mit einem wirtschaftlich
und technisch zufriedenstellendem Ergebnis ausgeführt werden.
[0008] Die Erfindung betrifft ebenfalls ein Verfahren der in der Einleitung des Anspruchs
4 angegeben Art, das durch die im kennzeichnenden Teil des Anspruchs 4 angegebenen
Merkmale geprägt ist.
[0009] Die erfindungsgemässen Salzschmelzbäder beinhalten außer den Fluoridanionen auch
eine wesentliche Menge Oxidanionen. Derart zusammengesetzte Bäder können für die elektrolytische
Plattierung von feinkristallinen kohärenten und adhädierenden Oberflächenschichten
aus hochschmelzenden Metallen verwendet werden.
[0010] Plattierungen mit hochschmelzenden Metallen aus Fluoridbädern mit Zusatz von Oxidanionen
sind bisher nicht bekannt gewesen, und die Verwendung dieser Bäder hat wie erwähnt
große Vorteile sowohl technischer als auch wirtschaftlicher Art. Dies ist mittels
Untersuchung der Stromausbeute sowie durch Elektronmikroskopie und EDX- Analysen des
ausgefällten Metalls nachgewiesen.
[0011] Bei Plattierung muß der Inhalt des Schmelzbads an Metallionen des auszufällenden
hochschmelzenden Metalls zwischen 1,0 und 8 Atom % liegen, und das Molverhältnis zwischen
Oxid und Metall muß im Intervall 0,1 bis 1,5 liegen, um kohärente Oberflächenschichten
aus reinem Metall bei Arbeitstemperaturen zwischen dem Schmelzpunkt und etwa 900°C
zu erreichen.
[0012] Das Redoxniveau des Schmelzbads muß durch Zugabe eines Redoxmittels auf einem passenden
Wert gehalten werden.
[0013] Dies kann das hochschmelzende Metall in Metallform oder eine Verbindung mit der gleichen
Wirkung sein.
[0014] Die elektrolytische Ausfällung muß in einer inerten, nicht oxidierenden Atmosphäre
aus z.B. Argon, Neon, trockenem Stickstoff oder unter Vakuum erfolgen.
[0015] Die erfindungsgemäße Badzusammensetzung ist nicht korrosiver, als daß Behälter und
ähnliches aus irgendwelchem Material verwendet werden können, das nicht wesentlich
mit der Schmelze reagiert, z.B. glasartiger Kohlenstoff, Graphit, stabilisierende
Zirkonoxide, Nickel und nickelhaltige Materialien, Sialone und Aliuminiumnitrid.
[0016] Die Kathode, auf der das Metall ausgefällt wird, muß aus einem elektrisch leitenden,
festen Material bestehen, das nicht in zu hohem Maße mit dem Schmelzelektrolyt reagiert.
Dies kann Stahl, legierter Stahl, Graphit, Nickel, nickelhaltige Legerierungen oder
Kupfer sein.
[0017] Die Anode kann aus dem auszufällenden Metall bestehen, z.B. in Form von Stangen,
Metallfolie oder Platten in verschiedenen geometrischen Ausbildungen. Die Anode dient
somit als Quelle für das auszufällende Metall, und hält außerdem die Oxidationsstufe
des hochschmelzenden Metalls im Schmelzbad im gewünschten Bereich fest.
[0018] Das Elektrolytbad kann auch als Metallquelle verwendet werden. In diesem Fall kann
eine inerte Anode aus beispielsweise Graphit, glasartigem Kunststoff oder Platin verwendet
werden. Bei Verwendung des Elektolytbads als Metallquelle müssen der Schmelze Metallionen
zugesetzt werden, so daß die Konzentration des auszufällenden Metalls innerhalb des
gewünschten Intervalls gehalten wird. Außerdem muß ein Reduktionsmittel zugeführt
werden, z.B. das betreffende hochschmelzende Metall, damit die Oxidationsstufe korrekt
wird.
[0019] Die erfindungsgemäße Badzusammensetzung basiert sich darauf, daß Alkalifluorid-Schmelzmischungen
mit Zusatz von Niob/Tantal-Fluoriden, Niob/Tantal-Oxiden, Niob/Tantal Oxofluoriden
oder Mischungen hiervon als Elektrolyt verwendet werden, sowie Oxid in ausreichender
Menge, um das Metall/Oxid Verhältnis in dem gewünschten Intervall zu halten.
[0020] Die bevorzugte Grundschmelze (Lösungsmittel) ist die eutektische Mischung aus LiF-NaF-KF.
Dieser Mischung wird Niob/Tantal in Form von Fluoriden, Oxofluoriden, komplexen Fuoriden/Oxofluoriden
oder Oxiden zugesetzt. Um den korrekten Oxidinhalt der Schmelze zu erreichen, wird
diese eventuell mit beigemischten Oxiden der 1. oder 2. Hauptgruppe, und/oder Oxiden
oder Oxofluoriden des auszufällenden Metalls justiert. Diese Bestandteile bilden das
Elektrolytbad.
Beispiel 1.
[0021] Niob wurde aus einer Schmelze mit dem Inhalt 2,7 Mol % Niob und 2,7 Mol % Oxid mit
eutektischem LiF-NaF-KF als Grundschmelze auf eine Stange aus niedrigekohltem Stahl
plattiert. Niob wurde als K₂NbF₇ und das Oxid als Na₂O zugesetzt. Die Anode bestand
aus einer 1 mm dicken Niob-platte. Prozeßtemperatur 700°C, Stromdichte (kathodisch)
77 mA/cm². Vor der Elektrolyse war die Niob-Anode 3 Stunden lang in das Elektrolytbad
eingetaucht. Die kathodische Stromausbeute war 95%. Die ausgefällte Oberflächenschicht
war kristallin, kohärent und haftete gut am Substrat aus niedriggekohltem Stahl. EDX-Analysen
zeigten, daß die Schicht aus 100% Niob bestand.
Beispiel 2
[0022] Niob wurde unter den gleichen Prozeßbedingungen wie in Beispiel 1 auf Kohlenstoffstahl
plattiert. Der Schmelzelektrolyt war eine eutektiske Mischung aus LiF-NaF-KF mit einem
Niobinhalt von 3,2 Mol % und einem Oxidinhalt von 3,2 Mol%. Die ausgefällte Oberflächenschicht
bestand aus reinem Niob (EDX-Analyse), war feinkristallin, kohärent und haftete gut
am Substrat. Die kathodische Stromausbeute war 77%.
Beispiel 3.
[0023] Niob wurde unter den gleichen Prozeßumständen wie in Beispiel 1 auf Kohlenstoffstahl
ausgefällt. Der Schmelzelektrolyt war eine eutektische Mischung aus LiF-NaF-KF mit
beigefügtem oxidhaltigem NbF₅ . Der Inhalt von Niob und Oxid, war jeweils 2,7 und
etwa 3,2 Mol %. Die ausgefällte Schicht war kohärent, feinkristallin und haftete gut
an der Unterlage aus Stahl. EDX-Anlalysen zeigten, daß die Oberflächenschicht 100%
Niob war. Die kathodische Stromausbeute war 56%.
Beispiel 4.
[0024] Tantal wurde aus einer Grundschmelze aus eutektischem LiF-NaF-KF mit zugesetztem
K₂TaF₇ und Na₂O auf Kohlenstoffstahl ausgefällt. Der Mol % von Tantal und Oxid, war
jeweils 2,7 und etwa 2,0. Als Anode wurde ein Zylinder aus 1 mm dicker Tantalfolie
verwendet. Vor der Elektrolyse war die Anode 3 Stunden lang eingetaucht. Die Prozeßtemperatur
war 700°C. Die ausgefällte Oberflächenschicht bestand aus reinem Tantalmetall, war
kohärent, feinkristallin und haftede gut an der Unterlage aus niedriggekohltem Stahl.
Die kathodische Stromausbeute war 78%.
Beispiel 5.
[0025] Zirkonium wurde aus einer eutektischen LiF-NaF-KF-Schmelze mit beigemischtem K₂ZrF₆
ausgefällt. Mol % von Zr und Oxid war für beide 2,7%. Als Anode wurde 1 mm dicke Zirkonmetallfolie
verwendet. Die kathodische Stromdichte war 40 mA/cm², un die Prozeßtemperatur 700°C.
Die ausgefällte Zirkonmetallschicht haftete gut am Substrat aus niedriggekohltem Stahl.
Die Stromausbeute war 58%.
1. Schmelzbad für die elektrolytische Oberflächenbeschichtung mit einem der hochschmelzenden
Metalle Nb, Ta, Zr, W oder Mo, insbesondere Niob oder Tantal, auf der Basis einer
Salzschmelze aus Alkalimetallfluoriden und einem Fluorid des hochschmelzenden Metalls,
dadurch gekennzeichnet, daß der Inhalt des Bades an Metallionen des hochschmelzenden Metalls zwischen 1 und
8 Atom % liegt, daß das Bad Oxidanionen enthält und mit dem hochschmelzenden Metall
in metallischer Form in Berührung ist oder ein entsprechendes Redoxmittel enthält,
und daß das Molverhältnis zwischen Oxid und dem hochschmelzenden Metall im Intervall
0,1 bis 1,5 liegt.
2. Bad nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es Oxidanionen in Form eines Alkalimetalloxids oder eines Oxids, Oxofluorids
oder komplexen Oxofluorids des hochschschmelzenden Metalls enthält
3. Bad nach Anspruch 1 - 2, dadurch gekennzeichnet, daß es das hochschmelzende Metall in Form eines Fluorids, eines Chlorids, eines komplexen
Fluorids, eines komplexen Chlorids, eines Oxids, eines Oxofluorids oder eines komplexen
Oxofluorids des hochschmelzenden Metalls enthält.
4. Verfahren für die elektrolytische Oberflächenbeschichtung mit einem der hochschmelzenden
Metalle Nb, Ta, Zr, W oder Mo, insbesondere Niob und Tantal, in einer inerten, nicht
oxidierenden Atmosphäre oder unter Vakuum, dadurch gekennzeichnet, daß für die Elektroyse ein Bad mit einer Zusammensetzung nach einem der Ansprüche
1 - 3 verwendet wird.